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Geschmacksrichtungen

Ana & Tom Lieven

Geschmacksrichtungen

(Geschmackszentrum 2)

Gourmets, Midlife, Sex und Metal

Roman

Inhalt

Werbung und Pfifferlinge

Erklärungen und Ketwurst

Wohnungssuche und Milch

Pferde und Bolognese

Einführungen und Pralinen

Genuss und Rettich

Whirlpool und Grünkohl

Neujahr und Whisky

Jubiläum und Bier

Scherben und Vichyssoise

Spielzeug und Schnüsch

Polonaise und Käse

Design und Omelett

Trennung und Kakao

Sauna und Fruchtschorle

Deckenlampe und Mineralwasser

Schmucksteine und Knäckebrot

Anhang Rezepte

Werbung und Pfifferlinge

Berlin, 13. Juli 2014

»Und jetzt pump ihn noch weiter auf«, sagte Jan, während er links seitlich vor Lisa auf dem Bett kniete.

Sie drückte den kleinen, halb faustgroßen schwarzen Blasebalg ein paar Mal und fragte: »So ungefähr?«

»Ja, das sieht geil aus. Jetzt schieb ihn ein bisschen raus und rein, damit es noch nasser wird!«, wies er sie an.

Sie sah Jans hoch aufgerichteten Penis, der weit über seinem Nabel den Bauch berührte, weil sein Oberkörper leicht nach vorne gebeugt war. Die Eichel glänzte feucht, und die Vorhaut war alleine aufgrund der Erregung heruntergerutscht. Sie bewegte den aufblasbaren Dildo, den sie tief in ihre Scheide geschoben hatte, mit der rechten Hand. Wenn sie ihn bis zur Spitze herauszog, trat geräuschvoll Flüssigkeit aus. »Jetzt läuft meine Möse schon über. Das müsstest du sehen«, sagte sie lüstern.

»Ja, das ist gut zu erkennen«, bestätigte er und knipste ein paar Bilder mit seinem Tablet.

»Lass sie uns sofort ansehen!«, forderte sie ihn aufgeregt auf.

Sie saß mithilfe des aufgestellten Kopfkissens auf der rechten Seite des Betts. Jan nahm neben ihr die gleiche Position ein, und sie griff nach seinem harten Penis und bewegte die Vorhaut leicht.

»O bitte, Lisa, ich bin schon fast am Platzen. Ich will dich ja noch ficken, und so lässt du mich spritzen«, flehte er und schob dabei sanft ihre Hand weg.

»Ich bin wahnsinnig erregt«, sagte sie lüstern.

»Ich auch, aber jetzt sehen wir uns mal die Bilder an, okay?«

»Ja bitte«, bat sie, während sie mit dem Dildo weiter langsam ihre Scheide penetrierte. »Das ist schon ein geiles Geschenk, Jan. Nochmals vielen Dank. Den werde ich häufiger benutzen.«

»Ich dachte mir gleich, als ich den gesehen habe, dass du darauf stehen könntest. Ist eigentlich die ideale Mitte zwischen Fisting und Schwanz, finde ich«, sagte Jan. Er hatte beim Stöbern in verschiedenen Foren auf der Plattform Passion and Joy, die sie vor ein paar Wochen entdeckt hatten, eines Morgens, als Lisa schon im Laden war, diesen Dildo gefunden und spontan bestellt.

»Ja, das stimmt. Auch weil ich durch das Pumpen das Gefühl von Ausgefülltsein steuern kann, das ist total erregend. Ist übrigens gut anpassbar an den Zyklus«, erklärte sie.

»Ach, das spielt dabei eine Rolle?«, fragte Jan.

»Aber klar, je nach Phase des Zyklus´ gelüstet es mich nach eher dickeren oder dünneren … ich sag mal Penetrationselementen«, sagte Lisa und lächelte.

»Man lernt nie aus. Ich habe ja schon gewusst, dass Frauen dann verschiedene Stufen der Erregung und Emotionen durchlaufen. Dass der Umfang des – ich sag auch mal – Penetrationselementes dabei so wichtig ist, war mir nicht klar. Verstehe ich das richtig, mein – ich sag noch mal – Penetrationselement ist manchmal zu dick und manchmal zu dünn, Frau Lorenzen?«, fragte Jan.

»Ja, Herr Lorenzen, grundsätzlich stimmt das. Aber bei einem Blut-Penetrationselement wie deinem lassen sich variablere Umfänge und Härtegrade, je nach Erregungsstadium, einstellen, verglichen mit einem … ich sag mal Fleisch-Penetrationselement«, sagte Lisa. Dabei bezog sie sich auf eine Diskussion, die beide über Blut- und Fleischpenisse im Wellnessbereich eines Ferienhauses geführt hatten. »Und wie du weißt, bin ich manchmal darauf erpicht, dass du vor der Benutzung deines Penetrationselementes dieses ein wenig Penetrationsflüssigkeit verlieren lässt. Danach ist es nämlich nicht mehr ganz so dick, und das passt dann besser.« Sie spielte damit auf Jans gut trainierte Fähigkeit an, kontrollierte Samenergüsse zu erzeugen. Bei dosierter Erregung verschoss er nicht den kompletten Inhalt der Prostata, sondern nur einen Teil. Lisa hatte in den Jahren ihres Zusammenlebens sogar selbst gelernt, wie sie ihm ein wenig Samenflüssigkeit entlocken konnte, ohne dass er dabei gleich vollständig ejakulierte.

»Um das endlich zu erfahren, musste ich dir also dieses pumpbare Penetrationselement schenken«, sinnierte er.

»Genau, und jetzt überleg mal, was du noch alles lernen könntest, wenn du mich mit weiteren Sexspielzeugen überraschst, die ich noch nicht habe«, ermunterte Lisa ihn.

»Das bedeutet also, dass sexuelle Kenntnis über Frauen grundsätzlich an den Kauf von Sexspielzeug geknüpft ist?«

»Ich hätte es nicht besser sagen können, Herr Lorenzen. Aber andererseits muss sich natürlich die Erkenntnis erst setzen, einprägen und mit Beispielen mehrfach belegt werden, sodass eine zu schnelle Abfolge von Geschenken eher abträglich wäre.«

»Das beruhigt mich wiederum ungemein, denn bald brauchen wir ein neues Auto, und das ist natürlich nicht so einfach möglich, wenn ich dauernd aus Erkenntnisgründen Sexspielzeuge kaufen müsste«, sagte Jan ernst.

»Aber nun zurück zu unserer Eigenwerbung, die ist ja auch wichtig, immerhin wollen wir Premium-Swinger werden«, gab Lisa zu bedenken,

»Premium-Swinger? Wir sind aktuell eher noch Adepten, würde ich sagen.«

»Na, das sehe ich aber deutlich anders. Ich meine, du hast mich bei unserem ersten Swingerclub-Besuch vor fremden Leuten auf dem Gynstuhl penetriert. Wir waren auf der Spielwiese und haben da gefickt. Wir hatten Partnertausch, ich habe erstmals eine Frau geleckt und gefingert und du einer in den Mund gespritzt. Das ist doch schon deutlich mehr als das, was viele andere beim ersten Mal erlebt haben. Denk mal daran, was Steve und Felix uns erzählt haben über ihre anfänglichen Versuche«, erinnerte Lisa Jan an ihre Premiere vor fünf Wochen am Samstag des Pfingstwochenendes. Dabei hatten sie ein Paar kennengelernt, das ihnen, nachdem sie mit den beiden intensiv auf einer Spielwiese Sex in verschiedenen Variationen hatten, von ihren ersten eigenen gehemmten Besuchen von Swingerclubs berichtet hatte.

»Ja, stimmt. Es ist immer noch völlig unglaublich, aber auch extrem geil. Ich hätte damals nicht gedacht, dass wir so weit gehen würden. Das hat so eine totale Eigendynamik bekommen«, erinnerte sich Jan.

»Und genau deswegen sind wir ja jetzt auf dem Weg, Premium-Swinger zu werden«, sagte Lisa gespielt seriös, »und das bedeutet eben eine qualitativ hochwertige Eigenwerbung. Die Swingerwelt erwartet das von uns. Oben sein heißt nun mal Verantwortung tragen. Und deshalb müssen wir uns nun wieder den Bildern zuwenden.«

Sie lächelte dabei und öffnete die Galerie auf dem Tablet und wischte über den Bildschirm, sodass die Fotos nacheinander zu sehen waren.

»Ich glaube, das Vorletzte ist das Beste, oder was meinst du?«, sagte Jan.

»Hm, ja, seh ich auch so«, stimmte Lisa zu und löschte die anderen.

»Wir sollten eins von deinem Schwanz mit dem großen Lusttropfen machen«, schlug sie mit Blick auf seinen Penis vor, »und jetzt richte ihn mal auf und schieb die Vorhaut ganz zurück.«

Jan tat wie befohlen, und es trat mehr Flüssigkeit aus.

»Ja, genau so«, sagte sie und setzte sich auf. Dabei rutschte der Pumpdildo aus ihrer Scheide und fiel vom Bett. Dann knipste sie Fotos aus verschiedenen Perspektiven.

»Lass mal sehen!«, forderte Jan sie auf. Auch bei dieser Serie waren sie sich schnell einig. Sie schlug vor, das Bild ein wenig zu beschneiden, was Jans Zustimmung fand.

»Jetzt haben wir schon jede Menge Material«, stellte er fest, als sie gemeinsam die Aufnahmen durchgingen.

»Ja, allerdings. Komm, ich lade sie noch hoch. Vielleicht gehen ja die ersten Meldungen ein, wenn wir ficken. Das wäre doch geil«, schlug Lisa vor.

»Du meinst, wir werden den Geschlechtsverkehr sozusagen vor dem Rechner vollziehen, während wir uns dabei die Reaktionen ansehen?«, fragte Jan nun gespielt seriös.

»Ja, warum nicht? Ich kann mir vorstellen, dass wir mit den Bildern schon auf Interesse stoßen«, meinte sie.

»Es war doch möglich, den Bildschirm auf den Fernseher zu übertragen, oder?«, fragte er unsicher.

»Ja klar, das geht, genau wie der Ton. Dann hören wir es, sobald Meldungen kommen, wenn du zum Beispiel gerade meine Möse leckst. Stell ich gleich ein, nachdem die Fotos oben sind, okay?«, schlug Lisa vor.« Aber man muss ja bei den nicht jugendfreien immer ein wenig warten, bis die freigegeben sind«, gab sie zu bedenken.

»Stimmt. Neulich, als wir das schon mal gemacht haben, hat es nicht so lange gedauert«, erinnerte sich Jan. »Wir können ja die Bilder hochladen und erst mal einen kleinen Brunch fürs Bett machen. Und dann sind wir bereit, wenn der erste Kommentar eingeht – sozusagen Projekt begleitend.«

»Sehr professionell, Herr Lorenzen, muss ich sagen«, fand Lisa, »so wird es gemacht.«

»Also gut. Und wie nennen wir das Album?«

Beide dachten nach, und Jan kam als Erster mit einem Vorschlag: »Vielleicht Ob’s zön ist oder nicht, sagt Euch gleich das Bild?«

»O ja, das gefällt mir sehr, so niedlich und vertraut irgendwie«, stimmte sie lachend zu. Lisa loggte sich auf Passion and Joy ein. Dort wechselte sie in den Editiermodus ihres Profils, das sie mit Geschmackssache betitelt hatten. Sie legte ein neues Fotoalbum an und lud die Bilder hoch. Jan steuerte die meisten Titel bei.

Unmittelbar nach ihrem ersten Swingerclubbesuch waren sie eine zahlungspflichtige Mitgliedschaft eingegangen. Diese räumte ihnen nicht nur die Möglichkeit ein, nicht jugendfreie Inhalte anschauen zu können, sondern selbst solche online stellen zu dürfen. Außerdem führte dieser Status zu Ermäßigungen bei vielen Clubs oder erotischen Events. Überhaupt erwies sich das Portal als die umfangreichste deutsche Internetseite zum Thema Sex im gehobeneren Umfeld. Praktisch alle Swingerclubs, Sexshops und Veranstalter waren hier präsent. Lisa und Jan fiel es zunächst schwer, sich selbst zu beschreiben. Sie wollten aber auf keinen Fall die durch die Seite angebotenen automatisch generierten Texte nehmen. Deshalb hatten sie sich einen Abend Zeit genommen, und dabei war Folgendes herausgekommen:

Als Swinger-Neulinge sind wir auf dieser Plattform gelandet und sind gespannt, was uns erwartet. Wir freuen uns auf neue Bekanntschaften, die wir am liebsten in Swingerclubs machen möchten. Wir sind nicht festgelegt, sondern hören gerne Anregungen und Erfahrungen und suchen aktuell nur nach anderen Paaren etwa in unserem Alter, daher bitten wir einzelne Frauen oder Männer, davon abzusehen, uns anzuschreiben. Wir sind außerdem beruflich stark eingebunden und durch die Kinder nicht so flexibel, wie wir es uns wünschen, sodass Verabredungen einen längeren Vorlauf benötigen. Aber das geht hier ja bestimmt vielen in unserem Alter so. Gesichtsbilder sind in einem verschlossenen Album, das wir bei Sympathie öffnen, und wir erwarten dann ein entsprechendes Entgegenkommen.

Außerdem war es möglich, Merkmale, wie Größe, Haarfarbe, Augenfarbe, Gewicht und Statur einzugeben. Sie hatten sich jeweils selbst beschrieben. Jans Text lautete:

Ich finde, ich bin ein gut erhaltener, überdurchschnittlich großer (1,82) Mittvierziger mit braunen Augen und braunen gewellten Haaren und ersten grauen Strähnen darin. Weil meine Frau es sich gewünscht hat, lasse ich sie gerade wachsen. Ich halte mich fit mit Langstreckenläufen und Krafttraining, ohne dabei wie eine Laufgräte oder ein Muskelpaket zu wirken. Ich mag gutes Essen und Wein. Alles Weitere erfahrt ihr bei einem Kennenlernen.

»Das finde ich gut, aber warum erwähnst du die Narbe nicht?«, fragte Lisa und bezog sich auf die auffällige weiße Linie, die sich fein über die rechte Wange zog, »die ist doch extrem sexy.«

»Ach, ich denke, das geht schon sehr ins Detail, und man kann sie ja auf den Fotos im Gesichteralbum sehen. Das sollte eigentlich reichen«, fand er.

»Okay, das stimmt. Und was sagst du zu meinem Text?« Sie hatte geschrieben:

Ich fühle mich sehr weiblich und fraulich und bin weitgehend zufrieden mit meiner Figur, insbesondere den Brüsten. Wenn überhaupt, hadere ich mit den Oberschenkeln, die ich zu dick finde. Ich mag es, dass in meinen dunkelblonden Haaren die grauen Strähnen weniger offensichtlich erscheinen, und sie passen zu den grauen Augen. Ich gehe mehrmals in der Woche ins Fitnessstudio, gerne mit Jan zusammen. Ich liebe gutes Essen und Trinken, Reisen. Außerdem stehe ich auf vielfältigen Sex.

»Finde ich besser als meinen. Nur erwähnst du deine Größe nicht. Und ich hätte auch sagen sollen, dass ich Sex mag. Ist ja der Grund, warum wir hier sind. Ich ergänze das noch mal bei mir«, sagte er.

»Oder wir schreiben das einfach in den Text über uns«, schlug Lisa vor, »und die Größenangabe hatten wir doch schon in den Datenangaben weiter oben. Deswegen können wir das bei dir eigentlich streichen.«

»Natürlich, das habe ich vergessen. Dann streich du es bitte und ändere den Text.«

Sie passte die Angaben an und trug bei sich die Größe 1,72 ein.

Weiterhin bot die Seite die Möglichkeit, Vorlieben und Abneigungen sowie sexuelle Orientierungen einzugeben. Beide wählten Blowjob, Cunnilingus, Intimrasur, Outdoor, Selbstbefriedigung und Sexspielzeug aus den vorgegebenen Kategorien aus. Bei der Auswahl, was sie weniger oder gar nicht mochten, klickten sie BDSM, Fesseln und Intimbehaarung an. Bei der Neigung gab Lisa bi-interessiert an, während er auf hetero per Mausklick auswählte.

»Das hier nennen wir Vor dem Fest«, sagte sie bei einem Foto, bei dem Jans maximal erigierter Penis auf ihren Schamlippen auflag. Auf dem Bild, das er aus seiner Perspektive aufgenommen hatte, bildeten Lisas Schenkel den linken und rechten Bildrand, und etwa in Bildmitte knapp über der Eichel war ihre vor Erregung vergrößerte Klitoris zu sehen.

»Ja, das passt wirklich gut. Da kann sich vermutlich jeder vorstellen, dass das folgende Fest geil werden wird«, sagte Jan.

Sie tippte den Titel und klickte an, dass es sich um ein nicht jugendfreies Bild handelte, und drückte dann auf Absenden.

»Und das hier könnte Allzeit bereit, immer bereit heißen«, schlug Jan vor.

»Oh, sehr gut, sozusagen als Beweis, dass wir gesamtdeutsch sind«, stimmte sie zu.

»Ja, genau, wir kennen uns in ganz Deutschland im Fachgebiet Sex aus«, prahlte er und fing sich einen zweifelnden Blick ein. »Na gut, nicht in ganz Deutschland, aber zumindest in Teilen davon«, sagte er und spielte darauf an, dass sie bei Touren ins Umland von Berlin gerne mal im Freien Sex hatten.

Lisa lud unterdessen ein Bild auf die Plattform, das ihre Vulva mit vor Erregung vergrößerten Schamlippen und einem raffinierten String zeigte. Der war so gefertigt, dass die einzelnen Schnüre die äußeren seitlich eindrückten. Dadurch ragten die inneren ein wenig heraus, was normalerweise nicht der Fall war. Auf dem Bild glitzerten sie vor Nässe im Licht des Blitzlichtes.

Als sie alle Fotos hochgeladen hatten, standen sie auf und gingen nackt in die Küche.

»Es ist ein gutes Gefühl, einfach hier rumlaufen zu können und zum Beispiel meiner Frau das, ich sag mal Penetrationselement, einzuführen und keiner stört uns«, sagte Jan. Dabei umarmte er Lisa von hinten mit beiden Armen, die am geöffneten Kühlschrank stand. Mit seiner linken Hand ergriff er ihre rechte Brustwarze und umgekehrt und kniff diese leicht. Sein Penis, der erigiert war, drückte gegen ihren Lendenbereich. »Du wirst jetzt genommen werden.«

»Aber nur ein wenig, nachher erst wird in mich gespritzt, das ist die Beschlusslage«, erinnerte Lisa ihn, nahm zwei Frischhalteboxen und legte diese auf die Arbeitsplatte. Dann schloss sie die Kühlschranktür und beugte sich vor. Er führte seinen Penis in ihre Scheide ein, verharrte dort kurz und stieß sie kräftig mit ausladenden Bewegungen.

»Nicht so doll, Jan, nicht, dass da ein Unglück passiert«, warnte sie, während sie sich fingerte.

»Ist auch nicht einfach, all diese Anweisungen zu befolgen«, mokierte er sich und verlangsamte sein Tempo.

»So, jetzt aber Essen gemacht!«, befahl sie und erhob sich, sodass sein Penis aus ihrer Scheide glitt.

»Zu Befehl, Frau Lorenzen. Und was soll es geben?«

»Also ich würde eine kleine Käseplatte bereiten, ein paar von den Brötchen von gestern in den Ofen schieben und Pickles und so aufbereiten«, schlug sie vor.

»Dann mache ich die restlichen Pfifferlinge als Creme mit Petersilie. Damit sollte ich ungefähr fertig sein, wenn du es bist.«

»O ja, das ist lecker und geht bestimmt gut auf den warmen Brötchen«, stimmte sie zu.

Lisa bereitete nebenbei zwei große Milchkaffees zu. Jan schüttete die restlichen Pilze des Vorabends aus der Pfanne in einen Becher, hackte Kräuter klein und gab sie hinzu. Dann mixte er die Masse mit einem Pürierstab, bis sie sich langsam im Rührbecher zu wälzen begann. Er schmeckte mit Salz, Pfeffer, Zitronenabrieb und Zitronensaft ab und rührte erneut. Zum Anrichten gab er die fertige Mousse in eine kleine Schüssel und streute gehackte Petersilie darüber.

Sie trugen alles ins Schlafzimmer und platzierten es auf einen Betttisch, den sie über ihre Beine stellten. Lisa nahm das Tablet, verband es mit dem Fernseher und rief dann Passion and Joy auf. Das Symbol am oberen Bildrand zeigte eine Nachricht an, eine sogenannte Clubmail, die sie öffnete. Sie lautete: ‚Hallo Geschmackssache, eure Fotos sind in der Überprüfung und werden bald online sein.‘

»Oh, das lässt ja hoffen«, sagte Lisa und legte das Tablet auf den Nachttisch.

»Letztes Mal wurden die Bilder kurz nach dieser Meldung veröffentlicht«, erinnerte Jan daran, wie sie vor drei Wochen ihr Profil eingerichtet, die ersten Texte erarbeitet und mit Fotos versehen hatten.

»Ja, aber da waren auch mehr jugendfreie dabei«, gab Lisa zu bedenken.

»Ich kann mir vorstellen, dass die bei so einer großen Plattform wissen, wann die Hauptzeiten sind, zu denen die Leute Bilder hochladen oder Profile bearbeiten. Die sind bestimmt personell darauf eingestellt«, vermutete Jan.

»Das mag sein. Jetzt aber sollten wir uns schnell stärken, immerhin müssen wir, gleich ficken, und ich bin trotz des kurzen Küchenauftakts immer noch total geil.«

»Lass mich mal schmecken«, sagte Jan. Lisa und er hatten festgestellt, dass der Grad ihrer Erregung sich anhand ihrer Scheidenflüssigkeit bestimmen ließ. Sie fuhr mit der rechten Hand unter die Decke und bewegte sie in der Körpermitte. Trotz der Dämpfung hörte Jan die schmatzenden Geräusche. Sie hielt ihm ihre nassen Zeige- und Mittelfinger hin und Jan leckte sie genüsslich ab.

»Allerdings bist du noch extrem geil, das stimmt. Sehr würzig mit einer leichten metallischen Note. Ich würde sagen, fast höchster Grad«, erläuterte Jan das Prüfergebnis.

»Genau, das meinte ich mit total geil«, sagte Lisa schnippisch und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee. Nach und nach griffen sie sich kleine Häppchen und aßen die Pfifferlingsmousse.

»Eigentlich ’ne ganz praktische Resteverwertung«, stellte Jan fest, »und ich musste die Pilze im Grunde nur mit der Petersilie pürieren und fertig.«

»Hast du ein Glück gehabt, dass gestern nicht alles aufgegessen worden ist«, freute Lisa sich.

»Na gut, dann hätte ich eben heute was anderes gemacht, aber ich finde die Paste jetzt schon passend«, bestätigte er.

»Hm, mir fmeggt fie auch fehr gut«, nuschelte sie.

»Wenn du noch etwas mehr in den Mund nimmst, kann ich dich besser verstehen, würdest du in solchen Fällen zu mir sagen«, belehrte er sie, während sie herunterschluckte.

»Ja, aber nur weil du das sehr viel häufiger machst als ich«, gab sie zurück.

»Ich hatte trotzdem den Eindruck, dass es den beiden gestern geschmeckt hat, oder was meinst du?«, fragte Jan.

»Doch, auf jeden Fall. Ich glaube nur, es war ein bisschen üppig mit den vier Gängen. Das sind sie wahrscheinlich so gar nicht gewöhnt«, vermutete Lisa.

»Aber ich fand es ja wirklich nett, dass sie Ben zum WGT mitgenommen haben. Sonst wäre das gar nicht so einfach gewesen mit dem Swingerclubbesuch. Und da kann man sich ja mal gebührend bedanken«, sagte Jan. Die Nachbarn Jenni und Jörg und ihr Sohn Jona hatten Ben von Pfingstsamstag bis Pfingstmontag zum Wave-Gotik-Treffen nach Leipzig eingeladen. Nina war zeitgleich mit ihrer Freundin Emily und deren Mutter auf dem Darß, sodass Jan und Lisa das kinderfreie Wochenende für ihren ersten Clubbesuch genutzt hatten.

»Natürlich, das sehe ich genauso. Ich wollte auch gar nicht das Menü in Zweifel ziehen, aber manche Leute kennen aufwändige Zubereitungen eben nicht. Ich glaube zum Beispiel, dass Jörg in seinem Job als Zahntechniker wenig Berührung mit so was hat, eher vielleicht mit den Folgen von zu süßem Essen«, sagte Lisa und Jan lächelte dabei. »Bei Jenni kann ich mir das schon vorstellen als Teamleiterin bei … ja bei, was eigentlich noch mal?«

»Bei Second Solar Services. Das war doch die Geschichte, die sie erzählt hat, dass man sich Second Solar nennen wollte, aber SS als Abkürzung nicht so gut ankam«, erinnerte Jan sich und wurde von dem charakteristischen Ton einer bei Passion and Joy eingehenden Clubmail unterbrochen.

»Oh, da scheint was zu kommen.« Sie griff sich das Tablet, um die Nachricht zu öffnen. Jan konnte bequem folgen, da die Webseite auf dem Fernseher entsprechend groß dargestellt wurde. Hallo Geschmackssache, Eure Galerie ist jetzt online. Wir wünschen Euch viele Likes und neue Freundschaften. Euer Team von Passion and Joy. Beide kannten den Text schon von den ersten Bildern, die sie hochgeladen hatten. Ein weiterer Signalton kündigte die nächste Nachricht an.

»Lass uns schnell die Sachen in die Küche bringen, und dann prüfen wir den Posteingang«, gab Lisa den kommenden Ablauf bekannt.

Auf dem Weg sagte Jan: »Ich denke, du wirst wohl knien und das Tablet bedienen. So können wir beide was sehen, wenn ich dich von hinten ficke.«

»Ich lege mir noch zusätzlich den Magic Wand zurecht, damit ich zwischendurch mal komme. Wäre das in Ordnung?«, fragte Lisa und griff sich, nachdem sie das Tablett auf der Küchenablage abgestellt hatte, zwischen die Beine und steckte zwei Finger in ihre Scheide, um Jan wieder daran lecken zu lassen.

»Ja, aber laut Geschmack bist du maximal geil«, teilte er ihr mit, als sie auf dem Rückweg ins Schlafzimmer waren.

»Im Gegensatz zu dir kann ich mehrfach kommen, und mit Vibrator lässt sich die Häufigkeit noch erhöhen«, erklärte sie in Anspielung auf ihre multiplen Orgasmen. Mit Hilfe des Magic Wands, eines großen, mit Strom betriebenen Massagestabes, den Jan ihr von ein paar Wochen geschenkt hatte, konnte sich die Frequenz deutlich steigern.

Sie nahm den Masturbator aus ihrem Nachttisch aus der unteren Schublade und kniete sich mittig auf das Bett. Jan gab ihr das Tablet, das sie vor sich legte und so bequem bedienen konnte. Sie spreizte die Beine etwas, drückte ihr Kreuz ein wenig durch, sodass ihre Schamlippen nach hinten hervortraten und sich leicht öffneten. Jans Penis war bereits maximal hart und dick, und er führte ihn in Lisas Scheide ein, die nass und weit war.

»So, Herr Lorenzen, die ersten Nachrichten kommen«, sagte Lisa, während sie sich leicht vor- und zurückbewegte. Jan kontrastierte dies und verhalf beiden zu einer tiefen und langsamen Penetration. »Du aber bitte noch nicht«, fügte sie schmunzelnd hinzu und verlangsamte die Bewegung.

»Wie Sie wünschen, Frau Lorenzen.« Er hielt inne.

Die ersten Clubmails waren Komplimente, die sich durch einen Like-Button unter den Fotos erzeugen ließen. Das kannten beide schon, fanden es aber nicht so anregend wie reale Nachrichten.

»Oh, sieh mal, die ist nett«, sagte Lisa. Auf dem Fernseher lasen sie, was da stand: Hallo Geschmackssache, wir finden eure Darstellung herzerfrischend. Und dass ihr aus Berlin kommt, freut uns. Wir haben Euch mal private Galerien und einen Film freigegeben. Wir würden uns über ein näheres Kennenlernen freuen, Cora und Ralf.

»Klick doch mal auf das Profil!«, sagte Jan, der wieder sanft in Lisa stieß.

»Ja, bin ja dabei.« Sie fanden sich mittlerweile beide gut mit der Navigation der Seite zurecht. »Lesen können wir später«, beschied sie und klickte den Film an.

Unmittelbar nach dem Start wurden Jans Bewegungen stärker. Lisa griff zum Magic Wand, schaltete auf die erste von zwei Stufen. Sie drückte ihn sich gegen die Klitoris, wobei sich die Vibration durch ihren Unterleib fortsetzte und Jan ebenfalls weiter erregte.

Der Film startete ohne Vorspann. Der Kopf eines Manns etwa in Jans Alter mit blonden Haaren erschien. Ralf leckte Cora intensiv und geräuschvoll die Scham. Dabei wurde er anscheinend von ihr gefilmt, wie die Perspektive andeutete. Im Bild links und rechts waren ihre relativ kleinen Brüste zu sehen, die lange und harte Nippel hatten, welche steif abstanden. Er ergriff diese und zog ein wenig daran. Die Bildführung war etwas unruhig, was vermutlich mit ihrer Erregung zusammenhing. Offenbar machte Ralf seinen Job gut, denn schon nach kaum mehr als einer Minute bekam sie zuckend und stöhnend einen Orgasmus, wobei das Bild jetzt stärker wackelte. Lisa und Jan hatten beim Zusehen ihre Bewegungen intensiviert, und zeitgleich mit Cora kam sie ebenfalls.

Zwischendurch erklang immer wieder ein Signal, das den Eingang weiterer Nachrichten ankündigte.

Jan zog abrupt seinen Penis aus Lisas Scheide. »Ich komme sonst gleich«, erklärte er, als die Szene wechselte. Jetzt war von unten gefilmt geworden. Cora stand mit den Armen auf einen Tisch gestützt, und man sah ihre Brüste im Takt der Stöße schwingen, die Ralf, sie von hinten penetrierend, ausführte. Sie bewegte sich dabei nicht nur vor und zurück, sondern ihr Becken nach links und rechts, auf und ab. Sein Stöhnen wurde von Coras Lustlauten übertönt.

Lisa kniete weiter und hielt sich den Vibrator an ihre Vulva und sah gebannt auf den Bildschirm, als dort das Geschehen intensiver wurde. Anfangs fiel ab und zu ein Tropfen aus ihrer Scheide zu Boden. Langsam wurde daraus dann ein kontinuierlicher Regen.

Cora gab jetzt leise Schreie von sich und bewegte dabei ihr Becken eher in kreisenden Bewegungen und gleichzeitig stärker vor und zurück. Eine Hand nahm sie vom Tisch und bearbeitete damit ihre Klitoris, und es war zu sehen, dass sie gleich kommen würde.

Lisa hatte sich mit den Schultern auf das Bett gestützt, wobei ihr Hinterteil weiter in die Höhe stand und so ihre Schamlippen, die tropfnass waren, Jan einzuladen schienen. Den Vibrator hielt sie unverändert an ihre Scham und bekam zeitgleich mit der Frau im Film einen Orgasmus.

Die Szene wechselte erneut. Cora, deren schmal geschnittenes Gesicht mit den hohen Wangenknochen jetzt zu sehen war, hatte blonde mittellange Haare. Sie lag auf einem Bett und hatte sich einen dicken roten Vibrator in ihre Vagina eingeführt, den sie kraftvoll bewegte. Er verfügte über einen Aufsatz, der ihre Klitoris reizte. Die Geräusche waren dabei deutlich zu hören. Die Perspektive war so, dass der Zuschauer im Bildvordergrund Coras Scheide mit den geöffneten Schamlippen und dem Sexspielzeug sah. Im Hintergrund, oder vielmehr im oberen Teil des Bildschirms, saugte sie intensiv den Penis von Ralf.

Jan führte jetzt wieder seinen in Lisas Vagina ein, was diese mit sofortigen Bewegungen quittierte. Im Film intensivierte Cora sowohl mit dem Vibrator als auch beim Saugen ihre Bemühungen. Die Stöße waren zunehmend stärker geworden, Ralfs Unterleib bewegte sich, seine Frau in den Mund fickend. Bei ihr bahnte sich ein Höhepunkt an, was Lisa und Jan inzwischen erkennen konnten. Cora entließ den Penis aus ihrem aus ihren Lippen, griff mit der linken Hand danach und bearbeitete ihn so weiter. Kurz darauf brach unvermittelt eine gewaltige Fontäne Sperma hervor und traf Coras rechte Brust. Einige Tropfen flogen über sie hinweg und landeten neben ihr auf dem Bett. Das war der Auslöser für sie, heftig zu kommen. Lisa bekam zeitgleich ebenfalls einen explosiven Orgasmus, während Jan sich nicht mehr beherrschen konnte und sich pulsierend in seine Frau ergoss. Auf dem Bildschirm endete der Film so abrupt, wie er angefangen hatte.

Nachdem die beiden eine kleine Weile in der Position verharrt hatten, zog Jan den Penis, der zu erschlaffen begann, aus Lisas Vagina. »Wahnsinn«, sagte er.

»Unglaublich geil«, pflichtete Lisa ihm außer Atem bei. Sie richtete sich auf und schaltete den Vibrator ab. Aus ihrer Scheide tropfte Jans Sperma mit ihrer Scheidenflüssigkeit vermischt in großen Tropfen auf das Laken. »Du hast scheinbar Liter im mich gespritzt.«

»Ja, weil ich die Gesamtsituation so extrem geil fand, hat sich vermutlich viel Samenflüssigkeit gebildet. Ich sage mal, das ist Werbung in eigener Sache«, sagte Jan, der sich erschöpft auf der linken Seite des Bettes niederließ.

Lisa legte sich dazu mit dem Tablet in der Hand: »Allerdings, ich denke, wir sollten den beiden schreiben. Ich würde sie sehr gerne kennenlernen.« Sie nahm sich ein Taschentuch von ihrem Nachttisch und wischte sich damit die Nässe ab.

»Ja, geht mir auch so. Wir können ja aber trotzdem erst mal deren gesamtes Profil ansehen«, schlug Jan vor.

»Stimmt natürlich«, sagte Lisa.

Es stellte sich heraus, dass Cora und Ralf ebenfalls aus Berlin kamen, und zwar aus dem südlichen Teil. Auf Passion and Joy tummelten sie sich schon seit vier Jahren. Neben dem Haupttext hatten sie weitere Seiten verfasst, auf denen sie ihre Vorlieben ausführten. Beide waren etwas kleiner als Lisa beziehungsweise Jan, war der Beschreibung zu entnehmen. Sie schienen sehr erfahrene Swinger zu sein. So war zu lesen, dass sie sich für verschiedene Veranstaltungen in der näheren Zukunft angemeldet hatten, darunter auch zwei in dem Swingerclub, in dem Lisas und Jans Premiere stattgefunden hatte. Dieser hieß My little secret und lag im Süden Berlins. Detailliert und ergänzend zu den Vorlieben und Abneigungen beschrieben die beiden, was sie sich vorstellten und was weniger. So war zum Beispiel zu lesen, dass Cora auch auf mehr als einen Mann gleichzeitig stand, Dirty Talk und Analverkehr mochte, nicht jedoch zu große Penisse. Sogar Maße waren dazu angegeben.

»Mensch, die müssen wirklich Erfahrungen haben«, staunte Jan, »wenn die das so genau wissen.«

»Also ich kann nur sagen, dass ich wahrscheinlich keinen Analverkehr mag, aber ehrlich gesagt weiß ich es noch nicht mal«, sagte Lisa. »Analplugs finde ich ja mittlerweile sehr geil.« Damit spielte sie darauf an, dass sie sich drei solcher Spielzeuge vor einigen Wochen in einem der größten Sex-Shops in Norddeutschland bei Flensburg namens ToysForUs gekauft hatte. Seitdem bezog sie diese gerne in ihren gemeinsamen Sex ein.

»Und sieh mal, hier ist was zu Ralfs Vorlieben. Danach steht er auf harte und spitze Nippel, die Brustgröße ist ihm dabei aber nicht so wichtig«, gab Jan die Einträge wieder.

»Ja, mit Cora hat er da wohl den Hauptpreis, das muss ich wirklich sagen«, sagte Lisa, »ihre Brustwarzen würde ich gerne mal im Mund haben. Da kann ich ihn verstehen. Weißt du noch, wie ich früher meine manchmal mit Gummibändern umwickelt habe und dann keinen BH anhatte? Da waren sie auch so lang und spitz wie bei Cora.«

»Ja, das fand ich immer total geil. Ist eigentlich eine gute Idee. Das könntest du mal wieder machen, finde ich«, schlug Jan vor.

»Na ja, seit der Geburt der Kinder sind die Nippel eh fester und stehen ab. Aber ich kann es ja mal wieder versuchen, das stimmt«, sagte Lisa.

Sie klickten sich durch verschiedene Fotoalben, von denen sie einige öffnen konnten, die üblicherweise verschlossen waren. Ein Album zeigte die beiden in unterschiedlichen Stellungen beim Sex, ein anderes Cora mit Sexspielzeugen.

»Das sind schon geile Bilder«, sagte Jan.

»Ja, die sind wirklich sexuell sehr attraktiv«, fand Lisa.

Eines der Alben zeigte die beiden in Alltagssituationen und mit Gesichtern.

»Die sehen nett aus, finde ich«, meinte sie.

»Cora haben wir ja bereits in die Augen gesehen, wenn sie auch die meiste Zeit einen Schwanz gesaugt hatte«, sagte Jan lächelnd.

»So ungefähr?«, fragte sie, drehte sich ein wenig und nahm Jans Penis, der beim Betrachten der Bilder schon wieder hart geworden war, in den Mund und bearbeitete ihn mit Zunge, Zähnen und Lippen, während er dabei zusah.

»Ja, genau so«, sagte er, »ich werde dir wohl noch mal mein Penetrationselement einführen müssen.«

»Das wäre mir sehr angenehm, aber vorher sollten wir den beiden schreiben. Ich schlage vor, ich fang mal an, dann kannst du das ja noch ergänzen oder ändern. Außerdem siehst du es ja auf dem Bildschirm«, sagte Lisa und setzte sich wieder neben Jan und schrieb: Hallo Cora und Ralf, wir haben Euer Profil gelesen, geben aber zu, dass wir erst den Film gesehen haben. Das hat uns beide sehr erregt und uns heftige Orgasmen beschert. Das war bestimmt Absicht, oder? Jedenfalls sind wir sehr angetan. Wir fragen uns natürlich schon, warum ihr an Neulingen interessiert seid. Wir haben ja lange nicht Eure Erfahrungen. Trotzdem freuen wir uns darüber und haben Euch unser Album mit Gesichtern geöffnet, damit ihr wisst, mit wem ihr es zu tun habt. Es grüßen Lisa und Jan.

»Finde ich sehr gut. Lass uns das so abschicken. Du musst dann nur noch die Freigaben einstellen.«

»Mach du das bitte, Jan, du kennst dich mittlerweile ja auch auf der Seite aus, so oft, wie du schon auf Passion and Joy rumgesurft hast. Ich gehe mal kurz aufs Klo«, sagte Lisa, gab Jan das Tablet und verschwand in den Flur.

Jan gab das entsprechende Album frei und sah sich dann die anderen Nachrichten an, die inzwischen eingegangen waren. Neben vielen einfachen Likes gab es weitere Anschreiben mit echtem Interesse.

Lisa sah beim Betreten des Raumes auf dem Fernseher eine Mail, die Jan gerade geöffnet hatte. Hallo ihr beiden, das sind ja wirklich sehr scharfe Bilder. Vielleicht habt ihr ja Lust, uns mal zu treffen? Manu und Eugen. Jan klickte auf deren Profil und surfte darin.

»Nein«, beschied Lisa, »das sieht mir zu bieder aus. Hast du das Sofakissen mit der aufgestickten Katze gesehen?«

»Nicht sofort, mich hat vor allem dieser Gelsenkirchener Barock der Schrankwand, die da rechts ins Bild ragt, überzeugt«, stimmte Jan zu.

»O ja, das ist besonders grauenhaft«, sagte sie, während er bereits tippte: Vielen Dank für Euer nettes Anschreiben, aber wir glauben nicht, dass das passen würde. Wir wünschen Euch trotzdem einen schönen Sonntag. »Okay so?«.

»Sollten wir nicht mit unseren Namen unterschreiben?«, fragte sie.

»Nö, wieso? Wir wollen ja nichts von denen, warum sollen die dann die Namen kennen?«, kam von Jan.

»So gesehen …«

Während sie weiter durch einige der Profile derer surften, die sie angeschrieben hatten, stellten sie fest, dass trotz ihres Hinweises sowohl Likes als auch Anschreiben von Solo-Männern kamen.

»Vermutlich fällt den Herren das Lesen auf dieser Plattform schwerer«, vermutete Lisa, »anders ist so eine Ignoranz kaum zu erklären. Und was das zum Teil für Texte sind. Mal im Ernst, wenn man unser Profil gelesen und angesehen hat, müsste sich schon erschließen, dass mit Hey, ihr seid geil. Habt ihr Bock auf’n Dreier? und dem angehängten Schwanzbild wenig beschicken lässt. Und Rechtschreibung ist nicht jedem gegeben, wie hier bewiesen wird.«

»Was soll ich dazu sagen? Ich werde nicht anfangen, solche Geschlechtsgenossen zu verteidigen. Anscheinend ist dies ein Tummelplatz für Vollidioten und ausschließlich Triebgesteuerte. Andererseits sind ja auch Perlen dabei. Da muss man dann eben den Ausschuss in Kauf nehmen«, analysierte Jan.

Erneut ertönte die Meldung, dass eine Nachricht eingegangen war.

»Oh, sieh mal«, sagte Jan, »die ist von Ralf und Cora.«

Jan öffnete sie: Hallo Lisa und Jan, ihr seid ja noch attraktiver, als ohnehin schon auf den Bildern zu erahnen war. Und klar freuen wir uns, wenn der Film euch erregt hat. Dazu ist er ja da. Beim Drehen waren wir entsprechend geil, wie man sehen kann. Erfahrungen lassen sich sammeln, wir haben ja auch mal angefangen, aber es gibt wenige so gradlinige Profile wie eures, die trotzdem viel aussagen. Also habt ihr Lust? Teilnahmen an Veranstaltungen in Clubs und anderswo zeigen wir auf unserer Seite an. Vielleicht passt ja einer der Termine. Wir würden uns freuen. Cora und Ralf.

»Wir sind wirklich noch Anfänger«, stellte Lisa fest. »Ob man durch die Swingerei die Hemmungen langsam verliert?«

»Ganz bestimmt.« Jan war voller Überzeugung. »Deshalb sollten wir weiter Swingerclubs besuchen. Lass uns mal sehen, wann die beiden wo sind.«

»Gute Idee, aber nicht in den den nächsten zwei Wochen.«

»Ja, weiß ich doch«, sagte Jan, denn sie planten, in der kinderfreien Zeit der Sommerferien mit ihrem VW-Bus eine längere Tour durch verschiedene Regionen zu machen, vor allem, um neue Lieferanten für ihr Ladengeschäft zu finden.

»Dabei fällt mir ein, dass Ben sich bisher nicht gemeldet hat«, stellte Lisa fest.

»Ich schreib ihn mal über Whatsapp an, vielleicht zusätzlich mit dem Hinweis, dass seine Schwester offenbar in der Lage ist, Dinge mit Telefonen zu tun, die ihm nicht gelingen«, sagte Jan.

»Und dann kannst du auch gleich fragen, ob er die Rückfahrt Ende Juli schon klargemacht hat«, ergänzte Lisa und spielte darauf an, dass die beiden Kinder zum Ferienanfang alleine verreist waren. Ben hatte sich für einen Kletterlehrgang im Elbsandsteingebirge entschieden, und Nina wollte zu einer ehemaligen Austauschschülerin aus der Schweiz reisen.

»Mach ich. Und ich schreibe Cora und Ralf noch mal an, dass wir das sehr, sehr gerne live und zusammen erleben möchten. Deshalb würden wir jetzt mal prüfen, wann wir Zeit hätten. Kannst du da mitgehen?«, fragte Jan.

»Ja, da gehe ich mit«, sagte Lisa.

»Übrigens haben die beiden in der nächsten Zeit keine Swingerclub-Dates. Passt ganz gut, wenn wir ohnehin wegfahren«, meinte Jan.

»Richtig, wir sollten aufstehen und packen«, stellte sie fest.

»Auf jeden Fall«, sagte Jan und ergänzte: »Sieh mal, was ich auf der Seite von Ralf und Cora noch entdeckt habe. Sie schreiben anscheinend zusammen Kurzgeschichten.«

»Das ist ziemlich vielseitig, lies doch mal eine vor«, forderte Lisa ihn auf.

»Aber gerne. Boah, ist der groß. Glaubst du, dass der bei mir reinpasst?, fragte Julia ihre Freundin Astrid, als sie in der Ladenpassage neben dem Sexshop standen und sie auf den Fernseher im Elektronikladen zeigte.«

Jan und Lisa lachten laut auf.

»Sie werden mir immer sympathischer. Das macht Lust auf mehr, gerade auch auf beide«, sagte sie.

»Wir sollten öfter mal nachsehen, was sie an neuen kleinen Geschichten haben. Damit lässt sich heiter in den Tag starten«, fand Jan.

»Das ist eine großartige Idee. Literarisch in den Tag mit Ralf und Cora.«

Erklärungen und Ketwurst

Berlin, 5. August 2014

»Slip und BH können wir erst mal bis auf Weiteres wieder weglassen, oder?«, fragte der Chef Beate, die dabei war, einen Wintermantel um die Schaufensterpuppe zu drapieren.

Kurzgeschichte von Ralf und Cora auf Passion and Joy

»Moin Steffi«, sagte Jan, als er kurz vor dem Mittagsansturm das Geschmackszentrum betrat. Obwohl er schon vor dem Mauerfall nach Berlin gezogen war, hatte er den Gruß, der überall in Norddeutschland zu jeder Tageszeit üblich war, nie abgelegt. Das Lebensmittelgeschäft für hochwertige regionale Produkte mit integriertem Imbiss gehörte Lisa und ihm. Sie betrieben es gemeinsam mit ihrer Angestellten Stefanie, genannt Steffi. »Wie geht es dir? Irgendwas Neues in Sachen Partner?«

»Hallo Jan«, antwortete die angesprochene schlanke Frau mit schulterlangen braunen Haaren, »du wirst es nicht glauben, aber ja, da gibt es neuerdings wieder einen Mann.«

»Ach, tatsächlich? Wie ist es denn dazu gekommen?«, fragte Jan ungläubig.

»Du tust ja beinah so, als ob es ein Wunder wäre oder so was«, sagte Steffi ein wenig eingeschnappt in ihrem fränkischen Akzent.

»Na ja, mein Informationsstand ist der Eklat in Herberts Asia Lounge mit dem Typen, der sein Besteck und die Gläser vor dem Essen desinfiziert hat«, erinnerte sich Jan und spielte auf ein Ereignis an, das zwei Monate zurücklag.

»Genau, und Lisa hat mir damals deutlich gemacht, dass ich möglicherweise falsch suche. Und das habe ich jetzt geändert«, sagte Steffi.

»Ach ja, und was hat sie dir geraten? Wo ist sie eigentlich?«, fragte Jan.

»Die ist nur kurz weg, weil sie Thomas Pumpe eine Ladung Bouletten vorbeibringt«, informierte Steffi ihren Chef.

»Seit wann sind wir denn Lieferservice? Das haben wir ja noch nie gemacht«, sagte Jan erstaunt.

»Stimmt, aber seine Baustelle ist um die Ecke. Und da hat sie ihm versprochen, das Catering kurz vorbeizubringen. Sie meinte, er sei einer der wenigen mit Sonderrechten«, erklärte Steffi stellvertretend für Lisa.

»Das ist allerdings richtig«, bestätigte Jan.

»Die hat er aber bisher nicht genutzt, oder ich habe das nicht mitbekommen?«, fragte sie.

»Nein, Thomas würde das nicht von sich aus anfragen, da bin ich sicher, obwohl er in der Vergangenheit eine Menge für uns getan hat. Daher kann ich Lisa schon verstehen«, sagte Jan.

»Davon weiß ich ja gar nichts.«

»Das mag daran liegen, weil du erstens nicht alles wissen musst und es zweitens lange vor deiner Zeit hier war. Da ich aber erahne, dass du uns sowieso löchern wirst, kann ich es dir auch gleich erzählen«, versprach Jan, als die Ladentür aufging und zwei Kunden eintraten. Wie sich zeigte, waren es Mittagsgäste, und sie machten sich an die Arbeit. Kurz nacheinander kamen weitere Gäste, und an Unterhaltung war nicht zu denken. Lisa, die zwischenzeitlich wiedergekommen war, kümmerte sich um die Bistrotische draußen. Erst als gegen halb drei der Mittagsansturm verebbte, verabschiedete sich Steffi.

»Unsere Angestellte hat mir übrigens gesagt, dass du ihr Suchtipps für Männer gegeben hast«, stellte Jan förmlich fest.

»Ja, habe ich. Schließlich sollten wir uns um unsere Mitarbeiterin kümmern. Betriebsklima und so, weißt du?«, gab Lisa schlagfertig zurück. »Wie kommst du darauf?«

»Sie hat mir heute eröffnet, dass sie einen Mann gefunden hat, und das wiederum soll wohl maßgeblich mit Tipps von dir zu tun gehabt haben. Und da wollte ich genauer nachfragen, aber durch den Hochbetrieb bin ich nicht dazu gekommen«, erklärte Jan.

»Ich habe Steffi lediglich darauf hingewiesen, dass ihr Suchschema möglicherweise nicht ganz passend ist. Ich meine, sie ist alleinerziehend mit einem kleinen Kind. Das ist so ungefähr die schlechteste Ausgangsposition, um einen Partner zu finden«, führte Lisa aus.

»Das sehe ich genauso«, nickte Jan zustimmend.

»Und deshalb habe ich ihr angeraten, es vielleicht mal bei alleinerziehenden Männern zu versuchen, denn davon dürfte es hier vermutlich eine Menge geben. Und das hat sie wohl gemacht. Mehr weiß ich auch nicht dazu. Da musst du sie schon selbst fragen.«

In dem Moment öffnete sich die Ladentür, und herein kam ein mittelgroßer Mann mit blondem Stoppelhaarschnitt. Er hatte zwei Servierplatten dabei.

»Ach, der Herr Pumpe, ich habe bereits gehört, dass meine Frau jetzt Lieferservices für Handwerksbetriebe übernimmt«, wurde er von Jan begrüßt.

»Dit stimmt. Und weil sie dit so jekonnt jemacht hat, hab ick sie ooch jleich an meene Kollejen weiterempfohlen«, sagte der Angesprochene mit Berliner Akzent. Dabei grinste er so breit, dass seine Augen sich verengten und das Meerblau der Iris kaum noch erkennbar war. Die Lachfalten ließen sein Gesicht wie das Relief einer Tundra in einer sibirischen Modellbahnlandschaft erscheinen, »Du wirst dich wohl von ihr verabschieden müssen.«

»Nur über meine Leiche«, sagte Jan, »sie bleibt schön hier.«

»Jan, wem wäre genützt, wenn du tot wärst?«, fragte Thomas. »Aber Scherz beiseite. Ich wollte euch die Platten zurückbringen und Lisa noch mal ganz herzlichen Dank sagen. Ich hätte es heute nicht geschafft, die Bouletten abzuholen. Es war total stressig.«

»Habe ich wirklich gerne gemacht. Ist ohnehin eine Idee, über die wir mal nachdenken können, was meinst du Jan?«, fragte sie.

Bevor Jan antworten konnte, sagte Thomas Pumpe: »Und denn könnt ihr auch gleich Pferdewurst liefern.«

»Wie bitte?« Jan war verwirrt.

»Das habe ich Lisa schon mal vor drei oder vier Monaten vorgeschlagen, und sie meinte, dass ich das mit dir besprechen soll«, kam Thomas, dessen weit geöffnetes Hemd ausgeprägte Brustmuskeln und eine üppige blonde Behaarung erkennen ließen, auf eine Unterhaltung im April zurück.

»Du bist aber wirklich hartnäckig«, sagte Lisa und erinnerte sich an den Tag, als er ihr vorschlug, Pferdewurst zu verkaufen. Sie hatte mit Hinweis auf die Klientel im Prenzlauer Berg abgewunken und letztlich ausweichend gesagt, er möge das Jan vortragen.

»Moment, ich komme da gerade nicht mit. Können wir das mal strukturiert zusammenfassen? Es soll einen Lieferservice für Bouletten und einen für Pferdeprodukte geben?«, fragte Jan.

»Nee, ein Service für alles wäre ausreichend«, sagte Thomas.

»Na gut, darüber bin ich ja bereit nachzudenken, aber wo kommt jetzt die Pferdewurst her?«, wollte Jan wissen.

»Na ja, früher war das hier normal, da gab es Pferdeschlachter, und das Fleisch wurde auch gern gekauft«, erklärte Thomas, als Lisa ihn unterbrach.

»Und ich habe ihn lediglich darauf hingewiesen, dass wir hier im Prenzlauer Berg sind, wo vermutlich jedes Mädchen reitet. Daher müssten wir mit folgenden Konsequenzen rechnen: die Ächtung und damit einhergehend die Pleite des Ehepaars Lorenzen. Und sicher würde Nina kein Wort mehr mit uns reden und ausziehen«, fasste Lisa ihre Bedenken zusammen.

»Tja, mein lieber Thomas, und da hat sie absolut recht. Ich persönlich kann mir das zwar vorstellen, weil es das bei uns früher auch mal gab. Das war ja in Westdeutschland mit dem Rheinischen Sauerbraten nun so ungewöhnlich nicht, aber hier darfst du das getrost vergessen. Ich forciere doch vorsätzlich keine Pleite«, beschied Jan den Vorschlag abschlägig.

»Sehr schade, ich habe nämlich sogar schon einen Werbeslogan für euch. Wollt ihr mal hören?«

»Und was ist, wenn ich Nein sage?«, gab Lisa zurück.

»Ich erzähl ihn trotzdem«, verkündete er seinen Einfall, »und zwar – tata! Gestern geritten, heute geschnitten.«

Sie und Jan stutzten einen Moment und brachen dann in Gelächter aus.

»Pumpe, du bist ja noch wahnsinniger, als ich bisher angenommen hatte«, meinte Jan hin- und hergerissen zwischen Abneigung und Faszination.

»Hammer, oder?«, sagte Thomas vollkommen begeistert. »Das ist doch eingängig. Und ich habe übrigens auch schon weitergedacht.«

»Also, lass hören.« Jan wirkte leicht resigniert.

»Ihr wisst, dass das jetzt mit diese Foodtrucks immer mehr wird«, begann er mit seinem Businessplan, vorgetragen im zerkauten Berliner Akzent.

»Ja, das ist uns nicht entgangen«, stellte Lisa fest, »und auch die Streetfood-Festivals haben wir zur Kenntnis genommen.«

»Genau, nur ihr macht keinen Foodtruck, sondern einen Anhänger mit Küche und allem, was man so braucht drinnen«, sagte Thomas und kam in Fahrt. »Aber jetzt kommt der absolute Kracher. Das ist ein umgebauter Pferdeanhänger. Na, ist das ’ne gute Idee oder ist das ’ne gute Idee?«

Erneut konnten Lisa und Jan sich das Lachen nicht verkneifen.

»Und außen steht drauf, am besten so in Fünfziger-Jahre-Schrift und schräg: Gestern geritten, heute geschnitten, richtig? Vielleicht sollten wir dazu noch Bilder malen lassen von Pferden auf Weiden und kleinen Mädchen und Jungs mit Pausbacken, die darauf reiten«, schlug Jan vor, und er und Lisa brachen wieder in Lachen aus.

»Gar nicht schlecht, gar nicht schlecht«, stimmte Thomas Pumpe zu, »das hört sich doch nach einem Superplan an.«

»Ja, mag sein, wenn man das in einem Land macht, wo das Essen von Pferden heute noch zur Kultur gehört, dann würde ich der ganzen Sache sogar eine Chance geben, vielleicht nicht gerade mit den Bildern. Hier allerdings ist das die beste Möglichkeit, sich als Marktteilnehmer zu verabschieden«, erteilte Jan ihm die finale Absage. »Da du nun so viel Mühe aufgewandt hast, lade ich dich auf einen Kaffee ein, okay?«

»Den nehme ich gerne. Ich finde es ja nur schade, dass dadurch wieder ein Stück Osten weg ist«, sagte Thomas bedauernd.

»Ja, da stimme ich dir als Wendeteilnehmer der ersten Stunde zu, aber mal im Ernst, du bist ja nun nicht auf deine alten selbstständigen Tage zum Ostalgiker geworden, oder?«, fragte Jan, während er an der Kaffeemaschine zugange war.

»Nee, nee, ich gehör nun nicht zu denen, die der DDR Krokodilstränen nachweinen. Dazu haben wir wirklich zu viel Ärger mit unserem Betrieb zu Ostzeiten gehabt. Ist eben nur traurig, dass solche Sachen verschwinden«, sagte Thomas.

»Ich finde es auch schade, aber andererseits kommen ja einige wieder, wie zum Beispiel Ketwurst«, gab Jan zu bedenken.

»Ketwurst?«, fragte Lisa, »kenne ich gar nicht.«

»Die Ostantwort auf den Hotdog«, sagte Thomas, »kannste hier in der Nähe kaufen. Da ist ein Schlachter an der Greifswalder, der verkauft die seit ein paar Jahren wieder.«

»Und was ist das genau?«, fragte Lisa.

»Da wird eine Bockwurst in ein Brötchen gesteckt, das vorher von innen mit einem Heizstab erwärmt wurde. Entweder wird dann die Wurst in Ketchup gewendet und ins Brötchen reingesteckt oder man tunkt das Brot mit der Wurst in Ketchup oder beides. Kann man das so ungefähr sagen, Thomas?«, fragte Jan.

»Ich hätte es nicht präziser erklären können. Aber unter uns gesagt, mir schmeckt ein richtiger Hotdog besser, Osten hin oder her«, antwortete Pumpe und fügte hinzu: »Das ist doch das Gleiche mit Grilletta. Den Westen kopiert, aber eben nicht erreicht. Überholen, ohne einzuholen«, ergänzte er mit leichter Häme eine der hohlen Phrasen aus dem real existierenden Sozialismus der DDR.

»Ich lebe jetzt seit 1998 hier im Osten Berlins und kenne weder Ketwurst noch Grilletta. Warum hast du mir das vorenthalten?«, fragte Lisa ihren Mann gespielt entrüstet.

»Ich habe bis heute gar nicht dran gedacht, muss ich gestehen, weil ich es genauso sehe wie Thomas. Beides ist nun nicht so wahnsinnig lecker, geschweige denn kulinarisch anspruchsvoll. Da gibt es wirklich Besseres aus dem Osten, zum Beispiel Würzfleisch oder eine gut gemachte Soljanka«, meinte Jan und Thomas nickte bestätigend.

»Ja, das kenne ich, und manchmal finde ich das auch ganz gut, vor allem in Landgasthöfen«, stimmte Lisa zu.

»Ich mach dir einen Vorschlag: Wenn wir montags unterwegs sind, dann radeln wir mal in die Greifswalder und holen eine Ketwurst und danach zum Alex zum zweiten Gang, Grilletta. Ist doch richtig, dass es da einen Imbiss gibt, der die hat, oder, Thomas?«, fragte Jan.

»Ja, das stimmt. Deren Würzfleisch und Soljanka sind wirklich gut, bei der Grilletta haben sie allerdings schon darauf geachtet, das so hinzukriegen wie damals im Osten. Probieren sollte man es, aber einmal reicht«, bestätigte er.

Die Ladentür öffnete sich, und es kamen zwei Kundinnen herein, denen sich Lisa und Jan zuwandten. Thomas Pumpe verabschiedete sich.

Gegen fünf verließ sie den Laden, um für die Kinder ansprechbar zu sein. Jan blieb bis Ladenschluss um acht Uhr abends. Manchmal änderten sie in letzter Zeit die Schichten, da Ben und Nina mittlerweile keine Betreuung mehr benötigten.

»Guten Tag, Jan«, sagte eine großgewachsene, schlanke, rothaarige Mittvierzigerin leise in einer überraschend tiefen Altstimme, als sie das Geschmackszentrum eine knappe Stunde vor Feierabend betrat.

»Hallo Annabell, wie geht es dir. Warum so förmlich? Ich habe dich ja nun bestimmt schon zwei Monate nicht gesehen. Warst du verreist?«, erkundigte Jan sich.

»Willst du mich auf den Arm nehmen?«, fragte die Angesprochene und wich seinem Blick aus.

»Nein, wieso sollte ich?«

»Mach es mir bitte nicht so schwer. Hat ohnehin schon viel Überwindung gekostet, wieder herzukommen«, sagte sie verlegen.

»Ach, du meinst wegen dem, was im Club passiert ist?« Jan spielte auf ein sehr explizites Erlebnis auf einer Spielwiese in dem Swingerclub an, den er und Lisa sich für ihren ersten Besuch ausgesucht hatten.

»Na ja, was denn sonst?«, sagte sie leicht eingeschnappt.

»Also Annabell, was immer dort passiert ist, ist dort passiert, und wenn es nach mir und Lisa geht, bleibt es auch dort. Daher gibt es keinen Grund, sich zu schämen. Und solltest du wegen Götz und Barbara besorgt sein oder ein schlechtes Gewissen haben, dann ist das deine Sache, aber das hat mit uns nichts zu tun. Abgesehen davon ist mein Verhältnis zu Frau Schwartz ohnehin relativ abgekühlt«, teilte Jan gereizt mit.

»Ich wollte es trotzdem erklären, damit es nicht unausgesprochen zwischen uns steht. Immerhin hat es sich um eine sehr intime und ziemlich peinliche Situation gehandelt«, sagte sie und blickte Jan aus ihren grünen Augen direkt an.

»Nun, da du schon dabei bist und wir hier alleine sind im Laden, kannst du mir dein Herz auch ausschütten«, ermunterte er sie.

»Also gut, wie fange ich am besten an?«, fragte sie zögernd.

»Nimm doch einfach eine Stelle, die dir gerade einfällt, und wir können das ja als Patchwork zusammenbauen«, motivierte Jan sie.

»Okay, also … du erinnerst dich vielleicht, als ich dir von Götz erzählt habe«, begann sie.

»Ja, das war auch an einem Abend vor zwei Monaten oder so. Ich weiß noch, dass es unter anderem darum ging, dass er normalerweise keinen Ehering trägt«, sagte Jan.

»Ganz genau. Unsere Affäre hat angefangen, als er meinen Schmuckladen umgebaut und gestaltet hat. Ich muss im Nachhinein sagen, dass diese Beziehung sich eher auf wenige Stunden und ab und zu mal eine Nacht bei mir beschränkt hat. Er hat nie was davon gesagt, dass er verheiratet ist und ich, das gebe ich ja auch ehrlich zu, habe es gar nicht wissen wollen. Aber an dem Abend hast du mir ja klar gemacht, wie die Situation wirklich ist, und dann gab es die Begegnung mit seiner Frau, von der ich bis dato nichts wusste«, erinnerte sich Annabell. Damals war sie im Geschmackszentrum einkaufen gewesen, und kurz vor Ladenschluss war die Ehefrau von Götz Schwartz, Barbara, hereingestürmt, um noch schnell was zu kaufen. Sie hatte von Jan erfahren, wer das war.

»Jedenfalls habe ich ihn am nächsten Tag zur Rede gestellt und war entschlossen, es zu beenden. Aber du hast ja gesehen, dass es anders gekommen ist. Er hat mich eingelullt. Seine Frau sei frigide, und er würde ihre ganze Geltungssucht nicht mehr ertragen und überhaupt sei die Tochter ja nun auch in einem Alter, in dem sie eine einvernehmliche Trennung aushalten könne. Und na klar, beide seien natürlich finanziell großzügig abgesichert. Du kennst ihn ja, er kann überzeugend wirken«, sagte Annabell.

»Allerdings. Das ist sicher einer der Gründe für seinen Erfolg. Bestimmt nicht nur die begnadeten Fähigkeiten als Architekt«, meinte Jan säuerlich.

»Und dann hat er vorgeschlagen, dass wir doch einen Swingerclub besuchen könnten. Ich war noch nie in einem, aber er anscheinend schon mehrfach. Und was er erzählt hat, hat mich neugierig gemacht. Als ich ihn gefragt habe, ob er die vorigen Male mit seiner Frau da gewesen wäre, hat er gesagt, die würde nichts davon wissen. Und da ja die Trennung anstünde, sei das ja auch nun nicht mehr wichtig«, sagte Annabell.

»Hast du ihn denn mal gefragt, mit wem er schon Swingerclubs besucht hat?«, fragte Jan.

»Klar. Er hat behauptet, er sei manchmal allein auf Geschäftsreisen da gewesen, aber noch nie zusammen mit einer Frau«, vertraute sie ihm an.

»Tja, mag sein oder auch nicht«, sinnierte Jan.

»Ach weißt du, ich wollte das ja glauben, so habe ich es gar nicht weiter hinterfragt«.

»Wusstest du übrigens, dass er an dem Pfingstwochenende vorhatte, gemeinsam mit Barbara und Tochter auf den Darß in ihr Ferienhaus zu fahren?«, fragte Jan.

»Nein, und er hat es mir auch anders erzählt. Er hätte seiner Frau gesagt, dass er am Samstag noch einen wichtigen Abendtermin habe und daher erst später an die Ostsee kommen könne«, sagte sie. »Und woher weißt du das?«

»Emily, die Tochter der Schwartzens, und Nina, unsere Tochter, sind befreundet. Manchmal nehmen sie sie mit auf den Darß, so auch an dem Freitag vor Pfingsten«, informierte Jan Annabell. »Da war die Überraschung natürlich ziemlich groß auf der Spielwiese, wie du dir denken kannst.«

»Erinner mich bloß nicht daran. Ich wäre vor Scham am liebsten im Boden versunken«, flüsterte sie mit niedergeschlagenen Augen. »Dass ihr uns ausgelacht habt, hat es nicht gerade besser gemacht. Und das vor allen Leuten.«

»Also da muss ich aber mal widersprechen, wir haben weder über dich noch Götz gelacht, sondern es war eher die völlige Absurdität der Situation. Und dann kommt ja auch die Vorgeschichte dazu«, stellte Jan richtig.

»Welche denn?«, fragte Annabell.

»Kurz vor unserem Besuch hat Barbara Schwartz mich verdächtigt, mit dir eine Affäre zu haben, und sie hat Lisa damit total getroffen«, teilte Jan mit.

»Wie bitte?« Sie war entrüstet.

»Sie hat uns anscheinend an dem Abend beobachtet, nachdem ich den Laden abgeschlossen hatte, und gesehen, wie wir uns zum Abschied umarmt haben. Und daraus hat sie gleich am nächsten Tag diese Verdächtigungen konstruiert, weswegen mein Verhältnis zu ihr sich seitdem noch stärker abgekühlt hat, falls das möglich ist«, sagte Jan.

»Also das ist ja die Höhe«, echauffierte Annabell sich.

»Lisa und ich konnten das schnell aus der Welt schaffen, aber du wirst dir vorstellen können, dass ein gewisses Maß an Genugtuung bei uns mitschwang, als wir im Club sahen, dass wohl Barbara die Betrogene ist. Daher handelte es sich eher um ein befreites Lachen, leider zu deinen Lasten, das gebe ich zu.«

»Ja, das war schon verletzend und der weitere Abend war ein Albtraum. Götz wollte doch tatsächlich danach bleiben, und ich wusste vor Scham nicht wohin. Ich hatte den Eindruck, dass alle gesehen hatten, was passiert war. Ich musste einfach weg. Und da hat er mir gesagt, wenn ich jetzt gehen würde, müsste er auch den Club verlassen, weil einzelne Männer am Paareabend nicht zugelassen seien, und das wolle er nicht. Ich könne mich ja an die Bar setzen und warten, und später könnten wir dann gemeinsam zurückfahren. Ich machte ihm aber sehr deutlich, dass mir das ziemlich egal sei und dass mir seine Egozentrik und sein Narzissmus auf die Nerven gehen würden, und bin gegangen. Ich habe ein Taxi nach Hause genommen und seitdem weder was gehört noch gesehen von ihm. Und ich bin auch nicht traurig drum«, sagte sie, wobei ihr Gesichtsausdruck etwas anderes andeutete.

»Ja, der Götz ist nicht der netteste Mensch auf dieser Welt«, murmelte Jan in sich hinein. »Komm, du bekommst jetzt erst mal einen Schnaps, was hältst du davon?«

»Ach, warum nicht. Ich hatte zwar vor, dir das zu sagen und dann zu gehen, weiß aber auch nicht mehr so genau, weshalb«, sagte Annabell, während Jan zwei Grappagläser füllte.

»Williams-Christ-Birne aus Werder.« Er reichte ihr ein Glas und stieß mit ihr an. »Wohl bekomms.«

»Danke Jan.« Beide tranken etwa jeweils die Hälfte des Inhalts. »Weißt du, eigentlich bin ich sexuell gar nicht sehr erfahren, deshalb war ich ja so gespannt auf den Abend. Ich hatte mir natürlich vorher schon Berichte darüber angesehen oder gelesen, aber die reichen überhaupt nicht an die Realität heran.«

»Ja, das kann ich bestätigen. Das ging uns auch so.«

»Ach so, ich dachte, ihr seid da routinierter, es sah jedenfalls für mich so aus.« Annabell war erstaunt.

»Nein, nein, nein, das war unser erstes Mal, aber wir haben ziemlich schnell alle Hemmungen verloren. Das lag bestimmt auch an dem Paar, mit dem wir zuerst auf der Spielwiese waren. Da wart ihr noch gar nicht da, soweit ich mich erinnere.«

»Nein, wir sind erst gegen halb zehn gekommen, weil Götz meinte, vorher sei meistens gar nicht richtig was los.«

»Das kann ich so nicht bestätigen«, antwortete Jan mit einem vielsagenden Lächeln und trank den Rest aus seinem Glas. Sie tat es ihm gleich.

»Noch einen?«

»Ja, gerne«.

Jan schenkte nach. »Was wirst du jetzt machen?«, fragte er und prostete ihr zu, was sie mit einer Geste erwiderte. Sie leerten ihre Gläser in einem Zug.

»Meinst du in Bezug auf Götz oder auf Swingen?«

»Eigentlich beides«, sagte Jan.

»Also der ist für mich erledigt. Nach diesem Abend gehe ich auch davon aus, dass er seine Geschichten ständig irgendwelchen Frauen erzählt, die ihm gerade über den Weg laufen und die er ins Bett bekommen will. Ich bin auf ihn reingefallen, ja, das muss ich wohl einsehen, ich werde mir das eine Lehre sein lassen«, sagte sie resolut. »Swingen würde ich schon gerne noch mal probieren, aber sicher nicht in dem Club. Ich möchte mir diese Szene trotzdem genauer ansehen. Da gibt es ja bestimmt viel mehr zu erleben als so einen Reinfall, und es ist erregend.

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