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Geheimnis einer heißen Nacht

1. KAPITEL

Alanna Richards stöberte durch die Reihen eleganter Cocktailkleider - edle Designerstücke, die in schützende Plastikhüllen eingeschweißt waren. Ein leises Lächeln, voller Selbstironie, umspielte ihre Lippen. Früher einmal besaß sie einen ganzen Schrank voller exklusiver Kleider, eines schöner als das andere. Damals war es wichtig für sie, so gut wie möglich auszusehen. Jeden Tag. Und jede Nacht.

Ihr Lächeln verschwand. Erinnerungen, die sie schon lange verbannt hatte, quälten sie. Ein Gesicht tauchte vor ihrem inneren Auge auf. Dunkle lockende Augen voller Verlangen waren auf sie gerichtet.

Sie wandte sich von den Kleidern ab und ging weiter über den weichen Teppich. Zeit, Maggie und die Jungs zu suchen. Wie dumm von ihr, diesen Moment der Schwäche zuzulassen. Solche Rückblicke auf ihre Vergangenheit hatte sie sich streng verboten, vielleicht einmal, wenn sie eine alte Frau war, konnte sie es sich erlauben, wieder an diesen Teil ihres Lebens zu denken, ohne dass es schmerzte. Jetzt aber war es viel zu früh dafür.

Die Augen auf ein imaginäres Ziel vor ihr gerichtet, ging sie auf den Bogengang zu, der zu den Fahrstühlen des großen, weltberühmten Londoner Kaufhauses führte. Hier kauften reiche Leute ein, und früher einmal hatte sie zu seinen Stammkunden gezählt.

Heute hatte sie es kaum ertragen, das Haus wieder zu betreten. Es war auch nicht ihre Idee gewesen. Maggie hatte den Vorschlag gemacht, mit den Kindern in die Stadt zu fahren und ihnen die jetzt in der Vorweihnachtszeit ganz besonders schön dekorierte Spielzeugwarenabteilung des exklusiven Warenhauses zu zeigen.

„Nicht um etwas zu kaufen, nur um zu schauen“, hatte ihre Freundin, die wie sie allein erziehende Mutter eines Sohnes war, lachend erklärt. „Ben und Nicky werden begeistert sein.“

Die Jungs hatten wirklich ihren Spaß inmitten der verschwenderisch ausgestellten Spielsachen. Nie wären sie auf die Idee gekommen, Wünsche zu äußern. Sie waren es gewohnt, Spielzeug nur anzuschauen, denn weder Alanna noch Maggie konnten Geld dafür erübrigen.

Einen Augenblick lang stieg Bedauern in ihr auf. Hatte sie Nikos‘ Geld übereilt weggegeben? Nein, beruhigte sie sich selbst, indem sie energisch das Kinn hob. Sie hatte das Richtige getan, denn auf dieses Geld hatte sie kein Anrecht. Eine kleine Summe hatte sie für ihren Sohn und sich abgezweigt, damit sie nicht von der Sozialhilfe leben mussten. Nächstes Jahr, wenn Nicky eingeschult wurde, konnte sie wieder arbeiten, und ihre finanzielle Situation würde sich ein wenig entspannen.

Noch einmal schaute Alanna zu dem glitzernden Traum von Abendkleid hinüber, das ihr schon zuvor aufgefallen war. Nie wieder würde sie so etwas Schönes tragen. Ganz anders als die Frau dort, dachte sie, als ihr Blick an einer schick gekleideten Blondine hängen blieb, die interessiert die exquisite Robe betrachtete. Die Frau war wahrscheinlich so wie sie ungefähr sechsundzwanzig, und sie strahlte dieses gewisse Flair aus, welches Frauen umgibt, die den ganzen Tag damit zubringen, ihre Haare und Fingernägel pflegen zu lassen, und deren einzige Sorge es ist, perfekt auszusehen.

Ich war einmal genau wie sie, ging es Alanna durch den Kopf. Nur die exklusivsten und teuersten Kleider kamen für sie infrage, damit sie Leon gefiel. Erneut schnürte ihr die Erinnerung die Kehle zu. Dieser Ort erinnerte sie unablässig an die schöne, sorglose Welt, in der Geld keine Rolle spielte, und in der sie für kurze Zeit zu Gast sein durfte. Es war die Welt von Leon Andreakos, dem fantastisch aussehenden und unermesslich reichen Griechen, dem faszinierendsten Mann, dem sie jemals begegnet war. Erneut glaubte sie, sein Gesicht vor sich zu sehen, die dunklen, von dichten Wimpern umgebenen Augen, die arrogante Haltung des Kopfes.

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