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Geschichten, die man nicht erfinden kann.

01. Vorwort – oder: Wie es kam, dass es so weit mit mir gekommen ist

02. Flugversuche nach Thailand

03. Über die Eier im unteren Bereich

04. Wie viele Tage hat eine Woche?

05. Nur eine halbe Stunde

06. Mal ehrlich: Kennen Sie die Nummer Ihres Reisepasses?

07. Ein Halleluja auf die Massagesalons

08. Mein erstes Beben

09. Die deutsche Sprache–Teil 1: Eine Meise auf Reise

10. Die deutsche Sprache–Teil 2: Ich sehe was, was Du nicht siehst!

11. Die deutsche Sprache–Teil 3: Wo ist Beutel für Kotzen?

12. Himmel oder Hölle?

13. Vorschläge für das Weihnachtsfernsehprogramm im Jahr 20xx

14. Jahreswende in Thailand

15. Ein Weihnachtsgebet

16. Ich, ich, ich! – Immer nur ich!

17. Schnecken und Schwalben

18. HIV–Test im Sonderangebot

19. Katzenjammer

20. Der Aufschrei

21. Dahaam is Dahaam

22. (Armer) Mike und Co

23. Ping! Peng! Prima!

24. Wie viel zum Teufel ist 1 oz?

25. Adam und Eva

26. Toast für Marie

27. Benjamin, oh Benjamin

28. Joker

29. Money Money Money: 1. Einführung

30. Money Money Money: 2. Der Kurzsichtige

31. Money Money Money: 3. Die Kurzsichtige

32. Money Money Money: 4. Die zwei Profis

33. Eine Frage an die Maus

34. Schoßkinder

35. Wickelkinder

36. Waisenkinder

37. Immer schön blasen

38. Der Laufpass

39. Ei lei lei

40. Schreie der Glückseligkeit

41.„Up to you!“ – „Wie du willst!“

42. Denn es war Sommer

43. Ich mach’s wie Jesus

44. Die fast verschwundene Kegelbahn

45. Jaaberer und Jaaberinnen

46. Tipps von Mann zu Mann

47. Zack und Wumm

48. Bubi

49. Bitte gehen Sie nicht weg

50. Fürchte Dich nicht

51. Das China-Syndrom

52. Auf der Flucht

53. Außergewöhnliche Belastungen

54. Haben Sie schon einmal an Selbstmord gedacht?

55. Miteinander – Nebeneinander – Aufeinander

56. Gedanken zum Vatertag

57. Gedanken zum Muttertag

58. Man(n) kauft ein

59. Chefsache

60. Brutto, Netto, Tara

61. Der vielleicht erschlagene Bürgermeister

62. Der Führerschein

63. Andere Länder – andere Sitten

64. Nachwort – oder: Jetzt reicht’s

01. Vorwort – oder: Wie es kam, dass es so weit mit mir gekommen ist

Als ich anfing, die ersten Berichte über meinen neuen Lebensabschnitt als „Rentner in Thailand“ zu schreiben habe ich nur daran gedacht, meinen Kindern, Verwandten und Freunden sowie ehemaligen Arbeitskolleginnen und -kollegen ein paar Informationen über mein neues Leben in Thailand zukommen zu lassen. Aus diesen Informationen wurden im Laufe der Zeit über 100 Geschichten. Und was daraus wurde, halten Sie nun in den Händen. Zumindest teilweise.

In erster Linie soll dieses Buch Ihrer Unterhaltung dienen. In zweiter Linie meine Rente aufbessern. Damit wäre jedem geholfen.

Vieles habe ich selbst erlebt. Manches wurde mir direkt von Betroffenen, einige Geschichten von Dritten weitererzählt. Es versteht sich somit von selbst, dass eine „stille Post“ da zwangsweise mit inbegriffen ist. Zum Glück gebührenfrei.

Den eventuellen Vorwurf, ich – oder das Buch – wäre frauenfeindlich, lasse ich nicht gelten. Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe nur deswegen über meine Erlebnisse mit Frauen geschrieben, weil ich mit Männern keine hatte. Und keine wollte.

Sollte mich später jemand fragen, ob diese oder jene Geschichte wahr oder erfunden ist, werde ich je nach Sachlage nach bestem Wissen und Gewissen antworten. Kurz, ich werde lügen, was das Zeug hält.

Geschrieben habe ich diese in den Jahren 2012 bis 2014 in Chiang Mai. Während dieses Zeitraums schwankte der Umrechnungskurs vom Baht zum Euro erheblich. Die im Buch angegebenen Preise beziehen sich auf einen Durchschnittskurs von 1(Euro):40(Baht). Aktuell, April 2015, liegt er nur noch bei 1(Euro):34(Baht).

Da heißt es sparen, sparen, sparen. Oder ein Buch schreiben und verkaufen.

Sollten Sie manchmal Zweifel über die Ernsthaftigkeit meiner Geschichten bekommen, dann halten Sie sich stets vor Augen, was mir mein Volksschullehrer einst in eines meiner Zeugnisse schrieb: „Er neigt zum Klassenclown!“

In diesem Sinne wünsche ich mir viele Leser (= Käufer) und diesen viel Spaß beim Lesen von Geschichten, die man nicht erfinden kann!

Oder etwa doch?

Siggi Naumann

Autor

02. Flugversuche nach Thailand

Das erste Mal nach Thailand kam ich im Sommer 1980. Von meinem damaligen Arbeitgeber freigestellt, arbeitete ich in der Deutschen Botschaft in Bangkok 3 1/2 Monate für den Suchdienst einer humanitären Organisation. Hintergrund waren die immer noch sehr vielen Flüchtlinge aus Vietnam, Laos und Kambodscha in Folge des Vietnamkrieges.

*

Nach ehelicher Trennung (2002) und anschließender erfolgreicher Scheidung verbrachte ich einige Urlaube an der Nordküste von Mombasa in Kenia. So interessant und schön Kenia auch ist, das Leben dort kam mir vor wie in einem Gefängnis. Und irgendwann begann ich am kenianischen Strand, mit den Füßen im Indischen Ozean, wieder von Thailand zu träumen.

Und dann war es soweit. Zusammen mit drei Bekannten plante ich für Dezember 2008 einen 15-tägigen Urlaub nach Pattaya, Thailand. Wir buchten und bezahlten und warteten auf den Abflugtag.

*

Normalerweise ist es mir egal, wie sich Leute anziehen und wohin sie laufen. Und wenn sie sich gelbe oder rote T-Shirts anziehen und glauben, sie müssen sich gegenseitig die Hucke vollhauen: Von mir aus! Wenn dann aber eine dieser Gruppe hergeht und meinen (!!!) Flughafen in Bangkok besetzt, hört bei mir die Gleichgültigkeit auf. Kurz: Die Reise wurde wegen einer politischen Revolte in Bangkok bzw. wegen Besetzung des Flughafens vom Veranstalter storniert und wir flogen nach… na, wohin? Nach Kenia! Das Resultat dieser Keniareise: Einer von meinen drei Mitreisenden hatte bei diesem Urlaub eine hübsche Kenianerin kennen und lieben gelernt, sie nach Deutschland gebracht und geheiratet und haben mittlerweile eine gemeinsame Tochter namens Ruby.

*

2009 gelang mir endlich die lang ersehnte zweite Landung in Thailand und ich verbrachte drei herrliche Wochen in Pattaya. Doch bereits im Frühjahr 2010 gingen die Probleme schon wieder los. Ich hatte für 17 Tage gebucht und was passierte? Alle Flughäfen in Nord- und Mitteleuropa wurden geschlossen, weil sich ein isländischer Vulkan mit dem Namen Eyjafjallajökull entschlossen hat, auch mal zu spucken. Die Krönung meiner „Reise“ war jedoch, dass ich mit meinem Schwager mit meinem Auto bereits auf dem Weg zum Bahnhof war, als mich das Reisebüro über Handy informierte, dass der Flug storniert wurde. Enttäuscht habe ich meinen Schwager wieder nach Hause gefahren und fuhr dann in Richtung Arbeitsplatz. Nach drei Kilometern, fast an der gleichen Stelle wie vorher, klingelte wieder das Handy. Mein Reisebüro teilte mir mit, dass der Flug nun doch stattfindet und ich soll mich umgehend zum Frankfurter Flughafen begeben. Leicht gestresst, aber mit Vorfreude fuhr ich also wieder zurück zum Schwager und mit ihm dann wieder Richtung Bahnhof. Der geplante Zug war jedoch schon abgefahren. Logisch. Um den Flug nicht zu verpassen, entschloss ich mich, nicht auf den nächsten Bummelzug zu warten, sondern ich fuhr circa 80 km weiter zum Bahnhof nach Würzburg. Dort übergab ich meinem Schwager mein Auto und eilte mit meinem Gepäck auf den Bahnsteig und wartete auf den ICE. Dieser hatte 40 Minuten Verspätung.

Als er eintraf, war dieser nicht nur einfach voll. Nein, er war gerammelt voll. Weil zwangsweise viele Fluggäste wegen dem Eyjafjallajökull auf die Bahn umgestiegen sind. Logisch. Am Flughafen angekommen, sah ich hinter den Schaltern der Thai-Fluggesellschaft nur zwei einsame Damen gelangweilt herumsitzen. Keine weiteren Fluggäste waren zu sehen. Mir schwante nichts Gutes. Als ich denen sagte, dass mein Reisebüro mich hergeschickt hat, weil der Flug nach Bangkok stattfinden soll, haben die mich angeschaut als hätte ich gesagt, ich habe Flügel, fliege selbst und brauche nur noch eine Startgenehmigung.

Was soll ich noch lange herumschreiben. Ich habe mir bei TUI ein neues Bahnticket geholt und bin wieder nach Hause gefahren. Am Abend saß ich wieder in der „Ranch“, meinem Stammbiergarten, wo alle Bekannten einschließlich der Wirtin mich nach meinem eintägigen Thailandurlaub auf das Herzlichste willkommen hießen.

Ende April 2012 endete meine aktive Arbeitszeit der Altersteilzeit. Bereits zuvor hatte ich alles gekündigt, was zu kündigen war, alles verkauft, was zu verkaufen war, und alles verschenkt, was zu verschenken war. Der Rest landete auf dem Wertstoffhof.

Am 21. Mai 2012 verließ ich im zarten Alter von 61 Jahren und 8 Monaten Deutschland. Nicht unbedingt mittellos. Aber ohne jegliche materielle Hinterlassenschaften wie Haus oder Wohnung. Ich hatte nicht einmal mehr ein Bett.

Somit kam ich als ein wirklich freier Mensch völlig unbelastet in Thailand an. Und stelle fest: Ich bin ein Exot.

Ich weiß, das klingt fast so als hätte ich geschrieben: Ich bin ein Idiot.

Vielleicht ist die Ähnlichkeit dieser beiden Worte beabsichtigt gewesen? Wer weiß das schon?

03. Über die Eier im unteren Bereich

Bei einer Reise durch Nordthailand besuchte ich unter anderem das Goldene Dreieck und Thailands zweitgrößte Stadt, Chiang Mai.

Bei dieser Rundreise hielten wir auch bei den „Hot Springs“, eine von vielen heißen Naturquellen in dieser Gegend. Im oberen Bereich der Quelle wurden extra Sitzgelegenheiten in Form von kleinen Mauern angefertigt, die den ganzen Bachlauf umsäumen. Man zieht die Schuhe aus, krempelt die Hosenbeine hoch, setzt sich auf die Mauer und stellt die Füße ins Wasser. Und wirklich. Es hilft! Nach wenigen Minuten war mein Muskelkater weg.

Weiter unten hat man kleine Brunnen gebaut. Dort ist das Wasser so heiß, dass die thailändischen Frauen in diesen Brunnen Eier kochen können, die sie dann den Touristen anbieten.

Ob das Reinhalten der Füße in das heiße Wasser im oberen Bereich irgendeinen Einfluss auf die Eier im unteren Bereich hat, entzieht sich meiner Kenntnis…

04. Wie viele Tage hat eine Woche?

Kürzlich war ich in Chiang Mai in einem der vielen Buchläden und hab mir ein paar Bücher geholt. Auf dem Heimweg überraschte mich ein unaufschiebbarer Durst. Zum Glück kam ich gleich an einer der vielen offenen Bars vorbei.

Für die Unwissenden: Man stelle sich eine große Autogarage vor. Darin ein Tresen mit Barhockern, ferner ein paar kleine Tische mit Bänken oder Stühlen. Und natürlich mehr oder weniger hübsche Thaimädchen, die darauf warten, dass Kunden kommen, die ihnen einen Drink spendieren und mit dem sie sich unterhalten können.

Die meisten dieser Mädchen und Frauen kommen aus dem Osten. Nein, nicht aus Sachsen, sondern aus dem „Isaan“. Quasi aus der Armenregion von Thailand. Oft haben die Menschen dort nur die minimalste Schulbildung, wenn überhaupt.

Eine dieser „Mädels“ (31 Jahre alt) hat mich gefragt, wie lange ich schon in Chiang Mai bin. Ich sagte: „Eine Woche.“

Daraufhin fragte sie ihre Kollegin: „Wie viele Tage hat so eine Woche? Ich habe es vergessen…“

05. Nur eine halbe Stunde

An einem Freitag im August, so gegen 18 Uhr, lag ich auf meinem Bett und schaute Nachrichten. Plötzlich gab es irgendwo draußen eine heftige Explosion und der Fernseher zeigte nur noch ein schwarzes Bild.

Aus Neugierde bin ich von meinem 6. Stock in den 8. Stock hochgelaufen. Dort befindet sich unter anderem auch der Swimmingpool und man kann in alle vier Himmelsrichtungen sehen. Die Ursache der Explosion war leicht auszumachen. Der hauseigene Trafo neben dem Hotelgebäude hat – zuerst mit einer riesigen Stichflamme, dann mit einem kräftigen „Wumm“ – seinen Geist aufgegeben.

Wieder zurück im Zimmer habe ich feststellen müssen, dass überhaupt nichts mehr ging. Kein Internet, kein Licht, keine Klimaanlage, kein Kühlschrank.

Der Hunger trieb mich später runter auf die Straße. Sechs Stockwerke runterlaufen heißt: 12 × 8 = 96 Stufen. Ich war sicher, dass der Aufzug später wieder funktionieren würde. Denn unten angekommen, sagte mir der Eigentümer des Hotels, der sich den Schaden gerade ansah: „Solly Solly! But only half hour, then okay!“

Für die sprachlich Unwissenden: „Sorry Sorry! Tut mir leid! Aber dauert nur eine halbe Stunde, dann wieder in Ordnung.“

Das alles war am Freitagabend. Und nix war es mit „dauert nur eine halbe Stunde“. Alle, die ihre Wohnung verlassen hatten, mussten in dieser Nacht und auch noch am nächsten Tag über die Treppen wieder zurück.

Nach 21 Stunden war die vom Hotelbesitzer angekündigte „halbe Stunde“ am Samstagnachmittag um 15:00 Uhr vorbei.

06. Mal ehrlich: Kennen Sie die Nummer Ihres Reisepasses?

Dieses Kapitel weicht von allen anderen deswegen ab, weil es seriös ist. Es ist auch keine Geschichte, sondern ein Tipp von mir für alle Reisenden, den ich aus aktuellem Anlass weitergebe. Denn mir wurden in einer Bar in Pattaya meine Geldbörse samt Personalausweis und Kreditkarten geklaut. Und dass ich schnell und ohne weiteren größeren Schaden aus dieser Sache wieder herauskam, hatte ich einem bestimmten Umstand zu verdanken. Und dieser Umstand heißt: USB–Stick.

Jeder, der schon mal ins Ausland verreist ist, hat sich irgendwann einmal die Frage gestellt: Was mache ich, wenn mein Reisepass verloren geht? Oder mein Geldbeutel mit Personalausweis, EC-Karte, Führerschein? Nichts ist ärgerlicher und schwieriger, als sich bei einem Verlust im Ausland Ersatzdokumente besorgen zu müssen. Man muss ja nicht nur bei der örtlichen Polizei, sondern auch bei den Konsulaten und Botschaften erst einmal nachweisen, wer man selbst ist! Das kann Tage dauern.

Daher ein Tipp, der die Beschaffung von Ersatzdokumenten um vieles erleichtert: Ich habe mir alle lebens- und überlebenswichtige Unterlagen wie Reisepass, Impfpass, Führerscheine, Kreditkarten, Visaunterlagen, Flugticket, Personalausweis, Rezepte meines deutschen Hausarztes über Medikamente, die ich täglich benötige, Krankenversicherungspolice, Telefonnummern und so weiter. eingescannt. Alle diese Daten habe ich sowohl auf dem PC als auch auf zwei USB-Sticks abgespeichert. Den einen trage ich im Ausland immer bei mir, der andere ist im Safe oder sonst irgendwo hinterlegt. Somit kann ich mich jederzeit zumindest digital ausweisen und muss nicht alles mit mir herumtragen.

Bei einem Unfall kann ich jederzeit diesen USB-Stick dem Krankenhauspersonal geben und die können sich anhand der gespeicherten medizinischen Daten einen Überblick über meinen bisherigen Gesundheitszustand verschaffen und mit meinen Versicherungen Kontakt aufnehmen.

Der USB-Stick erleichtert es mir, wenn ich mein Flugticket verlieren sollte oder es durch Diebstahl abhandenkommt. Bei Verlust des Reisepasses kann ich ebenfalls leicht meine Identität bei einem Konsulat oder einer Botschaft nachweisen. Oder haben Sie die Nummer Ihres Reisepasses im Kopf?

Und: Wer klaut schon einen USB-Stick?

07. Ein Halleluja auf die Massagesalons

Mindestens alle 14 Tage gehe ich zu einer Massage, einer Ölmassage mit Sonderbehandlung. In „Fachkreisen“ auch „Massage mit Happy End“ genannt.

Dazu muss man wissen, dass es in Thailand die verschiedensten Massagen gibt. Thai- und Ölmassagen, Ganzkörper- und Gesichtsmassagen, Handmassagen, Kräuter-und Fußreflexmassagen und so weiter. Aber wen interessiert das schon, nicht wahr? Ich schreibe heute von den „ihr wisst schon was ich meine“-Massagen.

Doch bevor sämtliche deutsche Physiotherapeutinnen oder Masseurinnen nach dem Lesen dieses Kapitels planen, mir in Thailand einen Besuch abzustatten, (der für mich sehr unfreundlich enden würde), hier die notwendige Klarstellung: Eine „Masseurin“ ist die weibliche Bezeichnung von „Masseur“. Eine „Masseuse“ hat mit einer Masseurin nichts gemein. Und diese Massagen gibt es auch nicht auf Rezept. Leider.

Die Salons: Diese findet man bereits in jeder thailändischen Kleinstadt. Die Masseusen sitzen oft vor den Salons und animieren die vorbeilaufende männliche und weibliche Kundschaft zum Eintreten. Die weibliche Kundschaft wird hier völlig normal behandelt. Wenn aber ein Mann näher tritt und ganz leise sagt, er möchte eine Ölmassage, wissen die Damen sofort Bescheid. Eine der Damen, die den Kunden sympathisch findet, (oder ganz dringend Geld braucht), nimmt diesen sofort an die Hand und spaziert mit ihm in die Innenräume, oft auch in das obere Stockwerk.

Die Räumlichkeiten: Je nach Größe des Raumes stehen darin 4 bis 12 Massageliegen. Manchmal alle auf einer Seite, manchmal je zur Hälfte auf zwei Seiten. Oft sind es jedoch keine Liegen, sondern nur circa 20 cm hohe Matratzen. Diese liegen auf dem Fußboden und jeder einzelne Platz ist hinten durch die Wand und vorne und seitlich durch Vorhänge getrennt.

Die Kosten: Diese variieren je nach Seriosität, Sauberkeit, Angebot und Nachfrage. Die normale Thaimassage kostet pro Stunde zwischen 200 und 250 Baht, die normale Ölmassage zwischen 250 und 350 Baht. Jede weitere gewünschte Tätig- oder Tätlichkeit je nach Vereinbarung…

Die Arten:

Stufe 1 ist die ganz normale Thaimassage, bei der man lediglich die Schuhe vor dem Betreten des Raumes auszieht. Mehr nicht. Man wird komplett angezogen massiert. Manchmal bekommt man eine sackähnliche Kleidung zum Überziehen, da manche Masseusen über den Rücken des Kunden laufen…

Stufe 2 ist die normale Ölmassage. Dass man sich hier auszieht, ist wohl logisch. Man lässt allerdings bei dieser „normalen“ das Zentrum bedeckt. Also Unterhose, Slip oder Shorts bleiben dran. Dann wird man je nach zeitlicher Vereinbarung (eine oder zwei Stunden) mit Öl eingerieben und massiert.

Stufe 3 ist die Stufe, die in keinem Lehrbuch steht. Woher aber die Damen ihre Fähigkeiten haben, bleibt deren Geheimnis. Es ist eine Ölmassage, die man (=Mann!) wahlweise für eine oder zwei Stunden buchen kann. Wer will und es durchhält auch noch länger. Man legt alle, ich betone alle (!!) seine Kleider ab und sich selbst daneben. Erst mal auf den Bauch. Sonst würden wahrscheinlich sogar nur zehn Minuten reichen. Die Damen sind als Thailänderinnen wie alle Asiaten von Kind auf gewohnt, vieles in der Hocke zu machen, auch essen. Kennen Sie bestimmt vom Fernsehen her. Daher gehen bei denen beim Laufen die Füße nach außen. Wie bei Enten. Aber ich schweife ab.

Da die Tätigkeit ja „Massage“ heißt, gibt es vorerst keinen Unterschied zur vorgenannten Stufe zwei. Begonnen wird am Rücken und die Dame arbeitet sich dann von oben nach unten durch. Nachdem die hinteren Backen ihr Fett bzw. Öl abbekommen haben, geht es dann weiter über die Oberschenkel. Dabei geht es dann schon interessanter zu. Obwohl die Masseuse vorher präzise gearbeitet hat, „verliert“ sie auf einmal die Kontrolle über ihre Hand und rutscht mit dieser zwischen den Po-Backen durch nach vorne. Je nach Reaktion des Kunden unter Umständen gleich mehrmals hintereinander. Allerdings ganz sanft. Und sie entschuldigt sich auch sofort für dieses Missgeschick. Und grinst dabei. Beim ersten Mal dachte ich, das kommt davon, weil ihre Hand so voller Öl ist. Da kann man schon mal ausrutschen. Mittlerweile weiß ich es besser!

Nachdem dann alle hinteren Teile genügend eingeölt und gestreichelt wurden, wird man gebeten sich umzudrehen. Dann geht es umgekehrt weiter, also von unten nach oben. Wenn die Dame dann am Zentrum ankommt, ist die Situation für alle Beteiligten eindeutig und unverkennbar. Und für ein weiteres verhandelbares Trinkgeld, bei dem die Höhe der Summe nach oben grenzenlos ist, fragt sie im Flüsterton, ob sie die Situation entspannen soll. Und bei dem „Stand der Dinge“ kann kein Mann mehr „nein“ sagen. Ehrlich. Ich hab’s versucht. Ich konnte gar nichts mehr sagen. Nur noch nicken.

*

Gestern war es wieder mal soweit. Ich habe eine Massage gebraucht. Die Bude war dieses Mal ziemlich voll, denn die meisten Vorhänge waren zugezogen. Nach circa einer halben Stunde, ich lag bereits auf dem Rücken und meine auserwählte Masseuse näherte sich meinem Zentrum, ertönte plötzlich aus der Tiefe des Raumes eine männliche Bassstimme mit einem langgezogenen und erleichternd klingenden „Halleluja“!

Im ersten Moment war ein totales Schweigen im Raum. Und dann fing einer nach dem anderen zu lachen an und es dauerte nicht lange und das nächste „Halleluja“ kam aus einer anderen Ecke. Und so ging es dann noch einige Male weiter.

Allerdings ging es mir dann so wie ein paar anderen Kunden. Vor lauter Lachen „ging nichts mehr“ und wir haben dann nur die einfache Ölmassage bezahlt. Mehr war nicht mehr drin. Obwohl das so auch nicht stimmt. Im Gegenteil. Aber das möchte ich jetzt nicht näher ausführen.

08. Mein erstes Beben

Vorgestern war der 11.11.2012. Ein Datum, das ich so schnell nicht vergessen werde. Mein erstes Beben. Im Bett. Aber ein echtes Erdbeben, kein selbst fabriziertes. Sie wissen schon, was ich meine. Ich war ja auch allein im Bett.

Mitten in der Nacht hatte ich einen seltsamen Traum. Ich träumte, ich würde auf einer Luftmatratze liegend auf einem See schwimmen. Es war ein schönes Gefühl. Bis ich gemerkt habe, dass ich gar nicht schlafe. Aber mein Bett bewegte sich wie eine Luftmatratze. Es hat ein paar Sekunden gedauert bis es mir dämmerte: Das muss ein Erdbeben sein. Ich hatte ja bis dato noch keines erlebt. Und dann habe ich nur noch an die Decke geschaut und gedacht: Hoffentlich hält die! Sie hat gehalten. Langsam und vorsichtig (warum eigentlich?) bin ich aufgestanden und raus auf den Balkon, um nachzuschauen, ob man irgendwo irgendetwas sehen würde. Gesehen hat man nichts. Dafür kam eine zweite Welle. Und die hat sich genauso angefühlt wie die erste. Wie ein Blitz bin ich runter vom Balkon und rein ins Zimmer. Ich glaubte in diesem Moment tatsächlich, der Balkon löst sich gleich vom Gebäude.

Nach gefühlten 20 Minuten war der Spuk vorbei. Gedauert hat es aber tatsächlich nur ungefähr zwei Minuten.

Natürlich wollte ich am nächsten Tag wissen, was da los war. Im Internet fand ich die Erklärung.

Ein Erdbeben der Stärke 6.6, Luftlinie circa 600 km nordwestlich von Chiang Mai, in der Nähe der Stadt Wabyu in Myanmar.

Global gesehen praktisch gleich um die Ecke.

09. Die deutsche Sprache – Teil 1: Eine Meise auf Reise

Anfang September habe ich einen Thai-Kurs begonnen. Nur sprechen und verstehen, ohne lesen und schreiben.

Mehrfach wurde mir die Frage gestellt, ob Thai schwer zu lernen ist. Weiß ich nicht. Der eine tut sich leicht, der andere hört nach der ersten Stunde schon wieder auf. Genauso gut könnte ich fragen, ob Deutsch schwer ist. Und da habe ich ein Paradebeispiel der deutschen Sprache! Nach vorher eingeholter Zustimmung meiner zwei Kinder darf ich diese Geschichte hier erwähnen, ohne rechtliche oderfamiliäre Konsequenzen befürchten zu müssen.

Bis zu meiner Abreise nach Thailand dachte ich, ein guter Vater gewesen zu sein. Doch meine Kinder haben mir am Tag vor meiner Abreise ein Buch geschenkt. Mit einer Widmung vorne drin. Die Seite mit der Widmung habe ich herausgetrennt und eingerahmt. Das Buch haben sie mittlerweile von mir zurückbekommen. Als Strafe. Das müssen sie jetzt selbst lesen.

Das Buch trägt den Titel „Deutschlandmeise“ von einem Autor namens Stefan Gärtner. Nun bin ich ja auch ein Liebhaber von Wortspielereien und habe das Buch an einem Regentag mit einer gewissen Vorfreude auf den Inhalt lesen wollen. Versucht, es lesen zu wollen!

Aber trotz mehrfacher Versuche muss ich gestehen: „Ich bemühte mich, den Anforderungen gerecht zu werden!“ Um dieses Buch zu verstehen, brauche ich Hilfe. Notfalls sogar medizinische. Jedenfalls geht für mich das Buch ohne Übersetzung nicht zu lesen. Beispiel gefällig?

Hier ein Auszug der Seiten 38 und 39:

„Der Traum der Bildung, Freiheit vom Diktat der Mittel, der sturen und kargen Nützlichkeit, wird verfälscht zur Apologie der Welt, die nach jenem Ideal eingerichtet ist… Die perennierende Statusgesellschaft saugt die Reste von Bildung auf und verwandelt sie in Embleme des Status.“

Mein erster Gedanke dazu war: „Oh – mein – Gott!“

Und auch beim nächsten Beispiel fragte ich mich: In welchem Umfeld ist der Autor aufgewachsen?

„Damit der Zug vom mondänen Metropolitanen ins pfahlbürgerliche Provinzielle nicht gleich wieder aus dem Gleis springe…“ und so weiter.

Ich habe sofort im Internet auf „Bahn.de“ recherchiert und festgestellt: Es gibt keinen Bahnhof, der Metropolitanen heißt!

Na gut, der Mann hat Geisteswissenschaft studiert. Das entschuldigt manches. Nix für Ungut, mein lieber Autor Stefan Gärtner, aber ich habe auf Seite 39 aufgehört, weil ich keinen entsprechenden Arzt finde.

Bei meinem Urlaub im März habe ich – wie vorher angedroht – das Buch meinen Kindern zurückgegeben. Meine Tochter hat mir dann gestanden, dass sie dachte, das Buch hieße „Deutschlandreise“ und sei ein lustiges Buch über Deutschland…

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