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Göttin vom Himmel

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Erstes Kapitel
  5. Zweites Kapitel
  6. Drittes Kapitel
  7. Viertes Kapitel
  8. Fünftes Kapitel
  9. Sechstes Kapitel
  10. Siebtes Kapitel
  11. Achtes Kapitel
  12. Neuntes Kapitel
  13. Zehntes Kapitel
  14. Elftes Kapitel
  15. Zwölftes Kapitel
  16. Dreizehntes Kapitel
  17. Vierzehntes Kapitel
  18. Fünfzehntes Kapitel
  19. Sechzehntes Kapitel
  20. Siebzehntes Kapitel
  21. Achtzehntes Kapitel
  22. Neunzehntes Kapitel

Erstes Kapitel

Brogan stand vor dem Priester. Der Südwind spielte mit seinen langen Haaren und umschlang die Locken seiner zukünftigen Braut, die neben ihm auf dem Hügel wartete. Der Himmel war von Streifen durchzogen, ein Gemisch aus Orange und frühmorgendlichem Indigo, und als Sahnetupfer gab es ein paar cremige Zirruswolken. Die Luft war frisch und trug das Versprechen nach Frühling und Sommer mit sich.

»Die Hände vereinen sich«, begann der Priester. Laymar hatte so viele vereinte Hände gesehen wie Kleeblätter im knöcheltiefen Gras. Brogan und Cailla fassten sich an den Händen an und ignorierten den warmen Wind, der an ihren Kleidern zurrte. Ihre Blicke begegneten sich, als wollten sie sicherstellen, dass ihre Zukunft eine gemeinsame war. Für den Moment ignorierten sie auch die vielen Gäste, die jetzt näher kamen, um die farbenprächtigen Stoffe zu verknoten, die sie um die Hände des Brautpaars legten.

»Brogan und Cailla«, fuhr Laymar fort, »wie das Feuer zu Beltane brennt, soll es auch durch die Tage eures gemeinsamen Lebens glühen …«

Zwei Gäste traten dicht an sie heran und verknoteten leuchtende, von Hand gefärbte Stoffe um Caillas schlankes Gelenk und um Brogans kräftige Hand. Laymar schritt um den magischen Kreis herum und rief die Götter an, damit sie die ein Jahr dauernde Vereinigung des erfahrensten Paares aus dem Dorf segneten.

Seit ihrer Kindheit waren Brogan und Cailla füreinander bestimmt gewesen. Innerhalb von Stunden würde die Vollziehung der Ehe schon Geschichte sein. Cailla würde sich unter dem Körper ihres Mannes winden, während der Rest des Dorfes tanzte und feierte und die ganze Nacht über Feuer abbrannte. Bevor das Paar Ruhe finden würde, musste es bei einem Fruchtbarkeitsritual mitmachen.

Die Muskeln auf Brogans Rücken verspannten sich unwillkürlich, als er an die beiden Frauen dachte, die auf ihn warteten. Diese Lust, dieses Schwelgen! Er konnte nicht verhindern, dass sein Brustkorb voller Stolz anschwoll und sein Kinn sich der Sonne entgegenhob.

Er war ein glücklicher Mann, dachte er, aber er dachte auch, dass die göttliche Frau, die neben ihm stand, genau das war, was er verdient hatte. Brogan blinzelte hinauf zum ungewöhnlichen Farbenspiel am Himmel.

Was war denn das? Ein Sturm zu Beltane?

»Wesen des Lichts, Wesen des Feuers«, rezitierte Laymar und schaute flüchtig hoch zum Feuer auf dem Hügel, das schon seit sieben Tagen brannte. Wenn die Himmel jetzt schon den Sturm brachten, den sie angekündigt hatten, würden bei der Hochzeitszeremonie keine Feuer mehr brennen.

»… höret meine Worte, die ich an euch richte. Möge das Feuer zu Beltane glühen und …«

Laymar warf den Kopf in den Nacken. Die langen Haare bedeckten seine Schultern. Über sich sah er den inzwischen schiefergrau gefärbten Himmel. Einmal war Laymar bis an den Rand der Welt gelangt und hatte dort die Wintermeere erlebt. Deshalb behielt er die Ruhe und sprach die Fortsetzung des Zauberspruchs, bevor die Götter ihn aus seinen Gedanken stehlen konnten.

»Möge das Feuer zu Beltane hell brennen und die Liebenden segnen …«

Cailla schrie plötzlich auf, als ein glühender Feuerball den Himmel spaltete. Der dünne schiefergraue Schleier verdunkelte sich rasch.

»Das Feuer«, rief Laymar und wich von seinem rituellen Text ab, »das heilige Feuer muss vom Brautpaar weitergegeben werden.« Stirnrunzelnd blickte er wieder nach oben, denn jetzt brannte der Himmel lichterloh. »Schnell!«, rief er. »Die Vereinigung muss besiegelt werden, bevor der Zorn der Götter über uns regnet.«

Brogan schlang seinen freien Arm um Caillas schlanke Taille und drückte ihre Brüste gegen das Metall seiner Rüstung. Ihm gefiel, wie sich ihr Körper an seinen schmiegte. »Bist du bereit?«, fragte er.

»Bereit«, sagte sie verunsichert, blickte aber voller Vertrauen ins Gesicht ihres Angetrauten. Sobald sie durch die hüfthohen Flammen gesprungen waren – ein Signal für die umliegenden Siedlungen, dass eine Vereinigung stattfand –, würde ihre Gemeinsamkeit komplett und ein Jahr lang unwiderruflich sein. Abgesehen vom versprochenen Fruchtbarkeitsritus, der in ihrem Dorf eine lange Tradition fortsetzte, würden sich Brogan und Cailla treu sein – bis zur nächsten Vereinigung der Hände im Frühjahr, wenn Cailla schwanger sein würde.

»Du bist schön«, sagte Brogan, »und beinahe bist du mein.« Er spürte, wie sich sein Körper unter dem Stoff regte, aber Zweifel setzten sich mit jedem Atemzug fest. Er konnte nicht ganz sicher sein, ob es Caillas Nähe oder die Aussicht darauf war, sich in Ionas reifen Körper zu versenken, bevor Cailla es ihm nachmachte, was ihn steif werden ließ. Er konnte sich keinen schöneren Weg ausmalen, dass die Götter ihnen ein Kind geben würden.

Plötzlich zerfetzte ein Knall die Stille während der Feierlichkeiten, und der innere Kreis der Gäste stieß auseinander, und weil niemand eine Erklärung hatte, breitete sich wilde Panik aus, und Frauen und Kinder rannten im Kreis um den Hügel herum.

»Jetzt!«, rief Brogan und zog an seiner Partnerin, die wie festgefroren auf der Stelle verharrte. Er musste sie für sich sichern, denn er wusste, wie viele Männer im Dorf sie genommen hätten, wenn er es nicht tat. »Renne mit mir durchs Feuer.«

Aber es war, als wäre Cailla zu Stein geworden, und obwohl er sie am Arm zog und an der Schulter schüttelte, rührte sie sich nicht von der Stelle. Aufrecht stand sie da und folgte mit den Blicken dem Feuerball, der den Himmel über ihnen rot färbte. Auch auf ihrem Gesicht lag ein roter Schimmer, und sie sah, dass die Flammen an dem Gegenstand züngelten, der aus dem Himmel fiel.

»Lauft um euer Leben!«, befahl Laymar. »Die Götter sind entsetzt über diese Vereinigung und bestrafen uns.« Der Priester sammelte seine Festroben ein und rief Brogan und Cailla zu: »Rennt schnell zurück in eure Häuser, wenn ihr bei Verstand seid.«

Brogan zog seinen Dolch aus der Scheide und zerschnitt die Stoffstreifen, die sein Handgelenk mit Caillas verband. Wenn sie den Göttern allein entgegentreten wollte, dann war das ihre Entscheidung, aber er wollte keinen Moment länger auf dem Hügel sein.

»Cailla?«, brüllte er. »Kommst du mit mir?«

Die Frau blieb stumm. Das lange kastanienbraune Haar strich um ihr blasses Gesicht, als sie hinauf zum Himmel schaute. Kurz schweifte ihr Blick zu Brogan ab und sah den grimmigen Ausdruck im Gesicht des Mannes, den sie liebte. Sie hatte noch nie eine solche Angst bei ihm gesehen.

»Nein«, sagte sie und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Tumult am Himmel zu.

Brogan fluchte wütend und schloss sich dem Exodus an, der sich wie Lava vom Hügel ins Tal warf. Er floh vom heiligen Ort und rannte um sein Leben. Seine Jägerbeine trugen ihn schneller aus der Gefahrenzone heraus als die anderen Dorfbewohner. Er fühlte die Erde unter seinen Füßen zittern. Im gleichen Moment gab es einen gewaltigen Krach, als ob nun alles Leben enden müsste und der Himmel geborsten wäre.

Er wollte nicht zurückschauen, er konnte es auch nicht. Der Schweiß bahnte sich Spuren der Angst auf seiner Haut und durchnässte die Kleidung unter dem dekorativen Metall seiner Brustplatte, als er weiter talwärts rannte, immer weiter weg von Cailla.

Einige Momente später war alles vorbei. Im Tal hörte man die Echos vom Zorn der Götter, und die sich biegenden Bäume richteten sich wieder auf. Die Blätter raschelten in der starken Brise. Brogan traute sich kaum aufzuschauen, aber dann fiel ihm auf, dass sein Schatten zurückkehrte, ein gutes Zeichen, weil er nun wusste, dass die wertvolle Sonne nicht vom Himmel gefallen war.

Ohne einen weiteren Gedanken an Cailla rannte er an den Hütten des Dorfes vorbei und schritt auf das heilige Rundhaus zu, das für die Fruchtbarkeitsriten, für Heilungsriten und andere wichtige Zeremonien bestimmt war. Wenn die Götter zürnten, würde er sie besänftigen, indem er seinen Körper der schönen Iona hingab.

Brogan trat in die Dunkelheit der runden Hütte, die aus Schlamm und Stroh errichtet worden war. In der Mitte flackerte ein kleines Feuer, und der Rauch zog durch ein Loch in der Decke ab. Er musste die schreckliche Szene, die er draußen gesehen hatte, aus seinen Gedanken verbannen.

»Brogan«, wisperte Iona.

Als sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte Brogan sehen, dass die Frau auf ihn gewartet hatte. Sie lag auf einem Bett aus Stroh und Fellen. Er löste die Schnallen seiner schweren Rüstung und legte das Metall ab. Jetzt ging es ihm schon besser.

»Hast du den Zorn der Götter nicht gesehen?« Trotz seiner körperlichen Tüchtigkeit und des Rufs, der beste Krieger und Jäger des ganzen Tals zu sein, ging Brogans Atem schwer. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Ein großer glühender Feuerball raste vom Himmel und saß auf dem Rücken einer gewaltigen grauen Bestie.«

»Oh, Brogan«, sagte Iona lachend, »du hast nichts anderes als einen ungewöhnlichen Sturm gesehen, der schnell genug vorüber war.« Sie richtete sich auf die Ellenbogen auf, und Brogan sah, dass ihr Körper von Tierfellen umgeben war.

»Sage mir, ob du und Cailla jetzt vereint seid. Hat Laymar den Knoten besiegelt?«

Brogan seufzte. »Wir sind nicht durchs Feuer gesprungen.« Er löste die Dolchscheide von seiner Hüfte und öffnete seine Tunika. Es war warm im Rundhaus, und die Luft roch nach Erde, rauchendem Holz und nach Iona. Er atmete ihren süßen Duft nach Moschus ein und spürte, wie er unter dem weiten Tuch hart wurde. Er fühlte sich geborgen in der friedvollen Hütte, und er wusste, dass Iona ihn trösten würde.

»Und wo ist Cailla?« Iona zog die Stirn kraus und erhob sich vom Stroh. Sie drapierte die Falten ihres hellen Umhangs um ihren Körper.

»Sie wollte zurückbleiben, um den Göttern zuzusehen.« Brogan trat auf Iona zu. Ihr Anblick vertrieb den Sturm und die Götter und Cailla aus seinen Gedanken.

»Du hast sie allein draußen im Sturm gelassen?« Iona und Cailla waren zusammen aufgewachsen, sie hatten alles miteinander geteilt, von der Kleidung über Schmuck und ihrem leidenschaftlichen Glauben an die Kräfte der Natur. »Brogan, wie konntest du nur …« Iona ging zum Eingang des Rundhauses, aber Brogan stellte sich ihr in den Weg. Seine Hände griffen an ihre Schultern und wollten sich auf ihre schweren Brüste legen.

»Sie wollte draußen bleiben. Sie wollte, dass ich zu dir gehe. Auch wenn die Zeremonie nicht vollständig war, wollte Cailla doch, dass wir den Ritus fortsetzen.« Brogan grinste, und der Griff an ihre Schultern entspannte sich.

Iona ging zurück zum Bett und schälte sich aus ihrem Umhang. Brogan folgte ihr, nahm den Umhang in seine Hände und drückte ihn vor sein Gesicht. Er inhalierte den Duft ihres Körpers.

»Also gut«, sagte sie. »Ich werde dein sein, aber nur unter einer Bedingung.«

Brogans Augen zogen sich zusammen, während sein Mund sich zu einem breiten Grinsen verzog. Er wusste, dass Iona die Erhebung des Stoffs bemerkt hatte, denn der Blick aus ihren Jadeaugen galt seinem Schoß.

»Was für eine Bedingung?«

»Du musst Cailla die gleiche Freiheit gewähren, solange sie noch nicht endgültig dein ist.« Iona presste ihre Hände gegen ihre Hüften. Sie wusste, dass Cailla dieses Arrangement nicht schätzen würde, aber der Ausdruck auf Brogans Gesicht war schon einen Versuch wert.

»Freiheit?« Er ging um das Feuer herum und dachte über das Undenkbare nach. Cailla gehörte ihm, sie hatte immer zu ihm gehört.

»Und du musst es erlauben, ohne dich einzumischen«, fügte Iona hinzu und wusste, dass sie ihn bis an die Grenze seiner Selbstachtung als Krieger stieß. Brogan verteidigte das Dorf wild und entschlossen. Und im Winter jagte er nach Nahrung. Er glaubte, dass er sich das Recht auf jede Frau, die er wollte, verdient hatte.

»Ich stimme zu«, sagte er schließlich und stieß mit dem Fuß gegen die staubige Erde neben dem Feuer. Ihm gefielen solche Vereinbarungen nicht, erst recht nicht, wenn er sie mit einer Frau wie Iona schließen musste, die sich für viel bedeutender hielt, als sie in Wirklichkeit war.

Sie hatte eine einfache Aufgabe zu erledigen – sie hatte für die Fruchtbarkeit der Paare zu sorgen, damit das Dorf über Generationen mit Kriegern, Jägern und Frauen versorgt war. Dass die törichte Frau darauf beharrte, sich in die Welt der Geister und Götter zu drängen – was man besser Laymar und den Druiden überließ –, war ein weiterer Hinweis auf ihren überheblichen Charakter. Der sexuelle Handel, den sie Brogan jetzt angeboten hatte, war typisch für sie und zeigte, wie sehr sie die Menschen kontrollieren wollte.

»Zieh dich aus«, forderte Brogan und erkannte, dass ihr Angebot ihn sexuell sehr reizte. Er würde sich später mit den Bedingungen beschäftigen, die sie ihm auferlegt hatte.

Iona löste den blau und grün gefärbten Stoffstreifen von ihrem schwangeren Körper, dann stand sie – nackt bis auf den Bronzehalsring – neben dem Feuer.

»Weißt du, wie lange ich darauf gewartet habe?« Brogan strich mit seinen rauen Händen über den reifen Bauch. Es gab so viele Kurven bei dieser Frau; er wusste gar nicht, wo er beginnen sollte. Er streckte die Hände nach ihren Brüsten aus, und als sie leise aufschrie, wusste er, dass er sie zu grob angefasst hatte. Brogan beugte den Kopf, nahm die braunen Warzen in den Mund und saugte daran.

»Jetzt bin ich dran«, sagte er, trat seine Lederschuhe von den Füßen und legte seine Tunika ab.

»Ich sehe, dass du für mich bereit bist«, kicherte Iona.

Brogan nahm sich in die Hand. »Er hat darauf gewartet, in deinen Körper einzudringen, seit du eine Frau geworden bist«, sagte er. Grinsend wischte er den Vorhang der langen Haare aus seinem Gesicht. Er rieb seine Hand am erigierten Schaft auf und ab, als bereitete er seine Waffen für einen Kampf vor.

»Lege dich auf die Felle«, befahl er. Seine Stimme bebte von der Kraft, die von seinem Schoß aufstieß. Er würde Iona hart nehmen, wie er es liebte, ohne Rücksicht auf ihre Gefühle. Danach hatten sie noch genug Zeit, um es auf ihre Weise zu tun. Er hatte sich vorgenommen, sie immer wieder zu nehmen, für den Rest des Tages und auch noch während der Nacht. Das war die Zeit, die sie auch gehabt hätten, wenn dies der Fruchtbarkeitsritus von ihm und Cailla gewesen wäre.

Iona ließ sich auf die Schaffelle und die Fuchspelze fallen. Das Feuer tanzte über ihre glatte blasse Haut. Sie arrangierte sich in eine bequeme Pose und wusste nicht, dass Brogan andere Pläne mit ihr hatte.

»Ich bin bereit für dich«, sagte sie lachend und winkte der hohen Gestalt zu, die sich über ihr erhob. Sie war erfreut, dass er zu ihr gekommen war. Ihr Verlangen nach einem Mann hätte sie in ihrem Zustand sonst gezwungen, sich woanders nach Erleichterung umzusehen.

Brogan ließ sich auf die Knie fallen und fasste Ionas Kopf an. »Dein Haar hat die Farbe des Himmels, den ich eben gesehen habe«, sagte er. »Und es ist so seidig wie der Fluss, der durch unser Tal fließt.«

»Mein Haar ist schwarz«, sagte Iona verdutzt.

»Und das war die Farbe des Himmels, bevor der Feuerball …«

»Lass mich in Ruhe mit deinem Feuerball, und sage mir lieber, was du hiervon hältst.« Iona spreizte ihre Beine und enthüllte einen kleinen Busch glänzender Härchen unterhalb des schweren Bauchs. Sie griff nach unten und tunkte einen Finger zwischen ihre Backen und zog damit eine Linie durch die Nässe ihrer Spalte bis zum Nabel. Sie hinterließ eine silbrige Spur.

Brogan verschwendete keine Zeit, bückte sich und leckte die Spur auf bis zu der Stelle, die er für das Zentrum der menschlichen Lust hielt.

»Oh, Brogan«, rief Iona, »ich halte die Gefühle nicht mehr aus, die du mir bescherst.« Sie wand sich auf den Fellen, als Brogans Zunge tief in sie eindrang. Iona wurde von der Ekstase erfasst, aber auch von Schuldgefühlen, weil sie einem Mann, der ihrer besten Freundin schon so lange versprochen war, erlaubte, sie ohne den Schutz von Laymars Fruchtbarkeitsritus zu nehmen. Wenn Cailla wie geplant mit Brogan vereint worden wäre, wenn Laymar seinen Segen dazu gegeben hätte, dann hätte sich das Paar mit ihrem Körper gemeinsam vergnügen und den fruchtbaren Zauber empfangen können.

»Dreh dich um«, bellte Brogan.

Als Iona keine Anstalten traf, packte er sie an den Hüften und hob sie an, bis sie auf allen vieren da lag, gerade wie ein Tier im Stall. An seinem ganzen Körper traten Adern hervor, und er war starr und steif vor Furcht und Erregung.

Er hatte schon so lange nach Iona gelechzt, dass er sich nicht von einem Unwetter abhalten lassen würde, selbst wenn das ganze Dorf vernichtet wurde. Er würde sich das nehmen, was ihm zustand.

Er langte um Ionas geweiteten Umfang, der fast bis auf die Felle sackte, und ruckte ihre Backen zurück, bis seine Erektion dazwischen passte. Seine Härte hielt die Position, als Ionas glitschiger Körper sich mit seinem verband. Er streckte sich aus und drückte ihre vollen Brüste.

»Du bist anders als alle anderen Frauen, die ich gehabt habe«, sagte Brogan, und dann begann er zu keuchen, als sie seinen Stamm mit ihren inneren Muskeln molk. »Du bist wie eine schwere Frucht, die im Sommer vom Baum fällt. Ich habe noch nie so eine Frau erlebt.«

»Es ist mir Vergnügen und Aufgabe, mein lieber Brogan«, sagte Iona schelmisch. Sie versuchte, sich zu ihm umzudrehen, um ihn dazu zu bringen, seine Zähne in den gestreckten Teil ihres Halses zu versenken. Als er das tat, packte er gleichzeitig ihre breiten Hüften und hob sie auf seinen Schaft, bevor er sie von sich stieß, um sie gleich darauf wieder tief zu spalten. Da er kniete und Iona halb saß und halb auf allen vieren hing, konnte er genau sehen, wie seine Männlichkeit jedes Mal zwischen ihre kirschroten Lippen drang und dann von ihr geschluckt wurde.

»Stimmt es, dass du bei jedem Mann des Dorfes gelegen haben wirst, wenn du vierzig Sommer erlebt hast?«

Eigentlich war Brogan ein besitzgieriger Mann, und wenn er eine Frau nahm, dann wollte er sie nur für sich haben, aber jetzt, als er bei Iona lag, pumpte sein Herz schneller, und seine Phantasie ging mit ihm durch. In diesem Moment hätte er seine ganzen Waffen hergegeben, wenn er hätte zusehen können, wie die Männer des Dorfes über Iona hergefallen waren. Wenn sie glaubte, nun wäre es überstanden, stellten sich die nächsten Männer in die Schlange vor ihrem Rundbau.

Und dann, wenn die Männer sich bei ihr abreagiert hatten, würde er zu ihr kommen und sie zur höchsten Ebene der Lust bringen. Der kräftige Brogan war sich seiner Qualitäten als Liebhaber bewusst.

»Wenigstens«, sagte sie kichernd, »und vielleicht auch noch viele aus anderen Siedlungen im Tal. Ich habe Geschichten über die Zeugungskraft dieser Männer gehört.« Dann ging ihr Lachen plötzlich in Stöhnen über, als sein behaarter Schoß gegen ihre Backen rammte.

»Du bist schmutzig und unmoralisch«, fuhr er sie an, und immer noch sah er das Bild der Männer vor sich, die vor ihrer Hütte Schlange standen, um bei dieser Frau mit den unvorstellbaren Fähigkeiten zu liegen. »Du glaubst, dass du besonders clever bist, aber …« Brogan brach ab und ging zu sanften Stößen über, weil er fürchtete, dass Ionas quetschende Muskeln ihn zu früh zum Höhepunkt brachten. Er hätte es nicht ertragen, wenn sein Ruf bei ihr leiden würde. Cailla erwartete den Besten.

»Härter, Brogan, nimm mich härter.« Iona wand sich hilflos auf dem Lager, aber Brogan hatte sich aus ihr zurückgezogen. Er hatte anderes mit ihr vor.

»Lege dich auf den Rücken«, ordnete er an und war überrascht, dass sie ohne Murren gehorchte. Iona war bekannt für ihre Starrköpfigkeit. »Öffne deinen Mund«, sagte er und führte seine Erektion zwischen ihre Lippen.

Iona verschlang ihn. Von der prallen Eichel über den langen, harten Schaft nahm sie ihn in den Mund und saugte. Dann übernahm er und versenkte sich tief im Rachen der Frau. Er füllte sie, als wollte er dafür sorgen, dass sie nie wieder hungrig sein müsste.

Nach etwa einem Dutzend Attacken auf ihre Mandeln erlebte er einen geräuschvollen Höhepunkt tief in ihrem Mund. Er stieß Schreie der Lust aus und wurde kräftig geschüttelt. Jeder Muskel seines schlanken Körpers wurde gespannt, was ein großartiges Bild ergab. Er war ein mächtiger Mann mit mächtigen Bedürfnissen, dachte Iona.

»Wie hat es dir gefallen?« Iona war neben ihm und rieb seine Schultern. Später würde sie ihn mit duftenden Ölen einreiben und seine Haare pflegen. Sie hoffte, dass er sie dann noch einmal nahm. Eine Frau konnte von einem Mann wie Brogan nie genug bekommen.

»Das war in Ordnung«, sagte er kalt, dann legte er sich auf die Seite und grinste. Er gab ihr einen Kuss und schmeckte sich auf ihrer Zunge.

»Vergisst du nicht was?«

Iona spreizte die Schenkel und enthüllte wieder die zartrosa Spalte ihres Geschlechts. Brogan zögerte nicht länger; er presste sein Gesicht in den Moschus der verborgenen Falten und leckte und saugte, bis auch sie wild geschüttelt wurde.

Aber auch danach war Brogan noch nicht fertig mit ihr.

Cailla war gelähmt vor Furcht und Faszination, als der Feuerball vom Himmel fiel. Es war deutlich zu sehen, dass der heilige Hügel sein Ziel zu sein schien. Für einen Moment wandte sie den Kopf und schaute den fliehenden Dorfbewohnern nach, unter denen sich auch Brogan befand. Sie alle wollten von der so wichtigen Zeremonie nichts mehr wissen. Da Laymar auch geflohen war, gab es für Cailla nur eine Erklärung: Der Feuerball musste eine Botschaft der Götter sein, und deshalb sollte kein Sterblicher Zeuge des Geschehens sein.

Cailla hob die Hände dem Licht entgegen. Das sollte ein Zeichen sein, dass sie bereit war, jede Strafe für ihren Ungehorsam zu akzeptieren. Dann begann sie Verse zu singen, die Laymar benutzte, um das Dorf vor feindlichen Kriegern zu beschützen. Tränen stiegen ihr in die zusammengezogenen Augen, als sie von einem Wirbelwind erfasst wurde und beinahe umgerissen worden wäre.

»Nehmt nicht mein Herz«, zitierte Cailla den Beginn eines Priesterspruchs, aber dann konnte sie nicht fortfahren, denn der Feuerball wurde vom Wirbelwind auf die Hügelspitze zu getrieben. Innerhalb weniger Wimpernschläge gab es einen lauten Knall, und die Erde erzitterte unter Caillas Füßen. Sie warf sich aus Furcht auf den Boden und zog ihren Umhang über den Kopf.

Cailla schwitzte und zitterte, murmelte alle Worte, die sie von Laymar gelernt hatte, und formulierte neue Zaubersprüche aus ihnen. Erst als das donnernde Geräusch schwächer wurde, zog sie den Umhang vom Kopf und starrte auf das Ding, das auf den Hügel gefallen war. Sie fühlte die Hitze vom brennenden Feuerball.

Langsam zog sie das hübsch gewebte Tuch zurück, das sie Brogan zu Ehren trug, wenn er sie nahm. Cailla verengte die Augen und stieß keuchend die Luft aus, als sie die Flammen und den schwarzen Rauch sah, die aus dem gottähnlichen Ungetüm aufstiegen. Und es hatte sich ausgerechnet auf dem heiligsten Land der ganzen Umgebung niedergelassen.

Cailla stand auf, ohne den Blick von dieser Kreatur zu wenden, die knisternd ihren feurigen Atem ausstieß. Die knurrenden Geräusche ließen darauf schließen, dass sie eine lange Reise hinter sich hatte.

Das Herz klopfte in ihrer Brust wie eben, als Brogan sie in die Arme genommen hatte. Zögernd trat Cailla auf das fremdartige Wesen zu. Unwillkürlich befingerte sie das Glücksamulett in ihrer Gürteltasche.

Plötzlich brach die Kreatur auseinander, und Cailla blieb vor Schreck wie angewurzelt stehen. Sie stand jetzt höchstens sechs Schritte von dem Ungetüm entfernt und betrachtete höchst verwundert den glänzenden Mantel und die schimmernde Nase. Noch seltsamer war, dass alles aus dem Material gefertigt war wie Brogans Schwerter und Rüstung.

Nur, dass diese Kreatur eindeutig Zeichen von Leben zeigte. Allein schon das fauchende Atmen. Aber für den Fall, dass das Ungetüm ein Jäger war, blieb Cailla lieber stehen. Sie suchte die glänzende Haut nach einem Auge ab.

»Verdammter Wetterbericht!«

Die Bestie platzte nicht nur, sie konnte auch sprechen, auch wenn Cailla kein Wort verstand. Sie flehte ihren Körper an, mit dem Zittern aufzuhören.

»Wo, zum Teufel, bin ich? Irgendein Hinterwäldlerkaff, und ich sehe keine einzige Straße.«

Das Biest spuckte etwas aus, das eine Frau zu sein schien. Eine Frau, wie es im ganzen Dorf keine gab, und Cailla erkannte sie auch nur an den vertrauten Rundungen als Frau. Die Frau aus der Bestie hatte ein geschwärztes Gesicht, trug dünne Kleidung und hatte wild abstehende Haare, als hätte sie sich für eine Schlacht vorbereitet. Eine weibliche Kriegerin!

Die Kriegerin sprang aus dem Ungetüm heraus, und als sie auf dem Boden aufkam, jammerte sie vor Schmerzen. »Aua! Mein Knöchel!«

Sie hüpfte auf einem Bein und zog die Hose ihres Schlachtanzugs hoch. Ihr Bein blutete. Cailla trat vor und verließ die Deckung der Büsche. Ein Zweig knackte.

»Wer ist da?« Die Kriegerin stellte sich sofort aufrecht hin und sah sich um.

Cailla, immer ehrlich, selbst wenn es sich zu ihrem Nachteil auswirkte, trat noch einen Schritt näher.

»Mein Name ist Cailla«, sagte sie. »Und ich gebe mich den Göttern als Opfer hin. Nehmt keinen anderen aus unserem Dorf, darum bitte ich.« Cailla dachte an Brogan, wie sehr sie ihn liebte und wie sehr sie ihn beschützen wollte.

»Wow!«, sagte die Kriegerin lachend. Sie wollte weggehen, hielt dann aber inne, humpelte und verzog das Gesicht. »Hör mal, kannst du mir sagen, wo genau ich bin? Der Rettungsdienst wird eine exakte Beschreibung von mir haben wollen.« Die Frau lachte hysterisch, hielt sich eine Hand waagerecht über die Augen und sah sich im Tal um. »Der verdammte Wetterbericht.«

»Ja, du befindest dich auf dem heiligen Hügel. Es ist ein ganz besonderer Ort.« Cailla ließ sich auf die Knie fallen, während die Kriegerin zwei schwarze Scheiben vom Kopf nahm und über die Augen legte.

»Erzähl keinen Scheiß. Soll ich dem Rettungsdienst sagen, dass ich auf dem heiligen Hügel gelandet bin? Ihr wisst schon, Jungs, der heilige Hügel, der ganz besondere Ort.« Die Kriegerin schleppte sich ein paar Schritte weiter und klopfte ungeduldig mit einer Hand auf ihren Knöchel. »Also gut. Wie wäre es denn, wenn du mir sagst, wo ich die nächstgelegene Straße finde. Es muss wahrscheinlich die A403 sein. Und es wäre auch hilfreich, wenn du mir sagen kannst, wo sich die nächste Stadt befindet. Vielleicht York? Oder habe ich es fast bis nach Darlington geschafft?«

»Ich fühle mich so schwach in deiner übermächtigen Gegenwart …«

»Hör mal, Mädchen, ich brauche einen verdammten Hinweis, wo ich gelandet bin, begreifst du das? Fangen wir doch mal mit der Grafschaft an.«

Die Kriegerin ging auf Cailla zu, den Kopf leicht seitlich geneigt, und wartete auf eine Antwort. Aber dann schien die große Bestie hinter ihr sich zu strecken und spuckte wieder Feuer. Die Kriegerin schrie irgendwas und humpelte zum Ungetüm zurück. Sie langte hinein, und dann baute sich vor ihr eine weiße Wand auf, die sich kaum durchdringen ließ.

»Wenigstens funktionieren die Feuerlöscher, auch wenn sie sich mit dem Wetter nicht auskennen. Oh, verdammt, schau dir mal die Reifen des Laufwerks an. Die taugen nur noch was für den Schredder.«

Cailla fiel wieder auf den Boden und wünschte, sie wäre mit Brogan geflohen. Sie könnte jetzt neben ihm stehen und aus sicherer Entfernung auf das seltsame Ungetüm oben auf dem Hügel schauen.

»Kannst du jetzt mal aufstehen und mir helfen? Ich habe mir den Knöchel verstaucht, und ich bin mit meinem Flieger abgestürzt. Ich habe eine wertvolle Fracht geladen, und wenn ich sie bis morgen nicht geliefert habe, bin ich eine tote Frau. Mein Vermieter will mich aus der Wohnung werfen, und um allem die Krone aufzusetzen, glaube ich, dass mein Verlobter meine beste Freundin vögelt. Es war also kein schöner Tag für mich, verstehst du? Also hör auf mit deinem Fantasyspiel, und sage mir endlich, wo ich bin.«

Cailla begann zu weinen.

»Oh, Hölle.« Die Kriegerin setzte sich neben Cailla auf den Boden. »Es tut mir leid, okay? Ich werde es mal anders anpacken. Ich rufe zuerst den Flughafen an und lasse die Leute da wissen, dass ich abgestürzt bin. Ich glaube, die haben mich plötzlich nicht mehr auf dem Radarschirm gehabt. Dann kannst du mit ihnen reden und ihnen genau sagen, wo ich bin. Hört sich das okay für dich an?«

Cailla zuckte zusammen, als die Kriegerin ihr einen Klaps auf den Rücken gab. »Was immer du möchtest, werde ich tun«, murmelte sie.

»Prima. Schade, dass Hugh nicht so liebenswert ist wie du.«

Die seltsame Frau zog etwas Glänzendes aus ihrer Tasche, dann stellte sie sich hin und humpelte mal hierhin, mal dorthin. »Oh, einfach großartig! Das passt zu diesem vermaledeiten Tag. Ich wusste, ich hätte im Bett bleiben sollen! Ich kriege keinen verdammten Empfang!«

Cailla sah zu, wie die Kriegerin einen seltsamen Tanz auf dem Hügel aufführte. Dazu gehörte, dass sie beide Hände zum Himmel hob, das Gerät drückte, das offenbar Anlass für ihre schlechte Laune war, und eine seltsame Frage stellte.

»Deckt Vodaphone diese Region ab, weißt du das?«

Cailla war verwirrt, aber auch sie stand auf, was der Besucherin von den Göttern zu gefallen schien, jedenfalls streckte sie eine Hand aus und strich ihr über die Haare, und da begannen sich das Land und der Himmel zu drehen, und Cailla konnte nicht verhindern, dass sie ohnmächtig wurde.

Zweites Kapitel

»Weißt du was?«, rief Jenna ins Telefon, während sie auf die Webseite mit dem Flugwetter klickte. »Du notierst dir alle wichtigen Sachen. Der Champagner muss Bollinger sein und nicht Moët, und die Kanapees werden mit Beluga belegt und nicht mit Lachs. Du überprüfst die richtige Anzahl, die du dir liefern lässt. Du bestellst einen Ersatzfotografen, der einspringen kann, wenn der erste seine Kamera verliert. Vergiss nicht zu arrangieren, dass jemand der Presse einen Wink gibt. Jemand muss Tante Agnes oder wie immer sie heißt einen falschen Termin nennen, denn jeder weiß, dass sie sich betrinkt, in den Hochzeitskuchen fällt oder dem Brautführer an die Wäsche geht.«

Jenna überflog die Wetterseite, während sie redete, aber es hatte sich nichts Neues getan. Feine, klare Sicht zwischen London City Airport und Dundee.

»Und vergiss nicht die verdammten australischen Garnelen«, rief sie in ihre Freisprechanlage. Hugh fuhr wahrscheinlich gerade durch einen Tunnel, denn plötzlich war er nicht mehr da.

Jenna schob ihren Laptop beiseite und warf sich wieder aufs Bett. »Das Wetter ist okay, mein Flugzeug ist gewartet, die Fracht wird abgeholt, und der reiche Mann in Schottland erwartet mich auf seinem Schloss.« Sie wälzte sich herum und griff auf dem Nachttisch nach den Zigaretten. Nur noch eine steckte in der Packung. »Memo an mich selbst. Zigaretten kaufen und Flinte mit nach Schottland nehmen. Ich habe gehört, dass die Jagdsaison eröffnet ist.« Grinsend knipste sie ihr Sturmfeuerzeug an.

Jenna schüttelte ihre Kissen auf, inhalierte tief und drückte einen Knopf nach dem anderen auf der TV-Fernbedienung. Schließlich blieb sie bei einem Western hängen, aber dann erinnerte sie sich daran, dass sie gestern Abend ein Essen beim Chinesen abgeholt und dann nicht gegessen hatte – es stand noch im Kühlschrank. Bevor sie sich aufs Essen freuen konnte, musste sie an ihre bevorstehende Hochzeit denken. Da zogen sich ihre Zehen zusammen, und die Finger wurden taub.

»Oh, Himmel«, wimmerte sie. »Warum ich?« Sie ignorierte den Western und rief ihre beste Freundin an. Sie war immer gut für eine Dosis Realitätssinn, den sie ihr mit beiden Händen ins Gesicht klatschte.

Nun hör aber auf. Du wirst einen von Londons begehrtesten Junggesellen heiraten, und du beklagst dich über die Schwiegermutter und über seine Schwanzgröße? Begreifst du eigentlich, wie reich und mächtig dieser Bursche ist?

So würde sie ihr den Kopf waschen. Das war es, was Jenna noch gefehlt hatte, während sie das kalte chinesische Essen auf den Knien balancierte. Später würde sie sich über Reiskörner in ihrem Bett aufregen.

Jemand ging ans Telefon, aber niemand sprach. »He, Mel, ich bin’s.« Jenna wartete, denn sie hörte schweres Atmen. »Mel, bist du da?« Dann hörte sie ein Stöhnen und ein klatschendes Geräusch. Schließlich eine Männerstimme.

»He, du kleines Luder, sieh zu, dass du zurück zu meinem Schwanz kommst.«

Sie keuchten und stießen spitze Schreie aus und dann, genau in dem Augenblick, in dem Jenna den Karton mit dem speziell gebratenen Reis umkippte und auf der Decke verteilte, erkannte sie die Männerstimme.

»He, warte doch mal. Da ist jemand am Telefon. Autsch!« Helles Kichern. »Hallo?«

Hugh – ihr Verlobter – war bei Mel und vögelte sie.

Wie der Flugwetterdienst vorausgesagt hatte, brach ein klarer Tag an. Blauer Himmel mit einem leichten Wind aus Südwest. Zehn Knoten maximal. Jenna hatte nicht gut geschlafen; ihre Gedanken waren wie schmutzige Wäsche in einer Waschmaschine geschleudert worden.

Hugh bei Mel?

Sie schüttelte den Kopf, als wollte sie auch den Gedanken abschütteln. Das würde ihre beste Freundin ihr doch nicht antun, oder?

»Haben Sie eine Lizenz für dieses Flugzeug, Miss Bright?«

Jenna drehte sich um und strich mit einer Hand über das Querruder. »Vic«, sagte sie lächelnd, wobei sie wusste, dass er sich darüber ärgerte, aber jetzt hatte er seine Hände auf ihren Rippen und drohte sie zu kitzeln.

»Komm mir nicht mit Vic«, sagte er und grub seine Finger in Jennas verspannten Körper. Vor fünf Jahren war Mark für British Airways geflogen, dann hatte er Gott gesehen und war Priester geworden. Seitdem nannten seine Freunde ihn Vic, Kurzform von Vicar. »Es reicht, wenn du mich Father, Eure Heiligkeit oder einfach nur Gott nennst.«

»Auch gut«, sagte Jenna lachend. »Aber jetzt muss ich die Kiste checken, bevor ich nach Dundee fliege. Auf ein verdammt vornehmes Schloss.« Jenna verzog das Gesicht.

»Und was ist mit dem zukünftigen Gatten?«

Jenna erstarrte. Der zunehmende Wind zerrte an ihrer losen Jacke. »Ihm geht es gut, danke, und er wird ein paar Tage ohne mich überleben.« Ihre Kehle zog sich zusammen, als sie daran erinnert wurde, dass sie Hugh allein ließ.

»Ein paar Tage? Bleibst du so lange in Schottland?« Vic legte eine Hand über die Augen, weil er von der frühen Morgensonne geblendet wurde. Jennas vom Wind aufgebauschte rotbraune Haare sahen gegen den schwarzen Asphalt wie ein Sonnenaufgang aus.

»Ich bin von meinem Kunden zu einem Jagdwochenende eingeladen worden.«

Sie wollte am liebsten gleich weg. Auch wenn die Wettervorhersage einen klaren Himmel versprochen hatte, dazu hohen Luftdruck und nur schwachen Wind, hatte Jenna das Gefühl, dass sich irgendwas zusammenbraute. Ihr gefiel nicht, dass der Wind plötzlich aus dem Nordosten kam.

»Wir sehen uns bald«, sagte Vic. Jenna hatte immer Zeit für ihn und für immer einen Platz für ihn in ihrem Herzen. Er drehte sich um und ging.

»Warte«, rief sie ihm nach und wusste nicht warum. »Was machst du hier am Flughafen?« Sie fragte das nur, um überhaupt was zu sagen. Es brachte ihr noch einen weiteren bittersüßen Moment mit dem Mann, den sie einmal hätte haben können.

»Ich will mich mit alten Freunden treffen«, sagte Mark lächelnd.

»Fliege heute nicht«, platzte es aus Jenna heraus. »Pass aufs Wetter auf«, fügte sie dann hinzu, auch wenn sie keine Ahnung hatte, warum sie das sagte. Sie hatte alles noch einmal inspiziert und war bereit, in wenigen Minuten zu ihrem Flug nach Dundee aufzubrechen.

»Das Wetter sieht gut aus«, meinte Mark, hob die Handflächen, als wollte er Regen auffangen, dann steckte er einen Finger in den Mund und hielt ihn in den Wind. »Fein und klar den ganzen Tag, Miss Bright. Viel Spaß bei Ihrem Flug.« Wieder drehte er sich um und schritt davon.

»Tower, hier spricht Bravo Mike an der Runway zwei-acht. Erbitte Abklärung für London City QNH und QFE. Over.« Jenna klopfte mit einem langen Fingernagel auf das Glas des Höhenmeters. »Spiel heute nicht wieder verrückt. Ich will das Wochenende auf Carrickvaig Castle erleben. Ich muss einfach mal weg und entspannen.«

»Golf Bravo Mike. London City QNH ist ein …« Die Funkverbindung zum Tower hörte sich plötzlich so an, als raschelte jemand mit Pergamentpapier. Jennas Ohren schmerzten von dem Geräusch in den Kopfhörern. Sie drehte die Lautstärke rasch zurück.

»Oh, nein, nicht heute«, murmelte sie und versuchte, die Verbindung wiederherzustellen.

»Hier spricht Golf Bravo Mike an London City Tower. Hören Sie mich? Over.« Wieder rauschte es im kleinen Cockpit der Piper Saratoga, aber dann war die Verbindung plötzlich klar, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Die Stimme aus dem Tower war laut und deutlich zu hören.

»Golf Bravo Mike, bereit zum Start auf Runway zwei-acht. So schnell es geht, steigen Sie auf dreitausend, Miss Bright, denn in den nächsten Minuten steigen noch ein paar große Brummer auf. Over.«

Jenna lächelte. Sie kannte Dan, seit sie das Fliegen gelernt hatte. »Ich habe nichts gegen ein paar große Brummer, Mr. Eliot. Bringen Sie mich auf den Weg, dann winke ich Ihnen zu.« Sie klopfte auf das Funkgerät und hoffte, dass es sie nicht mehr im Stich ließ. Langsam löste sie die Bremse.

»Für solche Sachen sollten Sie sich nicht mehr interessieren, Bravo Mike; Sie sind fast eine verheiratete Frau. Klar zum Abheben, Miss Bright, und guten Flug.«

Jenna gab Gas und fuhr zur Startbahn. Sie wusste nicht, ob sie den Kloß in ihrem Hals beachten sollte, der sich dort gebildet hatte, als Dan ihre bevorstehende Hochzeit erwähnt hatte, oder das Flattern im Bauch wegen des milden Flirts mit dem Mann im Tower.

Sie stieß den Gashebel weiter durch und gewann schön an Geschwindigkeit. Beim Abheben blieb Jenna die Luft weg.

»Was soll …« Jenna wandte rasch den Kopf zu den leeren vier Passagiersitzen. Ein tiefes Rumpeln dröhnte von hinten, und als das Flugzeug schneller über den Asphalt flitzte, überlegte Jenna kurz, das Startmanöver abzubrechen. Sie schaute wieder nach hinten und sah, dass die Holzkiste noch zwischen den Sitzen festgezurrt war. Die wertvolle Ladung ihres Kunden, was auch immer die Kiste enthielt.

Fünfzig Knoten, fünfundfünfzig, sechzig – wenn sie abbrechen wollte, war dies der geeignete Augenblick. Jenna drückte den Gashebel noch weiter durch, hielt den Atem an und dachte an ihr langes Wochenende weg von zu Haus. Die Flucht aus London bot ihr die einzige Chance zu verdrängen, dass ihre beste Freundin mit ihrem Verlobten schlief. Sie musste ihr Leben ganz schön umkrempeln.

Die Vibrationen gingen über in ein klägliches Gejaule, als das Flugzeug achtzig Knoten machte, und immer noch drückte Jenna den Gashebel weiter vor, obwohl sie nicht ganz sicher war, ob das Höhenmeter funktionierte und ob sie dem Funkgerät trauen konnte. Und sie konnte nicht beschreiben, was das seltsame Geräusch hinter ihr verursachte. Die Landeklappen, ein Reifen, dem die Luft ausging, ein loses Verkleidungsblech? Jeder vernünftige Pilot wäre gar nicht erst auf die Startbahn gerollt. Aber heute fühlte sich Jenna nicht vernünftig.

»Nun komm schon«, flüsterte sie und bewegte sanft den Steuerknüppel, bis sich die Nase ihrer geliebten Saratoga vom Asphalt hob.

Sekunden später, alle Instrumente grün, hob der Ein-Propeller-Motor die Maschine mit Leichtigkeit über das Londoner Hafenviertel. Jenna hielt eine Hand auf dem Gashebel, und mit der linken Hand steuerte sie den Knüppel durch den leichten Seitenwind. Wieder hatte sich die Windrichtung verändert.

»Bravo Mike in der Luft«, sagte Jenna zu sich selbst und atmete erleichtert auf, weil die Geräusche leiser geworden waren und alle Instrumente funktionierten. »Ich werde alles vergessen über Hochzeit und beste Freundin und lausigen Verlobten und konzentriere mich nur darauf, Spaß zu erleben. Und vielleicht lerne ich ja, mit einem Gewehr umzugehen.« Ihre Worte klangen etwas wütend, und Verbitterung schwang auch mit, aber dann gerieten diese Emotionen in den Hintergrund, weil sie ein seltsames Flüstern hörte, aber die Worte waren nicht zu identifizieren.

»Und was jetzt?«, fauchte sie. »Golf Bravo Mike an London City Tower, bitte wiederholen Sie Ihre letzte Nachricht. Over.«

Die atmosphärischen Störungen im Funkgerät hielten an, doch diesmal verstand Jenna die Flüsterstimme.

»London City Tower an Bravo Mike. Wir konnten keinen Kontakt zu Ihnen herstellen. Ich wiederhole: Kein Kontakt möglich. Ist alles in Ordnung da oben, Jen? Du hörtest dich ein bisschen gestresst an.«

»Alles bestens, danke, Dan. Ich bin auf fünfzehnhundert Fuß und gehe bald höher, und dann bist du mich los.«

Jenna hörte Dans Antwort nicht, denn wieder raschelte und knisterte es, und dann schien die Leitung endgültig tot zu sein. Sie drehte hier und stellte da was ein, aber es schien nichts zu geben, womit sie dem Funkgerät neues Leben einhauchen konnte.

»Das ist einfach nur großartig«, knurrte sie und dachte, jetzt müsste sie wirklich zum Flughafen zurückkehren. »Schlimmer kann’s nicht mehr werden.«

Jenna beschloss, dem Funkgerät eine Viertelstunde zu geben, um sich zu erholen, danach würde sie sich um Drähte oder sonst was kümmern. Im schlimmsten Fall würde sie einen lokalen Flugplatz auf dem Handy anrufen und eine unplanmäßige Landung beantragen, damit das verdammte Ding repariert werden konnte.

»Aber mein Kunde erwartet mich am frühen Abend. Ich werde mich verspäten, und mein Ruf nimmt Schaden …« Jenna schob ihre Sonnenbrille auf ihre Haare, die sie hinten zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst hatte, und versuchte, ganz ruhig zu bleiben, aber als sie von hinten eine Stimme wispern hörte, die mehrmals ihren Namen aussprach, schoss die Röte in ihre Wangen, ihr Herz begann zu rasen, und die Haare im Nacken richteten sich angstvoll auf.

»Wer ist da?«, kreischte sie und drehte sich um, soweit ihr das mit dem Sicherheitsgurt möglich war. Sie sah die cremefarbenen Ledersitze, auf denen gewöhnlich zahlende Fluggäste saßen, und die Holzkiste mit der Aufschrift ZERBRECHLICH.

Der ganze hintere Teil der Kabine lag in einem hellgrauen Dunst. »Oh, verdammt«, rief Jenna, und so schnell es ging, griff sie nach dem Feuerlöscher, aber dann löste sich der Dunst auf, und sie hörte auch die Stimme nicht mehr.

Die nächste Stunde traute sich Jenna kaum zu atmen, aber sie war entschlossen, sich durch die seltsamen Vorfälle nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Sie studierte die Karte, die sie sich um den Oberschenkel gebunden hatte, und erarbeitete sich ...

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