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Glaub an das Glück, Annabelle!

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1. KAPITEL

Man hatte sie vor Stefano Cortez gewarnt.

Annabelle Wolfe stieg aus ihrem Vintage 4x4 und beschattete die Augen mit der Hand. Während sie die riesige weiße Hazienda begutachtete, versuchte sie das Gefühl böser Vorahnung zu unterdrücken. Seit Monaten war sie von allen Seiten gebrieft worden: Niemand durfte Stefano Cortez trauen, und schon gar keine Frau.

„Seien Sie auf der Hut, Miss Wolfe. Selbst Sie werden ihm nicht widerstehen können. Bisher ist es noch keiner Frau gelungen …“

„Halten Sie Ihr Herz fest in der Hand, Miss, sein Weg ist mit gebrochenen Herzen gepflastert …“

Unsinn! sagte Annabelle sich energisch. Ich habe nichts zu befürchten.

Stefano Cortez mochte als der gefährlichste Playboy auf dem gesamten Globus gelten, auf sie würde er keine Wirkung haben. Auf keinen Fall wollte sie sich von albernen Unkenrufen aus der Ruhe bringen lassen.

Trotzdem wusste sie, dass ihr Zittern nicht von der langen, erschöpfenden Fahrt von Portugal bis in den Norden von Spanien herrührte. Wie um sich Mut zu machen, knallte Annabelle die Tür ihres Geländewagens heftig zu, streckte die steifen Glieder und bemühte sich, ihre Nervosität abzuschütteln. Doch es gelang ihr nicht.

Während ihrer Tour zu Europas größten Gestüten, die sie als Fotojournalistin im Auftrag des Wirtschafts- und Reitmagazins Equestrian unternahm, war sie zu oft und zu eindringlich vor Stefano Cortez’ vernichtendem Charme gewarnt worden.

Sein Gestüt Santo Castillo war das Letzte auf ihrer Reise. Hier züchtete er die teuersten Pferde der Welt, die er nur an Kunden abgab, die er für wert erachtete, seine edlen Tiere zu besitzen. Fanatische Pferdeliebhaber und Tycoons aus aller Herren Länder überschlugen sich geradezu in dem Bemühen, sein Wohlwollen zu erringen.

Doch das war noch nichts gegen die Anstrengungen der Frauen, seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Wie hieß es noch so bezeichnend in einem Zeitungsartikel, den sie bei ihrer Recherche im Vorfeld der Reise entdeckt hatte?

Das erfolgreichste Hengstgestüt der Welt gehört dem erfolgreichsten Hengst weltweit …

Annabelle lockerte ihre verkrampften Schultern. Wenn auch nur die Hälfte der Wahrheit entsprach, was man ihr über Stefano Cortez erzählt hatte, würde er unter Garantie versuchen, sie in sein Bett zu bekommen. Darin unterschied er sich allerdings nicht von den meisten seiner Geschlechtsgenossen, die ihren Weg kreuzten. Den Gerüchten zufolge war Cortez allerdings noch nie von einer Frau abgewiesen worden. Nicht einmal!

Und wenn das nicht nur Gerüchte waren? Wenn tatsächlich die grauenhafte Möglichkeit bestand, dass auch sie …

Wie albern, da sie keinerlei Hang zu Romantik oder sexueller Leidenschaft verspürte! Sie war stolz, kalt und abweisend – genau so, wie alle es ihr nachsagten. Mit dreiunddreißig galt sie als eingefleischte alte Jungfer, absolut immun gegen männliche Avancen.

Nach allem, was sie hatte durchmachen müssen, würde sie niemals einen Mann an sich heranlassen! Und falls Stefano Cortez in seiner Selbstüberschätzung trotzdem versuchen sollte, die uneinnehmbare Festung zu stürmen, würde sie ihm einfach ins Gesicht lachen.

Und wie! dachte Annabelle grimmig und sah um sich. Also, wo war der Mann, dem der zweifelhafte Ruf eines gnadenlosen Freibeuters vorauseilte, was anfällige Frauenherzen betraf?

Hinter Annabelle erstreckten sich, so weit das Auge reichte, grüne Weiden, auf denen sich halbwilde Pferde tummelten. Der Himmel war strahlendblau. Die Vögel sangen aus voller Kehle, und irgendwo im Hintergrund hörte man das Plätschern eines Wasserlaufs. So ein strahlender Junitag in Spanien hatte etwas, das musste sie zugeben. Und das Bild, das sich ihr bot, war so hinreißend, dass sie spontan durch die offene Seitenscheibe ins Wageninnere langte, um ihre Kameratasche vom Beifahrersitz zu nehmen.

„Ah, dann haben Sie den Weg hierher also doch noch gefunden.“

Die tiefe Männerstimme in ihrem Rücken ließ Annabelle erstarren. Schnell griff sie nach ihrer Tasche, hob sie durchs Wagenfenster und schulterte sie lässig, bevor sie sich langsam umdrehte.

Ihr stockte der Atem. Und das, obwohl sie vorbereitet war!

Kein Zweifel, vor ihr stand Stefano Cortez! Selbst nicht gerade klein, musste sie den Kopf leicht in den Nacken legen, um ihm in die schwarzen Augen schauen zu können. In natura wirkte er noch eindrucksvoller als auf den zahlreichen Fotos, die sie bisher gesehen hatte. Und mit seinen fünfunddreißig Jahren verkörperte er eine geradezu herausfordernde maskuline Präsenz, der man sich nur schwer entziehen konnte.

Die langen, muskulösen Beine steckten in engen, abgewetzten Jeans, die hochgekrempelten Hemdsärmel lenkten den Blick auf gebräunte Unterarme, die dafür sprachen, dass er harte Arbeit nicht scheute. Das kinnlange dunkle Haar trug er lässig im Nacken mit einem Lederband zusammengehalten.

Ohne sich zu rühren, stand dieses Prachtstück von einem Mann einfach nur da und musterte Annabelle abschätzend von oben bis unten, wie sie es gerade mit ihm gemacht hatte. Als ihr das bewusst wurde, spürte sie eine verräterische Röte in ihre Wangen steigen. Ganz plötzlich fühlte sie sich seltsam unsicher und verletzlich. Wie eine hilflose Gazelle unter dem hungrigen Blick eines Raubtiers.

„Willkommen in meinem Heim, Miss Wolfe …“, murmelte Stefano gedehnt. Um seinen gut geschnittenen Mund spielte ein amüsiertes Lächeln. „Ich habe bereits auf Sie gewartet.“

Ihre Blicke trafen sich, und völlig unvorbereitet fuhr ein Hitzestrahl durch Annabelles Körper, der sie fast taumeln ließ. Sie musste all ihre Selbstbeherrschung aufbringen, um sich nichts anmerken zu lassen.

„Ist das so?“, fragte sie und rückte den Riemen ihrer schweren Kameratasche auf der Schulter zurecht.

„Ihr Ruf ist Ihnen vorausgeeilt.“ Gern hätte sie diese Bemerkung auf ihre fachlichen Qualitäten bezogen, doch Stefano betrachtete ihren Körper derart offensiv und neugierig, dass er genauso gut seine Hände hätte nehmen können. „Die fabelhafte Annabelle Wolfe … umwerfend attraktive Fotografin, die für ihre Leidenschaften bis in die entlegensten Ecken der Erde reist.“

Ihr Herzklopfen hinter einem kühlen Lächeln verbergend, hob sie das Kinn. „Und Sie sind Stefano Cortez … der Paradehengst des Gestüts Santo Castillo.“

Damit hatte sie ihn bestrafen wollen, doch Stefano lachte nur ehrlich amüsiert. Der warme, tiefe Ton war wie eine Liebkosung, und Annabelle musste ein wohliges Schaudern unterdrücken. Als er näherkam, befeuchtete sie unbewusst ihre trockenen Lippen mit der Zungenspitze.

„Und die genauso charmant ist, wie ich es mir erhofft habe. Mucho gusto“, raunte er und suchte Augenkontakt mit ihr. „Encantado.“ Auch wenn er sie nicht berührte, waren seine Worte wie ein Streicheln – als würde er seine Lippen auf ihre sonnenwarme Haut pressen.

Annabelle schluckte und umklammerte den Gurt ihrer Kameratasche mit beiden Händen. „Freut mich ebenfalls, Sie kennenzulernen, Mr Cortez.“

Das Funkeln in seinen schwarzen Augen zeigte, dass er sehr wohl wusste, warum sie ihm zur Begrüßung nicht die Hand geben wollte, geschweige denn, ihm ihre Wange zum Kuss hinhalten.

„Ich freue mich auf sieben inspirierende Tage in Ihrer Gesellschaft, Señorita. Und ich weiß jetzt schon, dass wir eine wundervolle Zeit miteinander verbringen werden.“

Gegen Annabelles Willen beschleunigte sich ihr Atem. Auf einmal fühlte sie sich unglaublich … weiblich. Und gefährlich verletzbar. Ihr ganzer Körper schien in Flammen zu stehen.

Lieber Himmel! Wo kommt das denn plötzlich her? Sie musste sich unbedingt wieder beruhigen. Selbst dieser legendäre spanische Playboy konnte doch nicht die Macht besitzen, dass sie gegen ihren Vorsatz seinem teuflischen Charme erlag. Und dann auch noch so schnell!

Wütend biss sie die Zähne zusammen. Sie wollte Stefano Cortez zeigen, dass sie sich nicht von ihm zum Narren halten ließ. Denn eines war gewiss, egal, wie heiß seine Blicke und wie verführerisch das Lächeln sein mochten, sein Herz und seine Seele waren rabenschwarz und kalt. Das war eine Lektion, die sie schon vor sehr langer Zeit gelernt hatte.

„Wie schmeichelhaft“, erwiderte sie eisig, „aber bestimmt wird sich ein viel beschäftigter Mann wie Sie nicht die ganze Woche Zeit für mich nehmen können. Außerdem habe ich läuten hören, dass Ihr Interesse an Frauen nie länger als eine Nacht anhält.“

Angesichts der rüden Bemerkung erwartete sie eine Zurechtweisung, doch erneut schien Stefano ihre Widerborstigkeit nur zu belustigen. „In Ihrem Fall, Miss Wolfe, mache ich eine Ausnahme“, entgegnete er sanft.

Auf keinen Fall darfst du seinem Charme erliegen!

„Ehrlich gesagt arbeite ich am liebsten für mich allein“, versuchte Annabelle ihn auszubremsen. „Darum besten Dank für das Angebot, aber ich suche keine Gesellschaft.“

Stefano Cortez blinzelte überrascht, und für einen Sekundenbruchteil hatte Annabelle sogar das Gefühl, er wäre verletzt. Doch das war ganz sicher ein Irrtum. Dann fiel ihr ein, wie sehr der Chefredakteur des Equestrian dafür hatte kämpfen müssen, überhaupt Zutritt auf Santo Castillo gewährt zu bekommen.

Also zwang sie sich zu einem entschuldigenden Lächeln. „Verzeihen Sie mir meine Unhöflichkeit, Mr Cortez, aber wenn ich arbeite, bin ich hoch konzentriert und habe keinen Sinn für etwas anderes. Und ich bin sicher, Sie haben ebenfalls genügend mit der Charity-Gala um die Ohren, die an diesem Wochenende auf Ihrem Gestüt stattfindet …“

Als Stefano Cortez überraschend vortrat und die Hand hob, brach sie ab und zuckte heftig zurück. Ihr Gesicht war angespannt, die Augen riesengroß.

Irritiert kniff er die dunklen Brauen zusammen. „Erlauben Sie mir, Ihnen die schwere Tasche abzunehmen, Miss Wolfe.“

Das hatte er also tun wollen. „Danke, das ist nicht nötig“, murmelte sie erstickt. „Ich kümmere mich lieber selbst um mein Arbeitszeug.“

Por supuesto, wie Sie wünschen. Scheint mir aber ganz schön schwer zu sein, Ihr Equipment.“

„Für gewöhnlich habe ich auch eine Assistentin.“ Aber Marie lebte während ihrer Elternzeit mit ihrem Mann und dem neugeborenen Baby in Cornwall. „Machen Sie sich keine Gedanken um mich, ich komme sehr gut allein zurecht. Die Fotos von Ihrem Gestüt werden ausgezeichnet. Der ganze Artikel wird Ihnen gefallen …“ Um ihn nicht ansehen zu müssen, nestelte sie sinnlos am Reißverschluss ihrer Tasche herum.

„Wenn Sie es sagen …“

Misstrauisch hob sie doch den Kopf und begegnete seinem Blick. Zu ihrem Entsetzten spürte Annabelle, wie ein heißer Schauer über ihren Rücken lief und sich ihre Brustspitzen verhärteten.

„Warum schauen Sie mich so an?“, fragte sie gepresst.

„Wie denn?“

„Als … als wenn …“

Als wenn du mir mit den Augen die Kleider vom Leib reißt! Als wenn du mich am liebsten über die Schulter werfen und in deine Höhle schleppen würdest.

„Als wenn Sie nie zuvor eine Frau zu Gesicht bekommen hätten“, sagte sie laut.

Stefano lachte. „Gesehen habe ich eher zu viele, wie Sie auch sehr wohl wissen. Und trotzdem …“ Er machte eine Pause und schien angestrengt nachzudenken. „Keine Ahnung, ich kann einfach nicht aufhören, Sie anzuschauen.“

„Warum?“, fragte Annabelle ehrlich verblüfft.

„Wahrscheinlich, weil Sie noch viel schöner sind, als ich es mir in meinen kühnsten Träumen ausgemalt habe.“

„Das … bin ich das?“

„Kein Foto, das ich je von Ihnen gesehen habe, wird Ihrem besonderen Reiz gerecht.“

Bei diesem Satz gefror ihr Blut zu Eis. Kein Foto, das ich je von Ihnen gesehen habe …

Welche Fotos meinte er? Die erst kürzlich veröffentlichten von der Hochzeit ihres Bruders in London? Oder Bilder, die sie mit sonnenverbranntem Gesicht irgendwo in der Sahara oder an anderen Orten der Erde bei ihrer Arbeit zeigten?

Oder war Stefano Cortez über die Vorher-Nachher-Bilder gestolpert, die vor fast zwanzig Jahren in jeder britischen Zeitung abgedruckt worden waren? Die Fotos, die sie einmal als strahlenden blonden Teenager zeigten und daneben als Monster mit geschwollenem Gesicht und Augen wie Schlitzen? Und mit einer hässlichen roten Scharte auf der Wange, wo die Reitpeitsche ihres tobenden Vaters die zarte Haut zerfetzt hatte?

Mit hartem Blick versuchte Annabelle in Stefanos entspannter Miene zu lesen und atmete nach wenigen Sekunden erleichtert aus. Gut. Wie es aussah, wusste er nichts von ihrer traumatischen Vergangenheit und dem schrecklichen Skandal, der um die ganze Welt gegangen war. Offenbar war er aus dem Gedächtnis der Öffentlichkeit verschwunden.

Aber nicht aus ihrem. Sie würde den schrecklichen Abend, der ihr Leben für immer verändert hatte, niemals vergessen. Allein die Narben in ihrem Gesicht erinnerten sie jeden Tag daran. Dank der langen blonden Haare und einem geschickten Camouflage-Make-up gelang es ihr zumindest, sie vor den Augen der anderen unsichtbar werden zu lassen.

„Sie sind Komplimenten gegenüber nicht gerade aufgeschlossen, oder?“, fragte Stefano neugierig.

Ihr Kopf fuhr hoch. „Warum denken Sie das?“

„Nun, Sie wirken fast … verärgert, würde ich sagen.“

„Nein, es ist schon okay“, murmelte sie und schnippte ein paar imaginäre Staubkörner vom Ärmel ihres hellgrauen Hosenanzugs aus kühlem Leinen. Dann gab sie sich einen Ruck und schaute ihr Gegenüber offen an. „Trotzdem sollten Sie wissen, dass ich mir Ihrer Reputation als notorischer Womanizer sehr wohl bewusst bin. Und ganz sicher werde ich keine weitere Kerbe in Ihrem Bettpfosten abgeben. Also verschwenden Sie keine unnötigen Komplimente an mich, Mr Cortez.“

Seinen Blick konnte man nur als gefährlich bezeichnen. Oder war er eher begehrlich?

„Kein Kompliment an eine schöne Frau ist je verschwendet!“, widersprach er vehement. „Und Sie sind weit mehr als nur schön, Miss Wolfe. Eine wahre Belleza!“

Annabelle seufzte hörbar. „Vergessen Sie’s, Casanova“, sagte sie scharf. „Ich werde Ihren Verführungskünsten niemals erliegen.“

Jagdtrieb und echtes Interesse blitzten in den schwarzen Augen auf. Es schien so, als hätte sie ihm gerade ein unwiderstehliches Angebot gemacht. Einige dunkle Strähnen hatten sich aus dem Lederband befreit und fielen Stefano Cortez in das tief gebräunte Gesicht. Mehr denn je erinnerte er Annabelle an einen Freibeuter.

„Etwas in der Art habe ich tatsächlich läuten hören …“

„Sie sind wirklich genau so, wie Afonso Moreira Sie mir beschrieben hat“, stellte sie missbilligend fest.

Belustigt hob Stefano eine schwarze Braue. „Ah, mein portugiesischer Rivale … Was hat er sonst noch so erzählt?“

„Er nannte Sie einen notorischen Playboy und Herzensbrecher und riet mir, nachts auf jeden Fall meine Tür zu verriegeln.“

Während Annabelle mit klopfendem Herzen auf eine Reaktion wartete, sah Stefano sie nur unbewegt an. Dann hob er leicht die Schultern.

„Moreira hat recht“, sagte er ruhig.

Mit dieser Antwort hatte sie nicht gerechnet. Ihr Herz schlug ganz oben im Hals, während sie forschend in sein dunkles Gesicht schaute. Dieser Mann war gefährlich, das fühlte sie mit jeder Faser und jedem zitternden Nerv ihres angespannten Körpers. Es wäre nur zu leicht, sich in den unergründlichen Tiefen dieser eindringlichen dunklen Augen zu verlieren.

Langsam hob Stefano die Hand zu ihrer Wange, hielt aber wenige Millimeter davor inne. Er war so nah, dass Annabelle das Gefühl hatte, seine Fingerspitzen würden ihre zarte Haut versengen. Sie spürte, wie ihr Herzschlag stolperte und aussetzte. Ohne sich darüber bewusst zu sein, wich sie in Richtung ihres Wagens zurück, um einzusteigen und nach London zu fahren.

Cortez runzelte die Stirn, dann ließ er die Hand abrupt fallen. „Sie sind wirklich ungewöhnlich schön, Miss Wolfe“, bemerkte er fast beiläufig. „Kein Zweifel, dass viele Männer Sie sogar unwiderstehlich finden, aber ich …“

Er beendete den Satz nicht, und Annabelle musterte ihn überrascht. „Sie nicht?“, fragte sie rau.

Stefanos Lächeln wirkte fast abbittend. „Sagen wir mal, Sie entsprechen einfach nicht meinem bevorzugten Beuteschema.“

Angesichts ihrer aufsteigenden Panik hätte sie dieses Bekenntnis erleichtern müssen, doch Annabelle fühlte etwas ganz anderes. „Oh … sehr gut.“

„Wie Sie sehen, haben Sie von mir nichts zu befürchten.“

Unsicher nagte sie an ihrer Unterlippe. Ob er gemerkt hatte, dass sie drauf und dran gewesen war, von seiner Hazienda zu fliehen? Vor ihm zu fliehen wie eine zimperliche Jungfrau? Denn genauso hatte sie sich noch wenige Sekunden zuvor gefühlt.

„Ich habe keine Angst vor Ihnen“, stellte sie klar.

„Bien.“ Er kam näher, beugte sich ein Stück hinab und lächelte. „Ich verspreche hoch und heilig, dass Sie keinen Grund haben werden, Ihre Tür abzuschließen.“

Atemlos fühlte Annabelle so etwas wie sexuelles Begehren in sich aufsteigen. Dabei hatte Cortez doch gerade versprochen, sie nicht zu verführen! Entweder dieser Mensch kannte seine Wirkung auf Frauen nicht wirklich oder er scherte sich nicht darum. Kein Wunder, dass er gebrochene Herzen wie Sand am Meer zurückließ, wo er ging und stand.

„Jetzt müssen Sie mich Ihnen aber helfen lassen.“ Stefano öffnete den Kofferraum ihres Geländewagens, hob den schweren Koffer und eine riesige Segeltuchtasche heraus, als besäßen sie gar kein Gewicht, und marschierte einfach los. „Folgen Sie mir zu Ihrem Schlafzimmer, Señorita!“, rief er über die Schulter zurück.

Annabelle schauderte und starrte auf seinen breiten Rücken. Dann schob sie die rutschende Kameratasche auf die Schulter zurück und wünschte sich nicht zum ersten Mal, sie wäre wirklich die gefühllose Eisprinzessin, für die alle sie hielten. Weil sie für ihre Karriere allein die ganze Welt durchstreifte, glaubte jedermann, sie wäre ebenso tough wie furchtlos. Doch in Wahrheit war sie unglaublich ängstlich und unsicher, sobald sie sich nicht hinter ihrer Kamera verstecken konnte.

Sie war allein. Sie war einsam, und sie vertraute niemandem.

Einen Moment lauschte sie dem leisen Rauschen der Blätter, die der sanfte Wind in den hohen Bäumen bewegte. Ihr Auftrag hier würde eine Woche in Anspruch nehmen. Sieben Tage auf Santo Castillo. Wie schwer konnte das schon sein? Danach brauchte sie dem Besitzer der Hazienda nie wieder zu begegnen.

Sie sah Sonnenreflexe auf seinem blauschwarzen Haar tanzen, begutachtete die breiten Schultern, den weit ausholenden, lässigen Gang und war heilfroh, dass Stefano Cortez sich so gar nicht von ihr angezogen fühlte. Der Himmel weiß, was geschehen würde, sollte er tatsächlich versuchen, sie zu verführen! Einer weiteren Attacke seines mörderischen Charmes wäre sie womöglich doch nicht gewachsen.

„Keine Angst, er mag dich nicht“, murmelte sie unhörbar vor sich hin, während sie ihm widerstrebend folgte. Du bist absolut sicher, du dummes Ding.

Doch als Annabelle den Hauseingang erreichte, wo Stefano sie lächelnd erwartete, lief ihr ein eisiger Schauer über den Rücken.

Jede Warnung traf mitten ins Schwarze! Stefano Cortez war tatsächlich brandgefährlich …

2. KAPITEL

Annabelle Wolfe zu verführen, würde nicht so einfach sein, wie er es sich vorgestellt hatte. Ist das nicht mit allen herausfordernden und lohnenden Dingen im Leben so? dachte Stefano mit einer Mischung aus Zynismus und Amüsement, während er mit seinem Gast im Gefolge die schattige Eingangshalle durchquerte. Abgesehen davon lohnte es sich ohnehin nur, um etwas zu kämpfen, das unerreichbar schien. Wo bliebe sonst der Reiz?

„Jeder von uns hat es versucht und ist gescheitert“, hatte Afonso Moreira ihm heute Morgen am Telefon entnervt gestanden. „Sie ist ein Eisberg!“

„Ihr habt einfach die falsche Taktik angewendet“, hatte Stefanos verächtliche Antwort gelautet.

„Von wegen! Ich habe ganz tief in meine Trickkiste gegriffen, aber diese Frau ist immun. Eine harte Nuss, die kein Mann knacken kann. Auch du nicht, Cortez.“

„Ich kriege jede Frau rum“, kam es arrogant zurück. „Das hast du selbst gesagt.“

Der ältere Pferdezüchter und Lebemann lachte rau. „Ich glaube, Annabelle Wolfe ist genau das, was du brauchst, mein Junge. Die Eiskönigin wird dich kalt abfahren lassen, Cortez, und ich werde auf deine Niederlage trinken!“

Um Stefanos Lippen spielte ein Siegerlächeln, als er über die Schulter zu der schönen englischen Fotografin schaute, die ihm stumm folgte und den Blick fest auf den Boden heftete. Offenbar hielt sie ganz bewusst Abstand, um jede zufällige Berührung von vornherein auszuschließen.

Nein, sie zu verführen, würde nicht einfach sein.

Die faszinierende Miss Wolfe war ein scheues Wild, das bereits ausgesprochen geschickten und ambitionierten Jägern entkommen war. Laut Hörensagen war es bisher nur wenigen Männern gelungen, sich den Weg in ihr Bett zu erkämpfen. Davon war ihr Tutor und Förderer, der prominente Fotograf Patrick Arbuthnot, der bekannteste. Vor einigen Jahren hatte Stefano ihn als Gast eines Charity Events auf Santo Castillo begrüßt. Damals hatte Arbuthnot sich großspurig als Eroberer der uneinnehmbaren Festung ausgegeben und in höchsten Tönen von Annabelles umwerfendem Körper und ihrer mitreißenden Leidenschaft geschwärmt.

Die Eisprinzessin …

Jetzt, da er sie live vor Augen hatte, verstand Stefano den Spitznamen noch weniger als zuvor. Zugegeben, auf den ersten Blick mochte sie kühl und unnahbar wirken, und wenn er eine Farbe für Annabelle Wolfe hätte wählen müssen, würde er sich für Grau entscheiden. Silbergrau, wie die Schatten an einem frühen Morgen oder das Zwielicht an einem frostigen Wintertag.

Doch aus der Nähe wirkte sie unglaublich lebendig und natürlich. Sie trug zwar Make-up, verzichtete aber auf Mascara und Lippenstift. Seltsam. Ihre Wimpern waren lang, seidig und blond wie die Augenbrauen und das üppige Haar, das weit über die Schultern reichte. Sie war groß, schlank und ausgesprochen attraktiv, ohne dass man hätte sagen können, worauf ihre ungewöhnliche Schönheit wirklich beruhte.

Aber eisig? Kalt? Niemals!

Kratzbürstig und anmaßend war Annabelle Wolfe. Obwohl ihr Körper …

Stefano verstand ihn ohne Worte. Ihm war weder die aufsteigende Röte am Hals und auf den Wangen der schönen Fotografin entgangen noch das verräterische Zittern, als er die Hand nach ihrer Tasche ausgestreckt hatte.

Die kühle Reserviertheit war nur vorgeschoben, und er konnte es kaum abwarten herauszufinden, wie heiß und wild Annabelle Wolfe wirklich war, wenn sie ihren Widerstand aufgab. Nach langer Zeit spürte Stefano endlich wieder so etwas wie Jagdfieber in sich aufsteigen. Möglicherweise würde diese spröde Schöne nicht gleich in dieser Nacht sein Bett teilen und auch nicht in der nächsten. Aber genau diese Aussicht reizte ihn.

Das ließ auf eine interessante kurzweilige Woche hoffen, was ihm sehr entgegenkam. Wie jedes Jahr überfiel ihn schon jetzt der Horror, sobald er an die Invasion dachte, die sein Anwesen in den nächsten Tagen heimsuchen und umkrempeln würde. Erst die Eventplaner, dann die versnobten oberen Zehntausend und ihre juwelenbehängten Begleiterinnen.

Dabei hielt Stefano das alljährliche Poloturnier mit anschließendem Festball an sich für eine gute Sache. Der Erlös diente dazu, die Armut und Not in den umliegenden Dörfern zu lindern.

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