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Golf für Junggebliebene

Vollständige E-Book-Ausgabe der im Copress Verlag erschienenen Printausgabe (ISBN 978-3-7679-1107-9).

Covergestaltung: Pierre Sick

DTP-Produktion und Layout (Printausgabe):

Verlagsservice Peter Schneider / EDV-Fotosatz Huber, Germering

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.dnb.de abrufbar.

© 2016 Copress Verlag in der Stiebner Verlag GmbH, Grünwald Alle Rechte vorbehalten.

Wiedergabe, auch auszugsweise,

nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags.

Gesamtherstellung: Stiebner, Grünwald

ISBN 978-3-7679-2042-2

www.copress.de

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kapitel 1: Midlifecrisis – was kommt danach?

Welcher Spielertyp braucht welchen Rat? – Beispiel: Runde eines junggebliebenen Nettospielers

Kapitel 2: Die Zumutungen des Älterwerdens

Erschwerungen des Golfspiels – Biologische Risiko-Stufen – Wie man Schäden vermeidet

Kapitel 3: Für Golf ist man nie zu alt

Mit 120 gesund sterben – die neuen ChancenErst die Seniorentour ist richtig schönGolf für Best-AgersEwig jugendlich – Wunsch und WirklichkeitGolf für echte Senioren – jetzt erst recht

Kapitel 4: Golf ist Anti-Aging

Der Golfplatz als Savanne – die neuen ParadieseWas das Herz brauchtDie Golfrunde – ein FitnessstudioAuf den Beinen bleiben – die Balance haltenGolf ist ein Jungbrunnen

Kapitel 5: Dem Altern begegnen

Vorteile des Alters – Wissen und ErfahrungDer Körper als Partner – fordern und fördernNatürlich und entspannt bewegenDie Regeln der VernunftVom Nutzen der Medizin

Kapitel 6: Die Pillen und der Score

Golfen ohne SchmerzFragen Sie Ihren Arzt oder ApothekerGolfen ohne AngstDie Kunst der Optimierung

Kapitel 7: Golf auf Wolke Sieben

Wachmacher und EnergizerDoping beim GolfDer Pakt mit dem TeufelADO und VerbotslistenDas beste Dopingmittel ist Golf

Kapitel 8: Auf der Suche nach dem verlorenen Schwung

Zuerst zum ProWie schwingen die Longhitter?Das ewig WeiblicheDie Lucy in uns – Basisprogramme aus der EvolutionAls wir noch keine Räder hatten – die Beine als Motor

Kapitel 9: Die Golfrunde als Weg zu Dir selbst

Wegbegleiter – der innere ProLebenslanges Lernen auf der RundeAnpassungen von Stand und GriffVarianten für mehr WeiteÄußerer Schwungkreis und auslösende KörperzentrenLob der LangsamkeitGefühl geht über Technik

Kapitel 10: Der Schwung der reifen Jahre – persönlich und flexibel

Der Pfeil zum Ziel – die entscheidende PhaseAuf Schienen seitlich wegDer ganze Körper als BogenBeispiel eines persönlichen Schwungs

Kapitel 11: Auf der Runde

Einstimmung und BereitstellungAm AbschlagEssen und Trinken auf der RundeDer Rhythmus des SpielsDie Strategie des Platzes

Kapitel 12: Das kurze Spiel – die Chance für Senioren

Horrorsockets und andere KontrollverlusteAnnäherungen – Erfahrung und SelbstvertrauenÜber den Bunker hinwegPutten macht gelassen

Kapitel 13: Modernes Golf durch Technik und Computer

Bewegungshilfen – E-Trolleys und E-KartsMaterialverbesserungenComputerhilfenFitness und Gesundheit – KörperwerteStrategie und Schwungtechnik – GPS und AppsDie Vernetzung in den Clubs – unverzichtbarDer beste Computer – Sie selbst

Kapitel 14: Die Psyche steuert alles

Golfers Ängste und deren ÜberwindungGolfers Selbstbild – Glanz und ElendPsychisch Jungbleiben in reiferen JahrenDie Festplatte in uns – das Archiv der ErfahrungenPsychische Kräfte – bewusste HaltungenDie Macht des Unbewussten – Bauchgefühle

Kapitel 15: Hilfe durch »Mantras«

Vorbereitende ProgrammierungenEinstimmung auf das SpielDirekthilfen auf der RundeMantras für lange SchlägeMantras für das kurze Spiel und PuttsAngstminderung und Killerinstinkt

Kapitel 16: Der Fluss der Zeit – Golf im Übergang

Auch Golfclubs werden älterDer Zeitgeist benachteiligt die SeniorenDie ganz normale Ausgrenzung – ein ErfahrungsberichtVermeidbare Missverständnisse unter SpielernAlter schützt vor Torheit nicht – eine leider nötige WarnungRegeln von damalsReisehindernisse – off limits für Paradiese

Kapitel 17: Zukunftsmodell Golf

Was die Clubs tun könnenSeniorengerechte WettspieleSinnvolle Erleichterungen für GehbehinderteFairer Ausgleich für altersbedingten DistanzverlustGolfreisen – der Weg zu ParadiesenModerner Zeitgeist – Gefahren und VorurteileAlterskultur und Jugendkult – Miteinander statt AusgrenzungUmgang der Spieler miteinanderRuhm und Ehre oder just for funNestor – ein moderner SuperseniorDie Runde der Glücklichen

Kapitel 18: Golf ist Lebenskunst

„Nur ein Spiel“ – Gelassenheit und GemütsruheGolf schont das Herz und verlängert das LebenPhilosophie im Leben und beim GolfModerne Philosophien

Zusammenfassung und Schlusswort

Danksagung

Quellenverzeichnis

Einleitung

Jung bleiben wir viel länger als wir meinen. In unserer Zeit beginnt das Älterwerden wesentlich später als noch bei unseren Großeltern und wir leben deutlich länger und zwar mit von Jahr zu Jahr steigender Tendenz. Erstmals in der Geschichte der Menschheit sind uns ein bis zwei Jahrzehnte neuen Lebens geschenkt, und zwar mit erhaltener körperlicher und geistiger Fitness. Die Generation 60 plus sind Junggebliebene mit ganz neuen Chancen die gewonnenen Jahre in vorher ungekannter Qualität zu genießen. Golf passt dazu gut, denn Jungbleiben und Golfspielen sind zwei Seiten einer Münze. Golf hält jung, Golfer bleiben fit und leben im Schnitt fünf Jahre länger! Es kann wie kein anderer Sport bis ins hohe Alter gespielt werden und trägt zum Jungbleiben wesentlich bei.

Das eröffnet dem Golfsport neue Perspektiven. Die wachsende Gruppe der jungen Senioren von 60 bis 80 und darüber hinaus sollten zum Golfsport ermutigt und angeworben werden, denn ein besseres Fitness- und Antiaging-Programm ist für diese kaum vorstellbar.

Leider fängt es mit dem Jungbleiben irgendwann an zu hapern und mit dem Golfspielen dann auch. Aber andererseits ist gerade Golf ein sehr gutes Überlebenstraining und hilft die Probleme des Älterwerdens zu bewältigen. Der Autor, der seit gefühlten 100 Jahren Golf spielt (real seit 1978), gibt viele Anregungen, wie man trotz Behinderungen seine Spielphilosophie umstellen und seinen ganz persönlichen Schwung und Stil finden kann. Die Erfahrungen, die er als Supersenior beim Golfspiel gewonnen hat, stehen in Wechselwirkung zu wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Mentalität älterer Menschen, ihrer Reifung und ihrer Fähigkeit zu kreativen Lösungen (Luft 2011, Luft/Vogt 2015). Man sieht und fördert heute mehr die Vorteile und die Überlegenheit Älterer und das hilft auch ihr Golfspiel zu kultivieren.

Das Buch »Golf ist ganz einfach« (Luft 2011 Copress Verlag) hatte schon einigen zu mehr Freude am Golf und zu Handicapverbesserungen verholfen. Die meisten Golfer sind aber Männer der Tat. Sie lesen nicht, sie handeln, und gaben das Buch ihren Frauen, die sich an der literarischen Qualität und an den Anekdoten rund um Golf erfreuten. Einige haben sogar gemerkt, dass der Titel ein Mantra ist. Da aber nur selber lesen klug macht, enthält dieses neue Buch nun mehr Nutzanwendungen. Die Geheimnisse der psychischen Kräfte, die unseren Golfschwung so sehr beeinflussen, werden nicht mehr als Hexen dargestellt, sondern im Klartext beschrieben, um auch die praktisch denkenden GolferInnen anzusprechen.

Viele aktive Golfer geben bisher leider mit 60 oder 70 vorzeitig und unnötig auf. Sie glauben, dafür gute Gründe zu haben, denn der Drive ist kürzer, Schmerzen behindern, man ist langsam geworden, schnell erschöpft und hat nicht mehr den gewohnten Biss. Oft spielen die Lebens- und Flightpartner nicht mehr mit, welken dahin oder sind schon verstorben. Bei jüngeren Mitspielern ist man nicht mehr erwünscht und auch nicht mehr richtig am Platze. Die angebotenen Turniere sind nur auf Jüngere zugeschnitten. Man fühlt sich ausgeschlossen und kaltgestellt.

Voreilig aufzugeben ist aber sehr schade und ganz falsch, weil es auf Vorurteilen aus der Vergangenheit beruht. Viele betagte GolferInnen möchten an ihrem Selbstbild festhalten, als seien sie noch jung und wild. Sie haben noch die althergebrachten negativen Vorurteile über das Älterwerden, trauen keinem über 30 und sehen 50 als Beginn des Gruftie-Alters an. Die zeitgemäße bessere Option ist, sein reales Alter anzuerkennen aber auch zu sehen, dass uns inzwischen neue Lebensjahre geschenkt sind und als Zugabe die nötige Vitalität, um auch weiterhin noch mit Freuden golfen und leben zu können. Auf das katastrophale Wetter und das miserable Befinden zu pfeifen und lieber erst einmal Golf spielen zu gehen ist der entscheidende Schritt und öffnet den Weg für eine gute Philosophie und Lebenskunst, auch für die nicht mehr ganz Junggebliebenen. Die aktiven Golfspieler, die bisher vorzeitig aufgeben, sind also die zweite große Gruppe, die motiviert werden sollte, in den gewonnen Jahren zu ihrem eigenen Vorteil und zu dem ihrer Clubs noch weiterzuspielen. Wer seine Vorurteile überwindet und mit 60, 70, 80 und mehr noch golfspielt, beginnt zu begreifen, wie – trotz aller Leiden und Einschränkungen – vieles im Alter besser und schöner wird.

Die meisten Golfklubs pflegen noch ausschließlich den Jugendkult und fördern die jungen Spieler mit allen Mitteln. Das ist auch nötig, aber die älterwerdenden Spieler brauchen ebenso Förderung, denn sie sollen und wollen spielen, passen aber nicht mehr recht rein und fühlen sich nicht mehr unbedingt willkommen. Dabei bringen sie den Clubs zwar nicht mehr so viele sportliche Ehren, wohl aber Ansehen und Würde und sind außerdem oft großzügige Sponsoren und Mäzene. Sie in die Wettspiele und das Clubleben zu integrieren ist jedoch nicht immer einfach, denn Jung und Alt haben natürlicherweise nur begrenzt Verständnis füreinander. Ältere werden gern verspottet und man grenzt sie auch aktiv aus. Ihrerseits wollen diese nicht als alt gelten und nehmen an den angebotenen Senioren-Wettspielen nicht gern teil, weil sie sich schon an dem Wort stoßen. Für Supersenioren geeignete Wettspiele mit altersgerechten Regeln gibt es derzeit noch kaum. Mein Heimatclub Frankfurter Golf Club und die Golf-Senioren-Gesellschaft sind rühmliche Ausnahmen.

Die aktuelle Position des Golfsports in der Bundesrepublik wird davon bestimmt, dass der Zeitgeist und die demographische Situation sich geändert haben, manche Golfclubs nicht mehr genug Mitglieder finden und sogar Plätze »rekultiviert« werden müssen. Das liegt u. a. daran, dass die Jüngeren sich weniger für aktiven Sport interessieren, die Generation 60 plus aber umso mehr. Bei allen Sportarten sind die Neuaufnahmen heute rund 10 Jahre älter als früher. Golf sollte diesen Trend nutzen und sich für alle Altersklassen attraktiv machen. Ebenso wie um die Jugend muss um die wachsende Generation 60 plus, die noch nicht golfspielt, und um die Clubmitglieder, die austreten wollen, geworben werden, um in den Clubs allen eine Heimat zu geben. Das bringt die schwierige Aufgabe mit sich, neue Spielformen anzubieten, die den unterschiedlichen Generationen Freude machen.

Alles fließt, und auch beim Golf verändern sich die Plätze, die Technik, die Schläger, die Regeln, die Clubs und die Spieler stetig. Der Zeitgeist zeigt neuerdings für Golf auch wieder günstige Tendenzen. Soviel Anfang war nie. Jeder Golfer hat heute die begeisternde Chance, die Idee von seinem Spiel und von Golf überhaupt seinen persönlichen gereifteren Möglichkeiten anzupassen und neu zu entwerfen. Die Lebensaufgabe, in reiferen Jahren seine eigentliche Identität zu finden, kann beim Golf gut gelebt werden. I have a dream. Mit technischen und mentalen Anpassungen, Philosophie und Lebenskunst lassen sich Träume verwirklichen, auch die von einem befriedigenden Golfspiel trotz Älterwerdens, vom Erhalt einer gewissen Jugendlichkeit und vom Idealbild eines lebenszugewandten, zufriedenen Seniors und Golfers.

Kapitel 1

Midlifecrisis – was kommt danach?

Die Midlifecrisis um 50 mit ihrem Hochgefühl geht leider vorbei, und danach wird das Leben schwieriger. Je früher man sich darauf vorbereitet, desto besser ist es. Auch Golfspieler werden älter und bekommen Probleme, die je nach Spielstärke unterschiedlich sind und andere Lösungen erfordern. Zwei Spielertypen markieren als Beispiele die Enden eines Spektrums, in dem es viele Zwischenstufen gibt.

Welcher Spielertyp braucht welchen Rat?

Beim Älterwerden scheidet sich die Spreu vom Weizen. Der eine Typ sind die naturbegabten ernsthaften Golfspieler, die in allen Turnieren und bei Mannschaften mitspielen, bei dem beliebten Scramble die Tigers stellen, die Fairplayer im ersten Buch des Autors (Luft 2011). Sie haben oft ein einstelliges Handicap oder streben es an, ihr Drive fliegt locker noch 180 Meter oder mehr, sie kommen meist in regulation aufs Grün und putten sicher. Ihr Maßstab ist das Brutto-Ergebnis. Mit folgenden Merkmalen gehören Sie noch zu den Bruttospielern:

Sie haben seit Jahren ein stabiles Handicap von 18 oder weniger.

Sie müssen vor dem Schlag über Ihre Technik nicht groß nachdenken und sind ziemlich sicher, dass Ihr Ball ungefähr dort landen wird, wohin Sie ihn haben wollen.

Ihre Probleme sind, dass Ihre Drives und Fairway-Schläge kürzer werden, sodass Sie auf langen Par-4-Löchern mit dem zweiten Schlag nicht mehr sicher das Green erreichen, ob Ihr Approach nah genug an der Fahne liegt oder noch mehr als ein Putt nötig wird.

Sie finden es blamabel, wenn Ihr Putt aus weniger als 3–4 Metern nicht fällt.

Die technischen Ratschläge dieses Buchs sind deshalb für Sie kaum nötig. Was Sie brauchen, ist die Ermutigung trotz Älterwerdens beim Golf zu bleiben. Die Gefahr besteht für Sie darin, an ihrem Ehrgeiz zu scheitern und das Golfspielen ganz aufzugeben, wenn Sie Ihren hohen Maßstäben nicht mehr perfekt gerecht werden, das Handicap ansteigt und Sie z. B. für Mannschaften nicht mehr nominiert werden. Sie können durch dieses Buch eventuell andere Motivationen finden, weiter Golf zu spielen und sich damit die gute Wirkung von Golf auf Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden erhalten.

Bruttospieler brauchen und finden in diesem Buch einiges jenseits der Technik und der Scores, das ihnen hilft, mit sich und ihrem Älterwerden beim Golf und überhaupt besser zurechtzukommen.

Nettospieler, der Gegentyp, sind genauso echte und begeisterte Golfspieler, ihre Möglichkeiten und ihre Spielstärke sind aber begrenzt. Sie sind eventuell auch schon stärker von den Auswirkungen des Älterwerdens betroffen. An dem erwähnten Scramble nehmen sie als Rabbits teil und in meinem ersten Buch werden sie als Roughplayer bezeichnet.

Sie haben nie ein Handicap unter 20 erreicht oder es nicht halten können.

Ihr Handicap steigt unaufhaltsam an und Sie finden kein Gegenmittel.

Ihre langen Schläge werden jedes Jahr kürzer, und beim Versuch das zu ändern, misslingen sie völlig. Der Drive erreicht oft nicht mehr das Fairway, sondern bleibt im Rough davor hängen.

Zwischen einem Golfschlag und einem Rouletteeinsatz besteht für Sie kein wesentlicher Unterschied, beides ist Glückssache. Sie sind unsicher geworden, ob Sie den richtigen Schläger haben, ob Sie den Ball wieder von außen oder endlich von innen oder überhaupt nicht treffen werden, und ob er nach links, nach rechts oder gar nicht fliegen wird.

Sie wissen nie, wo der Ball landen wird, sind aber öfter überzeugt, dass er dorthin gehen wird, wo sie ihn nicht haben wollen, in den Bunker, ins Wasserhindernis oder ins Aus.

Sie halten viele Schläge für katastrophal schlecht, denken nach dem Treffmoment »wo geht der bloß hin, o Gott, entsetzlich« oder ähnliches, auch wenn er dann wirklich gut oder sehr gut ist.

Wenn Sie sich in dieser Schilderung wiedererkennen, dann gehören Sie zu den Nettospielern, denen ein solches Buch in allen Bereichen sehr helfen kann. Wie Sie mit Ihrem nachlassenden Körper besser umgehen, Ihre Technik den unausweichlichen körperlichen Behinderungen anpassen, sich psychisch besser auf das Nicht-mehrso-Jungsein einstimmen, sich motivieren lernen und Vieles mehr. Wenn Sie es sorgfältig lesen und Einiges davon umsetzen können, dann könnten Sie vielleicht noch zu einem Bruttospieler werden.

Beispiel: Runde eines junggebliebenen Nettospielers

Er fühlt sich noch relativ jung und spielt mit Freuden die Wettspiele mit. Aber es läuft nicht mehr so wie früher. Der Drive erreicht oft nicht mehr das Fairway, und wenn er mal weiter ist, liegt er tief im Wald. Der nächste Schlag darf auf keinen Fall in den Fairwaybunker. Na ja, ist er aber. Der vierte Schlag muss über eine Brücke zwischen zwei Bunkern angespielt werden, weil der Pitch von 80 Metern carry im Flug aufs erhöhte Grün schon lange nicht mehr gelingt. Er verzieht in den linken Grünbunker, den er zitternd betritt, weil die Vorderwand oben, über Kopfhöhe, weit überhängt. Der erste Schlag rollt ihm wieder vor die Füße, der zweite, sehr gut getroffen, fliegt weit übers Grün. Verdrossen muss er das Loch streichen.

Aber dann wird es besser, denn die Illusion, heute souverän zu gewinnen ist ihm schon vergangen. Ist der Score erst ruiniert, spielt es sich ganz ungeniert (frei nach Wilhelm Busch). Schön demütig spielt er weiter und es läuft recht gut, es folgen Bogies und an einem Dreierloch ein Par. Aber Dreiputts sind auch dabei und irgendwann kommt leider noch ein Waterloo: Der getoppte Approach ist in den rechten Greenbunker gerollt, zehn Meter vor der Fahne. Mit einem gekonnten Horrorsocket befördert er den Ball in den andern Greenbunker links, und die Putts fallen dann auch nicht. Er kämpft mit sich, ob es eine 8 war und noch einen Punkt bringt. Du denkst wohl: gut verzählt ist halb gewonnen, murmelt Freund Peter und schreibt ungerührt eine 9 auf. Alles ist Frust und Ärger und auch moralisch kommt er sich minderwertig vor. Er ist heute der Letzte und beim Überreichen des Bubi-Preises hört er das mitleidige Seufzen seiner Freunde und das kaum unterdrückte höhnische Lachen seiner Rivalen.

So ist es nicht immer, aber gelegentlich schon. Wenn Sie gut drauf sind, mit Freunden statt Rivalen spielen und auf Privatrunden ohne den Druck des Scores, spielen Sie freier und besser. Auch gibt es zwischen diesen Extremen den durchschnittlichen Normalspieler, der dem einen oder anderen der Extremtypen näher steht oder zwischen diesen schwankt. Stecken Sie die Scham weg, lernen Sie über sich selbst zu lachen und lesen Sie mit Vergnügen dieses Buch. Dann werden Sie aus dem Fairwaybunker 100 Meter den Ball an die Fahne legen – und wenn nicht siehe unten.

Kapitel 2

Die Zumutungen des Älterwerdens

Jung bleiben wir leider nicht auf Dauer und nicht von selbst. Wir sind, wie jedes Lebewesen, von der Evolution auf Verfall programmiert und unterliegen den Nachteilen des biologischen Alterns. Richtig alt werden bekanntlich nur die andern, aber spätestens nach der Midlifecrisis treten auch bei uns Haarausfall, Zahnverluste, Sehverschlechterung und Schwerhörigkeit auf, die jedoch durch Brille, Zahnersatz und Hörgeräte gut ausgleichbar sind. Noch können wir uns darüber lustig machen.

Bis es ernst wird und man das Altern richtig merkt, ist man heutzutage 75 oder 80. Früher waren es zehn bis 20 Jahre früher. Im Dritten Alter zwischen 60 und 80 lassen die körperlichen und geistigen Leistungen oft unbemerkt jedoch stetig oder in Schüben nach. Der Bewegungsapparat von Muskeln, Bändern und Gelenken verliert seine Elastizität und trocknet aus. Der Körper schrumpft, wir werden um Zentimeter kleiner. Die Muskeln werden schlaffer. Die Muskelmasse lässt schon ab 50 um ein bis zwei Prozent pro Jahr nach, ab 60 um drei Prozent. Kraft und Ausdauer nehmen dementsprechend ab. Ermüdung tritt früher ein und wird schnell zur Erschöpfung, die Erholung dauert länger. Die Herzleistung wird schwächer, der Körper bekommt weniger Sauerstoff. Man wird kurzatmig, die Gehstrecke wird kürzer, man muss stehenbleiben oder sich setzen. Die inneren Organe werden schlechter durchblutet und arbeiten langsamer, Blutzucker und Blutfette steigen an. Der Stoffwechsel wird träge, die Entgiftung verzögert sich. Arteriosklerose und Hochdruck machen sich bemerkbar.

Die Gehirnfunktionen lassen ebenfalls nach, die Leitgeschwindigkeit der Nerven verlangsamt sich. Das Uhrwerk des Körpers läuft nicht mehr reibungslos, es knirscht und stockt. Die Präzision geht verloren. Der Tastsinn und der Gleichgewichtssinn werden unsicher, die zentrale Steuerung und Koordination von Bewegungen gelingt nicht mehr recht, der Gang wird unbeholfen und schleppend, man verliert leicht die Balance und neigt zu Stürzen. Alles wird umständlich und langsam. Man kann nicht mehr zwei Dinge gleichzeitig tun, z. B. beim Gehen konzentriert nachdenken sondern bleibt stehen, wenn man nach etwas gefragt wird. Schuhe, Strümpfe, Mantel kann man schließlich nicht mehr ohne Hilfe anziehen, Kopf und Rumpf kann man nur noch gemeinsam drehen, man hat Mühe im Auto in den Rückspiegel zu schauen. Wir haben »lange Leitung« und werden vergesslich. Manche verändern sich auch als Person, werden schwierig oder depressiv.

Das alles führt zu Behinderungen, die früher oder später erst lästig und dann zur Zumutung werden. Im Vierten Alter, das bei den meisten über 75 oder 80 beginnt, tritt im Umgang mit dem Körper ein Machtwechsel ein, der Körper wird vom willigen Diener zum absoluten Herrn, der unsere Lebensführung bestimmt. Wir können nicht mehr einfach tun, was wir möchten, sondern nur noch das, was der Körper erlaubt. Die Witze vergehen einem, eher angebracht sind elegische Seufzer wie ›Ach wie bald, ach wie bald, schwinden Schönheit und Gestalt‹. Wir leiden unter all den Zumutungen des Alterns und reagieren darauf, und zwar oft falsch. Eine der folgenschwersten Fehlentscheidungen ist, Golf vorzeitig aufzugeben.

Genau besehen wird das Älterwerden bewirkt durch ein Stirb und Werde der Körperzellen, das schon mit der Geburt beginnt. Wir stellen uns den Körper zwar gern als etwas Festes vor, wie aus Stein oder Marmor, aber in Wirklichkeit gilt »Alles fließt« (Heraklit) auch für den Menschen. Wir sind zu 60–80 Prozent Wasser, ein unaufhörlich fließender Organismus. In jeder Sekunde haben unvorstellbar viele Körperzellen aller Organe ihre Aufgabe erfüllt, sterben ab, werden entsorgt und durch neue ersetzt. Das ist unsere Natur, aber es wird erst beim Älterwerden bemerkbar. In der Jugend überwiegt das Wachstum, aber schon ab dem dritten Jahrzehnt überwiegt bei bestimmten Organen der Untergang und immer mehr Funktionen gehen langsam aber sicher verloren. So liegt z. B. der Höhepunkt der Hormonproduktion bei Mitte zwanzig. Das menschliche Leben ist wie ein Tag, bei dem sich schon mittags mit der Midlifecrisis die Wende zum Alter ankündigt.

Erschwerungen des Golfspiels

Nach den jugendlichen Höhepunkten um 30 gehen die für das Golfen wichtigen Körperfunktionen nach und nach unweigerlich verloren und machen sich auf der Runde störend bemerkbar. Die Schönheit und Gestalt auch des Golfschwungs schwindet dahin. In der Midlifecrisis um 50 lebt alles noch einmal auf, aber im Dritten und Vierten Alter kommt es zunehmend zu ausgeprägten Erschwerungen und Behinderungen im Alltag und beim Golf, wenn auch in persönlich sehr unterschiedlichem Ausmaß.

Die Schwungkraft, das Tempo und die Treffsicherheit lassen nach, der Schwung und die gesamte Spielweise sind nicht mehr das, was sie bisher waren.

Die Gelenke haben für den Golfschwung Schlüsselpositionen. Arthrosen der Fingergelenke führen zu Teilversteifungen und erschweren den Griff. Aktivierte Arthrosen, Entzündungen von Knie- und Hüftgelenken können das Gehen, den Stand und den Schwung zeitweise ganz verhindern. Da die Schmerzen oft plötzlich und unvorhergesehen einschießen, verfällt man in die Schreckstarre wie der Schiläufer vor dem vereisten Hohlweg, oder verfällt in einen übervorsichtigen Angstgang.

Schmerzen sind die Geißel des Alters und haben oft sehr komplexe Gründe, lassen sich aber durch Anpassungen oft lange ausgleichen und meist gut behandeln. Oft verschwinden sie auch nach einiger Zeit wieder von selbst. Wenn das aber nicht gelingt und die Odyssee zu Ärzten und Methoden erfolglos blieb, ist Schmerz ein häufiger Grund, Golf ganz aufzugeben.

Die Veränderungen der Knochen, Muskeln, Bänder und Gelenke führen unweigerlich zum Schrumpfen des Körpers und einem kleineren Radius des Schwungs. Zudem wird der Golfschwung steif und unbeholfen, die Schnellkraft wird geringer.

Das alles zieht die Peinlichkeit schwacher, kraftloser, zu kurzer Schläge nach sich. Die langen Schläge werden von Jahr zu Jahr kürzer, der gewohnte 180-Meter-Drive geht nur noch, wenn man grade mal besonders gut drauf ist, und die Fairwayschläge sind wegen bemühter Anstrengung oft getopt oder verzogen. Wenn der Ball einmal weiter fliegt als man sehen kann, dann liegt es vermutlich daran, dass unsere Sehweite wegen grauen oder grünen Stars abgenommen hat.

Die Verlängerung der Nerven-Leitgeschwindigkeit führt zur körperlichen und psychischen Verlangsamung. Die Rotationsgeschwindigkeit beim Golfschwung eines 50-Jährigen ist nur noch halb so groß wie die eines 20-Jährigen. Man wird unbeholfen, umständlich und langsam.

Den richtigen Schläger aus dem Bag zu nehmen ist eine zeitraubende und nervige Angelegenheit. Man kann sich nicht mehr gut bücken und den Ball nicht ohne Hilfe aus dem Loch holen. Sich hinknien und wieder aufrichten geht gar nicht mehr. Die Koordinationsleistungen wie das Ansprechen und der exakte Schwung sind erschwert, man kann die Bälle oft nicht mehr genau treffen. Das kurze Spiel wird unberechenbar und kann durch den häufigen Alterssocket bei Pitch und Chip oder den Yips beim Putten leicht zur Katastrophe werden.

Das Schwinden von Kraft und Ausdauer führt dazu, dass man nach einer vollen Golfrunde tagelang Schonung braucht. Die Schwäche von Herz und Kreislauf erlauben uns nicht mehr, eine Runde von 18 Loch zu Fuß zu gehen. Das war doch früher eine selbstverständliche Leistung, auf die wir stolz waren, und auf Gäste herabblickten, die nicht mithalten konnten. Jetzt bleiben wir selbst hinter dem Flight zurück, sind kurzatmig, quälen uns bis zur nächsten Bank und müssen bergauf stehen bleiben.

Die schwächer werdende Herzleistung kann nicht mehr genug Sauerstoff durch die verstopften Leitungssysteme pumpen. Der Körper versucht in Notsituationen ohne Sauerstoff auszukommen, indem er auf einen anaeroben (ohne Sauerstoff) Modus umschaltet. Besonders bei langen Runden in großer Hitze können Herz-und Kreislaufkomplikationen auftreten.

Das alles bringt Erschwerungen des Golfspiels, das im Vierten Alter, wenn man dem nicht vorbeugt, nach und nach Merkmale des Behindertensports annimmt. Aus manchem stolzen Golfer mit aufrechtem Gang und erhobenem Kopf (außer nach Sockets) wird am Ende ein gebückt dahinschlurfender Greis. Nicht bei allen, denn es lässt sich auch verhindern, ausgleichen und hinauszögern und wir sollten es möglichst erst gar nicht soweit kommen lassen. Spätestens wenn der Abschlag nicht mehr das Fairway erreicht, sollten die Alarmglocken klingeln und man sollte energisch gegensteuern. Wir müssen uns gegen den stetigen Strom des körperlichen Verfalls beständig wehren, aber in gewissem Umfang können wir das auch und haben dann gute Aussichten auf Erfolge. Es ist wie das Spiel zwischen dem Hasen und dem Igel Altern, der immer schon mit einem neuen Alterssymptom da ist, aber anders als im Märchen haben wir, gerade weil wir Golf spielen, gute Chancen den Verfall noch lange aufhalten zu können.

Es kommt dem Jungbleiben sehr zugute, wenn wir noch so lange wie möglich an Wettspielen mit Freude teilnehmen können. Dazu könnte man die Erschwerungen, vor allem die Gehbehinderung und den Distanzverlust der Drives, durch Erleichterungen etwas ausgleichen, um – wenigstens noch für eine Weile – ein nicht völlig chancenloses Mitspielen zu ermöglichen.

Biologische Risiko-Stufen

Weil wir das Altwerden nicht fühlen und auch gar nicht fühlen wollen, brauchen wir eine Orientierung, wie wir unser Verhalten speziell auch beim Golfspiel sinnvoll dem tatsächlichen biologischen Zustand unseres nun einmal älterwerdenden Körpers anpassen und Schäden vermeiden können. Die biologische Einstufung kann nur grob orientierend nach Jahren erfolgen, denn altersbedingte Einschränkungen können bei manchen schon lange vor der Zeit beginnen und andere bleiben bis ins sehr hohe Alter weitgehend davon verschont.

In Jugend und Erwachsenenleben bis zu etwa 60 Jahren können wir das Golfspiel mit all seinen Freuden voll genießen. Die Motive Ehrgeiz, Rivalität, Freude am Kampf und Siegeswillen dürfen und sollen voll ausgelebt werden. Ehrgeiz und Rivalität geben den nötigen Antrieb. Die Ziele niedrigeres Handicap, Gewinn von Turnieren und Teilnahme an Mannschaftsspielen sind sehr erstrebenswert und meist auch mehr oder weniger gut realisierbar. Der Berufs- und Aufstiegskampf setzt sich beim Golf auf spielerische Weise fort. Das Erreichen von Zielen und die Erfolge bringen beim Golf Befriedigung wie sonst weniges im Leben.

Man kann und soll auf dieser Stufe sich voll fordern, und die Steigerung von Leistung, Kraft und Ausdauer anstreben. Dabei kann man volles Risiko eingehen, und soll die Bequemlichkeitsgrenze betont überwinden, um mindestens einmal am Tag den Puls z. B. auf den optimalen Fitness-Trainingspuls von 180 minus Lebensalter plus/minus 10 Schläge, hochzutreiben und kräftig ins Schwitzen zu kommen. In diesem Abschnitt des Lebens ist die körperliche und geistige Spannkraft vorhanden, um auch die Kollateralfreuden des Golf, das gesellige Leben, andere Plätze, Golfreisen und die vielen weiteren Quellen der Lebensfreude, die sich rund um Golf bieten, voll auskosten zu können. Das wird bei den beruflichen und privaten Spannungen dieser Lebensepoche, dem Kampf um Aufstieg und Anerkennung, leicht vergessen, ist aber genau der richtige Ausgleich.

Die mittlere Gruppe der 60- bis 80-Jährigen muss ihr Risiko begrenzen. Es sind junge Ältere und sie sind überwiegend noch jung genug, um intensiv trainieren und hohe Leistungen bringen zu können. Ihr Körper ist aber biologisch im Dritten Alter und hat bei den meisten schon bestimmte Krankheiten und Behinderungen entwickelt, die man noch kaum bemerkt und auch nicht wahrhaben will. Man muss sich aber dafür interessieren und sich bewusst um seinen Fitness- und Gesundheitszustand kümmern. Es ist Zeit für Vorsorgeuntersuchungen und ärztliche Überwachung. Meist ist auch Behandlung nötig. Die körperlichen Schäden und Risikofaktoren müssen bekannt sein und der Rat des Arztes muss beachtet werden. Es gehört zu den häufigsten unbewussten Selbstschädigungen, dass man das unterlässt, weil man die Illusion »Mir kann nichts passieren« noch nicht überwunden hat. Diese Vogel-Strauß-Politik kann sich bitter rächen. Angebracht sind Besonnenheit und Vernunft.

Man hat aber noch genug Spielraum. Ausreichende Leistungen, entsprechendes Training und erstrebenswerte Ziele sind noch möglich, müssen aber in Abstimmung mit den Erfordernissen und Risiken des Körpers erfolgen. Ein vernünftiger, kompromissbereiter Umgang mit dem Körper ist in dieser Phase entscheidend.

Die echten Senioren, die Hochaltrigen ab 80, oder auch nach Jahren Jüngere, die biologisch schon im Vierten Alter sind, dürfen keine Risiken mehr eingehen. Man ist nicht mehr Jungsenior, gehört nicht mehr zu den jungen Alten, sondern ist halt älter geworden und kann sich nichts mehr vormachen, auch wenn das Befinden sehr schwanken kann. Man muss mit der Koronarsklerose, den Gelenkversteifungen, den unberechenbaren Schmerzen und dem Erschöpftsein leben und die heimlichen Killer (Hochdruck, Diabetes, Blutfette) und den Krebs immer im Auge haben.

Man hat keinen Spielraum mehr. Die Grenzen, die uns der Körper setzt, müssen leider absolut respektiert werden. Wenn man auf der Runde Herzschmerzen bekommt, zu kurzatmig ist, um sprechen oder seinen Trolley weiterziehen zu können, muss man sich gezielt untersuchen und behandeln lassen, und muss mit seinem Arzt absprechen, welche Konsequenzen für das Golfspiel sich daraus ergeben. Wenn man nach einem Spiel tagelang erschöpft ist, starke Schmerzen hat oder das Kniegelenk für Wochen anschwillt, gilt das Gleiche. Man muss eventuell eine Zeitlang aussetzen, nur noch putten und weniger spielen. Man kann und soll zwar daran arbeiten, seinen Schwung und seine Technik anzupassen, muss aber vor allem lernen, die negativen Auswirkungen auf Spiel, Scores und Handicap klar zu erkennen, anzuerkennen und seine Ziele entsprechend herabzusetzen.

Golf ganz aufgeben braucht man meistens nicht. Im Gegenteil ist maßvolles Golf die beste Methode, um Ausdauer, Muskelkraft, Koordination, Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit zu üben. Das ist gesundheitsfördernd, auch wenn Puls- und Atemfrequenz leicht erhöht sind.

Die für Jüngere empfohlene tägliche Spitzenbelastung mit hohem Puls und bis zum Schweißausbruch muss allerdings jetzt vermieden werden, da sie für Herz und Kreislauf gefährlich werden könnte.

Das Motto ist jetzt, die Belastung so moderat zu halten, dass Schäden vermieden werden. Erleichterungen sind zu erwägen, eventuell ist ein Attest angebracht, um einen Wagen benutzen zu dürfen.

Wie man Schäden vermeidet

Ob man sich als nicht mehr ganz junger Mensch einen solchen Sport noch zumuten kann und möchte, hängt ganz entscheidend davon ab, welcher Nutzen davon zu erwarten ist und welche Schäden eventuell zu befürchten sind.

Fremdverletzungen

Wie jede Sportart kann natürlich auch Golf Gefahren für alle dabei Anwesenden mit sich bringen. Unfälle durch fliegende Golfbälle sind selten, aber im Laufe seines langen Golferlebens hat der Autor doch einige Verletzungen von Mitspielern und Begleitpersonen miterlebt: eine Augenverletzung und einen Unterarmbruch, beide durch den Drive des Ehemanns, Rippenbruch, Gehirnerschütterungen und Blutergüsse durch Bälle des nachfolgenden Flights. Bei Übungsschwüngen wurden zu nahe stehende Mitspieler vom Schläger getroffen. Bei Turnierspielen kam es gelegentlich auch zu Verletzungen von Zuschauern. Gefährdet sind aber auch Spaziergänger, Radfahrer und Reiter, die durch törichte behördliche Auflagen Golfplätze betreten dürfen oder es trotz Verbots einfach tun. Die Besonderheit, dass häufig Ehepartner betroffen sind, könnte man als Bestätigung grundsätzlicher Spannungen in Ehen sehen, es ist aber eher ein Beweis, dass Golf gerne von Ehepaaren gemeinsam gespielt wird.

Die meisten Fremdverletzungen wären durch Einhalten der beim Golf klar definierten Regeln und der Etikette vermeidbar gewesen.

So ist es verboten, in Richtung von Personen zu schwingen, und auf der Runde muss vom vorhergehenden Flight soviel Abstand gehalten werden, dass mindestens 30 Meter Distanz zusätzlich zur Länge des Drives gegeben ist.

Die Länge eines Schlags ist allerdings nicht immer berechenbar. Aus Ärger über bummelnde Flights vor einem und eigenes Bedrängtwerden durch nachfolgende Flights kann auch einmal ein viel längerer Schlag herausrutschen, der den Flight vor einem gefährdet. Hat man es einmal erlebt, kann man sich nur mit Scham und Schrecken daran erinnern, was hätte passieren können. Umsicht und Vorsicht sind immer geboten.

Selbstverletzungen

SpielerInnen können sich natürlich auch selbst Verletzungen zuziehen, denn der Golfschwung hat den gleichen Schwierigkeitsgrad wie Stabhochsprung und ist eine hochkomplizierte Bewegung, an der eine Vielzahl von Muskeln, Bändern und Gelenken beteiligt sind. Zudem muss er mit im Treffmoment sehr großer Schnellkraft ausgeführt werden.

Die mechanische Belastung der Wirbelsäule, besonders im Lumbalbereich, durch die vorgebeugte Haltung, die bei der Drehung erzeugten Scherkräfte und die Überstreckung im Finish ist im Vergleich zu anderen Sportarten relativ hoch.

Dysbalancen der vielen am Schwung beteiligten Muskeln, ungeschickter Schwung, Schlag in den Boden oder Sturz können zu Zerrungen der Wirbelsäule, Muskelzerrungen und Verletzungen der Bänder, Kapseln und Gelenke führen. Zu Verletzungen wie Golfer-Ellenbogen und »golfers knee« kommt es eher bei Anfängern und Amateuren, zu Golfschäden eher bei Pros. Meist sind es Überlastungsschäden durch häufige Wiederholung, falsche Schwungtechnik und Tragen des Bag. Am häufigsten sind Verletzungen der Lendenwirbelsäule (18,3%), dann Ellbogen/Unterarm (17,3%), Fuß/ Sprunggelenk (12,9%) und zuletzt Schulter/Oberarm (11,8%). Oft ist die führende Schulter betroffen, besonders wenn eine Schultergelenksarthrose vorliegt. (Pfeifer, Th., Facharzt für Orthopädie, Sportsymposium 2008).

Beispiele aus der Umgebung des Autors zeigen, dass Schmerzen und Verletzungen komplexe aber eigentlich meist vermeidbare Ursachen haben:

Allzu forcierte Bewegungen, abrupte Gewichtsverlagerung beim Durchschwung oder wenn man Fehler noch beim Schwung ausgleichen will, z. B. mit dem Ellbogen. Ein Powergolfer litt an therapieresistenten Schmerzen an einer bestimmten Stelle des linken Schulter-Nacken-Bereichs, bis sein Pro sah, dass er beim Finish mit dem Schläger jedes Mal kräftig auf diese Stelle schlug.

Zu riskante Schläge: Ein gewaltsamer Befreiungsschlag aus dem Rough, um der attraktiven Partnerin einen guten Ball vorzulegen, wohl der kräftigste Schlag im Golferleben des Autors, zerriss das Außenband des Kniegelenks.

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