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Glaub an mich und meine Liebe

1. KAPITEL

„Kann ich Ihnen etwas zu trinken bringen?“, fragte die Brünette mit der beeindruckenden Oberweite den Mann in dem schicken Restaurant in Manhattan.

Amber hätte sich fast den Hals verrenkt, als sie den Typen am anderen Ende des Tresens erblickte.

Parker Robinson.

Blinzelnd verarbeitete Amber den Anblick erst einmal, der Geräuschpegel von Reeses Verlobungsparty blendete sich plötzlich vollständig aus.

Als Parker nicht reagierte, wiederholte die Barfrau ihre Frage. „Kann ich Ihnen vielleicht einen Drink bringen?“

Endlich hatte sie Parkers Aufmerksamkeit geweckt, und jäh erschien ein sexy Lächeln auf seinen Lippen, so schnell, wie ein Revolverheld seinen Colt aus dem Halter zog. Vermutlich war er sich dessen nicht einmal bewusst, es war mehr ein Reflex, so wie andere Leute „Ja, bitte“ oder „Nein, danke“ sagten oder eine Entschuldigung murmelten, wenn sie jemanden unabsichtlich abrempelten.

„Nun … sicher können Sie das“, antwortete er.

Die Brünette warf sich in die Brust, offensichtlich sehr zufrieden über das Lächeln, und Amber musste sich zusammennehmen, um nicht die Augen zu verdrehen. Reese hatte also nicht übertrieben. Seit der Pubertät schien sich nicht viel an der Einstellung ihres Halbbruders gegenüber Frauen geändert zu haben. Dieses Grinsen hatte sie oft genug gesehen, und sie wusste, was es mit dem weiblichen Geschlecht anstellte. Die Frauen mochten Parker, und er wusste es.

Ein maßloses Selbstbewusstsein, das bei Parker Robinson aber irgendwie eher süß wirkte als wütend machte.

Sein in der Teenagerzeit sonnengebleichtes Haar war nachgedunkelt und jetzt eher hellbraun, mit einigen goldenen Strähnen wie Souvenirs aus der Kindheit. Noch immer stand es ihm wirr in alle Richtungen ab, ein Lausbuben-Look, der bestens zu ihm passte. Es reizte, an den Strähnen zu zupfen, und vor Jahren hatte Amber genau das tun wollen … ihn beim Schopf packen und für einen Kuss an sich ziehen. Wie oft hatte sie sich vorgestellt, er würde ihr das Küssen beibringen! Nun, sein Haar hatte sich vielleicht nicht verändert, sein Gesicht aber schon. Die Jahre hatten markante Züge herausgearbeitet, Wangenknochen und Kinn waren jetzt schärfer, männlicher. Er vereinte Jugend und Männlichkeit mit einer beneidenswerten Mühelosigkeit, und die Kombination des frechen Bengels im Körper des Mannes war unwiderstehlich.

Ihre Blicke trafen sich über den Tresen hinweg, und Ambers Magen ging auf Talfahrt. An den leuchtend grünen Augen hatte die Zeit nichts geändert. Mit hämmerndem Puls wurde ihr zu spät bewusst, dass sie ihn anstarrte und er sie dabei ertappt hatte.

„Sind Sie eine Freundin von Reese?“, fragte er.

Amber war stolz auf sich, dass sie nicht laut herausprustete. Schon erstaunlich. Von sieben bis zwölf hatte sie jeden Sommer mit diesem Typen in den Hamptons verbracht, hatte von acht bis fünfzehn für ihn geschwärmt, und er … er erinnerte sich nicht einmal an sie. Allerdings musste sie zu seiner Verteidigung wohl anführen, dass sie sich zum letzten Mal gesehen hatten, als sie in der sechsten Klasse gewesen war.

In Jeans und einer Lederjacke von der Farbe zerlassener Butter, nahm Parker sein Glas auf und kam zu ihr herüber, mit einer geschmeidigen Lässigkeit, von der die meisten nur träumen konnten. Bei Parker, dem Teenager, war es auffallend gewesen.

Bei Parker, dem Mann, war es atemberaubend.

Er setzte sich auf den Barhocker neben ihr und stützte den Ellbogen auf den Tresen. Räusperte sich und sah mit leicht gebeugtem Kopf von unten in ihr Gesicht – vermutlich ein völlig entsetztes Gesicht –, so als frage er sich, ob sie vielleicht etwas beschränkt war, da sie überhaupt nicht reagierte.

Nun, Parker so nah neben sich sitzen zu haben, hatte ihren Verstand auch ausgeschaltet.

„Sind Sie eine Freundin von Reese und Dylan?“, wiederholte er seine Frage.

Seit fünfzehn Jahren hatte sie ihn nicht mehr gesehen, und jetzt saß er nah genug neben ihr, dass sie ihn berühren könnte. Amber nahm das Glas auf und nippte an ihrem Wein. Sie konnte nur hoffen, dass sie gelassener aussah, als sie sich fühlte, und nickte knapp. „Ich kenne Reese schon eine halbe Ewigkeit.“ Dich auch. „Warum sollte ich sonst auf ihrer Verlobungsparty sein, wenn ich sie nicht kenne?“

„Sie könnten sich ja auch eingeschlichen haben, um sich gratis an Getränken und Büfett gütlich zu halten.“

Irgendwie war es surreal, dieses Gespräch mit ihrem Jungmädchenschwarm zu führen, der sie nicht erkannte. Und sie war froh darüber.

„Ist das der Grund für Ihre Anwesenheit?“, fragte sie lächelnd. „Das kostenlose Büfett?“

Parker schnaubte bitter. „Wäre es doch nur so.“

Er wollte nicht hier sein, das war offensichtlich und passte zu dem, was Reese Amber erzählt hatte. Der Mann wollte nichts mit der Michaels-Familie zu tun haben. Sie konnte es ihm auch nicht verübeln. Aber seit Beginn der Verlobungsvorbereitungen war seine Halbschwester fest entschlossen, ihn wieder zurückzuholen, zwar nicht unbedingt in den Schoß der Familie, aber zumindest in Reichweite.

Jetzt legte er den Kopf schief, studierte sie mit fast kindlicher Neugier. „Kennen wir uns?“, fragte er, und Amber blieb das Herz stehen. „Ich bin mir fast sicher, dass wir uns schon mal getroffen haben.“

Nachdenklich schürzte er die Lippen. Amber wünschte, sie hätte keine so genaue Erinnerung an seinen Mund. Das mussten die umwerfendsten Lippen der Welt sein. Voll. Sinnlich. Wie geschaffen zum Küssen. Ziemlich ausgebufft, dass einer Zwölfjährigen so etwas aufgefallen war, oder?

Sie kostete es aus, Parker gegenüber endlich einmal im Vorteil zu sein, und lächelte ihn an. „Möglich.“

„Ein Name wäre sicher hilfreich.“

Als Erwiderung ließ Amber nur ein nachdenkliches „Hmm“ hören, als müsse sie ernsthaft überlegen, ob sie ihm ihren Namen sagen wollte. Und plötzlich wurde ihr klar, dass das erste Treffen mit Parker, vor dem ihr so gegraust hatte, eigentlich richtig Spaß machte. „Das wäre doch viel zu einfach.“

Parkers Lächeln jagte ihren Puls in die Höhe. „Also gut.“ Seine Augen blitzten, als er sich für ein längeres Gespräch bequemer hinsetzte. „Ich habe den Köder geschluckt.“

Gott, sie wünschte, es wäre so.

„Kenne ich Sie über die Arbeit?“

Amber musste sich das Grinsen verkneifen. „Vielleicht.“ Das Lachen war dennoch in ihrer Stimme zu hören. „Zuerst habe ich als Schneiderin gearbeitet, aber inzwischen führe ich meinen eigenen Brautmodenladen.“

Er zuckte zusammen, als hätte sie ihn geschlagen. Seine Grimasse brachte sie zum Lachen. Parker Robinson war offensichtlich beleidigt über die Unterstellung, er könnte etwas mit Brautmoden zu tun haben. „Also, auf jeden Fall nicht durch Ihre Arbeit. Vielleicht durch meine?“

Sie stellte sich ahnungslos und fragte: „Was tun Sie denn?“

Er kniff die Augen zusammen. „Ich gehöre zur Mordkommission beim 57. Revier. Haben Sie vielleicht schon mal eine Zeugenaussage bei mir gemacht?“

„Vielleicht wurde ich ja in einem Mordfall verdächtigt.“ Sie hielt ihre Stimme so neutral wie möglich.

Er verdrehte die Augen, brummte „Ja, klar“, und plötzlich wurde Amber sentimental. Sie erinnerte sich noch aus ihrer Kindheit an diesen Gesichtsausdruck, und ein kleiner Teil von ihr freute sich, dass Parker sich scheinbar nicht zu sehr verändert hatte.

„Sehe ich zu unschuldig aus?“, fragte sie.

„Nein“, antwortete er unverblümt. „Aber ich erinnere mich an alle meine Spezis.“ Seine Züge wurden hart, er lachte trocken. „Und doch, irgendwie sehen Sie dafür zu sanftmütig aus. Trotzdem …“ Er nahm einen Schluck von seinem Drink, setzte das Glas dann wieder vorsichtig ab, und sein Tonfall wurde distanziert. „Glauben Sie mir, niemand ist so unschuldig, wie er aussieht.“

Der wache grüne Blick lag wieder auf ihr. Aufmerksam. Interessiert. „Haben wir vielleicht die gleiche Schule besucht?“

Wortlos schüttelte sie den Kopf.

„Oder sind wir uns auf einer Party begegnet?“

Sie genoss es, dass seine Neugier noch immer nicht befriedigt war, und nippte an ihrem Wein. „Raten Sie ruhig weiter.“

Nachdenklich verengte er die Augen. „Ich bin mir sicher, dass wir nicht miteinander geschlafen haben“, redete er weiter und schickte ihren Magen damit bis in die Kniekehlen.

Nur in ihren Teenagerträumen.

„Sie sind attraktiv, aber definitiv nicht mein Typ.“

„Für welchen Typ halten Sie mich denn?“

Er ließ den Blick langsam und gründlich über sie wandern, entfachte damit Hitze an Stellen, die normalerweise … nun, an denen normalerweise keine Hitze zu spüren war. Ihr Kleid war schlicht-elegant, auf jeden Fall nichts Verführerisches oder zu Freizügiges. Nichts, das signalisieren würde „Ich bin zu haben“.

Ironisch hob er eine Augenbraue. „Sie haben einen Brautmodenladen, demnach glauben Sie an die Institution Ehe.“

„Sie etwa nicht?“ Sie betonte es als Frage, obwohl sie die Antwort kannte.

Und wie erwartet kam ein bitteres Schnauben über die wunderschönen Lippen. „Nein, ganz bestimmt nicht.“

Das konnte sie ihm nicht verübeln. Denn sie erinnerte sich noch gut an den Tag, als sie ihn unten bei den Docks gefunden hatte, am Boden zerstört von den Worten seiner Mutter.

Du warst ein Fehler.

Amber war mit der Gewissheit aufgewachsen, dass ihre Eltern sich innig liebten, genau wie sie sie innig geliebt hatten. Ihr Vater war gestorben, als sie noch ein Kind gewesen war, und ihre Mutter hatte nie wieder geheiratet, weil sie über den Verlust des geliebten Mannes nie hinweggekommen war. Außerdem verdiente Amber sich ihren Lebensunterhalt damit, indem sie mit jedem Tag, mit jeder Kundin bewies, dass die Liebe existierte.

Parker jedoch …

Nun, Parkers Erfahrungen standen in krassem Kontrast ...

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