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Goldi und das Haus über den Bäumen

Ronny Wagner

Goldi und das Haus über den Bäumen

Eine Parabel über Gold und Wohlstand

1. Kapitel

Goldi hat eine Idee

 

»Was machst du denn da?«, fragte Filli, die Feldmaus, Goldi, den Goldhamster, den sie am Waldrand traf.

»Ich suche nach einem passenden Ort für mein Hotel«, erklärte Goldi und rieb sich seine Nase. Das tat er immer, wenn er nachdenken musste und im Moment dachte er sehr viel nach. Das lag an seinen Plänen für ein Hotel im Wald. Die Idee war ihm bei einem Ausflug in die Stadt gekommen. Die Tiere aus der Stadt wollten nämlich gerne die Tiere im Wald besuchen, doch es fehlte an passenden Unterkünften. Da Goldi ziemlich schlau war, hatte er sich überlegt, statt immer nur zu hamstern, wie es Goldhamster normalerweise taten, lieber ein Hotel zu bauen und von den Zahlungen der Übernachtungsgäste zu leben, anstatt Vorräte anzulegen. Goldi mochte das ständige Hamstern nämlich nicht. Immerzu hatte man die Backen voll und wenn man auf etwas richtig Hunger hatte, war es gerade nicht verfügbar und im Winter musste man ständig achtgeben, nicht zu viel zu essen, um nicht vor dem Frühjahr hungern zu müssen. Seither hatte Goldi viele Pläne geschmiedet, wie sich das Waldhotel umsetzen ließ, doch so recht wollte keiner gelingen.

»Dein Hotel?«, fragte Filli neugierig.

»Ja, mein Hotel. Damit deine Kusine Mimi aus der Stadt dich mal besuchen kommen kann, erinnerst du dich?«

»Ach ja«, sagte Filli. Sie blieb stehen und schaute nun ebenfalls nachdenklich drein.

»Und an was hast du gedacht?«

»Naja, ich werde meinen Bau vergrößern und dann werde ich große und kleine Kammern anlegen und sie miteinander verbinden und dann … «

»Halt, Stop!« Die Stimme kam irgendwo aus den Bäumen über ihnen. Verwundert hoben Goldi und Filli die Köpfe und erblickten Morgentau, die weise Eule, die tief im Wald auf einer alten Eiche lebte.

»Morgentau!«, rief Goldi, während Filli lieber schnell davonflitzte. Wenn eine Eule auftauchte, noch dazu direkt über einem, war man als Maus gut beraten, das Weite zu suchen. Goldi blieb stehen. Er kannte Morgentau und hatte keine Angst vor ihr, auch wenn sie hin und wieder drohte, ihn zum Frühstück zu verspeisen.

»Was ist denn, Morgentau? Gefällt dir mein Plan nicht?«

Morgentau gab ein schnarrendes Geräusch von sich, dann breitete sie ihre mächtigen Schwingen aus, erhob sich in die Lüfte, zog eindrucksvoll zwei Kreise direkt über Goldi und ließ sich dann majestätisch direkt vor ihm auf dem Boden nieder.

»Denken ist nicht gerade die Stärke von Goldhamstern wie dir, hm?«, sagte sie und ihre Augen blitzten.

Goldi reckte sein Kinn.

»Wie meinst du das?«, fragte er schnippisch, denn wie die Meisten konnte er es nicht sonderlich gut leiden, wenn man ihn ärgerte.