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Geliebte Zwillingsschwester

Geliebte Zwillingsschwester

ein E-Mail-Roman

Stella von Andersleben

herausgegeben

von

Trutz Hardo

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Geliebte Zwillingsschwester

ein E-Mail-Roman

Stella von Andersleben

herausgegeben

von

Trutz Hardo

Geliebte Zwillingsschwester

13.12.2013

Geliebte Zwillingsschwester Tara!

In meiner letzten Mail vor einigen Tagen habe ich dir ja berichtet, was ich hier auf der Intensivstation alles erlebe. Ich hatte mich ja auf diese Station versetzen lassen, da ich weiß, dass viele hier Liegende dem Tode oft ganz nahe sind oder auch schon drüben waren und wieder zurückgekehrt sind. Mich interessiert es, was diese dann bei ihrem Erlebnis als klinisch Tote erlebt haben, möchte ich doch darüber ein Buch veröffentlichen, damit der Leser erfährt, dass wir keine Angst vor dem Tod haben müssen. Es ist sich nicht vorzustellen, was wäre, wenn alle Menschen wüssten, dass man nach dem Tod weiterlebt. Erst gestern wurde uns auf die Intensivstation eine zweiundsechzigjährige Frau gebracht, die reanimiert worden war. Als ich heute Morgen mit Elisabeth ihr Bett machen wollte, saß sie schon trotz der Schläuche in der Nase und am Arm aufrecht im Bett. Sie strahlte über ihr ganzes Gesicht. Und ich sagte: „Sie sehen ja aus, als ob Sie dem Herrgott begegnet sind.“ „Ja“, so entgegnete sie, „so könnte man es nennen.“ Und Elisabeth forderte sie auf, uns mehr zu erzählen. „Ich habe Christus gesehen, ob Sie es glauben oder nicht. Er stand auf einer großen Wiese. Und vor ihm hatten sich viele von uns versammelt. Er sprach zu uns und segnete uns. Es war überwältigend. Und ich wünschte, dass ich ihm die Füße küssen könnte. Und auf einmal, ich weiß nicht, wie es geschah, kniete ich vor ihm und küsste seine Füße.“ Wir beide lauschten gespannt. Sie bat um einen Schluck Tee. Doch plötzlich kam unser Stationsarzt herein und sagte, dass jemand - und er schaute dabei auf mich - von uns zwei auf Zimmer 216 kommen möge. Ich ging nun auf den Gang.

Und als wir dort allein waren, drückte er mir heimlich von hinten die Hand. Mich durchfuhr ein Schrecken. Ich weiß, dass er mich begehrt. Ob er mich heimlich liebt, weiß ich noch nicht. Er sieht gut aus, ist erst Anfang dreißig und heißt Doktor Dudszinski. Ich glaube, seine Eltern sind Polen oder Tschechen. Schade, dass das Gespräch mit jener Reanimierten so plötzlich abgebrochen werden sollte. Vielleicht hat Elisabeth mehr erfahren. Wir konnten uns leider nicht mehr sprechen. Ich werde sie morgen fragen und dir weiterhin berichten.

Wie geht es dir mit deiner (und auch meiner) großen Liebe in Sydney? Hat er dich schon geschwängert? Habt ihr vor, euch zu vermählen? Ich bin so neugierig, was du alles dort als Zimmermädchen in dem Hotel erfährst.

Aus Berlin sende ich dir meine innigsten Umarmungen.

Deine Leo

***

15.12.2013

Geliebte Zwillingsschwester Tara!

Ja, du möchtest auf zwei Ereignisse nun Antwort haben. Frau Winter, jene Reanimierte, konnte ich leider nicht mehr persönlich sprechen. Doch Elisabeth erfuhr von ihr, dass sie Jesus fragte, wieso es möglich war, dass sie auf einmal sich vor ihm niederknien konnte, da doch dort so viele den gleichen Wunsch verspürt haben könnten. Und er antwortete ihr mit einer sie überwältigenden Liebe, dass er sich jeder Person im selben Augenblick vorstellen könnte, damit sie, wenn sie so will, zu ihm niederknien oder irgendwie von ihm einen persönlichen Segen empfangen möchte. Wie ist das zu erklären? Doch bei Gott und sicherlich auch bei Jesus ist alles möglich. Da sie bei jenem Autounfall auch einen Brustwirbel gebrochen hatte, wurde sie auf die Chirurgische verlegt. Vielleicht kommt sie ja danach wieder auf unsere Intensivstation.

Aber nun zu deiner zweiten Frage, du Neugierige. Als Dr. Dudszinski, nachdem Felicitas und Elisabeth das Schwesternzimmer verlassen hatten, dort hereinschaute und mich allein erblickte, trat er ein. Es setzte sich zu mir und berührte meinen Arm. Dann sagte er, dass wir beide uns mal außerhalb treffen sollten. Er habe zufällig noch eine zweite Karte für die Zauberflöte, da seine Mutter wegen plötzlicher Erkrankung nicht mitkommen könne. Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Und er schaute mich so liebevoll an, dass ich einfach nicht nein sagen mochte, obwohl mir diese Überrumplung zu schnell vonstattenging. Wie hättest du dich an meiner Stelle wohl verhalten?

Jetzt ist es schon spät geworden. Ich muss ins Bett. Bei euch geht bestimmt schon die Sonne auf.

Deine Leo

***

18.12.2013

Geliebte Zwillingsschwester Tara!

Nun nennt er mich schon nicht mehr Leonore, sondern Leo, genau wie ich von Kind an von dir genannt wurde. Ja, nach der Oper hat er mich zum Dinner eingeladen. Es gab Champagner und dann auch zum gegrillten Fisch noch Weißwein. Ich war ganz schön angeduselt. Er wollte mich dann mit sich nach Hause nehmen, aber ich gab ihm zu verstehen - eine fette Lüge! -, dass ich meine Tage und dazu auch Kopfschmerzen hätte und mich nicht wohlfühlte. Also brachte er mich nach Hause. Und bevor ich ausstieg, küsste er mich heftig, öffnete auch meine Bluse, begrapschte mich. Ich war wie von Sinnen. Ich wollte mich wehren. Schließlich brachte er mich bis zu meiner Wohnungstür. Er wollte dann mit hereinkommen. Aber ich blieb, trotzdem ich ganz schön blau war - mehr als beschwipst, bei meinem Nein, indem ich sagte: „Heute nicht.“

Seitdem wir beide zusammen mit William aus Sydney, diesem schönen Studenten, im Bett waren und er uns mit Neunzehn entjungferte und wir zu dritt über ein Jahr lang mit einander uns liebten, hatte ich, wie du ja weißt, in den letzten zwei Jahren noch keinen sexuellen Kontakt mit einem Mann gehabt, obwohl in der Schwesternausbildung und auf den verschiedenen Krankenstationen schon mancher Arzt - und natürlich Patienten in ihren Betten - begehrliche Blicke auf mich geworfen hatten oder auch Annäherungen versuchten. Attraktive Krankenschwestern sind ja so etwas wie ein wandelnder Präsentierteller von geheimen männlichen Wünschen. Und was sie, an uns denkend, dann unter der Bettdecke mit sich selbst machen, das bleibt ihr Geheimnis, doch ihr Bettlaken ist oft der Verräter.

Und als unser gemeinsamer Geliebter wieder in seiner so weit von uns entfernten Heimat war, hat er uns beiden Liebesbriefe geschickt, und du bist ihm nachgereist. Ja, ich bin auch immer noch in ihn verliebt. Aber da wir beide uns geschworen hatten, nie auf einander eifersüchtig zu sein, gönne ich dir deinen frisch gebackenen Ingenieur. Du schriebst zwar, ich solle euch in meinen Ferien besuchen kommen. Aber könntest du ihn denn wieder mit mir teilen?

In meinen Gedanken bin ich noch hin und wieder mit euch beiden im Bett. Es war so schön. Vielleicht denkt er auch noch, wenn er mit dir intim ist, an mich. Aber es bleibt sich ja sowieso gleich, denn wir beide sind als eineiige Zwillinge sowieso für Außenstehende nicht zu unterscheiden. Und wenn ihr euch küsst, dann küsst du ihn bitte auch für mich mit. Denn ich fühle, dass wir beide eins sind. Und ich gönne dir dieses Glück, denn du bist ich und ich bin du. So habe ich auch in meinen Gedanken euch in meinen Armen.

Grüße ihn von mir. Und wenn du magst, sage ihm, dass ich ihn auch liebe. Deine euch liebende Leo.

***

21.12.2013

Meine liebe Zwillingsschwester Tara!

Im Eingangsraum unten befindet sich ein großer Weihnachtsbaum mit bunten elektrischen Kerzen und Behängungen samt silbrigem Lametta. Ihr habt ja, wie du schreibst, jetzt Hochsommer mit bis zu fünfunddreißig Grad. Bei uns hat es ein wenig geschneit. Doch wegen des sich immer mehr bemerkbar machenden Ozonlochs werden unsere Winter immer wärmer, und zum Bedauern der Kinder schneit es immer seltener. Apropos Winter. Frau Winter ist wieder auf unsere Intensivstation verlegt worden, da sich bei ihr eine Embolie gebildet hatte. Doch sie konnte noch mittels eines Blutverdünnungsserums rechtzeitig gerettet werden. Ja, wir müssen auf der Intensiv darauf Acht geben, dass bei Neueingelieferten keine plötzlichen Atembeschwerden eintreten. Sobald sie ansprechbar ist, werde ich sie noch weiter zu ihrem Nahtoderlebnis befragen und dir alles mitteilen.

Dr. Dudszinski, der übrigens mit Vornamen Marek heißt, wollte mich in seinen Weihnachtsferien zu einem Skiurlaub einladen. Doch ich hatte mich schon für die Weihnachtstage eingetragen, auf Station zu sein. Werdet ihr zwei dort überhaupt Weihnachten feiern? Vielleicht im Schwimmbad oder am Bondi Beach, den du mir so ausschmückend beschrieben hast?

Sag, schreibst du noch Gedichte? Du hast mir schon seit langem keines mehr zugemailt. Vielleicht wirst du bald auf Englisch Gedichte schreiben. Da bin ich neugierig. Wir waren ja ganz gut in der Schule in Englisch. Und William hat ja auch auf unsere Bitten hin mit uns oft Englisch parliert. Ich habe auch schon, seitdem du abgereist bist, kein Gedicht mehr geschrieben. Wir waren ja fleißige Gedichteschreiber, und meistens begann ich eine Zeile eines Gedichtes, und du nanntest die zweite Zeile, und ich wieder die dritte oder umgekehrt. Auf diese Weise haben wir wohl über hundert Gedichte verfasst. Sicherlich sind auf diese Art sonst noch nirgendwo von Zwillingen Gedichte geschrieben worden. Das hat Spaß gemacht. Ich habe sie alle aufgehoben. Aber sicherlich wird kein Verleger diese herausgeben wollen. Denn sie werden es nicht für möglich halten, dass jede Folgezeile von dem anderen Zwilling erdichtet worden ist.

Ich habe mir natürlich auch in unser beider Wohnung einen kleinen Weihnachtsbaum aufgestellt, wie wir es immer getan hatten. Wenn ich dann die Kerzen angezündet habe, werde ich gleich neben der Krippe die große Fotografie mit uns beiden aufstellen, so, dass ich mit dir ganz verbunden bin. Ja, nachdem unsere Eltern damals tödlich verunglückt waren, hatten wir alle Verbindungen zu anderen Familienangehörigen abgebrochen, da wir beide nur ganz für uns sein wollten. Übrigens ist ein Paket für euch beide unterwegs mit Leckereien, die es wahrscheinlich in Australien nicht zu kaufen gibt. Lübecker Marzipan, Lebkuchen und Spekulatius. Ich hoffe, dass es noch pünktlich zum Fest bei euch ankommt. Aber vor dem Fest werde ich dir sicherlich noch eine E-Mail schreiben.

Deine euch liebende Leo.

***

25.12.2013

Frohe Weihnachten, Ihr Beiden!

Habt ihr den Heiligen Abend gefeiert und euch gegenseitig beschenkt? Ich glaube, ihr seid uns acht oder neun Stunden voraus. Oder sind es sogar mehr? Ich bin erst heute Morgen gegen neun Uhr nach Hause gekommen. An ein eingelegtes kurzes Schläfchen war nicht zu denken, obwohl ich mich mit Felicitas abgesprochen hatte. Wir beide und einige Patienten, die gehen konnten, haben auf dem Flur Weihnachtslieder gesungen und sind jeder mit einer Kerze in der Hand zu allen unseren Patienten gegangen und haben ihnen per Handschütteln Frohe Weihnachten gewünscht, auch jenen, die Moslems oder Juden waren. Erst gegen neun Uhr abends fahre ich mit U-Bahn und Bus zur Klinik, denn ich habe für mein Auto noch keine Winterreifen aufziehen lassen.

Euren Brief samt den guten Wünschen zum Weihnachtsfest und dem Bild von euch zwei in Badeausrüstung vom Strand habe ich erhalten. Ganz lieben Dank. Ich glaube, ihr seid schon ganz schön braun geworden bei so viel Sonnenschein. Ja, auch du hattest am Heiligen Abend Dienst. Waren denn überhaupt genügend Gäste im Hotel? Denn ich würde annehmen, dass jeder doch mit seiner Familie feiern möchte.

Frau Winter konnte ich gestern nach der kurzen Feier alleine sprechen, da die beiden anderen von Intensiv auf Station gekommen waren. Ihre zwei Töchter und ihr Sohn waren nachmittags gekommen. Heute will ihre dritte Tochter mit den Enkelkindern sie besuchen. Ich fragte sie, ob sie mir noch etwas über ihren Austritt aus dem Erdenkörper erzählen könne und ob sie noch weitere Erlebnisse mit Jesus gehabt habe. Sie fasste meine Hand und sagte in etwa: „Ich freue mich, dass sie sich mein Erlebnis anhören wollen. Denn dem Doktor Dudszinski wollte ich darüber etwas erzählen, um auch zu erfahren, ob andere Patienten so etwas ebenfalls erlebt haben. Doch der wehrte ab und sagte, dass es hin und wieder sicherlich vorkommt, dass auch andere über ihre Halluzinationen erzählen wollen. Aber das seien alles Irrealitäten, die durch bestimmte Hormonausschüttungen bei Herzstillstand zustande kommen.“ Und ich versicherte ihr, dass mir auch schon andere über ihre außerkörperlichen Erlebnisse berichtet hatten, möchte ich doch darüber mal ein Buch veröffentlichen.

Aber was sie mir, liebe Tara, alles erzählte, darüber werde ich dir in der nächsten Mail berichten. Ich muss jetzt los. Übrigens sind hier in Berlin viele Hauptstraßen mit Lichtern dekoriert. Aber das weißt du ja alles. Gibt es bei euch auch weihnachtliche Straßenbeleuchtungen?

Ich umarme euch beide und schicke euch viele weihnachtlich gezuckerte Küsschen, denn ich habe gerade Marzipan genascht.

Eure Leo

***

28.12.2013

Tara, meine geliebte Zwillingsschwester!

Ich schreibe dir ausnahmsweise aus dem Schwesternzimmer. Es ist nach drei Uhr nachts. Es ist an sich nicht gestattet, den Stationscomputer für private Mails oder andere Zwecke zu benutzen. Aber ich habe gerade kaum was zu tun, bin aber ständig auf der Lauer, sobald jemand klingeln sollte. Vor gut einer Stunde ist jemand beim Gang auf die Zimmertoilette umgefallen. Er hatte geschrien, so, dass andere geläutet hatten. Felicitas und ich haben ihn dann zurück ins Bett gelegt und ihm eine Ente gegeben und ihm gesagt, dass er noch nicht allein aufstehen dürfe. Dann machte ich noch einen Rundgang in die Zimmer und sah, dass Frau Winter im Schlaf ihre Decke zur Seite geschoben hatte. Ach ja, ich wollte dir doch noch erzählen, was sie mir über ihr außerkörperliches Erlebnis erzählt hatte.

Ich hatte sie ja über ihre Begegnung mit Jesus angesprochen. Und sie erklärte, dass er vor den vielen um ihn Versammelten redete, ohne wirklich zu sprechen. Denn sie vernahmen seine Stimme inwendig. Es war also eine telepathische Vermittlung. Doch seine auf diese Art gesendeten Worte vernahmen sie ganz klar, aber auch so, als ob er zu jedem der Anwesenden persönlich sprach. Von seiner telepathisch vermittelten Ansprache konnte sie sich noch an folgende Sätze erinnern, wie sie ja auch in der Bibel zu finden sind: „Liebe den Nächsten wie dich selbst. Denn du bist der Nächste, wie ich dein Nächster bin.“ Und dann sprach er noch weiter über die Bedeutung der Liebe. Sie konnte sich noch daran erinnern, dass er sagte, dass die Erde ein Prüfstein der Liebe, aber auch ein Exerzierplatz der Liebe sei, wo man das umsetzen soll, was man hier gelernt habe, also im Jenseits. Und als er die vor ihm Kniende zu sich hochgehoben und in ihre Augen geschaut hatte, sagte er, dass sie nun wieder zur Erde zurückkehren solle und dort das Licht der Liebe ausstrahlen möge. Und dann sei sie plötzlich wieder aufgewacht und habe die Augen geöffnet. Und sie nahm wieder meine Hand und sagte: „Neigen Sie sich doch bitte mal zu mir. Ich möchte sie umarmen.“ Und als das geschah, durchpulste mich ein Strom von Liebe in einem nie gekannten Maße. Es war sicherlich noch ein Teil jener Liebe, die Jesus Christus ihr vermittelt hatte. Und sie fügte hinzu, dass sie von nun an, jeden Menschen, sogar einen Verbrecher, umarmen könne. Ich habe natürlich alles, was ich von ihr vernommen hatte, in meinen Computer eingegeben, um, wie ich dir schon sagte, einmal ein Buch über außerkörperliche Erlebnisse zu schreiben.

Ich muss schnell Schluss machen, denn die rote Lampe leuchtet auf. Tschüss. Leo.

***

29.12.2013

Meine geliebte Zwillingsschwester!

Bald beginnt ein neues Jahr. Von meinem Doktor Dudszinski habe ich heute im Briefkasten eine Ansichtskarte aus Davos in der Schweiz gefunden. Er schreibt nebst den besten Wünschen zum Neuen Jahr, dass er bedauere, dass ich nicht bei ihm sein könne. Und er unterschreibt mit „in Liebe M.“ Liebt er mich, oder begehrt er mich nur als eine Trophäe in seiner Sammlung weiblicher Ent- bzw. Aufdeckungen? Ich weiß nicht. Soll ich mich ihm anvertrauen und mich ihm hingeben? Er sieht sehr gut aus, ist sehr gescheit, wird von den Kollegen geschätzt und ist zu uns Schwestern immer sehr verbindlich und nett, fragt oft, wie es uns geht. Und jeder von uns dreien ließ er durch die Oberschwester zum Fest in einem Weihnachtstütchen eine Tafel Schokolade überreichen mit einer Weihnachtskarte. Ich glaube, Felicitas schwärmt heimlich von ihm. Denn als sie seine Weihnachtskarte las, drückte sie, unbeobachtet, wie sie wohl glaubte, einen Kuss darauf. Zeigst du William alle meine Mails? Sprecht ihr eigentlich deutsch oder englisch miteinander? Wenn ich bei mir in der warmen Badewanne sitze, denke ich oft an euch, wie ihr dort im Meerwasser schwimmt. Aber passt auf. Ich habe in einer Zeitung gelesen, dass ein Hai bei Sydney einen Badenden angegriffen hatte, er aber von zwei Tauchern noch rechtzeitig gerettet werden konnte. Jetzt habe ich mir die Winterreifen aufziehen lassen, so, dass ich in weniger als zwanzig Minuten in der Klinik sein kann. Schneit es denn auch mal in Sydney, wenn wir hier Sommer haben? Im Radio höre ich gerade Songs von Udo Jürgens, den wir beide so sehr verehrten. Ich denke noch oft an unseren gemeinsamen Abend zurück, als wir nach seinem Konzert ihn zufällig in jenem Restaurant trafen und er vor unserem Tisch in Begleitung einer Brünetten stehen blieb und uns Zwillingsschwestern ein Kompliment über unsere Schönheit machte, nach unseren Namen und nach unserem Wohnort fragte, während seine Begleiterin ihn von uns wegzuziehen versuchte. Er hätte sich bestimmt gerne zu uns gesetzt. Und dann meinte er noch, wir müssten zum Film gehen, denn man würde sicherlich wieder mal ein Doppeltes Lottchen gebrauchen wie die damaligen Kesslerzwillinge. Schade. Denn hätte er sich zu uns gesetzt, hätte er bestimmt uns an eine Film- oder Fernsehagentur vermitteln können. Er wird wohl außer uns Zweien Tausende von weiblichen Fans haben, die auch im Bett an ihn denken mögen. Doch als wir uns William teilten, hörten wir zwar Udos Schlager im Radio, aber unser Traummann war dann William. Soll ich es dir gestehen? Ich vermisse euch beiden, vor allem wenn ich einsam im Bett liege.

Gruß und Kuss von deiner Leo.

***

31.12.2013

Geliebte Zwillingsschwester, liebe Tara!

Heut ist Silvester. Was werdet ihr unternehmen? Geht ihr tanzen? Ich würde ja auch gerne auf einen Silvesterball gehen, aber erstens hätte ich keine Begleitung und zweitens habe ich Nachtdienst. Aber dazu hatte ich mich ja selbst zur Verfügung gestellt. Felicitas und Elisabeth gehen aber auf einen Ball ins Hilton Hotel. Und hatten wir nicht vor drei Jahren auch William auf dem Silvesterball der Technischen Universität wieder getroffen, nachdem wir ihn nach der Oper zum Essen eingeladen hatten? Und leider hatten wir damals seine Telefonnummer verbummelt. Und er hatte einige Knaller besorgt, die wir dann mit Begeisterung vor der TH in die Luft sausen ließen, obwohl Tausende von bunten Lichtertropfen, nachdem sie sich mit einem Knall in der Luft versprühten, herniederfielen. Wir beide waren beschwipst. Und am frühen Morgen noch bei Dunkelheit brachte er uns nach Hause. Wir luden ihn zum Kaffee ein und dann sagte er, dass er uns beide küssen möchte. Und wir ließen es zu, und alle drei lachten wir, und schwupp die wupp landeten wir zu dritt im Bett.

Wenn ich jetzt so über mein vergangenes Jahr nachdenke, was sich alles in meinem Leben ereignet hat, dann waren es vor allem die Bücher, die ich gelesen habe. Neben einigen Liebesromanen zur Zerstreuung - und vielleicht aus Sehnsucht, auch einmal so kräftig geliebt zu werden - hatte ich mich in die Romane von Leo Tolstoi, Victor Hugo, Ernest Hemingway, Francoise Sagan und auch wieder in die Werke der deutschen Klassiker vertieft. Warum geht es in allen Romanen, die ich bisher gelesen habe, immer um die Liebe? Hat Jesus gemäß den Aussagen von Frau Winter recht, dass wir auf Erden wie auf einem Übungsgelände unsere Liebe exerzieren? Hier wird sie eingeübt. Und viele, die schon aus früheren Leben weit in der Liebeseinübung fortgeschritten sind, sollen den anderen, denen es noch in vielem an Liebe mangelt, Vorbild hinsichtlich der Liebe sein? Gibt es eigentlich in der höheren Welt, sprich Jenseits, vorbereitende Liebesschulen, wo wir das einstudieren, was wir dann auf Erden als Erlerntes ausüben sollen? Ist also die Erde eine Schule der Liebe, wo wir beweisen sollen, was wir in den höheren Liebesschulen gelernt haben? Ich muss unbedingt mehr über das Jenseits und seine Geheimnisse erfahren. Vielleicht sollte ich mich mal in einer esoterischen Buchhandlung umsehen und mich dort beraten lassen. Oder vielleicht begegne ich einem netten Mann, der mir darüber viel erzählen würde. Er würde bestimmt dann auch mein Herz gewinnen.

Jetzt ist es bald wieder Zeit, dass ich in die Klinik fahre. Es ist schon seit Stunden hier dunkel. Doch einige Straßen leuchten noch im weihnachtlichen Glanze.

Ich wünsch euch beiden ein ganz glückliches neues Jahr mit viel Erfolg und LIEBE.

Ich küsse euch. Eure Leo.

***

4.1.2014

Geliebte Zwillingsschwester, liebe Tara!

Gestern Abend tauchte auf einmal Marek wieder auf, braun gebrannt und voller Elan. Da wir allein im Schwesternzimmer waren, umarmte er mich und sagte, wie sehr ich ihm gefehlt habe. Und er gestand mir seine Liebe. Ich hielt ihm zwar meinen Mund hin, aber zum Küssen war mir nicht zu Mute, zumal ich vorhin ein Fläschchen mit Chloroform hinfallen ließ und der Raum voller Gerüche war, die nicht zur Liebessteigerung beitrugen. Und da wir Schritte kommen hörten, nahmen wir schnell wieder Abstand. Felicitas kam herein, begrüßte ihn mit je einem Küsschen auf die Wangen. Kennen die beiden sich etwa etwas näher, durchfuhr es mich. Sie wolle nur eine Schlaftablette für einen Patienten holen. Dann verließ sie den Raum wieder. Und Marek fasste mich wieder beim Arm und sagte, dass er mich morgen Mittag zu sich einladen möchte, habe er noch eine Ente im Gefrierfach, die wir braten könnten. Und dann wolle er mir seine Bilder nebst einem selbst aufgenommenen Film zeigen, um mir zu veranschaulichen, wie schön die herrlichen Winterlandschaften in den Schweizer Bergen sind, samt den wunderbaren Skipisten. Ich wollte erst absagen mit irgendeinem Vorwand. Mir fiel aber keiner ein. Und da er mich mit seinen blauen Augen fast flehentlich anschaute, sagte ich zu. Er reichte mir dann seine Visitenkarte. Er wohnt in Smargendorf, also nicht allzu weit weg von mir. Ich werde dir berichten, was ich dort mit ihm erleben werde. Aber zeige meine diesbezüglichen Mails nicht William, bitte.

Will er eigentlich nur mit mir schlafen? Ist seine mir gegenüber ausgesprochene Liebe wirklich echt? Oder ist sie nur gespielt, um mich in sein Bett zu luchsen? Ich habe ein ungutes Gefühl. Vielleicht sollte ich ihn morgen anrufen und absagen mit der schon einmal vorgebrachten Entschuldigung, nicht pässlich zu sein. Aber ich habe ihm ja mein Kommen versprechen müssen. Also werde ich doch hingehen. Na, mal sehen.

Warum kann man Männer meist nur über das Bett erobern? Und wenn wir sie darin enttäuschen, dann lassen sie uns wie eine heiße Kartoffel fallen. Ja, irgendwann will ich natürlich heiraten und Kinder bekommen. Das hatten wir beide uns doch auch schon als Teenies vorgenommen und dass wir dann alle zusammen in einem Bauernhaus auf dem Land leben wollten. Aber erst den Mann, dann die Kinder, dann den Bauernhof. Und mir ist es einerlei, ob dieser sich in Deutschland oder in Australien befindet.

Deine dich von Herzen liebende Leo

***

6.1.2014

Meine geliebte Zwillingsschwester, liebe Tara!

Ach, jetzt muss ich dir etwas Schreckliches schildern. Ich hatte mir mit Eierlikör - mein liebstes alkoholisches Getränk, das aber nur selten zum Mund geführt wird - ein wenig Mut angetrunken, bevor ich zu ihm mit einem Taxi fuhr. Er empfing mich an der Tür, drückte mir gleich einen Kuss auf den Mund und führte mich, nachdem ich meinen Mantel abgelegt hatte, in die Küche, um dort mir in der Pfanne seine schon zerschnittene Ente zu zeigen. Und dann sagte er mir zu meinem Schrecken: „Wollen wir vor dem Essen ins Bett oder erst nachher? Ich kann es kaum erwarten.“ Ich entgegnete, dass ich zum Essen hier sei. „Also, dann nachher.“ Teller und Besteck lag schon auf dem Küchentisch ausgebreitet. Er bot mir ein Bier an, das ich aber abschlug. Und während des Essens erwähnte ich Frau Winter, an die er sich gut erinnert, musste er doch jeden Tag ihr Befinden überprüfen. Ich fragte ihn, ob sie ihm auch ihr außerkörperliches Erlebnis erzählt hatte. Und er fuhr plötzlich hoch und mit energischer Stimme sagte er: „So eine eingebildete Kuh. Sie glaubt, Jesus persönlich begegnet zu sein. Das ist doch zum Lachen. Was für Fantasien manche Leute haben.“ Und als ich ihm darlegen wollte, dass sogar Kardiologen Bücher über derlei Berichte von klinisch Toten geschrieben haben, brauste er auf: „Das sind doch alles Wichtigtuer. Die wissen, mit welchem dummen Zeug man mit Büchern Geld verdient. Die verzapfen einem, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, ja dass man sogar immer wieder reinkarniert. So ein Quatsch! Und die Leute glauben an solchen Unfug. Ich hoffe, du gehörst nicht auch zu denen.“ Und ich entgegnete, dass ich jedoch an ein Leben nach dem Tod glaube und sogar Berichte über Aussagen der Klinischtotgewesenen sammle, um sie mal zu veröffentlichen. „Lass deine Finger von solch einem Schundbuch. Sonst wirst du für viele klar Denkende als eine Kandidatin für die Klapsmühle gehalten.“

Und nach dem Essen hob er mich von meinem Stuhl mit beiden Armen hoch, brachte mich in sein Schlafzimmer, öffnete meine Bluse, zog meinen Rock aus und warf mich auf das Bett. Es ging alles so schnell, dass ich gar keine Zeit mehr hatte, mich zu sträuben. Und dann holte er sein Ding hervor und wollte in mich eindringen. Ich aber sagte ihm, dass ohne Gummi bei mir nichts ginge. „Ich pass auf. Ich ziehe meinen Strammen vor dem Orgasmus zurück. Du wirst sehen. Schau, wie er nach dir schmachtet.“ Ich aber klemmte meine Vagina zusammen und drückte ihn mit beiden Armen gegen seine Brust zurück. Er versuchte es immer wieder, aber schließlich gab er auf. „Dumme Gans! Du solltest froh sein, einen so tollen Liebhaber wie mich im Bett zu haben.“ Er stieg von mir herunter, zog sich an.

Ich kleidete mich ebenfalls schnell an, nahm meine Handtasche, holte meinen Mantel von der Garderobe, öffnete die Tür. Und er rief mir noch nach: „Wenn du es dir nochmals anders überlegen solltest, du weißt ja: Anruf genügt.“ Was sagst du dazu? Und jetzt sehe ich ihn auch noch jeden Tag ein paarmal am Arbeitsplatz. Sollte ich mich versetzen lassen? Aber ich liebe meine Station und meine beiden Kolleginnen, mit denen ich mich so gut verstehe. Was muss Herr Dudszinski auf dem Exerzierplatz der Liebe noch alles lernen? Ich möchte auf jeden Fall, wenn ich Mann wäre, nicht in seiner Haut stecken!

Deine ganz schön von männlichem Gebaren ernüchterte Leo

***

12.1.2014

Geliebte Zwillingschwester, meine Tara!

Ich bin ab gestern wieder mit Felicitas für die Tagesschicht eingeteilt. Die ist mir immer lieber als Spät- oder Nachtschicht. So muss ich jetzt auch nicht dauernd dem Dr. Dudszinski begegnen, der noch die Nachtschicht übernommen hat. Ich kam heute früh eine halbe Stunde vor Beginn meiner Schicht auf Station, als ich die Tür zu unserem Schwesternzimmer nur angelehnt fand. Ich öffnete sie ganz sacht, und was sah ich? Du wirst es nicht glauben. Elisabeth mit dem Rücken zur Tür saß auf dem Schoß von Marek, während seine Hände sich auf ihrem Rücken auf und ab bewegten. Ich zog mich schnellstens zurück und bereitete mir im Nebenraum einen Kaffee, indem ich mit dem Geschirr absichtlich laut klapperte, damit die beiden hörten, dass sich jemand schon nebenan befindet. Ich war innerlich empört. Nachdem er von mir eine Abfuhr erteilt bekam, macht er sich an meine Kollegin ran. Ist er ein pathologischer Sexbesessener? Wie kann solcher ein Arzt sein? Und vielleicht macht er nicht nur die Krankenschwestern an, sondern auch die ihm gefallenden Patientinnen, denen er, bevor sie entlassen werden, im Vertrauen sagt, dass er kostenfrei zur Nachbehandlung kommen würde, indem er ihnen seine private Handynummer zusteckt. Wer weiß.

Kannst du dich noch an unseren Klassenkameraden Hubert erinnern? Ja natürlich, jener, der immer so aus dem Mund stank. Du weißt ja, was mit seinem Vater, dem Arzt, geschehen war. Dieser war bei einem Hausbesuch mit einer Patientin im Bett, als unvermutet ihr Gatte nach Hause kam und beide in flagranti entdeckte. Er schlug wie wild auf den Arzt ein, sodass dieser bestimmt viele blaue Flecken nebst Nasenbluten und anderes abbekam. Und dieser schwer zugerichtete Arzt und Familienvater setzt sich in das Auto und fährt mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum und ist tot. Ich weiß nicht, wie wir alle in der Klasse von diesem Vorgang erfahren hatten. Und wir behandelten Hubert oft sehr mitleidsvoll, besonders, wenn er so traurig vor sich hinstarrte. Vielleicht war ich ja in einem früheren Leben selbst mal solch ein Mann, weil mir diese Geschichte damals so naheging, aber dir auch.

Ja, man dürfte solche Sexbesessenen auf keinen Fall in Kliniken einstellen. Und als er aus dem Schwesterzimmer trat und mich sah, sagte er: „Guten Morgen, Schwester Leonore. Ich wünsche Ihnen einen reizvollen Tag.“ Was soll denn das wohl bedeuten? Am liebsten hätte ich ihm eine runtergehauen, solch ein Flegel. Und ich sah, wie der Reißverschluss seiner Hose noch nicht ganz hochgezogen war. Und keck, wie ich bin, entgegnete ich: „Passen Sie auf, dass nichts Reizvolles aus dem Hosenstall herausfällt.“ Er schaute hinunter. Drehte sich um und ging in das Ärztezimmer. Elisabeth sah ich, wie sie sich schnell auf unsere Toilette begab, indem sie mir nur ein kurzes „Guten Morgen“ zuwarf. Ich konnte sie nicht mehr sprechen, da ihre Schicht beendet war. Doch als ich in einem Patientenzimmer ein Fenster öffnete, sah ich, wie sie in das Auto von Doktor Dudszinski stieg. Hoffentlich schwängert er sie nicht. Du siehst also, wie abwechslungsreich ein Krankenschwesterndasein sein kann. Ich hoffe, dass ich dir auch mal wieder was Schönes aus meinem Berufsleben zu berichten habe.

Aber dein Leben als Kellnerin einschließlich des Zimmerservices ist ja, wie du mir schriebst, ebenfalls oft spannungsgeladen, vor allem, wenn du nachts noch eine Bestellung auf ein Zimmer zu bringen hast, in welchem sich ein Herr allein aufhält. Wie oft haben dich sicherlich schon Männer angemacht? Und du musstest dich trotz verführerischer Angebote zurückhalten. Doch wie du schriebst, reichst du solchen Herren eine Telefonnummer von einer dir befreundeten Prostituierten, die auf Anruf dann kommt und alle Männerwünsche befriedigt. Hoffentlich ist kein Dr. Dudszinski darunter. Und irgendwann danach rufst du sie an und lässt dir vielleicht berichten, was sie erlebt hatte. Und dann gibt es bestimmt oft einiges zu lachen. Ich habe irgendwo auf einem Buchcover den Titel gelesen: Männer wollen Sex, Frauen wollen reden. Stimmt doch, oder nicht? Gott sei Dank ist es nicht umgekehrt so. Ich bin froh eine Frau zu sein.

Für heute habe ich genug geschrieben. Grüß bitte William ganz herzlich von mir.

Deine dich liebende Leo

***

16.1.2014

Meine liebe Zwillingsschwester Tara!

Leider muss ich dir nun wieder etwas Entsetzliches berichten. Und wieder handelt es sich um Dr. Marek Dudszinski. Als Felicitas und ich beim Frühstück im Schwesterzimmer saßen, verzog sich auf einmal ihr Gesicht. Tränen rollten dann die Backen herunter, obwohl sie diese mit einem Taschentuch immer wieder abwischte. Ich stand auf und drückte ihren Kopf an meinen Bauch und streichelte ihren Kopf. Ich forderte sie auf, mir zu sagen, was sie so bedrückt. Dann schluchzte sie wieder auf. Schließlich sagte sie, dass sie schwanger sei. Erst wollte sie mir nichts auf meine Frage hin sagen, wer der Schwängerer gewesen ist. Doch dann, unter einem erneuten Aufschluchzen, sagte sie: „Dr. Dudszinski.“ In mir kochte es vor Wut. Dieser Drecksack! Ich kann mir schon denken, wie alles passiert sein könnte. Er hatte ihr garantiert, dass er keinen Gummi beim Verkehr aufzuziehen brauche, da er vorzeitig sein Ding herausziehen würde. Und sie hat sich leider überreden lassen. Wenn er jetzt zur Tür reinkäme, ich würde ihn anspucken und ohrfeigen, dieser Lump. Aber er ist ja schon nach Haus gefahren. Hoffentlich ist Elisabeth nicht auch auf seine Lügen hereingefallen. Ich werde sie heute noch zu Hause anrufen, denn sie kommt ja später erst zur Nachtschicht. Für wie viele uneheliche Kinder muss er schon Unterhalt bezahlen? Er hatte mir ja gesagt, dass er bald zurück nach Polen wolle und fragte mich, ob ich dann in seiner Privatpraxis seine Helferin sein möchte. Will er sich dann aus dem Staube machen, damit er nicht Alimente bezahlen muss? Was für ein Karma baut er sich in diesem Leben auf? Wie viele Male muss er als Frau inkarnieren, um ebenfalls uneheliche Kinder verpasst zu bekommen? War etwa Felicitas nun Recht geschehen? Musste sie nun unehelich schwanger werden?

Nachdem wir zwei durch die Zimmer gegangen waren und die Betten gemacht, die Kanülen überprüft und dem ein oder anderen eine Spritze gegeben hatten, saßen wir bei einem weiteren Kaffee beieinander. Ich erzählte ihr nun meine Geschichte mit diesem Doktor. Und sie nickte oft mit dem Kopf und sagte, dass er es bei ihr genauso gemacht hätte. Dann fragte ich sie, was sie nun unternehmen wolle, denn sicherlich möchte sie dieses Kind von diesem gemeinen Kerl nicht austragen. Sie will ihm nicht sagen, dass sie von ihm schwanger ist, denn dann würde sie bestimmt wieder auf eine ungute Art mit im involviert sein, vielleicht würde er gar sagen, dass sie bestimmt von einem anderen geschwängert sei und es ihm nun aufbürden wolle, da er Arzt sei und eine höhere Alimentenrate von ihm monatlich zu fordern sei. Sie habe sich jetzt entschieden, möglichst bald in Holland einen Termin in einer Klinik zu bekommen, wo eine Abtreibung, wenn auch kostspielig, durchgeführt werden kann. Denn eine Freundin ihrer Schwester habe ihren Fötus dort ebenfalls abtreiben lassen.

Wir müssen aber dringend Elisabeth vor diesem Sexungeheuer warnen, wenn es nicht schon zu spät sein sollte. Ich rief sie von der Station an. Sie war schon zu Bett gegangen. Und ich sagte ihr, dass Felicitas und ich heute am frühen Abend wegen einer wichtigen Angelegenheit zu ihr kommen wollten. Wir verrieten ihr aber nicht, um was es ginge.

Ich gehe jetzt einkaufen und werde dir morgen berichten, was wir bei Elisabeth besprochen haben werden. Denn diesem Sexungeheuer müssen wir sein Handwerk legen.

Ganz viel Küsschen von deiner dich liebenden Zwillingsschwester Leo.

***

17.1.2014

Meine liebe Zwillingsschwester Tara!

Gegen sieben Uhr abends fanden wir beide uns bei Elisabeth ein. Da es um die Abendbrotzeit war, hatte sie eine Suppe gekocht, um uns zum Essen einzuladen. Sie war sehr neugierig, was wir wohl ihr Wichtiges mitzuteilen hätten. Ich fragte sie, während wir die Suppe zusammen mit Butterbroten aßen, ob sie schon mit Dr. Dudszinski geschlafen hätte. Sie brauste auf: „Wie kommt ihr darauf?“ Ich sagte ihr, dass ich sie beim Einsteigen in seinen Wagen beobachtet hätte. Sie gab nun zu, dass er zum Frühstück zu ihr heraufgekommen sei, und dann hätte es sich ergeben, dass sie im Bett gelandet wären. „Hat er“, so fragte Felicitas, „dir auch gesagt, dass er dich liebe?“ „Ja, sicher, sonst hätte ich mich mit ihm doch gar nicht eingelassen. Wieso fragt ihr?“ „Ist er“, so fragte ich nun weiter, „auch ohne Präservativ in dich eingedrungen?“

„Was sollen diese Fragen? Das geht doch euch nichts an, wie ich mein Liebesleben gestalte?“ „Doch“, fuhr Felicitas fort, „er hat bei mir auch kein Gummi benutzt, da er sagte, er würde aufpassen, dass nichts passieren könne.“ „Das hat er mir auch gesagt. Und dann ist er eingedrungen. Es war sehr schön, und ich habe es genossen, bis er seinen Samen wider sein Versprechen doch in mich ergoss. Ich war entsetzt. Denn ich hatte Angst, dass ich jetzt von ihm schwanger werden könnte.“ „Und mir, liebe Elisabeth, hat er auf diese Weise ein Kind angesetzt. Ich bin von ihm geschwängert worden.&

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