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Gelehrig

Inhaltsverzeichnis

1    Winteraffären

2    Geschichte des Sex

3    Essen, Nachtisch und Disziplinierung

4    Jasons Lehrzeit

5    Zurückhaltung üben

6    Melanie zieht ein

7    Pferdespiele

8    Rückfall in alte Zeiten

9    Melanie bekommt, was sie will

10  Neuanfang

1   Winteraffären

Sommerflirts bleiben wegen ihrer überschäumenden Emotionen meistens lang in Erinnerung, aber eigentlich sind Winteraffären viel wichtiger, dachte Melanie, als sie eines kalten Novembermorgens die Harbor Street entlangging. Raues Wetter verlangte nach rauer Lust, insbesondere in einer Stadt, in der bis zu sieben Monate im Jahr Schnee lag. Außerdem musste sie einen Liebhaber finden, dessen Stimmungen ausgeglichen genug waren, dass sie sie an den langen Abenden im Haus aushalten konnte. Ihre Kriterien waren nicht ohne. Er sollte belesen sein, witzig und gut Karten spielen können, aber nicht so ein Denker oder Gewinnertyp, der sie nach dem ersten Wochenende schon langweilte. Außerdem musste er kochen können oder zumindest nichts dagegen haben, die Essenslieferungen von exotischen Restaurants zu bezahlen, und er sollte sehr kreativ und experimentierfreudig sein, weil es an einem verschneiten Nachmittag nichts Aufregenderes gab, als einige Stunden mit einem frechen Rollenspiel zu verbringen.

Allerdings sah es nicht danach aus, dass Melanie in den nächsten Monaten viele freie Nachmittage haben würde. Sie war vor Kurzem zur neuen Managerin des Chimera befördert worden, der Secondhand-Boutique, in der sie schon seit Teenagerzeiten arbeitete. Unter ihrer Leitung war die Auswahl im Laden zunehmend freizügiger geworden, und es gab weitaus mehr Lingerie und heiße Outfits als früher. Im letzten Monat hatte sie einen lang gehegten Traum umgesetzt und das Angebot um Sexspielzeug und klassische Erotika erweitert. Seitdem stiegen die Verkaufszahlen merklich. Inzwischen war der Umsatz fast doppelt so hoch wie zuvor, aber Melanie musste auch dreimal so hart arbeiten, um alles hinzukriegen.

Sobald die Kunden des Chimera von dem neuen Geschäftszweig erfahren hatten, wurde bei den wagemutigeren der Ruf nach Fetischkleidung laut. Sie wollten Lederkorsetts und PVC-Tops mit den erleseneren Röcken, Handschuhen und Schmuckstücken kombinieren. Sehr häufig konnte Melanie den fraglichen Artikel im Internet finden, aber sie träumte davon, eine größere Auswahl an Kleidungsstücken und Spielzeug anbieten zu können, damit die Kunden die Objekte ihrer Begierde anfassen, begutachten und direkt vor ihren Spiegeln ausprobieren konnten. Der Einkauf im Geschäft hatte etwas so Intimes und Aufregendes an sich, wenn man die Dinge berühren durfte, die man bisher nur in seinen Träumen gesehen hatte, und diese dann gleich mit nach Hause nehmen konnte.

Als sie so über Korsetts und halterlose Strümpfe nachdachte, erbebte Melanie. Ihre Nippel wurden unter ihrem Pulli – einem blassblauen, mit Perlen besetzten Kaschmir-Cardigan, den sie über einer hautengen schwarzen Hose trug – zu eiskalten Knöpfen. Ihr Outfit war für dieses kalte Wetter zwar viel zu dünn, aber Melanie konnte es nicht ertragen, ihr Styling durch einen Mantel zu verschandeln, vor allem dann nicht, wenn es im Haus nebenan von Tischlern und sonstigen Handwerkern nur so wimmelte.

Das Haus wurde zu einem Museum für lokale Geschichte umgebaut, und bei den Arbeiten gab es viele Überstunden, da sie abgeschlossen sein sollten, bevor die schweren Schneestürme über die Stadt hereinbrachen. Im Moment wimmelte es auf dem Bürgersteig nur so von Männern, und einer sah besser aus als der andere. Alle waren groß, muskulös und unglaublich gut aussehend. Sie trugen ihre inoffizielle Uniform: ausgeblichene Jeans und frisch gewaschene weiße T-Shirts, Flanellhemden und Jeansjacken, dazu Arbeitsstiefel und hier und da einen schlichten goldenen Ohrring oder eine Tätowierung. Sie rochen nach frisch gewaschener Baumwolle, Rasierschaum und Zahnpasta mit Pfefferminzgeschmack. Einige hatten ordentlich gestutzte Bärte, andere waren glatt rasiert. Und alle starrten Melanie an, als wäre sie eine junge Jane Russell und direkt aus einem alten Film entsprungen.

»Guten Morgen, Jungs«, trällerte sie, winkte und sah sie mit einem Schmollmund an, der sich schnell in ein strahlendes Lächeln verwandelte. Die Männer stolperten und stießen wie eine Herde aufgescheuchter Bullen gegeneinander. Mit wenigen Ausnahmen wäre jeder dieser leckeren Kerle ideal für ein Wochenende voller Gymnastikübungen, zumindest nach Melanies Meinung, aber im Geiste war sie noch immer auf ihren imaginären Winterliebhaber fixiert. Sie wollte jemanden, mit dem sie zusammenbleiben konnte, bis der Frühling anbrach.

Nachdem sie die Ladentür aufgeschlossen hatte, nahm sie die Ruhe des frühen Morgens in sich auf. Bis zum Mittag wäre es hier gerammelt voll. An Wochentagen kamen die Hausfrauen aus den Vorstädten und umliegenden Dörfern in die Stadt, um nach Unterwäsche und Spielzeugen Ausschau zu halten, mit denen sie ihr Sexleben aufpeppen konnten. Neben der Secondhand-Kleidung bot das Chimera neuerdings auch brandneue Tag- und Abendgarderobe für Frauen an, die nicht das Geld hatten, um sich Designerkleidung leisten zu können, nicht die Zeit, um sich darum zu kümmern, oder den Platz, um diese aufzubewahren. Es war eine Schande, dass das rasante moderne Leben einem keine Zeit mehr ließ, Mode zu sammeln, und dass die Kleiderschränke in den modernen Häusern derart klein waren, dass man gerade mal die Kleidung für eine einzige Saison, aber nicht etwa für vier, darin unterbringen konnte. Doch als praktische Geschäftsfrau wusste Melanie, dass sie ihr Warenangebot an den Lebensstil ihrer Kundinnen anpassen musste.

Vor drei Wochen hatte Melanie sich erlaubt, den Laden neu zu dekorieren. Die hintere Mauer und eine der daran angrenzenden Wände waren jetzt in einem dramatischen Pflaumenton gestrichen, wodurch es schien, als sei der Raum in verschiedene Abteilungen aufgeteilt. Großformatige Spiegel ließen das Geschäft weitläufiger wirken, und eine von Melanies Verkäuferinnen hatte deren Ränder mit Metallfarbe besprenkelt, um die Ränder auffälliger wirken zu lassen. Im lilafarbenen Abschnitt wurden die neue Lingerie, die Abendkleidung und die Spielzeuge präsentiert, wobei sich Letztere in einer Art Alkoven versteckten. In den ersten Tagen, in denen der Alkoven eingeführt worden war, hatte Melanie einen Sarong darübergehängt, den sie inzwischen jedoch mit einem Vorhang aus schillernden Perlen ersetzt hatte, was nicht mehr ganz so zurückhaltend wirkte.

Die restlichen Wände waren in Perlmuttweiß gestrichen, auf dem in dunklem Flieder mit einem Schwamm ein Muster aufgetragen worden war. Hier hingen ihre edleren Kleider, Textilien und Accessoires, und über den antiken Spiegeln waren üppige Bouquets aus getrockneten Rosen arrangiert. Die Kunden konnten eine Jeans oder ein enges Spandexkleid in der lilafarbenen Abteilung anprobieren und dann in den fliederfarbenen Abschnitt wechseln, um dort die dazu passenden Pullis, langen Handschuhe oder Strassohrringe anzuprobieren. Insgesamt wirkte der Laden durch die Umgestaltung größer, doch die mithilfe von Farbe und Spiegeln erzeugte Illusion konnte das eigentliche Problem nicht lösen: Ihr ging der Platz aus. Allein der Alkoven nahm jede Menge Raum ein, und sie hätte gern eine größere freie Fläche gehabt, in der sich die Kunden ungestört bewegen konnten, ohne Angst haben zu müssen, ständig ihre Nachbarn anzurempeln.

Jedes Mal, wenn sich Melanie im Laden umsah und die lebhaften, farbenfrohen Resultate ihrer Fantasie erblickte, bekam sie einen inneren Orgasmus. Und dennoch verging kein einziger Tag, an dem sie nicht an Lori Marwick dachte, die ihre beste Freundin, Geschäftspartnerin und die Besitzerin des alten viktorianischen Hauses war, in dem sich das Chimera befand. Lori lebte momentan ihre eigenen Fantasien in Europa aus, das sie mit ihrem heißen frisch angetrauten Ehemann Gavin bereiste, und schrieb dort ein Buch über erotische Fotografie. Aber Lori konnte ja nicht ewig in Europa bleiben … oder doch? Irgendwann würde sie zurückkommen, um ihr Haus und ihren Laden wieder für sich zu beanspruchen, und dann würde sie feststellen, dass ihre aufstrebende Geschäftspartnerin das Geschäft komplett umgekrempelt hatte.

Das Telefon klingelte, und sie verbannte die schuldbewussten Gedanken hinsichtlich Lori aus ihrem Kopf.

»Melanie? Hier ist Harrison Blake.«

»Harrison! Du hättest zu keinem besseren Zeitpunkt anrufen können.«

Harrisons Familie besaß seit mehr als einhundert Jahren die älteste Bank der Stadt, und er war Vorsitzender des Architektur-Planungsausschusses.

»Ich habe gute Neuigkeiten für dich«, sagte er mit bedeutungsschwangerer Stimme. Alles, was Harrison von sich gab, klang unglaublich wichtig, doch diesmal schien es besonders wichtig zu sein. »Du stehst auf der Tagesordnung für die Planungssitzung im Dezember. Für den Ausgang kann ich nicht garantieren, aber mal ganz unter uns gesagt, finde ich, dass dein Vorschlag sehr vielversprechend aussieht.«

Melanie stieß einen Triumphschrei aus. Ihre Anfrage, einen Seitenflügel am Haus anbauen zu dürfen, um dadurch mehr Platz zu schaffen, hatte sie in den letzten Monaten nervös gemacht. Doch wenn sie die Genehmigung erhielt, könnte sie den Alkoven in eines der Schlafzimmer im ersten Stock verlegen und so gleich zwei Probleme auf einmal lösen: Der Platzmangel wäre behoben, und sie könnte ihre neugierigen, aber noch nicht volljährigen Kunden davon fernhalten. Am späten Nachmittag musste Melanie nämlich momentan sehr viel Zeit in dessen Bewachung investieren, und es war wirklich nicht leicht, ihre jüngere Kundschaft von den erotischen Artikeln abzuschirmen. Wäre Morne Bay nicht derart engstirnig, was die einfachsten baulichen Veränderungen an Gebäuden, die über fünfzig Jahre alt waren, anging, dann hätte sie in diesem Haus schon längst eine Wand eingerissen.

»Das ist ja großartig, Harrison. Ich kann es kaum erwarten.«

»Mir gefällt insbesondere deine Idee, dass du mit dem neuen Museum zusammenarbeiten möchtest. Wenn du deinen Bestand an antiker Kleidung erhöhst, würde das ihr Anliegen perfekt ergänzen.«

»Es ergibt doch durchaus Sinn, dass ein Besuch im Museum die Touristen auf den Geschmack bringt, sich die entsprechende Kleidung zuzulegen. Wir kaufen den Großteil unserer Waren in der näheren Umgebung ein. Und man bekommt kein besseres Beispiel für die lokale Geschichte als die Kleidung, die die Menschen hier früher getragen haben.«

»Da bin ich ganz deiner Meinung. Ich denke, dass beide Parteien von deinem Ausbau profitieren würden. Daher möchte ich, dass du dich mit dem neuen Kurator des Museums, Nathaniel Wentworth, triffst. Er ist ein guter Wissenschaftler und denkt durchaus innovativ. Wir waren zusammen in Harvard.«

»Das würde mich sehr freuen«, erwiderte Melanie höflich, für die ein Treffen mit einem von Harrisons alten Collegefreunden allerdings ebenso spannend klang, als müsste sie ihren Badezimmerboden mit einer Zahnbürste schrubben. Dann senkte sie die Stimme und wandte sich von ihrer Verkäuferin Luna ab, die von der anderen Seite des Raumes aus versuchte, das Telefonat mit anzuhören. »Du solltest aber nicht davon ausgehen, dass du mir dank dieser Neuigkeiten entwischst, Harrison.«

»Oh nein, davon wäre ich niemals ausgegangen«, entgegnete dieser und lenkte die Unterhaltung damit in eine Richtung, in der Melanie die Oberhand hatte.

»Ich weiß, dass du den Analplug nicht gern in der Öffentlichkeit trägst, aber du kannst mir glauben, dass du das Endergebnis lieben wirst. Man braucht schon einen gewissen Mut, um seine Fantasien auszuleben.«

Melanie lächelte, als sie an diesen seltsamen Nachmittag vor einigen Wochen zurückdachte. Harrison war in den Laden gekommen, um nach einem Geschenk für seine Frau Ausschau zu halten. Melanie hatte ihn beraten, und schließlich hatte er eine Brosche aus miteinander verwobenen Rubinen und Perlen erstanden, doch als sie diese für ihn in Geschenkpapier verpackte, gestand ihr Harrison, der dabei einige Male peinlich berührt räuspern musste, dass er sich außerdem gern selbst etwas im Alkoven aussuchen würde. Sobald sie hinter dem Perlenvorhang standen, gab er sein erotisches Geheimnis preis: Er träumte schon seit vielen Jahren davon, von einer dominanten Frau dazu gezwungen zu werden, einen Analplug zu tragen. Und so hatte sie sich bereit erklärt, ihm dabei zu helfen, sich nach und nach an das Gefühl eines Fremdkörpers zu gewöhnen, bis er schließlich an dem Punkt war, dass er diesen in der Öffentlichkeit tragen konnte.

Harrison war ziemlich gut aussehend, wenn man auf den geradlinigen Bankertypen stand, aber auf Melanie hatte er schon immer ebenso erotisch gewirkt wie ein Telefonmast. Daher erstaunte es sie umso mehr, dass er eine derart heiße Fantasie besaß. Harrisons zierliche Frau passte nun wirklich nicht in die Rolle der autoritären Analplug-Instruktorin, daher war Melanie letzten Endes bereit, diesen Part für ihn zu übernehmen. Zuerst hatte sie ihm in einer privaten Sitzung gezeigt, wie er den Plug in seinen unglaublich sauberen, fest zusammengepressten Hintern einführen konnte. Danach erhielt er von ihr eine Einweisung, die unter anderem besagte, dass er den Plug an diesem Tag noch eine Weile zu tragen hatte und dies später auch in Situationen tun sollte, die das Risiko einer unangenehmen Enthüllung mit sich brachten. Er hatte Fortschritte gemacht und den Plug zunächst nur getragen, wenn er alleine zu Hause war, und später auch, wenn er zusammen mit seiner Frau beim Abendessen saß. Jetzt konnte er sogar schon einen Abendspaziergang in der Nachbarschaft machen oder Lebensmittel einkaufen gehen, während sich der Plug an seine Prostata drückte und ihm ein schöneres Gefühl schenkte, als er es sich je hätte träumen lassen.

»Weißt du, Harrison«, meinte Melanie, »es wäre doch der perfekte Abschluss deines Trainings, wenn du ihn beim Treffen des Planungsausschusses trägst, bei dem ich meinen Vorschlag unterbreite. Das wäre ein siegreicher Tag für uns beide.«

Harrison stimmte zu, und nachdem sie die Unterhaltung beendet hatten, waren sie beide gleichermaßen aufgeregt. Melanie stellte fest, dass ihr das Dominieren deutlich besser gefiel, als ihr jemals klar gewesen war. Sie mochte es, aufgeblasenen Männern wie Harrison sagen zu können, was sie zu tun hatten, zu spüren, wie sie aufgrund ihrer geschickten Manipulation in Fahrt kamen und lockerer wurden. Sie selbst hatte gar eine eigene Fantasie entwickelt, in der sie Harrison den Hintern versohlte, der ebenso glatt und fest war wie ein grüner Apfel, während er für sie den Plug trug. Ein klassischer maskuliner Po wie der von Harrison schrie doch förmlich danach, mit einem Holzstab, einem Ast oder sogar einem antiken Lineal versohlt zu werden. Vielleicht würde sie ihm das als Nächstes vorschlagen.

Später an diesem Morgen überließ sie den Laden ihrer Verkäuferin und ging nach nebenan, um sich das Vorankommen der Bauvorhaben im neuen Museum anzusehen und – noch viel wichtiger – die Bauarbeiter in Augenschein zu nehmen. Während sie sich einen Weg durch die herunterhängenden Plastikbahnen, die aufgetürmten Holzberge und die Eimer und Werkzeuge tragenden Männer bahnte, erspähte Melanie den König des regsamen Bienenhaufens. Er war noch attraktiver als alle anderen, hatte espressobraune Augen, einen schwarzen Spitzbart und einen wirklich bemerkenswerten Bizeps, der sich deutlich unter den Ärmeln seiner Jeansjacke abzeichnete. Auf dem schwarzen Haar trug er einen Bauarbeiterhelm, und bevor Melanie auch nur den Mund aufmachen konnte, hatte er ihr einen identischen Helm auf den Kopf gesetzt.

»Hey!« Melanie starrte ihn unter dem Plastikrand hervor an. »Ich trage keine weißen Hüte. Und ganz bestimmt nicht im November.«

»Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass Sie hier eine schwere Schädelverletzung erleiden«, knurrte er und beäugte ihre Brüste unter ihrem engen Pulli. »Was zum Teufel haben Sie hier eigentlich zu suchen? Sie sehen nicht aus wie eine unserer kleinkarierten Museumsdirektorinnen.«

Melanie konnte nicht widerstehen und verfiel in ihren dominanten Tonfall. »Was für eine unhöfliche Begrüßung! Aber da Sie es erwähnen: Ich trage im Allgemeinen nicht einmal kleinkarierte Unterwäsche«, erwiderte sie schnippisch. »Und nein, ich gehöre nicht zu den Direktorinnen. Ich leite die Boutique nebenan.«

Er grinste und schob die Daumen in seinen Werkzeuggürtel. »Dann sind Sie also die Kleine, von der alle reden. Die, die den Sexshop aufgemacht hat.«

»Ich werde Ihnen Ihre Vulgarität verzeihen, da Sie einen Bauhelm tragen«, fauchte Melanie. »Das Chimera kann man wohl kaum einen ›Sexshop‹ nennen. Es ist ein einzigartiges Geschäft, das nur die feinste und beste Secondhand-Kleidung anbietet. Und seit Kurzem führen wie auch einige andere Waren im Sortiment.«

»Wie Sexspielzeug.«

»Ja. Aber wir sind kein schmieriger Laden in einer Seitengasse, und ich wähle die Artikel persönlich aus.«

»Und vermutlich testen Sie sie auch persönlich.« Er grinste breit.

»Die Spielzeuge sind nicht für mich, sondern für meine Kunden. Ich versuche, nur Dinge ins Sortiment aufzunehmen, die ihre Fantasie anregen und ihnen helfen zu entdecken, wer sie sexuell eigentlich sind.«

»Vielleicht könnten Sie mir in dieser Hinsicht ja auch mal behilflich sind.« Der Vorarbeiter zwinkerte seinen Leuten zu. Melanie blickte über die Schulter und erkannte, dass sich einige grinsende Männer um sie herum versammelt hatten und ihrer Unterhaltung lauschten.

»Ich bin mir sicher, dass Sie in dieser Hinsicht Hilfe gebrauchen könnten, aber das ist nicht der Grund, aus dem ich hergekommen bin. Ich möchte übers Geschäft sprechen.«

»Verdammt. Und ich hatte gehofft, Sie würden uns Ihre Waren vorführen. Geht wieder an die Arbeit, Männer«, ordnete er an. »Die Dame ist aus geschäftlichen Gründen hier.«

Nachdem sich die Männer wieder zerstreut hatten, lächelte Melanie den groß gewachsenen Schwarzhaarigen an. »Ich mache keine öffentlichen Vorführungen, aber ich wäre vielleicht geneigt, Ihnen irgendwann mal eine private Demonstration zu geben.«

»Jederzeit. Mein Name ist übrigens Dean DaSilva.«

»Ich bin Melanie Paxton, und ich weiß bereits, wer Sie sind. Sie haben einige der besten Sanierungsjobs im ganzen Staat gemacht.«

»Das sehe ich genauso.«

Sie reichten sich die Hand. Deans Hand fühlte sich an wie ein Sandstein, der sehr lange in der Sonne gelegen hatte: fest, warm und ein wenig rau. Melanie stellte sich vor, wie es sich anfühlen würde, wenn er damit ihre Brüste umfing oder ihre Oberschenkel massierte. Wie die meisten seiner Männer trug er einen einzelnen goldenen Ohrring. Ohne den Bauhelm und die Jeansjacke hätte er ausgesehen wie ein erwachsener, aber immer noch unartiger Junge.

Melanie seufzte und leckte sich über die Lippen, während Dean sie anstarrte und unverhohlen von oben bis unten musterte. Ihr war klar, dass sie jetzt etwas sagen musste, damit sie ihn nicht einfach auf höchst unzivilisierte Weise ansprang.

»Ich wollte Ihnen nur sagen, wie sehr ich die Arbeit bewundere, die Sie hier leisten. Aus diesem Grund bin ich überhaupt heute hergekommen«, sagte sie nervös. »Ich habe vor, mein Geschäft im Frühling zu erweitern, und ich habe mich gefragt, ob Sie und Ihre Männer vielleicht zur Verfügung stünden?«

»Ihr Geschäft ist in dem alten Haus nebenan, nicht wahr?«

»Genau.«

»Und Sie wollen anbauen?«

»Stimmt.«

Dean schüttelte den Kopf. »Viel Glück.«

»Wie meinen Sie das? Wollen Sie mir etwa nicht helfen?«

»Zeigen Sie mir eine Baugenehmigung, dann reden wir weiter«, entgegnete er abwehrend. »Wenn das Museum fertig ist, wird jedes Gebäude in der Nähe als geschichtliches Denkmal eingestuft werden. Heute in sechs Monaten werden Sie nicht mal mehr in der Lage sein, auch nur einen neuen Zaunpfahl aufzustellen, ohne dass Sie dazu eine notariell beglaubigte Genehmigung benötigen.«

»Zufälligerweise werde ich nächsten Monat vor dem Planungsausschuss der Stadt sprechen, und ich rechne fest damit, dass man mir die Zustimmung zu meinem Vorhaben erteilt.«

»Darauf sollten Sie sich lieber nicht verlassen.«

»Was soll das heißen?«

»Hören Sie, Melanie, nach allem, was ich gehört habe, sind Sie hier sehr beliebt. Aber ich bin in einem Fischerdorf an der Küste aufgewachsen, und ich weiß, wie Kleinstädte so sind. Eine Frau, die so offen mit dieser Art von Dingen umgeht wie Sie, wird schnell als böses Mädchen abgestempelt, und böse Mädchen kommen nun mal nicht weit.«

Erschrocken machte Melanie einen Schritt nach hinten und wäre fast über einen Farbeimer gestolpert. »Ich kenne diese Gemeinde sehr viel besser als Sie, und die Leute hier sind bei Weitem nicht so engstirnig, wie Sie denken. Sie sind schließlich meine Kunden. Und sie haben lange auf ein Geschäft wie meins gewartet.«

Dean lachte. »Oh, verstehen Sie mich nicht falsch, die Leute interessieren sich natürlich immer für Sex. Aber tief im Inneren haben sich Städte wie diese seit den 1950ern nicht verändert. Vielleicht sogar seit den 1850ern nicht.«

»Sie haben ja keine Ahnung, wovon Sie reden«, stieß sie erbittert hervor.

Dean lächelte und wandte sich wieder seiner Arbeit zu, womit er ihr deutlich zu verstehen gab, dass er keinen Sinn darin sah, diese Unterhaltung fortzusetzen. Als er sich vorbeugte, um eine Bohrmaschine aufzuheben, rutschten ihm Jacke und Hemd den Rücken hinauf, sodass Melanie einen Blick auf die harten Muskeln unter seiner olivfarbenen Haut werfen konnte. Entlang seiner Wirbel war ein mit grausamen Mustern verzierter Dolch eintätowiert. Obwohl Melanie bei diesem Anblick tief Luft holen musste, hatte sie sein freches und abweisendes Lächeln doch sehr verärgert.

»Sie sollten Ihre Haltung lieber ändern, Dean, denn in sechs Monaten werden Sie für mich arbeiten.«

Darauf reagierte er mit einem langen, anzüglichen Blick. Sein Schnurr- und sein Spitzbart umrahmten einen Mund mit vollen, breiten und sinnlichen Lippen – den sie am liebsten sofort geküsst hätte.

»Warum sollen wir sechs Monate warten? Ich könnte schon heute Nacht für Sie arbeiten.«

Melanies erster Impuls war, ihm eine niederschmetternde Abfuhr an den Kopf zu schleudern. Aber sie hatte nun mal eine Schwäche für arrogante Männer, und sie glaubte, in diesem hier Potenzial für eine Rehabilitierung zu erkennen. Er ging an ihr vorbei, als wolle er wieder an die Arbeit gehen, doch als sein Körper den ihren streifte, war ihr klar, dass dieser Körperkontakt nicht zufällig geschehen war. Als würde er sie wie ein Magnet anziehen, folgte sie ihm über das Minenfeld aus Farbeimern und aufgetürmten Zementsäcken.

»Um wie viel Uhr heute Abend?«, rief sie ihm nach, als er hinter einer der herunterhängenden Plastikbahnen verschwand.

Er zog den Plastikvorhang beiseite. »Ich hab um sechs Feierabend. Danach muss ich noch nach Hause und duschen.«

»Sechs Uhr ist super«, entgegnete Melanie. »Duschen müssen Sie wirklich nicht.«

Als sie das Chaos der Männerdomäne verließ und in die feminine Zuflucht ihres Ladens zurückkehrte, stahl sich ein teuflisches Grinsen auf ihre Gesichtszüge. Sie hoffte wirklich, dass Dean nicht vorher nach Hause ging und sich wusch, da sie den Schweiß seines langen Arbeitstages bereits auf ihrer Zunge schmecken konnte.

Den restlichen Tag durchlebte Melanie in einem Wirbelsturm unterschiedlicher Gefühle. In einem Moment war sie voller Vorfreude und Selbstsicherheit, wenn sie an das Planungstreffen dachte. Wenn sie dort keine Chance hätte, dann hätten sie sie doch gar nicht erst auf die Tagesordnung gesetzt. Zehn Minuten später fiel ihr Deans herablassendes Grinsen wieder ein, das seine Lippen bei seiner Aussage, er wisse, wie die Dinge in Kleinstädten so liefen, umspielt hatte, und ihre Aufregung verwandelte sich in Wut. Wenn er sehen könnte, wie sich Melanies Kunden veränderten, wenn sie ihr Geschäft betraten, wie ihre Gesichter zu glühen begannen, wenn sie die feinen Stoffe der Secondhand-Kleidung berührten und sich vorstellten, wie sie darin die Erfüllung ihrer Träume erlebten, dann hätte er einen kleinen Einblick in die Metamorphosen, die Melanie jeden Tag mit ansehen durfte.

Dieser Idiot, dachte Melanie, während sie hinter der Kasse auf und ab tigerte. Sie war so aufgewühlt, dass sie nicht einmal die neugierigen Blicke ihrer Verkäuferinnen bemerkte, die ihr diese verstohlen zuwarfen. Er hat ja keine Ahnung, worüber er da redet.

Immer wenn sie sich unsicher war, ob ihre Geschäftsideen wirklich Hand und Fuß hatten, musste Melanie nur zu ihrem Alkoven hinübersehen, um ihre Zweifel zu zerstreuen. Sie trat zu dem Perlenvorhang und zog ihn beiseite, nur um wieder einmal von Stolz erfüllt zu werden, wie immer, wenn sie einen Kunden in ihre magische Höhle begleitete. Auf den Regalen lagen Vibratoren, Plugs, Paddles und allerlei anderes Sexspielzeug in allen Regenbogenfarben. Die Materialvielfalt erstreckte sich von funktional bis exotisch – es gab Objekte aus Holz, Silikon und rostfreiem Stahl, aber auch aus Fell, Federn und schillerndem Plexiglas –, aber alle erfüllten nur einen einzigen Zweck: Sie sollten Lust erzeugen. Melanie sah sie als Juwelen, die aus dem Meer des Unterbewusstseins auftauchten, und sie war die Meerjungfrau, die diese Schatzkiste bewachte.

Dean DaSilva hatte ja keine Ahnung, wie es war, einem konservativen Banker seinen ersten Analplug zu verkaufen oder einem lesbischen Paar dabei zu helfen, den perfekten Doppeldildo auszuwählen. Er mochte vielleicht wissen, wer diese Menschen im öffentlichen Leben waren, aber Melanie kannte ihre Tagträume und ihre Fantasien beim Masturbieren und Liebemachen. Sie war nicht so naiv anzunehmen, dass diese öffentlichen und privaten Identitäten jemals komplett in Einklang zu bringen wären, dennoch weigerte sie sich, die Hoffnung aufzugeben.

Außerdem wurde sie in dieser Stadt nicht einfach nur toleriert, man betete sie regelrecht an. Zwischen dem Aufschließen heute Morgen und Ladenschluss am Abend erreichten sie zwei Anrufe von ortsansässigen Männern, von denen ihr einer eine ausgedehnte Sodomiesitzung anbot, während der andere sie zu Pizza und Eislaufen einlud. In ihrem E-Mail-Postkasten fand sie das Angebot eines Softwareingenieurs aus Boston, mit ihm über Weihnachten auf die Bahamas zu fliegen, und mehrere grammatisch fehlerhafte Liebesbeteuerungen von jugendlichen Verehrern mit Nicknames wie HawtDawg und SkaateRat.

Am besten war jedoch, dass Bridget Locke von der hiesigen Zeitung anrief und Melanie fragte, ob sie ein Interview für die Sonntagsausgabe machen könnte, das dann zusammen mit einem zweiseitigen Bericht über das Chimera und einem Farbbild der neuen Managerin erscheinen würde.

»Machen Sie Witze?« Melanie musste lachen. »Hören Sie mal, Bridget, es gibt drei Dinge, zu denen ich niemals Nein sage: heißer Sex, heiße Kleidung und gratis Werbung.«

Sie vereinbarten, dass Bridget das Interview im Chimera durchführen würde, und als es achtzehn Uhr wurde, war Melanies Optimismus wiederhergestellt. Im Frühling würde sie einen erfahrenen Bauunternehmer und eine Crew aus coolen Typen haben, die für sie arbeiteten. Allerdings musste sie bis dahin einen ansprechenderen Bauhelm finden. Weißes Plastik sah an einem Typen in Jeans und einem engen Baumwoll-T-Shirt noch ganz okay aus, passte aber nun wirklich nicht zu einer Frau, die gern klassische Modestücke trug.

Es wurde achtzehn Uhr, dann achtzehn Uhr dreißig. Melanie saß an ihrem Computer im kleinen Hinterzimmerbüro des Ladens und bearbeitete das Dokument, in dem sie ihre Vorstellungen für die Geschäftserweiterung ausgearbeitet hatte. Da war so viel, was es zu bedenken galt. Sobald sie die Genehmigung erhalten hatte, am Haus anzubauen, musste sie sich ein Darlehen von der Bank beschaffen, um die Kosten decken zu können. In dieser Hinsicht hoffte sie auf Harrison Blake, allerdings war er auch ein harter Verhandlungspartner, wenn er Geld verlieh. Derart in ihre Berechnungen versunken, vergaß Melanie für eine Weile die Zeit, bis ihr Magen knurrte und sie daran erinnerte, dass sie an diesem Abend eigentlich mit einem Leckerbissen erster Sahne gerechnet hatte.

Mit gerunzelter Stirn sah sie auf die Uhr. Diese Ratte. Sie hätte es sich ja denken können, dass er den Schwanz einkniff. Sie überlegte, ob sie den Mann anrufen sollte, der sie zum Pizzaessen und Eislaufen einladen wollte, vielleicht stand das Angebot ja noch. Allerdings war sie nicht gerade in der Stimmung, um auf einer Eislaufbahn Händchen zu halten. Da sie den ganzen Tag eine Achterbahn der Emotionen durchlebt hatte, war ihr jetzt mehr nach hartem, schmutzigem Spaß.

Um neunzehn Uhr beschloss sie, den Laden abzuschließen, nach Hause zu gehen und sich selbst mit dem neuen Vibrator zu verwöhnen, der heute als Testprodukt in der Post gewesen war. Diese schimmernde grüne Erfindung namens Meerjungfrau war so ausgearbeitet, dass sie die Klitoris einer Frau mit zwei winzigen Finnen liebkosen konnte, während die Schwanzflosse gleichzeitig ihren G-Punkt bearbeitete. Auf japanische Ingenieure war noch immer Verlass, wenn es um ausgeklügelte Befriedigung ging.

Als sie die schmale Treppe zu ihrer Wohnung in dem alten viktorianischen Haus emporstieg, in der sie schon seit Jahren wohnte, sah Melanie, dass an ihrer Tür ein zusammengefalteter Zettel klebte. Es war eine Nachricht ihrer Vermieterin, die sie daran erinnerte, dass ihre Miete am Monatsende fällig war, und die sich erkundigte, ob sie schon einen Auszugstermin festgelegt hätte.

Ausziehen? Melanie sank auf die oberste Treppenstufe und las die Nachricht im flackernden Licht der Sicherheitsleuchte ein zweites Mal.

Auch wenn Sie in den letzten Jahren eine völlig adäquate Mieterin gewesen sind, habe ich beschlossen, Ihren Mietvertrag nicht zu verlängern. Meine Schwester ist seit Monaten schwer krank und wird in Ihre Wohnung ziehen, damit ich mich um sie kümmern kann, während sie sich wieder von ihrer Krankheit erholt.

›Völlig adäquat?‹ Ungläubig sprach Melanie die Worte laut aus. Diese Wohnung war ihr Heim, sie hatte nicht nur ihre Zeit, sondern auch ihre Kreativität, ihre Fantasie und nicht zu vergessen sehr viel Geld in dieses Apartment investiert, um es in einen Schrein dunkler Sinnlichkeit zu verwandeln. Zwar hatte ihr ihre Vermieterin seit Tagen Nachrichten auf dem Anrufbeantworter hinterlassen, in denen sie sagte, dass sie sich mit ihr über das Mietverhältnis unterhalten wolle, aber Melanie war bisher davon ausgegangen, dass sie sie nur über eine Mieterhöhung in Kenntnis setzen wollte. Nicht einmal in ihren schlimmsten Albträumen wäre sie auf die Idee gekommen, dass man sie aus ihrer Wohnung werfen könnte.

Langsam zerriss Melanie die Nachricht in kleine Fetzen, die sie über das Geländer warf, sodass sie in der Dunkelheit verschwanden. Die Geschichte über die Schwester ihrer Vermieterin war von vorne bis hinten erlogen. Zufällig wusste Melanie, dass ihre Vermieterin keine Geschwister hatte, weder chronisch kranke noch sonst irgendwelche.

Sie stand auf und eilte die Treppe hinunter. So leicht würde sie ihr Zuhause auf keinen Fall aufgeben. Als sie in den schattigen Weg einbog, der zur Vordertür ihrer Vermieterin führte, trat eine mannsgroße Gestalt hinter einer Stechpalmenhecke hervor. Melanie kreischte auf. Die Gestalt lachte.

»Was ist los? Haben Sie unsere Verabredung etwa vergessen?«

»Ich habe sie nicht vergessen.« Melanie schluckte schwer. Sie erkannte Dean DaSilva, aber ihre Kehle war noch immer wie zugeschnürt. »Sie sind nicht aufgetaucht!«

»Das sehe ich anders. Ich warte schon seit einer halben Stunde und wollte gerade gehen, als ich sie auf dem Bürgersteig entdeckt habe.«

»Ich dachte, wir wollten uns im Laden treffen.«

»Ich war um halb sieben vor der Ladentür, aber da alles dunkel war, dachte ich mir, dass Sie schon nach Hause gegangen sind.«

»Woher wissen Sie, wo ich wohne?«

»Süße, jeder im Umkreis von zwanzig Meilen weiß, wo Sie wohnen. Sie sind eine Berühmtheit.«

»Diese Berühmtheit wird hier jedoch nicht mehr sehr viel länger wohnen. Ich habe soeben erfahren, dass mir mein Mietvertrag gekündigt wurde.«

»Das tut mir leid«, sagte Dean und musterte die schön verzierte viktorianische Fassade. »Das ist ein schönes altes Haus. So einen Klassiker würde ich gern mal in die Finger bekommen. Wieso hat man Ihnen denn gekündigt?«

»Meine Vermieterin hat sich eine halbgare Geschichte über eine kranke Schwester ausgedacht, um mich loszuwerden. Ich bin drauf und dran, mir einen Anwalt zu nehmen, aber zuerst werde ich mich mal mit dieser Hexe unterhalten.«

»Im Grunde genommen können Sie nicht viel dagegen tun, Melanie. Sie hat das Recht, mit ihrem Besitz zu machen, was immer sie will.«

»Und was ist mit mir? Ich habe als Mieterin ebenfalls Rechte. Und Sie klingen nicht sehr überrascht, dass das passiert ist.«

»Ehrlich gesagt überrascht mich das auch überhaupt nicht. Sie sind hier in der Gegend ziemlich umstritten.«

»Dann denken Sie also, sie hätte das Recht, mich rauszuschmeißen, nur wegen der Art, wie ich meinen Lebensunterhalt verdiene?«, wollte sie ungläubig von ihm wissen.

»Ich kann im Moment eigentlich so gut wie gar nicht denken, wenn Sie so gut aussehend vor mir stehen.«

»Seien Sie nicht so herablassend.«

»Ich bin nicht herablassend, ich bewundere Sie.«

Deans dunkle Augen glänzten im Licht des Vollmonds. Vor seinem Mund schwebten die Wölkchen, die sein Atem in der Luft erzeugte, und seine Lippen glichen einer verlockenden Versuchung.

Melanie seufzte. »Ich kann mich auch morgen noch mit meiner Vermieterin unterhalten.«

»Ich könnte mit ihr reden, wenn Sie möchten. Vielleicht helfen ein paar Muskeln dabei, sie davon zu überzeugen, dass sie einen Fehler macht.«

»In dieser Situation würde ich alles probieren.«

»Wirklich alles?«

Dean ergriff Melanies Schultern und legte ihr dann eine Hand um die Hüfte. Sie roch das Leder seiner Jacke, hörte das Knacken des Materials, spürte den festen Druck seiner Lippen und Finger. Er drückte ihr einen schnellen Kuss, eher ein Küsschen, auf den Hals, doch dieser reichte aus, um Melanies Libido wieder zum Leben zu erwecken.

»Gehen wir nach oben«, schlug Melanie vor.

»Was, kein Abendessen? Ich habe den ganzen Tag geschuftet und bin am Verhungern«, stöhnte er.

»Oh, Sie kriegen schon was zu essen. Machen Sie sich deswegen keine Sorgen.«

Melanie nahm Deans Hand und führte ihn die Treppe hinauf. Aufgrund ihrer Panik wegen der Kündigung und ihrer Lust auf den heißen Arbeiter hatte sie ganz vergessen, dass in ihrer Wohnung heilloses Chaos herrschte. Also führte sie ihn direkt in ihr Schlafzimmer, wo sie eine Reihe von Bienenwachskerzen anzündete und hoffte, dass das schwache Licht die Unordnung ein wenig verbergen würde. Die Bettwäsche hatte sie seit über einer Woche nicht gewechselt, und sie roch intensiv nach Eau de Melanie.

»Ich hatte in den letzten Wochen nicht sehr viel Zeit für den Haushalt«, gestand sie ihm.

»Sie haben ein ziemlich heißes Chaos angerichtet«, erwiderte Dean. »Dieses Zimmer gleicht dem schmutzigen Traum eines alten Mannes.«

Dean hob eine graue Seidenstrumpfhose und einen Spitzen-BH vom ungemachten Bett auf. In seinen großen Arbeiterhänden glich die Unterwäsche feinen Spinnweben. Er reichte sie Melanie und zog dann seine Lederjacke aus. Darunter trug er ein lockeres weißes Baumwollhemd mit offenem Kragen und eine schwarze Lederweste zu schwarzen Jeans und Stiefeln. Sein Ohrring glänzte vor seinem schimmernden schwarzen Haar. Im Kerzenlicht wirkte seine Haut wie mediterraner Honig. Er sah aus, als hätte er sich soeben aus ihrer wildesten Piratenfantasie manifestiert.

»Oh Mann«, raunte Melanie.

»Was ist denn?«

»Ich hätte nicht erwartet, dass Sie so verdammt gut aussehen.«

»Kommen Sie damit nicht klar, wenn ein Mann gut aussieht?«

»Doch, durchaus. Aber ich überlege gerade, wie es wohl sein wird, Ihr Boss zu sein. Wir haben noch nicht mal mit der Zusammenarbeit angefangen, und ich mache mich bereits der sexuellen Belästigung schuldig.«

Dean grinste. »Nur zu.«

Melanie legte die Hände auf Deans Brust. Sein Herz klopfte unter ihrer Handfläche. Er hatte ihre Bitte ignoriert und geduscht, aber seine Haut strömte einen Zimtduft aus, der fast noch besser war als Arbeitsschweiß. Sie ließ die Finger seitlich an der Brust zum Bauch hinuntergleiten, der ebenfalls bretthart war. Als sie an der silbernen Gürtelschnalle ankam, ergriff er ihre Handgelenke.

»Halten Sie mich ruhig für altmodisch«, sagte er, »aber ich bestehe auf ein wenigstens fünf Minuten langes Vorspiel in kompletter Bekleidung, bevor ich richtig zur Sache gehe.«

»Warum?« Melanie schmollte.

»Sobald mein Schwanz in Erscheinung tritt, ist eh alles vorbei.«

»Hab ich’s mir doch gleich gedacht. Sie sind ein eingebildeter Kerl.«

Es fiel Melanie schwer, die Worte zu formulieren, weil Dean an ihren Fingerspitzen saugte wie ein Mann, der versuchte, die letzten schmackhaften Bissen von einem Rippchen in Barbecuesauce abzubekommen. Melanie keuchte.

»Gefällt dir das?«, fragte er, ohne ihre Finger aus dem Mund zu nehmen.

»Für diese Lippen brauchst du einen Waffenschein«, neckte sie ihn.

»Ich fange gerade erst an. Warte nur, bis du siehst, was als Nächstes kommt.«

Auf einmal flog Melanie durch die Luft, als Deans Hände sie an der Taille packten. Sie landete mit dem Rücken auf dem Bett, während ihre Beine noch über die Bettkante baumelten. Dean kniete zwischen ihren Oberschenkeln und zog ihr die Schuhe aus, dann begann er, ebenso wunderbar an ihren Zehen zu saugen. Die Lust schoss ihr wie tausendfache Nadeln von den Füßen die Beine hinauf. Doch noch bevor sie sich an dieses Gefühl gewöhnen konnte, ließ er von ihren Füßen ab und zog ihr stattdessen die Hose hinunter. Dann ließ er sie ein wenig weiter vom Bett gleiten, sodass ihr Hintern gerade noch den Rand der Matratze berührte, spreizte ihre Beine und machte sich daran, ihre Muschi zu verwöhnen.

Noch nie in ihrem Leben war Melanie so inbrünstig geleckt worden. Dean nahm ihre ganze Vulva in den Mund, als wäre sie eine sonnengereifte Erdbeere, und saugte mit solcher Wonne daran, als wolle er sie verschlingen. Dabei legte er einen langsamen, pulsierenden Rhythmus vor, der sie fast in den Wahnsinn trieb. Die Intensität steigerte sich, aber bevor Melanie ganz den Höhepunkt erreicht hatte, drehte Dean sie um und widmete seine ganze Aufmerksamkeit ihrem Hinterteil. Während er ihren Anus mit der Zunge liebkoste, ließ er die Finger in ihre Muschi gleiten, vermied es jedoch, ihre ohnehin schon überempfindliche Klit zu berühren.

Melanie zog sich den Pulli und den BH hoch und knetete ihre Nippel synchron zur Bewegung von Deans Zunge. Sie hörte sich selbst stöhnen, doch ihre Stimme klang fremd, fast wie das Jaulen einer Wölfin. Trotz ihrer Wonne war sie sich schwach der Tatsache bewusst, dass Dean sie beobachtete. Als sie hinunter in seine dunklen, glänzenden Augen sah, stieß er den Daumen ganz in sie hinein und beschmierte ihre Klit dann mit ihrem Saft. Das wiederholte er immer wieder und wieder, wobei er ihr die ganze Zeit in die Augen sah. Sie reagierte mit einem Orgasmus, der seine Hand fast bis zum Handgelenk einsaugte. Sein Gesicht hob sich von ihren Oberschenkeln, und sein schwarzer Ziegenbart glänzte, da er über und über mit ihrem Saft beschmiert war. Sein Mund war von der Anstrengung ganz rot geworden, und seine Lippen teilten sich zu einem verschmitzten Grinsen.

»Ich hätte nie gedacht, dass ein Pirat so gut im Oralsex sein könnte«, stöhnte Melanie, die sich noch immer nicht ganz von ihrem Orgasmus erholt hatte.

»Dann hältst du mich also für einen Piraten?« Dean lachte. Er stand auf, zog sich die Weste aus und knöpfte dann sein weißes Hemd auf. Seine Brust und sein Bauch sahen umwerfend aus, sie waren an genau den richtigen Stellen mit Muskeln bepackt, doch sein Torso war von der schlanken Zähigkeit eines Mannes, der sich durch die Arbeit und nicht durch Training fit hielt.

»Du kommst zumindest verdammt nah an einen ran«, meinte Melanie.

»Ich enttäusche dich nur ungern, aber ich komme aus einer Familie mit einem langen Stammbaum aus gesetzestreuen portugiesischen Fischern.«

Er öffnete den Gürtel und die Knöpfe seiner schwarzen Jeans. Sein darin gefangener Schwanz war lang und wirkte ebenso tödlich wie das Dolchtattoo auf seinem Rücken. Im flackernden Kerzenlicht sah sein Penis aus, als wäre er aus poliertem Kupfer.

»Das sieht für mich aber durchaus aus wie der Schwanz eines Piraten«, neckte ihn Melanie. »Bist du dir ganz sicher, dass ich dir trauen kann?«

»Du kannst mir in der Hinsicht trauen, dass ich dir Vergnügen bereiten werde. Das ist doch schon mal ein Anfang.«

Dean stülpte ein Kondom über seine riesige Erektion und glitt in sie hinein. Langsam stieß er mit den Hüften vor und pumpte sich in sie hinein mit der Entschlossenheit eines Mannes, der seinen Job durch und durch genießt. Nachdem er sie so fast bis zum Orgasmus gerammt hatte, drehte er sich mit ihr um, sodass sie nun auf ihm lag und ihn ansah, und dann sah er ihr tief in die Augen, während er sich selbst zum Höhepunkt brachte. Als er kam, biss er die Zähne zusammen, warf den Kopf in den Nacken und enthüllte ihr so seinen muskulösen Hals.

»Du bist einer der heißesten Männer, die ich je unter mir hatte«, murmelte Melanie und streichelte die seidigen schwarzen Haare auf seiner Brust, bis er sich wieder unter Kontrolle hatte. »Du wirst eine ständige Verlockung sein, wenn du in meiner Nähe arbeitest.«

»Bist du wirklich so zuversichtlich, dass dir der Anbau genehmigt wird?«

»Ich wüsste nicht, warum sie es mir verweigern sollten«, erwiderte sie, rollte sich von ihm herunter und machte es sich in seinem Arm bequem. »Wir könnten morgen damit anfangen, die Pläne auszuarbeiten.«

»Mir ist klar, dass du eine starke Frau bist, Melanie. Du gehst deinen Weg, das muss ich dir lassen.«

»Aber?«

»Aber ich bin Realist. Und ich werde keine Pläne ausarbeiten, solange ich keine Genehmigung gesehen habe.«

»Wenn du dieses Blatt Papier in meiner Hand siehst, wirst du dann deine Meinung über die Menschen in dieser Stadt ändern?«

»Vermutlich nicht, aber dann werde ich die Pläne für dich zeichnen.«

»Kommst du wenigstens mal vorbei und siehst dir meinen Laden an?«

»Bevor du keine Genehmigung hast, wäre das sinnlos.«

»Arrogant und dickköpfig«, meinte Melanie traurig. »Wo bleibt dein Sinn für Abenteuer?«

»Mit Abenteuern kann man keine Rechnungen bezahlen, meine Liebe. Zumindest nicht bei einem gewöhnlichen Kerl wie mir.«

Melanie seufzte. Das Problem mit den Männern hier war, dass es einfach zu viele Fischer und viel zu wenig Piraten gab.

Sobald Melanie am nächsten Morgen hörte, dass ihre Vermieterin unten auf den Beinen war, kletterte sie aus dem Bett und machte sich bereit für die Konfrontation. Die andere Seite des Bettes war leer – Dean hatte sich früh am Morgen davongeschlichen, ohne auch nur eine Nachricht zu hinterlassen. Der Kerl war so heiß, wie man es sich nur wünschen konnte, und er war ein großartiger Liebhaber, aber er hatte rasch sein wahres Gesicht gezeigt, und darin waren deutlich die Anzeichen für »Heuchler« und »Feigling« zu erkennen gewesen.

Melanie duschte und zog sich dann einen maßgeschneiderten Hosenanzug aus den 1940ern an, der auch Joan Crawford gut gestanden hätte. Dazu trug sie Schuhe mit sieben Zentimeter hohen Absätzen, um etwas an Größe zu gewinnen, und dann ging sie die Treppe hinunter, um sich Paulette Winters zu stellen, von der sie wusste, dass sie sich jetzt in ihrer Küche aufhielt, um die erste Tasse Kaffee des Tages zu trinken.

Paulette war bei Weitem nicht die »alte Hexe«, als die Melanie sie bezeichnet hatte, sondern eine attraktive Frau Anfang fünfzig. Vor fünfzehn oder zwanzig Jahren musste sie eine umwerfende schwarzhaarige Granate gewesen sein, und ihr Sohn Neil hatte ihr gutes Aussehen geerbt. Vor einigen Monaten hatte Melanie eine heiße Affäre mit Neil gehabt, die jedoch zu Ende ging, als er zum College ging und wegzog. Als er Morne Bay verlassen hatte, hatte er ihr ewige Liebe geschworen, aber sie war dennoch nicht überrascht gewesen, als seine E-Mails und Anrufe nach sechs Wochen immer seltener wurden. Neils Mutter war vermutlich immer noch stinksauer wegen dieser Affäre. Möglicherweise warf sie Melanie auch einfach nur aus Rachsucht raus.

An jedem anderen Tag wäre Melanie einfach zu Paulettes Küchentür gegangen und hätte wie eine freundliche Mieterin geklopft. Heute ging sie jedoch zur Haustür und hämmerte dagegen wie ein Durchsuchungskommando. Sie rechnete damit, dass Paulette mit müden Augen und verwirrt darüber, so früh Besuch zu bekommen, zur Tür geeilt käme, doch auch nachdem sie dreimal geklopft hatte, machte ihr niemand auf. Schließlich gab Melanie auf und beschloss, zur Küchentür zu gehen. Paulette hatte eine Schwäche für Dekoobjekte im Countrystil und vor das Fenster ihrer Hintertür eine blaue rustikale Baumwollgardine gehängt. Die einzelnen Vorhänge wurden mit weißen Bändern seitlich befestigt, sodass Melanie ihre Vermieterin durch die Öffnung hindurch erkennen konnte.

In all den Jahren, die Melanie jetzt schon in diesem Haus lebte, hatte sie keine Beweise dafür entdecken können, dass Paulette so etwas wie einen Geschlechtstrieb besaß. Soweit sie wusste, hatte es nie irgendwelche nächtlichen Besucher gegeben, keine anonymen Päckchen in braunem Papier waren hier angeliefert worden. Wenn Paulette Winters prüde war, so war sie dies anscheinend durch und durch. Doch als Melanie jetzt durch das Fenster sah, erblickte sie ihre Vermieterin in der wohl erstaunlichsten Pose, die sie sich je hätte vorstellen können, und wusste, dass sie die ältere Frau drastisch unterschätzt hatte.

Über dem Küchentresen hatten immer einige antike Kupfertöpfe und -pfannen gehangen. An diesem Morgen hing jedoch etwas weitaus Interessanteres als ein Kochtopf an einem dieser Haken – nämlich Paulette Winters selbst. Ihre Handgelenke waren mit einem Küchenhandtuch gefesselt und an den Haken gebunden, und sie saß auf der Arbeitsplatte. Ihr flauschiger weißer Bademantel stand offen und enthüllte ihre kleinen Brüste mit dunklen Warzen, die für eine Frau in den Fünfzigern noch immer relativ fest und knackig wirkten. Da sie die Arme über den Kopf strecken musste und ihre Hände an dem Haken gefesselt waren, ließen sich ihre Brüste nun in voller Pracht bewundern. Die dunklen Nippel waren von einer sehr talentierten Zunge bis aufs Äußerste erregt worden … Und zwar von derselben Zunge, die in der vorangegangenen Nacht durch Melanies höchst sensible Hügel und Täler gewandert war.

Dean DaSilva hockte auf den Knien und leckte Paulettes Muschi, die sie ihm weit geöffnet darbot. Sie hielt ihre Oberschenkel so weit gespreizt, wie es nur ging, und die Füße hinter seinem Rücken verschränkt. Durch Paulettes funkelnde Fensterscheibe konnte Melanie das Dolchtattoo auf seinem Rücken deutlich erkennen, und es zitterte, während er sein Frühstück aus einer sehr erfahrenen Muschi genoss. An der Art, wie Paulette den Kopf in den Nacken geworfen hatte, sodass ihr von grauen Strähnen durchzogenes langes Haar bis auf die Resopalarbeitsplatte herabfiel, konnte Melanie erkennen, dass sich Dean bei ihr ebenso große Mühe gab, wie er es am vorangegangenen Abend bei ihr selbst getan hatte – wenn nicht sogar noch mehr.

Sie wusste nicht, ob sie lachen, schreien oder einfach die Tür öffnen und sich ihnen anschließen sollte. Das konnte nicht das erste Mal sein, dass Paulette Winters einen der Topfhaken für diese Zwecke missbrauchte. Vermutlich sah sie andächtig Martha Stewart’s Kochshow und machte sich Notizen, wie sie die verschiedenen Haushaltsgeräte für diverse andere Zwecke verwenden konnte. Und ausgerechnet sie besaß die Frechheit, so zu tun, als wäre Melanie nicht gut genug, um unter ihrem Dach zu wohnen!

Melanie riss die Tür auf und stürmte ins Zimmer. Dann stand sie wie ein Sheriff aus einem Spaghettiwestern breitbeinig mitten in der altertümlichen Küche. Paulette, die soeben einen unglaublichen Orgasmus hatte, schien nicht einmal zu bemerken, dass ihre Mieterin sie dabei beobachtete, und Dean, der weiterhin begierig an Paulette leckte, bekam ohnehin nichts mit. Erst als Melanie mit dem Fuß auf den Boden stampfte, wirbelte Dean herum und erblickte sie. Seine Lippen und sein Bart waren benetzt mit dem Saft ihrer Vermieterin, und sein Blick wirkte so finster und schuldig wie der eines Hundes, den man mit der Nase im frischgebackenen Kuchen erwischt hatte.

»Anscheinend hast du dich tatsächlich mit Mrs. Winters über meinen Mietvertrag unterhalten, Dean«, meinte Melanie. »Konntest du sie davon überzeugen, mich nicht rauszuschmeißen, oder hält sie mich noch immer für eine größere Schlampe als sich selbst?«

Paulette kam nun langsam wieder zu sich und versuchte, sich vom Haken zu befreien. Ihre Haut war noch immer gerötet von ihrem Orgasmus, und dass sie jetzt derart peinlich berührt war, intensivierte den Farbton noch zusehends. Doch der gute alte Dean, der aus einer Fischerfamilie stammte und ein erfahrener Handwerker war, hatte die Knoten so fest gebunden, dass sie sie einfach nicht selbst lösen konnte. Dean stand auf und zog sich sein Hemd an. Langsam begann er, es zuzuknöpfen. Seinem spöttischen Gesichtsausdruck nach zu urteilen, schien er die ganze Situation unglaublich zu genießen.

»Ich kümmere mich nur ums Geschäft, Melanie«, erklärte Dean. »In der Stadt gibt es viele Frauen, die meine Dienste benötigen. Sei also nicht eifersüchtig, wenn ich meine Liebe gleichmäßig verteile, Süße.«

»Eifersüchtig?«, schnaubte Melanie. »Machst du Witze? Es ist mir völlig egal, ob du deine ›Dienste‹ jeder Frau an der Ostküste anbietest, Dean. Ich bin nur erstaunt, dass du einen derart breit gefächerten Geschmack hast. Noch vor drei oder vier Stunden hast du mich fast aufgefressen wie ein Verhungernder, der gerade ein Filet Mignon in die Finger bekommen hat. Was ist passiert? Bist du aufgewacht und hattest auf einmal Appetit auf Dörrfleisch?«

Paulette stieß ein beleidigtes Stöhnen aus, und Melanie wünschte sich, sie hätte diesen grausamen Witz lieber nicht gemacht. Sie konnte es der Frau nicht verdenken, dass sie sich Dean hingegeben hatte – und dabei war dieser bis jetzt noch nicht so höflich gewesen, sie aus ihrer peinlichen Lage zu befreien und sie loszubinden. Melanie stellte sich kerzengrade hin und legte die Hände auf die Hüften.

»Eigentlich habt ihr mir beide in diesem Moment einen Riesengefallen getan«, fuhr sie fort. »Paulette, Sie haben es mir sehr leicht gemacht, dieses Haus zu verlassen, das seit Jahren mein Zuhause gewesen ist. Ich möchte keiner Heuchlerin Miete zahlen, daher ziehe ich nur zu gern aus, wenn mein Mietvertrag ausgelaufen ist. Und Dean, du hast es mir erspart, dass ich noch weitere Energie auf dich vergeude. Innerhalb von vierundzwanzig Stunden hast du bewiesen, dass du nicht vertrauenswürdig und nicht zuverlässig bist und dass du Frauen keinerlei Respekt erweist. Du bist der letzte Mann auf der Welt, den ich für mich arbeiten lassen würde.«

Mit diesen Worten drehte sie sich auf ihren hohen Absätzen um und verließ Paulettes Küche zum allerletzten Mal. Ein neuer Anfang war immer etwas Aufregendes, selbst wenn er durch den Orgasmus einer anderen Frau in Gang gesetzt worden war.

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