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Glut unter Eis

Der Wagen fuhr vor der dunklen Hütte auf den Parkplatz. Der weiße Mondschein reflektierte den frisch gefallenen Schnee, der die Einsamkeit dieser Blockhütte am Fuß der Berge nur verstärkte. Es war perfekt. Ein verlassener Ort. Gemütlich. Und er gehörte dieses Wochenende ihnen. Keine Arbeit. Keine Haustiere. Nichts, das sie voneinander ablenkte.

Als Marc den Motor ausschaltete, überkam sie wieder im höchsten Maße die untypische Schüchternheit, die sie schon auf der vierstündigen Autofahrt gequält hatte. Das war doch absolut lächerlich. Seit einem Monat hatten sie dieses Wochenende geplant. Nichts würde hier passieren, das sie sich nicht bereits beide voller Vorfreude ausgemalt hatten. Aber jetzt war der Zeitpunkt gekommen, das Geplante in die Tat umzusetzen und der Fantasie Leben einzuhauchen. Sie war so verzagt, dass sie fast errötete. Sie, die Frau, die nie rot wurde, die nie etwas in Verlegenheit brachte. Die Frau, die nie die Kontrolle verlor.

Becky tat so, als sei sie vor allem an der Landschaft interessiert, als die Tür auf der Fahrerseite sich öffnete. Marcs Blick glitt über sie, wie eine Berührung, die all ihre Verunsicherungen aufstöberte, während er ihr stumme Fragen stellte, die sie nicht beantworten wollte. Vorfreude und Nervosität vermischten sich in ihrem Magen zu einem mulmigen Gefühl. Sie setzte eine ausdruckslose Miene auf, um ihr Unbehagen zu verbergen.

Marc seufzte. Die Tür öffnete sich knarrend. „Wir müssen das hier nicht tun, weißt du …“

Sie schaffte es, dass ihre Stimme genauso ausdruckslos war wie ihre Miene. „Doch, müssen wir.“ Weil sie es so leid war, nicht die zu sein, die sie für ihn sein wollte.

„Warum zeigst du mir dann die kalte Schulter?“

Das brachte sie dazu, ihn anzusehen. Er glaubte, sie wies ihn zurück? Behutsam atmete sie tief durch und sog die Luft ein, die nach Natur roch … und nach Marc. Beide waren sauber, frisch und in ihren Gedanken untrennbar miteinander verbunden. Vielleicht lag es daran, dass sie sich an einem Wochenende auf einer Kajakexkursion kennengelernt hatten, aber wahrscheinlich bestand der Grund darin, dass dieser Mann genauso urgewaltig war wie der Wald um sie herum.

Sie wurde sich bewusst, dass sie die Hände zu Fäusten ballte und lockerte die Finger. Du meine Güte! Kein Wunder, dass er ihr solche Fragen stellte. Sie schien sich eher dafür zu wappnen, in den Kampf zu ziehen, statt sich mit einem romantischen Wochenende zu verwöhnen. Becky schüttelte den Kopf, weil sie sich so idiotisch benahm. Ihr Haar sauste im Takt der Bewegung um ihren Kopf. Sie strich eine Strähne aus ihrem Mundwinkel. „Ob du’s glaubst oder nicht, aber ich bin nervös.“

„Warum?“

Er versuchte nicht, ihr noch mal in die Augen zu blicken. Das war gut. Wenn sie ihn jetzt angeschaut hätte, dann hätte ihr Stolz sie dazu gebracht, ihn anzulügen. „Weil ich Angst habe, ich könnte deinen Erwartungen vielleicht nicht entsprechen.“

Die Rückseite seiner Finger strich über ihre Wange. Sein leises Lachen ließ auch jetzt noch einen Schauer über ihren Rücken rinnen, wie damals, als sie es zum ersten Mal hörte. Nicht zum ersten Mal fragte sie sich, was an ihr für ihn so attraktiv war. Er war so sexy und ungehemmt, wie ein Mann nur sein konnte, und sie hatte mehr Hemmungen als … nun ja, mehr Hemmungen, als man brauchen konnte.

„Baby, wir sind jetzt seit zwei Jahren verheiratet. Glaubst du wirklich, ich weiß nicht, wozu du fähig bist?“

Daraufhin musste sie ihn einfach ansehen und entdeckte in seinem Blick gleichermaßen Verständnis und Belustigung. Er war sich so sicher, dass es nicht zu einem Desaster wurde. „Das weiß keiner von uns.“

Sein Lächeln, das so träge und zugleich erotisch wirkte, bei dem sein Mund ganz langsam breiter wurde, hatte sie schon so viele Male gesehen. Es war ein männliches Lächeln. Wissend. Und zuversichtlich. Er war immer so zuversichtlich. „Ich weiß.“

Sie klammerte sich an diese Zuversicht, als seine Hand erst über ihren Nacken glitt, dann über ihre Schulter und hinab zu ihrem Oberschenkel. Ein Tätscheln ihres Knies, dem ein leichter Druck folgte. Dann stieg er aus dem Auto, ließ sie mit ihren Hoffnungen, Ängsten und der geliehenen Tapferkeit allein. Die klirrend kalte Nachtluft drang in den Wagen ein, und sie zuckte zusammen, als die Tür zugeschlagen wurde.

Becky schüttelte über ihre eigene Dummheit den Kopf. Schließlich hatten sie dieses Wochenende auserkoren, um die Hemmungen zwischen ihnen endlich auszumerzen. Hemmungen, die keiner brauchte. Sie legte den Schulterriemen ihrer Handtasche über die Schulter und beobachtete im Rückspiegel, wie Marc um den Wagen herumging. Seine große, sportliche Silhouette wurde in das Mondlicht getaucht.

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