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Geschmackssachen

Inhalt

Trennkost und Bouletten

Bundestag und Grappa

Hornbrille und Tomaten

Picknick und Ziegenkäse

Schwingungen und Rotwein

Schuhe und Sekt

Laufen und Junkfood

Ostern und Eier

Entschlüsse und Weißwein

Tests und Spargel

Aufbruch und Karpfen

Einkauf und Ceviche

Vibrationen und Eiweiß

Besteck und Krautwickel

Spreewald und Gurke

Szenen und Tagliatelle

Vermutungen und Königsberger Klopse

Schlösser und Gazpacho

Rasieren und Kaffee

Schweiß und Krustenbraten

Überraschungen und Salate

Anhang: Rezepte

Trennkost und Bouletten

Berlin, 12. April 2014

»Trennkost«, sagte eine Stimme hinter Lisa.

Sie war soeben dabei, die Ladentür aufzuschließen, und versuchte, nicht in das Erbrochene zu treten, das jemand fast auf der Schwelle hinterlassen hatte. »Wie bitte?«, fragte sie und drehte sich ruckartig um, wodurch ihr das schulterlange, dunkelblonde Haar um den Kopf flog.

Da stand ein mittelgroßer Mittvierziger mit blondem Stoppelhaarschnitt, meerwasserblauen Augen, einer gerade angezündeten filterlosen Zigarette im Mundwinkel und einem breiten Grinsen im offenbar darin geübten Gesicht. Das Hemd seiner Handwerkermontur war weit geöffnet und ließ einen von schwerer Arbeit gestählten Körper und üppige Brustbehaarung erahnen.

»Ach du bist es, Thomas. Ich finde, dass das eine Riesenschweinerei ist«, ereiferte sie sich, »und natürlich muss ich den Dreck wieder wegmachen. Wieso kotzen die bei uns vor die Tür und nicht in den Rinnstein? Wie besoffen kann man sein? Und wie kommst du denn ausgerechnet jetzt auf Trennkost?«

»Na ja«, erwiderte der Angesprochene im breitesten Berlinerisch, »da hat sisch wohl jemand von seine Kost jetrennt, also Trennkost, weeßte?«

Einen Moment sprachlos sah sie ihn an und lachte dann schallend los. Tiefe Lachfalten umrahmten ihre grauen Augen und auf den Wangen zeichneten sich kleine Grübchen ab. »Irgendwann musst du mir mal erzählen, was an Berlinern im Hirn anders läuft als bei den restlichen Mitteleuropäern. Trennkost also«, wiederholte sie Kopf schüttelnd. »Was bringt dich denn so früh schon hierher? Es ist doch noch gar keine Mittagszeit.«

»Na ja, ich hab’ da in einer Woche ’ne Bauabnahme von so drei Dachgeschosswohnungen, die wir gerade fertig haben, und da wollte ich bei euch was vorbestellen. So einen Haufen von eure Bouletten mit die verschiedenen Soßen, wa? Wenn du was zu essen hast, bei sonne Endabnahme, denn is’ dit wesentlich geschmeidiger. Bessere Stimmung, weeßte?«

»Ja, nachvollziehbar. Aber da hättest du doch auch anrufen können.«

»Ich war sowieso gerade noch in die neuen Wohnungen. Die sind in die Danziger Straße und da das um die Ecke ist, dachte ich, da komm ich gleich mal selber auf ’ne Boulette und ’n Kaffee rum.«

»Wie viele und welche Sorten möchtest du haben?«, fragte Lisa, während sie den Laden betrat, um die Kühltheke herumging, die Espressomaschine anschaltete und im Lagerraum verschwand.

»Was habt ihr denn im Moment?«, rief er ihr hinterher.

»Na ja, die üblichen und dann die wöchentlichen Specials … und lass deine Zigarette draußen«, kam es von hinten.

»Aber ist doch keiner im Laden«, erwiderte er hoffnungsvoll.

»Du weißt, dass man das noch lange riechen kann, also schmeiß das Ding weg oder setz dich raus und rauch’ auf«, befahl Lisa, als sie mit Eimer und Schrubber wiederkam.

»Da sind keine Stühle«, stichelte er weiter.

»Es hindert dich hier niemand, welche rauszustellen, Thomas Pumpe. Du weißt, wo sie sind«, maßregelte sie ihn und füllte den Eimer am Wasserhahn hinter dem Kühltresen. »Du bekommst einen Kaffee und eine Boulette aufs Haus, wenn du mir das abnimmst. Heute soll es wieder warm werden, da wollen die Leute draußen sitzen.«

»Geht klar«, erwiderte er und machte seine Zigarette für später aus. Dann trug er flott die im Lagerbereich für die Nacht untergestellten Bistrostühle und Tische raus auf den breiten Bürgersteig.

Lisa beseitigte derweil das Erbrochene. Ihr gesamter Körper schien an der energischen Bewegung des Schrubbers beteiligt zu sein. Das ärmellose geblümte Sommerkleid ließ einen muskulösen Rücken und volle weibliche Rundungen erahnen. Die Muskeln der freien, kräftigen Oberarme arbeiteten angespannt an dem Hin und Her des Wischmopps. Das lange Kleid bedeckte vorteilhaft ihre stämmigen Beine.

»Also ich brauch’ so ungefähr sechzig von die normalen und noch dreißig von die mit Huhn oder Pute oder so – aber nich’ mit Strauß!«, ergänzte Thomas seine Bestellung, während er die Bestuhlung draußen fortsetzte, »und einmal mit Ketchup und den geilen Senf mit die Kräuter drinne und denn von die Linsen mit die Tomaten, wa.«

»Wenn ich hiermit fertig bin, dann schreib ich das mal alles auf. Brauchst du noch was?«, fragte Lisa, »wie ist es zum Beispiel mit den vegetarischen?«

»Das sind Kerle, da gibt das keine Vegetarier«, wehrte Thomas erschrocken ab, als ob sie was Obszönes gesagt hätte.

»Schon gut, Pumpe, nur ein kleiner Scherz. Niemand hat die Absicht, dir Gemüse anzubieten«, deklamierte Lisa im Tonfall Walter Ulbrichts, »aber was hast du gegen Strauß? Ist doch ein Superfleisch. Und viele Gäste haben uns das bestätigt. Wir überlegen, ob wir diese Bouletten dauerhaft auf die Karte setzen.«

»Na ja, du weißt ja, als alter Ossi is’ man das nich’ gewöhnt, so was Modernes.« Er stellte einen Tisch auf dem Bürgersteig ab.

»Du hast die nicht mal probiert, woher willst du das also wissen?«

»Nee, lass man, das is’ nichts für mich. Aber Pferdebouletten, das wär’ mal was. So was gab es früher. Nur seit die Wende kauft das ja keiner mehr. Das wär’ doch mal was für euch zum Verkaufen. Ich würd’ die sofort essen«, erklärte er, als er einen weiteren Tisch holte.

»Da wärst du aber vermutlich der Einzige hier im Prenzlauer Berg. Vor ein paar Jahren hat ja auch die letzte Rossschlachterei hier dichtgemacht, das hast du doch mitgekriegt.«

»Ja, das stimmt, dem haben sie erst die Tür beschmiert und später denn die Scheiben eingeschmissen. Militante Tierschützer war’n das, das erinner’ ich noch. Was für ein Blödsinn. Früher war das ’ne echte Delikatesse. Da haben wir uns die Finger nach geleckt. Heute tun sie so, als ob Pferde was Bessres wie Kühe wär’n«, ereiferte sich Thomas.

»Aber genau so wird das wahrscheinlich die Mehrheit hier sehen«, meinte Lisa. »Denk doch mal an die kleinen Mädchen, die hier reiten. Du glaubst gar nicht, wie viele das sind. Ich habe den Eindruck, dass es mehr kleine reitende Mädchen als Pferde gibt. Das ist fast so, als ob die ganzen Ponyhöfe Reitmädchen-Wechselstationen sind, so wie man früher die Pferde bei Postkutschen gewechselt hat. Bei unserer Nina war das doch genauso. Schon mit zehn wollte sie unbedingt in den Ferien auf einen Reiterhof. Mit dreizehn ist sie dann selber mit der S-Bahn nachmittags raus nach Schönerlinde auf einen Ponyhof gefahren. Da gibt es jede Menge. Jan nennt den Berliner Rand deshalb ja auch immer den Ponygürtel. Wenn wir ihr damals gesagt hätten, Mama und Papa verkaufen jetzt lecker Pferdewurst-Bouletten, was meinst du, was wir uns hätten anhören müssen. Wahrscheinlich wäre sie ausgezogen oder hätte eine Demo gegen uns organisiert oder beides. Vielleicht so wie die Montagsdemonstrationen, nur eben am Samstagvormittag, vermutlich mit Verstärkung durch schwäbische Wutbürger vom Kollwitzplatz. Und wir haben noch Glück gehabt, dass das bei Nina so gut wie vorbei ist. Emily, die Tochter von Barbara Schwartz – kennst du Barbara eigentlich? –, die ist jetzt auch schon fünfzehn und reitet mittlerweile sogar halb professionell auf Turnieren. Mit eigenem Pferd und so. Die ist jeden zweiten Nachmittag und zusätzlich noch am Wochenende zum Reiten. Also wenn wir hier Pferdebouletten verkaufen und Barbara bekommt das mit, dann weiß es gleich der ganze Prenzelberg und wir können unsern Laden schließen und auswandern. Mal vollkommen zu schweigen von der Moralkeule, die von Nina geschwungen wird.«

»Da stimmt wahrscheinlich sogar«, lenkte Thomas ein und zündete sich vor der Tür die kalte Kippe wieder an. »Ja, Barbara Schwartz hab’ ich mal abends vor zwei Jahren oder so kennengelernt, als wir mit ihrem Mann ’ne Baubesprechung hatten. Da hatte er sie mitgenommen, weil sie wohl danach noch zusammen weggehen wollten. Das is’ doch hier ’n ganz bekannter Architekt und Bauträger.«

»Ja, genau der«, sagte Lisa, »Stararchitekt Götz Schwartz, das ist der Ehemann von Barbara.«

»Eben der«, bestätigte Thomas. »Also ich sag’ dir: Obwohl die mich ja gar nicht’ kannte, hat die ungefragt alles Mögliche über Nachbarn, andere Gewerke und was weiß ich noch erzählt. Das kannst du dir nich’ vorstellen.« Er nahm sichtlich erregt wegen dieser Indiskretion einen tiefen Zug.

»Doch«, gab Lisa mit einem leichten Seufzen zurück, »sogar sehr lebhaft. Geh einfach davon aus, dass das, was du Barbara erzählst, garantiert unmittelbar danach alle anderen auch erfahren. Und damit meine ich alle, also die ganze Welt. Weißt du, wie Jan sie deshalb nennt?«

»Nee, Jan und ich haben ja noch nie über sie gesprochen.«

»Megafon«, sagte Lisa.

Er prustete den Zigarettenstummel, den er im Mund hatte, Richtung Ladentür, wo er von der rechten Zarge abprallte und draußen liegen blieb. »Megafon, das is’ passend.« Er konnte sich kaum wieder einkriegen und ließ sich auf einen der Bistrostühle fallen. »Aber vielleicht geht ja Pferdewurst«, kehrte er zum Ausgangsthema zurück, »da gibt es bestimmt welche, die die kaufen würden. So als Bückware, wie früher. Das ganz Gute gab’s ja damals auch nur für ausgewählte Kunden von unterm Ladentisch.«

»Du kannst ja mal Jan darauf ansprechen, wenn der gleich kommt. Der hat so ’ne rustikale Ader, vielleicht überzeugst du ihn ja«, brummte Lisa. »Ach … bei Strauß fällt mir ein: Magst du deinen Wagen mal von unserem Parkplatz wegfahren? Wir bekommen heute Vormittag eine Lieferung von der Straußenfarm und der braucht den Platz zum Abladen. Der Kaffee ist danach auch fertig, versprochen.«

»Mach ich.« Thomas hob den qualmenden Rest seiner Kippe auf, warf sie in den Gully und ging zu seinem Lieferwagen, der auf einem gesondert markierten Parkplatz vor dem Laden stand: Werner und Thomas Pumpe. Tischler- und Zimmermannsarbeiten, Trockenbau, Dachgeschossausbau, Dacharbeiten. Familienbetrieb seit 1960. Ostseestraße 185a, 10409 Berlin. www.trockenbau-pumpe.de, war auf der Seite des weißen Mercedes-Busses aufgedruckt. Während er den Wagen umsetzte, bereitete Lisa einen großen Café Latte mit einem doppelten Espresso zu, den sie zusammen mit einer kalten Rinderboulette mit Kräutersenf und einem kleinen Glas Leitungswasser nach draußen zu einem der Tische brachte.

Der Lieferwagen verschwand gerade um die Straßenecke, da bog ein schwarzer Porsche Cayenne in die freigewordene Parklücke ein.

»Hier dürfen Sie nicht parken!«, rief Lisa, auf ein der Straße zugewandtes Schild deutend.

»Wieso nicht, ist doch Samstag«, sagte der Mann, ein Endfünfziger mit Halbglatze, modischer Hornbrille und einem Doppelkinn, das sich hinter am Hals wulstförmig auf dem weißen Hemdkragen fortsetzte.

»Weil das hier eine Ladezone ist und die wird auch heute benutzt. Für die, die lesen, steht es da«, wies Lisa ihn ärgerlich erneut auf das Schild hin: Be- und Entladen Geschmackszentrum, Dienstag–Freitag 09.00–19.00 Uhr, Samstag 10.00–16.00 Uhr.

»Na ja, heute wird bestimmt nichts mehr angeliefert. Was interessiert Sie das überhaupt, ob ich hier parke?«, fragte der Mann von oben herab.

»Weil ich die Eigentümerin des Geschmackszentrums bin und wir gerade auf eine Lieferung warten, deshalb«, beschied ihm Lisa.

»Nur eine halbe Stunde …«, begann er.

»Wenn Sie hier parken, dann lassen wir Sie abschleppen«, kam es von der anderen Seite.

Der Fahrer drehte sich um und sah durch das ebenfalls geöffnete Fenster auf der Fahrerseite. Dort stand ein mittelgroßer leicht untersetzter Mann in grauem T-Shirt und halblanger schwarzer Sommerhose. Das sonnengebräunte Gesicht wurde von gewellten braunen Haaren umrahmt, die von einigen weißen Strähnen durchzogen wurden. Eine Narbe war trotz Dreitagebart auf der rechten Wange deutlich zu erkennen. Seine Augen wurden durch eine Sportsonnenbrille verdeckt. Unter dem Arm trug er ein Bündel Zeitungen. »Sie haben doch gehört, was meine Frau gesagt hat, welches Wort davon haben Sie nicht verstanden?«, sagte er, beugte sich zur Fensteröffnung herunter und blickte dem Mann ins Gesicht.

»Schon gut«, murmelte der Porschefahrer und fuhr los.

»Porsche fahren, aber ’nen Smart in der Hose haben, wa«, rief Thomas ihm hinterher. Er hatte seinen Wagen zwischenzeitlich in der Seitenstraße geparkt und war gerade zurück, »mich hättest du so aber bestimmt nicht eingeschüchtert, Jan.«

»Mann, Pumpe, mit solchen Sprüchen senkst du das Niveau des gesamten Stadtteils, es hören schließlich Kinder zu«, erwiderte Jan grinsend und schob sich die Sonnenbrille auf den Kopf, sodass seine nussbraunen Augen zu sehen waren. Dabei nickte er zu einer Mutter rüber, die auf der anderen Straßenseite mit einem Kinderwagen samt kreischendem Baby und einem mürrisch dreinblickenden Vierjährigen im Schlepptau vom Einkaufen kam.

Jan begrüßte Thomas mit Handschlag und seine Frau mit einem Küsschen auf die Wange. »Was machst du denn schon hier, ist doch gar nicht deine Zeit, Thomas?«

»Er ist ab heute unsere neue Servicekraft und wird in Kaffee und Bouletten bezahlt. Er ist zuständig für Tische, Stühle und die Niveausenkung im Außenbereich«, meinte Lisa grinsend.

»Das war jetzt aber ganz gemein von dir, ich bestell’ nie wieder was bei euch«, drohte Thomas ebenfalls grinsend.

»Könnt ihr mich vielleicht mal kurz aufklären, worum es geht?«, fragte Jan, »anscheinend passieren die interessantesten Sachen, wenn ich nicht da bin.«

»Das kann er dir gleich erzählen, er will dir ohnehin noch was zum Thema Pferde in der Gastronomie mitteilen«, sagte Lisa und zwinkerte ihm zu. »Hat denn jetzt alles geklappt mit Ben?«

»Na ja, geklappt ist ein großes Wort für das, was sich da abgespielt hat. Plötzlich ist Herrn Ben Daniel Lorenzen eingefallen, dass er heute bei NerdExpress wieder hätte mithelfen dürfen. Bei genauerer Befragung stellte sich heraus, dass sich diese Gelegenheit aber nicht urplötzlich aufgetan hatte, sondern er das Angebot schon letzte Woche bekam.«

»Oh Mann, Planung total«, seufzte Lisa.

»Genau das habe ich ihm auch gesagt – und dass schließlich von ihm der Vorschlag kam, mit Leon übers Wochenende mitzufahren. Und wenn er nicht unverzüglich seinen Hintern nach unten schleppen würde, wo Heike und Frank inklusive Leon auf ihn warteten, um ihn höchstselbst in die Uckermark zu verbringen, dann könne sein krasses Zeitmissmanagement dazu führen, dass jegliche Besuche bei NerdExpress einer Überprüfung anheimfallen«, ergänzte Jan.

»Und wie hat er das aufgenommen?«, fragte Lisa.

»Diplomatisch gesprochen wäre missmutig wohl das richtige Wort. Er erwähnte Dinge wie Erpressung und Nötigung, worauf hin ich ihm sagte, das seien exakt zwei der drei grundlegenden Erziehungsprinzipien, die wir anwenden, wie er auch wisse, und er solle sich nun nicht wundern, dass angesichts seines Verhaltens Bestechung eben nicht das Mittel der Wahl gewesen wäre«, führte Jan fort. »Das sei aber ganz gemein und so weiter und so weiter. Ich brach das dann ab und teilte ihm mit, dass das letzte Wort nunmehr gesprochen sei, ich losmüsse und er sich verdammt noch mal nach unten bewegen solle. Und so habe ich dann einen, sagen wir mal, neutral gelaunten Ben in Franks und Heikes Obhut hinterlassen. Die haben übrigens ein richtig cooles Programm für heute geplant, mit Kletterpark und Hochseilgarten und so. Das, was Ben sowieso immer schon mal wollte.«

»Wir müssen ohnehin noch mal darüber sprechen, ob dieser ganze Computerkram für einen Vierzehnjährigen das Richtige ist«, fing Lisa an, das leidige Dauerthema aufzugreifen.

»Ja, aber bitte nicht jetzt, mir langt’s erst mal. Da fällt mir ein: Die Jungs von NerdExpress wollten doch noch mal wegen des Kassensystems anrücken. Sind die schon da gewesen?«, fragte Jan.

»Nee, bisher nicht. Du solltest da mal anrufen. Das hat aber bis nach dem Urlaub Zeit. Ich will nicht, dass gerade heute, wo es warm ist, die Kasse nicht funktioniert. Und wir haben nachher ohnehin noch einiges vorzubereiten für den Abend.«

»Ich ruf’ die gleich an, dass sie in zwei Wochen am Dienstag kommen sollen. Übrigens, Dr. Köster hat zugeschlagen«, verkündete er und schwenkte dabei das Zeitungsbündel.

»Welcher Dr. Köster?«, fragte Lisa.

»Dr. Norbert Ich-kann-meine-Finger-nicht-bei-mir-behalten-Köster«, sagte Jan und hielt ein Boulevard-Blatt hoch.

Sexskandal in Brüssel stand dort in Großbuchstaben. Etwas kleiner darunter: Kösters persönliche Referentin packt aus.

»Und hier noch.« Jan zeigte auf einen Artikel aus einer etwas seriöseren Zeitung: Spitzenkandidat Köster in Untreue-Skandal verwickelt.

»Wer is’n das?«, fragte Thomas.

»Tja, genau genommen ist er der Grund, warum Lisa und ich zusammen sind«, meinte Jan.

»Is’ nicht’ wahr!«

»Doch, da hat Jan schon recht. Das war, glaube ich, 1998, da hatte ich mich bei Köster beworben und Jan hat in dem Restaurant gearbeitet, wo ich verabredet war. Und da haben wir uns kennengelernt«, sagte Lisa.

»Ja, genau, das war Juni 1998, kurz nach Beginn der Parlamentsferien«, bestätigte Jan.

»Das müsst ihr mir ma’ erzähl’n!«, forderte Thomas neugierig.

»Aber nicht heute«, murmelte Lisa, während ein Schatten über ihr Gesicht zog.

Jan reagierte darauf, indem er seine Frau in den Arm nahm, denn sie erinnerten sich noch sehr deutlich an die unschöne Szene, die der Anfang ihrer Beziehung war …

Bundestag und Grappa

Berlin, 7. Juli 1998

»Nein, das möchte ich nicht«, hörte Jan die junge Dame ziemlich laut sagen, die bereits den ganzen Abend mit dem Bundestagsabgeordneten Norbert Köster an einem Zweiertisch saß.

»Nun haben Sie sich doch nicht so«, sagte der Abgeordnete etwas undeutlich. Er saß auf einem Stuhl vor dem Tisch, die Frau war auf einer Sitzbank an der Wand in einer Art Nische platziert.

»Bitte, ich möchte jetzt gehen«, beharrte sie. Sie war vielleicht Mitte oder Ende zwanzig, relativ kräftig gebaut und hatte langes dunkelblondes Haar. Die hochgeschlossene Bluse ließ ihren üppigen Busen nur erahnen.

Der Abgeordnete redete aber weiter auf sie ein. Was er genau sagte, konnte Jan aus seiner Position hinter dem Tresen nicht verstehen.

Mit einem Ruck stand die Frau auf und wollte offenbar aufbrechen. Aufgrund der Enge der Nische war das allerdings nur möglich, wenn der dem Raum zugewandt Sitzende aufstand und durch Abrücken des Tisches behilflich war. Köster aber rührte sich nicht.

»Bitte lassen Sie mich gehen«, verlangte sie energisch.

Der Abgeordnete blieb indes sitzen.

»Gibt es hier ein Problem?«, fragte Jan freundlich und eilte hinüber. Er sah dabei die Frau an, die unmerklich nickte.

»Nein, wie kommen Sie darauf?«, raunzte Köster.

»Die Dame wünscht zu gehen, wie es aussieht, und Sie scheinen sie daran zu hindern«, stellte Jan fest.

»Also erlauben Sie mal, wollen Sie mir hier Nötigung unterstellen?«, echauffierte sich der Abgeordnete.

»Nein, ich möchte lediglich der Dame behilflich sein zu gehen, wenn es recht ist. Anscheinend gibt es ja Schwierigkeiten dabei«, sagte Jan etwas schärfer.

»Was bilden Sie sich ein. Wissen Sie eigentlich, wer ich bin?«, fragte der Abgeordnete nun.

»Herr Köster, ich weiß wer und vor allem was Sie sind«, sagte Jan erbost.

»Dr. Köster für Sie. Und was soll das heißen, was Sie sind?« Er sprang auf und stand leicht schwankend vor Jan.

»Genau das, was ich gesagt habe. Wo ich herkomme, wissen wir von der Sache in Tornesch mit Schachtschneiders und deshalb auch, was Sie sind, Herr Köster. Und wenn Sie nicht wollen, dass alle anderen hier erfahren, was Sie sind«, betonte Jan, »dann rate ich Ihnen, unser Restaurant unverzüglich zu verlassen und es nie wieder zu betreten. Die Rechnung erhalten Sie von meinem Kollegen.«

Kösters rosige Gesichtsfarbe hatte sich verflüchtigt, er sah nun ziemlich blass aus. Einen Moment stand er noch da, dann riss er sein Jackett von der Stuhllehne und entfernte sich schnellen Schritts Richtung Bar.

»Alles in Ordnung bei Ihnen?«, fragte Jan die Frau.

»Es wird langsam besser«, antwortete sie. Das leichte Zittern ihrer Hände versuchte sie, zu verbergen.

»Darf ich Sie auf den Schreck auf ein Getränk einladen?«, bot Jan an, während er aus dem Augenwinkel kontrollierte, ob Köster auch ordnungsgemäß bezahlte.

»Ach ja, gerne«, sagte die Frau erleichtert.

»Was möchten Sie? Vielleicht einen Wein, einen Port, einen Grappa oder einen Whisky?«, bot Jan an.

»Also wenn Sie mich so fragen, dann am liebsten einen Grappa«, bat sie, jetzt schon ruhiger werdend.

»Bitte, nehmen Sie doch wieder Platz – oder möchten Sie vielleicht woanders sitzen? Wie wäre es vorne an der Bar?«

»Ja, an der Bar wäre mir sehr angenehm nach dieser Enge hier«, sagte sie und folgte Jan.

Er wählte einen Grappa aus einer hohen Flasche, schenkte ein Glas ein und stellte es auf den Tresen. Die Frau hatte mittlerweile auf der anderen Seite Platz genommen. »Zum Wohl«, sagte Jan.

»Und Sie? Trinken Sie nicht mit mir?«, fragte sie.

»Während der Arbeit nicht, aber wenn Sie mir noch zehn Minuten geben, dann bin ich außer Dienst und setze mich zu Ihnen, falls Sie so lange warten können.«

»Klar, schließlich will ich wissen, wie es Ihnen gelungen ist, Köster so in die Flucht zu schlagen.«

»Das sollen Sie natürlich erfahren«, sagte Jan grinsend und ging dem Kellner beim Abräumen helfen.

Lisa sah sich um. Von dort aus, wo sie den Abend zugebracht hatte, konnte man nur den Tresen und einige andere Tische sehen. Von der Bar aus ließ sich dagegen der gesamte rechtwinklige Raum überblicken. Fünf solcher Nischen hatte man als halb offene Separees an der einen Seite des Restaurants gestaltet. Dort hatte sie mit Norbert Köster gesessen. Im offenen Gastraum standen etwa fünfzehn weitere Zweier- und Vierertische locker angeordnet. Auf den Tischen waren jeweils kleine Blumenarrangements drapiert, die mit dem eindeutig japanischen Akzent des euroasiatischen Konzeptes zusammenpassten. Die Bar mit dem Tresen und dem Durchgang zur Küche befand sich an der dem Eingang und der Fensterfront gegenüberliegenden Seite. Die Einrichtung war postmodern mit gehobener Ausstattung und dezent in dunklen Tönen gehalten, der Boden mit ebenholzfarbenen Dielen ausgelegt. Die von hinten durch Milchglaselemente beleuchtet Bar strahlte Wärme in den ansonsten eher kühl wirkenden Raum aus. Die übrige Beleuchtung bildeten Halogenstrahler in der Decke, die jeweils punktgenau die Tische erhellten. Schließlich fand sich an der den Nischen gegenüberliegenden Seite im Barbereich eine Sitzecke aus acht Ledersesseln. Die Kleidung des Servicepersonals war farblich darauf abgestimmt. Die Männer trugen schmal geschnittene dunkelbraune Anzughosen, ein entsprechendes enges Jackett und weiße Hemden ohne Kragen. Im Restaurant herrschte unterdessen allgemeine Aufbruchsstimmung. Zwei Servicekräfte räumten die letzten Tische ab. In den Sesseln neben der Bar saß noch ein Paar, das an seinen fast leeren Drinks nippte.

Es war mittlerweile kurz nach Mitternacht. Jan schloss die Außentür ab und begab sich hinter die Bar, wo er sich in ein bauchiges Sherryglas einen Laphroaig einschenkte und einen Spritzer Wasser zugab.

»Tut mir leid, nun hat es doch länger gedauert, aber jetzt bin ich für Sie da«, sagte er zu Lisa, »aber wollen wir uns nicht etwas bequemer setzen? Ich könnte nun wirklich gut ein wenig ausruhen.«

»Sehr gerne«, meinte Lisa lächelnd.

Sie setzten sich an einen der niedrigen Tische in gegenüberliegende Sessel.

»Ich will Ihnen die versprochene Information gar nicht schuldig bleiben, aber wollen Sie mir vielleicht vorher verraten, wie Sie an Köster geraten sind?«, fragte er. »Übrigens, ich bin Jan Lorenzen.«

»Das ist nun aber kein typisch Berliner Name. Klingt eher norddeutsch, ebenso wie der Akzent. Und ich heiße Lisa Heß«, sagte sie.

»Ja, stimmt, Frau Heß, ich stamme ursprünglich aus Pinneberg. Kennen Sie das?«, fragte Jan.

»Aber natürlich. Ich komme aus Hamburg, aufgewachsen bin ich in Flottbek, also sozusagen um die Ecke.«

»Da hätten wir uns ja sogar mal über den Weg laufen können. Die Welt ist wirklich klein. Na, dann werden Sie ja wissen, dass Köster auch aus der Gegend kommt«, meinte Jan.

»Ja, aber das war nicht der Grund, warum ich ihn heute getroffen habe. Ich wollte mich als Mitarbeiterin bei ihm bewerben. Seit dem Studium bin ich auf Jobsuche. Alle gehen davon aus, dass er sein Bundestagsmandat direkt gewinnen wird und da hatte ich die Idee, für die kommende Legislaturperiode meine Chancen zu verbessern. Ich dachte mir, dass jetzt, unmittelbar vor den Sommerferien, vielleicht erst wenige Bewerbungen eingegangen sind«, sagte Lisa.

»Ja, das war vorausschauend«, entgegnete Jan.

»Wissen Sie, die Arbeit von Dr. Köster als Umweltanwalt, als er die Bürgerinitiativen und Naturschutzverbände gegen den Transrapid vertreten hat, hat mich schon beeindruckt. Dazu hat er ja den europäischen Fokus mit diesen ganzen neuen Umweltbestimmungen. Da habe ich mir eine Mitarbeit spannend vorgestellt«, erklärte Lisa. »Dann noch der Umzug der Ministerien nach Berlin … das finde ich sehr reizvoll. Aber da habe ich wohl aufs falsche Pferd gesetzt.«

»Ja, ich glaube, in Köster haben Sie sich wirklich geirrt. Über sein politisches Wirken weiß ich nur wenig«, räumte Jan ein, »aber ich kenne ihn von ganz früher. Er war ja, bevor er hier gelandet ist, im Landtag und vorher im Kreistag in Pinneberg. Davor war er kommunalpolitisch tätig. Aus der Zeit hat er noch einen Spitznamen, den man hier besser nicht zu laut erwähnt, wenn man keine Anzeige am Hals haben will.«

»Und, verraten Sie mir den?«, fragte Lisa neugierig.

»Auf jeden Fall, denn Sie sind ihm ja entkommen, dem Herrn Kreisbeschäler«, sagte Jan.

»Kreisbeschäler?« Sie machte einen verwirrten Eindruck.

»Kommt aus der Viehzucht. Beschälen heißt so was wie decken. Das tun zum Beispiel Deckhengste«, erklärte Jan.

Lisa lachte laut auf. »Im Ernst? Wofür hat er den denn Titel erhalten?«

»Köster hat es immer schon auf Schürzen abgesehen gehabt. Dafür war er berüchtigt, im ganzen Kreis. Er war dabei auch ziemlich vorsichtig, nur manchmal eben nicht genug. Jedenfalls munkelt man unter der Hand, dass er ein uneheliches Kind mit der Frau eines Baumschulers namens Schachtschneider in Tornesch hat, was er aber leugnet. Das ist nie an die große Glocke gehängt worden. Und da ist definitiv Geld von seiner Seite geflossen, damit das ruhig blieb. Hat offenbar geklappt, denn er ist ja einer der Saubermänner hier in der Politik, so scheint es zumindest die Presse zu sehen. Das erklärt sicher auch den Aufstieg, den er bisher hatte«, erzählte Jan.

»Und woher wissen Sie das, wenn er doch so vorsichtig war?«, fragte Lisa.

»Na ja, mein Vater ist bei einem Landmaschinenvertrieb. Heute ist er Serviceleiter, aber damals war er im Außendienst tätig. Da bekommt man natürlich allerhand mit, auch solche Geschichten. Und das hat er immer zu Hause erzählt. Er war der Meinung, dass wir gar nicht früh genug erfahren könnten, was für Zustände hier herrschen und dass wir das gleich fürs Leben lernen sollten. Und so wussten wir jede Menge Interna. Und heute ließ sich das ja gut nutzen.«

»So wie Köster abgerauscht ist, ganz bestimmt«, meinte Lisa lachend.

»Ach, das interessiert mich eigentlich nicht so sehr, aber als ich Sie in den Fängen dieses notgeilen Hengstes sah, war ich gezwungen einzugreifen. Ich hoffe, dass das für Sie in Ordnung war.«

»Sie waren meine Rettung. Er hatte den ganzen Abend ein Glas Wein nach dem anderen getrunken und in der letzten Stunde wurde das immer ätzender. Ich hätte das viel früher abbrechen sollen, aber ich wollte ja unbedingt diese Stelle haben. So kurz nach dem Studium wäre das ein Supereinstieg gewesen.«

»Seien Sie froh, dass das nichts geworden ist. An Frauen interessieren den sicher nicht die Fähigkeiten, wegen der Sie sich beworben haben. Der wird sich nicht geändert haben in den letzten Jahren. Solche Typen ändern sich nie«, stieß Jan ziemlich heftig hervor.

»Vermutlich nicht«, stimmte Lisa zu. »Oh, ich sehe, wir sollten wohl gehen.«

Die Kellnerinnen waren mittlerweile umgezogen und schickten sich an, das Restaurant zu verlassen. Auch die Küche war inzwischen dunkel.

»Bis morgen, ich schließe ab. Ihr könnt Feierabend machen«, sagte Jan zu den beiden Mädchen. Und zu Lisa: »Nein, wir können noch in Ruhe austrinken. Sie müssen sich nicht hetzen. Nach diesem unerfreulichen Erlebnis heute Abend möchte ich nicht, dass Sie Berlin in schlechter Erinnerung behalten.«

»Ach, Ihnen gehört das Restaurant?«, fragte Lisa.

»Ganz so ist es nicht. Ich bin hier der Chef, nenne ich es mal großspurig«, dabei war Ironie herauszuhören. »Insgesamt gibt es vier von diesen Lokalen hier in Berlin, alle mit einem ähnlichen Konzept. Die gehören einem Gastronomen von hier, der sich aber mittlerweile aus dem Geschäft an der Front zurückgezogen hat. In jedem seiner Restaurants hat er je einen Geschäftsführer, der auch Restaurantleiter ist. Und einer von denen bin ich«, erklärte Jan.

»Also sind Sie sozusagen ein leitender Angestellter?«, fragte Lisa.

»Ja, aber die Betonung liegt vor allem auf Angestellter und weniger auf leitend. Mein Boss hat da noch Nachholbedarf, was das Delegieren angeht«, stellte Jan bedauernd fest.

»Ja, so was kenne ich«, stimmte Lisa ihm zu.

»Ach, tatsächlich?«

»Ja, während des Hauptstudiums an der Uni hatte ich eine Hiwi-Stelle und sollte meinem Professor bei verschiedenen Veröffentlichungen zuarbeiten. Also Recherchen ausarbeiten und die Ergebnisse davon zusammenfassen. Aber alles, was ich erzeugt hatte, hat er dann noch überarbeitet und das meistens völlig unnötig, wie ich fand«, sagte Lisa, »oft war das total unverständlich und nicht mehr lesbar.«

»Was haben Sie denn studiert?«, fragte Jan.

»Ich bin gerade mit meinem Diplom in Politikwissenschaften fertig geworden.«

»Darunter kann ich mir so gar nichts vorstellen. Und wo arbeitet man als Politikwissenschaftlerin?«, fragte Jan.

»Da gibt es viele Möglichkeiten. Eine davon wäre ein Job bei Dr. Köster als Mitarbeiterin gewesen. Zuarbeit zur politischen Arbeit, hier in dem Fall zum Beispiel Kontakte zum Umweltbereich der Europäischen Kommission aufbauen und erweitern, Bundestagsanfragen entwerfen, Anregungen aus dem Wahlkreis für den Abgeordneten aufbereiten oder auch Lobby-Termine bewerten, vorbereiten und durchführen. Ist ein ziemlich vielfältiges Aufgabengebiet«, führte Lisa aus. »Ich selbst interessiere mich vor allem für Umweltpolitik und die Auswirkungen durch die Gesetzgebung aus der EU. Da hätte sich eine Stelle bei Köster perfekt angeboten.«

»Was der Kerl heute macht, weiß ich nicht, aber wie ich Ihnen vorhin schon sagte, wären Sie da nicht glücklich geworden. Wir haben hier im Restaurant häufig Abgeordnete, Ministerialbeamte oder Regierungsmitglieder und auch ausländische Gäste. Was wir hier mitbekommen ist oft mehr, als mancher Besucher vermuten würde. Meinem Eindruck nach ist die Politik ein großer Klüngel. Und verbinden tut die über alle Parteigrenzen hinweg, dass sie gerne viel trinken.«

»Ein krasses Bild malen Sie da«, entgegnete Lisa.

»Klar, das ist sehr einseitig, denn ich sehe diese Leute ja nur hier und nicht bei der politischen Arbeit. Wissen Sie, man kann doch einiges hier im Regierungsviertel mitbekommen, wenn sich Menschen mal in geselliger Runde gehen lassen. Aber ich will Ihnen damit nun nicht den ohnehin schon verdorbenen Abend noch weiter ruinieren. Möchten Sie vielleicht noch einen Drink oder einen Kaffee? Ich kann zum Beispiel einen exzellenten sechsundneunziger Bordeaux aus Pauillac für unsere besonderen Gäste empfehlen«, bot Jan an.

»Ich verstehe von Wein nur ganz wenig, daher nehme ich das Angebot gerne an«, sagte Lisa, »danach muss ich mich aber nach einer Bleibe umsehen. Wissen Sie, wo man um diese Uhrzeit noch etwas bekommen könnte?«

Jan stand auf, zog aus einem Weinregal in der Bar eine Flasche und öffnete sie gekonnt mit seinem Kellnermesser. »Sie haben hier keine Unterkunft?«, fragte er überrascht. »Das wird jetzt etwas schwierig. Natürlich gibt es hier die großen Hotels, wo man rund um die Uhr was bekommt, aber die sind ziemlich teuer, zumal hier gestern zwei Kongresse begonnen haben. Wenn Sie wollen, telefoniere ich mal rum, ob ich was auftun kann. Rechnen Sie bitte auf jeden Fall mit hundert bis hundertfünfzig Mark.«

»Oh, so viel?«, sagte Lisa überrascht. »Das reißt ja ein tiefes Loch in mein Budget. Das ist aber auch wirklich zu blöde. Ich hatte eigentlich geplant, den letzten ICE nach Hamburg zu nehmen. Der ist aber schon gegen halb zwölf von der Friedrichstraße gefahren. Ich bin davon ausgegangen, dass der Termin mit Köster nicht mehr als drei Stunden dauern würde. Hätte ich geahnt, dass das so ein Desaster wird, wäre ich natürlich rechtzeitig losgegangen. Aber ich wollte ja unbedingt die Stelle haben und so habe ich mir gesagt, dass ich schon irgendwie die Nacht überbrücke.«

Mit zwei großen bauchigen Weingläsern kam Jan zurück zur Sitzgruppe und reichte Lisa eines davon. »Prost, Frau Heß«, sagte er und nahm ein schlankes schnurloses Telefon aus seiner Hemdtasche, »ich frage mal eben kurz rum, ob noch was frei ist.«

Bereits nach wenigen Minuten hatte er ein Ergebnis: »Im Marriot ist was möglich. Ich kenne den Leiter der Nachtschicht. Der kann Ihnen einen Sonderpreis anbieten. Hundertneunundsechzig inklusive Frühstück. Ohne hundertneunundvierzig. Die anderen sind noch teurer beziehungsweise hatten da nicht die richtigen Kontaktpersonen Dienst. Tut mir leid«, bedauerte er.

Lisa konnte die Tränen nicht zurückhalten. »Und das alles nur wegen diesem Arschloch«, schluchzte sie.

»Aber Frau Heß, das Schlimmste habe Sie doch überstanden«, meinte Jan sanft und ging um den Tresen. Als er zurückkam, hatte er ein Papiertaschentuch dabei, das er ihr reichte.

Das schien die Schleusen erst richtig zu öffnen, denn nun weinte Lisa hemmungslos. Etwas ratlos hockte sich Jan neben den Sessel und legte vorsichtig den Arm um sie. Sie ließ es geschehen und drückte ihren Kopf an seine Schulter.

Nach einer Weile beruhigte sie sich wieder, schnäuzte sich vernehmlich und drehte sich zu ihm. »Danke, dass Sie mich Heulsuse ertragen«, sagte sie mit brüchiger Stimme.

»Wollen wir uns nicht duzen?«, fragte Jan. »Das biete ich allen an, die sich an meiner Schulter ausweinen. Ich bin Jan.«

Einen Moment sprachlos sah sie ihn an und brach in Gelächter aus, das so ansteckend war, dass Jan darin einfiel. Dann sagte sie: »Ja, gerne Jan. Ich heiße übrigens Lisa.«

»Wir Norddeutschen müssen doch zusammenhalten«, erwiderte er. »Ich könnte dir anbieten, bei mir zu übernachten. Zu Fuß sind das zehn Minuten. Du nimmst einfach mein Bett. Ich habe noch eine Schlafcouch im Wohnzimmer.«

»Ach, das ist wirklich nicht nötig. Ich kann auch ins Hotel gehen«, sagte Lisa, klang aber nicht sehr überzeugt.

»Du hast ja nun schon einen Haufen Geld in den Sand gesetzt wegen des sinnlosen Termins hier. Wenn du es dir anders überlegen solltest, ist der Weg zum Marriot nicht weit. Meine Wohnung liegt sozusagen auf dem Weg da hin«, bekräftigte Jan. »Lass uns den Wein noch austrinken und dann können wir los.«

»Danke, das ist wirklich ein nettes Angebot. Ich nehme an. Aber ich, äh, habe gar keine Kulturtasche mit.«

»Das machts nichts«, sagte Jan, »da ich häufiger Besuch bekomme, halte ich Zahnbürsten und Einwegrasierer vorrätig … für Männer natürlich«, fügte er etwas verlegen hinzu.

»Ohne das jetzt zu weit auszuführen, aber Frauen benutzen so was auch. Prost«, sagte Lisa verschmitzt und stieß mit Jan an.

Sie tranken aus und er räumte die Gläser in die Spülmaschine unter dem Tresen.

Dann nahm er das Großgeld aus der Kasse und packte es in eine Geldbombe. »Unterwegs muss ich das noch bei der Bank einwerfen. Du kannst mir Geleitschutz geben«, sagte er.

»Ist das denn nötig?«, fragte sie ein wenig besorgt.

»Nein, es ist gleich um die Ecke«, grinste er.

Auf Höhe eines gerade in Sanierung befindlichem Gründerzeithauses verkündete Jan: »Letzte Gelegenheit, das Luxushotel dem simplen Bett eines Restaurantleiters vorzuziehen. Wenn du mich fragst, ist das keine leichte Wahl.«

»Jetzt bin ich aber verunsichert«, sagte Lisa und wirkte auch so.

»Tut mir leid, nur ein kleiner Scherz«, entschuldigte sich Jan.

»Du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen. Wellness, Sauna, Pancakes mit Ahornsirup zum Frühstück, eine Auswahl an frisch gepressten Säften, Amerikaner in karierten Hosen, die feststellen, dass es hier ganz anders aussieht, als im Reisekatalog bei Europe in ten days beschrieben … All das wird mir entgehen. In der Tat eine schwere Wahl«, sagte Lisa und grinste Jan dabei herausfordernd an.

»So hatte ich es noch gar nicht betrachtet. So gesehen hat meine Wohnung durchaus was für sich«, gab Jan lächelnd zu.

Jan schloss auf und sie stiegen durch ein ziemlich ramponiertes Treppenhaus in den zweiten Stock, wo es drei Wohnungstüren gab. Die rechte war Jans.

Er schaltete das Licht ein. Im kurzen breiten Flur mit abgeschliffenen Holzbohlen befanden sich eine Garderobe, ein Schuh- und ein Haushaltsschrank. Gegenüber der Tür hing ein Fahrrad an der Wand. Vom Flur aus gelangten sie rechts in eine geräumige Küche mit einem Esstisch aus dunklem Holz mit vier Stühlen, es gab eine gewinkelte Küchenzeile. Ein hohes und relativ vollgepacktes Weinregal setzte einen optischen Akzent. Die zweite Tür, die vom Flur auch nach rechts abging, führte ins ebenfalls geräumige Bad. Eine große Badewanne prägte diesen Raum. Handtuchwärmer, Waschbecken mit Spiegelschrank und ein weiterer Schrank mit Lamellentür sowie ein Rollwagen mit Shampoo und Badezusätzen ergänzten das Inventar. Auf der anderen Seite des Flurs befanden sich ebenfalls zwei Türen. Die dem Bad gegenüber liegende führte in ein Schlafzimmer. Dort stand an der rechten Wand ein großes niedriges Doppelbett aus dunklem Holz. Beiderseits davon standen japanische Lacktischchen, auf denen stilistisch passende Nachttischlampen das fernöstliche Flair verstärkten. Dezente Muster waren auf der schwarzen Bettwäsche im Licht der Wandlampen, die indirekt nach oben abstrahlten, zu erkennen. Der Dielenboden war links und rechts des Bettes mit je einem kleinen dunklen Läufer belegt. Gegenüber der Tür war eine Fensterfront mit zwei großen Doppelfenstern, die mit silbernen Jalousien verschlossen werden konnten.

Eine Doppeltür führte ins Wohnzimmer. An der gegenüberliegenden Wand standen ein Fernseher und eine Stereoanlage auf einem Musiktisch, der ungefähr hundert CDs enthielt. Davor fanden sich zwei schwarze Ledersessel und ein größeres Ledersofa um einen kleinen Couchtisch gruppiert. Auf der rechten Seite befand sich ein kompakter Schreibtisch aus Rauchglas mit einem Unterschrank aus Metall und einem Schreibtischstuhl. Darauf standen ein zugeklappter Laptop, ein Drucker und ein Faxgerät sowie ein schnurloses Telefon in seiner Ladestation. Die Fensterfront bestand aus zwei Fenstern und einer Glastür, die zum kleinen Balkon hinausführte. Ein Schrank, der im oberen Teil verglast war, enthielt Gläser und einige Flaschen Whisky. Auch dieser Raum war durch Wandlampen erleuchtet.

»Schicke Wohnung.« Lisa war angetan.

»Setz dich doch!« Er ließ die Jalousien im Wohnzimmer herunter. »Möchtest du noch einen Wein? Whisky gäbe es auch«, sagte er vom Schlafzimmer aus, das er ebenfalls verdunkelte, »ich habe ganz ordentliche Tropfen vorrätig.«

»Gerne. Ich bin im Moment gar nicht müde, eher aufgekratzt. Aber du musst wahrscheinlich ins Bett, oder?«, fragte Lisa und setzte sich aufs Sofa.

»Nein, ich habe morgen erst abends Dienst. Das Mittagsgeschäft übernimmt mein Stellvertreter. Ich muss um vier nachmittags zur Arbeit«, sagte Jan, als er wieder ins Wohnzimmer kam. »Wein oder Whisky?«

»Was empfiehlst du?«, fragte Lisa.

»Mein aktueller Favorit ist ein spanischer Rotwein von einem relativ neuen Winzer, der in ganz Spanien nur Weingärten in den besten Lagen anlegt und wirklich großartige Weine produziert. Dieser hier nennt sich La Mancha 3, ist aus reiner Monastrell-Traube und liegt noch zwölf Monate im Barrique, bevor er ausgeliefert wird«, dozierte Jan auf dem Weg zur Küche.

»Du weißt aber, dass du jetzt nicht mehr im Restaurant bist, oder?«, fragte Lisa.

»Wieso?«, kam die Rückfrage. Fachmännisch zog er den Korken mit einem Kellnermesser.

»Du preist mir den Wein gerade so an, als ob ich ein Gast bin, dem du bei einer Entscheidung behilflich bist«, stellte Lisa mit einem Lächeln fest.

»Du hast recht, sicher eine Berufskrankheit. Also noch mal von vorne«, sagte Jan, ebenfalls lächelnd: »Das ist mein bester Wein und ich hoffe, der schmeckt dir so gut wie mir.« Er nahm zwei Gläser aus der Vitrine. Zunächst schenkte er sich einen kleinen Schluck ein und testete. Zufrieden mit dem Ergebnis füllte er beide Weinkelche zu etwa einem Drittel, reichte Lisa das unbenutzte Glas, setze sich auf den Sessel, der bei ihr stand, und stieß mit ihr an. »Auf einen trotz dieser Panne erfolgreichen Berufsstart für dich«, sagte Jan. »Was willst du denn jetzt unternehmen?«

»Tja, weiß ich nicht so genau. Etliche Bewerbungen laufen noch, aber bisher ohne Antwort. Da sind auch zwei weitere Abgeordnete dabei. Wenn alles nichts wird, hat mir mein Prof angeboten, dass ich bei ihm eine Doktorarbeit schreiben kann. Er würde da eine halbe Stelle einrichten können. Eigentlich habe ich dazu keine Lust. Die Uni reicht mir im Moment. Das richtige Leben interessiert mich da doch mehr«, sagte Lisa mit dem Anflug eines Lächelns.

»Versteh’ ich«, pflichtete Jan ihr bei. »Uni hat immer etwas Abgehobenes, finde ich.«

»Ach, du warst auch auf der Uni?«, fragte sie neugierig.

»Ja, ich habe mal BWL studiert, hier in Berlin an der TU.«

»Und wie kommt man dann zu einem Job als Restaurantleiter?«

»Das hat sich eigentlich ganz von selbst ergeben«, sagte Jan und erzählte Lisa seinen Werdegang:

Er war vierzehn Jahre zur Schule gegangen, wegen einer Ehrenrunde in der neunten Klasse, hatte das 1989-Abitur in Pinneberg bekommen und war dann im Juni nach Berlin gezogen, als die Mauer noch stand. Er wollte nicht zur Bundeswehr wie sein Bruder Kai. In Berlin unterstand man nicht der Wehrüberwachung der Bundesrepublik. Man konnte mit einem Berliner Wohnsitz nicht eingezogen werden. In der ersten Zeit hatte er bei Kai gewohnt, der sechs Jahre älter war als Jan, in Kreuzberg, bevor er eine eigene kleine und günstige Wohnung mit Bad auf halber Treppe fand. Kai studierte damals Wirtschaftsingenieurwesen an der TU. Wegen Jans ungünstigem Abiturdurchschnitt kamen für ihn nur wenige Studienfächer in Frage, die ohne Numerus clausus zugänglich waren. Eines davon war Betriebswirtschaft. Kai hatte ihm dazu geraten. Er meinte, das sei nicht so aufwendig wie Wirtschaftsingenieur und man könne sich später trotzdem überall bewerben und gut bezahlte Stellen bekommen. Das Studium trat Jan aber vor allem wegen der Krankenkasse und der Vergünstigungen an, die man als Student hatte, also Monatskarten für den öffentlichen Nahverkehr und niedrigere Eintrittspreise. In den ersten zwei Jahren ließ er es ziemlich schleifen. Seinen Lebensunterhalt verdiente er mit verschiedenen Jobs. Zunächst arbeitete er als Lagerarbeiter, dann als Hausbote bei einem Zeitungsverlag. Später fand er in einer Kneipe in Kreuzberg Arbeit. Mit dem Fall der Mauer im Herbst und Winter 1989 entschied sich der Besitzer der Kneipe, auch im Osten der Stadt etwas zu eröffnen. Er fragte Jan, ob er dazu Lust hätte, den Laden mit aufzubauen. Der ergriff die Chance und stieg dann schnell zum Geschäftsführer auf. Nachdem ab Oktober 1990 die Wehrpflicht im gesamten neuen Bundesgebiet galt, war die rechtliche Grundlage gegeben, ihn zum Wehrdienst einzuziehen. Aufgrund seiner Berufstätigkeit stellte man ihn zurück und später war er dann zu alt. So kam er drumherum. In dieser Zeit lernte er die neu entstehende Gastroszene vor allem in Berlin Mitte und Prenzlauer Berg kennen. Bald dämmerte ihm, dass er als abgebrochener Student nur wenige Möglichkeiten hatte, jemals was anderes zu machen, als hinter dem Tresen zu stehen. Er wechselte von der Kneipe in ein Restaurant, das nur Abendservice hatte und stieg dort zum stellvertretenden Serviceleiter auf. Er arbeitete meist von Dienstag bis Samstag abends und intensivierte tagsüber sein Studium. Sein Vordiplom bestand er dann 1993 und das Diplom drei Jahre später. Seine gastronomischen Fachkenntnisse vervollständigte er durch Kurse bei der Handelskammer im Restaurantfach und Ende 1996 bewarb er sich als Leiter in dem Restaurant, in dem er bis heute arbeitete.

»Und woher hast du die Narbe?«, wollte Lisa wissen, als er geendet hatte.

»Willst du die angeberische oder die wahre Geschichte hören?«, fragte Jan.

»Am liebsten beide, aber die angeberische zuerst«, bat sie.

»Also schön. Du weißt ja, dass bei Betriebswirten, Juristen und Medizinern die Quote der Studenten, die in Burschenschaften organisiert sind, besonders hoch ist.«

»Ja, ist mir bekannt«, bestätigte sie.

»Also musste ich auch in eine Verbindung eintreten. Wenn schon, denn schon. Es sollte natürlich eine schlagende sein«, sagte Jan.

»Davon habe ich mal gehört, aber was da genau stattfindet, weiß ich nicht.«

»Im Grunde das Gleiche, was in allen Verbindungen passiert: Man trinkt jede Menge Bier, führt lächerliche Rituale aus und trägt bekloppte Klamotten. Und weil das so dermaßen peinlich ist, gibt man sich einen elitären Anstrich und der besteht im Fechten«, erklärte Jan grinsend.

»Aha. Und wie muss ich mir das vorstellen?«

»Nun, die beiden Kontrahenten brauchen zunächst mal einen Anlass. Da man in den Verhaltensregeln der Verbindungen aber jede Menge Möglichkeiten eingebaut hat, sich ungebührlich gegenüber einem Korpsbruder zu verhalten, wird das auch irgendwann passieren. Und dann kann der Beleidigte Satisfaktion fordern. Übersetzt in unsere Sprache heißt das so viel wie: Ey Alter, du hast mich angemacht und jetzt bekommst du aufs Maul. Da man schließlich zivilisiert ist, nimmt man statt der Fäuste Säbel. Und damit man sich mit den Dingern nicht sofort ernsthafte Verletzungen zufügt, hat man natürlich zum einen mehr oder weniger regelmäßig geübt und zum anderen packt man sich in einen stabilen Schutzanzug plus Gesichtsmaske, die aber die Wangen freilässt. Und dann stellt man sich gegenüber auf und versucht dem Kontrahenten einen Treffer zu versetzen und sich selber zu schützen. Tja, wie du siehst, hat es mich eines Tages erwischt«, endete Jan.

»Du warst im Ernst bei einer schlagenden Verbindung?«, fragte Lisa. »Ich dachte immer, dass das national-konservative Vollidioten sind, die ihren vorher mäßigen Verstand durch Bier auf Amöbenniveau gebracht haben.«

»Und, was soll ich dir sagen, es ist fast genauso, wie du sagst. Willst du jetzt die wahre Geschichte hören?«, fragte er.

»Ja, da bin ich ja mal gespannt«, sagte Lisa.

»Als ich 1989 endlich mein Abi in der Tasche hatte, haben wir eine ziemliche Party bei uns in Waldenau gefeiert, das ist ein Ortsteil von Pinneberg. Und na ja, das war eine reichlich feuchte Angelegenheit. Jedenfalls waren wir alle irgendwann vollkommen betrunken. Ich wollte dann später nach Hause und da bin ich auch irgendwie angekommen. Aber vorher bin ich noch ein paar Mal hingefallen. Einmal direkt in einen rostigen Stacheldraht. Gemerkt habe ich davon kaum was. Erst als meine Mutter am nächsten Morgen ins Zimmer gesehen hat. Sie hat einen ziemlichen Aufstand gemacht und mich gleich zum Arzt gefahren. In der rechten Wange war ein Mordsriss. Das wurde geklammert und ich hab’ ’ne Tetanusspritze bekommen. Geblieben ist die Narbe. Ich war natürlich in keiner Studentenverbindung, aber nachdem ich mit dem Studium begonnen hatte, wurde ich von etlichen umworben und so konnte ich Einblick gewinnen. Daher die Insiderkenntnisse.«

»Da bin ich ja beruhigt«, sagte Lisa erleichtert.

»Weil ich nicht in einer schlagenden Verbindung bin oder weil ich die Narbe habe?«

»Beides«, antwortete sie und errötete leicht.

»Da werde ich jetzt natürlich neugierig.« Er und schenkte Lisa und sich nach. »Dass ich nicht in einer Burschenschaft war und dass das gut ist, kann ich ja verstehen, aber die Narbe?«

Sie schlug die Augen nieder und wurde dabei noch röter. »Ich finde, dass das sexy aussieht«, flüsterte sie kaum hörbar und ohne aufzublicken.

»Im Ernst?«, fragte Jan verblüfft. »Das allerdings habe ich in dem Zusammenhang noch nicht gehört.«

»Ich finde dich sexy«, flüsterte Lisa und blickte auf, »und ich will jetzt mit dir ins Bett gehen.«

Jan war sprachlos und wurde rot, als sie ihn auf den Mund küsste.

Lisa

Die Gefühlsachterbahn des Tages braucht ein Ventil. Ich muss diesen umsorgenden, humorvollen, gut aussehenden Mann unbedingt haben. Ich will seinen Schwanz in mir spüren und ihm so nahe sein wie möglich. Ich dringe mit der Zunge in seinen Mund ein, der sich leicht öffnet. Er kommt mir entgegen und wir erforschen spielerisch unsere Münder. Ich spüre unsere zunehmende Erregung und rücke an ihn heran, bis ich mich schließlich breitbeinig auf seinen Schoß setze. Sofort zieht er mir die Bluse über den Kopf. Wie gut, dass ich heute Morgen die neue Spitzenunterwäsche angezogen und die Scham frisch rasiert habe. Geübt öffnet Jan den BH und legt die Brüste frei. Ihm scheint der Anblick zu gefallen, er umfasst sie und nimmt meine linke Brustwarze in den Mund. Er umschließt den Hof und die Zunge kreist um den steifen Nippel. Er fängt vorsichtig mit saugenden Bewegungen an und sofort steigt meine Erregung. Nun widmet er sich der anderen Brust, knetet sie mit den Händen und saugt auch an ihr. Angespornt von meinem Stöhnen, werden Jans Bemühungen kräftiger, fordernder, besitzergreifender. Durch das fast schmerzvolle Saugen breitet sich eine Welle von Lust in mir aus. Ich merke, wie die Nässe zwischen meinen Beinen zunimmt. Ich drücke mich an seine harte Wölbung, die deutlich zu spüren ist, und fange an, sein Hemd aufzuknöpfen. Ungeduldig ziehe ich es ihm über den Kopf und streichele kurz die fast unbehaarte Brust. Die Beule in Jans Schoß drückt erwartungsvoll gegen meine Scham. Ich will ihn in mir haben, mich ihm hingeben, meine Lust ausleben.

Ich stehe auf, um seinen Schwanz zu befreien. Als ich seine Hose herunterziehe, reckt sich mir sein Penis schon entgegen. Was für ein Prachtstück, denke ich, als ich ihm aus der Unterhose helfe. Diesen Luststab werde ich gleich in mir haben und er wird mich vollständig ausfüllen. Vor Jan kniend umschließe ich seinen Schwanz mit der Hand und bearbeite ihn in dem Rhythmus, in dem ich gerne genommen werde. Die Eichel streckt sich mir wie eine Blume entgegen, sodass ich sie ein fach in den Mund nehmen muss. Meine Zunge fährt über die glatte Haut. Ich versuche, ihn ganz tief hineinzubekommen, ohne den Würgereflex im Rachen auszulösen. Mit einer Hand umschließe ich den Schaft, während ich mit der anderen meine Klitoris bearbeite. Schwarze Schambehaarung rahmt das Prachtstück ein. Ich merke, wie sich seine Lust noch weiter steigert und er die Bewegungen genießt.

Der Schwanz entgleitet mir, als Jan sich erhebt, mir aufhilft und andeutet, dass ich mich aufs Sofa setzen soll. Mit Hüftbewegungen helfe ich ihm, als er mir den Rock auszieht. Nachdem ich sitze, kniet er sich vor mir auf den Boden. Ich führe eine Hand zurück in das Zentrum meiner Lust. Die rasierte Vulva fühlt sich weich an, die Klitoris, an der ich rhythmisch reibe, ragt geschwollen und hart über die Schamlippen. Jan entfernt geübt den Schlüpfer und sofort bearbeite ich wieder meinen Lustknopf. Während ich die Beine einladend öffne, lasse ich einen Finger in mich gleiten und bewege ihn langsam auf und ab. Dabei ist das schmatzende Nass der warmen feuchten Höhle deutlich zu hören. Mit der Hand umschließt Jan die Scham und zieht mir liebevoll den Finger aus der Vagina. Ich spreize die Schenkel noch weiter und präsentiere mein Schatzkästchen. Mit der Zunge drückt er die harte Klitoris, gleitet die Spalte entlang und bohrt sich in die Scheide. Ich möchte ganz ausgefüllt werden. Als ob er Gedanken lesen könnte, steckt Jan einen Finger hinein und penetriert mich damit. Ich merke, wie Feuchtigkeit aus mir herausrinnt. Um die Geilheit zu steigern, drücke ich die Brüste zusammen und ziehe an den Brustwarzen, sodass es fast schmerzt, sie angehoben werden und ich sie so in Schwingung versetze. Jan erkundet währenddessen leckend meine Scham, blickt aber lüstern auf mein Spiel mit den Brüsten. Meine Titten machen ihn geil, denke ich, lasse los, beuge mich vor und lecke abwechselnd die Nippel. Jede Zelle scheint in lustvoller Erwartung zu sein. Er soll jetzt endlich meine Möse mit seinem Schwanz ausfüllen und zu stoßen.

»Wollen wir ins Bett gehen?«, fragt Jan, als ob er meine Gedanken gelesen hätte.

»Ja, und da wirst du mich mit deinem dicken Schwengel richtig hart durchficken müssen«, flüstere ich.

Nachdem er mir hochgeholfen hat, stecke ich ihm wieder die Zunge in den Mund und wir küssen uns leidenschaftlich. Ich weiß kaum, wie wir ins Schlafzimmer kommen. Mit einladend geöffneten Beinen vor ihm liegend, kann ich gerade noch herausbringen: »Ich möchte mit dir schlafen, Jan, nimm mich hart.«

Jan will ein Kondom holen, was ich erregend finde – ich stehe auf Männer, die Verantwortung übernehmen –, aber ich keuche nur: »Ich hab’ ’ne Spirale. Fick mich jetzt!«

Scheiß auf Safer Sex!

Langsam schiebt er seinen prallen steifen Schwanz in meine triefende Scheide, die er vollständig ausfüllt. Erst einfühlsam und vorsichtig, dann fester, stößt er und nimmt mich. Ich bin ganz seins, seine Frau, denke ich. Ich bin so feucht, dass die Stöße nicht nur zu spüren, sondern durch schmatzende Geräusche auch zu hören sind.

Ich möchte richtig kommen und meinen Orgasmus selber steuern. »Ich will jetzt oben sein«, bitte ich.

Sein fetter Schaft gleitet aus mir raus und Jan legt sich auf den Rücken, sein Schwanz steht fest und einladend vor mir. Ich öffne die Lippen, nehme ihn tief in den Mund auf und lecke ihn. Er schmeckt nach meiner Möse. So geil und erregt habe ich noch nie geschmeckt. Ich will diesen großen Schwanz wieder in mir haben. Ich lasse ihn bis zum Anschlag in mich reingleiten, indem ich mich auf ihn setze und anfange, das Becken zu bewegen. Meine Klitoris reibt sich an seinem Körper und bei jedem Stoß werde ich ausgefüllt, gedehnt, penetriert.

Rhythmisch gleite ich auf dem Luststab auf und ab, spanne die Muskeln der Scheide an und lockere sie, damit er mich ganz ausfüllen kann. Mein Busen wogt Jan entgegen. Ich reite ihn leidenschaftlich. Er knetet die Brüste und drückt sie seitlich. Die üppige Pracht sieht aus, wie in einem Mieder in Form gebracht. Er führt die Brustwarzen in der Mitte zusammen und nimmt sie in den Mund. Ein Schwall von Lust durchflutet meinen Körper. An beiden Nippeln gleichzeitig saugend und knabberend stößt er meine Möse. Ich fühle, wie er mich besitzt. Aufgespießt durch den Schwanz und an den Warzen gereizt durch seine Zähne, umschließen Jans kräftige Hände meine Pobacken und ziehen sie leicht auseinander.

»Das hat noch kein Mann mit mir gemacht. Du darfst die Titten jetzt ruhig härter anfassen, wenn ich so geil bin!« Meine Stimme ist rau und der Lustschmerz treibt mich zu einem Wahnsinn, der klare Gedanken nicht mehr zulässt. Ich bin Körper und Geilheit. Ich falle fast wie von selbst in einen Orgasmus und schreie ihn hinaus.

Ich bewege mich etwas langsamer, doch schon rauscht eine weitere Lustwelle heran. Jan drückt die Brüste nun noch stärker und quetscht die Nippel, sodass sie wehtun. Aber dieser Schmerz vermischt sich mit der Erregung und steigert sie, spornt sie an. Ein neuer Orgasmus kündigt sich an, ich reite Jan, bis die Geilheit ihren Höhepunkt erreicht und ich, ganz Körper, ganz Lust, ihn hinausschreie. Ich hatte bisher keinen Mann, der sich so auf meine Bedürfnisse eingestellt hat. Ich falle hinein, nehme jede Bewegung in mir auf. Ich bin nur noch Lust und Lust und Lust.

»Wenn du so weitermachst, muss ich gleich kommen.«

»Ja, komm Jan, spritz in mich rein. Gib mir deinen Saft«, stöhne ich.

Ich will sein Sperma in mir aufnehmen, mich erinnern, wenn es Stunden später noch aus mir rausfließt und mein Höschen nass wird. Ich möchte seine Frau sein.

Eine neue Welle rollt heran und ich merke kaum, dass auch Jan zum Höhepunkt kommt und sich in mir entleert.

Erschöpft schmiege ich mich an ihn, seinen schlaffer werdenden Schwanz in der Möse. Langsam gleitet er aus mir, sein Sperma läuft aus mir heraus, rinnt mir auf die Schenkel und hinterlässt Spuren auf dem schwarzen Bettzeug. Aber das ist mir egal. Ich fühle mich nicht beschmutzt, sondern begehrt und geborgen. Durch die Orgasmen ist es mir gelungen die Achterbahnfahrt des Tages hinter mir zu lassen. An Jan geschmiegt, erwidert er meinen leidenschaftlichen Kuss.

Jan

Ich bin überrascht und gleichzeitig überwältigt. Lisas Zunge öffnet meinen Mund und gleitet hinein. Sehr leidenschaftlich und wild erkundet sie das Neuland. Ich erwidere ihr Begehren und so spielen wir eine Zeit lang mit unseren Zungen. Lisa bewegt sich dabei vom Sofa zu mir, bis sie auf meinem Schoß zu sitzen kommt. Ich schiebe ihre Bluse hoch und sie hilft bereitwillig mit, indem sie die Arme hebt, sodass ich sie ihr ohne aufzuknöpfen über den Kopf ziehen kann. Der rote BH, den sie trägt, ist fast ein bisschen zu klein für ihren üppigen Busen. Schnell finde ich auf ihrem Rücken die Schließung und öffne sie. Der BH rutscht unmittelbar herunter und gibt ihre großen Brüste mit den dunkleren Warzenhöfen und den sehr harten und steifen Nippeln frei. Ich kann nicht anders und muss sie in den Mund nehmen, was Lisa zu einem wollüstigen Stöhnen veranlasst. Wechselnd sauge ich an ihnen. Sie wird dabei immer lustvoller. Offenbar will sie es an diesen Stellen gar nicht so zärtlich wie die Frauen, mit denen ich bisher Sex hatte. Daher ziehe ich mit den Lippen stärker an den Nippeln, wodurch sie noch mehr stöhnt.

Als ich kurz von ihr ablasse, zieht sie mir gierig das Hemd über den Kopf, nachdem sie nur die beiden obersten Knöpfe geöffnet hat. Mein Schwanz ist unterdessen immer härter geworden und drückt nun fast schmerzhaft gegen den Reißverschluss. Lisa scheint die Erhebung zu spüren, denn schnell erhebt sie sich von meinem Schoß, kniet sich auf den Boden vor mir, öffnet die Hose und streift sie herunter. Ich helfe und schleudere sie mit einer kurzen Bewegung irgendwo in den Raum. Sie macht sich an der Unterhose zu schaffen, in der schon ein nasser Fleck ist. Sie hebt den Gummibund etwas und sofort steht mein Schwanz in voller Erregung vor ihr. Sie greift überraschend fest zu und bearbeitet ihn mit der Hand, wobei die Bewegung immer ausladender wird, sodass die Vorhaut jeweils ein bisschen weiter zurückgezogen wird. Schließlich zieht sie sie vollständig von der Eichel, wie einen Vorhang. Sie beugt sich runter und nimmt ihn in den Mund. Zunächst nur ganz vorne, dann allmählich mit jeder Neigung des Kopfes ein wenig mehr und unterstützt das noch mit der Hand. Mit der anderen greift sie sich unter den Rock und bearbeitet mit den Fingern ihre Möse. Meine Erregung steigert sich und ich stehe langsam auf. Dabei entgleitet ihr mein Penis. Sie befingert sich aber weiter.

Ich schiebe den Sessel zurück und knie mich vor ihr auf den Boden, öffne den Reißverschluss ihres Rockes und ziehe ihn über ihre Hüften herunter, was sie mit lasziven Bewegungen unterstützt. Darunter trägt sie ein schwarzes Spitzenhöschen, das zur Seite geschoben ist, ihr Mittelfinger steckt ungefähr bis zur Mitte in ihrer glattrasierten Scheide. Das ist das erste Mal, dass ich eine solche Rasur sehe.

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