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Gesagt, Getan

BASTEI ENTERTAINMENT

DER STARTSCHUSS

In wenigen Minuten wird er fallen. Der Startschuss. An das Gefühl Sekunden davor erinnere ich mich genau: Ich stehe auf dem Startblock und sehe unter mir die spiegelglatte Wasserfläche, dieses künstliche, nach Chlor riechende Blau.

Atme tief und gleichmäßig, versammle dein ganzes Denken auf einen Punkt, einen einzigen. Die Geräusche um dich herum werden immer leiser werden, irgendwann wirst du nur noch das Rauschen in deinen Ohren und deinen gleichmäßigen Herzschlag hören.

Gleich wird es losgehen, das alles entscheidende Rennen. Es fühlt sich jetzt immer noch genauso an wie vor vierzig Jahren, als ich im Finale über zweihundert Meter Lagen bei den württembergischen Meisterschaften um den Sieg schwamm. Diese Spannung, diese Konzentration auf die nächsten Sekunden, der ungewisse Ausgang, die Hoffnung, der Zweifel, die Anspannung und der Wille zu gewinnen.

Im Unterschied zu damals werde ich heute Abend allerdings nicht ins 25-Meter-Becken springen, sondern ins Rampenlicht einer Live-Fernsehsendung. Die Prügel, die ich bei Nichterreichen der erhofften Quote würde einstecken müssen, wären jedoch kaum weniger schmerzhaft als die harte Hand meines Vaters während meiner Schulzeit, wenn ich wieder mal mit schlechten Noten nach Hause kam. Denn heute Abend geht es um nichts Geringeres als um den Startschuss für ein Format, das den Anspruch erhebt, eine völlig neue Fernsehwelt zu erschaffen. Zum Glück hat RTL dafür Top-Profis an den Start geschickt, die gelernt haben, sich auch in unruhigen Gewässern sicher zu bewegen: die Produzentin Ute Biernat, eine resolute, aber ungeheuer lustige Person, und RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger, dem es stets gelingt, den Jahrmarkt der Eitelkeiten in seiner ruhigen, konzentrierten Art unter Kontrolle zu halten. Zudem soll die neue Sendung helfen, eine kränkelnde Plattenfirma wieder in die Gewinnzone zu führen. Entsprechend hoch ist die Nervosität bei allen Beteiligten.

Ein Scheitern hätte Folgen, die ich mir jetzt lieber nicht ausmalen möchte. Mir ist sehr deutlich bewusst, dass einige meiner Bertelsmann-Kollegen mein öffentliches Erscheinen vor Millionen von Fernsehzuschauern ganz und gar nicht goutieren werden. Es muss einfach klappen, da gibt es kein Vertun.

»Noch fünf Minuten!«, kommt es von der Regie.

Die Stimmung hinter den Kulissen ist angespannt, wie beim Countdown eines Raketenstarts wird die Zeit rückwärts gezählt. Gleich werden wir alle, Kandidaten und Jurymitglieder, vor den blauen Vorhang treten. Der Warm-upper draußen im Zuschauerraum hat die Stimmung der Studiogäste bereits kräftig aufgeheizt, sodass die Gladiatoren in Kürze den Löwen zugeführt werden können.

Tom Sänger, Gerhard Zeiler, Dieter Bohlen, Shona Frazer, Thomas Bug, ich selbst und das ganze Team, vom Kabelträger bis zum Regisseur, sind nervös wie Rennpferde in der Startbox. Überall Kabel, Scheinwerfer, es riecht nach Mensch, offenbar hat bei einigen das Deo versagt. Es ist heiß, Schweiß rinnt über die Gesichter, die Maskenbildner sind die meistbeschäftigten Menschen in diesen Minuten. Puderquasten fegen über glänzende Stirnen und Nasen, Fettstift wird auf vor Nervosität trockene Lippen gestrichen. Licht- und Tontechniker prüfen ein letztes Mal die Einstellungen ihrer Geräte. Es müssen Hunderte von Leuten sein, die hier wie in einem Ameisenhaufen durcheinanderrennen, jeder mit einer Mission betraut, die anscheinend nur er selbst kennt. Ein Chaos, aber eines mit System.

Mit dem sachlichen Interesse eines Insektenforschers, der einen Schwarm seltener Käfer beobachtet, stelle ich fest, dass es hier backstage nicht viel anders zugeht als bei den großen »Rock Pop in Concert«-Livekonzerten, die ich Anfang der Achtzigerjahre für das ZDF in der Westfalenhalle organisierte. Die Technik mag in den vergangenen zwanzig Jahren enorme Fortschritte gemacht haben, das menschliche Nervenkostüm scheint aber seit dem Neandertaler unverändert empfindsam und anfällig für jede Art von äußeren Reizen.

»Noch vier Minuten!«

Dieter grinst mich an mit seinem Sonnyboy-Zahnpastalächeln, das heute Abend auf mich erstmals seltsam eingefroren wirkt. Auch für ihn, den die Medien schon längst zum »Pop-Titanen« gekürt haben, steht viel auf dem Spiel, wenngleich er sich das ganz offensichtlich nicht anmerken lassen möchte. Er hat sich in ein jugendlich-beschwingtes Outfit geschmissen, an das sich das Fernsehpublikum mit Sicherheit noch lange erinnern wird. Da zwei bunte Vögel in einer Livesendung meiner unmaßgeblichen Meinung nach dann doch einer zu viel sind, habe ich mich entschieden, ein Gegengewicht zu Dieter zu bilden. Anzug und Krawatte erschienen mir dem heutigen Anlass und meiner Position als CEO der bedeutenden Bertelsmann Music Group angemessen. Dass ich mir damit dauerhaft das Etikett »Krawattenmann« einhandeln würde, konnte ich, als ich vor der Sendung bei der Garderobiere stand und meine Wahl traf, freilich nicht ahnen.

Einer nach dem anderen treten die Kandidaten jetzt vor den zuständigen Tontechniker, um sich verkabeln zu lassen. Wie in einem Western, wenn der Sheriff vor dem großen Showdown die Waffen ausgibt. Ob diese jungen Menschen ähnlich empfinden? Sind wir, die Jurymitglieder, die darüber entscheiden werden, ob sie eine Runde weiterkommen, für sie die Bösen oder die Guten?

Wir beäugen uns gegenseitig wie Kontrahenten, kein Wort fällt zwischen den Parteien.

»Noch drei Minuten!«

Wie werden sich diese jungen Männer und Frauen in den kommenden zweieinhalb Stunden fühlen? Für mich nicht so einfach nachzuempfinden. Aber sicherlich mindestens so, wie ich mich fühlte, als ich einst von meiner hinterhältigen Musiklehrerin verdonnert wurde, vor meiner eigenen Schulklasse eine Kantate von Johann Sebastian Bach vorzutragen. Eigentlich hätte das kein Problem sein müssen, ich war ja schließlich Sänger im Kirchenchor. Doch als sich die Augen all meiner Klassenkameraden – zum Glück wenigstens nur Jungs, kein einziges Mädchen – auf mich richteten, bekam ich vor Lampenfieber ganz heiße Backen, meine Hände wurden feucht, in meinen Ohren rauschte es, und der Knödel in meinem Hals wurde dick und dicker. Es war ein einziges Desaster. Ich brachte fast keinen Ton raus, und das, was ich hervorbrachte, konnte man kaum als Singen bezeichnen, so falsch war es. Vor Scham wäre ich am liebsten auf der Stelle im Boden versunken.

Etlichen der Kandidaten, die nachher vor die Jury treten werden, wird es mit Sicherheit noch viel schlimmer ergehen. Mein Auftritt fand vor gerade mal fünfunddreißig Schuljungen statt; die Blamage war für mich persönlich zwar fürchterlich, hatte aber keine weiterreichenden Folgen. Daniel, Juliette, Alexander, Gracia und wie sie alle heißen, bieten heute Abend ihre Sangeskünste jedoch via Liveschaltung vor ungefähr acht Millionen Menschen dar! Das Lampenfieber, das sie innerlich fast auffressen muss, kann ich mir nur ansatzweise vorstellen.

Doch Mitleid und Verständnis ist das Letzte, was die Fernsehgemeinde von Dieter, Shona, Thomas und mir erwartet. Hier geht es um Brot und Spiele, um Show und Unterhaltung, um alles oder nichts. Mit Empathie lässt sich keine Quote machen. Daumen rauf oder Daumen runter, nur das Publikum kann den einen oder den anderen Kandidaten noch in die nächste Runde retten.

Die Kids, die bald auf der Bühne stehen werden, erhoffen sich von ihrem Auftritt nichts Geringeres, als dass sie am Ende gewinnen, ein Star werden und Unsummen verdienen. Die wenigsten haben eine fundierte musikalische Ausbildung, dafür jede Menge Selbstbewusstsein, bisweilen könnte man es auch Selbstüberschätzung nennen. Doch selbst ohne Ausbildung werden sich hier Talente zeigen. Denn Musik ist ein menschliches Grundbedürfnis, etwas, das nie aus der Mode gekommen ist, das allerdings heute auch nicht mehr wirklich gefördert wird.

Ich schaue mir die Kandidaten an, einen nach dem anderen. Hübsche bis sehr hübsche, aber auch ein paar weniger hübsche Mädchen, überwiegend gut aussehende Jungs, alle noch blutjung, und doch möchten sie schon so erwachsen sein. Vanessa Struhler ist vor Kurzem süße siebzehn geworden, der schrille Daniel Küblböck ebenfalls. Kaum vorstellbar, dass ich nur wenig älter war, als ich zum ersten Mal heiratete, weil meine damalige Freundin schwanger war.

Fast vierzigtausend haben sich beworben, gerade mal achtzig sind nach den Vorcastings und den Mottoshows übrig geblieben, aber nur eine Handvoll Kandidaten hat es bis in die erste Livesendung geschafft.

»Noch zwei Minuten!« Der Countdown läuft unerbittlich.

Auch für mich bedeutet das, was nun kommt, eine vollkommen neue Erfahrung, eine gänzlich neue Dimension. Aber ich habe wenigstens eine vage Vermutung, was danach sein wird.

Wer kennt bis jetzt eigentlich mein Gesicht, wer kennt meinen Namen und weiß damit etwas anzufangen? Sicherlich einige. Sänger, Musiker, Showkünstler, weltberühmte und weniger berühmte. Mit allen Wassern gewaschene Medienanwälte. Agenten, Musikmanager, Promoter, Journalisten. Alles, was in der Musikbranche mitmischt. Eine kleine, aber dicht besiedelte Welt, vielleicht tausend, zweitausend Leute. Heute Abend werden es jedoch millionenfach mehr sein. Mein Graukopf wird erstmals auf der Mattscheibe auftauchen, und je nachdem, wie die Sendung läuft, werden die Menschen mich lieben oder hassen.

Schnell winke ich noch einmal die Maskenbildnerin mit der großen Puderquaste herbei, meine Stirn fühlt sich verdächtig feucht an. Sie staubt mich mit einer dermaßen dicken Puderschicht ein, dass ich fast einen Niesanfall bekomme und mich fühle wie ein Plattenleger beim Steinesägen. Diese Extraportion muss jetzt bis zur Werbepause reichen.

Was wohl mein Vater sagen würde, wenn er noch leben und mich heute Abend auf dem Bildschirm sehen würde? Womöglich wäre er doch überrascht über seinen einzigen Sohn, mit dem er sich lange Zeit seines Lebens so schwergetan hat. Meine einundachtzigjährige Mutter hat mir schon am Nachmittag telefonisch alles Gute gewünscht. »Junge, ich wusste ja immer, dass du mal berühmt werden würdest!« Wenn sie wüsste, dass sie die Latte damit mal eben noch ein paar Zentimeter höher gelegt hat … Und ganz bestimmt hat sie ihren Videorekorder programmiert und schneidet die Sendung mit, ein Kunststück, das ich in diesem Leben vermutlich nicht mehr fertigbringen werde.

»Noch eine Minute!«

Meine Frau Margret wird jetzt zu Hause vor dem Fernseher sitzen und mitfiebern. Sie weiß genau, was für uns beide auf dem Spiel steht. Sicherlich schaut auch Moritz zu und setzt sich vor den Bildschirm, um sein Herrchen, das so komisch klein und kalt ist und überhaupt nicht nach Herrchen riecht, ganz von Nahem zu sehen. Wie so häufig wird Margret ihre liebe Mühe haben, den Hund von der Mattscheibe wegzulocken, damit er ihr nicht die Sicht versperrt auf das, was nun kommen wird: die erste Livesendung von »Deutschland sucht den Superstar«.

»Jetzt!«, ertönt die Stimme des Regieassistenten neben mir.

Er greift nach der Kante des Vorhangs, hebt den schweren Stoff ein wenig an, gerade so viel, dass ich durch die Lücke passe, legt mir die Hand auf den Rücken und schiebt mich mit leichtem Druck nach draußen ins gleißende Scheinwerferlicht.

Es ist der 9. November 2002. Ein Datum, das meinem Leben eine entscheidende Wendung geben wird, eine in einer ganzen Kette von Wendungen, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin.

JUGEND FORSCHT

Auch ich hatte eine Kindheit, eine Jugend, eine Schulzeit und habe einen anständigen Beruf erlernt. Details dazu würde ich am liebsten ganz übergehen, doch wie in den meisten Lebensgeschichten ist vieles in meinem späteren Leben nur richtig zu verstehen, wenn man diesen Hintergrund kennt. Ich sage aber immer: Mein eigentliches Leben begann im März 1968, als meine Tochter Daniela zur Welt kam und ich mit einem Schlag erwachsen wurde. Mit gerade mal neunzehn Jahren wurde ich Ehemann und Vater und hatte eine Familie zu ernähren. Kein ganz einfaches Unterfangen, wenn man Lehrling ist, nicht das Schwarze unter den Fingernägeln hat und eigentlich am liebsten die Nase in den Wind strecken möchte. Hier nun – in der gebotenen Kürze – der Reihe nach, wie es dazu kam.

Ich wurde am 28. Februar 1949 in einem Krankenhaus in Stuttgart-Sonnenberg geboren. Meine Eltern kamen aus dem Osten. Auf dem Bahnhof von Sonneberg in Thüringen, wo sie beide auf den Zug Richtung Westen warteten, hatten sie sich Hals über Kopf ineinander verliebt, kurz darauf geheiratet und waren schließlich in Stuttgart gestrandet. Dort baute sich mein Vater ein kleines Taxiunternehmen auf und hielt damit seine kleine Familie – meine Mutter, mich, zehn Jahre später kam noch meine Schwester Ulrike hinzu – schlecht und recht über Wasser.

Mein Vater war der typische Vertreter einer Generation junger Männer, die im Krieg groß geworden waren, sich früh zur Wehrmacht meldeten aus Angst, der Krieg könnte ohne sie zu Ende gehen, die keine Chance hatten, etwas Vernünftiges zu lernen, und nach Kriegsende schauen mussten, wie sie sich durchschlugen. Da blieb kein Raum, um sich Träume zu erfüllen und lang gehegte Berufswünsche zu realisieren.

Er hatte im Krieg eine Ju 52 geflogen, war mehrmals abgeschossen worden und wäre später liebend gerne Lufthansa-Pilot geworden, doch dafür hätte er noch einmal die Schulbank drücken müssen. Mit Frau und Kind und ohne Geld ein aussichtsloses Unterfangen. Der Frust darüber saß tief bei ihm, so tief, dass er ihn häufig in Alkohol ertränkte. Im nüchternen Zustand war er ein ausgesprochen witziger, intelligenter und liebenswerter Mensch, der neben seiner Muttersprache Tschechisch weitere sieben Sprachen beherrschte und ein glänzender Unterhalter war. Doch wenn bei uns zu Hause der Jägermeister auf dem Tisch stand, wurde Vater laut und handgreiflich, auch mir und meiner Mutter gegenüber.

Obgleich mein Vater meistens klamm auf der Naht war, war er durchaus den Dingen zugetan, die das Leben verschönern. Er war das, was man wohl als stattlichen, gut aussehenden Mann bezeichnet, liebte schicke Kleidung, liebte Italien, liebte das Meer und schöne Boote. Eines Sommers – ich war zwölf, und wir verbrachten, wie es damals der letzte Schrei war, die Sommerferien an der Adria bei Jesolo, in einer Pension, wo die Übernachtung zwei Mark fünfzig kostete – beschloss er, dass wir ein Boot haben müssten. Ein wunderschönes Mahagoniboot. Grace Kelly hatte ein ähnliches.

Herausgeputzt wie die Pfingstochsen begab sich die ganze Familie eines schönen Sommertags zu der Werft, in der der Traum meines Vaters lag, um diesen zu besichtigen, mit der erklärten Absicht, ihn zu kaufen. Wie immer, wenn wir im Süden waren, sah mein Vater aus wie Othello auf Urlaub: kräftige Statur, geschätzte hundertzwanzig Kilo, weißes Hemd, weiße Hose, weiße Schuhe, weiße Strümpfe, braun gebrannt, mit schwarzem Haar, durch das sich ein paar silberne Strähnen zogen. Dass er rein gar nichts auf der hohen Kante hatte, konnte bei dieser imposanten Erscheinung wirklich niemand ahnen.

Das Boot lag an einem Holzsteg in einem der kleinen Zuflusskanäle, die schnurgerade direkt ins Meer flossen und dabei alles Mögliche mit sich führten, unter anderem die gesammelten ungeklärten Abwässer der umliegenden Ortschaften. Es roch entsprechend, was zu der Zeit in Italien jedoch gang und gäbe war.

Erwartungsfroh betrat mein Vater den Steg, gefolgt von dem beflissenen Verkäufer, und steuerte zielsicher auf das Boot zu. In diesem Moment gab es zwei kleine Geräusche, die mir heute noch in Erinnerung sind: klong, klong. Und wie auf einer Theaterbühne versank mein Vater aufrecht stehend langsam bis zur Hüfte in der braunen Brühe. Die Pfähle des Stegs hatten unter seinem Gewicht nachgegeben und waren eingeknickt.

Meine Mutter und ich schauten uns nur an. Wir mussten in solchen Fällen unter allen Umständen bierernst bleiben, weil sonst bei meinem cholerischen Vater Explosionsgefahr bestand, wie wir genau wussten. Uns liefen vor unterdrücktem Lachen die Tränen über die Wangen, während er buchstäblich der Scheiße entstieg, oben weiß und ab der Hüfte braun. Der Bootskauf fand dann aus nachvollziehbaren Gründen nicht statt.

Trotz meines strengen Vaters waren meine Kindheit und Jugend im Großen und Ganzen völlig intakt, die Kümmernisse der Eltern wegen der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse habe ich nur rudimentär gespürt. Das ist einzig und allein das Verdienst meiner Mutter Erika. Ich kenne keinen anderen Menschen, der sich so unerschütterlich positiv und unerschrocken den Unwägbarkeiten des Lebens stellt wie meine Mutter. Sie breitete ihre ganze Liebe über uns Kinder aus, hat immer zu mir und meiner Schwester gehalten. In erzieherischen Dingen kannte sie allerdings keine Nachsicht. Meine Schwester und ich wurden sehr liebevoll, aber auch pragmatisch und streng erzogen, das prägt. Wir sind mit Grundsätzen aufgewachsen, die Dinge waren so zu nehmen, wie sie kamen.

Heute wird in den meisten Familien bei vielen Dingen noch tausendmal diskutiert. Ich aber habe im Lauf meines Lebens etliche Situationen erlebt, wo ich mich nicht noch einmal umgedreht habe und in tiefschürfenden, tiefenpsychologischen inneren Austausch mit mir selbst gegangen bin. Wenn etwas beschlossen war, dann musste es auch getan werden. Und wenn etwas erledigt war, dann war es erledigt. Rückwärts zu schauen führt zu nichts. Du musst versuchen, weniger geglückte Dinge zu begradigen, und wenn sie nicht zu begradigen sind, musst du weitermachen – das habe ich früh von meiner Mutter gelernt.

Das, was meiner Mutter mit ihren ein Meter fünfzig Körpergröße an optischer Präsenz fehlt, macht sie locker durch Unerschrockenheit, Witz und Charme wett. Ohne dass sie es groß drauf anlegen würde, gelingt es ihr, in jedes Konzert, jedes Theater, jedes Fußballstadion zu kommen, ohne vorher ein Ticket erstanden zu haben. Entweder bekommt sie am Eingang eine Karte geschenkt, oder sie guckt den Kartenverkäufer mit ihren wachen Augen so lange treuherzig an, bis der doch noch einen Platz für sie auftut. Wenn meine Mutter eine Kur macht, findet sich garantiert jemand, der ihr einen Zusatztag Wellness mit Massage, Kosmetik und allem Drum und Dran schenkt, nur um dieser reizenden alten Dame eine Freude zu bereiten. Und natürlich hat sie auch schon einmal im Lotto gewonnen. Nicht nur ein bisschen, sondern eine sehr anständige Summe: fünf Richtige mit Zusatzzahl, siebentausend Mark, Anfang der Sechzigerjahre ein Haufen Geld. Die Möbel, die sie sich davon kaufte, hat sie heute noch.

Die grundsätzlich positive Lebenseinstellung meiner Mutter hat ihr sicherlich geholfen, auch die schweren Zeiten mit meinem Vater zu überstehen und durch die schwierigen Kriegs- und Aufbaujahre zu finden. Sie putzte ab morgens um fünf Büroräume, um die knappe Haushaltskasse aufzubessern. Als mein Vater so plötzlich und früh starb, war sie selber knapp fünfzig, meine Schwester ging noch zur Schule. Also musste meine Mutter schauen, wie sie über die Runden kam. Sie nahm eine Stelle als Verkäuferin in einem Modegeschäft an und war später bis zu ihrer Pensionierung Buchhalterin im Amt für öffentliche Ordnung in Stuttgart. Sie kleidet sich bis heute auffallend gut und achtet sehr auf ihr Äußeres.

Auch nach ihrer Pensionierung kostete sie das Leben in vollen Zügen aus. Ihr letzter ernsthafter Verehrer war Amerikaner. Sie hatte ihn in ihrer unnachahmlichen Art in Stuttgart an einem Fußgängerüberweg angesprochen, weil sie ihn kennenlernen wollte. Der gut aussehende Mittachtziger war so entzückt von ihrem Charme, dass er sie nach Amerika einlud und ihr einen Heiratsantrag machte. Aber sie lehnte ab mit der Begründung: »Weißt du, Thomas, der will ja nur des Eene!« Bis zu seinem Tod blieben sie in Kontakt. Lange Zeit schickte sie ihm Briefe und später, als er erblindete, besprochene Musikkassetten nach Los Angeles, er schickte ihr regelmäßig Kassetten zurück.  

An Verehrern und Freunden hat sie auch mit achtundachtzig keinen Mangel: Von den 2000 Bewohnern der Anlage, in der sie lebt, kennt meine Mutter geschätzte 1998. Sie besteht aus Charme mit einer ordentlichen Portion Dickkopf und kratzt mit ihrer Art selbst dann noch die Kurve, wenn es mal eng wird. Ein Vorbild, dem nachzueifern sich lohnt.

Über meine Schulzeit möchte ich hier gerne den gnädigen Mantel des Vergessens breiten. Nur so viel: Es gelang mir wider Erwarten, die Stuttgarter Schloss-Realschule mit einem Zeugnis der mittleren Reife zu verlassen, allerdings nicht ohne mir zu schwören, nie wieder einen Fuß über die Schwelle dieser unsäglichen Einrichtung zu setzen. Schule und ich, das ging gar nicht zusammen. Sport, vor allem Leistungsschwimmen, und natürlich Mädchen waren viel spannendere Zeitvertreibe, denen ich mich gerne und ausführlich widmete.

Meine mangelnde Ernsthaftigkeit in Bezug auf schulischen Ehrgeiz quittierte mein Vater regelmäßig mit schlagenden Argumenten der ziemlich schmerzhaften Sorte, aber meist nur mit kurzfristigem Erfolg. Mit siebzehn hatte ich endgültig die Nase voll: Nach einem entsetzlichen Streit mit meinem Vater, bei dem ich erstmals selber handgreiflich wurde, weil ich mich meiner Haut erwehren musste, zog ich Knall auf Fall von zu Hause aus und in ein billiges Hotel, das ganz zufällig in der Nähe der Wohnung meiner Angebeteten Joyce lag, einer wunderschönen, exotischen Erscheinung, Tochter eines Hawaiianers. Mit meinem Vater habe ich danach außer dem Allernotwendigsten kein Wort mehr gesprochen, bis drei Wochen vor seinem Tod im Sommer 1972.

Die Streitereien mit meinem Vater hatten sich immer häufiger und heftiger an der Frage entzündet, welchen Beruf ich denn ergreifen sollte. Er wollte unbedingt, dass ich Einzelhandelskaufmann würde und einen Obst- und Gemüseladen aufmachte. Es konnte ja wieder ein Krieg kommen, und da wäre es doch gut, wenn etwas zu essen im Haus wäre. Die Aussicht, als Gemüsetandler für den Rest meines Lebens jeden Morgen um vier oder fünf aufzustehen, fand ich für mich allerdings alles andere als reizvoll, und ich weigerte mich rundheraus, sehr zum Missfallen meines Erzeugers.

Als Nächstes stand das Thema Ölhändler an. Heizöl, fand mein Vater, war ja auch etwas, das man immer brauchte. Er hatte den Geschäftsführer einer großen Heizölfirma in einer Kneipe kennengelernt und hielt es für eine gute Idee, dass ich mich dort vorstellte. Zudem hatte der Ölhändler eine Tochter und hätte mich sofort als Lehrling genommen. Doch die Vermutung, dass Vaters Kneipenbekanntschaft die eigene Tochter loswerden wollte, hielt mich dann davon ab, das Projekt weiterzuverfolgen.

Schließlich hatte meine Mutter die glänzende Idee, ich könnte doch Dentalkaufmann werden. In einer Zeitung hatte sie eine Anzeige gefunden. »Die Leute brauchen immer was in der Gusche«, versuchte sie mir in schönstem Sächsisch diesen Beruf schmackhaft zu machen. Doch mein Leben lang als Ersatzteillieferant für falsche Zähne agieren? No way.

Durch Zufall entdeckte ich schließlich eine Jobanzeige des Stuttgarter Ehapa Verlags, der eine Ausbildung zum Verlagskaufmann anbot. Ich bewarb mich, wurde wundersamerweise genommen und war nun ordentlicher Lehrling mit einem festen, wenn auch äußerst überschaubaren Gehalt – und einer schwangeren Freundin.

Meine Mutter nimmt wahrscheinlich heute noch an, dass es gelegentlich auch die unbefleckte Befruchtung gibt, denn ich konnte das ja eigentlich nicht gewesen sein, der im zarten Alter von achtzehn mit Joyce ein Kind zeugte. Ein uneheliches Kind? Ende der Sechzigerjahre ein absolutes No-go. Es war gar keine Frage: Joyce und ich mussten und wollten heiraten, und zwar schleunigst. Zu diesem Zwecke musste ich jedoch erst einmal für volljährig erklärt werden, da damals die Volljährigkeit noch mit einundzwanzig begann. Es war eine ganz und gar elende und umständliche Prozedur, doch auch die brachten wir schließlich hinter uns.

Unsere Hochzeit im Februar 1968 war eine eher nüchterne Angelegenheit: Ich lud die engste Familie und ein paar Freunde zum Essen ein, mein Vater sagte nur das Nötigste, und damit war das Thema Hochzeit durch. Einen Monat später waren Joyce und ich Eltern einer kleinen Tochter.

Nun hieß es für mich, mit den verschiedensten Nebenjobs Geld zu verdienen, um Frau und Kind zu ernähren. Es war wie Seepferdchen, Freischwimmer, Jugendschwimmer und Rettungsschwimmer in einem. Wir lebten in einer sage und schreibe zwölf Quadratmeter winzigen Dreizimmerwohnung, im Stockwerk unter uns wohnte meine Schwiegermutter und passte auf die kleine Daniela auf, wenn Joyce und ich arbeiteten. Beklemmende Verhältnisse, die dazu führten, dass ich jede sich bietende Gelegenheit nutzte, der häuslichen Enge und der Fuchtel meiner Schwiegermutter zu entkommen.

Ich trug Zeitungen aus, putzte Arztpraxen, überführte Leihwagen, verditschte Abonnements der Fachzeitschrift »Öl und Gas« an wissbegierige Japaner, die weit genug weg lebten, dass die Abos lange genug hielten und ich die Provision behalten konnte. Ich machte alles, was mir unterkam und Geld brachte. Doch ich bedaure es keine Sekunde, dass ich anscheinend weniger Freiheit hatte als andere in meinem Alter. Ich habe eine wunderbare Tochter und möchte keinen Tag mit ihr missen. Wahrscheinlich aber tue ich deshalb heute noch vieles, was nicht zum Lebensstil eines gesetzten Erwachsenen passt, hole nach, was ich damals nicht ausleben konnte.

Vielleicht wäre mein Leben ganz anders verlaufen und ich wäre heute ein erfolgreicher Künstlermanager, wenn ich etwa zur gleichen Zeit Gotthilf Fischers Angebot angenommen hätte, sein Management zu übernehmen. Gotthilf, den ich irgendwann durch eine blonde Erscheinung kennengelernt hatte, ist ungefähr zwanzig Jahre älter als ich. Er war für mich vielleicht sogar so etwas wie ein Vaterersatz, und er ist bis heute einer meiner engsten Freunde. Mit ihm und seinen Fischer-Chören zog ich durch die Lande, wann immer es meine Zeit erlaubte. Mit den Chören umherzuziehen hatte sehr positive Aspekte für einen Mann, nicht zuletzt deshalb, weil so ein Chor hauptsächlich aus Frauen besteht.

Schon damals gab es so etwas wie Castingshows, Wettbewerbe, bei denen hoffnungsvolle Nachwuchsbands gegeneinander antraten. Und schon damals war Marketing gefragt, um ganz nach oben zu kommen.

Ein paar Kumpels von mir hatten eine Band gegründet, in der ich ein bisschen mitsang und mitpfiff. Aber so richtig behagte es mir nicht, im Rampenlicht auf der Bühne zu stehen. Ich agierte lieber im Hintergrund, kümmerte mich um Auftritte und verhandelte Konditionen.  

Es war 1968, ich hatte gerade frisch den Führerschein erworben, und es stand ein Band-Wettbewerb in Blaubeuren an. Er war nicht schlecht dotiert, also war klar: Wir mussten hin, und wir mussten uns etwas einfallen lassen, um ganz vorne zu landen. Da kam uns zugute, dass einer in unserer Gruppe schneidern konnte. Er steckte uns in selbstgenähte Sergeant-Pepper-Uniformen, und wir traten in Blaubeuren als Beatles-Kopie an.

Das Publikum tobte, und wir waren fest davon überzeugt, dass wir gewonnen hatten. Hinterher waren wir zwar nur Dritte, aber dafür um ganze vierhundert Mark reicher, denn ich hatte mit den Veranstaltern vereinbart, dass wir für unseren dritten Platz Geld erhielten. Die anderen bekamen »nur« Naturalien: Der Erste erhielt die Chance eines zweiten Auftritts, der Zweite ein Abendessen. Ich fand, ich hatte gut verhandelt, meine Kumpels fanden das auch. Als Gotthilf mich irgendwann fragte, ob ich das Gleiche nicht auch für ihn und seine Chöre machen wolle, winkte ich jedoch ab. Ich traute mir diese Aufgabe einfach noch nicht zu, auch wenn das Geschäft damals vermutlich einfacher war als heute.

Es war die Zeit, in der die Fischer-Chöre gerade anfingen, einem größeren Publikum bekannt zu werden. Eines Abends saßen wir im Restaurant Eule am Rathaus in Stuttgart. Große Kerzen standen auf dem Tisch, wir hatten gut gegessen und kräftig getrunken. Plötzlich knallte Gotthilf sein Glas so auf eine der Kerzen, dass das Wachs in alle Richtungen spritzte und auf unseren Klamotten landete.

»Des macht nix«, rief er laut in seinem schwäbischen Idiom und verkündete lachend: »I hab heut mei erschte Gema bekommen. I wois zwar net, für was, aber die versaufet mer. Und die Reinigung zahl i au!«

Wenig später trat er mit den Chören erstmals im Fernsehen bei Wim Thoelke auf und wurde danach rasch berühmt. Seitdem sind die Gema-Einnahmen, vermute ich, nur so gesprudelt, und Gotthilf wird genau wissen, wofür er sie bekommen hat.

Gotthilf ist ein lustiger Vogel und herrlich spontan. Wichtige Dinge überlässt er allerdings ungern dem Zufall. Deshalb fällt der erste Blick eines Besuchers in seinem riesigen Haus im schwäbischen Remstal auf ein antikes Grabkreuz im Hauseingang, das er dort Ende der Sechzigerjahre aufgestellt hat. Es ist Gotthilfs eigenes Grabkreuz. »I möcht nix auf’m Kopf haben, was mer andre draufstellet«, findet er. Ich hoffe, das Kreuz steht noch lange im Hauseingang, rechts, wenn man reinkommt.

Das stabile Fundament, auf dem meine gesamte spätere berufliche Laufbahn aufbaute, hat zweifellos der Ehapa Verlag gelegt, der mich gründlich und sorgfältig zum Verlagskaufmann ausbildete. Mit dem damaligen Vertriebsleiter Wolfgang Obleser bin ich heute noch sehr gut befreundet, er war es, der mir schon während der Lehrzeit direkte Vertriebsverantwortung übertrug.

Vielleicht bedingt durch die schwedischen Wurzeln, war das Unternehmen schon damals immer ein bisschen liberaler als andere Verlage. Ehapa verlegte vierzehntägig erscheinende Zeitschriften, darunter die Zeitschrift »Hobby«, vergleichbar heute ungefähr mit »auto motor sport«, außerdem wunderbare Kunstbände, Fotobücher und natürlich »Micky Maus« und »Asterix«.

»Hobby« fiel die Aufgabe zu, in der Manier klassischer Cross-Promotion für die Produkte des Hauses zu werben. So begab es sich, dass »Hobby« die erste Zeitschrift war, die in den Sechzigerjahren das Foto einer nackten Frau auf dem Cover abbildete, um den neuen Bildband eines renommierten Fotografen zu bewerben. Es war eine meisterhafte Aufnahme und zeigte die Frau von der Seite. Man sah nicht einmal die Andeutung irgendeines Details. Heute würde man sich totlachen, aber damals war es ein Skandal, der dazu führte, dass viele Händler sich weigerten, die Ausgabe zu verkaufen und die bereits ausgelieferten Exemplare an den Verlag zurückschickten.

Begleitend zur Veröffentlichung dieses Bildbands war eine große Ausstellung der Fotos in Bonn-Bad Godesberg geplant. Das gesamte Ausstellungsinventar wurde in einen klapprigen Ford Transit verladen, dem die Kotflügel links und rechts abstanden und der unter der Last fast zusammenbrach. Und wer sollte diesen Schrotthaufen nach Bonn fahren? Richtig – der Lehrling Thomas Stein, der war lange Überführungsfahrten von seinen Nebenjobs her ja gewohnt.

Aber nicht mit mir. Unmissverständlich machte ich meinen Vorgesetzen klar, dass ich mich da nicht hineinsetzen würde. Es war ein Elendstheater, das damit endete, dass wir einen 7,5-Tonnen-Lkw mieteten, der letztlich ebenfalls bis oben hin voll wurde. Mit ziemlicher Verspätung kam ich schließlich in Bonn an, lieferte den lahmen Lkw samt Inhalt ab und ging mit dem Typen, der für die Ausstellung zuständig war, erst mal in eine Kneipe einen trinken. Und wie es das Schicksal will, war da eine unglaublich hübsche junge Frau, mit der ich mich sehr angeregt unterhielt. Sie kam aus Skandinavien, aus Schweden oder Norwegen – jedenfalls war die Balzstufe eins bereits in vollem Gange, als sie irgendwann erklärte, sie müsse jetzt aber nach Hause.  

»Ich kann dich heimfahren, wenn du möchtest«, bot ich ihr hoffnungsfroh an.

»Oh, du hast ein Auto dabei?«, erwiderte sie sichtlich beeindruckt. Ein Auto war damals wirklich noch etwas ganz Dolles.

»Äh, ja, aber ein etwas größeres …«

Kurz und gut: Sie nahm mein Angebot an.

»Wo soll es denn hingehen?«, wollte ich wissen, nachdem sich der Siebeneinhalbtonner in Bewegung gesetzt und meine Begleiterin sich mit der Erkenntnis abgefunden hatte, dass es sich bei ihrer Mitfahrgelegenheit nicht um die Karosse eines Märchenprinzen handelte.

»Da hoch, auf den Venusberg!« Sie zeigte in Richtung eines Hügels. Schließlich hielten wir vor einer imposanten Toreinfahrt, hinter der Wachleute auf und ab gingen. Mich beschlich ein etwas mulmiges Gefühl. Wo um Himmels willen war ich da nur hingeraten?

»Du wohnst ja ganz schön vornehm«, meinte ich in einer Mischung aus Neugier und Unbehagen. »Was ist denn das für ein Haus?«

Da eröffnete sie mir, dass sich hinter dem Zaun der Wohnsitz von Außenminister Willy Brandt verberge und sie dessen Haushälterin sei.

Ich bekam eine ganz trockene Kehle. Es war klar: Balzstufe eins musste augenblicklich zurückgefahren werden. Ich setzte die Schöne vor Willy Brandts Hauseingang ab, verabschiedete mich etwas wehmütig und dieselte von dannen.

Nach drei Jahren ging mit meiner Lehrzeit auch meine Ehe zu Ende. Ich hatte das Gefühl, dass ich weiter müsste, und musste eine Entscheidung treffen, sowohl privat als auch beruflich. Als Lehrling im dritten Jahr hatte man mir bei Ehapa bereits echte Verantwortung übertragen: Ich war zuständig für den Vertrieb von »Micky Maus«-Taschenbüchern, »Asterix«-Heften und Bildbänden, hatte drei Mitarbeiter und das Angebot, in der Firma zu bleiben. Liebend gerne hätte ich es angenommen, wenn ich dort genügend Geld verdient hätte. Denn Geld war, bedingt durch Frau und Kind, in den letzten Jahren meine Haupt-Triebfeder geworden. So aber musste ich dankend ablehnen und heuerte bei der Zeitschrift »Öl und Gas«, für die ich bereits so erfolgreich Abos an Japaner verkauft hatte, als Abonnementbetreuer mit der hochtrabenden Bezeichnung »Stellvertretender Vertriebsleiter« an.

Kein Mensch kann sich vorstellen, wie grauenvoll langweilig dieser Job war. Ich stapelte die Karteikästen, in denen sich die Unterlagen der Abonnenten befanden, links und rechts von mir zu einer Sichtschutzwand auf und schlief jeden Morgen erst einmal zwei Stunden am Schreibtisch, denn durch meine diversen Nebenjobs und sonstigen Aktivitäten hatte ich ein chronisches Schlafdefizit. Nach zwei Monaten war mir klar: Es ging nicht mehr. Ich wollte Stuttgart verlassen, ich wollte die Familie, Frau, Kind und Schwiegermutter verlassen, ich wollte weiterziehen, ich wollte mich auf neue Abenteuer einlassen.

Es gibt immer Gründe, warum eine Ehe nicht funktioniert. Bei uns lag es in erster Linie daran, dass unser Umfeld es uns nicht erlaubte, die Selbstständigkeit zu leben, die wir als junge Eltern eigentlich gebraucht hätten. Wir hatten die wirtschaftlichen Möglichkeiten nicht, daran war nun einmal nichts zu rütteln. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass ich Joyce nach wie vor sehr schätze. Sie ist eine liebenswerte Frau, und sie ist die Mutter unserer wunderbaren Tochter.

Die Scheidung von Joyce ging rasch über die Bühne, wir haben bis heute ein entspanntes und sehr gutes Verhältnis. Joyce ist bei sämtlichen Familienfeiern wie zum Beispiel meiner Hochzeit mit Conny im Sommer 2007 und anderen Anlässen in unserem Haus herzlich willkommen und gehört selbstverständlich dazu.

Nun war ich ein geschiedener Mann von einundzwanzig Jahren. Ich hatte keine Familie mehr, dafür aber monatliche Unterhaltsverpflichtungen in nicht unbeträchtlicher Höhe und jede Menge Unternehmungsgeist.

DIE SPINNEN, DIE GLASER

Quietschend und kreischend schnitt die Blechschere in das feste Metall. Mühsam arbeiteten sich die scharfen Klingen Zentimeter für Zentimeter voran. Ein Schweißtropfen bahnte sich langsam seinen Weg über meine Schläfe, das Hemd klebte mir am Rücken, die Hände waren feucht. Es war Hochsommer, genau gesagt der 2. August 1972, Freibadwetter.

Vor mir ein Sarg, außen Holz, innen Zink, frisch eingetroffen per Flugzeug aus Griechenland. Der Sarg meines Vaters. Am 1. August, elf Tage vor seinem 50. Geburtstag, war er gestorben, einfach so. Tot umgefallen am Strand von Thessaloniki, während er Freunden einen Witz erzählte. Herzversagen, wahrscheinlich durch Spätfolgen seiner Kriegsverletzungen, aber auch durch Alkohol und Übergewicht. Einfach so, einfach vorbei. Erst vor drei Wochen hatten wir uns endlich ausgesprochen und in den Armen gelegen, nachdem wir jahrelang nur das Nötigste miteinander geredet hatten.

Ich stand gerade an der Kasse der Montanus-Filiale an der Frankfurter Hauptwache, um mich herum dröhnte Rockmusik, der Laden war voller Leute. Da rief mir in dem Lärm ein Mitarbeiter zu, ich solle mal bitte ans Telefon kommen. Ungeduldig nahm ich den Hörer zur Hand.

»Ein Anruf aus dem Ausland für Sie, Herr Stein«, sagte die Telefonistin aus der Zentrale am anderen Ende. »Einen Moment bitte, ich verbinde Sie weiter!«

Es dauerte ein Weilchen, dann vernahm ich eine männliche Stimme, die mir vollkommen unbekannt war und mir ohne Umschweife nüchtern und unpersönlich eröffnete: »Machen Sie mal die Musik leiser, Ihr Vater ist gestorben!« Es war ein Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Griechenland.

Ich war wie vom Donner gerührt. Wie konnte das sein, was war da passiert? Niemand wusste Genaueres, auch der Typ von der Botschaft konnte mir mit solchen Nebensächlichkeiten nicht weiterhelfen.

Also rein ins Auto und ab nach Stuttgart. Meine Mutter fiel aus allen Wolken, als sie nach Hause kam und mich auf dem Treppenabsatz vor ihrer Wohnung erblickte, wo ich auf sie wartete.

»Junge, was machst du denn hier!?« Sie hatte noch keine Ahnung, weil sie gerade erst von einem Kurtag im Thermalbad zurückgekommen war. Da musste ich ihr sagen, dass der Mann, mit dem sie fünfundzwanzig Jahre verheiratet gewesen war, urplötzlich gestorben war. Meine damals dreizehnjährige Schwester Ulrike schien noch gar nicht richtig zu begreifen, was passiert war.

Also musste ich mich um alles kümmern, ich war ja jetzt der Mann im Haus mit meinen dreiundzwanzig Jahren und bereits selber Vater einer vierjährigen Tochter.

Mit meinem holprigen Schulenglisch begann ich, telefonisch mit der deutschen Botschaft in Athen und dem griechischen Bestattungsunternehmer zu organisieren, was für die Überführung nach Deutschland notwendig war. Es gab natürlich jede Menge Kommunikationsprobleme – woher sollte ich wissen, ob mein Vater einbalsamiert werden sollte, welche Art von Sarg genommen werden sollte und wie er am besten nach Deutschland transportiert würde? Heute würde ich mich ins nächste Flugzeug setzen. Aber damals fehlte mir schlicht das Geld.

Und nun stand ich da im Büro des Bestattungsunternehmers in Stuttgart-Bad Cannstatt und wusste selber nicht so genau, was mich beim Öffnen des Zinksargs erwarten würde.

Mit seinen kräftigen Händen packte der Mann schließlich den aufgeschnittenen Metalldeckel und zog ihn mit einem Ruck nach hinten. Es war, als würde er eine überdimensionale Sardinenbüchse öffnen.

»Ha, der schaut aber no gut aus!«, dröhnte er im nächsten Moment in breitestem Schwäbisch.

Mir zog es fast die Schuhe aus. Das da in der Sardinendose war immerhin mein Vater und nicht irgendein Stück Holz! Ich war baff über so viel Unsensibilität, auch wenn ich begriff, dass der Mann ja nur seinen Job tat und mit solchen Situationen tagtäglich konfrontiert war. Doch ich ahnte, dass Sensibilität etwas ist, das viele Menschen in erster Linie für sich selbst einfordern, und das hat sich im Lauf meines Berufslebens leider immer wieder bewahrheitet.

Montanus, diese linke und unkonventionelle Ladenkette, in der es Bücher, Schallplatten und Zeitschriften gab, war mein neuer Arbeitsplatz. Das Unternehmen war ursprünglich aus dem Buchhandel heraus entstanden. Hermann Montanus, der Inhaber, besaß die Bahnhofsbuchhandlungen in Frankfurt und führte dort auch Zeitschriften. Als drittes Standbein im Sortiment kamen Schallplatten hinzu. Anders als andere Läden ähnlichen Zuschnitts hatte Montanus aber ein stark verdichtetes Angebot, es wurde gezielt ausgewählt und konzentriert. Der Schwerpunkt lag auf linker Literatur, Bestsellern bis hin zu Softpornos und Schallplattenhits. Für damalige Zeiten war das ein revolutionär neues Konzept – Montanus stand in den Sechziger- und Siebzigerjahren für Modernität und Zeitgeist. Der traditionelle Buchhandel schielte neidisch auf Montanus’ Erfolg: Während der Lagerumschlag beim konventionellen Buchhandel bei 1,2 lag, konnte sich Montanus über sechs bis acht im Jahr freuen.

Ich war durch meine alten Verbindungen aus meiner Lehrzeit bei Ehapa zu Montanus gekommen. Als ich nach zwei Monaten zwischen den Karteikästen der »Öl und Gas«-Abonnementverwaltung mein chronisches Schlafdefizit endlich ausgeglichen hatte, griff ich zum Telefonhörer und rief den damaligen Montanus-Verkaufsleiter an, der gleichzeitig Filialleiter des Ladens in der Münchner Leopoldstraße war. Er war zu Ehapa-Zeiten einer meiner guten Kunden gewesen. Offenbar hatte er mich in nicht allzu schlechter Erinnerung, denn er lud mich spontan zu einem Vorstellungsgespräch nach München ein.

Um es kurz zu machen: Das Gespräch lief zur allseitigen Zufriedenheit, er bot mir den Job des Leiters der Montanus-Filiale in Karlsruhe an. Dass er mich tatsächlich genommen hat, ist allerdings erstaunlich. Ich trug ein rosa Hemd mit einer rosa Krawatte, dazu eine Jacke mit einem filigran verschlungenen Paisley-Muster in auffälligen Farben und muss ausgesehen haben wie ein Vorhang von Laura Ashley. Der Job stimmte jedenfalls, das Geld stimmte auch – 1300 Mark würde ich verdienen, für meine damaligen Verhältnisse eine stattliche Summe. Ich schlug sofort ein, wenngleich ich zugeben muss, dass ich mit der Art des Geschäfts, das da auf mich zukam, nur rudimentär vertraut war.

Also wurde ich Leiter der Karlsruher Filiale und lernte hier erstmals intensiver das Geschäft mit Büchern, Zeitschriften und Schallplatten kennen. Da ging es dann für mich richtig zur Sache: Wir hatten 1303 Zeitschriften und Tageszeitungen im Programm. Jeden Morgen musste ich mit meinem Dienstwagen, einem VW-Käfer mit ausgebauter Rückbank, zur Post fahren, vier große Säcke Zeitschriften und Zeitungen abholen, in den Laden bringen, dort auspacken, einsortieren, Retouren und Remittenden aussortieren und verpacken. Das war mühsam, echte Kärrnerarbeit. Drei Leute gingen mir dabei zur Hand: ein Zeitschriftenverkäufer, ein Buchverkäufer und ein Schallplattenverkäufer.

Obwohl ich von dem Geschäft anfangs wirklich wenig Ahnung hatte, kann ich nicht alles falsch gemacht haben, denn innerhalb von fünf Monaten war aus der kleinen Montanus-Filiale in Karlsruhe ein brummender Laden geworden, der vor allem bekannt dafür war, dass es hier ausgefallene Platten gab, die man nirgendwo sonst kaufen konnte, weil es unsere persönlichen Geheimtipps waren. Außerdem waren wir immer für eine einfallsreiche Marketingaktion gut. Da konnte es schon einmal vorkommen, dass sich in der Kaiserstraße, der Fußgängerzone, die noch heute von gesichtslosen und zweckmäßigen Nachkriegsbauten gesäumt ist, riesige Menschentrauben vor der Montanus-Filiale bildeten, aus denen ein Wikingerhelm mit Hörnern ragte und daneben, kaum zu sehen zwischen all den Menschen, ein zweiter, kleinerer. Die Helme gehörten zu zwei bärtigen Figuren. Der Große hatte die Ausmaße eines Gérard Depardieu in seinen besten Zeiten und trug eine blau und weiß gestreifte Hose. Der Kleinere war blond, mit roter Hose und schwarzem Hemd. Asterix und Obelix inmitten einer friedlichen Menge in der badischen Hauptstadt. Rundherum Polizei, wir schrieben Anfang der Siebzigerjahre, die Hoch-Zeit von Flower Power, Friedensbewegung und Ostermärschen.

Anlass für den Menschenauflauf war aber nicht schon wieder eine Demonstration gegen das Establishment, sondern das Eintreffen des neuesten »Asterix«-Bandes bei Montanus. In den beiden Kostümen steckten Schauspieler, die ich angeheuert hatte, damit sie auf die Neuerscheinung aufmerksam machten. Die Folge dieses Marketinggags: Die Leute stürmten den Laden und rissen uns die Hefte förmlich aus den Händen, kaum dass wir sie ausgepackt hatten.

»Asterix« war zu der Zeit purer Kult, ein Boom-Objekt. Um jedes neue Heft entstand ein unglaublicher Hype, ich wüsste nicht, dass es vorher oder auch später bei Comics je einen vergleichbaren Erfolg gegeben hätte. »Asterix« war damals Zeitgeist. Der Comic funktionierte, weil er so herrlich subversiv war.

Auch mit unseren Schallplatten bedienten wir höchst erfolgreich den Zeitgeist: Ich ging in die angesagten Diskotheken und ließ dort unsere Plattenempfehlungen auflegen, anschließend musste der DJ durchsagen, dass es diese super Platte bei Montanus auf der Kaiserstraße zu kaufen gab.

Wir veranstalteten Lesungen mit links orientierten Schriftstellern, ich traf Größen wie Gerhard Zwerenz und Heinrich Böll, und natürlich hatten wir Kontakt mit der ganz linken Szene. Es war eine wilde, spannende Zeit, ich lernte eine mir völlig neue Welt kennen.

Vor allem aber hörte ich jede Menge Platten. Bei Montanus begann meine Liebe zur Musik fast aller Richtungen.

Musik prägte damals das Leben stärker als heute. Es war die Flower-Power-Zeit, die Zeit der Hippie-Bewegung. Musik wurde zu dem bestimmenden Lebensgefühl und auch zu einem Ausdruck von Protest. Anfang der Siebzigerjahre gab es in der Szene vielleicht zwei, drei verschiedene Musikrichtungen, heute gibt es mindestens zwanzig, eine ungeheure Vielfalt.

Musik war für mich seit meiner Kindheit immer ein wichtiges Thema gewesen, ich bin gewissermaßen mit Caterina Valente, Lale Anderson und Freddy Quinn aufgewachsen. Mein Vater hörte besonders gerne Schallplatten von Karel Gott in der Landessprache, sie erinnerten ihn an seine böhmische Heimat. Und wie oft latschten wir zu Sudetendeutschen-Treffen, weil dort Ernst Mosch mit seinen Egerländer Musikanten auftrat, mit dem ich später sogar zusammengearbeitet habe.

Und dann kam plötzlich die Popmusik mit den Beatles. Ein Schulkamerad, dessen Vater Kontakte zur englischen Musikszene hatte, brachte eines Tages ein Weißmuster, also eine erste Anpressung, mit Beatles-Songs mit, etwas ganz Schickes. Wir hörten uns die Musik im Jugendhaus auf einem quäkenden Plattenspieler an, aber meine Begeisterung hielt sich ehrlich gesagt in Grenzen. Die Beatles waren toll, trotzdem wurde ich kein richtiger Fan von ihnen und auch nicht von den Rolling Stones. Platten waren ja teuer, und ich hatte damals kaum Geld für solche Spirenzchen. Aber jetzt, bei Montanus, saß ich an der Quelle.

In dieser Zeit lernte ich auch Peter Horton kennen, mit dem ich bis heute befreundet bin. Peter war und ist ein sensationeller Gitarrist, und er ist, was viele nicht wissen, ein begnadeter Songwriter. Seine Texte sind von einem unglaublichen Witz und Humor. Und Peter war es auch, der mir damals schon nahelegte, in der Musikbranche zu arbeiten. Er empfahl mich sogar seinem Plattenboss Peter Kirsten.

Doch das war mir nun doch zu dünnes Eis. Bei Montanus lief es gut, ich hatte Spaß und Erfolg. Das fanden meine Vorgesetzten offenbar auch. Nach vier Monaten jedenfalls boten sie mir den Job des Verkaufsleiters der bestehenden vier Montanus-Läden in München, Karlsruhe, Köln und Hamburg an. Ich hatte einen ganz klaren Auftrag: Montanus wollte expandieren, ich sollte diese Expansion vorantreiben.

Also zog ich wieder um, dieses Mal von Karlsruhe nach Frankfurt, in die Nähe der Montanus-Zentrale. Mit meinen Siebensachen, die in ein paar Jaffa-Kisten passten, quartierte ich mich erst einmal bei meiner Oma in Großkrotzenburg bei Hanau ein, um von dort aus Deutschland für Montanus zu erobern. Ich wusste, ich würde so viel in der Bundesrepublik unterwegs sein, dass es ganz unerheblich war, wo ich wohnte.

Der Zufall wollte es, dass ich gewissermaßen in letzter Minute in Karlsruhe Waltraud kennenlernte, meine spätere zweite Frau. Es war in einer Diskothek, ich wollte mich von ein paar Freunden verabschieden, bevor ich mich nach Frankfurt aufmachte. Plötzlich stand sie da, mit ihrer Zwillingsschwester, zwei große, schlanke blonde Feen. Da war es um mich geschehen. Ein Jahr später zog ich nach Karlsruhe zurück, zu ihr, vier Jahre später heirateten wir.

Doch erst einmal war Frankfurt angesagt. Von dort schwärmte ich aus, um neue Läden für Montanus-Filialen aufzutun. Ich suchte die infrage kommenden Objekte in besonders guten Lagen aus, stellte mich an die Straße, zählte Passanten, um herauszufinden, ob der Standort unseren Ansprüchen genügte. Ich betrieb Basisarbeit, das, was man eben macht, wenn man einen Laden eröffnen möchte.

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