Logo weiterlesen.de
Gender@Wissen. Ein Handbuch der Gender-Theorien

UTB-Logo

Eine Arbeitsgemeinschaft der Verlage

Böhlau Verlag · Wien · Köln · Weimar

Verlag Barbara Budrich · Opladen · Toronto

facultas.wuv · Wien

Wilhelm Fink · München

A. Francke Verlag · Tübingen und Basel

Haupt Verlag · Bern

Verlag Julius Klinkhardt · Bad Heilbrunn

Mohr Siebeck · Tübingen

Nomos Verlagsgesellschaft · Baden-Baden

Ernst Reinhardt Verlag · München · Basel

Ferdinand Schöningh · Paderborn · München · Wien · Zürich

Eugen Ulmer Verlag · Stuttgart

UVK Verlagsgesellschaft · Konstanz, mit UVK/Lucius · München

Vandenhoeck & Ruprecht · Göttingen · Bristol

vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich

Christina von Braun, Inge Stephan (Hg.)

Gender@Wissen

Ein Handbuch
der Gender-Theorien

3. überarbeitete und erweiterte Auflage

BÖHLAU VERLAG

KÖLN WEIMAR WIEN · 2013

Christina von Braun ist Professorin am Institut für Kulturwissenschaft an der HU zu Berlin.

Inge Stephan ist Professorin em. am Institut für deutsche Literatur der HU zu Berlin.

 

 

 

 

 

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind

im Internet über https://dnb.ddb.de abrufbar.

Online-Angebote oder elektronische Ausgaben sind erhältlich

unter www.utb-shop.de.

 

Umschlagabbildung:

Ricarda Roggan, Triptychon (Detail). Zwei Stühle und ein Tisch.
Stuhl, Tisch und Kasten. Stuhl, Tisch und Stellwand, 2001.

C-Print, je 100 x 125 cm, © Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin,
VG Bildkunst Bonn, 2013.

 

3. Auflage 2013

2. Auflage 2009

1. Auflage 2005

 

© 2013 by Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln Weimar Wien

Ursulaplatz 1, D-50668 Köln, www.boehlau-verlag.com

Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt.

Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes

ist unzulässig.

Einbandgestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart

Satz: synpannier. Gestaltung & Wissenschaftskommunikation, Bielefeld

Druck und Bindung: AALEXX Buchproduktion GmbH, Großburgwedel

Gedruckt auf chlor- und säurefreiem Papier

Printed in Germany

UTB-Band-Nr. 2584 | ISBN 978-3-8252-3926-8 | ISBN 978-3-8463-3926-8 (ePub)

Inhaltsverzeichnis

Cover

Impressum

Über dieses eBook

Vorwort zur 3. Auflage

Vorwort zur 2. Auflage

1     Einführung

Gender@Wissen (Christina von Braun und Inge Stephan)

Wissensordnung und symbolische Geschlechterordnung

Die Auslagerung von geschlechtlichen Codes aus der Wissenschaft: Kanon und Reinheit

Die Einlagerung von Geschlechtercodes in die Wissenschaft: Sexualisierung und Entsexualisierung

Metaphysik und Wissenschaft

Corpus fictum und organischer Körper

Das heilige Gen

Geschlecht als Wissenskategorie

Bibliographie

2     Themenfelder

Identität (Claudia Breger)

Einleitung

Das ,andere Geschlecht‘ auf dem Weg zur Subjektwerdung:
Simone de Beauvoir

Auf der Suche nach (weiblicher) Identität: Die neue Frauenbewegung

(Weibliche) Differenz: Der ,französische‘ Feminismus

Differenzen, oder: Zur Genealogie der Identität. Gender Trouble

Identität, ,postdekonstruktiv‘? Reformulierungen und Perspektiven

Bibliographie

Körper (Irmela Marei Krüger-Fürhoff)

Einleitung

Entwicklungsgeschichte des Begriffs

Einordnung in die Wissenschaftsgeschichte

Anbindung an allgemeine politische und wissenschaftliche Debatten

Querverbindungen zu anderen politischen Feldern

Bibliographie

Zeugung (Bettina Bock von Wülfingen)

Einleitung (vom Zeugen und Schaffen)

Zeugung in der Naturforschung von der Antike bis zur Moderne: Flüsse und Ökonomie

Naturforschung im 19. und 20. Jahrhundert: Das gezeugte Geschlecht

Zeugung des Lebens aus sich selbst heraus als Akt des Widerstands: Urzeugung, Autopoiese und Parthenogenese in der Moderne

Zeugung jenseits der sterblichen Körper: Re- / Produktion und Biokapital

Bibliographie

Reproduktion (Bettina Mathes)

Einleitung

Die Fruchtbarkeit der Medien

Die Reproduktion des Geschlechtskörpers

Bibliographie

Sexualität (Heike Jensen)

Einleitung

Die Erforschung der Sexualität im Abendland

Ausblick

Bibliographie

Geld (Christina von Braun)

Drei Formen der Gelddeckung

Die sakrale Gelddeckung

Der menschliche Körper im Opferritus

Das Geschlecht des Opfers

Geld und Alpha

Christliche Religion und Geld

Die moderne Opfer- und Inkarnationslogik des Geldes

Das Geld und die Psyche

Versuch eines Fazits

Bibliographie

Gewalt / Macht (Christine Künzel)

Einleitung

Anfänge in den Sozialwissenschaften

Gewalt in Ehe und Familie

Sexuelle Gewalt

Perspektiven der (feministischen) Politikwissenschaften

Kriminologie und Rechtswissenschaften

Aspekte der Männerforschung

Ausblick

Bibliographie

Rassismus (Claudia Bruns)

Begriff und Geschichte des Rassismus

Interrelationen zwischen race und gender

Bibliographie

Globalisierung (Heike Jensen)

Begriffsbestimmung und Abgrenzungen

Globalisierung als Gegenstand der Geschlechterforschung

Die Ideologie der Globalisierung und das „glokale“ Denken

Ökonomische Globalisierung im Blick der Geschlechterforschung

Globalisierung und progressive Geschlechterpolitik

Bibliographie

Performanz / Repräsentation (Dagmar von Hoff)

Entwicklungsgeschichte der Begriffe

Einordnung in die Wissenschaftsgeschichte und Anbindung an allgemeine und wissenschaftliche Debatten in den Gender Studies>

Querverbindungen zu künstlerischen Produktionen und ihre Analyse

Querverbindungen zu anderen theoretischen Feldern

Bibliographie

Lebenswissenschaften (Kerstin Palm)

Was sind Lebenswissenschaften?

Geschichte der Lebenswissenschaften

Genderforschung zu einzelnen Bereichen der Lebenswissenschaften

Schluss

Bibliographie

Natur / Kultur (Astrid Deuber-Mankowsky)

Man kommt nicht als Frau zur Welt

Die Benennung der Natur

Die Sexualisierung der Natur

Kultur und Mutter Natur

Differenz und / oder Egalität

Das niemals verschwindende Verlangen nach Artikulation

Bibliographie

Sprache / Semiotik (Lann Hornscheidt)

„Das habe ich doch nur so gesagt …“ oder alles nur Worte?

Sprache als Abbild und als Herstellung von Wirklichkeit

Die strukturalistische Sprachsicht

Konkretisierungen des Zusammenhangs von Sprache und Gender vor dem Hintergrund einer strukturalistischen Sprachsicht

Eine konstruktivistische Sprachsicht

Konkretisierungen des Zusammenhangs von Sprache und Gender auf dem Hintergrund eines konstruktivistischen Sprachverständnisses

Ausblick: Die Begrenzungen einer Fokussierung auf Sprache

Bibliographie

Gedächtnis (Claudia Öhlschläger)

Begriffsgeschichte und Tendenzen der Gedächtnisforschung

Topographie (Raum) und Bild

Gedächtnis und Geschlecht. Körpergedächtnis

Erinnerungsspuren: Freud – Benjamin – Warburg

Geschlecht und Geschichte: Erinnerung und Repräsentation – Geschlechtermythen und Geschichtsschreibung

Bibliographie

Mythos / Mythen (Inge Stephan)

Einleitung

Schlüsselmythen

Ausgewählte mythische Figuren

Ausblick

Bibliographie

3     Abgrenzungen / Überschneidungen

Postmoderne (Dorothea Dornhof)

Postmoderne im Zeichen globaler Differenz

Repräsentationskritik – Interventionen in die symbolische Ordnung der Geschlechter

Differenz – Machtkritik – virtuelle Räume

Bibliographie

Queer Studies (Sabine Hark)

Einleitung

Queer – Das politische Projekt

Queer – Das akademische Projekt

Queer und Feminismus: Die Frage der Sexualität

Butler und die Folgen: Deutschsprachige Queer Studies

Queer time: Der Moment der Artikulation von queer

Heteronormativitä

Normalisierungskritik

Zur Genealogie von queer

Herausforderungen: Queer Studies und die Frauen- und Geschlechterforschung

Bibliographie

Postcolonial Theory (Gabriele Dietze)

Postkolonialität – Terminus und Gegenstandsbereich

Politische Genealogien von Postkolonialität und Gender

Theorien von Postkolonialität

Postkoloniale Theorie und Feminismus

Interventionen I – Third-World- und Transnationaler Feminismus

Interventionen II – Queer of Diaspora Critique

Interventionen III – Dekolonialer Feminismus

Schlussbemerkung

Bibliographie

Media Studies (Kathrin Peters)

Begriffsbestimmunge

Unbestimmbarkeit von Medien

Gender und Medien

Bild – Apparat – Geschlecht

Wissen – Körper – Technologie

Bibliographie

Cultural Studies (Claudia Benthien und Hans Rudolf Velten)

Cultural Studies und Kulturwissenschaft(en)

Geschichte, Gegenstände und Konzepte der Cultural Studies

Schnittstellen von Gender Studies und Cultural Studies

Bibliographie

Zu den AutorInnen

Claudia Benthien

Bettina Bock von Wülfingen

Christina von Braun

Claudia Breger

Claudia Bruns

Astrid Deuber-Mankowsky

Gabriele Dietze

Dorothea Dornhof

Sabine Hark

Dagmar von Hoff

Lann Hornscheidt

Heike Jensen

Irmela Marei Krüger-Fürhoff

Christine Künzel

Bettina Mathes

Claudia Öhlschläger

Kerstin Palm

Kathrin Peters

Inge Stephan

Hans Rudolf Velten

Rückumschlag

Vorwort zur 3. Auflage
Gender@Wissen

Wir freuen uns, dass Gender@Wissen in Forschung und Lehre weiterhin auf große Zustimmung stößt und der Verlag mit der Bitte an uns herantrat, eine dritte Auflage vorzubereiten. Für diese neue Auflage sind die meisten Beiträge – wie bereits im Falle der zweiten Auflage – kritisch durchgesehen und z. T. ergänzt worden. Darüber hinaus haben wir uns entschlossen – zusätzlich zu der umfangreichen gemeinsamen Einleitung – zwei eigene Beiträge zu den Themen „Geld“ und „Mythos“ aufzunehmen, die das Profil des Bandes erweitern sollen. Auch der neu eingeworbene Beitrag zum Thema „Rassismus“ von Claudia Bruns stellt eine wichtige Vertiefung des bisherigen Themenspektrums dar. Die nunmehr fünfzehn Themenfelder geben zusammen mit der Einführung und den fünf übergreifenden Interdependenz-Kapiteln einen kompakten Überblick über die gegenwärtigen Genderdebatten, von dem wir uns auch für die Zukunft Impulse für Forschung und Lehre erhoffen.

Die organisatorische und technische Betreuung der dritten Auflage hat auch diesmal Julia Eckhoff übernommen, der wir an dieser Stelle ebenso herzlich danken möchten wie unseren BeiträgerInnen für ihr Engagement in allen bisherigen Auflagen.

Christina von Braun, Inge Stephan

Berlin im April 2013 [<< 7] Seitenzahl der gedruckten Ausgabe

Vorwort zur 2. Auflage
Gender@Wissen

Seit seinem ersten Erscheinen im Jahre 2005 hat sich Gender@Wissen zu einem Standardwerk entwickelt, das Studierenden einen Überblick über zentrale Themenfelder der Gender-Theorien vermittelt. Zusammen mit der umfangreichen Einführung in das Verhältnis von Wissensordnungen und symbolischer Ordnung und der Bedeutung von Geschlecht als Wissenskategorie sowie fünf Übersichtsbeiträgen, in denen die Interdependenzen der Gender-Studien mit anderen Disziplinen aufgezeigt werden, bietet der Band mit seinen ursprünglich elf Themenfeldern, die von „Identität“ bis zu „Gedächtnis“ reichen, eine kompakte Einführung in einen Wissenschaftsdiskurs, der sich in Forschung und Lehre inzwischen etabliert hat.

Für die zweite Auflage konnten wir eine weitere Beiträgerin gewinnen, die den Bereich „Zeugung“, der in den letzten Jahren in unterschiedlichen Disziplinen in neuer Weise prominent geworden ist, unter wissenschaftsgeschichtlichen und gendertheore­tischen Fragestellungen präsentiert und damit das Themenfeld „Reproduktion“ aus der ersten Auflage in spannender Weise aufnimmt und auf neue naturwissenschaftliche Verfahren und Debatten hin öffnet.

Alle Beiträge sind für die zweite Auflage gründlich überarbeitet bzw. kritisch durchgesehen worden. Für die Endkorrektur danken wir sehr herzlich Julia Eckhoff, die mit großer Akribie für die notwendigen Vereinheitlichungen gesorgt hat. Wie für die erste Auflage hat uns Ricarda Roggan auch für die zweite Auflage großzügigerweise ein Foto aus ihrem Zyklus „Zwei Stühle und ein Tisch, Stuhl, Tisch und Kasten, Stuhl, Tisch und Stellwand“ (2001) für das Titelblatt zur Verfügung gestellt. Wir haben Ricarda Roggan im Künstlerhaus Wiepersdorf kennen gelernt, wo wir die erste Auflage von Gender@Wissen vorbereitet und die damalige Einführung für den Band geschrieben haben.

Christina von Braun, Inge Stephan

Berlin im Juni 2009 [<< 9] Seitenzahl der gedruckten Ausgabe

1     Einführung

Gender@Wissen
Christina von Braun und Inge Stephan

Wissensordnung und symbolische Geschlechterordnung

Ausgangspunkt des Buches ist die Frage nach dem Verhältnis von Wissen / Wissenschaft und Geschlecht. Die Aufsätze geben, in unterschiedlichen Varianten und bezogen auf ihre jeweiligen Themenfelder, Auskunft darüber, dass die Beziehung zwischen der Wissens- und der Geschlechterordnung unter dem Zeichen der Dichotomie Natur / Kultur oder Geist / Körper stand und steht – einer Dichotomie, die ihrerseits ein hierarchisches Verhältnis zwischen der gestaltenden Kultur und der zu domestizierenden oder gestalteten Natur implizierte. Diese Zweiteilung wurde wiederum ‚naturalisiert‘, indem in der symbolischen Geschlechterordnung den beiden Polen je ein Geschlecht zugewiesen wurde: Männlichkeit repräsentiert Geistigkeit und Kultur, während die Natur und der Körper als ‚weiblich‘ codiert wurden – eine Zuordnung, die sich bis weit in die Moderne hinein fortgesetzt hat und noch heute prägend bleibt für die Art, wie über ‚weibliche Irrationalität‘, Unberechenbarkeit und davon abgeleitet ‚Unwissenschaftlichkeit‘ gesprochen wird. Aber diese Dichotomie bildet nur den Ausgangspunkt unserer Überlegungen und der historischen Beziehung zwischen Wissens- und Geschlechterordnung. Auf diese erste ‚Setzung‘ folgte eine Entwicklung, die in den letzten zweihundert Jahren besonders deutlich zutage tritt und zu radikalen Umwälzungen auf beiden Gebieten führte. Eine der Grundannahmen unseres Buches ist die These, dass sich diese Gleichzeitigkeit der Veränderung nicht dem Zufall verdankt, sondern dass vielmehr eine enge historische und inhaltliche Verbindung zwischen dem Wandel der Wissensordnung und dem Wandel der symbolischen Geschlechterordnung besteht.

Die ‚traditionelle‘ Dichotomie Kultur versus Natur wurde in der Wissenschaft der Moderne zunehmend durch eine Spaltung in Natur- und Geisteswissenschaft überlagert – eine Spaltung, die ihrerseits auch in der symbolischen Geschlechterordnung ihren Ausdruck fand, gelten doch die Naturwissenschaften einerseits als hard sciences, andererseits aber auch als vornehmlich ‚männliche Fächer‘, während die Geisteswissenschaften gerne als ‚weiblich‘ gehandelt werden und in ihnen die Frauen sowohl unter den Lehrenden als auch unter den Studierenden tatsächlich stärker vertreten [<< 11] Seitenzahl der gedruckten Ausgabe sind als in den Naturwissenschaften. Dass es sich bei dieser ‚geschlechtlichen‘ Aufteilung der Fächer nicht etwa um geschlechterspezifische Begabungen oder Interessen handelt, sondern um eine symbolische Zuordnung, geht freilich aus der Tatsache hervor, dass sich Frauen, als ihnen Anfang des 20. Jahrhunderts endlich der Zugang zu akademischer Bildung gewährt wurde, mehrheitlich für Medizin oder ein naturwissenschaftliches Fach entschieden, während die Geisteswissenschaften – etwa vertreten durch die Philosophie oder die Geschichte – am längsten zögerten, Frauen Zugang zu ihrem Wissen zu gewähren. Schon wenige Jahrzehnte später ist es genau umgekehrt. In den Naturwissenschaften stellen Akademikerinnen heute eher die Ausnahme dar, aber sie sind gut vertreten in den Geisteswissenschaften. Mit Begabungen lässt sich eine solche Entwicklung nicht erklären, eher mit geschlechtsspezifischen Codierungen der Wissensordnung. Ein ähnlicher Wandel vollzog sich später noch einmal mit der Informatik. Als das Fach in den 1960er-Jahren an einigen Universitäten eingerichtet wurde, gab es zunächst wenige Frauen. Ab Anfang der 1980er-Jahre begann der Anteil rasch zu wachsen, um den für ein Ingenieurstudium ungewöhnlich hohen Frauenanteil von über 20 Prozent zu erreichen, bevor er gegen Ende der 1980er-Jahre wieder sank. Empirische Untersuchungen zu diesem Phänomen haben gezeigt, dass sich solche Schwankungen weder mit einer erworbenen oder angeborenen technizistischen Defizienz von Frauen erklären lassen noch mit unterschiedlichen Persönlichkeitsstrukturen der Geschlechter.1 Vielmehr, so scheint es, haben sie mit der Wissensordnung selbst zu tun – und deren wechselhaften geschlechtlichen Codierungen.

Betrachtet aus dem Winkel der ‚ursprünglichen‘ Dichotomie der Wissensordnung impliziert die ‚Vermännlichung‘ der Naturwissenschaften und die ‚Verweiblichung‘ der Geisteswissenschaften, dass sich eine komplette Umkehrung der alten Ordnung, die Männlichkeit mit ‚Geistigkeit‘ und Weiblichkeit mit ‚Naturhaftigkeit‘ gleichsetzt, vollzogen hat, erscheint doch Männlichkeit nun in Zusammenhang mit Natur, während die ‚Kultur‘ als ‚weiblich‘ daherkommt. Man könnte diesen Wandel mit einer generellen Aufhebung symbolischer Zuordnungen von Wissensgebieten an die beiden Geschlechter erklären. Aber dagegen spricht die Tatsache, dass symbolische Zuordnungen weiterhin stattfinden – nur eben unter umgekehrten Vorzeichen. So besteht die Erklärung für den Wandel vielleicht eher darin, dass den Begriffen ‚Natur‘ und ‚Kultur‘ (oder Körper und Geist) eine neue Stellung in der Wissensordnung eingeräumt wurde. Dass sich ein solcher Wandel auch tatsächlich vollzogen hat, ist unübersehbar. Noch [<< 12] bis ins 17. und 18. Jahrhundert galt an den europäischen Universitäten die theologische Fakultät als die wichtigste, wenn nicht gar die ganze Universität aus der Theologie bestand. Von der Theologie gingen die Grundsätze aus, nach denen die Wissenschaft zu funktionieren und ihre Erkenntnisfortschritte zu erzielen hatte. Nach dem Beginn der Neuzeit und vor allem mit der Aufklärung ging diese Aufgabe zunächst auf die Philosophie und die Geschichtswissenschaft über – diese beiden großen Fächer, in denen über den ‚Sinn‘ und die Sinngebung der nationalen Gemeinschaften reflektiert wurde. Fragt man heute, welche Fakultäten und Fächer der Universität als ‚Leitwissenschaften‘ zu betrachten sind, so wird ein naturwissenschaftliches Fach wie die Biologie oder die Medizin genannt. Der Grund dafür ist paradox: Einerseits sind diese Fächer zu Leitwissenschaften geworden, weil es sich um hard science handelt, das heißt, um Disziplinen, die mit quantifizierbaren und (jedenfalls meistens) verifizierbaren bzw. falsifizierbaren Methoden arbeiten. Andererseits sind sie aber auch deshalb zu Leitwissenschaften geworden, weil das alte Projekt der Unsterblichkeit – das einst der Theologie vorbehalten blieb, dann als Phantasie vom ‚Weltgeist‘ auf die Philosophie oder als Topos der ‚unsterblichen Nation‘ auf die Geschichte übergegangen war –, weil also das Projekt der Unsterblichkeit heute mit Vorliebe auf die natur- und medizinwissenschaftlichen Erkenntnisse setzt. Am deutlichsten lässt sich das erkennen an den Genwissenschaften, bei denen nicht nur die Metaphorik, sondern auch die der Wissenschaft selbst zugrunde liegenden Paradigmen eine bemerkenswerte Analogie zu christlichen Denktraditionen aufweisen.

Die ‚Verweiblichung‘ der Geisteswissenschaften ließe sich auch mit der Verdrängung dieser Fächer ins Abseits erklären – und diese Erklärung ist auch immer wieder zu hören. In der Tat ist zu beobachten, dass Frauen zunehmend Aufnahme in den Gebieten finden, die ihre ‚Macht‘ über den öffentlichen Diskurs verloren haben; wie umgekehrt auch aus Gebieten, die von Frauen ‚besetzt‘ werden – etwa die Pädagogik und das Lehramt – ein Exodus von Männlichkeit stattfindet. Befriedigend ist diese Deutung allerdings nicht, liefert sie doch keine Erklärung dafür, warum zeitgleich ein Wandel der ‚Wissenshierarchie‘ überhaupt stattgefunden hat, der von der Theologie über die Geschichte / Philosophie bis zu den Naturwissenschaften führte. Geht man zudem davon aus, dass jede geschlechtliche Zuordnung nicht nur die Folge neuer wissenschaftlicher oder medialer Paradigmen ist (die Medien sind deshalb so wichtig, weil sie über die Speichersysteme und damit auch über die Trennung zwischen Wissen und Nicht-Wissen bestimmen), sondern auch der Naturalisierung der Wissensordnung zu dienen hat, so stellt sich die Frage nach der geschlechtlichen Zuordnung der Wissensfelder auf ganz andere Weise. Denn dann ist danach zu fragen, welcher Art die ‚Ordnung‘ ist, die hier naturalisiert werden soll, und in welcher Weise dies geschieht. [<< 13]

Die Auslagerung von geschlechtlichen Codes aus der Wissenschaft:
Kanon und Reinheit

Verallgemeinernd könnte man sagen, dass die ‚Naturalisierung‘ der Wissensordnung einen doppelten und dabei paradoxen historischen Prozess durchlaufen hat: Ging es zunächst um den Ausschluss von Geschlecht, so ging es in einem zweiten ‚Schritt‘ um den Einschluss – oder genauer: die Einlagerung – von geschlechtlichen Codes. Auf welche Weise sich dieser doppelte Prozess in den verschiedenen Wissensfeldern vollzogen und niedergeschlagen hat, wird aus den einzelnen Beiträgen in diesem Band deutlich. Am Begriff der ‚Reinheit‘, der für die Wissenschaft eine ähnliche Funktion erfüllt wie der des ‚Kanons‘, lässt sich diese paradoxe Bewegung am besten darstellen. Der Begriff ‚Kanon‘, der inzwischen in seinen geschlechtlichen Codierungen gut erforscht ist,2 kommt ursprünglich aus der Baukunst und heißt soviel wie Richtschnur, Maßstab. Er wurde in der griechischen Antike von dem Bildhauer Polyklet übertragen auf den menschlichen Körper, um Idealmaße und Proportionen zu bezeichnen – Idealmaße, die Polyklet ausschließlich am männlichen Körper demonstrierte. Später wurde der Begriff wiederum auf den Städtebau oder die Konstruktion großer sakraler Gebäude übertragen, die dem ‚sozialen Körper‘ das Aussehen und die Idealproportionen des menschlichen Körpers verleihen sollten, um heute fast ausschließlich auf Texte angewandt zu werden, die in den verschiedenen Disziplinen kanonischen Charakter – also eine Maßstabsfunktion – erhalten haben. Das Problem besteht freilich darin, dass sich die idealen Maßstäbe des Kanons nicht positiv benennen lassen, nur in Abgrenzung gegen das ‚Nicht-Maßstabgerechte‘. Das heißt, ihre Definition hängt immer von der Benennung eines ‚Nicht-Kanons‘ ab. Dieser hat – je nach historischer Notwendigkeit und je nach neu entwickelten medialen Speichersystemen, die über die Wissensordnung bestimmen – unterschiedliche Gestalt. Ihre einzige Gemeinsamkeit: die geschlechtliche Codierung.

Ganz ähnlich wirkt sich auch der Begriff der ‚Reinheit‘ für die Wissenschaft und auf die Etablierung von Wissensfeldern aus. Es gibt wenige Begriffe, die eine solche Macht über das Denken von Individuen und Gemeinschaften ausüben wie die ‚Reinheit‘. Kaum ein Wissensfeld, in dem er nicht eine Schlüsselstellung einnimmt – ob es sich um Religion, Politik, Sexualität, Sprache, Kultur, Psychologie oder eben die Wissenschaften und ihre Rolle für diese verschiedenen Bereiche handelt. Obgleich die [<< 14] ‚Reinheit‘ in jedem Wissensfeld eine andere Bedeutung annimmt, ist allen Bedeutungen gemeinsam, dass sie dazu dienen, Abgrenzungen und Ausschlüsse vorzunehmen. Das besagt schon die Etymologie des Wortes ‚rein‘: Aus dem Alt- und Mittelhochdeutschen ‚reini‘ bzw. ‚hreni‘ stammend, bedeutet das Wort ursprünglich ‚gesiebt‘ oder ‚gesäubert‘.3 Im Wort ‚rein‘ steckt also die Bedeutung von ‚herein‘ oder ‚hereinnehmen‘, was neben dem Einschluss auch einen Ausschluss beinhaltet. Die Tatsache, dass sich das ,Reine‘ – wie der ‚Kanon‘ – nur durch den Gegensatz zum ‚Unreinen‘ definieren lässt, hat zur Folge, dass in vielen Wissensfeldern der ‚Schmutz‘ oder das ‚Unreine‘ überhaupt erst benannt, sichtbar gemacht oder ‚ritualisiert‘ werden muss. (Zu den ‚Riten‘ würde etwa die der Theologie so ähnliche Kleiderordnung der alten Universität gehören, die nicht durch Zufall dann zu verschwinden begann, als Frauen in den Akademien aufgenommen wurden).

Wie auch die abendländische ‚Wissenschaft‘ von der Theologie ihren Ausgang nahm, hat auch die ‚Reinheit‘ zunächst religiöse Ursprünge. Es gibt, allgemein gesagt, keine Religion, die nicht in der einen oder anderen Weise auf Reinheitsgesetze oder – alternativ – auf die ‚Reinheit‘ des Transzendenten und die ‚Unreinheit‘ des Irdischen Bezug nimmt. Allerdings ist das, was als ‚rein‘ bezeichnet wird, in jeder religiösen Kultur unterschiedlich. Bezieht sich die ‚Reinheit‘ zum Beispiel in der jüdischen Religion auf die Zeremonialgesetze, die eine scharfe Trennung zwischen bestimmten Speisen und über diese zwischen dem Heiligen und dem Profanen fordern,4 so findet in der christlichen Religion eher eine Gegenüberstellung von Bildern statt, die einander ‚ähneln‘ und dennoch als Gegensätze konstruiert werden – etwa die Bilder des Blutes, bei denen das ‚reine‘ Blut des Gekreuzigten oder der Märtyrer dem ‚unreinen‘ Blut, das dem sexuellen Körper und der Sexualität eigen ist, gegenübergestellt wird.5 Auf der Basis einer solchen Gegenüberstellung erhielt zum Beispiel die geschlechtlich übertragene Syphilis den Namen ‚Böses Blut‘. Solche christlichen Bilder von ‚Reinheit‘ fanden sich nach dem Säkularisierungsprozess auf vielen modernen Wissensfeldern wieder. Heute gibt es zum Beispiel einen breiten Konsens darüber, dass Sauberkeit, Hygiene und Gesundheit etwas ‚Gutes‘ darstellen, während alles, was unter den Begriff des Schmutzes fällt, dem Fremden zugerechnet wird. Dass es sich bei dieser Bedeutung von ‚Reinlichkeit‘ um eine symbolische Zuordnung handelt, kann man an sich selbst [<< 15] beobachten: An Orten, die uns fremd sind oder in Ländern, deren Sprache wir nicht sprechen, nehmen wir Schmutz viel deutlicher wahr als in der eigenen Stube. Auch neigen wir dazu, Gefühle von Fremdheit mit Worten und Bildern zu umschreiben, in denen von mangelnder Sauberkeit oder schlechtem Geruch die Rede ist. Solche Wahrnehmungen stehen in einer langen Geistestradition, in der das Fremde (oder Auszuschließende) mit dem Schmutz – oder dem Unreinen – gleichgesetzt wird. In diesem Sinne ist die Reinlichkeit (sozusagen die säkulare Reinheit) auch wiederholt politisch funktionalisiert worden: etwa im rassistischen Antisemitismus, wo von der ‚Reinheit‘ des Volkskörpers und der ‚Unreinheit‘ des ‚jüdischen Blutes‘ die Rede war. In solchen Wissensfeldern und ihren Wissensformen eine hard science zu sehen, würde die moderne Wissenschaft heute – und zu Recht – ablehnen. Dennoch waren es eben diese ‚biologisierten‘ theologischen Diskurse, die im 19. Jahrhundert den Wandel der Wissensordnung vorantrieben und dazu beitrugen, dass die Naturwissenschaften zu Leitwissenschaften aufstiegen.

In der Ästhetik verweist die ‚reine‘ Form bzw. die ‚reine Kunst‘, wie bei der Mathematik oder der Logik, auf eine Vorstellung von Kunst, die keinen Bezug zu Politik, Religion oder sonstigen ‚Botschaften‘ hat, die also frei ist von Inhalten, die nicht ihr selbst, der Kunst gelten. Dann kann ‚Reinheit‘ in der Kunst aber auch auf eine Ästhetik verweisen, die sich dem ‚reinen Denken‘ oder der ‚reinen Form‘ verschrieben hat – etwa die autonome Literatur oder die abstrakte Kunst und die Musik. Oder der Begriff ‚Reinheit‘ bezeichnet eine Architektur, deren Formen von ‚reiner‘ Zwecküberlegung bestimmt werden. Den Begriff der ‚reinen‘ Kunst nehmen freilich auch ästhetische Formen für sich in Anspruch, die gerade eine politische oder religiöse Botschaft zu transportieren versuchen: das ‚Bühnenweihfestspiel‘ Richard Wagners zum Beispiel bzw. die dem ‚Blut und Boden‘ verhaftete Kunst der NS-Zeit, die die Kunst der Moderne als ‚entartet‘, mithin als ‚unnatürliche‘ und ‚fremde‘ Kunst bezeichnete. In allen diesen Fällen geht es um den Ausschluss eines – wie auch immer definierten – ‚Fremdkörpers‘. Dasselbe gilt auch für die Forderung nach einer ‚Reinheit der Sprache‘, die immer dann auftaucht, wenn es darum geht, eine Nation oder ein Sprachgebiet gegen eine vermeintliche ‚Überfremdung‘ zu schützen.

Da der Begriff der ‚Reinheit‘ in enger Beziehung zur Körperlichkeit und mithin zum Tastsinn steht, dieser aber oft (vor allem in seiner sexuellen Bestimmung) als ‚kontaminierend‘ für den ‚reinen Geist‘ betrachtet wurde, ist es nicht erstaunlich, dass das Sehen, schon seit Aristoteles, als der ‚reinste‘ der Sinne gilt, weil er – Distanz zum Objekt voraussetzend – einen hohen Abstraktionsgrad ermöglicht. Hier liegt einer der Schlüssel zum Verständnis des engen Zusammenhangs, den die Moderne zwischen Sehen und Wissenschaft hergestellt hat: Der Begriff der ‚Erkenntnis‘ ist fast zu [<< 16] einem Synonym für Betrachten geworden, und das gilt nicht nur für die Objekte des Wissens, die sich durch das Mikroskop oder andere technische Sehgeräte betrachten lassen – es gilt auch für die am Rechner erstellten Bilder, die etwas ‚sichtbar‘ machen, das eigentlich gar nicht zu sehen ist, etwa die Tätigkeit des Gehirns oder die Doppelhelix der Genwissenschaft. Ausgerechnet diese synthetischen Bilder, die nicht etwa abbilden, sondern eine symbolische Umsetzung für Vorgänge bieten, die in bildhafter Form ‚vorstellbar‘ werden, sind heute zu einer Art von Logo der ‚reinen Wissenschaft‘ geworden, die sich der sinnlichen Wahrnehmung – auch in ihrer abstraktesten Art: dem Auge – entzieht. Auch diese synthetischen Bilder verweisen, wie die Biologisierung theologischer Diskurse, zugleich auf die Einlagerung von Geschlechtercodes in die Wissenschaft.

Allgemein impliziert der Begriff der ‚Reinheit‘ in der Wissenschaft, dass das Wissen von der sinnlich wahrnehmbaren Welt und den ‚Gefühlen‘ fernzuhalten ist; es geht also auch um den Ausschluss von Emotionen und von allen Bereichen des Mensch­lichen, die mit dem Begriff des Subjektiven, des Irrationalen oder gar der ‚Leidenschaften‘ einhergehen. Deshalb spielt für die ‚Reinheit‘ auch das psychologische Moment eine wichtige Rolle. Das griechische Wort ‚Katharsis‘ bedeutet Reinigung und beinhaltet das Abreagieren von Affekten. Aristoteles sah in der Tragödie ein Mittel, die Katharsis herbeizuführen. Die Pythagoräer vertraten dagegen die Ansicht, dass sich Angstgefühle am besten durch Musik überwinden lassen, da sie von allen Künsten der Mathematik am nächsten stehe. Die moderne Psychologie und Psychoanalyse – mit ihrem ‚­chimney sweeping‘, wie Joseph Breuers Patientin Anna O. die Vorgänge nannte 6 – setzt ebenfalls auf eine Form von Katharsis, die einer ähnlichen Metaphorik folgt: Durch Verbalisierung und Bewusstmachung soll die Seele von Bedrückendem gereinigt werden. Andere Formen von Therapie versuchen, seelische Konflikte durch ‚Abreagieren‘ aufzulösen. In jedem Fall aber geht es darum, dass es ‚reines Wissen‘ – und das heißt berechenbares, verifizierbares Wissen – nur unter dem Ausschluss von Gefühlen geben kann, die ihrerseits als ‚unrein‘ zu gelten haben. Auch auf diesem Gebiet ist freilich ein paradoxer historischer Prozess zu beobachten, bei dem auf den Ausschluss von Geschlechtlichkeit – die ganz allgemein für ‚das Gefühl‘ (im kollektiven Singular) steht – eine neue und positive Bewertung der Gefühle, also deren Einlagerung folgt: deutlich zu beobachten an der Kultivierung der ‚Empfindsamkeit‘ um 1770 oder später, etwa in der Décadence, an einer neuen Begeisterung für Sinnlichkeit und [<< 17] ‚Leidenschaft‘ bzw. Leiden. Dabei lässt sich zeigen, dass die historischen Veränderungen in der Geschlechterordnung nicht nur die Geschichte der Gefühle beeinflusste, die Norbert Elias so intensiv untersucht hat, sondern auch Rückwirkungen auf den Wandel der Wissensordnung hatte.

Eben weil die ‚Leidenschaft‘ und starke Gefühle als ‚unrein‘ gelten, fällt auch der Sexualtrieb in vielen Kulturen in den Bereich des ‚Unreinen‘, das es zu domestizieren und damit unschädlich zu machen gilt. Dafür gibt es strenge, von einer Kultur zur anderen sich unterscheidende Vorschriften, die etwa festlegen, mit wem der Geschlechtsverkehr ‚rein‘ oder ‚unrein‘ ist. Oder aber die ‚Reinheit‘ wird hergestellt, indem die Bereiche des (asexuell) Heiligen und des (sexuell) Profanen streng von­einander getrennt werden. Eine dritte Form des Umgangs mit der Sexualität bestand in ihrer ‚Heiligung‘, also gerade in der Vermischung des Profanen mit dem Transzendenten. In der christlichen Theologie, die für die westliche Wissensordnung bestimmend werden sollte, wurde die Vorstellung, dass durch Sexualität Leben erzeugt wird, zunehmend verdrängt durch die Auffassung, dass der reine Geist als ‚fruchtbarer Same‘ zu wirken habe. Solche Konstruktionen implizierten immer die Gleichsetzung des weiblichen Körpers, da wo er Körperlichkeit und Sexualität symbolisierte, mit einer ‚unreinen‘ Zeugungsfähigkeit. Wenn Frauen also über Jahrhunderte von klerikalen Ämtern, von kultureller Tätigkeit und vor allem von wissenschaftlicher Arbeit ausgeschlossen blieben, so stand dahinter die Vorstellung, dass der weibliche Körper eine gefährliche Kontamination für die ‚Reinheit‘ des ‚Wissens‘ darstelle.

Insgesamt bedeutet ‚Reinheit‘ in der Wissenschaft also, dass die Forschung durch keine Elemente des Psychischen, des Historischen oder des ‚Subjektiven‘ beeinflusst werden darf. Ging die Theologie noch von einer ‚Reinheit‘ des Wissens aus, das vor allem durch die Sexualität (oder die Leiblichkeit) kontaminiert werden konnte, so gehen die modernen Naturwissenschaften von einen Prinzip der ‚Reinheit‘ aus, das auf dem Ausschluss jedes Zufalls beruht und deshalb in seiner ‚reinsten Form‘ nur im Labor durchgeführt werden kann, wo die Einflüsse der äußeren Welt und das Subjekt des Betrachters auf ein Minimum reduziert sind. Allerdings ist der Unterschied zum theologischen Ausschluss der Leiblichkeit nicht so groß, wie er scheint. Er hat sich nur auf ein anderes Feld verlagert. Hielt sich der Kleriker im Kloster und durch Askese von den schädlichen Einflüssen des irdischen Lebens und seiner Leiblichkeit fern, so übernimmt nun das Labor diese Funktion. Es ist zur modernen Form des Klosters geworden. In dieser Form der Abgeschiedenheit wird keine Askese gefordert, sondern der ‚wissenschaftliche Leib‘ selbst ausgeschlossen, stellt dieser doch ein potentielles Einfallstor des ‚Unreinen‘ und des Zufalls dar. Das heißt, idealiter hat sich die moderne Wissenschaft von der Forderung nach einer ‚Reinheit‘ ihres Trägers [<< 18] verabschiedet; als vollkommen ‚reine Wissenschaft‘ empfindet sie sich erst dann, wenn es ihr gelingt, diesen Wissenschaftler völlig zu ersetzen. Da dies nur in den Naturwissenschaften, zumindest als Phantasie, möglich ist, in den Geisteswissenschaften hingegen an der notwendigen ‚Empfindsamkeit‘ des Forschers scheitern muss, ist hier eine der Erklärungen für die neue Wissensordnung zu suchen. Hard science heißt im Idealfall science without the body of the scientist. Interessanterweise ist eben dies der historische Moment, in dem die Frau, Verkörperung der Körperlichkeit, das Reich der Wissenschaft betritt. Da sich die ‚Reinheit‘ der Wissenschaft – im Prinzip – von der Forderung nach einer ‚Reinheit‘ des Forschers unabhängig gemacht hat, gilt auch die Wissenschaftlerin nicht mehr als kontaminierend.

Die Einlagerung von Geschlechtercodes in die Wissenschaft: Sexualisierung und Entsexualisierung

Wenn sich die westliche Wissensordnung durch die Bereinigung des Wissens vom Subjektiven, Irrationalen und Sexuellen konstituieren konnte, so stellt sich die Frage, warum Frauen – und damit auch ihre Funktion, die ‚Sexualität‘ zu repräsentieren – in eben dem historischen Moment in der Wissensordnung zugelassen werden, wo Sexualität und Zufall ausgeschlossen werden. Um auf diese Frage zu antworten, sei noch einmal der Blick auf die Entwicklung der Wissenschaften gerichtet und danach gefragt, wie es ‚die Wissenschaft‘ (im kollektiven Singular) überhaupt so weit bringen konnte, dass ihr Traum von einem Labor-gerechten Forscher, der ebenso ‚rein‘ ist wie die Wissenschaft selbst, also von einem Labor ohne Forscher, in greifbare Nähe rückte. Die Voraussetzungen für die Erfüllung dieser Wissenschaftsutopie schufen die Errungenschaften der Wissenschaft auf dem Gebiet der medizinischen Forschung, als es diesen gelang, den menschlichen Körper – und damit auch den forschenden Körper – zu einem Produkt zu machen, das sich im Reagenzglas fabrizieren ließ. Mit der Entdeckung des Eisprungs um 1830, mit einer genaueren Kenntnis der Zeugungsvorgänge um 1875 (dank verbesserter Mikroskopiertechnik) hatte die westliche Wissenschaft den Zugang zu einem Wissen entdeckt, das von Anfang an die abendlän­dische Wissensphantasie beschäftigte: die Reproduktion des Menschen nach geplanten, den Zufall – vor allem den Zufall der sexuellen Anziehungskraft – ausschließenden Mechanismen. Damit rückte eine alte abendländische Wissenschaftsphantasie ihrer Realisierung um einen entscheidenden Schritt näher. Sie hatte begonnen mit Platon und seiner im ‚Staat‘ entwickelten Vorstellung einer geplanten Fortpflanzung der menschlichen Gemeinschaft, sie hatte sich ‚wissenschaftlich‘ niedergeschlagen in den [<< 19] aristotelischen Theorien über ‚die Zeugung der Geschlechter‘; und sie fand im christlichen Topos vom ‚geistigen Samen‘ ihre theologische Ausformulierung. Zwar wird der moderne Wissenschaftler (bisher) noch nicht in der Retorte gezeugt und ausgetragen, aber das Labor und die Bedingungen der Forschung im Labor tragen doch schon erheblich dazu bei, seine Existenz, zumindest an diesem Ort, den Phantasien, dass er selbst in der Retorte erzeugt werden könne, näher zu bringen. Der Mensch aus der Retorte – ob als Cyborg oder als anderes künstliches Wesen – stellt die Zukunfts- und Wissenschaftsphantasie des 20. Jahrhunderts dar. Doch es ist bemerkenswert, wie selten in den Filmen oder Romanen, die dieser Phantasie Ausdruck verleihen, der Gedanke formuliert wird, dass das eigentliche Ziel moderner Wissenschaftsphantasien die Erzeugung des Wissenschaftlers selbst ist. Jede Elite einer gesellschaftlichen Hierarchie nutzt ihre Macht über die Medien des Wissens dazu, das Gedächtnis und die Geschichte dieser Gesellschaft im eigenen Sinne um- und für die Zukunft festzuschreiben. Warum sollte dann andersherum nicht auch eine vom ‚Leib des Forschers‘ befreite Wissenschaft dafür sorgen, ihre eigenen, das heißt, diese Wissenschaft perpetuierenden Wissenschaftler hervorzubringen?

Die neue Wissensordnung bedarf, wie die alte, ihrer ‚Biologisierung‘ – und sie bedarf der ‚Naturalisierung‘ in verstärktem Maße und zugleich in anderer Form. Hatte die ‚alte Wissensordnung‘ alles auszuschließen gesucht, das sich ihr auf dem Weg zur ‚reinen Abstraktion‘ widersetzte, darunter vor allem die Geschlechtlichkeit, so hat die ‚neue Wissenschaft‘ die Parameter für die ‚Erzeugung‘ des neuen Forschertypus zu schaffen. Diese Aufgabe verlangt nach einer Biologisierung, die nicht etwa vorhandene Geschlechterbinaritäten ‚benutzt‘, sondern diese ganz neu erstellt. Damit kommen wir zur Frage nach der Einlagerung von Geschlechtercodes in die Wissenschaft. Auf diese Frage gibt es zunächst eine einfache Antwort: Da ‚Weiblichkeit‘ mit der Entstehung der westlichen Wissens- und Geschlechterordnung als Code für Sexualität eingesetzt wurde, liegt es nahe, dass dieser Code auch herangezogen wird, um die neue Wissensordnung mit einer sexuellen Chiffre zu versehen und zu biologisieren. Anzeichen für eine geschlechtliche Aufladung von Wissensstrukturen durchsetzen nicht nur die Metaphorik der modernen Wissensordnung selbst, sie sind auch deutlich wahrzunehmen im Sprachgebrauch und den Bildern der modernen Kommunikations- und Speichersysteme, die diese Wissensordnung ermöglicht haben: Es genügt, an das Bild der ‚jungfräulichen Festplatte‘, an den ‚binären Code‘ und das ihm zugrunde liegende ‚Lochkartensystem‘ wie auch an die synthetischen Frauenstimmen zu denken, die das ‚Hochfahren‘ des Computers ankündigen.

Über die Art, wie sich die Einlagerung von Geschlechtercodes in einzelnen Wissensfeldern und theoretischen Diskursen vollzogen hat, geben die einzelnen Beiträge dieses [<< 20] Bandes Auskunft. Sie geben damit auch Auskunft darüber, dass diese Vorgänge durchaus analysier- und entzifferbar geworden sind – eine Tatsache, die sich ihrerseits als der Hauptmotor der Geschlechterstudien und ihres spezifischen ‚Wissensdrangs‘ bezeichnen ließe und mit dem Wandel der Geschlechterordnung, der sich in den letzten hundert bis hundertfünfzig Jahren vollzogen hat, unmittelbar zusammenhängt. Diese fand in neuen Theorien über den Geschlechtstrieb ihren deutlichsten Niederschlag, und – bemerkenswert genug – diese neuen Theorien entwickelten sich zeitlich parallel zum Wandel der Wissensordnung und zur allmählichen Aufnahme von Frauen in den Wissensbetrieb.

Der Diskurs über Weiblichkeit als Repräsentation des Sexualtriebs erfährt Mitte des 19. Jahrhunderts eine völlige Umkehrung, auf die schon der Schriftsteller und Sexual­forscher Henry Havelock Ellis (1859 – 1939) um 1900 in seinen Werken zur Sexualpsychologie aufmerksam gemacht hat.7 Ellis weist darauf hin, dass die Theorien zum Sexualtrieb über Jahrhunderte eine Konstante aufwiesen, laut denen der Sexualtrieb der Frau dem des Mannes weit ‚überlegen‘ sei. Er verweist auf den griechischen Mythos vom ‚Seher‘ Teiresias, der von Hera mit Blindheit geschlagen wurde, weil er das ‚Geheimnis der Frauen‘ verriet, laut dem der weibliche Geschlechtstrieb ‚neunmal höher‘ sei als der des Mannes. Ellis zitiert den römischen Dichter Juvenal, der schrieb, dass gewiss keine Frau Interesse daran haben könne, ein Mann zu werden, „denn wie klein ist seine Wollust verglichen mit der ihrigen“; und Ellis führt auch die wissenschaftlichen Theorien von Galen an, der die Ansicht vertrat, dass es für die Frau wegen ihres starken Sexualtriebs sehr viel schwieriger sei, im Zölibat zu leben, als für den Mann.8 Auf solchen Vorstellungen, die sich spielend zwischen Mythos und Wissenschaft bewegten, basierten die Vorkehrungen, die eine Domestizierung oder Neugestaltung des Weib­lichen im westlichen Denken vorsahen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts tauchen jedoch zunehmend ‚wissenschaftliche‘ Vorstellungen auf, die genau das Gegenteil behaupten. In England veröffentlicht Agton eine Schrift, in der er behauptet, dass die Annahme, „dass alle Frauen geschlechtlich empfinden, eine niedere Beschimpfung“ sei. Fehling in Basel erklärt, dass die Sexualität in der Liebe eines jungen Mädchens als „pathologisch“ einzustufen sei,9 während der deutsche Psychiater Näcke versichert: „Die Frauen sind im allgemeinen weniger sinnlich als die Männer.“ 10 Gewiss lassen sich solche Aussagen als das abtun, was sie waren: als ‚unwissenschaftlicher‘ Versuch, eine neue symbolische [<< 21] Geschlechterordnung zu etablieren. Nur ist erstens zu bedenken, dass diese Aussagen als ‚Wissenschaft‘ daherkamen, gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch verstärkt durch die Theorien hoch angesehener Wissenschaftler wie Richard von Krafft-Ebing, der in seiner ‚Psychopathia Sexualis‘ verkündet, dass „der Mann, welcher das Weib flieht, und das Weib, welches dem Geschlechtsgenuss nachgeht, abnorme Erscheinungen“ seien;11 und zweitens stellt sich die Frage: Warum entsteht diese neue Geschlechterordnung und worin besteht ihr Gewinn für die Etablierung der neuen Wissensordnung?

Die neue Wissensordnung ‚entdeckt‘ nicht nur die Überlegenheit des männlichen Geschlechtstriebs, sie stellt auch – zum ersten Mal seit der Geburt der abendländischen Wissensordnung – ausdrücklich den Zusammenhang zwischen Geschlechtstrieb und geistiger Aktivität her und pocht damit auch auf seine Rolle für die Weiterentwicklung des Wissens. Das mag zunächst wie ein Widerspruch zu der vorher entwickelten These klingen, dass das Ideal der Wissensordnung the scientist without a body, also erst recht der Wissenschaftler ohne Unterleib ist. Doch der Widerspruch löst sich bei genauerer Betrachtung. Die Zusammenführung von Geschlechtstrieb und Wissensordnung geschieht einerseits durch physiologische Theorien wie die von Charles Darwin und andererseits durch psychologische Erklärungsmuster wie die von Sigmund Freud. Beide theoretischen Schulen begründeten die ‚Überlegenheit‘ männlicher Geistigkeit – also Wissensfähigkeit – entweder mit der ‚Überlegenheit‘ des männlichen Sexualtriebs oder aber mit der ‚Männlichkeit‘ des Geschlechtstriebs selbst. Auffallend an der physiologischen Begründung ist die Berufung auf das Tierreich und die Natur. Waren bis hierher Wissenschaft und Wissensfähigkeit mit der Unterscheidung von Kultur und Natur begründet worden, so wird nun die Ähnlichkeit von ‚Männlichkeit‘ mit den Trieben der Tiere und Primaten betont, um ‚geistige Überlegenheit‘ zu erklären. Darwin vertritt die Ansicht, dass sich der Unterschied aus den intellektuellen Kräften der Geschlechter – der sich darin zeige, „dass der Mann in allem, was er beginnt, zu größerer Höhe gelangt, als es die Frau kann, mag es nun tiefes Nachdenken, Vernunft oder Phantasie oder den bloßen Gebrauch der Sinne und Hände erfordern“ –, dass sich dieser Unterschied also aus den Gesetzen der geschlechtlichen Zuchtwahl ableite. Laut diesen Gesetzen hätten unter den Männern der „halbmenschlichen Vorfahren des Menschen und unter wilden Völkern […] viele Generationen hindurch Kämpfe um den Besitz der Frauen stattgefunden“.12 Die psychologische Beweisführung Freuds ist anders, führt aber zu demselben Ergebnis. Auch Freud betrachtet die Libido als [<< 22] Voraussetzung für geistige und kulturelle Aktivität. Er macht zwar den Unterschied zwischen dem „Gelehrten“, der seiner Tätigkeit zuliebe auf Sexualität verzichten muss, und dem Künstler, der mit „abstinentem Lebenswandel“ nicht recht vorstellbar sei und dessen „künstlerische Leistung durch sein sexuelles Erleben mächtig angeregt“ werde. Aber ganz allgemein, so fügt er hinzu, habe er nicht den Eindruck gewonnen, „dass die sexuelle Abstinenz energische, selbständige Männer der Tat oder originelle Denker, kühne Befreier und Reformer heranbilden helfe“.13 Doch in jedem Fall – ob nun die Sexualität sublimiert wird oder nicht – bildet für ihn der Sexualtrieb die Grundlage des Wissensdranges. Diesen Sexualtrieb betrachtet er zwar einerseits als geschlechtsneutral oder geschlechtsübergreifend – er schreibt, dass „die Zusammenstellung weiblicher Libido jede Rechtfertigung vermissen lässt“.14 Andererseits sieht er die Libido symbolisiert im männlichen Genital, womit implizit auch über die geschlechtliche Zuordnung ‚des Sexualtriebs‘ entschieden ist. Wo er geistiger Tätigkeit bei Frauen begegnet, analysiert er diese folgerichtig als Aneignung ‚männlicher‘ Eigenschaften und männlicher Physiologie: „Der Wunsch, den ersehnten Penis endlich doch zu bekommen, kann noch seinen Beitrag zu den Motiven leisten, die das gereifte Weib in die Analyse drängen, und was sie verständigerweise von der Analyse erwarten kann, etwa die Fähigkeit, einen intellektuellen Beruf auszuüben, lässt sich oft als eine sublimierte Abwandlung dieses verdrängten Wunsches erkennen.“ 15

Die wissenstheoretische Verschiebung, die sich hier vollzieht, lässt sich umschreiben als die Einlagerung von Geschlechtlichkeit in die Wissensgeschichte und Wissenstheorie. Es handelt sich um eine sexuelle Aufladung der Wissensordnung, die, weil es sich um eine symbolische Zuordnung handelt, eben deshalb auch nicht dem Ausschluss der Geschlechtlichkeit aus der Wissensordnung widerspricht. Die beiden Vorgänge sind gewissermaßen die Kehrseiten ein und desselben Vorgangs, und dieser findet auf doppelter Ebene statt: Einerseits wird der männliche Trieb als Generator des Wissens und der Wissensfähigkeit beschworen – er schwebt gleichsam als deus ex machina in die Wissensordnung ein. Andererseits wird aber auch die Weiblichkeit in die neue Wissensordnung aufgenommen. Auch hier tut sich auf den ersten Blick ein Widerspruch auf, der sich jedoch löst, sobald man das Paradigma betrachtet, das sich dahinter verbirgt. ‚Der Sexualtrieb‘, von dem in der neuen Geschlechter- und Wissensordnung die Rede ist, ist ein Produkt der Wissenschaftlichkeit selbst, und auch [<< 23] hier – wie beim laborgerechten Forscher – handelt es sich um eine alte Phantasie, die mit den neueren Erkenntnissen der Wissenschaft in den Bereich des Realisierbaren rückt. Denn in dieser Zeit, in der sich diese ganzen Wandlungen, ja Umkehrungen, alter Ordnungen vollziehen, entstehen nicht nur die Reproduktionswissenschaften, sondern auch die Sexualwissenschaften, die einen von der Fortpflanzung unabhängigen Sexualtrieb postulieren, ebenso wie die Reproduktionswissenschaften das Ziel einer von der Sexualität unabhängigen Fortpflanzung verfolgen. Darüber hinaus gehen die Sexualwissenschaften auch davon aus, dass sich der Sexualtrieb rational und wissenschaftlich erfassen lasse, obgleich ausgerechnet dieser in den Denktraditionen der abendländischen Wissenswelt als der mächtigste und der Irrationalität, mithin der Unwissenschaftlichkeit, am nächsten stehende Trieb gilt. Genau dies, der Versuch einer rationalen und wissenschaftlichen Erfassung der Irrationalität, ist in den letzten hundert Jahren zu einem Leitgedanken vieler Wissensfelder geworden, und der Vorgang trug dazu bei, dass die modernen Industriegesellschaften ihre Angst vor den Mächten des Sexualtriebs verloren und fast alle Paragraphen aus ihren Gesetzbüchern gestrichen haben, die den Geschlechtsverkehr regulieren. Eine solche ‚Befreiung‘ der Sexualität von (fast) allen Fesseln ist historisch einmalig und hat es in dieser Form in keiner anderen Kultur gegeben. Indem der Sexualtrieb ‚berechenbar‘ geworden ist – und in dieser Hinsicht ist die Sexualwissenschaft nicht zu trennen von den anderen Erscheinungsformen eines der Macht der Berechenbarkeit unterworfenen Sexualtriebs, egal, ob dieser in Porno, Peepshow oder Prostitution, allesamt dem Zeichensystem des Geldes unterstehenden Systemen, seinen Ausdruck findet –, wurde er der rationalen Logik unterworfen und damit wissenschaftsgerecht. Er gehört nicht nur in die neue Wissensordnung, er dient sogar ihrer Durchsetzung und Legitimierung. Der Forscher ohne Unterleib ist versehen mit einem neuen Geschlechtsapparat.

Wir fassen zusammen: Die abendländische Wissensordnung beruht in doppelter Hinsicht auf einer symbolischen Geschlechterordnung: Einerseits konstituiert sie sich über den Ausschluss von Geschlechtlichkeit, symbolisch dargestellt am Ausschluss des weiblichen Körpers aus der Wissensordnung. Erst als sich in der symbolischen Geschlechterordnung das Paradigma entwickelt, dass der weibliche Körper ‚an sich‘ geschlechtslos sei – die Vorstellung schlägt sich u. a. in wissenschaftlichen Theorien des 19. Jahrhunderts über den ,reduzierten‘ weiblichen Geschlechtstrieb nieder –, gestattet die Wissensordnung die Aufnahme von Frauen. Andererseits konstituiert sich die Wissensordnung aber auch durch die ‚sexuelle Aufladung‘ von Wissensfeldern. Motor dieses Vorgangs ist ein ‚Sexualtrieb‘, der der Berechenbarkeit des ‚wissenschaftlichen Diskurses‘ unterliegt. Unter diesen Umständen verwundert es nicht, dass das Geschlecht im 20. Jahrhundert jeden Anschein von Biologie verliert und immer mehr [<< 24] als ‚performativer Akt‘ begriffen wird.16 Allerdings muss diese Entwicklung auch in ihrer Historizität eingebettet werden, also als Erscheinungsform eines geschichtlichen Wandels der symbolischen Geschlechterordnung und eines ‚neuen Sexualtriebs‘, der als Basis der Wissensordnung verstanden wird.

Metaphysik und Wissenschaft

Gehen wir nun zurück zum Ausgang der Überlegungen, dem Wandel der Wissensordnung, der von der Theologie als Leitwissenschaft über die Geschichte / Philosophie zu den naturwissenschaftlichen Fächern als Leitwissenschaften führte. Man könnte diesen Prozess als Ausdruck eines Säkularisierungsprozesses begreifen, der Entkirchlichung oder Verlust transzendenter Glaubensinhalte besagt. Dagegen spricht jedoch die Tatsache, dass auch die neue Wissensordnung zu ihrer Konstitution einer symbolischen Geschlechterordnung bedarf und in dieser ihre ‚Biologisierung‘ findet. Die Umkehrung ist also nicht so tiefgreifend, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Und zweitens spricht dagegen auch die Tatsache, dass die neuen Leitwissenschaften in mehr als einer Hinsicht die Nachfolge der alten Leitwissenschaften angetreten haben: Ihnen wurde das alte Projekt der Unsterblichkeit überantwortet. Es gibt also eine Linie, die direkt von der Theologie zur Naturwissenschaft führt – und ihre Entwicklung weist viele Parallelen zum Wandel der Geschlechterordnung auf.

In den modernen Naturwissenschaften verbindet sich die Scheu, das Metaphy­sische zu thematisieren, mit einer bemerkenswerten Bereitschaft, religiöse Bilder zur Charakterisierung der eigenen Errungenschaften zu zitieren. So etwa, wenn Stephen Hawking in A Brief History of Time schreibt, dass die Wissenschaftler „the mind of God“ enthüllen;17 und der Physiker George Smoot, der die ‚Big-Bang-Theorie‘ mit der „treibenden Kraft des Universums“ verglichen hat, fragt: „and isn‘t that what God is?“ 18 Leon Ledermann, Nobelpreisträger der Physik, nennt die subatome Einheit, von der er glaubt, dass sie über alles bestimmt, das „God particle“.19 Welcher historische Prozess verbirgt sich hinter dieser Berufung auf das Göttliche, die mit einem Schweigen über die Metaphysik einhergeht? Könnte es sein, dass sich das Schweigen über die [<< 25] ­Metaphysik mit der Tatsache erklärt, dass die der eigenen Forschung zugrunde liegenden Paradigmen, also die historische Dimension des eigenen Werdens, ausgeblendet werden sollen? Jedenfalls verweisen die Zitate darauf, dass die Ansiedlung des alten Projekts der Unsterblichkeit in den Naturwissenschaften nicht nur eine Phantasie von Laien, sondern auch der Wissenschaftler selbst darstellt. In jedem Fall scheint die Wanderung des Unsterblichkeitsprojektes in die Naturwissenschaften dazu beigetragen zu haben, dass sie zu den ‚Leitwissenschaften‘ geworden sind.

Dieser historischen Verlagerung von Glauben zu Wissen liegt eine dem Abendland eigene Bedeutung des Begriffs ‚Säkularisierung‘ zugrunde, die in dem christlich geprägten Kulturkreis etwas anderes impliziert als etwa in der jüdischen Tradition. In der christlichen Welt bedeutet der Begriff ‚Säkularisierung‘, der sich sprachlich von lat. saeculum in der Bedeutung von Geschlecht, Generation oder auch Zeitalter herleitet, zunächst den ‚weltlichen Menschen‘, der dem durch Priesterweihe oder Mönchsgelübde gebundenen ‚religiosus‘ gegenübersteht. Ab dem 16. Jahrhundert wird der Begriff saecularisatio von französischen Kirchenrechtlern und Juristen zur Bezeichnung des Übergangs eines Ordensgeistlichen in den weltlichen Stand benutzt. Später erweitert sich der Begriff zur Bezeichnung des Übergangs kirchlichen Eigentums in weltliche Hände. Erst im 19. Jahrhundert wird der Begriff ‚Säkularisierung‘ zu einer geschichtstheoretischen oder geschichtsphilosophischen Kategorie – nun aber mit einer ambivalenten Bedeutung, die Emanzipation aus der Bevormundung durch die Kirche bzw. Entkirchlichung besagt und zugleich auf eine ‚Verfallsgeschichte‘ verweist, mit der die schwindende Integrationskraft der Religion bzw. Entleerung religiöser Gehalte gemeint sind.20 Andererseits impliziert dieser Säkularisierungsprozess aber auch, dass in der christlich-abendländischen und scheinbar ‚nachreligiösen‘ Gesellschaft ein Prozess stattgefunden hat, der sich als ‚Weltwerdung‘ des Glaubens umschreiben ließe. Diese Entwicklung, die auch die Veränderung der Wissensordnung, d. h. die Verlagerung der Leitwissenschaft von Theologie zu den Naturwissenschaften (mit dem Umweg über Philosophie und Geschichte) erklärt, scheint ein Phänomen christlicher und nachchristlicher Denktraditionen zu sein. Das zeigt z. B. der Vergleich mit der jüdischen Religion, der die Gegenüberstellung von Glauben und Wissen, von Transzendenz und Handlung fremd ist. „Unter den Vorschriften des mosaischen Gesetzes“, so schreibt Moses Mendelssohn um 1800 (also in einer Zeit, in der der christliche Säkularisierungsprozess die in christlichen Ländern lebenden jüdischen Religionsgemeinden zu [<< 26] neuen Selbstdefinitionen zwang), „lautet kein einziges: du sollst glauben oder nicht glauben; sondern alle heißen: Du sollst tun oder nicht tun! Dem Glauben wird nicht befohlen, denn der nimmt keine anderen Befehle an, als die im Weg der Überzeugung zu ihm kommen.“ 21

Das Christentum hingegen, das zwischen Glauben und Vernunft unterschied, entwickelte ein mächtiges Bedürfnis, die weltliche Wirklichkeit den Glaubensgrundsätzen anzupassen. Für das christliche Denken stellte die Veränderung der Welt, der wahrnehmbaren Wirklichkeit eine religiöse Notwendigkeit dar. Nur so ließ sich der Abgrund zwischen Metaphysik und Physik, zwischen Geist und Körper überbrücken. Wissenschaft und Logik wurden vom Glauben an die Leine genommen. Deshalb begleitet die christliche Wissensgeschichte auch eine seltsame Paradoxie. Keine andere Religion der Welt hat die Erkenntnisse der Wissenschaft und der Vernunft so erbittert bekämpft und verfolgt wie die christliche. Zugleich hat aber auch keine andere reli­giöse Kultur so viele Wissenschaftler und wissenschaftliche Neuerungen hervorgebracht wie das Christentum.22 Das lässt sich nicht mit der Tatsache erklären, dass die Neuerer Häretiker gewesen seien. Das waren sie ganz entschieden nicht: Ein Gutteil der Neuerungen kam aus den Klöstern selbst; und auch außerhalb der kirchlichen Strukturen waren die Neuerer – bis tief in die Neuzeit hinein – zumeist gläubige Christen. Descartes zum Beispiel erklärte: „Die Philosophie ist wie ein Baum. Die Wurzeln sind die Metaphysik, der Stamm ist die Physik, und die Zweige sind die anderen Wissenschaften.“ 23 Er entwarf also das Bild einer Wissenschaft, die das Sichtbare (oder die Natur) als das Produkt oder Ergebnis des Unsichtbaren oder des Transzendenten betrachtete. Dennoch vergleicht er den menschlichen Körper mit einem Räderwerk,24 also einer Schöpfung des menschlichen Erfindergeistes. Damit machte er Gott, an den er als Schöpfer glaubte, zu einem idealen Mechaniker – d. h. zum ‚Ebenbild‘ des Menschen. Für Leibniz, auch er zutiefst gläubig, wurden Maschine [<< 27] und Uhrwerk sogar zu einer Art von Gottesbeweis: „So ist jeder organische Körper eines Lebewesens sozusagen eine göttliche Maschine oder ein natürlicher Automat, der alle künstlichen Automaten unendlich übertrifft […]. Aber die Maschinen der Natur, d. h. die lebenden Körper, sind noch in ihren kleinsten Teilen, bis ins Unendliche, Maschinen.“ 25 In diese Logik bezog er auch die Seele ein, von der er schrieb, dass sie „ein geistiger, bewunderungswürdiger Automat“ sei, der „durch göttliche Präformation erzeugt“ werde.26 Hinter einer solchen Vorstellung von ‚Wissenschaft‘, die den göttlichen Plan mit den Erfindungen des menschlichen Geistes und den Glauben mit wissenschaftlicher Neuerung in Eins setzte, steckte ein Neuerungsdrang, der dem Christentum eigen war und als eine Art von Dialektik zu verstehen ist, die dem aufeinanderfolgenden Ausschluss und Einschluss von Geschlechtlichkeit ähnelt: Gottfremdes Wissen wird zunächst ausgelagert und verfolgt, bis es zu einem Teil des christlichen ‚Heilsplanes‘ geworden ist. Diese Dialektik hat die christliche Wissensordnung von Anfang an begleitet und wirkt bis in die moderne Wissenschaft weiter, denn den Kern dieses ‚Heilsplans‘ bildet die Herstellung einer spezifischen, sich dem Prinzip der Berechenbarkeit verdankenden Wissensordnung. Dass ausgerechnet das Christentum, das stärker als irgendeine andere Religion auf dem Prinzip des Glaubens beruht – d. h. auf einem Prinzip, das der von der hard science gestellten Forderung nach ‚Verifizierbarkeit‘ widerspricht –, diese Dialektik vorangetrieben hat, ist nicht notwendigerweise ein Widerspruch, begreift man den ‚Glauben‘ als eine historische Triebfeder und die Wissensordnung als das Ziel dieses Triebs. Während Sexual- und der Todestrieb zu den Charakteristika des Individuums gehören, zeichnet sich die Triebstruktur des sozialen Körpers durch die Berechenbarkeit aus, und der deutlichste Niederschlag einer solchen Triebstruktur ist die Wissensordnung. Das Produkt dieses abendländischen Neuerungsdrangs bestand in einer Vorstellung von „Wissen“, die der Philosoph und Sozialwissenschaftler Cornelius Castoriadis als eine spezifische Idee von „rationalem Wissen“ bezeichnet hat:

„Die aufeinander folgenden Umwälzungen, die sich im ‚rationalen Wissen‘ aller bekannten Gesellschaften finden lassen, setzen stets einen grundlegenden Wandel des gesamten imaginären Weltbildes (und der Vorstellungen vom Wesen und Ziel des Wissens selbst) voraus. Die letzte dieser Umwälzungen, die vor einigen Jahrhunderten im Abendland stattfand, [<< 28] hat jene eigentümliche imaginäre Vorstellung geschaffen, der zufolge alles Seiende ‚rational‘ (und insbesondere mathematisierbar) ist, nach der der Raum des möglichen Wissens von Rechts wegen vollständig ausgeschöpft werden kann und wonach das Ziel des Wissens in der Beherrschung und Aneignung der Natur liegt.“ 27

Corpus fictum und organischer Körper

Die Art, wie Theologie, Säkularisierungsprozess und Etablierung der Wissensordnung ineinandergreifen, offenbart sich besonders deutlich an den wechselnden Theorien über den Körper. Diese werden zwar in jeder Epoche neu formuliert und dennoch zu unveränderbarer biologischer Wirklichkeit erklärt. Am deutlichsten wird das, wenn man die Bilder vom kollektiven (oder sozialen) Körper mit denen vom geschlechtlichen Körper vergleicht. Ganz unbestreitbar ist der soziale Körper ein imaginärer Körper: ein corpus fictum oder imaginatum, wie die Theologen die Kirche und die Juristen den Staat nannten.28 Durch die Analogie zum menschlichen Körper sollte dem imaginären sozialen Körper der Anschein von Unteilbarkeit und Leibhaftigkeit verliehen werden. Das heißt, der kollektive Körper hatte sich im individuellen zu spiegeln – und umgekehrt. Da sich aber die Bilder des corpus fictum von einer Epoche zur anderen veränderten, erfuhren auch die dazugehörigen medizinischen, biologischen und juristischen Konzepte des organischen Körpers immer wieder neue Definitionen.29 Das heißt, die Selbst-Konzepte des sozialen Körpers bestimmten über das ‚Wissen‘ von ‚dem Körper‘. Diese Spiegelbildlichkeit bildet eines der wichtigsten Scharniere zwischen der Geschichte der Wissensordnung und der Geschichte der Geschlechterordnung, und sie offenbart zugleich den engen Zusammenhang zwischen Physik und Metaphysik.

Die wandelbaren Bilder des corpus fictum hängen ihrerseits eng mit den medialen Techniken zusammen, über die eine Epoche verfügt und die das Gesicht und die Wissensordnung dieser Epoche prägen. Da die Medien sowohl über die Form der kommunikativen Vernetzung einer Gemeinschaft als auch über das gespeicherte Wissen ihrer Epoche bestimmen, sind sie auch ‚formatierend‘ für die Gestalt des sozialen Körpers [<< 29] und seines Spiegelbildes, des menschlichen Körpers. Deutlich ist die Interdependenz von Medien und Wissensordnung im Bezug zum Körper nachzuvollziehen an den aufeinanderfolgenden Vorstellungen über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Als der elektrische Strom aufkam, wurde die Tätigkeit des Gehirns mit dem elektrischen Netz und Stromstößen verglichen; dieses Erklärungsmuster wurde abgelöst vom Bild des Telegrafennetzes, auf dieses folgte das Modell des Rechners, und heute beruft sich die moderne Hirnforschung gerne auf die Analogie zum Internet. Indem die Kommunikationskanäle und Übertragungsmechanismen, die Speicher- und Reproduktionssysteme über das kollektive Gedächtnis die Entscheidung darüber treffen, was als ‚wissenswürdig‘ zu gelten hat, verwalten sie auch die Art, wie eine Gemeinschaft als Körper ‚funktioniert‘. So entsteht eine Wechselwirkung: ‚Die Wissenschaft‘ erfindet Techniken, die ihrerseits über die Gestalt des sozialen Körpers bestimmen. Der soziale Körper wiederum bringt eine bestimmte Wissensordnung hervor, der das Wissen über den menschlichen Körper unterliegt.

Die Vorstellung von der Ähnlichkeit des sozialen und des menschlichen Körpers wirkt sich aus auf die Geschlechterordnung und die geschlechtlich codierte ‚Gestaltung‘ des Sozialkörpers. Ein Beispiel: Paulus beschreibt das Verhältnis von Christus und Glaubensgemeinschaft, indem er sich auf die Analogie von Gemeinschaft und Leib beruft: „Weil es ein einziges Brot gibt“, so sagt er, „sind wir Vielen ein einziger Leib.“ 30 Die einzelnen Gläubigen bezeichnet er als ,Glieder‘, die in Christus einen unteilbaren Körper bilden.31 In dieser Konstruktion ist Christus wiederum das ‚Haupt‘ der Gemeinde und diese sein ‚Leib‘.32 Diese Körpermetaphorik überträgt er auf die Geschlechterordnung und die Rolle von Mann und Frau in der ehelichen Verbindung. Ebenso wie Christus das Haupt der Gemeinde sei, so solle auch in der Ehe der Mann das Haupt der Frau und sie seinen Leib bilden. Paulus: „So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst.“ 33 Deutlicher als in diesem Bild eines Hauptes, das seinen eigenen Leib heiratet, lässt sich das Gesetz von der Unauflösbarkeit der Ehe, das von allen Religionen der Welt nur das Christentum kennt, kaum benennen. Augustinus übertrug diese Vorstellung auf das Verhältnis von Geist und Fleisch, das es zu domestizieren, aber nicht zu verachten gelte. „Hassen wir aber nun wirklich das Fleisch, wenn wir wünschen, dass es [<< 30] uns gehorche? In der Regel weist ein jeder in seinem Hause seine Gattin zurecht und macht sie gefügig, falls sie widerspenstig ist, aber er verfolgt sie nicht als seine Feindin.“ 34

Das Bild des Hauptes, das seinen eigenen Leib heiratet, wurde zu Beginn der Neuzeit von englischen Kronjuristen aufgegriffen, um das Verhältnis von Souverän und Reich zu charakterisieren; es wurde also aus der theologischen Sphäre in jene des Staates übertragen.35 Auch die sexuelle Codierung wurde übernommen: So wie Christus als ‚Bräutigam‘ der Glaubensgemeinschaft galt und der Bischof bei seiner Ordination zum sponsus der Kirche wurde – der Ring, den er über seinen Finger streifte, besiegelte die Ehe 36 –, so wurde im Spätmittelalter auch der König bei seiner Krönung zum ‚Gatten‘ des Reichs ernannt, zum maritus rei publicae.37 Diese Ehemetaphorik wirkte ihrerseits auf die Geschlechterordnung zurück und prägte die Vorstellung von der ‚Natur‘ der Geschlechterordnung.38 An das Haupt-Leib-Modell für Ehe und Gemeinschaft schlossen noch die Pädagogen der Aufklärung wie Theodor Gottfried von Hippel an, der 1774 schrieb: „Der Mann soll über das Weib herrschen wie die Seele über den Leib.“ 39 Solche Ehemetaphern verdankten ihre Überzeugungskraft der Tatsache, dass sie an die alte Dichotomie anschlossen, die Männlichkeit mit Geist und Weiblichkeit mit Leiblichkeit assoziierte. Und sie wirkten zurück auf die Wissensordnung.

Der soziale Körper als corpus fictum erschafft sich also im physiologischen Körper sein Spiegelbild – und umgekehrt. Genwissenschaftlich gesprochen könnte man auch sagen: Sozialer Körper und menschlicher Körper klonen sich gegenseitig – und zwar so, dass zuletzt niemand mehr weiß, welcher das Original und welcher die Reproduktion ist. Geleitet wird dieser Prozess von einer Wissenschaft, die das Produkt medialer Techniken ist, die sich ihrerseits wissenschaftlichen Errungenschaften verdanken. [<< 31]

Das heilige Gen

Dass in der christlichen und postchristlichen Gesellschaft eine enge Beziehung zwischen Wissenschaft und Metaphysik besteht, lässt sich am deutlichsten an den Wissenszweigen darstellen, die um ‚das Gen‘ entstanden sind. Das Gen ist als die Körper- und Wissenschaftsmetapher der Moderne zu bezeichnen, und nicht durch Zufall firmieren die Disziplinen, die genetische Forschung betreiben, inzwischen unter dem Namen ‚Lebenswissenschaften‘. In den Genwissenschaften verbinden sich ­mediale Techniken wie die Schrift, das Alphabet und der binäre Code 40 mit Wissen und religiösen Paradigmen, und diese spiegeln sich ihrerseits in den beiden Konzepten des Körpers wider, dem biologischen und dem sozialen. In den Genwissenschaften verbinden sich also die verschiedenen zur Etablierung der Wissensordnung notwendigen Faktoren – mediale Techniken, sozialer Körper, physiologischer Körper – und zugleich spiegeln sich in ihrer Geschichte die historischen Transformationsprozesse wider, die die Geschichte der Wissensordnung wie die Geschichte der symbolischen Geschlechterordnung durchlaufen hat.

Die Genforschung wird oft als Selbstermächtigung des Menschen interpretiert, als Versuch, sich göttliche Macht anzueignen, und in dieser Hinsicht als der christlichen Demut konträr beschrieben. Es lässt sich aber auch die gegenteilige These aufstellen: dass nämlich der Diskurs über das Gen in der christlichen Tradition selbst verhaftet ist und diese fortführt. Damit soll nicht behauptet werden, dass die Genwissenschaft als Religion mit transzendenter Botschaft zu betrachten sei, sondern vielmehr, dass sie sich den Strukturen christlichen Denkens – und einem spezifisch christlichen Säkularisierungskonzept, das die Weltwerdung der Heilsbotschaft einfordert – verdankt. Ist Christus der Fleisch gewordene Logos, so geht es in der Wissenschaft vom Gen um das Biologie gewordene Bit. In beiden Fällen hängen die ‚Heilsbotschaften‘ eng mit den jeweiligen medialen Errungenschaften zusammen: Dem Christentum war die Erfindung des griechischen Alphabets vorausgegangen, der Genwissenschaft die Erfindung des binären Codes.

Nichts ist schwieriger zu definieren als das Gen, das als eine linguistische Fiktion begann, erfunden vom dänischen Genetiker Wilhelm Johannsen im Jahre 1909, um eine angenommene Zelleneinheit zu beschreiben, die bestimmte Eigenschaften [<< 32] hervorrufen kann. Johannsen übernahm den Begriff wiederum von dem deutschen Physiologen Hugo DeVries, der den Begriff des ‚Pangens‘ von Charles Darwins ‚Pangenesis‘ abgeleitet hatte: Mit Pangenesis (der Verweis auf die Bibel kommt nicht von ungefähr) war die Theorie über den Ursprung der biologischen Variation gemeint. Für die erste Generation der experimentellen Genetiker Anfang des 20. Jahrhunderts bezeichnete das ‚Gen‘ eine physische Eigenschaft – die Flügelform oder Augenfarbe der Fliege Drosophila zum Beispiel, die sich von einem (bis dahin nicht identifizierten) Substrakt von Erbmaterial herzuleiten schien. Heute begreift man DNS (aus der sich das ‚Genom‘ zusammensetzt) nicht als Vorgabe für eine bestimmte körper­liche Eigenschaft, sondern als eine Art von Interaktion der ‚Gene‘ mit sich selbst und dem weiteren Umfeld. Wie bei der Hirnforschung spielen auch bei diesem Wandel die neuen medialen Techniken – Computer und Internet – eine wichtige Rolle. Das moderne Konzept des Gens hat dazu geführt, dass der Körper selbst nicht als eine feste Gegebenheit betrachtet wird, sondern – vergleichbar dem Computer – als ein ‚Satz von Anweisungen‘, als ein ‚Programm‘, das von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird. In ihrem Buch The DNA Mystique schreiben Nelkin und Lindee:

„Menschen sind die ‚Computerausdrucke‘ ihrer Gene. Wenn Wissenschaftler den Text entziffern und decodieren können, die Markierungen auf der Karte klassifizieren und Anweisungen lesen können, so die Vorstellung, dann werden sie auch die Essenz der menschlichen Wesen rekonstruieren, menschliche Krankheit und die menschliche Natur selbst entschlüsseln können, um so die letzten Antworten auf das Gebot ‚Kenne dich selbst‘ zu geben. Der Genetiker Walter Gilbert beginnt seine öffentlichen Vorlesungen über Gensequenzierung damit, dass er eine Kompaktdiskette aus der Tasche zieht und dem Publikum verkündet: ‚this is you‘.“ 41

Hic est corpus meum … Die Geste des Genetikers erinnert an die Worte des Priesters während der Messe, kurz nachdem die Glocke den Akt der Verwandlung von Hostie und Wein in Fleisch und Blut verkündet hat. Und tatsächlich lässt sich das undefinierbare Gen auch am besten mit der Hostie vergleichen, dem corpus christi mysticum, mit dem sowohl der Leib Christi, das ‚fleischgewordene Wort‘, als auch die Gemeinde der Gläubigen bezeichnet wird. Beide Funktionen hat das Gen übernommen. Das Gen ist Zeichen und Fleisch zugleich, eine Metapher für den individuellen und den kollektiven Körper, und es bietet das Versprechen einer fleischlichen Unsterblichkeit. [<< 33] Wie Hostie und Heiliges Abendmahl macht es das Göttliche ‚gegenwärtig‘, es birgt die Erlösung von der ‚Erbsünde‘ (erblicher Krankheit oder Behinderung); und wie bei der Transsubstantiation verspricht es magische Verwandlungen und ‚Wunderheilungen‘. Es ist die Leib gewordene Schrift. Mit der Gentechnologie, so schreibt Hans Jörg Rheinberger,

„wird das Labor, diese privilegierte Schmiede epistemischer Dinge, in den Organismus selbst verlegt und damit potentiell unsterblich, fängt sie doch an, mit der eigenen Schreibmaschine des Seins zu schreiben. Das größte Entzifferungsprojekt dieses Jahrhunderts, das Vorhaben, das menschliche Genom zu sequenzieren, ist auf den Weg gebracht – auf den Weg des Biochip.“ 42

Allein die Tatsache, dass es sich um einen Vorgang des Sequenzierens handelt, verweist auf die Buchstabenkette des Alphabets, und Genwissenschaftler selbst sprechen von der ‚Entzifferung‘ der genetischen Zusammensetzung oder dem Alphabet des Genoms. So wie die Buchstaben des Alphabets eine eigene historische Wirkungsmacht entwickel­ten,43 so verspricht auch dieses ‚Programm‘ den Körper zu verwandeln.

„Die Schrift des Lebens ist in den Schriftraum des Labors transponiert, zum epis­temischen Ding gemacht, in die Welt der mittleren Dimensionen geholt, in denen unsere Sinnesorgane operieren. Der Biologe, als Forscher, arbeitet nicht mehr mit den Genen der Zelle – er weiß ebensowenig wie jeder andere, was das ‚wirklich‘ ist – er arbeitet mit experimentell in einem Repräsentationsraum produzierten Graphemen. Wenn er wissen will, was sie bedeuten, hat er keine andere Möglichkeit, als diese Artikulation von Graphemen durch eine andere zu interpretieren. Die Interpretation eines Sequenzgels kann nie etwas anderes sein als ein weiteres Sequenzgel.“ 44

Genetiker selbst vergleichen das Gen manchmal mit ‚der Bibel‘, dem ‚Heiligen Gral‘, dem ‚Buch des Menschen‘.45 Es erscheint wie ein sakraler Text, der über die Schö [<< 34] pfung der Natur wie über die moralische Ordnung bestimmt. Manchmal wird das Gen auch mit einem ‚Wörterbuch‘, einer ‚Bibliothek‘, einer ‚Karte‘, einem ‚Rezept‘, einem ‚Referenzwerk‘ verglichen. Auch Christus ist Gral, Buch, Bibel und Speise zugleich. Ebenso wie Christus Gott und Mensch, unsichtbar und dennoch materiell ist, verbinden sich auch in DNS Kultur und Natur, Zeichen und Fleisch. In den Worten von James Watson, Nobelpreisträger und ehemaliger Leiter des Human Genome Project, ist das ‚Schreibprogramm‘ DNA „what makes us human“.46 Daher haben Abtreibungsgegner DNS auch als „the letters of a divine alphabet spell(ing) out the unique characteristics of a new individual“ bezeichnet.47

Gibt es – dank des Gens – eine biologisch definierte ‚Erbsünde‘, so ist das Gen auch dazu da, vergleichbar der Hostie, die Absolution zu erteilen: eine Erlösung von der Schuld. Wenn es die Gene sind, die über Verhalten und Handlungen bestimmen, so kann der Mensch nicht dafür zur Verantwortung gezogen werden. Die Kirche behielt sich das Recht vor, den ‚Sünder‘ nicht in geweihter Erde zu bestatten und ihm damit auch das Recht auf Auferstehung und ewiges Leben zu verweigern. Der Genetiker Francis Crick sagt: „No newborn infant should be declared human until it has passed certain tests regarding its genetic endowment […]. If it fails these tests, it forfeits the right to live.“ 48

Schon die Eugeniker der Jahrhundertwende sprachen von einem „Körperex­trakt“, dem „Beständigkeit bis zur Unsterblichkeit“ eigen sei.49 „Das ewige Leben“, schrieben die amerikanischen Eugeniker Paul Popenoe and Roswell Hill Johnson in den 1920er-Jahren, „ist mehr als eine Metapher oder ein theologisches Konzept.“ Der Tod einer riesigen Agglomeration hochspezialisierter Zellen habe wenig Bedeutung, sobald das Keimplasma weitergegeben worden sei, denn es enthalte „die Seele selbst“ des Individuums.50 Das hatte Folgen: Anfang dieses Jahrhunderts führte die Zeugung und Züchtung von „wertvollem Erbgut“ in den USA zu den sogenannten Better Babies ­Contests. Auf einem Foto ist die Gewinnerin des Wettbewerbs von 1914 zu sehen: die sechs Monate alte Virginia June Nay, nackt auf dem Boden vor einem Bündel Getre [<< 35] ideähren sitzend.51 Diese Bildgestaltung erinnert nicht durch Zufall an mittelalterliche Darstellungen von Christus: Die Kornähren neben dem Abbild des Erlösers verwiesen auf das Brot, die Hostie: den Leib des Herrn als Speise, die Unsterblichkeit verleiht. Bei den Eugenikern hatte das ‚unsterbliche Erbgut‘ diese Funktion übernommen. Better Crops war das Schlagwort, unter dem für verbesserten Nachwuchs geworben wurde.

Prämiert wurde auf den Better Babies Contests nicht etwa die Schönheit des Kindes, sondern seine Übereinstimmung mit Durchschnittsnormen wie Körpergröße, Wachstum etc., das heißt, es ging um Maßstäbe und Normen, um den Kanon selbst. „Hässliche Babys konnten Preise gewinnen. Das einzige, das zählte, waren die objektiven Maße. Für jede Abweichung von der Norm in Größe, Entwicklung oder Gestalt wurden Punkte abgezogen.“ 52 So wird die Norm selbst zum ,heiligen Text‘, zu einem dem Körper eingeschriebenen Kanon. Im säkularen Kontext tritt an die Stelle des ‚Heiligen‘ bzw. der ‚Sünde‘ ‚normal‘ und ‚deviant‘, die wiederum mit ‚natürlich‘ und ‚unnatürlich‘ gleichgesetzt werden. Auf diese Weise wurde die Eugenik zu einer ‚civil religion‘, in deren Zentrum das ‚sakralisierte Kind‘53 steht: ein Topos, der seinen christlichen Ursprung kaum verleugnen kann.54 Mit der Genwissenschaft taucht schließlich auch der Gedanke einer ‚geschlechtslosen‘ Konzeption auf, deren christliche Herkunft kaum zu übersehen ist. Dank der In-vitro-Fertilisation ist die ‚Jungfrauengeburt‘ heute nicht mehr religiöses Dogma, sondern praktizierte Medizin, die bereits bei Frauen durchgeführt wurde, die noch nie Geschlechtsverkehr hatten.55

Mit anderen Worten: Geistesgeschichtlich gesehen bilden viele Fortschritte der Neuzeit und wissenschaftliche Neuerungen keinen Gegensatz zu theologischen Diskursen, sondern geradezu deren Realisierung. Diese Erkenntnis tritt am deutlichsten zutage, wenn man die Geschichte der Wissensordnung mit der Geschichte der symbolischen Geschlechterordnung vergleicht. Das bedeutet weder das Ende der ‚fruchtbaren Ehe‘ von Wissen und Glauben noch stellt es die Bedeutung wissenschaftlicher Errungenschaften in Frage – es impliziert vielmehr einen Erkenntnisvorgang, bei dem Wissensordnung und symbolische Geschlechterordnung auf ihre Überlagerungen und Verflechtungen untersucht werden müssen. Genau das ist das Anliegen dieses [<< 36] Buches: eine Untersuchung der Rolle, die die Kategorie ‚Geschlecht‘ für die Eta­blierung theo­retischer Diskurse sowie für die Wissensordnung insgesamt gehabt hat und weiterhin hat. Dabei rücken auch die Neuen Medien, die wie die Geschlechterstudien eine ‚Querschnittswissenschaft‘ sind, in den Blickpunkt des Interesses: Die Geschichte der Wissensordnung hängt eng mit der Geschichte medialer Vernetzungen und Speichersysteme zusammen. Eben dieser Zusammenhang wird jedoch von der Wissensgeschichte ausgeblendet, so als gelte es die ‚Ursprünge‘ oder die Triebkraft der Wissensordnung zu verbergen. Die symbolische Geschlechterordnung offenbart die historische Wirkungsmacht der Medien über die Wissensordnung, hat doch jede mediale Neuerung im Abendland auch eine Veränderung der symbolischen Geschlechterordnung zur Folge gehabt.

Geschlecht als Wissenskategorie

Obgleich unverkennbar ist, dass die Frage, wie oder warum ‚das Geschlecht‘ aus der Wissenschaft ausgeschlossen bzw. in die Wissenschaft eingelagert worden ist, tendenziell auf die Geschichte der Wissensordnung selbst zielt, ist der Anspruch des Bandes als Hand- und Arbeitsbuch bescheidener: Er konzentriert sich auf die kritische Darstellung der Bedeutung, welche Geschlecht als Analysekategorie in den aktuellen Theoriedebatten spielt, die ihrerseits einen langen historischen Vorlauf haben, aber gerade in der Gegenwart das Selbstverständnis der Wissenschaften in radikaler Weise zu verändern beginnen.56 Ein Blick in neuere Publikationen zeigt, dass in der aktuell boomenden Wissenschaftsforschung 57 die Einsicht in die geschlechtliche Codierung des Wissens [<< 38] und der Wissenschaften noch immer rudimentär ausgebildet ist. In dem repräsentativ aufgemachten Band Bilderwissen 58 heißt es in dem Abschnitt „Ikonen des Intellekts“ in gespielter Naivität: „wie ein Wissenschaftler (Künstler, Schriftsteller, Komponist etc.) aussieht, sollte uns egal sein, auch wenn es sich dabei um eine Frau handelt.“ 59 Abgebildet werden bezeichnenderweise dann jedoch Porträts von Einstein, Herschel und Hawking als charismatische Wissenschaftler, die zeigen, dass ‚große Männer‘ nicht nur Geschichte machen, sondern auch Wissenschaftsgeschichte schreiben. So gängig inzwischen auch die Auffassung ist, dass die Wissenschaften – wie andere kulturelle Praktiken – „historisch und kulturell variable Phänomene“ 60 sind, so wenig Beachtung hat bisher die Tatsache gefunden, dass Wissenschafts- und Geschlechterforschung eine Reihe von parallelen Entwicklungen und Überschneidungen aufweisen.

Seit die gesellschaftliche Benachteiligung und Diskriminierung der Frau in den späten 1960er-Jahren von der akademischen Frauenforschung aufgegriffen wurde, hat sich die Geschlechterforschung in einer engen interdisziplinären Verflechtung mit sozial­wissenschaftlichen Theorien und gesellschaftstheoretischen Modellen entwickelt: In den 1970er-Jahren wurde ‚Geschlecht‘ in die Analyse des gesellschaftlichen Lebens und der sozialen Räume, des Zugangs zu und der Teilhabe an politischer Macht und der Verteilung ökonomischer Ressourcen eingeführt und als weitere grundlegende Kategorie der wissenschaftlichen Analyse in den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften etabliert. Hierbei richtete sich das Augenmerk vor allem auf Fragen der Ungleichheit – etwa in der Lohnarbeit und der sozialen Hierarchie.61

Unter dieser Perspektive wurden auch die Wissenschaften in den Blick genommen, als seit den 1970er-Jahren weibliche Karriereverläufe, die Ab- und Anwesenheit von Frauen in den Wissenschaften, die institutionellen Barrieren und deren Folgen untersucht wurden. Dabei führte die feministische Wissenschaftskritik zu einer intensiven [<< 38] Auseinandersetzung mit der Funktion und Bedeutung der Wissenschaften bei der Ausgrenzung von Frauen aus der gesellschaftlichen Öffentlichkeit und ihrer Diskriminierung in den unterschiedlichsten sozialen Systemen. In einer Vielzahl von Arbeiten wurde untersucht, wie mit wissenschaftlichen Begründungsmustern soziale, histo­rische, politische und ökonomische Praxen begründet, legitimiert und aufrechterhalten werden. In diesem Zusammenhang wurde vor allem die Instrumentalisierung von Geschlechtsstereotypien, weniger aber die Geschlechtsstereotypien selbst hinterfragt; das heißt es wurde – vereinfacht gesagt – die Verwendung von wissenschaftlichem Wissen thematisiert, die missbräuchliche oder fehlgeleitete Anwendung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Tatsachen; diese wurden jedoch als an sich neutral und objektiv angesehen.62

Dieser Zugang entsprach weitgehend dem methodologischen Selbstverständnis der traditionellen Wissenschaftssoziologie und Wissenschaftsforschung. Zwar wurde die Herstellung und Beurteilung von Wissen seit Karl Mannheim als kontextabhängig betrachtet, doch galt der Inhalt wissenschaftlichen Wissens als weitgehend sakrosankt. So wurden in der traditionellen Wissenschaftssoziologie zwar die Bedingungen der wissenschaftlichen Erkenntnisproduktion, deren Institutionalisierung, Normen und Werte untersucht oder die Motivationen der beteiligten Akteure betrachtet, wissenschaftliche Aussagen (Erkenntnisse und Tatsachen) wurden jedoch nicht weiter hinterfragt. In den 1960er-Jahren rückten mit der sogenannten antipositivistischen Wende [<< 39] jedoch auch der Inhalt und die Struktur des Wissens in den Blickpunkt des Interesses. Die Kritik am naturalistischen Wahrheitsanspruch der Wissenschaften im Allgemeinen und der Naturwissenschaften im Speziellen bildet seitdem einen gemeinsamen Fluchtpunkt der Wissenschafts- und Geschlechterforschung.

Mit der Frage der Kontextabhängigkeit wurde auch die vorgebliche Geschlechtsneutralität des Wissens kritisierbar. In der Geschlechterforschung wurde nun eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Aussagen der Lebenswissenschaften über die Geschlechterdifferenz gesucht, um deren sexistische Annahmen zu enthüllen. Arbeiten aus verschiedenen Disziplinen legten die verborgenen androzentrischen Denkmuster in der wissenschaftlichen Darstellung von Weiblichkeit und Männlichkeit offen oder analysierten die Reinigung und Säuberung wissenschaftlicher Erkenntnisgegenstände von der ihnen zugrunde liegenden Geschlechtlichkeit.63

In der Wissenschaftsforschung wurden ausgehend vom „strong program“ der ­Sociology of Scientific Knowledge vor allem zwei methodische Ansätze ausformuliert, um das Zusammenwirken von sozialen und kognitiven Bedingungsfaktoren zu erklären und zu beschreiben. Das Interessenmodell führte die jeweilige Wahl zwischen konkurrierenden wissenschaftlichen Aussagen auf das Wirken gesellschaftspolitischer und professioneller oder wissenschaftsstrategischer Interessen zurück und suchte das Soziale an externen Faktoren festzumachen, die das Handeln und Denken der Wissenschaftler gewissermaßen von außen steuern.64 Im Gegensatz dazu begriff das Diskursmodell wissenschaftliche Aussagen als soziale Konstruktion und stellte die Erzeugung, Stabilisierung, wissenschaftliche Anerkennung und gesellschaftliche Durchsetzung in den Fokus der Untersuchung, um die soziale Dimension (wissenschaftliches Ansehen, Geschlechtszugehörigkeit, Zugang zu Fachzeitschriften, Koalitionsbildung oder [<< 40] Mobilisierung der Öffentlichkeit) zu erfassen.65 Beide Ansätze setzen an der Frage an, wie die auch für naturwissenschaftliche Erkenntnisbildung charakteristische Wechselwirkung von sozialen und kognitiven Prozessen analysiert werden kann.

Auch in der Geschlechterforschung wurde zunächst versucht, die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen den sozialen Verhältnissen und den Androzentrismen der modernen Wissensbestände durch eine Differenzierung „externer“ und „interner“ Faktoren methodisch zu begründen. Analytisches Instrument war die Unterscheidung zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht, die sex als „naturgegebene“ biologische Ausstattung und gender als soziale Konstruktion und kulturelle Zuschreibung begriff.66 Carol Hagemann-White machte jedoch schon früh darauf aufmerksam, dass die unhinterfragte Klassifizierung der Menschen in Männer und Frauen keineswegs unproblematisch ist, da sie die Existenz von zwei – und nur zwei – Geschlechtern als außergesellschaftliches, naturgegebenes und unveränderbares Faktum voraussetze.67 In den 1980er- und 90er-Jahren wurde im Rückgriff auf sprachtheoretische bzw. poststrukturalistische Ansätze, die vor allem in den Kulturwissenschaften relevant geworden waren, kritisiert, dass diese Unterscheidung in letzter Konsequenz dem biologis­tischen Rahmen verhaftet bleibe, den sie sprengen will.68 Obwohl auch das biologische Geschlecht als diskursive Konstruktion betrachtet und damit die Grundstruktur der angeblich natürlichen Zweigeschlechtlichkeit in Frage gestellt wird, reproduziere die Unterscheidung von sex und gender jene Dichotomie von Natur und Kultur, die wie andere binäre Oppositionen (Körper / Geist, Subjekt / Objekt) das abendländische Denken strukturieren. Da jeweils einem Begriff der binären Opposition der Status des Gegebenen, Unhintergehbaren zukomme, kritisierte u. a. Butler die „Metaphysik [<< 41] der Substanz“ als Effekt einer Bezeichnungspraxis, bei der die Begriffe als vorgängige oder außerdiskursive bezeichnet werden und damit deren diskursive Konstitution verschleiert werde.

Mit dem Diskursmodell hatte sich auch die Wissenschaftsforschung Ende der 1980er-Jahre in eine gewisse theoretische Sackgasse manövriert, die sich gleichfalls aus der Relativität der sozialen Konstruktion ergab und in die heftig ausgetragene Streitfrage mündete, ob es jenseits der sozialen Konstruktion noch so etwas wie naturgegebene Realität gebe.69 Hier hatte die letztlich unfruchtbare (weil ontologische) Zuspitzung in Form eines Sozialdeterminismus dazu geführt, dass man sich nunmehr auf den praktischen Herstellungskontext von wissenschaftlichen Tatsachen konzentrierte. Der technological oder practical turn verlagerte (im Gegensatz zum linguistic turn) die Frage der sozialen Konstruktion auf die Ebene der materiellen, d. h. technischen Grund­lagen der Wissensproduktion, um die Wechselwirkungen zwischen Diskurs und Praktik, zwischen sozialen Konstruktionen und den material constraints zu unter­suchen. Einen entscheidenden Einfluss hatten ethno-methodologisch orientierte Feldstudien, die deutlich machen konnten, dass sich die Herstellung und Stabilisierung von wissenschaftlichen Fakten durch eine Vielfalt sozialer Praktiken auszeichnen, die nur durch Akkulturation zu erwerben sind.70 Mit heuristischen Modellen wie boundary concept oder boundary object wurde nun versucht, die Bedeutung von wissenschaftlichen Tat­sachen als Grenzobjekt und Aushandlungsgegenstand unterschiedlicher sozialer Welten zu erfassen, oder es sollten mit der Rekonstruktion von Wissenshybriden die tradierten Dichotomisierungen relativiert, wenn nicht gar aufgelöst werden.71

Diese Überschneidungen in der bislang getrennt verlaufenden Entwicklungsgeschichte der Geschlechter- und Wissenschaftsforschung verweisen nicht nur in die Zukunft eines gemeinsamen Forschungsprogramms, in dem die kritischen Ansätze aus beiden Disziplinen produktiv gebündelt werden können, sondern zugleich zurück auf die Anfänge des abendländischen Denkens, wo die Kategorie des Geschlechts – wenn auch häufig verschlüsselt oder verschwiegen – in den Konstituierungsprozessen des Wissens und der Wissenschaft eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt hat.

Der Begriff der ‚Kategorie‘ geht auf die Anfänge des abendländischen Denkens zurück, in welchem die Aristotelische Lehre von den zehn Kategorien den Schlüssel [<< 42] zum logischen Denken darstellte. Die Kategorienlehre von Aristoteles kennt bekanntlich kein Geschlecht. Wohl aber ist bereits bei Aristoteles das Geschlecht ein Gegenstand der Naturkunde. Es wird vorrangig in seinen naturphilosophischen Schriften in seiner Funktion für die Fortpflanzung thematisiert. Dort findet sich auch jene begriffliche Figur, die mit dem weiblichen Prinzip als passiver Matrix und dem männlichen als aktiver Formgebung das Denken über Geschlecht und die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem bis zur Entstehung der modernen wissenschaftlichen Disziplinen bestimmen sollte. Sie zeigt zugleich, wie eng die naturwissenschaftliche Beschreibung des Geschlechts mit der wissenschaftstheoretischen Reflexion bzw. mit der Kategorienlehre verflochten wurde. Denn für die aristotelische Philosophie war die Fortpflanzung der paradigmatische Fall des Werdens bzw. der Veränderung in der ersten Kategorie des Seins, der Substanz. Das Männliche steht für die Wirkursache, das Weibliche für die materielle Ursache. Was heute als soziale Konstruktion der Geschlechter gilt − dass Männer zur Fortpflanzung die Form, Frauen das Material beisteuern −, galt zur Zeit von Aristoteles als ‚Evidenz der Natur‘.

Bis heute ist Geschlecht Gegenstand der Naturkunde, jener Einzelwissenschaft, die sich auf Aristoteles als ihren Begründer beruft und sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts Biologie oder Life Science nennt. Geschlecht ist somit als verborgene, aber gleichwohl konstituierende Kategorie des wissenschaftlichen Denkens der abendländischen Wissenschaft ursprünglich. Sie begleitete von der klassischen Antike an das begriffliche Denken und wurde zugleich aus der philosophischen Reflexion der dieses Denken begründenden Grundlagen ausgeschlossen.72

Das Denken des Mittelalters war einerseits geprägt von den Traditionen der Antike, andererseits setzten sich aber auch neue wissenschaftliche Denkmuster durch, die sich vornehmlich christlichen Traditionen verdankten. War zunächst das asketische Ideal des Frühchristentums prägend für das Verhältnis von Glauben und Wissen, so wurden allmählich die Gelehrsamkeit der Klöster und dogmatisch-christliche Glaubensinhalte ausschlaggebend für das wissenschaftliche Denken, das alte heidnische Wissensformen überlagerte, integrierte oder verdrängte. In der Mystik des Hochmittelalters bezogen sich ‚Wahrheit‘ und ‚Wirklichkeit‘ auf ein transzendentes Wissen, das wiederum das [<< 43] Körperbild des mittelalterlichen Menschen wie das medizinische Wissen beeinflusste.73 Die ‚christliche‘ Körperwahrnehmung wirkte sich ihrerseits auf die Geschlechterbilder aus.74 Die Scholastik unternahm den Versuch, die christlichen Glaubensinhalte mit den Wissenstraditionen der Antike und deren auf der Ratio basierenden Wissensbegriff zu verbinden. Für die Mystik spielten Fragen des Bildes und der Bilderverehrung eine wichtige Rolle, was wiederum in der symbolischen Geschlechterordnung einen Ausdruck fand. War die weibliche Mystik des Mittelalters noch geprägt von dem ‚Wissen‘ um die ‚weiblichen‘ Anteile an dem Mensch gewordenen Gott, so sind bildende Darstellungen der Passionsgeschichte, die im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit entstanden, Indices für einen neuen Geschlechtercode, der die ‚Männlichkeit‘ des Erlösers in den Vordergrund rückt.75

Mit dieser Entwicklung kündigen sich schon die Renaissance und ein neues wissenschaftliches Denken an, das auch prägend werden sollte für einen Wandel der Geschlechterordnung. Das christliche Denken übte einen tiefen Einfluss auf die säkulare Welt des Mittelalters aus. War im frühen und im Hochmittelalter das höfische Leben, in dem sich sowohl heidnische als auch christliche Traditionen niederschlugen, noch prägend für sowohl das Wissen als auch für die Geschlechterordnung, so setzt sich nun ein Wandel der Körperwahrnehmung wie der Emotionalität durch.76 Gleichzeitig entwickelt sich mit technischen Neuerungen wie etwa der mechanischen Uhr sowie einer zunehmenden Geldwirtschaft und der allmählichen Durchsetzung einer Gesellschaft, die nach den Gesetzen der Schrift lebt, eine neue Gesellschaftsordnung, die nicht nur Einfluss auf das Wissen und wissenschaftliches Denken, sondern auch auf die Geschlechterrollen ausübt.77 [<< 44]

Aus der aristotelischen Philosophie entwickelte sich – befördert durch die Antiken­rezeption der Renaissance – im Abendland eine neue Form der Dichotomie, die prägend wurde für fast alle Bereiche der neu entstehenden Wissenschaften: Das hierarchische Geschlechterverhältnis ist präsent im philosophischen Diskurs, dessen Begriffe von Subjektivität und Autonomie, Freiheit und Gleichheit, Universalität und Transzendenz am männlichen Selbst ausgerichtet sind, während die Vorstellungen von Weiblichkeit, Körper und Natur als Kontrast zu diesen Selbstsetzungen fungieren.78 Ein ähnlicher Prozess vollzog sich mit der Entwicklung der Zentralperspektive auch in der Kunst, der Naturwissenschaft und auf dem Gebiet des Visuellen. Der penetrierende und einseitige männliche Blick imaginiert sich als Schöpfer, der die sichtbare Welt, indem er sie zum Objekt macht, seiner Verfügungsmacht und Kontrolle unterwirft.79 Dieser penetrierende Blick erzeugte nicht nur die Illusion männlicher Subjektivität, er spielte auch für die Entwicklung der Naturwissenschaften sowie für die Entstehung eines neuen Körperbildes eine entscheidende Rolle. Auch für die Naturkunde, die sich wie die Philosophia naturalis auf Aristoteles als ihren Begründer berief, wurde diese geschlechtsspezifische Codierung der Kategorien begründend und bei der Transformation der Naturgeschichte in die modernen Naturwissenschaften umgeschrieben. Sie findet sich heute in den Objektivitäts-, Universalitäts- und Neutralitätsan­sprüchen moderner Wissenschaftskulturen wieder, wo sie als epistemologische Basis für den wissenschaftlichen Umgang eingelagert wurde und eine kategoriale Vorgabe für die Beschäftigung mit Geschlecht und kultureller Differenz bildet.80 Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Wirkungsmacht der Wissenskategorie Geschlecht stets eine ambivalente war, die in der Dialektik von dynamischen Innovationsschüben und traditionellem Beharrungsvermögen bestand.

In der „Sattelzeit“ (Koselleck) um 1800 vollzog sich ein Paradigmenwechsel: Mit der modernen wissenschaftlichen Beschreibung zweier biologischer Geschlechter wurde das [<< 45] Verhältnis der Geschlechter nicht mehr in der Opposition von sozialer Superiorität und Inferiorität gedacht, sondern als das Verhältnis einer Differenz konstruiert. Die Frau galt nun nicht mehr, wie bei Aristoteles, als „verkümmerter Mann“, sondern sie wurde zur Repräsentantin des „anderen Geschlechts“. In der Epoche der Aufklärung wurde die „Frau“ sogar in einer Art „weiblicher Sonderanthropologie“ zur Statthalterin der Natur erklärt. In dieser Funktion avancierte sie in der nachrevolutionären bürgerlichen Gesellschaft zur Repräsentantin des moralischen Geschlechts. Der Mann stand für das rationale Geschlecht, das sich durch die Herrschaft über Natur definiert. Die Aufteilung des Menschen in zwei ungleichwertige Teile wurde in einem Zeitalter, das die Gleichheit aller Menschen zum Prinzip erhob, mit genuin aufklärerischen Prinzipien legitimiert. Die Natur bedeutete in den medizinischen, historiographischen, philosophischen und anthropologischen Diskursen für die Frau immer „Einschluss“ und „Begrenzung“, und Natur nahm – ob als die dem Organischen eigentümliche Produktivität, ob als Seelenleben oder ob als „Konstanz der Kräfte“ – immer eine doppeldeutige Funktion ein.81

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde mit der Entstehung und Herausbildung der modernen Disziplinen die traditionelle Hierarchie der Wissenschaften in eine funktionale Ordnung überführt. Dabei wurden auf dem Wege der disziplinären Abgrenzung spezifischer Gegenstandsbereiche tradierte Geschlechtermuster oft aufgehoben und überwunden und doch zugleich in Form disziplinärer Darstellungstechniken, Arbeitspraktiken und Forschungsstrategien wissenschaftlich rekonstruiert, ob in gynäkologischen Aufzeichnungstechniken, obskuren chirurgischen Praxen, psychologischen Deutungsmustern, wie etwa der Hysterie oder medialen Aufschreibesystemen.82 Auch die Entfaltung wissenschaftlicher truth claims überführte traditionelle Männertugenden in eine bürgerliche Werteökonomie, die die Aufspaltung zwischen individueller Subjektivität und wissenschaftlicher Objektivität und die ihr zugrunde liegenden Geschlechtsvorstellungen maskiert und verbirgt.

Ende des 19. Jahrhunderts kam es im Zuge der Auflösung des traditionellen Familienverbandes, veränderter Moral- und Wertvorstellungen, neuer ökonomischer und politischer Verhältnisse und Arbeitsbedingungen sowie eines neuen biomedizinischen [<< 46] Verständnisses von Zeugung und Reproduktion zu einer zunehmenden Entkoppelung von Fortpflanzung und Sexualität. Diese hatte Rückwirkungen auf die soziale und kulturelle Wahrnehmung von Geschlecht. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch die Entstehung neuer medialer Techniken wie Photographie und Film, die ihrerseits auf die Wahrnehmung von Geschlecht und Geschlechterrollen einwirkten.83

Geschlecht war mit Beginn des 20. Jahrhunderts sowohl in der Naturgeschichte als auch in der Philosophie zu einem der zentralen Gegenstände der wissenschaftlichen Neugierde geworden – und ist es auf Gebieten wie der gentechnologischen Forschung bis in die Gegenwart geblieben. Wie die etymologische Verwandtschaft von Gen, Genus, Gentechnologie, Gender und Genre verrät, besteht zwischen dem wissenschaftlichen Gegenstand „Geschlecht“ und dem wissenschaftlichen Selbstverständnis eine für die wissenschaftliche Praxis konstitutive Verbindung, die mehr als 2000 Jahre lang kaum expliziert wurde.84 Dabei lässt sich verallgemeinernd sagen, dass die Kategorie Geschlecht in den eher anwendungsorientierten Disziplinen zwar eine bedeutende, jedoch meist kaum reflektierte und damit weithin unsichtbare Rolle spielt. Das gilt auch für die Medizin bis in jüngere Zeit. Hier sind auch die neuen molekular ausgerichteten Lebenswissenschaften zu nennen, deren Forschungsprogramme dazu tendieren, Geschlechtskategorien radikal auf Genanlagen zu reduzieren und zugleich Geschlechtsvorstellungen und Geschlechtszuschreibung im Sinne eines genetischen Determinismus neu zu begründen.85 Ähnliches gilt auch für die Rechtswissenschaft, in der Geschlecht als normatives Leitbild wirkt und zugleich immer wieder neue Leitbilder des Geschlechts durch juristische Regulierung geformt und über die Strukturen eines staatlichen Gewaltmonopols durchgesetzt werden.86

Für die Hinterfragung solcher Normierungsprozesse und die damit einhergehende Wissenschaftsreflexion spielen die sozial- und kulturwissenschaftlichen Fächer eine [<< 47] wichtige Rolle, bieten sie doch das notwendige Instrumentarium, um die Entstehung, Einschreibung und Perpetuierung von Diskursen und Praktiken des Wissens zu untersuchen. Methodisch kann hier auch von einer Wende des Blicks die Rede sein: von den materiellen, ökonomisch / sozialen Verhältnissen zur Wahrnehmung der sprachlichen und medialisierten, bildlichen, insgesamt kulturellen Formen der Konstruktion von Wirklichkeit. Der genetic turn, der mit der Verabschiedung der These einer Naturhaftigkeit der Geschlechter einhergeht, begleitet so den linguistic turn und den pictorial turn, die sich zusammen und analytisch orientiert als ­discursive turn fassen lassen.

Diese verschiedenen turns haben zu einer Dynamisierung der Forschungsdebatten geführt, von der auch der vorliegende Band profitiert. Durch die Interventionen, die aus den einzelnen Fächern heraus entwickelt wurden, sind nicht nur neue inter- und transdisziplinäre Forschungsfelder erschlossen worden, sondern wurde der Blick auch für die geschlechtliche Codierung des Wissens und der Wissensordnung insgesamt geschärft. Die bisherigen Versuche, die Erträge der Geschlechterforschung in systematischer Weise zu erfassen und zu präsentieren, beschränkten sich zumeist auf die Übersicht einzelner Disziplinen oder stellten disziplinäre Entwicklungen oder Erkenntnisse mehr oder minder additiv nebeneinander.87 Der vorliegende Band zeigt erstmalig, welche bedeutsame Rolle die Kategorie Geschlecht in den theoretischen Debatten der Gegenwart spielt. Wenn hierbei im weitesten Sinne kulturkritische Ansätze wie etwa die Gedächtnisforschung oder neuere Forschungsrichtungen wie z. B. die Media Studies als Paradigmen aufgegriffen werden, so geschieht das vor allem deshalb, weil die „Ansichten der Wissenschaften“ 88 bzw. die „Bühnen des Wissens“ 89 von eben jener kulturhistorischen Wendung profitiert haben, der auch die Genderforschung am Ende des 20. Jahrhunderts wichtige Impulse verdankt. Die theoretischen Debatten über Identität, Sexualität, Körper und Gewalt etc. haben dabei Rückwirkungen weit über die sich kulturwissenschaftlich verstehenden Disziplinen wie etwa die Literaturwissenschaften oder die Postcolonial Studies hinaus, sie betreffen auch sozialwissenschaftliche, juristische oder medizinische Diskurse und bringen die unterschiedlichen Wissenschaftskulturen in ein neues Gespräch, das die von Snow beklagte Trennung der „zwei Kulturen“ in eine literarische und naturwissenschaftliche Intelligenz 90 überwinden kann. Auch wenn [<< 48] der Band keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt – nicht zuletzt aus pragmatischen Überlegungen bleiben eher anwendungsorientierte, in den politischen Bereich zielende Debatten über „Erfahrung“, „Alltag“, „Öffentlichkeit“ oder „Arbeit“ ebenso ausgegrenzt wie komplexe, wissenschaftsübergreifende Überlegungen zu „Genealogie“, „Differenz“ oder „Rhetorik“ 91 – so bietet er doch eine repräsentative Übersicht über aktuelle Diskussionsverläufe und stellt ein Wissen zur Verfügung, das für die Wissenschafts- wie für die Geschlechterforschung gleichermaßen unverzichtbar ist.

Bibliographie

Andreski, Stanislav, 1987: Religion, Science, and Morality. In: The Encounter 6, S. 63 – 66.

Augustinus, Aurelius, 1958: Vom Nutzen des Fastens. Würzburg.

Beaufays, Sandra, 2003: Wie werden Wissenschaftler gemacht? Beobachtungen zur wechselseitigen Konstitution von Geschlecht und Wissenschaft. Bielefeld.

Becker-Schmidt, Regina / Knapp, Gudrun-Axeli (Hg.), 1995: Das Geschlechterverhältnis in den Sozialwissenschaften. Frankfurt / M., New York.

Benhabib, Seyla u. a., 1993: Der Streit um die Differenz. Feminismus und Postmoderne in der Gegenwart. Frankfurt / M.

Bergel, Gary, 1988: When You Were Formed in Secret. National Right to Life Pamphlet. Reston, VA.

Biagioli, Mario (Hg.), 1999: The Science Studies Reader. New York u. a.

Bleier, Ruth, 1979: Science and Gender. A Critique of Biology and its Theories on Women. New York.

Braun, Christina von / Stephan, Inge (Hg.), 2000: Gender Studien. Eine Einführung. Stuttgart, Weimar.

Braun, Christina von, 2001: Versuch über den Schwindel. Religion, Schrift, Bild, Geschlecht. Zürich.

Bronfen, Elisabeth, 1998: Das verknotete Subjekt. Hysterie in der Moderne. Berlin.

Bruch, Rüdiger vom / Kaderas, Brigitte (Hg.), 2002: Wissenschaften und Wissenschaftspolitik. Bestandsaufnahmen zu Formationen, Brüchen und Kontinuitäten im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Stuttgart.

Bührmann, Andrea / Diezinger, Angelika / Metz-Göckel, Sigrid (Hg.), 2000: Arbeit, Sozialisation, Sexualität. Zentrale Felder der Frauen- und Geschlechterforschung. Bd. 1. Opladen.

Burckhardt, Martin, 1995: Metamorphosen von Raum und Zeit. Frankfurt / M.

Burckhardt, Martin, 1999: Vom Geist der Maschine. Eine Geschichte kultureller Umbrüche. Frankfurt / M.

Burke, Peter, 2001: Papier und Marktgeschrei. Die Geburt der Wissensgesellschaft. Berlin. [<< 49]

Bußmann, Hadumod / Hof, Renate (Hg.), 1995: Genus. Zur Geschlechterdifferenz in den Kulturwissenschaften. Stuttgart.

Butler, Judith, 1990: Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity. New York.

Butler, Judith, 1991: Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt / M.

Butler, Judith, 1995: Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Berlin.

Bynum, Caroline Walker, 1996: Fragmentierung und Erlösung. Frankfurt / M.

Castoriadis, Cornelius, 1990: Gesellschaft als imaginäre Institution. Entwurf einer politischen Philosophie. Übers. v. Horst Brühmann. Frankfurt / M.

Chamberland, Dennis, 1986: Genetic Engineering. Promise and Threat. In: Christianity Today 30.2, S. 20.

Chandler, James / Davidson, Arnold / Harootunian, Harry (Hg.), 1991: Questions on Evidence. Proof Practice, and the Persuasion across the Disciplines. Chicago.

Crawley, Alfred Ernest, 1909: The Idea of the Soul. London.

Darwin, Charles, 1909: Die geschlechtliche Zuchtwahl. Übers. v. Heinrich Schmidt. Leipzig.

Descartes, René, 1870: Philosophische Werke. Übers., erläutert, mit einer Lebensbeschreibung des Descartes versehen v. Julius Hermann von Kirchmann. Berlin.

Didi-Huberman, Georges, 1997: Die Erfindung der Hysterie. München.

Dinzelbacher, Peter, 1993: Europäische Mentalitätsgeschichte. Hauptthemen in Einzeldarstellungen. Stuttgart.

Douglas, Mary, 1988: Reinheit und Gefährdung. Eine Studie zu Vorstellungen von Verunreinigung und Tabu. Übers. v. Brigitte Luchesi. Frankfurt / M.

Douglas, Mary, 1993: Die zwei Körper. Ritual, Tabu und Körpersymbolik. Sozial-anthropologische Studien in Industriegesellschaft und Stammeskultur. Frankfurt / M.

Dülmen, Richard van / Rauschenbach, Sina (Hg.), 2004: Macht des Wissens. Die Entstehung der modernen Wissensgesellschaft. Köln, Weimar.

Eifler, Christine, 1992: Sozialwissenschaftliche Frauenforschung in den neuen Bundesländern. Berlin. Berghof-Stiftung für Konfliktforschung.

Ellis, Henry Havelock, 1897 – 1928: Studies in the Psychology of Sex. Kingsport, Tenn.

Erb, Ulrike, 1996: Frauenperspektiven auf die Informatik. Informatikerinnen im Spannungsfeld zwischen Distanz und Nähe zur Technik. Münster.

Eschebach, Insa / Lanwerd, Susanne, 2000: Säkularisierung, Sakralisierung und Kulturkritik. In: Metis 9.18, S. 10 – 26.

Fausto-Sterling, Anne, 1992: Myth of Gender. Biological Theories about Women and Men. New York.

Fausto-Sterling, Anne, 2000: Sexing the Body. Gender, Politics and the Construction of Sexuality. New York.

Feher, Michel u. a., 1989 ff.: Fragments for a History of the Human Body. 3 Bde. New York.

Fox Keller, Evelyn, 1986: Liebe, Macht und Erkenntnis. Männliche oder weibliche Wissenschaft. München, Wien.

Fox Keller, Evelyn, 1995: Refiguring Life. Metaphors of Twentieth-Century Bio-logy. New York

Freud, Sigmund, 1964 ff.: Gesammelte Werke. Frankfurt / M. [<< 50]

Frevert, Ute, 1994: Historische Frauenforschung. In: Sozialwissenschaftliche Frauenforschung in der Bundesrepublik. Hg. v. der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Bonn, S. 157 – 167.

Gaupp, Otto, 1920: Zur Geschichte des Wortes „rein“. Diss. Tübingen.

Gildemeister, Regine, 1992: Die soziale Konstruktion von Geschlechtlichkeit. In: Ilona Ostner / Klaus Lichtblau (Hg.): Feministische Vernunftkritik. Frankfurt / M.

Gipper, Andreas, 2002: Wunderbare Wissenschaft. Literarische Strategien naturwissenschaftlicher Vulgarisierung in Frankreich. München.

Gransee, Carmen, 1999: Grenz-Bestimmungen. Zum Problem identitätslogischer Konstruktionen von „Natur“ und „Geschlecht“. Tübingen.

Hacking, Ian, 1983: Representing and Intervening. Introductory Topics in the Philosophy of Natural Science. Cambridge u. a.

Hagemann-White, Carol, 1984: Sozialisation. Weiblich – männlich? Opladen.

Hagemann-White, Carol, 1988: Wir werden nicht zweigeschlechtlich geboren. In: dies. / Maria S. Rerrich (Hg.): FrauenMännerBilder. Männer und Männlichkeit in der feministischen Diskussion. Bielefeld, S. 224 – 235.

Hagner, Michael (Hg.), 2001: Ansichten der Wissenschaftsgeschichte. Frankfurt / M.

Harding, Sandra, 1991: Feministische Wissenschaftstheorie. Zum Verhältnis von Wissenschaft und sozialem Geschlecht. Hamburg.

Harding, Sandra, 1994: Das Geschlecht des Wissens. Frauen denken die Wissenschaft neu. Frankfurt / M.

Hark, Sabine, 2001: Diszipliniertes Geschlecht. Konturen von Disziplinarität in der Frauen- und Geschlechterforschung. In: Die Philosophin. Forum für feministische Theorie und Philosophie 23, S. 93 – 116.

Hausen, Karin / Nowotny, Helga (Hg.), 1986: Wie männlich ist die Wissenschaft? Frankfurt / M.

Hawking, Stephen, 1988: A Brief History of Time. New York.

Hentig, Hartmut von, 2003: Wissenschaft. Eine Kritik. München, Wien.

Heydebrand, Renate von (Hg.), 1998: Kanon Macht Kultur. Theoretische, historische und soziale Aspekte ästhetischer Kanonbildung. Stuttgart, Weimar.

Hippel, Theodor Gottfried von, 1774: Über die Ehe. Berlin.

Honegger, Claudia, 1991: Die Ordnung der Geschlechter. Die Wissenschaften vom Menschen und das Weib 1750 – 1850. München.

Hunter, Dianne, 1983: Hysteria, Psychoanalysis, and Feminism. The Case of Anna O. In: Feminist Studies 9.3, S. 465 – 488.

Kallir, Alfred, 1961: Sign and Design. The Psychogenetic Sources of the Alphabet. London (dt. Sign und Design. Die psychogenetischen Quellen des Alphabets. Berlin 2001).

Kantorowicz, Ernst H., 1990: Die zwei Körper des Königs. Eine Studie zur politischen Theologie des Mittelalters. Übers. v. Walter Theimer u. Brigitte Hellmann. München.

Kasten, Ingrid, 2002: Kulturen der Gefühle in Mittelalter und Früher Neuzeit. Stuttgart.

Kay, Lily E., 2000: Who Wrote the Book of Life? A History of the Genetic Code. Stanford.

Kemp, Martin, 2003: Bilderwissen. Die Anschaulichkeit naturwissenschaftlicher Phänomene. Köln.

Kittler, Friedrich, 1985: Aufschreibesysteme 1800/1900. München. [<< 51]

Knorr Cetina, Karin, 1999: Epistemic Cultures. How the Sciences Make Knowledge. Cambridge, Mass. u. a.

Knorr Cetina, Karin, 2002: Wissenskulturen. Ein Vergleich naturwissenschaftlicher Wissensformen. Frankfurt / M.

Koch, Gertrud, 1989: Was ich erbeute, sind Bilder. Zum Diskurs der Geschlechter im Film. Frankfurt / M.

Kohlstedt, Sally / Longino, Helen (Hg.), 1997: Women, Gender, and Science. New Directions. Chicago.

Krafft-Ebing, Richard von, 1984: Psychopathia Sexualis I. München.

Kreisky, Eva / Sauer, Birgit (Hg.), 1998: Geschlecht und Eigensinn. Feministische Recherchen in der Politikwissenschaft. Wien.

Lacey, Nicola, 1998: Unspeakable Subjects. Feminist Essays in Legal and Social Theory. New York.

Laqueur, Thomas, 1992: Auf den Leib geschrieben. Die Inszenierung der Geschlechter von der Antike bis Freud. Frankfurt / M.

Laroff, Jean, 1989: The Gene Hunt. In: Time 20.3, S. 62 – 71.

Latour, Bruno, 2000: Die Hoffnung der Pandora. Untersuchungen zur Wirklichkeit der Wissenschaft. Frankfurt / M.

Lauretis, Teresa de, 1984: Alice Doesn’t. Feminism, Semiotics, Cinema. Bloomington.

Lauretis, Teresa de, 1987: Technologies of Gender. Bloomington.

Lederman, Leon, 1992: The God Particle. New York.

Leibniz, Gottfried Wilhelm, 1962: Grundwahrheiten der Philosophie (Monadologie). Übers. v. Christian Horn. Frankfurt / M.

Leibniz, Gottfried Wilhelm, 1968: Die Theodizee. Übers. v. Arthur Buchenau. Hamburg.

MacKinnon, Catharine, 1989: Towards a Feminist Theory of the State. Cambridge.

Näcke, Paul, 1899: Kritisches Kapitel der Sexualität. Archiv f. Psychiatrie.

Nelkin, Dorothy / Lindee, M. Susan, 1995: The DNA Mystique. The Gene as a Cultural Icon. New York.

Popenoe, Paul / Hill Johnson, Roswell, 1920: Applied Eugenics. New York.

Rheinberger, Hans Jörg, 1999: Alles, was überhaupt zu einer Inskription führen kann. In: Ulrich Raulff / Gary Smith (Hg.): Wissensbilder. Strategien der Überlieferung. Berlin, S. 265 – 278.

Röcke, Werner / Neumann, Helga (Hg.), 1999: Komische Gegenwelten. Lachen und Literatur in Mittelalter und Früher Neuzeit. Paderborn.

Rubin, Miri, 1991: Corpus Christi. The Eucharist in Late Medieval Culture. Cambridge, New York, Melbourne.

Schade, Sigrid / Wenk, Silke, 1995: Inszenierungen des Sehens. Kunst, Geschichte und Geschlechterdifferenz. In: Hadumod Bußmann / Renate Hof (Hg.): Genus. Zur Geschlechterdifferenz in den Kulturwissenschaften. Stuttgart, S. 340407.

Scheich, Elvira, 1993: Naturbeherrschung und Weiblichkeit. Denkformen und Phantasmen der Naturwissenschaften. Pfaffenweiler.

Scheich, Elvira (Hg.), 1996: Vermittelte Weiblichkeit. Feministische Wissenschafts- und Gesellschaftstheorie. Hamburg. [<< 52]

Schelhowe, Heidi, 2000: Informatik. In: Christina von Braun / Inge Stephan (Hg.): Gender Studien. Eine Einführung. Stuttgart, Weimar, S. 207 – 216.

Schiebinger, Londa, 1999: Frauen forschen anders. Wie weiblich ist die Wissenschaft? München.

Schnell, Rüdiger, 2002: Sexualität und Emotionalität in der vormodernen Ehe. Köln, Weimar, Wien.

Sennett, Richard, 1997: Stein und Fleisch. Der Körper und die Stadt in der westlichen Zivilisation. Übers. v. Linda Meissner. Frankfurt / M.

Showalter, Elaine, 1997: Hystorien. Hysterische Epidemien im Zeitalter der Medien. Berlin.

Sonnert, Gerhard / Holton, Gerald, 1996: Gender Differences in Science Careers. The Project Access Study. New Brunswick, N. J.

Steinberg, Leo, 21996: The Sexuality of Christ in Renaissance Art and in Modern Oblivion. Chicago, London.

Steinbrügge, Lieselotte, 1987: Das moralische Geschlecht. Theorien und literarische Entwürfe über die Natur der Frau in der französischen Aufklärung. Berlin.

Stoller, Robert, 1968: Sex and Gender. Bd. 1. New York.

Tomkowiak, Ingrid (Hg.), 2002: Populäre Enzyklopädien. Von der Auswahl, Ordnung und Vermittlung des Wissens. Zürich.

Vinken, Barbara (Hg.), 1992: Dekonstruktiver Feminismus. Literaturwissenschaft in Amerika. Frankfurt / M.

Vogt, Annette, 1996: Die Fräulein Doktor werden immer mehr. Berlin.

Vogt, Annette, 1996: Lise Meitner und ihre Kolleginnen. Naturwissenschaftlerinnen in den Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zwischen 1912 und 1945. Berlin.

Vogt, Annette, 1999: Wissenschaftlerinnen in Kaiser-Wilhelm-Instituten. A–Z. Berlin.

Wenzel, Horst, 1995: Sehen und Hören, Schrift und Bild. Kultur und Gedächtnis im Mittelalter. München.

Wiener, Max, 1988: Jüdische Religion im Zeitalter der Emanzipation (1933). In: Schalom Ben-Chorin / Verena Lenzen (Hg.): Jüdische Theologie im 20. Jahrhundert. Ein Lesebuch. München, Zürich, S. 103 – 132.

Williams, Linda, 1994: Viewing Positions. Ways of Seeing Film. New Brunswick.

Wobbe, Theresa / Lindemann, Gesa (Hg.), 1994: Denkachsen. Zur theoretischen und institutionellen Rede von Geschlecht. Frankfurt / M.

Wobbe, Theresa, 1995: Wahlverwandtschaft. Die Soziologie und die Frauen auf dem Weg zur Wissenschaft. Frankfurt / M., New York.

Wunder, Heide / Vanja, Christina (Hg.), 1991: Wandel der Geschlechterbeziehung zu Beginn der Neuzeit. Frankfurt / M [<< 53] .

1 H. Schelhowe, Informatik, in: C. v. Braun / I. Stephan (Hg.), Gender Studien. Eine Einführung, Stuttgart, Weimar 2000, S. 207 – 216.

2 R. v. Heydebrand (Hg.), Kanon Macht Kultur. Theoretische, historische und soziale Aspekte ästhetischer Kanonbildung, Stuttgart, Weimar 1998.

3 Vgl. O. Gaupp, Zur Geschichte des Wortes „rein“, Diss. Tübingen 1920.

4 M. Douglas, Reinheit und Gefährdung. Eine Studie zu Vorstellungen von Verunreinigung und Tabu, übers. v. B. Luchesi, Frankfurt / M. 1988, S. 78.

5 C. v. Braun, Versuch über den Schwindel. Religion, Schrift, Bild, Geschlecht, Zürich 2001.

6 Vgl. D. Hunter, Hysteria, Psychoanalysis, and Feminism. The Case of Anna O., in: Feminist Studies 9.3 (1983), S. 485.

7 H. H. Ellis, Studies in the Psychology of Sex, Kingsport, Tenn. 1897 – 1928 (dt. 1922 – 1924).

8 H. H. Ellis, The Sexual Impulse in Women, in: ders., Studies in the Psychology of Sex, Bd. 1, Teil 2, S. 197.

9 Beide zit. n. ebd., S. 194 f.

10 P. Näcke, Kritisches Kapitel der Sexualität, Archiv f. Psychiatrie, 1899, S. 341.

11 R. v. Krafft-Ebing, Psychopathia Sexualis I, München 1984, S. 12 f.

12 C. Darwin, Die geschlechtliche Zuchtwahl, übers. v. H. Schmidt, Leipzig 1909, S. 250.

13 S. Freud, Gesammelte Werke VII, Frankfurt / M. 1964 ff., S. 160.

14 Freud, Gesammelte Werke XV, S. 140.

15 Ebd., S. 134.

16 Vgl. insbes. J. Butler, Das Unbehagen der Geschlechter, Frankfurt / M. 1991; dies., Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts, Berlin 1995.

17 S. Hawking, A Brief History of Time, New York 1988.

18 Zit. n. B. Appleyard, In Science We Trust, in: New York Times, 7.4.1993.

19 L. Lederman, The God Particle, New York 1992.

20 I. Eschebach / S. Lanwerd, Säkularisierung, Sakralisierung und Kulturkritik, in: Metis 9.18 (2000): Säkularisierung – Sakralisierung, S. 10 – 26.

21 Zit. n. M. Wiener, Jüdische Religion im Zeitalter der Emanzipation (1933), in: S. Ben-Chorin / V. Lenzen (Hg.), Jüdische Theologie im 20. Jahrhundert. Ein Lesebuch, München, Zürich 1988, S. 103 – 132, hier S. 113.

22 Vgl. S. Andreski, Religion, Science, and Morality, in: The Encounter 6 (1987), S. 63 – 66.

23 R. Descartes, Oeuvres, 11 Bde., hg. v. C. Adam u. P. Tannery, Paris 1897 – 1913, hier Bd. 9.2, S. 14 f. (Neuaufl. 1964 – 1967).

24 R. Descartes, „Untersuchungen über die Grundlagen der Philosophie, worin das Dasein Gottes und die Unterschiedenheit der menschlichen Seele von ihrem Körper bewiesen wird“, in: ders., Philosophische Werke, übersetzt, erläutert und mit einer Lebensbeschreibung des Descartes versehen von J. H. v. Kirchmann, Abteilung I – III, Berlin 1870, hier Abt. II, S. 110.

25 G. W. Leibniz, Grundwahrheiten der Philosophie (Monadologie), übers. v. C. Horn, Frankfurt / M. 1962, S. 117.

26 G. W. Leibniz, Die Theodizee, übers. v. A. Buchenau, Hamburg 1968, S. 21 f.

27 C. Castoriadis, Gesellschaft als imaginäre Institution. Entwurf einer politischen Philosophie, übers. v. H. Brühmann, Frankfurt / M. 1990, S. 454.

28 E. H. Kantorowicz, Die zwei Körper des Königs. Eine Studie zur politischen Theologie des Mittelalters, übers. v. W. Theimer u. B. Hellmann, München 1990, S. 206.

29 Vgl. dazu M. Douglas, Die zwei Körper. Ritual, Tabu und Körpersymbolik. Sozialanthropologische Studien in Industriegesellschaft und Stammeskultur, Frankfurt / M. 1993.

30 1. Kor. 10,17.

31 Röm. 12,5; s. a. 1. Kor. 12,27.

32 Eph. 5,23 u. 28.

33 Eph. 5,28.

34 A. Augustinus, Der Nutzen des Fastens, Würzburg 1958, S. 9.

35 Kantorowicz, Die zwei Körper des Königs, S. 39.

36 Ebd., S. 222.

37 Ebd., S. 225.

38 H. Wunder / C. Vanja (Hg.), Wandel der Geschlechterbeziehung zu Beginn der Neuzeit, Frankfurt / M. 1991.

39 T. G. v. Hippel, Über die Ehe, Berlin 1774, S. 96.

40 H. J. Rheinberger, Alles, was überhaupt zu einer Inskription führen kann, in: U. Raulff / G. Smith (Hg.), Wissensbilder. Strategien der Überlieferung, Berlin 1999, S. 265 – 278, hier S. 275.

41 D. Nelkin / M. S. Lindee, The DNA Mystique. The Gene as a Cultural Icon, New York 1995, S. 2 (eigene Übers., C. v. B. u. I. S.).

42 Rheinberger, Alles, was überhaupt zu einer Inskription führen kann, S. 272.

43 A. Kallir, Sign and Design. The Psychogenetic Sources of the Alphabet, London 1961 (dt. Sign und Design. Die psychogenetischen Quellen des Alphabets, Berlin 2001). Zu dem Einfluss des Alphabets auf die Körperwahrnehmung und symbolische Geschlechterordnung vgl. v. Braun, Versuch über den Schwindel.

44 Rheinberger, Alles, was überhaupt zu einer Inskription führen kann, S. 273.

45 Zit. n. Nelkin / Lindee, The DNA Mystique, S. 6 f., 39 (eigene Übers., C. v. B. u. I. S.).

46 J. Laroff, The Gene Hunt, in: Time, 20.3.1989, S. 62 – 71.

47 G. Bergel, When You Were Formed in Secret. National Right to Life Pamphlet, Reston, VA 1988, S. 2.

48 Zit. n. D. Chamberland, Genetic Engineering. Promise and Threat, in: Christianity Today 30.2 (1986), S. 20.

49 A. E. Crawley, The Idea of the Soul, London 1909, S. 209, 211 (eigene Übers., C. v. B. u. I. S.). (Der Aufsatz war dem Eugeniker Francis Galton gewidmet.)

50 P. Popenoe / R. Hill Johnson, Applied Eugenics, New York 1920, S. 29.

51 Nelkin / Lindee, The DNA Mystique, S. 28.

52 Ebd., S. 29 (eigene Übers., C. v. B. u. I. S.).

53 Ebd., S. 31

54 Vgl. I. Hacking, Aristotle Meets Incest – and Innocence, in: J. Chandler / A. Davidson / H. Harootunian (Hg.), Questions on Evidence. Proof Practice, and the Persuasion across the Disciplines, Chicago 1991, S. 476.

55 Vgl. Tageszeitung, Berlin, 12.3.1999.

56 Dieser Abschnitt basiert auf den gemeinsamen Vorarbeiten einer Gruppe von WissenschaftlerInnen für den Antrag auf Einrichtung eines Graduiertenkollegs zum Thema „Geschlecht als Wissenskategorie“, das mit Beginn des Jahres 2005 an der Humboldt-Universität zu Berlin startete.

57 R. van Dülmen / S. Rauschenbach (Hg.), Macht des Wissens. Die Entstehung der modernen Wissensgesellschaft, Köln, Weimar 2004; R. v. Bruch / B. Kaderas (Hg.), Wissenschaften und Wissenschaftspolitik. Bestandsaufnahmen zu Formationen, Brüchen und Kontinuitäten im Deutschland des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 2002; I. Tomkowiak (Hg.), Populäre Enzyklopädien. Von der Auswahl, Ordnung und Vermittlung des Wissens, Zürich 2002; A. Gipper, Wunderbare Wissenschaft. Literarische Strategien naturwissenschaftlicher Vulgarisierung in Frankreich, München 2002; K. Knorr Cetina, Wissenskulturen. Ein Vergleich naturwissenschaftlicher Wissensformen, Frankfurt / M. 2002; H. v. Hentig, Wissenschaft. Eine Kritik, München, Wien 2003; P. Burke, Papier und Marktgeschrei. Die Geburt der Wissensgesellschaft, Berlin 2001.

58 M. Kemp, Bilderwissen. Die Anschaulichkeit naturwissenschaftlicher Phänomene, Köln 2003.

59 Ebd., S. 254. Vgl. auch S. Beaufays, Wie werden Wissenschaftler gemacht? Beobachtungen zur wechselseitigen Konstitution von Geschlecht und Wissenschaft, Bielefeld 2003.

60 M. Hagner, Ansichten der Wissenschaftsgeschichte, in: ders. (Hg.), Ansichten der Wissenschaftsgeschichte, Frankfurt / M. 2001, S. 23.

61 S. Hark, Diszipliniertes Geschlecht. Konturen von Disziplinarität in der Frauen- und Geschlechterforschung, in: Die Philosophin. Forum für feministische Theorie und Philosophie 23 (2001), S. 93 – 116; T. Wobbe, Wahlverwandtschaft. Die Soziologie und die Frauen auf dem Weg zur Wissenschaft, Frankfurt / M., New York 1995.

62 R. Bleier, Science and Gender. A Critique of Biology and its Theories on Women, New York 1979; C. Eifler, Sozialwissenschaftliche Frauenforschung in den neuen Bundesländern, Berghof-Stiftung für Konfliktforschung, Berlin 1992; U. Frevert, Historische Frauenforschung, in: Sozialwissenschaftliche Frauenforschung in der Bundesrepublik, hg. v. der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Bonn 1994, S. 157 – 167; U. Erb, Frauenperspektiven auf die Informatik. Informatikerinnen im Spannungsfeld zwischen Distanz und Nähe zur Technik, Münster 1996; A. Vogt, Die Fräulein Doktor werden immer mehr, Berlin 1996; dies., Lise Meitner und ihre Kolleginnen. Naturwissenschaftlerinnen in den Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zwischen 1912 und 1945, Berlin 1996; dies., Wissenschaftlerinnen in Kaiser-Wilhelm-Instituten. A–Z, Berlin 1999; R. Tobies / K. Radbruch (Hg.), Aller Männerkultur zum Trotz. Frauen in Mathematik und Naturwissenschaften, Frankfurt / M., New York 1997; G. Sonnert / G. Holton, Gender Differences in Science Careers. The Project Access Study, New Brunswick, N. J. 1996; S. Kohlstedt / H. Longino (Hg.), Women, Gender, and Science. New Directions, Chicago 1997; R. Becker-Schmidt / G.-A. Knapp (Hg.), Das Geschlechterverhältnis in den Sozialwissenschaften, Frankfurt / M., New York 1995; A. Bührmann / A. Diezinger / S. Metz-Göckel (Hg.), Arbeit, Sozialisation, Sexualität. Zentrale Felder der Frauen- und Geschlechterforschung, Bd. 1, Opladen 2000.

63 K. Hausen / H. Nowotny (Hg.), Wie männlich ist die Wissenschaft? Frankfurt / M. 1986; C. Honegger, Die Ordnung der Geschlechter. Die Wissenschaften vom Menschen und das Weib 1750 – 1850, München 1991; S. Harding, Feministische Wissenschaftstheorie. Zum Verhältnis von Wissenschaft und sozialem Geschlecht, Hamburg 1991; dies., Das Geschlecht des Wissens. Frauen denken die Wissenschaft neu, Frankfurt / M. 1994; E. Scheich (Hg.), Vermittelte Weiblichkeit. Feministische Wissenschafts- und Gesellschaftstheorie, Hamburg 1996; L. Steinbrügge, Das moralische Geschlecht. Theorien und literarische Entwürfe über die Natur der Frau in der französischen Aufklärung, Berlin 1987; A. Wetterer (Hg.), Profession und Geschlecht. Über die Marginalität von Frauen in hochspezialisierten Berufen, Frankfurt / M. 1992; T. Wobbe / G. Lindemann (Hg.), Denkachsen. Zur theoretischen und institutionellen Rede von Geschlecht, Frankfurt / M. 1994.

64 M. Biagioli (Hg.), The Science Studies Reader, New York u. a. 1999.

65 B. Latour, Die Hoffnung der Pandora. Untersuchungen zur Wirklichkeit der Wissenschaft, Frankfurt / M. 2000.

66 R. Stoller, Sex and Gender, Bd. 1, New York 1968; M. Rubin, Corpus Christi. The Eucharist in Late Medieval Culture, Cambridge, New York, Melbourne 1991.

67 C. Hagemann-White, Sozialisation. Weiblich – männlich?, Opladen 1984; dies., Wir werden nicht zweigeschlechtlich geboren, in: dies. / M. S. Rerrich (Hg.), FrauenMännerBilder. Männer und Männlichkeit in der feministischen Diskussion, Bielefeld 1988, S. 224 – 235.

68 Butler, Das Unbehagen der Geschlechter; dies., Körper von Gewicht; R. Gildemeister, Die soziale Konstruktion von Geschlechtlichkeit, in: I. Ostner / K. Lichtblau (Hg.), Feministische Vernunftkritik, Frankfurt / M. 1992; B. Vinken (Hg.), Dekonstruktiver Feminismus. Literaturwissenschaft in Amerika, Frankfurt / M. 1992; S. Benhabib u. a., Der Streit um die Differenz. Feminismus und Postmoderne in der Gegenwart, Frankfurt / M. 1993; v. Braun / Stephan (Hg.), Gender Studien.

69 I. Hacking, Representing and Intervening. Introductory Topics in the Philosophy of Natural Science, Cambridge u. a. 1983.

70 K. Knorr Cetina, Epistemic Cultures. How the Sciences Make Knowledge, Cambridge, Mass. u. a. 1999.

71 B. Latour, Die Hoffnung der Pandora.

72 E. Fox Keller, Liebe, Macht und Erkenntnis. Männliche oder weibliche Wissenschaft, München, Wien 1986; dies., Refiguring Life. Metaphors of Twentieth-Century Biology, New York 1995; A. Fausto-Sterlin, Myth of Gender. Biological Theories about Women and Men, New York 1992; dies., Sexing the Body. Gender, Politics and the Construction of Sexuality, New York 2000; D. Haraway, Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen, Frankfurt / M. 1995.

73 M. Rubin, Corpus Christi. The Eucharist in Late Medieval Culture, Cambridge, New York, Melbourne 1991.

74 C. W. Bynum, Fragmentierung und Erlösung, Frankfurt / M. 1996.

75 L. Steinberg, The Sexuality of Christ in Renaissance Art and in Modern Oblivion, Chicago, London 21996.

76 M. Feher, Fragments for a History of the Human Body, 3 Bde., New York 1989 ff.; W. Röcke / H. Neumann (Hg.), Komische Gegenwelten. Lachen und Literatur in Mittelalter und Früher Neuzeit, Paderborn 1999; I. Kasten, Kulturen der Gefühle in Mittelalter und Früher Neuzeit, Stuttgart 2002; R. Schnell, Sexualität und Emotionalität in der vormodernen Ehe, Köln, Weimar, Wien 2002.

77 H. Wenzel, Sehen und Hören, Schrift und Bild. Kultur und Gedächtnis im Mittelalter, München 1995; P. Dinzelbacher, Europäische Mentalitätsgeschichte. Hauptthemen in Einzeldarstellungen, Stuttgart 1993; R. Sennett, Stein und Fleisch. Der Körper und die Stadt in der westlichen Zivilisation, übers. v. L. Meissner, Frankfurt / M. 1997; M. Burckhardt, Metamorphosen von Raum und Zeit, Frankfurt / M. 1995; ders., Vom Geist der Maschine. Eine Geschichte kultureller Umbrüche, Frankfurt / M. 1999.

78 T. Laqueur, Auf den Leib geschrieben. Die Inszenierung der Geschlechter von der Antike bis Freud, Frankfurt / M. 1992.

79 S. Schade / S. Wenk, Inszenierungen des Sehens. Kunst, Geschichte und Geschlechterdifferenz, in: H. Bußmann / R. Hof (Hg.), Genus. Zur Geschlechterdifferenz in den Kulturwissenschaften, Stuttgart 1995, S. 340 – 407.

80 L. Schiebinger, Frauen forschen anders. Wie weiblich ist die Wissenschaft?, München 1999; E. Scheich, Naturbeherrschung und Weiblichkeit. Denkformen und Phantasmen der Naturwissenschaften, Pfaffenweiler 1993; v. Braun, Versuch über den Schwindel.

81 Honnegger, Die Ordnung der Geschlechter; L. Steinbrügge, Das moralische Geschlecht; C. Gransee, Grenz-Bestimmungen. Zum Problem identitätslogischer Konstruktionen von „Natur“ und „Geschlecht“, Tübingen 1999.

82 G. Didi-Huberman, Die Erfindung der Hysterie, München 1997; E. Showalter, Hystorien. Hysterische Epidemien im Zeitalter der Medien, Berlin 1997; E. Bronfen, Das verknotete Subjekt. Hysterie in der Moderne, Berlin 1998; F. Kittler, Aufschreibesysteme 1800/1900, München 1985.

83 T. de Lauretis, Alice Doesn’t. Feminism, Semiotics, Cinema, Bloomington 1984; dies., Technologies of Gender, Bloomington 1987; G. Koch, Was ich erbeute, sind Bilder. Zum Diskurs der Geschlechter im Film, Frankfurt / M. 1989; L. Williams, Viewing Positions. Ways of Seeing Film, New Brunswick 1994.

84 H. Bußmann / R. Hof (Hg.), Genus. Zur Geschlechterdifferenz in den Kulturwissenschaften, Stuttgart 1995.

85 L. E. Kay, Who Wrote the Book of Life? A History of the Genetic Code, Stanford 2000.

86 C. Mackinnov, Towards a Feminist Theory of the State, Cambridge 1989; N. Lacey, Unspeakable Subjects. Feminist Essays in Legal and Social Theory, New York 1998; E. Kreisky / B. Sauer (Hg.), Geschlecht und Eigensinn. Feministische Recherchen in der Politikwissenschaft, Wien 1998.

87 v. Braun / Stephan (Hg.), Gender Studien.

88 Hagner, Ansichten der Wissenschaftsgeschichte.

89 H. Schramm u. a. (Hg.), Bühnen des Wissens. Interferenzen zwischen Wissenschaft und Kunst, Berlin 2003.

90 H. Kreuzer (Hg.), Die zwei Kulturen. Literarische und naturwissenschaftliche Intelligenz. C. P. Snows These in der Diskussion, München 1987.

91 Verwiesen werden kann hier auf das Graduiertenkolleg „Öffentlichkeiten und Geschlechterverhältnisse. Dimension von Erfahrung“, das an der Universität Kassel angesiedelt ist, und auf das Forschungsprojekt „Genealogie“ am Zentrum für Literaturforschung in Berlin.

2     Themenfelder

Identität
Claudia Breger

Einleitung

Der Begriff der Identität ist aus dem lateinischen idem: „(ein und) derselbe / dasselbe“ abgeleitet. Meyers Großes Taschenlexikon definiert ihn allgemein als „vollkommene Gleichheit oder Übereinstimmung (in Bezug auf Dinge oder Personen); Wesensgleichheit“, „Echtheit“ einer Person.1 Entwickelt worden ist der Begriff zunächst in der antiken Logik, deren Rezeption in der neuzeitlichen Philosophie ihn in die Wissenschaft der Moderne hineingetragen hat. Hier allerdings hat sich die Bedeutung des Begriffes im Laufe der Zeit verschoben: In der aktuellen Diskussion lässt sich Identität vielleicht am besten als Antwort auf die Fragen ,wer bin Ich? Wer sind Wir?‘ beschreiben. Dabei geht es nicht um die „absolute Selbstgleichheit“ der Logik, sondern um die Herstellung von Kohärenz, sei es historisch bzw. biographisch (als Kontinuität, Gedächtnis etc.) oder horizontal (als Konsistenz des Ich bzw. sozialer Zusammenhang).2 In diesem Sinne lässt sich die Frage der Identität als zentrale, wenn nicht die zentrale Problematik der neuen Frauenbewegung und der aus ihr hervorgegangenen Geschlechterforschung beschreiben. Denn einerseits funktioniert Identität hier als grundlegender Bezugspunkt politischer Aktivität wie wissenschaftlicher Arbeit: Wer / was sind die Frauen und Männer, um die es geht? Andererseits aber ist Identität in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als immer schon pro­blematische, als Medium von Herrschaft und Gewalt diskutiert worden. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts allerdings lässt sich kon­statieren, dass Identität aktueller denn je zu sein scheint. Dass sich das Wort „in unserer Alltagssprache geradezu epidemisch ausgebreitet“ hat,3 kann im Hinblick auf die (wissenschaftliche wie politische) Kritik des Konzepts in den letzten Jahrzehnten als [<< 55] backlash erscheinen: In Reaktion auf die umfassenden Verunsicherungen von Identität durch ,Postmoderne‘, Feminismus, Migration und Globalisierung sind individuelle wie kollektive Identitäten augenscheinlich wieder dringlich gefragt, nicht zuletzt in den ,alten‘ Formen z. B. ,starker‘ Männlichkeit oder nationalen Gedächtnisses. Zugleich ist festzuhalten, dass die gegenwärtige Konjunktur des Identitätsbegriffes teilweise auch als Resultat gerade seiner kritischen Diskussion in der Geschlechterforschung und parallelen Feldern (z. B. den postcolonial studies) angesehen werden kann.4 Sie reflektiert den transdisziplinären Triumphzug eines Themas, das auf komplexe Weise diskutiert wird: Die wissenschaftliche Frage nach Identität schließt heute die nach Differenzen ein. Es geht in der Regel nicht länger um stabile ,Wesenheiten‘, sondern um Prozesse der Identifizierung und der Herstellung von Zugehörigkeiten, die (z. B. in der kognitivistischen Theorie) wieder verstärkt positiv konturiert, aber auch als nicht-voraussetzbare und oft brüchige gedacht werden.

Vor dem Hintergrund dieses zwiespältigen Aktualitätsbefunds ist die Geschichte des Redens über Identität im Folgenden näher zu beleuchten. Zwei Hinweise sind einleitend noch erforderlich: Erstens sind Geschichten immer ein bisschen zu einfach. Wenn ich davon erzähle, dass Identität in der Theorie der Moderne eher positiv besetzt, in der der Postmoderne kritisiert worden ist – und ,nach der Postmoderne‘ vielleicht ein comeback erfährt, so ist ergänzend festzuhalten: Die gleiche Geschichte lässt sich auch als Geschichte andauernder Verhandlungen zwischen zwei Polen beschreiben. Historisch gesehen, stellt die Wende zum 19. Jahrhundert den Moment dar, in dem Identität auf neue, für die Moderne prägende Weise ins Spiel des Wissens gelangt ist. Die Zeit um 1800 ist die Geburtsstunde des Denkens in ,Geschlechtscharakteren‘, ,Rassen‘ usw., die als unveränderlich-,essentielle‘ gedacht und in der Natur der Menschen begründet wurden.5 Zugleich aber lässt sich auch der Beginn moderner Identitätskritik auf diesen Moment datieren: Kant, der als Anthropologe selbst an der Aufteilung der Menschen in ,Rassen‘ beteiligt war, formulierte als Erkenntnistheoretiker, dass Identität erst durch die Konstruktionsleistung eines denkenden Ich entsteht.6 Ähnliche historische und theoretische Verschlingungen der Bewegungen ,pro‘ und ,contra‘ Identität werden auch für die verschiedenen Momente des Nachdenkens über gender zu zeigen sein. Leicht zu [<< 56] Irritationen führen kann, zweitens, dass der Identitätsbegriff der Bezeichnung individueller ebenso wie kollektiver Formationen dient (einerseits der „Ich-Identität“, andererseits z. B. der gemeinsamen Identität von Frauen als Frauen). Beide Formen sind analytisch selbstverständlich unterscheidbar, fungieren in den Debatten um Identität über weite Strecken aber auf so eng verflochtene Weise, dass es mir nicht als sinnvoll erschien, sie für den Rahmen dieser Darstellung kategorisch zu trennen. Aufschlussreich ist vielmehr die Art und Weise, in der das ,Ich‘ und das ,Wir‘ jeweils miteinander verbunden werden.

Die folgende Kurzdarstellung wichtiger Stationen und Aspekte des Redens über Identität in der Geschlechterforschung schließt jeweils Verweise auf zentrale wissenschaftsgeschichtliche, d. h. hier philosophische und sozialwissenschaftliche Bezugspunkte ein. Sie geht von der Prämisse aus, dass die Identitätsdebatten in der Geschlechterforschung nicht von anderen wissenschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen der Zeit getrennt werden können: Auf exemplarische Weise zeigt die Identitätsfrage, wie Gender@Wissen, d. h. als Schnittstelle jeweils aktueller inter / disziplinärer Konfigurationen funktioniert. Nicht weniger eng verflochten sind die Diskussionen um Identität mit den anderen theoretischen Feldern, die die folgenden Beiträge besprechen. So wurde bereits darauf verwiesen, dass Identitäten in der Moderne maßgeblich mit ,Natur‘ begründet worden sind und dass Gedächtnisprozesse einen zentralen Aspekt von Identitätsbildung darstellen. Nicht weniger grundlegend ist z. B., dass – vor allem individuelle, aber auch kollektive – Identitäten in der westlichen Tradition maßgeblich im Rekurs auf Körper(bilder) imaginiert worden sind (die wiederum eng mit ,Natur‘ zusammengedacht wurden). Die Liste wird fortzusetzen sein: Dieser und die folgenden Beiträge werfen einander ergänzende, unterschiedlich akzentuierte Blicke auf ein theoretisches Feld, auf dem sich die jeweils besprochenen Konzepte in komplexer Weise überlagern.

Das ,andere Geschlecht‘ auf dem Weg zur Subjektwerdung:
Simone de Beauvoir

Simone de Beauvoirs Klassiker Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau (zuerst 1949) wurde Ende der 1960er zu einem zentralen Referenzpunkt der neuen Frauenbewegung. Auch hier kann ein Blick auf ihn helfen zu verstehen, worum es in Sachen Identität in der Geschlechterforschung geht – und woher diese Problemkonfiguration wissenschaftsgeschichtlich kommt. Schon der Titel von Beauvoirs Werk benennt die grundlegende Asymmetrie, die ihr zufolge das Verhältnis der Geschlechter [<< 57] charakterisiert: „Er ist das Subjekt, er ist das Absolute: sie ist das Andere.“ 7 Diese Begriffe entstammen dem Wortschatz G. W. F. Hegels, des einflussreichsten ,Identitätsphilosophen‘ des 19. Jahrhunderts. Bezugnehmend auf die Begriffe der antiken Logik, hat Hegel ein Denk,system‘ entworfen, in dem Identität, salopp formuliert, der Anfang und das Ende von allem ist. So erweist sich der Mensch, anthropologisch gedacht, im Unterschied zu Natur und Tieren dadurch als Mensch, dass er seine (virtuell immer schon gegebene) Identität als Bewusstsein seiner selbst, sich selbst in der ,reflektierten‘ Beziehung auf sich erfasst.8 Hegels idealistischer Philosophie zufolge besteht auch der Gang der Weltgeschichte in der Entfaltung dieses Selbstbewusstseins, das untrennbar mit ,Freiheit‘, Hegels zweitem Lieblingskonzept, verknüpft wird. Dieser Prozess aber erfordert eine Konfrontation des Selbst mit dem Anderen: Durch Differenzierung von ihm suchen das Subjekt wie der ,Weltgeist‘ ihre Selbstidentität zu beweisen. Auf der individuellen Ebene beschreibt Hegel diesen Prozess als Kampf zweier ,Selbstbewusstseine‘, durch den ein Herr-Knecht-Verhältnis etabliert wird. Beauvoir paraphrasiert: „das Subjekt setzt sich nur, indem es sich entgegensetzt: es hat das Bedürfnis, sich als das Wesentliche zu bejahen und das Andere als das Unwesentliche, als Objekt zu setzen.“ 9 Sowie: „Keine Gemeinschaft definiert sich jemals als das Eine, ohne sofort das Andere sich entgegenzusetzen.“ 10

Die Begriffe des Subjekts und des Anderen aber sind geschlechtlich codiert: Er identifiziert das Weibliche mit dem Anderen (und damit u. a. mit Natur und Körperlichkeit). So wird der ,Herr‘ durch Unterscheidung von ,der Frau‘ zum ,Menschen‘. Beauvoir verweist einleitend darauf, dass der Begriff homme im Französischen (wie man im Englischen) den „Mann“ mit dem „Menschen“ gleichsetzt.11 Ihr Werk ruft zur Überwindung dieser Kopplung auf, die der Frau den Zugang zur ,menschlichen‘ Kondition verstellt: Auch die Frau muss Subjekt werden. Dass dies möglich ist, begründet Beauvoir, indem sie sich – teilweise – von der Philosophie der Identität abgrenzt: Mit Hegels Worten akzentuiert sie gegen ihn, dass das ,Sein‘ der Geschlechter nur „geworden sein“ ist, Reaktion auf eine „Situation“ eher als „unbeweglich fixierte[…] Wesenheit“.12 Das heißt nicht, dass die Differenz der Geschlechter in der Gegenwart nicht real wäre. Doch – in den Worten, für die [<< 58] Beauvoir berühmt geworden ist – „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“ 13 In diesem Sinne ist Beauvoirs Theorie ,anti-essentialistisch‘, nur sehr bedingt allerdings in dem Sinne, mit dem dieser Begriff in den Debatten der letzten Jahrzehnte meistens verknüpft worden ist: Die biologistische Argumentation, die seit dem 19. Jahrhundert das ,Wesen‘ des Geschlechts begründet hat, wird von ihr nicht (wie von vielen gender-Theo­retikerinnen heute) direkt angegriffen, sondern nur in ihrer Bedeutung relativiert: Die „biologischen Voraussetzungen“ bilden kein „unausweichliches Geschick“, denn „die Definition des Menschen ergibt, dass er nicht ein gegebenes Wesen ist, sondern eines, das sich zu dem macht, was es ist.“ 14 Hier zeigt sich Beauvoirs Zugehörigkeit zur Philo­sophie des Existentialismus (Sartre, Merleau-Ponty und andere). Aus der Perspektive der „existentialistischen Ethik“ setzt sich das Subjekt in einem Akt der ,freien Wahl‘.15

Die ,Wahl‘ macht die ,biologisch gegebene‘ Geschlechtsidentität des Subjekts irrelevant, indem sie die ihm gegebene „autonome Freiheit“ 16 verwirklicht. Diese Freiheit aber bleibt, wie bei Hegel, auch hier mit der Vorstellung von Ich-Identität verknüpft: Die „ursprüngliche Intentionalität“ der Selbstsetzung garantiert, dass das „Seelenleben […] kein Mosaik, sondern „etwas Ganzes in jedem seiner Augenblicke“ ist.17 Das hier formulierte ,Identitätspostulat‘ wird in den Debatten der Geschlechterforschung eine zentrale Rolle spielen – ebenso wie die zweite Kopplung, die das ,Subjekt Ich‘ mit dem ,Subjekt Wir‘ verbindet: Im Vergleich mit der Situation der Schwarzen und Proletarier erklärt Beauvoir die spezifische Problematik der Frauenunterdrückung damit, dass „[d]ie Frauen“ nicht „wir“ sagen, sich nicht „zu einer Einheit […] sammeln“.18 Kurz: „sie setzen sich nicht eindeutig als Subjekt.“ 19

Auf der Suche nach (weiblicher) Identität: Die neue Frauenbewegung

Die Frauenbewegung der späten 60er und 70er, die sich in den USA nicht zuletzt im Kontext der afro-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, in der Bundesrepublik etwas später aus der Studentenbewegung heraus entwickelte, wird in der feministischen [<< 59] Historiographie in der Regel in zwei Phasen eingeteilt: Zuerst stand (radikale) Gleichheit, dann (radikale) Differenz im Zentrum der Aufmerksamkeit. In beiden Kontexten aber waren Identitätsfragen von zentraler Bedeutung – wenn auch auf unterschied­liche Weise: Während ,weibliche Identität‘ zum prägenden Konzept der zweiten Phase werden sollte, waren die Gleichheitsforderungen der ersten Phase – im Anschluss an Beauvoir – eher auf Vorstellungen ,menschlicher Identität‘ bezogen.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Gender@Wissen" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen