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Goldenes Feuer in der Wüste

PROLOG

Monte Carlo

Scheich Zayed Fehz, der mittlere der drei mächtigen Fehzs-Brüder, musste den Brief zweimal lesen, obwohl der knappe Inhalt unmissverständlich war. Der Brief war auf dem schweren elfenbeinfarbenen Pergamentpapier des Königshauses Fehz geschrieben, aber er kam nicht von Sharif, dem König, sondern von Zayeds jüngerem Bruder Khalid.

Zayeds Hand zitterte.

Ihm stockte der Atem. In seiner Brust explodierte ein glühender Schmerz. Zayed stemmte sich gegen den Schock und atmete tief und langsam aus.

Das konnte nur ein Missverständnis sein, etwas anderes war undenkbar.

Unmöglich.

In diesem Moment spürte Zayed, der vermeintlich Herzlose, zum ersten Mal seit fünfzehn Jahren, dass er ein Herz besaß.

Weil es gerade brach.

Sharif, sein geliebter älterer Bruder, wurde vermisst. Sein Flugzeug war irgendwo in der Sahara abgestürzt, er selbst vermutlich tot.

Von Zayed wurde erwartet, dass er umgehend nach Hause kam. Da Sharifs Sohn erst drei Jahre alt war, musste Zayed die Thronfolge antreten. Doch vorher brauchte er eine Ehefrau.

1. KAPITEL

Vancouver, Kanada

„Scheich Zayed Fehz ist hier? Wo hier? In Vancouver?“ Dr. Sophie Tornell nahm die Brille ab und fuhr sich mit zittrigen Fingern über den Nasenrücken.

Dass sie zitterte, konnte nur an ihrer Erschöpfung liegen. Kein Wunder nach einer anstrengenden siebenwöchigen Lesereise.

Natürlich hatte es nichts, aber auch gar nichts mit Scheich Zayed Fehz, dem jüngeren Bruder von König Sharif Fehz, zu tun. Auch wenn er der einzige Mann war, der es je geschafft hatte, sie zu demütigen und zu verletzen.

Jamie, Sophies Assistentin, kam mit besorgt gerunzelter Stirn an den Schreibtisch. „Ja … hier.“

„Was meinen Sie mit hier?“ Sophies normalerweise kühle Stimme bebte leicht.

„Na ja … hier im Hotel.“

„Was?“ Sophie setzte die Brille wieder auf und starrte Jamie entsetzt an. In der Öffentlichkeit trug sie normalerweise Kontaktlinsen, aber im Hotel war ihr die Brille lieber. „Warum?“

„In Portland hatten Sie keine Zeit für ihn und in Seattle auch nicht. Deshalb ist er jetzt hier“, erklärte Jamie und nestelte nervös an ihrer Bluse herum. „Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass er sich abweisen lässt … es scheint dringend zu sein. Angeblich geht es um Leben und Tod.“

Um Leben und Tod. Genauso schamlos hätte ihr Vater in einer ähnlichen Situation auch übertrieben. Die beiden Männer waren aus demselben Holz geschnitzt, allerdings mit dem feinen Unterschied, dass Sophies Vater nicht mehr lebte.

„Ich kann jetzt nicht …“, stammelte Sophie unglücklich.

„Aber eigentlich ist es im Moment doch ganz günstig …“

Sophie musste deutlicher werden. „Ich will aber nicht.“

„Ähm … kennen Sie ihn eigentlich persönlich?“, fragte die dreiundzwanzigjährige Jamie leicht atemlos.

„Flüchtig“, gab Sophie wortkarg zurück. Die Einzelheiten ihrer schmerzlichen und demütigenden Begegnung vor drei Jahren gingen Jamie nichts an.

„Er sieht ja wirklich umwerfend aus“, schwärmte Jamie mit leuchtenden Augen. Ihre Wangen hatten sich gerötet.

„Möglich“, gab Sophie mit einem Schulterzucken zurück. „Aber das macht noch keinen guten Menschen aus ihm.“

Jamie atmete tief durch. „Er wirkt aber sympathisch … sehr sogar …“

„Wieso? Haben Sie denn mit ihm gesprochen?“

„Na ja … sicher. Er ist doch hier. Draußen im Vorraum.“

„Was? In meiner Suite?“

Die Röte auf Jamies Wangen vertiefte sich noch. „Na ja, ich dachte, dass Sie vielleicht ein paar Minuten für ihn haben. Die Medienberaterin kommt erst in einer halben Stunde.“ Als Jamie Sophies Gesichtsausdruck sah, fügte sie eilig hinzu: „Es scheint wirklich dringend zu sein.“

Sophie fühlte Panik in sich aufsteigen. Zayed hier? Im Vorraum ihrer Suite?

„Habe ich etwas falsch gemacht?“, fragte Jamie ängstlich.

Ja! „Nein, nein.“ Sophie schluckte schwer, als ihr bewusst wurde, dass ihre Hände feucht waren und ihr Herz raste.

Und Jamie war plötzlich den Tränen nahe. Das brauchte Sophie jetzt wirklich nicht. Dabei war Jamie so ein nettes Mädchen, das sich viel Mühe gab und bisher sehr effizient gearbeitet hatte. Sophie konnte es ihr nicht verdenken, dass sie sich von Zayeds Aussehen blenden ließ. Wie auch? Wo Zayed sie, Sophie, doch damals ebenfalls in seinen Bann gezogen hatte.

„Ich dachte einfach … na ja … wenigstens fünf Minuten …“, stammelte Jamie.

Sophie presste ihre Hände gegen die Schreibtischkante, damit sie aufhörten zu zittern. Zeit war nicht das Problem. Das Problem war Zayed Fehz. Sie wollte ihn nicht sehen. Nicht einmal fünf Sekunden. „Wie lange wartet er schon?“, fragte sie schließlich.

„Eine halbe Stunde.“

Sophie zuckte innerlich zusammen, aber sie ließ sich nichts anmerken. „Und warum sagen Sie das erst jetzt?“

„Ich …“ Wieder hob Jamie unsicher eine Schulter. „Ich dachte …“

„Egal. Also gut.“ Sophie drückte das Kreuz durch und schob sich das schulterlange, feine silberblonde Haar hinters Ohr. „Holen Sie ihn rein. Aber nur fünf Minuten.“ Ihre Stimme war wieder fest geworden, sie hob das Kinn. „Sorgen Sie dafür, dass er das versteht.“

Zayed stand im Vorraum der Suite und wartete darauf, von Sophie Tornell, Bestsellerautorin, begehrter Vortragsrednerin auf internationalen Kongressen, Psychotherapeutin und professioneller Heiratsvermittlerin mit erstklassigem Ruf, empfangen zu werden.

Heiratsvermittlerin! Er verzog süffisant den Mund.

Wer hätte gedacht, dass Sharifs schüchterne kleine Stipendiatin jemals Prominentenehen schmieden würde?

Wer wäre je auf die Idee gekommen, dass die staubtrockene unsichere Sophie Tornell etwas von sexueller Anziehungskraft oder romantischen Bindungen verstehen könnte? Ausgerechnet Sophie Tornell, das sprödeste, verklemmteste weibliche Geschöpf, das ihm je untergekommen war? Da nützte es auch nichts, wenn Sharif behauptete, dass sie eben nur sehr auf ihre Arbeit konzentriert sei. Zayed wusste es besser.

Freiwillig wäre er heute bestimmt nicht hier. Aber er hatte keine andere Wahl.

Weil etwas Unvorstellbares passiert war. Eine Maschine des Königshauses Fehz war abgestürzt – mit dem König an Bord.

Von Schmerz überwältigt, schloss Zayed die Augen. Die erste Nachricht hatte ihn vor fünf Tagen erreicht. Er war umgehend nach Sarq geflogen, um mit seinem jüngeren Bruder Khalid die nächsten Schritte zu besprechen.

Sharifs Frau Jesslyn war am Boden zerstört gewesen. Und den vier Kindern fehlte der geliebte Vater.

Die Atmosphäre im Palast war genauso düster gewesen wie erwartet, überall Trauer, Angst, Kummer und Schmerz. Niemand wusste, was passiert war. Das Flugzeug war ohne jede Vorwarnung vom Radar verschwunden und nicht mehr aufgetaucht. Morgen würde seit dem Verschwinden der Maschine eine Woche vergangen sein.

Am vierzehnten Tag musste laut Gesetz ein Nachfolger benannt werden.

Und dafür kam nur Zayed infrage, obwohl es eigentlich eine Unmöglichkeit war. Zayed gehörte nicht nach Sarq, er hatte der Wüste schon lange den Rücken gekehrt. Er sehnte sich nicht nach Sonne, sondern nach Regen und bewohnte keine Paläste, sondern moderne Apartments oder Hotelsuiten.

Aber er konnte sich seiner Verantwortung nicht entziehen. Ich brauche dich, hatte Khalid geflüstert, als sie sich zum Abschied umarmt hatten. Wir brauchen dich. Komm zurück, komm nach Hause.

Khalid hatte Zayed noch nie um etwas gebeten. Niemand von seiner Familie hatte ihn je um irgendetwas gebeten. Für alles war Sharif zuständig gewesen. Sharif war der Älteste, der Fels, auf den alle bauten, das Oberhaupt der Familie.

Und jetzt … jetzt war Sharif nicht mehr da.

Einfach so, völlig unerwartet. Die Welt geriet plötzlich aus den Fugen. Nichts würde je wieder so sein wie zuvor.

Die Tür zum Wohnraum der Suite öffnete sich. Die hübsche, leicht mollige Assistentin kam heraus.

„Dr. Tornell lässt jetzt bitten.“ Ihre runden Wangen waren gerötet. „Aber sie hat leider nur ein paar Minuten für Sie.“

„Kein Problem“, gab er beiläufig zurück. Typisch Sophie Tornell, immer zack, zack!

Er sah sie sofort, als er den Raum betrat. Sie saß mit einer Brille auf der Nase am Schreibtisch und gab vor, an ihrem Laptop zu arbeiten. Das lange blonde Haar hatte sie sich hinters Ohr gestrichen. Die überschlanke, fast dünne Sophie Tornell wirkte sehr intellektuell und sehr steif und kalt wie ein Eiszapfen. Und ungefähr genauso interessant. Aber auf ihrem Gebiet war sie erfolgreich, und genau deshalb brauchte er sie jetzt.

Die Assistentin zog sich zurück.

„Guten Tag, Scheich Fehz“, begrüßte Sophie ihn, nachdem sich die Tür geschlossen hatte. „Ich bin leider etwas in Eile, aber Jamie sagte mir, dass es wichtig ist.“

Natürlich war ihr Tonfall frostig, was sonst. Er presste die Lippen zusammen. Nicht Eiszapfen, Eisberg, korrigierte er sich in Gedanken. Sie konnte einfach nicht anders. „So ist es, Dr. Tornell.“

Mit versteinertem Gesicht lehnte sie sich zurück und faltete die Hände im Schoß. „Und womit kann ich dienen?“

Sophie ärgerte sich, weil ihr Herz viel zu schnell klopfte. Sie mochte ihn nicht. Sie hatte ihn schon damals nicht gemocht. Und der einzige Grund dafür, dass sie sich heute darauf eingelassen hatte, ihn zu empfangen, war Sharif.

„Wann haben wir uns zuletzt gesehen?“, fragte er, während er auf sie zuging. „Vor zwei Jahren?“

„Drei.“ Sophie verspürte einen Stromstoß, als Zayed näher kam. Er war noch attraktiver als in ihrer Erinnerung. Außerdem hatte sie vergessen, was für eine unglaubliche Präsenz er besaß. Und dann war da seine beeindruckende Statur, dieser hochgewachsene, auserlesen und teuer gekleidete Körper. Ihr Vater, einer der größten Filmstars seiner Zeit, hatte eine ganz ähnliche Ausstrahlung gehabt.

Zayed war jedoch weder ein Filmstar noch eine Pop-Ikone. Er war ein Scheich und ein Playboy. Ein Mann, der Milliarden gescheffelt hatte und keine Rücksichten kannte.

Sophie presste die Lippen zusammen, bewegte ganz leicht die Finger.

Sie war immer noch wütend, weil er sie damals verletzt hatte. Sie hätte nie zulassen dürfen, dass ein Mann so viel Macht über sie gewann. Andererseits war aus dieser schmerzlichen und demütigenden Erfahrung ihr zweiter Bestseller hervorgegangen. Das war immerhin etwas.

„So lange?“, erwiderte er. „Mir ist, als sei es erst gestern gewesen.“

„Pippa ist bereits zweifache Mutter.“ Sophie hielt seinem Blick stand, obwohl sich ihr Magen schmerzhaft zusammenzog. Gott, sie verabscheute ihn. Sie verabscheute ihn mit jeder Faser ihres Herzens.

„Zwei schon? Da war sie ja richtig fleißig.“

Und plötzlich war Sophie wieder in Winchester beim Hochzeitsempfang ihrer Klientin Lady Pippa Collins. Zayed war in Vertretung seines älteren Bruders Sharif gekommen, der verhindert gewesen war, und Pippa hatte sie einander vorgestellt.

Wenn Sophie ganz ehrlich war, musste sie zugeben, dass sie beim ersten Blick auf ihn verloren gewesen war. Augen wie dunkles Gold, rabenschwarzes Haar. Ein glattrasiertes energisches Kinn, nicht kantig und trotzdem sehr männlich, markante Nase, hohe Wangenknochen. Ein schöner Mann, atemberaubend. Aber in ihrem tiefsten Innern war sie ihm gegenüber von Anfang an misstrauisch gewesen, obwohl er Sharifs Bruder war. Schönen Männern war grundsätzlich nicht zu trauen.

„Ohne die liebe Sophie wären wir alle heute nicht hier“, hatte Pippa strahlend verkündet und dabei ihren Arm getätschelt. „Sie hat mich nämlich vor einem Jahr mit Henry zusammengebracht.“

„Was für ein glücklicher Zufall“, bemerkte er in dem sarkastischsten Tonfall, der ihr je zu Ohren gekommen war, mit spöttisch glitzernden Augen. Sophie hatte sich versteift, was Pippa jedoch entgangen war. Pippa war einfach zu glücklich gewesen, um irgendwelche Misstöne wahrzunehmen, und hatte den Scheich angestrahlt. „Ja, nicht wahr? Sophie – Dr. Tornell – hat ein echtes Talent. Ich bin ihre hundertste Braut, das muss man sich mal vorstellen!“ Pippa wandte sich an Sophie. „Das ist doch richtig, Sophie?“ Da in diesem Moment Pippas frischgebackener Ehemann seine euphorisierte Gattin zu sich gewinkt hatte, war Sophie mit dem Scheich allein geblieben, was bei ihr einiges Unbehagen ausgelöst hatte.

Doch dann hatte Zayed sie an seinen Tisch gebeten, und wider Erwarten hatten sie den Rest des Abends zusammen verbracht. Sie hatten sich angeregt unterhalten und sogar getanzt, und zum Ausklang hatten sie in der kleinen Hotelbar noch etwas getrunken.

Sophie erinnerte sich an jede Einzelheit dieses Abends. Sogar an das Glas mit Orangenlikör in ihrer Hand. Sie hatte sich in Zayeds Aufmerksamkeit gesonnt, hatte es genossen, dass er ihren Worten – scheinbar – interessiert gelauscht und über ihre schüchternen Scherze gelacht hatte.

Sie war seit einer halben Ewigkeit nicht mehr mit einem Mann aus gewesen, geschweige denn mit einem so atemberaubenden Mann wie Zayed Fehz. Einem Mann, dem es gelungen war, ihr das Gefühl zu vermitteln, schön und begehrenswert zu sein. Woraufhin sie sich prompt Hals über Kopf in ihn verliebt und sich dann auch noch eingebildet hatte, dass er ihre Gefühle erwiderte.

Und so hatte sie seit jenem Abend auf einen Anruf von ihm gewartet.

Der nie gekommen war. Seine wahre Meinung über sie hätte Sophie nie erfahren, wenn Sharif nicht aus Versehen eine E-Mail an sie geschickt hätte, die für Zayed bestimmt und eine Rückantwort auf dessen Mail gewesen war. Sharif bemerkte sein Versehen zwar sofort und beschwor sie, die E-Mail unbesehen zu löschen.

Aber Sophie war viel zu neugierig gewesen, um die Mail nicht zu lesen.

Der Abend mit ihr war sterbenslangweilig. Mein einziger Trost war, dass ich eine gute Tat tue und Dir einen Gefallen, sonst hätte ich ihn kaum überstanden. Das Schlimmste aber ist, dass sie offenbar Gefallen an mir gefunden hat. Dass das nicht auf Gegenseitigkeit beruht, brauche ich wohl nicht extra zu betonen. Auf mich hat sie ungefähr die Wirkung einer ausrangierten Schaufensterpuppe.

„Sie sind also immer noch als Heiratsvermittlerin tätig“, sagte Zayed jetzt, während er sich ihr gegenüber in einen Sessel setzte.

Die Wirkung einer ausrangierten Schaufensterpuppe, dachte Sophie. Ihre Wangen brannten. Sterbenslangweilig. Die Hände in ihrem Schoß zitterten. „Ja“, sagte sie ausdruckslos. Sie hasste dieses Herumstochern in alten Wunden. Zum Glück wusste er wenigstens nichts von der irrtümlich erhaltenen E-Mail. „Und was kann ich für Sie tun, Scheich Fehz?“

„Hören Sie eigentlich nie Ihre Mailbox ab? Ich habe wahrscheinlich ein Dutzend Nachrichten hinterlassen, und Mails habe ich Ihnen ebenfalls geschrieben.“

Sie musterte ihn einen langen Moment. Er trug einen teuren Maßanzug, dazu ein weißes Hemd ohne Krawatte. Sein dunkles Haar war jetzt kürzer, was seine edle Kopfform noch besser zur Geltung brachte. „Ich befinde mich auf Lesereise“, antwortete sie schroff.

„Vielleicht ist Ihre Technologie ja nicht auf dem neuesten Stand.“

Sie kniff leicht die Augen zusammen. „Darf ich erfahren, was Sie zu mir führt?“

„Ich suche eine Ehefrau. Ich möchte heiraten.“

Das konnte nur ein Witz sein. Sophie starrte ihn verblüfft an und wartete auf die Pointe. Sie lachte.

Er verzog keine Miene.

„Und womit kann ich Ihnen wirklich dienen, Scheich Fehz?“

„Damit, dass Sie Ihre Unterlagen rauskramen, dann können wir gleich loslegen. Der Name ist Fehz, F-e-h-z. Vorname Zayed. Soll ich buchstabieren?“

„Nein.“ Sie biss die Zähne zusammen. Und das lag nicht nur an seinem Ton, sondern auch an seiner Stimme. Die immer noch genauso war wie in ihrer Erinnerung. Tief und heiser, fast zärtlich.

Kein Wunder, dass ihm die Frauen zu Füßen lagen.

Kein Wunder, dass sie sich damals in ihn verliebt hatte.

Eine Riesendummheit, wirklich.

„Warum haben Sie es so eilig?“, fragte sie schärfer als angemessen. „Außerdem glaube ich mich zu erinnern, dass Sie nichts von der Ehe halten.“

„Die Zeiten ändern sich.“ Seine Stimme wurde tiefer. „Ich habe keine Wahl, Gesetz ist Gesetz. Der König muss verheiratet sein.“

„Der König?“ Sie musterte ihn irritiert.

„So steht es geschrieben.“

Geschrieben? Wo? Welcher König? In Sarq war Sharif König. Aber vielleicht ging es ja um ein anderes Land oder um irgendeinen Beduinenstamm oder sonst etwas. Sophie wusste, dass ihr die entscheidenden Informationen fehlten, aber sie hatte keine Lust nachzufragen. Je weniger sie von ihm wusste, desto besser. „Wie auch immer, ich bin sicher, dass Sie kein Problem haben, die richtige Frau zu finden“, sagte sie.

„Es eilt aber.“

„Ich verstehe“, sagte sie spöttisch, obwohl sie rein gar nichts verstand. Sie wusste nur, dass sie ihn verabscheute und dass sie ihn so schnell wie möglich loswerden wollte. Für wen hielt er sich? Und was bildete er sich ein, wenn er glaubte, einfach so unangemeldet hier hereinplatzen und sie um Hilfe bitten zu können?

„Dann sind Sie also bereit?“, drängte Zayed.

„Nein. Auf gar keinen Fall“, sagte sie entschieden und fühlte sich kein bisschen schlecht dabei. Genauer gesagt kostete sie ihre Machtposition genüsslich aus. „Um den richtigen Partner, die richtige Partnerin zu finden, benötigt man Zeit. Das ist oberstes Gebot. Man muss sehr sorgfältig und planmäßig vorgehen. Außerdem sind Sie kein geeigneter Kandidat für meine Agentur. Was aber keineswegs heißen soll, dass ich Sie als hoffnungslosen Fall einstufe. Im Gegenteil, ich bin überzeugt, dass Sie sehr bald fündig werden.“

Sein Lächeln blitzte auf – ein Raubtierlächeln. „Ich brauche Sie aber, Dr. Tornell. Sonst könnte ich die Suche nämlich gleich meiner Mutter überlassen. Ich suche eine intelligente, emanzipierte Ehefrau, die mir ebenbürtig ist und zu mir passt, verstehen Sie? Sie verfügen über Erfahrung und die richtigen Beziehungen, deshalb bin ich mir sicher, dass Sie mir helfen können.“

„Das ist ein Irrtum“, widersprach sie fest. „Ich bedauere.“ Obwohl sie gar nichts bedauerte. Sie würde ihm ganz bestimmt keine Frau suchen. Einen Mann wie ihn würde sie keiner Frau der Welt zumuten.

Plötzlich musste sie an ihre Mutter denken, die ein berühmtes englisches Model gewesen war, von der ganzen Welt beneidet und bewundert. Trotzdem war es ihr nicht gelungen, ihren Mann glücklich zu machen.

Es klopfte. Jamie steckte den Kopf herein und deutete auf ihre Armbanduhr. Seine Zeit war um. In fünfzehn Minuten würde die Medienberaterin da sein, und vorher musste Sophie sich noch umziehen. Sie stand auf. „Ich muss Sie jetzt leider bitten zu gehen, Scheich Fehz, mein nächster Termin …“

„Ist es wegen Angela Moss?“

Sophie erstarrte. „Ich weiß nicht …“

„Sie war Ihre Klientin. Vor einem Jahr. Sie erinnern sich? Eine atemberaubende Rothaarige. Sechsundzwanzig. Ehemaliges Model, das jetzt Handtaschen entwirft. Klingelt es da bei Ihnen?“

Natürlich erinnerte sich Sophie an Angela. Eine schlimme Geschichte, in der Scheich Fehz eine mehr als unrühmliche Rolle gespielt hatte. Die arme Angela war völlig verzweifelt gewesen.

Nach zwölf Berufsjahren wusste Sophie, dass Liebe die stärkste Droge war, die ein Mensch sich zumuten konnte. Sie war köstlich und machte süchtig, im ungünstigsten Fall wirkte sie tödlich.

„Ich habe Angela zu Ihnen geschickt“, fügte Zayed ausdruckslos hinzu. „Weil ich sah, dass sie dringend Hilfe brauchte. Ich hatte gehofft, Sie könnten ihr helfen.“

Sophie sank wieder auf ihren Stuhl. „Sie waren das?“ Sie schüttelte ungläubig den Kopf. Das hatte Angela nie erzählt. „Warum?“

Er zog die Augenbrauen zusammen und hob hilflos die Hände. „Weil ich mir Sorgen um sie gemacht habe.“

„Dann haben Sie also doch ein Gewissen.“

„Ich habe sie nicht geliebt, aber ich wollte ihr nie wehtun.“

Sie musterte ihn angewidert. „Vielleicht sollten Sie sich in Zukunft auf leblose Objekte spezialisieren.“

Eine schwarze Augenbraue hob sich. „Zum Beispiel?“

„Marionetten. Roboter. Puppen. Aufblaspuppen.“ Sie lächelte dünn. „Die kann man problemlos fallen lassen.“

In seinen Augen blitzte irgendetwas auf – Überraschung vielleicht – und erlosch gleich wieder.

„Sie sind wütend.“

Als Sophie bemerkte, dass Jamie immer noch an der Tür wartete, bedeutete sie ihr mit einer Geste, dass sie sich noch fünf Minuten gedulden sollte. Danach schaute sie Zayed wieder an. „Ich bin nicht wütend. Ich habe nur kein sonderliches Verlangen nach Ihrer Gesellschaft.“

„Verlangen?“, fragte er gedehnt zurück.

„Schön, dann muss ich wohl deutlicher werden.“ Sie beugte sich vor, wobei sie ihm fest in die Augen schaute. „Ich bin nicht gerade ein Fan von Ihnen, Scheich Fehz, und da ich mich nicht über zu wenig Arbeit beklagen kann, erlaube ich mir, Sie als Klienten abzulehnen. Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel.“

„Und warum lehnen Sie mich ab?“

„Das sagte ich bereits …“

„Nein, wirklich, es interessiert mich. Verraten Sie es mir?“

Gott, war er arrogant. „Weil ich zu viel über Sie weiß. So etwas trübt das Urteilsvermögen …“

„Meinen Sie wegen Angela? Weil ich sie nicht geliebt habe?“

„Weil Sie überhaupt nicht lieben können“, platzte sie heraus. Sobald sie ihre eigenen Worte hörte, hätte sie sich am liebsten die Zunge abgebissen. Es stand ihr nicht zu, so etwas zu sagen. Das hatte Angela ihr anvertraut, und es war ausgesprochen unprofessionell, es ihm gegenüber zu erwähnen.

„Tut mir leid“, fügte sie eilig hinzu. „Das war ein Lapsus. Aber jetzt verstehen Sie sicher, warum ich nicht mit Ihnen arbeiten kann. Nachdem Angela bei mir in Therapie war, weiß ich natürlich gewisse Dinge über Sie, woraus sich ein Interessenskonflikt ergeben könnte.“

Er musterte sie ruhig. „Von wessen Interessen sprechen Sie?“

„Von Ihren.“

„Und dürfte ich vielleicht erfahren, wovon Sie reden?“

„Sie wissen genau, was ich meine, Scheich Fehz.“ Ihre Stimme wurde härter. „Sie haben Angela wiederholt versucht klarzumachen, dass Sie nicht die Absicht haben, jemals zu heiraten, und dass Sie auch keine feste Beziehung möchten. Weil Sie nicht fähig sind zu lieben …“

„Es geht hier nicht um Liebe.“ Er schaute sie aus langbewimperten Augen fest an.

Jamie steckte wieder den Kopf durch die Tür. „Tut mir leid, dass ich noch mal störe, aber Ihre Medienberaterin ist eingetroffen, Dr. Tornell. Sie wartet unten in der Lobby.“

Sophie nickte, ohne Zayed aus den Augen zu lassen. Nachdem sich die Tür geschlossen hatte, sagte sie: „Wir müssen Schluss machen.“

„Ich bin nicht taub. Deshalb schlage ich vor, dass wir heute Abend zusammen essen gehen, dann kann ich Ihnen alle erforderlichen Hintergrundinformationen …“

„Nein.“ Sophie konnte sich nicht erinnern, jemals so angespannt gewesen zu sein. „Auf gar keinen Fall.“

„Auf gar keinen Fall?“

„Es wäre einfach nicht richtig. Ich könnte Ihre Interessen nicht angemessen vertreten und …“, sie holte tief Atem, „und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich das überhaupt wollte.“

„Ich bitte Sie nicht darum, ein Wunder zu vollbringen, Dr. Tornell. Ich bitte Sie nur, für mich eine geeignete Frau zu finden.“

Sie erhob sich langsam aus ihrem Sessel. „Ein Wunder wäre einfacher.“

Wenn sie gehofft hatte, ihn damit zum Schweigen zu bringen, sah sie sich getäuscht. Er lachte bitter auf. „Und ich dachte, Sie sind ein Profi.“

„Das bin ich auch.“

„Dann machen Sie Ihren Job. Es ist das, was Sie können, und offenbar das Einzige, worin Sie gut sind.“

Seine Unverschämtheit nahm ihr den Atem. „Das war unter der Gürtellinie.“

„Und was tun Sie? Sie urteilen über mich, ohne mich zu kennen. Meinetwegen. Ich brauche Ihre Sympathie nicht, ich will nur Ihre Zeit und Ihre Fähigkeiten. Wenn Sie mir helfen, werden Sie es nicht bereuen, ich zahle gut.

„Geld interessiert mich nicht. Mir geht es um Werte und Moral, und es verstößt gegen meine Grundsätze, mit Ihnen zu arbeiten. Kein Geld der Welt könnte mich dazu bringen …“

„Ich biete Ihnen fünf Millionen Pfund.“

Sie schnappte nach Luft. Sie musste sich verhört haben. „Fünf Millionen britische Pfund?“, wiederholte sie schließlich fassungslos. Das waren acht Millionen Dollar. Acht Millionen Dollar! „Das ist lachhaft. So viel Geld würde ich weder jemals verlangen noch annehmen. Sie müssen wirklich sehr verzweifelt sein.“

„Sagen wir lieber: entschlossen“, stellte er klar. „Und sicher ist es ein Anreiz für Sie, Ihre Bedenken hintanzustellen, meinen Sie nicht?“

„Ich mache mir nichts aus Geld“, fauchte sie, verzweifelt um Fassung ringend. „Ich tue, was ich für richtig halte, und Geld spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

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