Logo weiterlesen.de
Gerontologie – das Altern verstehen: Band 3

Bettina M. Jasper

Gerontologie – das Altern verstehen

Altern in der Gesellschaft

VINCENTZ NETWORK

Bettina M. Jasper

Gerontologie – das Altern verstehen

Altern in der Gesellschaft

Inhalt

VORWORT

DEMOGRAFIE

Lernziele

Themenübersicht

Grundbegriffe

Entwicklung

Auswirkungen demografischer Veränderungen

Migration

ALTER(N)SBILDER

Lernziele

Themenübersicht

Altern als Prozess

Veränderungen im Alter

Bilder vom Alter(n)

WAHRNEHMUNG

Lernziele

Themenübersicht

Prinzipien & Merkmale

Arten der Wahrnehmung

Veränderungen der Wahrnehmung & Intervention

Fehler & Täuschungen

DEVIANZ

Lernziele

Themenübersicht

Hintergründe

Abweichendes Verhalten in der Gesellschaft

Abhängigkeiten

Suizid

Weitere Erscheinungsformen

LEBENSENDE

Lernziele

Themenübersicht

Sterben & Gesellschaft

Sterben – ein Prozess

Sterbende begleiten

Vorsorge

Anhang

Stichwortverzeichnis

Zum Weiterlesen

Institutionen im Internet

Dank

Autorin

Ihr exklusiver Bonus an Informationen!

Ergänzend zu diesem Buch bietet Ihnen Altenpflege Bonus-Material zum Download an. Scannen Sie den QR-Code oder geben Sie den Buch-Code unter www.altenpflege-online.net/bonus ein und erhalten Sie Zugang zu Ihren persönlichen kostenfreien Materialien!

Buch-Code: AH1156

VORWORT

Dies ist nun der dritte von vier Bänden. Mein im Jahr 2002 erschienener Titel „Gerontologie“ aus der Reihe „Lehrbuch Altenpflege“ ist inhaltlich und gestalterisch aufgefrischt. Die neue Buchreihe hat nunmehr eine völlig veränderte und ungewöhnliche Gestaltung, deren Grundstruktur sich während meiner langjährigen Unterrichtspraxis an der Fachschule für Pflegeberufe „Sancta Maria“ in Bühl entwickelte. Die Publikation richtet sich an Auszubildende und Pflegefachkräfte sowie an Betreuungskräfte und Alltagsbegleiter, die darin viel Hintergrundinformation für ihre Arbeit finden.

Gerontologische Inhalte sind aufgeteilt in vier Themenpakete, eines je Band. In jeweils einem kompakten Buch sind Inhalte nach Stichworten mit Querverweisen im Sinn einer Nomenklatur, also eines Fachwörterbuchs, zusammengestellt und in Themenfeldern alphabetisch sortiert.

Am Ende des Buchs gibt es eine Rubrik „Zum Weiterlesen“ mit Literatur-Tipps für alle diejenigen, die tiefer in ein Thema eintauchen möchten.

Hat der erste Teil der Buchreihe viel theoretischen Hintergrund, der zweite viel Biografisches zum Inhalt, stehen in diesem dritten von vier Bänden „GERONTOLOGIE – ALTERN IN DER GESELLSCHAFT“ Themen wie Demografie, Alternsbilder, Wahrnehmung, Devianz und schließlich das Lebensende im Mittelpunkt.

Der vierte und letzte Band ist dem Arbeitsfeld Altenpflege gewidmet.

Ich bin sehr gespannt, wie der so aufbereitete Stoff angenommen wird. Den Leserinnen und Lesern wünsche ich eine gewinnbringende Lektüre – möge dieses Kompendium ein Leitfaden werden und vielen Nutzern brauchbare Anregungen geben, ihre tägliche Arbeit erfolgreich zu bewältigen.

Bettina M. Jasper

November 2020

DEMOGRAFIE

Bevölkerung im Wandel

Unsere Gesellschaft verändert sich. Täglich berichten Medien über Themen, die mit dem Wandel der Bevölkerungsstruktur in Verbindung stehen – Migration, Überalterung, Renten … das sind nur einige Stichworte, die regelmäßig die Nachrichten prägen. Bauen die einen den Wandel zum schicksalhaften Schreckgespenst auf mit katastrophalen Folgen für Sozial- und Gesundheitssysteme sowie für den Stellenwert von Familie, so bewerten andere die Veränderungen weniger dramatisch und sehen im Prozess der Alterung und des voraussichtlichen Schrumpfens der Gesellschaft auch Chancen.

Die Folgen demografischen Wandels betreffen alle Menschen jeder Generation. Wer in der Altenpflege arbeitet, findet heute einen sicheren Arbeitsplatz, hat aber gleichzeitig mit der veränderten Familienstruktur im eigenen Umfeld zu tun. Da gilt es, neben der Berufstätigkeit hochaltrige Angehörige zu pflegen, Lösungen für die eigene Wohnsituation zu finden und schon früh vorzusorgen fürs eigene Rentenalter. Wir werden älter und gewinnen wertvolle Jahre, außerdem war die Lebenszeit ohne Erwerbsarbeit noch nie länger. Dabei ermöglichen heutige Rahmenbedingungen lange Zeit mit hoher Lebensqualität.

Das Zusammenleben und -arbeiten mit Menschen aus anderen Kulturkreisen birgt Herausforderungen, die nicht nur die Sprache betreffen. Doch das alles macht das Leben auch spannender und interessanter.

Mit offenen Augen durchs Leben gehen, Informationen sammeln, Nachrichten und Entwicklungen verfolgen sowie sich Zusammenhänge erklären und erschließen – das alles hilft beim Miteinander-Verständigen in einer immer bunteren Gesellschaft.

Lernziele

Wissen,

 welche Faktoren die demografische Entwicklung beeinflussen.

 wie sich unsere Gesellschaft verändert.

 warum Demografie jeden ganz persönlich betrifft.

 welche Auswirkungen die demografische Entwicklung auf die eigene Lebensplanung hat.

 dass Migration ein wertneutraler Faktor ist, der eine Gesellschaft positiv wie negativ beeinflussen kann.

Verstehen und sich bewusst machen, dass

 sich ändernde Familienstrukturen weit reichende Auswirkungen haben auf Wohnungsbau, Rentenpolitik usw.

 außerfamiliale Netzwerke für die Lebensgestaltung im Alter immer wichtiger werden.

 soziale Sicherung des Alters schon in früheren Lebensphasen beginnen muss.

 Immigration nötig ist, um rückläufige Bevölkerungszahlen auszugleichen.

 viele Wirtschaftsbereiche, auch die Pflege, ohne Zuwanderer nicht mehr zurechtkämen.

 eine multinationale Gesellschaft das Leben kulturell bereichern kann.

 Prognosen naturgemäß viele Unwägbarkeiten beinhalten und in ihrer Verlässlichkeit begrenzt sind.

Im Arbeitsalltag

 mit alten Menschen über deren Beobachtungen sprechen, wie sich die Gesellschaftsstruktur in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

 Biografien gezielt untersuchen im Hinblick auf Familienstrukturen heute alter Menschen.

 beobachten, mit welchen Nationalitäten Sie in Berührung kommen – bei Bewohnern bzw. Tagesgästen und bei Kolleginnen.

 die eigene Situation zur Altersvorsorge betrachten.

 die Pflege individuell und an den konkreten Wünschen und Bedürfnissen des einzelnen Menschen orientiert planen, umsetzen und auswerten.

Themenübersicht

Grundbegriffe

Alterspyramide auch Bevölkerungspyramide oder Lebensbaum genannt, ist die grafische Darstellung einer Bevölkerung nach den Merkmalen Alter und Geschlecht ( S. 14). Die Bezeichnung stammt aus der Zeit des Deutschen Reiches1 vor 1933. Im Jahr 1910 glich die Darstellung exakt einer Pyramide bzw. einem stilisierten Tannenbaum. Sie war getragen von einer breiten Basis mit vielen Kindern und Jugendlichen und spitzte sich gleichmäßig nach oben hin zu mit immer weniger Menschen in den hohen Altersgruppen. Dieses Bild prägte den Begriff.

Die Darstellung der heutigen Situation wird mit unterschiedlichen Bezeichnungen beschrieben wie Urne, Sarkophag, Bischofsmütze, auch überspitzte Zwiebelform. Aktuelle Veränderungen und Prognosen sind ständig online abrufbar über eine animierte Darstellung des Statistischen Bundesamtes2.

Altersspezifische Geburtenraten beschreiben die Anzahl lebend Geborener von Frauen einer bestimmten Altersgruppe, bezogen auf 1.000 Frauen dieses Alters. Dabei werden in der Regel die Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 45 Jahren betrachtet.

Baby-Boomer Mit diesem Begriff werden die Generationen der Nachkriegszeit bis in die frühen 1960er-Jahre bezeichnet, die zu Zeiten stark gestiegener Geburtenraten geboren wurden. Seinen Höhepunkt erreichte der Boom 1964, als eine Frau im statistischen Durchschnitt 2,53 Kinder zur Welt brachte.

Bevölkerungspyramide Alterspyramide.

Demografie (gr.lat., gr. demos = Volk, lat. graphium = Schreibgriffel) Wissenschaft, die sich mit der Aufzeichnung und Beschreibung der Bevölkerungsstruktur befasst. Mit Hilfe von Statistik beschäftigt sie sich mit Bevölkerungszahl und -zusammensetzung, Altersaufbau, Geschlechterverteilung, Entwicklung durch Geburten und Sterberate sowie Wanderungsbewegungen. Auf der Basis solcher Daten erstellt sie Prognosen.

Einflussgrößen Die Berechnung der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung einer Nation hängt von drei Einflussgrößen ab: Fertilität, Mortalität und Migration.

Emigration (lat. emigrare = auswandern) Auswanderung.

Fertilität (lat. fertilitas = Fruchtbarkeit) Geburtenrate.

Geburtenrate auch bezeichnet als „Geburtenziffer“, wird unterteilt in „rohe Geburtenrate“ und „altersspezifische Geburtenraten“.

Um 1870 herum bekamen Frauen im Durchschnitt fünf Kinder. Dabei war die Kindersterblichkeit hoch und die Lebenserwartung deutlich niedriger als heute. Bei der aktuell geringen Säuglings- und Kindersterblichkeit müsste rechnerisch jede Frau im Durchschnitt 2,1 Kinder gebären, damit die Bevölkerungszahl, betrachtet ohne Wanderungsbewegungen, konstant bliebe. Die Geburtenrate lag in Deutschland 2017 bei 1,57 Kindern pro Frau.

Generation (lat. generation = Zeugung(sfähigkeit) bezeichnet in der Demografie eine Altersgruppe innerhalb einer Gesellschaft, z. B. alle in einem bestimmten Jahr, Jahrfünft oder Jahrzehnt Geborenen.

Generation X3 bezeichnet die Generationen nach den Baby-Boomern. Sie wurden zwischen Mitte der 1960er- und Mitte der 1970er-Jahre geboren und wurden durch Medienrevolution und technologische Neuerungen geprägt, auch als „MTV-Generation“ bekannt.

Generation Y auch „Millenials“ genannt, wurden die Angehörigen dieser Generation zwischen 1980 und 1995 geboren und sind als „Digital Natives“ bereits in der digitalen Welt zu Hause.

Generation Z oder „GenZ“ fasst junge Menschen der Jahrgänge zusammen, die nach 1995 geboren wurden und in Nachfolge der Generationen X und Y in einer digitalen Welt aufgewachsen sind.

Generationenvertrag Dabei handelt es sich um eine tragende Säule der sozialen Sicherung, nicht um einen Vertrag im üblichen Sinn. Dieses Solidarsystem der Rentenversicherung wurde im 19. Jahrhundert unter der Reichsregierung Otto von Bismarcks erdacht und eingeführt. Es basiert auf dem gesellschaftlichen Konsens, dass jeweils jüngere Generationen für die materielle Absicherung der älteren sorgen.

Prinzip ist, dass die erwerbstätigen Generationen prozentual anteilig aus ihren Einkommen in die Rentenversicherung einzahlen und damit Finanzierung der aktuellen Rentnergenerationen sichern. Damals zahlten etwa zehn Arbeitnehmer für einen Rentner, der zu der Zeit durchschnittlich zehn Jahre lang Rente bezog.

Klar ist, dass der demografische Wandel eine Veränderung im Rentensystem erfordert. Wie die Zukunft des Generationenvertrags jedoch konkret aussieht, darüber herrscht bisher Ungewissheit.

Immigration (lat. immigrare = einwandern) Einwanderung.

Kohorte ● ● Gruppe von Personen, die im gleichen Zeitintervall gleiche oder ähnliche persönliche oder gesellschaftliche Ereignisse erlebt haben, z. B. Geburt, Schulabschluss, politische Entwicklungen usw.

Migration (lat. migrare = auswandern, übersiedeln) bezeichnet die Wanderungsbewegungen im Sinn dauerhafter Einwanderung ( Immigration) und Auswanderung ( Emigration).

Mikrozensus „Amtliche Repräsentativstatistik auf der Grundlage einer einstufigen geschichteten Flächenstichprobe zur Erfassung bevölkerungs- und erwerbsstatistischer Daten zwischen zwei Totalerhebungen (Volkszählungen).“ 4 Dazu werden Register der Einwohnermeldeämter ausgewertet und nicht nur Einwohnerzahlen erhoben, sondern auch Angaben über Erwerbstätigkeit, Gebäudestand usw. 2011 gab es in Deutschland die erste gesamtdeutsche Zählung nach der Wiedervereinigung, gleichzeitig die erste registergestützte. Zensus.

Mortalität (lat. mortalitas = Vergänglichkeit, Sterblichkeit) Sterberate.

Pillenknick Die Geburtenrate ging ab den 1970er-Jahren sowohl in der Bundesrepublik als auch in der damaligen DDR deutlich zurück. Als wesentlicher Grund dafür wird die Antibabypille angesehen, die in Deutschland seit 1961 erhältlich ist, jedoch bis in die 1970er-Jahre hinein noch nicht weit verbreitet war. Frauen gewannen mit dieser Verhütungsmethode sexuelle Freiheit. Aktuell wird jedoch die Theorie stark bezweifelt, dass die Pille für den Einbruch der Geburtenrate verantwortlich gewesen sei.

Rohe Geburtenrate beschreibt die Anzahl lebend Geborener in einem bestimmten Jahr, bezogen auf 1.000 Einwohner.

Sandwich-Generation ist der Begriff, der die Generationen der 40- bis 60-Jährigen beschreibt. Mitglieder dieser Altersgruppen stoßen häufig an Belastungsgrenzen, denn sie sind quasi eingeklemmt zwischen der Verantwortung für ihre Kinder und der für die eigenen Eltern. Das gilt für finanzielle Belastungen ebenso wie für zeitliche und psychische. Besonders betroffen sind davon Frauen.

Sterberate bezeichnet das Verhältnis der Anzahl von Todesfällen zur Gesamtzahl einer Bevölkerung, meist bezogen auf 1.000 Menschen, innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Sie wird nach Alter und Geschlecht differenziert und gelegentlich auf bestimmte Personengruppen bezogen, z. B. Säuglings- oder Müttersterblichkeit. Die Sterberate bildet eine wichtige Grundlage für die Berechnung der Lebenserwartung.

Sterbetafel „Eine Sterbetafel ist ein demografisches Modell, das die zusammenfassende Beurteilung der Sterblichkeitsverhältnisse einer Bevölkerung unabhängig von ihrer Größe und Altersstruktur ermöglicht. Die Sterbetafel zeigt hierzu in einer nach Geschlecht getrennten Tabelle, wie viele Personen eines Ausgangsbestandes aufgrund von Sterbewahrscheinlichkeiten in den einzelnen Altersjahren überleben und sterben werden. Darüber hinaus gibt die Sterbetafel Auskunft über die geschlechtsspezifische durchschnittliche Lebenserwartung in den einzelnen Altersjahren.“ 5

Wanderungsbewegung auch Migration, beschreibt den langfristigen oder dauerhaften Wechsel des ständigen Aufenthaltsorts von Menschen, häufig hervorgerufen durch politische, soziale oder wirtschaftliche Notsituationen, jedoch auch in beruflichen Zusammenhängen im Sinn von Arbeitsmigration. In der Regel vollzieht sich die Wanderung zwischen Staaten, kann aber auch administrative Untereinheiten betreffen (Binnenmigration), also in Deutschland den Wechsel zwischen Bundesländern oder Regionen.

Zensus (lat. census = Zählung) Volkszählung. Der nächste Zensus in Deutschland ist für 20226 geplant.

Entwicklung

Absolute Alterung Die absolute Anzahl alter Menschen steigt deutlich an. Rund 23 der insgesamt 83 Millionen in Deutschland sind über 60 Jahre alt. Das sind mehr als 27 Prozent, also mehr als ein Viertel der Bevölkerung. Die Über-60-Jährigen sind weltweit die am schnellsten wachsende Altersgruppe.

Altenquotient Bezeichnet das zahlenmäßige Verhältnis von erwerbstätigen Generationen (21- bis 60-Jährige) zu Senioren (über 60-Jährige). Aktuell kommen auf 100 Erwerbstätige in Deutschland etwa 35 Personen über 60 Jahren. Im Jahr 1950 betrug das Zahlenverhältnis noch 100: 16.

Wenn die Zahl der Senioren zu- und die der Erwerbstätigen abnimmt, steigt der Altenquotient. Das bedeutet, dass die finanzielle Belastung der Erwerbstätigen durch Beiträge in die Systeme der sozialen Sicherung zunimmt. Seit 1991 ist fast durchgängig ein Anstieg des Altenquotienten zu beobachten – mit dem Eintritt der Baby-Boomer ins Rentenalter als Höhepunkt.

Alterung Die deutsche Bevölkerung altert in dreifacher Hinsicht:

 Absolute Zahl der Menschen über 60 Jahren,

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Gerontologie III - Das Altern verstehen" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen