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Götter des Olymp

Götter des Olymp

Contrahit celeriter similitudo eos, ut fere
fit: malum malo aptissimum

(Schnell bringt die Ähnlichkeit sie zusammen, wie es gewöhnlich geschieht: Der Böse ist für den Bösen der Geeignetste)

1

Dr. George Schmidt, anerkannter und geschätzter Virologe bei Pharmalead Ltd., der renommierten Pharmafirma in der Nähe von Los Angeles, Kalifornien, war froh, endlich der Gluthitze seines BMW 2002 ti entrinnen zu können. Autos dieser Jahrgänge besaßen üblicherweise noch keine Klimaanlage und die dreißigminütige Fahrt von seiner Wohnung zu seinem Arbeitsort hatte Schmidt zugesetzt. Es war ja ganz nett, ein solches Auto zu besitzen, aber manchmal hatte dies eben auch seine Nachteile. Er betrat die Eingangshalle zum Firmenhauptsitz und eine wohlige Kühle empfing ihn. Das ganze Gebäude war klimatisiert, manchmal war die Klimaanlage nach seinem Empfinden auch zu kalt eingestellt. George Schmidt fuhr mit dem passwortgesteuerten Fahrstuhl in das 5. Untergeschoss und lief zu den Umkleideräumen. Unterwegs nickte er ein paar Kolleginnen und Kollegen zu - große Lust auf eine Unterhaltung hatte er nicht, zu groß waren die Nachwirkungen der nächtlichen Ausschweifungen – nie mehr, so dachte er, werde ich Wodka trinken…

Er entledigte sich all seiner Kleider bis auf die Unterwäsche. Dann streifte er sich den luftdichten PVC-Schutzanzug über und überprüfte, ob die Bajonettverschlüsse der Kopfhaube und der Handschuhe auch richtig eingerastet waren. Er trat zur Sicherheitsschleuse, welche die Umkleideräume vom Hochsicherheitslabor trennte und gab seinen 8-stelligen persönlichen Code ein. Die erste, zweigeteilte gläserne Schleusentüre öffnete sich fast lautlos und er betrat die Schleuse. Nachdem sich die Türe geschlossen hatte, gab er einen zweiten persönlichen Code in eine Tastatur an der Wand ein. Der Bildschirm an der Wand registrierte seinen Eintrag und zeigte ihm auch, wer in den letzten 12 Stunden vor ihm bereits das Labor betreten und verlassen hatte. Im Moment befanden sich vier weiter Kollegen im Labor, welche alle ihren eigenen Forschungen nachgingen.

Das Labor war riesig. Nebst durch Sicherheitsglas abgeschlossenen Abteilen gab es auch unzählige Tierkäfige mit Affen, Mäusen und Ratten. Dr. Schmidt hatte sich auf die Forschung im Bereich der HIV-Medikamente spezialisiert und dank einer bald dreißigjährigen Tätigkeit konnte die Industrie bereits einige Erfolge verzeichnen. Zwar waren ein Impfstoff oder ein heilendes Medikament noch nicht gefunden, aber die Lebenserwartung von HIV-Patienten konnte dank den erforschten und bisher auf den Markt gebrachten Medikamenten wesentlich verlängert und die Krankheit erträglicher gemacht werden. George Schmidt ging bis fast zum Ende des riesigen Labors, schloss dann den Anzug an einen der Schläuche an, welche den frischen Sauerstoff lieferten und schaute zuerst nach den Rhesusaffen, welche er für seine Experimente einsetzte. Allen Affen schien es gut zu gehen, aber endgültige Resultate werden wohl erst die Laboranalysen ergeben. Seine Assistentin und Verlobte Ruth hatte die entsprechenden Proben bereits aufbereitet und er konnte die Resultate auf dem immens teuren Computer abrufen. Schmidt runzelte die Stirn. Eigenartig, dachte er, in den letzten Tagen waren die Ergebnisse wesentlich besser, die Zunahme der weißen Blutkörperchen gefiel ihm nicht, die Zahl der Antikörper hatte sich verringert und auch die Körpertemperatur der Rhesusaffen schien gestiegen zu sein. War er mit den neusten Medikamenten doch auf dem falschen Weg? Und weshalb waren die Testresultate plötzlich anders? Er vergewisserte sich im Login-Protokoll, dass niemand außer ihm und Ruth auf den Computer zugegriffen hatte. Das Protokoll zeigte, dass der Server in der Nacht für etwa eine Stunde herunter gefahren worden war oder sich automatisch heruntergefahren hatte. Bei Unterhaltsarbeiten im Gebäude, welche vornehmlich nachts ausgeführt wurden, oder bei Server-Updates war dies durchaus üblich. Rund zweieinhalb Stunden lang verglich er die neuesten Ergebnisse mit den Resultaten der letzten Wochen. Das alles machte keinen Sinn. Man war auf einem guten Weg, der sehr erfolgsversprechend war und jetzt plötzlich schien es, als ob sämtliche Resultate nichts mehr Wert waren. Er schüttelte abermals den Kopf, als ob ihm so die rettende Idee kommen würde. Er seufzte. Wenn die neuen Resultate stimmten, dann waren rund drei Jahre Forschung für die Katz und sie mussten von vorne beginnen. Sicher war es gut, eine zweite Meinung einzuholen. Er gab den Befehl an den Drucker, sämtliche Resultate der letzten sechs Monate auszudrucken und machte sich mit dem Stapel Papier auf den Weg zurück zur Schleuse. Nachdem er diese vorschriftsgemäß passiert hatte, zog er seine Zivilkleidung wieder an und verzichtete auf die nach den Geschäftsgepflogenheiten vorgeschriebene Krawatte. Zum Teufel damit, schließlich bin ich Wissenschaftler und nicht Banker! Wenn nur die Kopfschmerzen nicht wären – NIE mehr Wodka!

Endlich in seinem Büro im 4. Stockwerk angekommen, bat er seine Sekretärin um einen starken Kaffee, wohl wissend, dass das Gebräu, welches er erhalten wird, der Bezeichnung Kaffee spottete und dachte sehnsüchtig an die zwei Jahre in Paris, die er vor rund vier Jahren bei der Vertriebsgesellschaft verbringen durfte – das war Kaffee! Der Kaffee war tatsächlich wie immer eine kraftlose Brühe, aber vielleicht half ja das wenige Koffein trotzdem, seinen Kater loszuwerden. Er griff zum Telefon, um seinen Vorgesetzten und Leiter der Abteilung Virologie, Dr. Dan Snyder anzurufen. “Hör mal Dan, ich werde aus den neusten Resultaten einfach nicht schlau – kann ich kurz vorbeikommen?“ „Aber sicher George, aber bitte erst in zwanzig Minuten – im Moment bin ich noch in einer Unterredung“ antwortete dieser. Die Unterredung hieß Patricia, war Dan Snyders Assistentin, 26 Jahre jung, hatte beinahe Modelmasse und besaß außerordentliche mündliche Fähigkeiten, von denen Dan Snyder auch gerne täglich Gebrauch machte. Dass Patricia für eine Assistentin ein beinahe fürstliches Gehalt bezog, war Dan Snyder egal, denn schließlich bezog sie ihr Gehalt ja von der Firma, was Snyder immer wieder mal ein Grinsen entlockte, denn schlussendlich bezahlte sein Arbeitgeber für die Regelung seines Hormonhaushaltes. Knapp dreißig Minuten später meldete Patricia Dan Snyder die Ankunft George’s – den Lippenstift noch immer ein wenig verschmiert. Dan begrüßte George mit einem Lachen und einem kollegialen Schulterklopfen. Sie kannten sich aus der Studienzeit und George war es oft ein Rätsel, wieso Dan Karriere gemacht hatte, obwohl er ein eher mittelmäßiger Student ohne großen Forschungsdrang war. Aber offenbar wusste er sich besser zu verkaufen – und er trägt gerne Krawatten. „Na alter Junge, was liegt dir auf dem Herzen?“ George räusperte sich. Er wusste nicht recht, wie er beginnen sollte. Denn sollte sich bewahrheiten, dass man mit den Forschungen nochmals von vorne beginnen muss, würde sein Chef sicher nicht sehr erbaut sein. „Dan, ich komme mit den neusten Resultaten nicht weiter, sie machen keinen Sinn. Gestern schien es noch, als ob wir weitere Erfolge verzeichnen können und heute stelle ich fest, dass alles, was wir in der letzten Zeit für gefestigte Ergebnisse hielten, nicht mehr gilt – schau dir das mal an.“ Dan Snyder beugte sich über die Seiten, welche George ihm rüber schob und studierte diese lange und eingehend. „Hör mal George, ich begreife deine Aufregung aber es scheint tatsächlich, dass wir hier an einen Endpunkt gekommen sind. Gibt es keinen Zweifel an den Resultaten?“ „Nein, ich habe sie mehrmals analysiert, die Resultate stimmen!“, George klang verzweifelt. „Gut, ich werde die Ergebnisse mit meinen Geschäftsleitungskollegen besprechen George, ich melde mich so rasch wie möglich wieder bei dir. Vielleicht wiederholst Du die Tests der vergangenen sechs Monate mit neuen Tieren“? George schaute Dan erstaunt an. „Der vergangenen sechs Monate? Du weißt schon, was das heißt, oder?“ „Hör mal George, wir forschen jetzt schon seit beinahe dreißig Jahren nach effektiven Medikamenten gegen das HI-Virus, da wird es wohl auf ein paar Monate mehr oder weniger nicht ankommen, oder?“ George zuckte registriert die Schultern und war erstaunt, wie locker Dan die ganze Sache nahm. „Wie Du meinst Dan, es ist ja nicht mein Geld.“ Freundschaftlich drückten sie sich die Hand und ohne ein weiteres Wort verließ George das mahagonigetäfelte Luxusbüro seines Vorgesetzten. Er ging zurück in sein Büro und bat Ruth, ihm von den Testresultaten Kopien zu machen, er wollte sie sich zuhause nochmals ansehen. Den Rest des Tages verbrachte er hauptsächlich damit, seiner Ansicht nach unnötige Rapporte zu erstellen und seine Kopfschmerzen zu pflegen.

Nachdem sich die schalldichte Türe hinter George geschlossen hatte, wählte Dan die Nummer von Mike Karasiuk. Mike Karasiuk, von seiner Herkunft Ukrainer, war einer der Mitbesitzer von Pharmalead Ltd. und seit der Gründung der Firma auch CEO. „Hallo Mike, hier ist Dan, können wir uns heute Abend am üblichen Ort treffen? Wir haben ein Problem.

2

Das Treffen zwischen Dan Snyder und Mike Karasiuk fand bei Dunkelheit auf einem Parkplatz vor einem großen, zu dieser späten Uhrzeit geschlossenen Warenhaus statt. Dan stieg in Mikes Auto und legte gleich los: „Mike, George hat die neuen Testresultate analysiert und ist mit diesen gar nicht zufrieden. Es ist zu befürchten, dass er etwas gemerkt hat.“ „OK Dan, ich kümmere mich darum. Ich werde Philip informieren.“ Das Treffen zwischen Dan und Mike dauerte keine zwei Minuten und kaum hatte Dan Mikes Wagen verlassen, griff Mike zu seinem Handy und rief Philip Muller an. Philip war der Sicherheitschef der Pharmalead Ltd. und wusste über alles Bescheid – entgegen dem Wissen von Mike auch über dessen Verhältnis zu seiner Assistentin. Schließlich muss man sich ja absichern und Wissen ist Macht! „Kommen Sie sofort zum Parkplatz“ knurrte Mike ins Telefon ohne Philip begrüßt zu haben. Philip kannte seinen Boss und wusste, dass es dringend sein musste, wenn er ihn zu so später Stunde anrief. Unverzüglich setzte er sich deshalb in seinen Wagen und knapp zwanzig Minuten später stieg Philip zu Mike ins Auto, den Parkplatz kannte er von früheren Treffen. Mike schilderte Philip das Problem und sagte ihm, was er von ihm verlangte. Philip hatte zwar von seinem CEO bisher noch nie einen solchen Auftrag erhalten, hatte aber auch keine Mühe damit, einen solchen Auftrag auszuführen. Als ehemaliges Mitglied der SEALs hatte er oft auch als Problembeseitiger gedient und wusste, wie vorzugehen war.

Nachdem er und Mike Karasiuk sich getrennt hatten, fuhr Philip zuerst zu einer Take-Away-Kette. Er hasste Fast-Food aber der Telefonanruf von Mike hatte ihn beim Kochen unterbrochen und jetzt hatte er Hunger. Nachdem er auf einer Parkbank in Ruhe gegessen hatte setzte er sich wieder in seinen Wagen. Die Digitaluhr in der Mittelkonsole zeigte 00.15 Uhr. Philip schaltete sein Handy aus. Man soll den Weg, den er jetzt unter die Räder nahm, nicht so einfach nachvollziehen können. Mal schauen, ob er schon in seinem Bettchen ist, murmelte er und startete den starken Motor seines Wagens.

Währenddessen fuhr Mike zu einer abgelegenen Telefonzelle und wählte eine Nummer mit französischer Vorwahl. Es dauerte lange, bis sich am anderen Ende eine verschlafene Stimme mit einem simplen „Halo“ meldete. Mike benutze seinen Decknamen, Zephyros, den er innerhalb der „Gruppe“ hatte. Sämtliche Mitglieder kannten zwar die wirkliche Identität der anderen, aber aus Vorsicht benutzten sie immer nur ihre Decknamen, welche sie ausnahmslos griechischen Göttern entlehnt hatten. „Hier ist Zephyros, ich habe eine Nachricht für Sie, Astraios“ sprach Mike in den Hörer und spürte förmlich wie sein Gesprächspartner in rund 10‘000 km Entfernung schlagartig wach wurde. „Ich höre“ sprach Maurice Tabord mit beinahe akzentfreiem, britischem Englisch in den Hörer. „Wir haben ein Problem mit einem unserer Forscher. Ich habe aber bereits den Auftrag erteilt, das Problem zu beseitigen.“ „Wann?“. „Heute noch“ bestätigte Zephyros. „Gut, geben Sie mir Bescheid, wenn das Problem definitiv beseitigt ist“, sprach Astraios und hängte ohne ein weiteres Wort auf. Mike holte tief Luft, er war immer froh, wenn die Gespräche mit Astraios vorüber waren. Bei dieser Sache durfte nichts schiefgehen.

Nach einer rund zwanzigminütigen Fahrt traf Philip in der Straße ein, in der George wohnte. Es war eine typische Vorortgemeinde, auf einem kleinen Hügel gelegen, mit mittelständischen Einfamilienhäusern und gepflegten Gärten. Eigentlich ziemlich bieder hier, dachte Philip. Es fehlen nur noch die Gartenzwerge.“ Er fuhr langsam an George’s schlichtem Haus vorbei und sah kein Licht mehr brennen. Er fuhr um die nächste Ecke und parkte seinen Wagen an einer möglichst dunklen Stelle. Der Wagen war hochglanzpoliert, aber eigenartigerweise waren die Nummernschilder schmutzig und kaum zu entziffern. Philip nahm eine kleine Stofftasche mit Werkzeugen aus dem Kofferraum und schloss diesen vorsichtig, um unnötigen Lärm zu vermeiden. Langsam, aber nicht zu langsam, ging er die Straße zurück bis er vor George’s Haus stand. Er vergewisserte sich, dass niemand in Sichtweite war und dass er auch von niemandem beobachtet wurde. Es waren nur vereinzelt noch erleuchtete Fenster in den umliegenden Häusern, aber keine Bewegung dahinter zu sehen. Rasch und lautlos huschte er in seinen Sportschuhen zu George‘s Garage und wollte bereits den Dietrich aus der Tasche holen als er grinsen musste. In so einer spießbürgerlichen Nachbarschaft schließt sicher niemand seine Garage ab. Und tatsächlich, das Tor bot keinen Widerstand, als er am Griff zog. Vorsichtig öffnete Philip das Tor nur soweit, dass sich darunter hindurchrollen konnte. Von innen zog er das Tor wieder zu. Er betrachtete kurz Georges BMW 2002 ti. Ein schöner Wagen, eigentlich schade drum. Nach nicht einmal zehn Minuten hatte er sein Werk vollendet und schlich sich genauso leise, vorsichtig und ungesehen wieder davon, wie er gekommen war. Inzwischen war es 1 Uhr Morgens und er war hundemüde Manchmal ist das ja doch ein Scheißjob, aber wenigstens ist er gut bezahlt.

3

Der altmodische Wecker, den George seit seiner Studentenzeit sein Eigen nannte, riss ihn aus dem Tiefschlaf als er um 7 Uhr rasselte. Er hatte diese Nacht wohl mehr und auch besser geschlafen als nach seinem Wodka-Ausrutscher, aber der Schlafmangel machte sich immer noch bemerkbar. Nach der Dusche fühlte er sich frischer und verspürte sogar Hunger. Normalerweise konnte er um diese Zeit noch nichts essen, aber heute hatte er tatsächlich Appetit. Viel Brauchbares fand er in der Küche allerdings nicht und so gab er sich mit ein wenig Toast, einem selbstgebrauten und wirklich starken Kaffee und einer Banane zufrieden. Beinahe zufällig fiel sein Blick auf das Sideboard. Ja richtig – die Kopien der Testresultate! Er hatte gestern Abend einfach keine Lust mehr gehabt, sich diese nochmals anzusehen. Er überlegte kurz, was er damit machen soll, denn schließlich handelte es sich immerhin um streng geheime Unterlagen seines Arbeitgebers, die er eigentlich gar nicht hätte mit nach Hause nehmen dürfen. Kurzerhand steckte er die Kopien in einen großen Briefumschlag und schob diesen unter die Kommode neben der Eingangstüre. Das war zwar nicht gerade eben ein gutes und auch kein phantasievolles Versteck - aber was soll’s. Er trat ins Freie und blinzelte in die kalifornische Morgensonne. Es versprach wieder ein schöner und heißer Tag zu werden. Schwungvoll öffnete er das Garagentor. Eigentlich sollte ich es über Nacht abschließen, sinnierte er. Es wäre schade um den Wagen wenn er gestohlen würde. Er stieg in den Wagen und startete beinahe zärtlich die Turbomaschine des BMWs. Der Motor sprang problemlos an und George ließ den Wagen aus der Garage rollen. Ein kurzer Tritt auf die Servobremse genügte um den Wagen zum Stehen zu bringen. George ließ den Motor im Leerlauf weiterlaufen während er das Garagentor schloss. Nachdem er wieder eingestiegen war, gurtete er sich mit dem altmodischen Gurt an. Es war zwar ein Dreipunkt-Gurt, aber kein Rollgurt. Deshalb passte er sich nicht automatisch dem Passagier an. Da George aber ohnehin, außer Ruth, die er ab und zu unter großer nervlicher Anstrengung fahren ließ, der einzige Fahrer war, spielte dies keine Rolle. Gemächlich ließ er den Wagen durch das Quartier rollen. Am Ende der Ortschaft beschleunigte er den Wagen und freute sich auf die kurvenreiche Straße hinunter nach Los Angeles. Sie war ihm viel lieber als die neu gebaute Schnellstraße, denn sie forderte ihn als Fahrer und wie jeder Mann war auch er der Meinung, ein ausgezeichneter Fahrer zu sein. Geschmeidig glitt der Wagen durch die Kurven und folgte den Lenkbewegungen Georges sehr präzise. Die Straße führte immer steiler bergab und George wusste, dass er die nächste Linkskurve langsamer wird nehmen müssen, wenn er nicht in der Schlucht enden wollte. Vorsichtig trat er auf die Bremse, spürte jedoch keine Verzögerung. Überrascht trat er fester zu – noch immer nichts. Er trat schließlich die Bremse ganz durch, aber der Wagen wurde trotzdem immer schneller. Mit Schweißperlen auf der Stirn versuchte George, vom vierten einen tieferen Gang hinunter zu schalten, aber die Schaltung klemmte. Auch die Handbremse zeigte keine Wirkung. Er kam der scharfen Linkskurve immer näher wusste, dass er es nicht überleben würde, sollte er über das Bord hinaus fahren und in der Schlucht landen. Wie ein Rennfahrer schnitt er die Kurve auf der Gegenseite in der Hoffnung, dass auf der nicht sehr frequentierten Straße nicht gerade in diesem Moment ein anderes Fahrzeug entgegen kam. Er hatte die Kurve schon beinahe hinter sich gelassen als er die Umrisse eines Autos vor sich auftauchen sah. Schnell zog er das Steuer nach rechts auf seine Spur und erschrak, als er das Heck eines Lastwagens vor sich auftauchen sah. Dann wurde es schwarz um ihn herum.

4

Von ganz weit weg hörte George Stimmen. Eigentlich war es mehr ein Gemurmel und er konnte die einzelnen Worte nicht verstehen. Als ob man ihn in Watte gepackt hätte. Es war dunkel und alles tat ihm weh. Vielleicht wird es heller, wenn ich die Augen öffne? Er versuchte, die Augenlider zu heben. Mit einer fast übermenschlichen Anstrengung schaffte er es, das rechte Auge wenigstens einen Spalt breit zu öffnen. „Na, wen haben wir denn da?“ tönte eine angenehme Baritonstimme. Schemenhaft sah George, wie sich ein rundes, braungebranntes Gesicht mit weißem Haarkranz über ihn beugte. „Sie sind im General Hospital. Ich bin Dr. David Smathers, wie fühlen Sie sich?“ George überlegte. Was war passiert? – Ach ja, der Unfall.

“Mir tut alles weh.“ „Kunststück“, grinste Dr. Smathers, „Sie sind fast so zerbeult wie Ihr Auto, aber im Gegensatz zu diesem haben Sie, dank dem Gurt, überlebt.“ Nebst vielen Prellungen, einer Hirnerschütterung und einem gebrochenen Arm fehlt Ihnen nichts weiter. Wir behalten Sie aber sicherheitshalber noch für ein paar Tage hier zur Beobachtung. Wir müssen auch noch genau untersuchen, ob sie innere Blutungen haben.“ George nickte nur, was ihn augenblicklich daran erinnerte, dass sein Kopf ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden war. Ich bin so müde. Als er wieder aufwachte, war es Nacht. Offenbar hatte man ihm ein Schlafmittel verabreicht. Er versuchte, sich im Bett aufzurichten, aber die Schmerzen waren fast nicht zu ertragen und der eingegipste linke Arm war der Beweglichkeit auch nicht gerade förderlich. Ächzend schaffte er es schlussendlich, sich im Bett aufzurichten. Dann setzte die Füße auf den Boden und stand auf. Mühsam schleppte er sich zur Toilette und war froh, dass er dies alleine tun konnte. Zurück im Bett schlief er sofort wieder ein und wachte erst am folgenden Morgen wieder auf, als ihn eine Schwester an der Schulter berührte. „Mr. Schmidt, jemand möchte Sie sprechen.“ Langsam hob George die Lider und sah vor sich eine Polizeiuniform. „Guten Tag Herr Schmidt, ich bin Sergeant Cooley. Ich wollte Sie zum Unfallhergang befragen.“ George schilderte, so gut er sich noch erinnern konnte, alles was passiert war. Cooley schaute nachdenklich. „Wissen Sie, was uns beschäftigt?“ George schüttelte den Kopf, was ein Fehler war, denn der stechende Schmerz meldete sich augenblicklich wieder. „Wir haben Ihren Wagen zu unserem technischen Sachverständigen gebracht. Er ist der Meinung, dass an den Bremsleitungen und am Schaltgetriebe manipuliert wurde. Können Sie sich einen Reim darauf machen?“ George schaute den Polizisten verständnislos an. „Was meinen Sie mit manipuliert?“ „Das Ganze war vielleicht kein Unfall“, meinte Cooley „Wir haben noch keine gesicherten Beweise, aber die bisher gefundenen Spuren deuten darauf hin.“ Immer noch verständnislos starrte auf den Uniformträger. „Ich kann mir nicht vorstellen, wer ein Interesse an meinem Ableben haben könnte.“ „Nun gut, ich werde Sie nicht weiter stören. Falls Ihnen doch noch etwas einfallen sollte, hier ist meine Karte, ich wünsche Ihnen eine rasche Genesung.“ Cooley war schon längst gegangen, als George immer noch dessen Karte betrachtete. Seine Gedanken überschlugen sich. Was hat dies zu bedeuten? Irrt sich die Polizei oder ist an deren Verdacht etwas dran? Wenn ja, weshalb? George schlief wieder ein und sank in einen unruhigen Schlaf mit wirren Träumen.

5

„Halo“ meldete Astraios. „Hier spricht Zephyros, wir haben versucht, das Problem zu beseitigen. Leider ist der Versuch fehlgeschlagen.“ Mike Karasiuk hörte, wie sein Gesprächspartner tief Luft holte: „So etwas darf nicht passieren, Sie müssen das Problem so rasch wie möglich definitiv beseitigen. Wir können kein Risiko eingehen!“ Mike Karasiuk alias Zephyros nickte, also ob Astraios ihn sehen könnte. „Gut, wird gemacht. Sie hören von mir“, sagte er mit gepresster Stimme und knallte den Hörer auf die Gabel der öffentlichen Telefonzelle. Er war wütend. Erstens, weil Philip Muller versagt hatte und zweitens, weil er jetzt bei Astraios in einem schlechten Licht stand. Der zweite Anruf, den Karasiuk tätigte, galt Philip Muller. Es war zwar Nachmittag und es war ein wenig seltsam, wenn sich der CEO und der Sicherheitschef der Firma außerhalb des Firmengebäudes trafen, aber die Sache duldete keinen Aufschub und ein Treffen auf dem Firmengelände war zu heikel. Die Zeit bis zum Eintreffen Philips auf dem üblichen Parkplatz schien dahin zu kriechen.

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