Logo weiterlesen.de
Geisterhauch: Unheimlicher Roman

Alfred Bekker, W. A. Hary

Geisterhauch: Unheimlicher Roman

Cassiopeiapress Spannung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Geisterhauch

Alfred Bekker und W. A. Hary schrieben als Ashley Parker

Der Umfang dieses Buchs entspricht 101 Taschenbuchseiten.

Als die arbeitslose Judith Carmichael von ihrem Arbeitsvermittler unverhofft eine gut bezahlte Stelle als Bibliothekarin auf Herford Castle angeboten bekommt, die sie unverzüglich antreten soll, zögert sie zuerst. Doch dann nimmt sie das Angebot an. Schließlich braucht sie das Geld, aber auch ihre Neugierde ist groß, denn erst in der Nacht zuvor hatte sie im Traum diese Vision von einem geheimnisvollen Schloss im Nebel gehabt, von einem unbekannten Mann, der ihr doch so vertraut war – und von einem Fluch, der auf den Nachfahren des Hauses Herford lag, die allesamt eines grauenvollen Todes starben …

1

Judith Carmichael wälzte sich unruhig in ihrem Bett. Ein Alptraum quälte sie. Dabei wusste sie gar nicht, dass sie dies alles nur träumte. Es war alles so schrecklich realistisch.

Oder war das gar kein Traum, sondern eine Art Vision?

Sie sah ein Gebäude, vom Nebel verhangen. Deshalb waren zunächst keine Einzelheiten erkennbar. Sie spürte, dass mit diesem Gebäude etwas nicht stimmte. Es war, als hätte es eine Art Eigenleben! Unsichtbare Augen schienen sie misstrauisch zu belauern.

Aber sie spürte noch etwas: Die Anwesenheit eines Mannes, der ihr sehr vertraut war.

In Wirklichkeit war sie zurzeit Single und wollte es nach einer sehr schmerzlichen Enttäuschung auch eigentlich noch länger bleiben. Doch dies war jetzt völlig vergessen. Zumindest im Traum. Sie spürte die Nähe des vertrauten Mannes und das beruhigte sie halbwegs. Bis ihr bewusst wurde, dass auch er Angst hatte!

"Der Fluch!", flüsterte er ihr zu. Einerseits war sie sicher, diese Stimme noch niemals zuvor gehört zu haben. Andererseits war sie ihr so vertraut wie die Nähe des Mannes, als hätte sie ihn schon immer gekannt und als hätte es niemals zuvor auch nur einen einzigen anderen Mann gegeben.

Dieses Gefühl genoss sie so sehr, dass sie darüber beinahe die pochende Angst in ihrem Inneren vergaß.

"Welcher Fluch?", fragte sie tonlos.

"Ein schrecklicher Fluch aus der Vergangenheit, der uns alle trifft. Deshalb wird er auch mich treffen, sobald der Letzte in der Reihe vor mir ihm zum Opfer gefallen ist."

"Opfer?"

Er brauchte ihr nicht zu antworten, denn die Nebel um das Gebäude lichteten sich ein wenig, als würde eine unsichtbare Hand einen Vorhang teilen. Aus der Lücke schoss ein altmodischer, aber sehr herrschaftlicher Wagen. Judith kannte sich mit Autos nicht sonderlich aus, aber sie vermutete, dass es sich um einen echten Rolls Royce handelte. Hinter dem Steuer saß ein Mann. Sie konnte es deutlich erkennen, obwohl das Gesicht seltsam verschwommen blieb. Er kauerte sich regelrecht über das Steuer und fuhr viel zu schnell, als würde er verfolgt werden.

Das Einzige, was ihn allerdings verfolgte, waren die unsichtbaren Augen, denen anscheinend nichts und niemand entgingen.

"Siehst du, Judith? Er will seinem Schicksal entfliehen, aber es ist letztlich sinnlos, glaube mir. Keiner kann das. Auch ich nicht, sobald die Reihe an mir ist. Und ich bin der Letzte in der Reihe. Der Allerletzte."

"Nein, das kann nicht sein!", widersprach Judith erschrocken.

"So lange er lebt, bin ich sicher, aber nur noch so lange."

"Woher willst du wissen, dass er in den Tod fährt?"

"Ich weiß es, weil ich der Erbe des Fluches bin. Er wird sterben, damit ich dieses Erbe antreten kann."

"Nein!" Sie schrie es regelrecht und dieser Schrei wurde zu einem wahren Orkan, der gegen die Nebelwand anbrandete und sie zu vertreiben begann. Nur unvollständig, denn der Nebel war zäh wie Brei. Er gab nur widerwillig den Blick auf einen Teil des Gebäudes frei.

Es war kein gewöhnliches Gebäude, sondern ein Castle! Alles war sehr gepflegt, wie es sich für einen Herrschaftssitz auch gehörte.

Judith war sicher, dass sie dieses Gebäude noch niemals zuvor gesehen hatte, und dennoch kam es ihr auf seltsame Weise vertraut vor. Aber jetzt wurde ihr auf einmal auch bewusst, dass sie den Mann an ihrer Seite genauso wenig kannte, obwohl dieser ihr so sehr vertraut vorkam, als wären sie schon immer zusammen und niemals getrennt gewesen.

Gern hätte sie den Kopf gewendet, um nach ihm zu sehen, doch das war ihr nicht möglich. Sie konnte nur diesen Nebel sehen, der sich wieder fester um das herrschaftliche Gebäude schloss, um es ihren Blicken zu entziehen.

"Doch!", antwortete er endlich auf ihren Schrei. "Es ist unser Schicksal."

"Ich ... ich will dich nicht verlieren, Liebster!", murmelte sie.

"Genauso wenig, wie ich dich verlassen möchte, Liebste!", sagte er an ihrer Seite.

Wieso war es ihr nicht möglich, ihn anzusehen?

"Und dennoch soll dies unser Schicksal sein?"

"Es gibt Mächte, die auf unser Schicksal größeren Einfluss haben als uns lieb sein mag, doch wir können uns ihnen niemals entziehen."

"Wie können wir da sicher sein, wenn wir es nicht einmal versuchen?"

"Schau dich um, Liebste. Wir sind hier zusammen. Alles ist wie Wirklichkeit und doch ist es nur ein Traum."

"Ein Traum?"

"Ja, Liebste, wir träumen beide an völlig unterschiedlichen Orten und trotzdem gleichzeitig denselben Traum. Wir sind uns noch niemals zuvor begegnet, aber unser Schicksal hat uns füreinander bestimmt. Nur für kurze Zeit. Viel zu kurz für Liebende wie uns, doch das Schicksal ist ohne Gnade. Wir werden uns begegnen und dies wird zu einem Zeitpunkt sein, da der Fluch längst seine Wirkung begonnen hat."

"Das alles lasse ich nicht zu!", begehrte Judith trotzig auf.

"Es gibt keine Chance, sich seinem Schicksal zu entziehen. Weißt du das nicht, Liebste?"

"Ich ... ich würde dich so gern ansehen. Wieso ist das nicht möglich?"

"Siehst du, Liebste, wenn du noch nicht einmal dies schaffst, wie sollte es dir dann jemals möglich sein, viel Schlimmeres zu überwinden, wie es für mich vorgesehen ist?"

"Aber was habe ich denn damit überhaupt zu tun – mit deinem Fluch?"

"Nur insofern, weil wir füreinander bestimmt sind. Weißt du nicht, dass es für jeden Menschen eine Art Ergänzung gibt? Wir ergänzen uns beiderseitig. Die meisten Menschen haben niemals die Chance, ihre Ergänzung im Leben zu finden. Das Schicksal kann ja so grausam sein. Uns ist es in dieser Beziehung eher gnädig. Wir sind viele Meilen voneinander getrennt, doch das Schicksal hat bestimmt, dass wir uns dennoch begegnen werden. Wir werden uns ineinander verlieben und du wirst alles tun, das Unausweichliche zu verhindern."

"Das Unausweichliche?"

"Dass unsere Liebe keine Zukunft hat."

"Wegen dem Fluch?"

"Ja, wegen dem Fluch, Liebste! Er wird viel zu schnell beenden, was gerade erst begonnen hat: Unsere Liebe!"

"Ich werde alles tun, um dies zu verhindern: Wirklich alles!"

"Ich glaube dir gern, Liebste, dass du es versuchen wirst, aber ich fürchte ..."

"Du wirst es sehen – und erleben!"

Sie hielt Ausschau nach dem fliehenden Wagen, aber dieser war nicht mehr zu sehen und sie war nicht in der Lage, den Kopf zu drehen. Weder konnte sie den Geliebten anschauen noch dem Wagen hinterdreinblicken, um sich zu vergewissern, dass der unglückliche Fahrer wirklich in sein Verderben fahren würde.

Der Mann an ihrer Seite schien ihre Gedanken lesen zu können, denn er sagte tonlos: "Nein, ich weiß es jetzt: Er wird nicht im Wagen umkommen!"

"Nicht? Aber wie sonst?"

"Der Fluch wird ihn ereilen. Er hätte möglicherweise doch noch länger leben können, hätte er nicht zu fliehen versucht, doch der Fluch kennt keine Gnade."

"Auch nicht mit unserer Liebe?"

"Auch damit nicht!", bestätigte er bitter.

"Aber sagt man nicht, Liebe ist stärker als alles andere?", widersprach Judith ein wenig lahm.

"Ja, man sagt es, aber stimmt es auch tatsächlich?"

"Ohne die Liebe würde es keine Menschen mehr geben, nicht wahr?", versuchte sie aufzutrumpfen. "Also hat die Liebe bisher uns Menschen gegen alles Böse erfolgreich verteidigt."

"Ich wollte, ich könnte dir Recht geben, Liebste."

"Aber?"

"Der Fluch ist mit nichts zu vergleichen, was ansonsten den Menschen widerfahren mag. Wenn du mir nicht glaubst: Du wirst es selbst erleben!"

Nach diesen Worten begann das Bild vor ihrem geistigen Auge zu verblassen.

Sie wollte aufschreien, aber die Stimme versagte ihr den Dienst. Alles um sie herum versank und die vertraute Nähe dieses Mannes, von dem sie nicht einmal den Namen wusste, geschweige denn dass sie sein Gesicht gesehen hätte, verblasste genauso.

Judith fand sich schweißgebadet in ihrem Bett wieder und fuhr hoch.

Es dauerte mindestens eine Minute, bis ihr bewusst wurde, dass es in der Tat nur ein Traum gewesen war.

Nur ein Traum?

Sie lauschte in sich hinein und war ganz sicher: Dies war mehr gewesen – viel mehr!



2

An diesem Tag kam sie gar nicht richtig zu sich. Sie brauchte mehrfach so lange wie sonst mit der täglichen Routine nach dem Aufstehen. Gottlob hatte sie ja genügend Zeit, da sie gegenwärtig arbeitslos war.

Normalerweise haderte sie gern damit und fragte sich bitter: "Habe ich dafür jahrelang studiert, um am Ende arbeitslos zu sein?" Heute verzichtete sie darauf, denn wenn sie einen Job gehabt hätte, wäre sie bei ihrem Arbeitgeber kaum auf Verständnis gestoßen ob des Zustandes, in dem sie sich befand.

Der Traum beschäftigte sie einfach viel zu sehr. Er ging ihr nicht aus dem Sinn. Vor allem die Vertrautheit, die sie bei der Nähe jenes Mannes gespürt hatte. Das war ein Gefühl, das ihr bisher fremd geblieben war.

Es war ja nicht so, dass sie keine innige Beziehung gepflegt hätte bisher, aber jener Mann war ganz was anderes. Deshalb konnte und wollte sie nicht daran glauben, dass es lediglich ein blöder Traum gewesen war.

Sie schaute in den Spiegel und erschrak vor ihrem eigenen Spiegelbild. Sie sah aus, als hätte sie mehrere Nächte durchgemacht. Die Augen lagen tief in ihren Höhlen und unter ihnen hatten sich dunkle Ringe gebildet.

Sie schüttelte ihr langes Blondhaar, das ihr normalerweise überhaupt keine Probleme bereitete. Sie brauchte für gewöhnlich nur mit den Finger durchzufahren nach dem Aufstehen und schon sah sie frisiert aus. Heute war das anders. Die Haare waren widerspenstig wie nie. Dabei fühlten sie sich total trocken an, wie ausgelaugt.

Judith schaute auf die Uhr. Am frühen Nachmittag hatte sie einen Termin. Die Arbeitsvermittlung hatte sich gestern bei ihr gemeldet und von einem möglichen Job gesprochen. Nun, es war nicht der erste Termin in dieser Art – und es wäre auch nicht das erste Mal, dass sich das Ganze leider als eine Art Seifenblase entpuppte – platzend just in dem Moment, in dem man danach greifen wollte.

Da sollte man mal keinen Frust bekommen, dachte sie verbittert und fuhr sich noch einmal durch die Haare, wenngleich völlig vergebens.

Sie schielte zur Badewanne hinüber. Ob die Zeit reichte für ein Bad? Sie musste! In diesem Zustand konnte sie unmöglich zur Besprechung erscheinen. Der Arbeitsvermittler würde vielleicht vermuten, sie sei auf irgendwelchen verbotenen Drogen, wie sie daherkam. Das konnte und wollte sie nicht riskieren.

Sie entkleidete sich, während das Wasser einlief, und prüfte mit den Zehenspitzen die Wassertemperatur, ehe sie in die Wanne stieg. Sie war noch längst nicht voll genug, aber Judith musste sich sowieso beeilen, jetzt, da ihr wieder der Termin beim Arbeitsvermittler bewusst war.

Hoffentlich brachte das Bad wenigstens ein wenig Entspannung.

Sie gab Badezusatz ins Wasser und lehnte sich zurück, während ein dicker Wasserstrahl unaufhörlich in die Wanne plätscherte.

Kurz schloss sie die Augen. Sofort war der Traum wieder da – so intensiv, als würde sie ihn erneut träumen. Dabei war es nur die Erinnerung daran.

Erschrocken riss sie die Augen wieder auf.

Nein, das war in der Tat alles andere als ein gewöhnlicher Traum! Normalerweise konnte sich Judith an ihre Träume niemals erinnern. Ja, vielleicht ein paar Sekunden lang nach dem Erwachen, aber dann verflüchtigte er sich für immer.

Diesmal war das ganz anders. Sie machte die Probe, indem sie erneut die Augen schloss. Sie ließ die Erinnerung auf sich einwirken und riss nicht gleich wieder erschrocken die Augen auf. Sie erlebte jede einzelne Phase des Traumes erneut. Es wiederholte sich ohne die geringsten Abstriche, als hätte sich das Erlebnis des Traumes wie mit Säure in ihr Gedächtnis eingefressen.

Die Vertrautheit. Sie liebte diesen Mann, ohne ihn jemals gesehen zu haben. Ein Unbekannter mithin – und doch jemand, der zu ihr gehörte. Als eine Art Ergänzung?

Eine solche Vorstellung war ja nicht neu, aber Judith hätte niemals gedacht, dass sie für sie selber so wirklich werden könnte.

Sie riss wieder die Augen auf.

"Doch ein blöder Traum!", sagte sie laut, wie um sich selber zu überzeugen.

Und dann erschrak sie schier zu Tode: Die Badewanne war voll und drohte sogar überzulaufen. Sie schwebte mehr, als dass sie darin lag.

Ihre Rechte zuckte vor, um das Wasser abzudrehen. Dabei schwappte ein Teil des Wassers über den Rand und ergoss sich über den Boden.

So schnell es ging, drehte Judith ab und schaute sich verwirrt um.

Über der Tür hing eine Uhr. Entweder sie ging falsch, oder aber es war inzwischen über eine halbe Stunde vergangen, obwohl sie den Eindruck hatte, es sei nur eine Minute.

"Was ist nur los mit mir?", murmelte sie brüchig.

Sie hielt es im Wasser nicht länger aus und zog den Stöpsel.

Flüchtig dachte sie wieder an den Traum: Bloß jetzt nicht mehr die Augen schließen. Sie hatte doch nur über den Traum nachgedacht. Dabei war die Zeit so schnell vergangen, als hätte es eine Art Zeitsprung gegeben – und sie war ganz sicher, dass so etwas völlig unmöglich war. Schließlich war Judith eine aufgeklärte, junge Frau, die mit beiden Beinen im Leben stand und der so schnell nichts und niemand etwas vormachen konnte.

Sie stand auf und wäre beinahe in der Wanne ausgerutscht. Das hätte ihr gerade noch gefehlt. Sie hätte das Bad endgültig unter Wasser gesetzt. Einmal abgesehen davon, dass sie sich bei einem Sturz vielleicht sogar hätte verletzen können.

Sie fischte nach dem Badetuch und begann, sich oben herum abzutrocknen. Dabei warf sie noch einmal einen Blick auf die Uhr.

Die Zeiger waren unerbittlich weitergerückt, als würde die Zeit beschleunigt ablaufen.

Sie dachte an den Termin und zuckte schon wieder erschrocken zusammen: Falls sie sich jetzt nicht mächtig beeilte, kam sie tatsächlich zu spät!

Aber sie musste sich doch wenigstens noch ein bisschen schminken und die passende Kleidung aussuchen.

"Vergiss es!", sagte sie zu sich selbst und stieg aus der Wanne, die noch immer nicht ganz leer gelaufen war.

Das Bad konnte sie jetzt nicht putzen. Es musste so bleiben, wie es war, auch wenn es Judith noch so sehr gegen den Strich ging.

Sie trocknete sich fertig ab und schaute in den Spiegel.

"Gott, ich sehe ja noch schrecklicher aus als vorher!", rief sie unwillkürlich.

Aber auch darauf durfte sie jetzt keine Rücksicht nehmen.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Geisterhauch: Unheimlicher Roman" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen