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Geheime Stunden mit Jack

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1. KAPITEL

Hollywood Confidential – 13. Dezember

„Je größer das Budget, desto durchschlagender die Wirkung. Das glaubte auch der Verfasser dieses Artikels, bis er kürzlich einen Dokumentarfilm der viel versprechenden Produzentin Mallory Woodruff über die Grenzprobleme zwischen den USA und Mexiko sah. Ich persönlich hoffe sehr, mehr von dieser talentierten Filmemacherin zu sehen. Man muss sich nur einmal vorstellen, was sie mit einem richtigen Budget machen könnte!“

Ach, ich weiß nicht, dachte Mallory Woodruff sarkastisch. Sie trank auf dem Barhocker im frisch gestrichenen Café Sugar ’n’ Spice ihrer besten Freundin Reilly Chudowski einen Schluck Kaffee. Vielleicht meine Miete bezahlen?

Sie legte die Zeitung wieder zusammen. Es war zwar schon acht Uhr, aber sie brauchte entweder mehr Zeit oder mindestens noch drei Tassen Kaffee, um endgültig aufzuwachen.

„Und?“

Mallory blinzelte. Als Layla, eine weitere Freundin aus der vierköpfigen Clique, sie vor einer halben Stunde aus tiefem Schlaf geweckt hatte, hatte sie schon befürchtet, jemandem von ihnen wäre etwas zugestoßen. Hollywood war eine Stadt, in der das Wort „Freund“ oder „Freundin“ ziemlich achtlos gebraucht wurde. Deshalb war Mallory wirklich froh gewesen, als sie vor drei Jahren feststellte, dass Reilly Chudowski, Layla Hollister und Jack Daniels tatsächlich echte Freunde waren.

Aber ihre Gedanken schweiften ab, oder? Layla hatte einen Notfall erwähnt. Das war der Grund, weshalb Mallory nun hier saß, anstatt ihren Kater auszuschlafen. Und in Anbetracht der Tatsache, dass Layla morgen den gut aussehenden Exschönheitschirurgen Sam Lovejoy heiratete, hatte Mallory alles für möglich gehalten.

Alles, außer dem, was sie gerade im Hollywood Confidential gelesen hatte.

„Und … was? Sollen diese paar Sätze etwa ein Notfalltreffen rechtfertigen?“

Layla und Reilly starrten sie völlig entgeistert an, während Jack nicht sehr überrascht wirkte und grinsend den Kopf schüttelte.

„Kann dich denn gar nichts beeindrucken?“, fragte Reilly verblüfft.

„Aber klar doch.“ Mallory griff über den Tisch und holte sich den Rest von Laylas Zimtschnecke. „Ihr drei beeindruckt mich die ganze Zeit.“ Sie warf Jack einen viel sagenden Blick zu, während sie das Gebäck in den Mund steckte, um ihren Magen zu beruhigen. „Ausgenommen du natürlich, Jack. Du musst endlich mal etwas ehrgeiziger werden.“

Jack war der attraktivste Mann, den sie je gesehen hatte. Er war Brad Pitt, Robert Redford und George Clooney in einem.

Allerdings mangelte es ihm an Ehrgeiz.

Jack riss ihr die Zeitung aus der Hand, um sie selbst lesen zu können. „He, damit wollte ich die Krümel auffangen“, protestierte Mallory lachend.

„Du steckst sowieso alles auf einmal in den Mund, also gibt es gar keine Krümel.“

Reilly stützte sich mit den Ellbogen auf dem Tisch ab. „Aber bedeutet dieser Artikel über dich denn nicht, dass ein großes Studio auf dich aufmerksam werden könnte? Heißt das nicht, dass du dieses Budget bekommst, das der Reporter erwähnt hat?“

Mallory schnitt eine Grimasse und schnappte sich Jacks Serviette, um sich den Ahornsirup von den Händen zu wischen. „Also, erstens ist es kein Artikel über mich, sondern ich werde nur am Rande erwähnt. Und zweitens … kurz und deutlich: Nein.“

Layla seufzte. „Du bist manchmal so pessimistisch.“

Mallory tat die Bemerkung mit einer Handbewegung ab, obwohl sie doch ein wenig schmerzte. Sie war keine Pessimistin, sondern einfach nur realistisch. Und die Realität war nun mal, dass Dokumentarfilmer den Großteil ihrer Zeit damit verbrachten, sich um Zuschüsse und Finanzierungen zu bemühen. Sie war nicht so naiv, über einen kurzen Kommentar, der ihr absolut nichts bringen würde, völlig aus dem Häuschen zu geraten.

Natürlich hob es ihre Laune auch nicht gerade, dass sie massive Probleme hatte, das Geld für ihre gegenwärtige Dokumentation aufzubringen. Dabei ging es um einen fünfundzwanzig Jahre alten, nie aufgeklärten Mordfall. Das Opfer war eine junge Schauspielerin, genannt die Rote Gardenie. Aber Mallory fehlte nicht nur das Geld für den Film, sie war auch mit ihrer Miete im Rückstand. Und als ob das nicht schon genug wäre, hatte gestern auch noch ihr Kameramann gedroht, nicht mehr für sie zu arbeiten, wenn sie ihm nicht endlich das Honorar zahlte, das sie ihm für den letzten Monat schuldete.

Sie rieb sich den Nacken. Dann war da noch diese Frist, die sie sich selbst gesetzt hatte, als sie damals nach Los Angeles gekommen war. Fünf Jahre. Sie hatte sich selbst fünf Jahre gegeben, um hier Karriere zu machen. Und ganz offensichtlich hatte sie es nicht geschafft. Diese Frist endete nun bald. Allzu bald.

Aber das würde sie ihren Freunden jetzt nicht verraten. Das hieße nur negative Stimmung verbreiten. Schließlich brachte jeder Tag neue Möglichkeiten mit sich. Darauf musste sie ihr Ziel richten.

Aber natürlich durften auch die üblichen kleinen Sticheleien unter Freunden nicht zu kurz kommen.

„Solltest du nicht längst weg sein, um irgendjemandem in den Hals zu gucken oder womöglich den Darm zu spiegeln, Dr. Hollister?“, fragte sie.

Reilly lachte schallend los. Als sie Laylas rügenden Blick bemerkte, verstummte sie. „He, das war doch witzig, oder?“

Layla nahm ihre Tasche von der Rücklehne des Stuhls und schob sich den Riemen über die Schulter. „Ich habe frei und gehe bis Neujahr nicht mehr in die Klinik. Schon vergessen?“

„Oh. Dann habe ich nichts gesagt. Du und Jack, ihr müsstet beide etwas mehr Ehrgeiz entwickeln.“

„Ich habe durchaus Ehrgeiz.“

Mallory hob eine Augenbraue. „Heiraten ist kein Ehrgeiz, Lay. Das ist der Tod.“

Jack murmelte etwas Unverständliches und stand auf. „Ich brauche noch einen Kaffee.“

„Bring mir auch einen mit!“, rief Mallory ihm nach.

Reilly und Layla sahen sich an, dann zu Mallory.

„Kommt euch Jack heute nicht etwas mürrischer als sonst vor?“, fragte Layla.

Mallory rieb sich die Nase. „Mir ist nichts aufgefallen.“

„Ich bin ganz deiner Meinung“, sagte Reilly zu Layla.

Mallory zuckte mit den Schultern. „Vielleicht muss er bald einen Artikel abliefern oder so etwas.“

Layla schüttelte den Kopf. „Nein … nein. Es ist etwas anderes, da bin ich mir sicher. Irgendetwas beschäftigt ihn.“

„Ach, bestimmt ist es nichts Ernstes“, wiegelte Mallory ab. „Was soll denn schon sein? Bei ihm läuft doch immer alles bestens.“

Was eine ausgemachte Lüge war. Sie hatte nämlich tatsächlich bemerkt, dass Jack in letzter Zeit besonders gereizt wirkte. Aber das zuzugeben, hieße vielleicht, ebenfalls erklären zu müssen, weshalb sie so viel wusste. Oder womöglich zu verraten, dass Jack bei Laylas Anruf neben ihr im Bett gelegen hatte. Und das konnte sie nun ganz bestimmt nicht tun.

Reilly und Layla würden sie umbringen, wenn sie jemals herausfanden, dass sie das Versprechen gebrochen hatte, das sie sich vor drei Jahren gegeben hatten. Damals schworen sie einander, alle drei mit dem unglaublich attraktiven Jack Daniels lediglich befreundet zu sein. Um die Freundschaft in der Clique nicht zu gefährden, wollten sie alle möglichen Komplikationen ausschalten, die sich aus einer Affäre ergeben konnten.

Na ja, Mallory hatte das Versprechen gehalten. Ungefähr sechs Stunden lang. Bevor sie Jack die Kleidung vom Körper gerissen und sich Fantasien hingegeben hatte, von denen sie nicht einmal gewusst hatte, dass sie sie besaß.

Mallory räusperte sich. Es war ein einmaliger Ausrutscher gewesen. Fast. Sei ehrlich, Mallory. Also gut, es war ungefähr drei Monate danach noch einmal passiert. Und seitdem landeten sie und Jack alle paar Monate regelmäßig miteinander im Bett. Jedenfalls war das bis vor drei Monaten so gewesen. Von da an waren sie mindestens drei oder vier Mal pro Woche zusammen, entweder bei ihr oder bei ihm.

Aber wenn nun Layla und Reilly das jemals herausfinden würden …

„Vergesst nicht, ihr müsst spätestens um sechs da sein“, erinnerte sie Layla jetzt und stand auf.

Mallory starrte sie verblüfft an. „Wo denn?“

„Bei der Generalprobe für die Hochzeit.“

„Ach ja, natürlich.“ Mallory deutete entschieden mit dem Zeigefinger auf sie. „Ich werde da sein. Und zwar pünktlich.“

Layla kniff die Augen zusammen. „Das hoffe ich, Mall. Ich möchte mir nicht auch noch deinetwegen Gedanken machen müssen.“

„He, ich sagte doch, ich würde da sein, also mach dir keine Sorgen.“

Jack kam an den Tisch zurück und schenkte frischen Kaffee nach. „Ich sorge schon dafür, dass sie rechtzeitig da ist.“

Layla atmete erleichtert auf. „Danke, Jack.“

Mallory seufzte. „Wie kommt es nur, dass ihr alles glaubt, was er von sich gibt? Wenn ich dagegen mal etwas sage, dann wird das immer gleich infrage gestellt.“

Reilly lächelte sie an. „Nicht alles. Nur wenn es um Ereignisse geht, bei denen du lieber nicht erscheinst.“

„Wie auf meiner Verlobungsparty“, ergänzte Layla.

„Oder bei meiner Wiedereröffnung vor zwei Wochen“, fügte Reilly hinzu.

„Ihr habt doch schon selbst gesagt, dass ihr mich dabei nicht braucht.“

„Stimmt“, bestätigte Layla, „aber wir hätten dich trotzdem gern dabeigehabt.“

Mallory fand es richtig lieb, wie ihre Freundinnen sie in alles einbeziehen wollten. Aber manchmal fühlte sie sich etwas bedrängt.

„Tut mir Leid“, sagte sie.

Alle lachten.

„Okay, vielleicht hat das nicht zerknirscht genug geklungen“, gab sie zu. „Aber es ist mein Ernst. Ich möchte niemanden von euch verletzen.“

Layla beugte sich vor und umarmte sie. „Na also, das klingt doch schon viel besser.“

Selbst Jack schien sie jetzt eindringlicher anzusehen. Mallory griff nach der Zimtschnecke auf seinem Teller. Er schob ihn aus ihrer Reichweite.

Layla lächelte. „Also, wir sehen uns dann um sechs. Pünktlich. Nicht eine Minute früher oder später.“

Mallory salutierte, was durchaus zu ihrem heutigen Outfit passte: Cargohose, schwarze Springerstiefel und ein T-Shirt, auf dem stand: Die drei Stufen der Ehe: Lust, Frust und der Tod. „Ja, Sir. Ich meine, Ma’am.“

„Das wirst du mir noch büßen“, drohte Layla.

Angesichts all dessen, was ihr in den nächsten anderthalb Tagen bevorstand, hatte Mallory diesbezüglich keine Zweifel.

Zwölf Stunden später, bei Laylas und Sams Probedurchlauf der Hochzeit, betrachtete Jack Mallory, als würde er sie zum ersten Mal sehen. Diese Frau hatte absolut keine Ahnung, was er für sie empfand. Natürlich lag das auch daran, dass er in der Nähe von Layla und Reilly immer so vorsichtig sein musste, um sich nichts anmerken zu lassen. Er konnte den Blick kaum von Mallorys Mund wenden, während sie sprach, und fragte sich, warum das bei ihm immer den Wunsch auslöste, sie zu küssen.

Aber diese Frau konnte ihn auch zur Raserei bringen.

Das war doch nicht normal, oder? War es möglich, vor Sehnsucht nach jemandem fast zu vergehen und ihn gleichzeitig am liebsten umbringen zu wollen?

„Ich fühle mich so nackt“, sagte Mallory gerade zu Laylas Stiefmutter – die jünger als Layla aussah und nicht im Mindesten so gescheit war.

Jack musterte Mallory in ihrer schlichten schwarzen Hose und der Weste. Sie war definitiv nicht nackt. Aber sie trug auch nicht ihre übliche Kleidung – Jeans und ein T-Shirt mit einem frechen Spruch vorne drauf. Wie sie den heutigen Abend und den morgigen Tag überstehen sollte, ohne ihre Stimmung mittels ihrer Kleidung auszudrücken, war fraglich.

Natürlich verstand Sharon Hollister, die in diesem rosafarbenen Kleidchen nur unwesentlich mehr als Unterwäsche trug, nicht, worauf Mallory anspielte.

Hm … Jack fragte sich, wie viel er Mallory wohl zahlen müsste, damit sie auch so ein Kleid trug …

„Wenn Sie mich bitte entschuldigen, ich glaube, mein Mann hat mir gerade einen Wink gegeben“, sagte Sharon, der man ihre zahllosen Schönheitsoperationen ansah. Dann machte sie, dass sie so weit wie möglich von Mallory weg kam.

Jack blickte sich in dem luxuriösen Raum im Beverly Hills Wilshire Hotel um, den die Hollisters für diesen Anlass gemietet hatten. In seinen monatlichen Kolumnen hatte Jack schon häufiger die Extravaganzen der Reichen kritisiert, hauptsächlich, weil er selbst als Spross der wohlhabenden Familie Daniels zahllose Beispiele davon miterlebt hatte. Aber Layla würde es ihm gewiss nicht verzeihen, wenn er in einem Artikel kritisierte, dass ihr Vater und ihre Stiefmutter bei einer Hochzeit das Jahreseinkommen von fünf durchschnittlichen Familien ausgeben wollten. Layla selbst hatte diesen Aufwand nicht gewollt. Sie und Sam hatten eigentlich eine fünfminütige Heirat in Las Vegas geplant.

Jack sah auf die andere Seite des mit Palmen dekorierten Raumes, wo Layla gerade mit ihrer leiblichen Mutter sprach. Dann musterte er nacheinander die anderen zwanzig Gäste. Plötzlich kam ihm der Gedanke, dass niemand ihn und Mallory vermissen würde, wenn sie sich für ein paar Minuten davonstahlen.

Er lehnte sich zurück und öffnete die Tür zum Personalflur einen Spaltbreit. Gegessen hatten sie schon, die Probe mit dem Geistlichen war ohne Probleme vonstatten gegangen.

Jack packte Mallory am Handgelenk und zog sie mit sich hinaus in den Flur.

Sie sog verblüfft die Luft ein und versuchte, sich aus seinem Griff zu befreien. „Bist du verrückt?“, fuhr sie ihn an. Ihre dunklen Locken umrahmten ihr Gesicht, das er so gern küsste, und ihre hellbraunen Augen wirkten fast gelb, als sie ihn jetzt anfunkelte. Es lag genug Feuer darin, um zu wissen, dass die unausgesprochenen Möglichkeiten sie genauso sehr reizten wie ihn. „Man wird uns doch sehen.“

„Dann sagen wir eben, ich hätte eine Zigarette rauchen wollen, und du hättest mir Gesellschaft geleistet.“

Ihre Augen wurden schmal, und sie fuhr sich vielsagend über die Lippen, während Jack sie den Flur entlangzog. Er entdeckte eine Wäschekammer, schob Mallory hinein und schloss die Tür.

Mallory Woodruffs Liebhaber zu sein, erforderte eine Menge Einfallsreichtum und Beharrlichkeit. Es sei denn, sie machte den Anfang. Dann war wirklich alles möglich, und er konnte sich auf die verrücktesten Sachen gefasst machen.

Jack suchte nach dem Lichtschalter, um das Licht auszuknipsen, konnte ihn jedoch nicht finden.

Mallory schien das nicht zu stören, denn sie streifte sich schon die Weste über den Kopf und machte dann Anstalten, ihre Hose auszuziehen. „Meine Güte, ich habe mir schon den ganzen Abend gewünscht, endlich diese blöde Hose loszuwerden.“

Oh, ja. Aber leider musste sie sie nur allzu bald wieder anziehen.

Als sie schließlich in nichts als schwarzer Unterwäsche vor Jack stand, musste er unwillkürlich lächeln. Mallory hatte dennoch eine Möglichkeit gefunden, sich mittels ihrer Kleidung auszudrücken. Nur, dass sie es heute Abend mit ihrem frechen schwarzen Slip tat. Quer über dem Vorderteil aus Satin stand: Beiß mich.

Jack packte sie an den Hüften und zog sie an sich. Dieser Aufforderung wollte er gern nachkommen. Für den Anfang.

„Du ziehst dich ja gar nicht aus“, beschwerte sie sich, während sie sich an seinem Hosenbund zu schaffen machte.

„Einer von uns sollte so unzerzaust wie möglich bleiben.“

„Ach ja?“, erwiderte sie und fuhr daraufhin mit den Händen durch sein Haar, bis es völlig zerzaust war. „Dann erklär ihr mal, wie das beim Rauchen einer Zigarette passiert ist“, flüsterte sie, bevor sie ihn stürmisch küsste.

„Das war der Wind.“ Jack schob die Finger unter das Gummiband ihres Slips, bis er ihren festen Po umfassen konnte.

Mallory war über einen Kopf kleiner als er, was anfänglich eine Herausforderung gewesen war, die sie inzwischen aber kaum mehr bemerkten. Wenn sie zusammen im Bett lagen, spielte Größe keine Rolle.

Jetzt jedoch, nachdem sie beide standen und es keine Hilfsmittel gab, um den Größenunterschied auszugleichen, musste er sich etwas ausdenken.

„Wir müssen uns beeilen“, wisperte sie, öffnete seine Hose und griff nach seiner Erektion.

Jack biss die Zähne zusammen, als ihre Finger ihn umfassten. Egal wie oft er ihre Berührung schon gespürt hatte, es war immer wieder so aufregend wie beim ersten Mal. Es erstaunte ihn jedes Mal wieder, wie viel Macht diese kleine Powerfrau über ihn hatte. Er begehrte sie seit drei Jahren jeden Tag. Anfänglich hatte er die Anziehung, die sie auf ihn ausübte, erfolgreich unterdrückt. Zumindest bis zu einem gewissen Grade. Jetzt war er davon so abhängig wie damals vom Alkohol.

Suchtverhalten aufgrund einer Persönlichkeitsstörung. Das hatte ein hoch bezahlter Seelenklempner ihm erklärt, als Jack mit neunzehn auf dem College öfter betrunken als nüchtern gewesen war. In einem Leben, in dem er sich auf niemanden verlassen konnte – seine Eltern waren zu sehr mit ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen und ihren Weltreisen beschäftigt gewesen, als dass er irgendeine Beziehung zu ihnen hätte aufbauen können – war zumindest die Whiskeyflasche immer für ihn da gewesen. Leer? Kein Problem. Kaufen wir einfach eine neue.

Aber seit er Mallory kannte …

Bei Mallory fühlte er sich wie ein Trinker, der auf eine leere Flasche starrt und immer noch Durst hat. Außer in Momenten wie diesem. Wenn er ihre Brustspitzen an seinen Handflächen spürte. Wenn er ihren schnellen Atem und die geflüsterten Befehle hörte. Wenn er ihr Begehren fühlte, während sein eigenes sich fieberhaft steigerte.

Mallory drückte seine Erektion fast schmerzhaft, dann bewegte sie ihre Finger auf und ab.

Das Beißen würde er auf später verschieben müssen …

„Halt dich an meinen Schultern fest“, stieß er hervor, fuhr mit den Händen über ihre Oberschenkel und hob sie hoch, so dass ihre Schenkel seine Hüften umschlossen. Sofort spürte er ihre feuchte Hitze, und er stöhnte lustvoll auf.

„Kondom“, stieß er hervor. „Rechte Hosen…“

„…tasche“, schloss sie und wedelte schon mit dem eingeschweißten Päckchen.

Sie öffnete es mit den Zähnen, und innerhalb von Sekunden hatte sie ihm das Kondom übergezogen.

Nur die Stellung war nicht so einfach, wie sie gedacht hatten.

„Drück mich gegen die Tür“, befahl sie.

Man sollte meinen, sie hätten seit Wochen keinen Sex mehr gehabt statt erst heute Morgen.

„Du bist eine ziemlich energische Frau, weißt du das?“

Sie lächelte, und ihre Augen verdunkelten sich, während sie auf seinen Mund starrte. „Ich weiß.“ Sie küsste ihn. „Und nun tu es einfach.“

Er folgte ihrer Aufforderung.

In dem Augenblick, in dem ihr Rücken gegen das glatte Holz der Tür gepresst wurde, stemmte Mallory sich mit den Händen dagegen, um sich hochzudrücken. Jack blickte nach unten und sah, dass sie bereit für ihn war. Ja, mehr als das.

Mallory hob die Hüften leicht, um ihn ganz tief in sich hineingleiten zu lassen.

Oh, ja …

„Oh nein“, flüsterte Mallory und machte große Augen.

Mallory schluckte schwer. Es war doch nicht möglich, dass … Konnte es denn sein, dass …

Die Tür zur Wäschekammer vibrierte erneut.

„Hallo?“ Eine weibliche Stimme war zu hören. „Ist da jemand drin?“

„Ach du liebe Güte“, flüsterte Mallory. „Oh, meine Güte, nein!“

Jack zog sie nur noch fester an sich.

„Jack, ich …“

Er legte ihr einen Finger über die Lippen, und in seinen sanften braunen Augen lag ein übermütiges Funkeln. „Psst.“

Erneut drang er in sie ein, mit einem tiefen Stoß, der in ihrer Kehle ein Stöhnen auslöste, das sie nur mühsam unterdrücken konnte.

Er würde doch nicht etwa …

Wieder stieß er zu, heftig und tief, und sie hörte auf zu denken.

Es war ihr egal, ob Layla und Reilly auf der anderen Seite dieser Tür standen. Es wäre ihr sogar egal gewesen, wenn die Polizei gleich die Tür aufgebrochen hätte. Alles, worauf sie sich konzentrieren konnte, war, wie unglaublich gut es sich anfühlte, Jack so tief in sich zu spüren.

„Oh, oh, oh!“, seufzte sie und versuchte, sich gegen die vibrierende Tür zu stemmen, während sie merkte, dass ihr Höhepunkt kurz bevorstand.

„So ist es gut“, sagte Jack und beugte sich vor, um an ihrem Hals zu saugen. „Komm, komm für mich!“

Und das tat sie.

Ihr Orgasmus schien sich immer weiter auszudehnen, selbst als Jack stillhielt und sich in seinem eigenen Höhepunkt verlor.

Nach einem langen Moment, in dem ihr Herz heftig pochte, öffnete Mallory die Augen und sah den Mann an, der ihr mehr unglaubliche Orgasmen geschenkt hatte als zehn andere Männer zusammen. Es war doch nicht möglich, dass es mit ihm jedes Mal nur noch besser wurde, oder?

„Hallo?“ Jemand rief und hämmerte energisch gegen die Tür. „Machen Sie sofort auf!“

Mallory schluckte, während Jack sie jetzt langsam absetzte. Ihr Körper zitterte immer noch unter den Nachwirkungen des gerade Erlebten, doch ihr Verstand begriff bereits die Konsequenzen, die sich aus dieser Situation ergeben konnten.

Layla und Reilly würden sie umbringen.

Sie seufzte und schlüpfte hastig in ihre Unterwäsche und ihre Hose und versuchte die Weste überzuziehen. „Was sollen wir denn nur sagen?“, flüsterte sie Jack zu, der sich mit einer Hand ebenfalls wieder salonfähig machte und mit der anderen weiter die Tür zuhielt.

Sie starrten sich an.

„Warum denn nicht die Wahrheit?“

Mallory schnappte nach Luft. Er zog doch wohl nicht ernsthaft in Betracht, den anderen zu gestehen, dass sie gerade eben Sex miteinander gehabt hatten, oder?

„Bist du verrückt?“, erwiderte sie.

„Psst.“

Ihr wurde klar, dass sie ihn fast angeschrien hatte.

Jack drehte sich um, so dass sein Rücken gegen die Tür drückte, die sie beide vor dem hartnäckigen Menschen auf der anderen Seite trennte. Er verschränkte die Arme vor seiner beeindruckend breiten Brust und sah für Mallorys Gefühl fast etwas zu aufsässig aus. „Ehrlich gesagt, habe ich schon eine ganze Weile darüber nachgedacht, und ich finde, es ist Zeit, dass wir sie in unser kleines Geheimnis einweihen.“

Mallory hatte gerade ihre Weste von links nach rechts gedreht und erstarrte jetzt mitten in der Bewegung. „Okay, jetzt ist es offensichtlich. Du bist verrückt.“

„Warum?“

Sie zupfte das Oberteil zurecht, dann versuchte sie, ihr Haar in Form zu bringen. „Komm, Jack. Wir haben doch schon darüber gesprochen und festgestellt, dass es besser ist, wenn sie es nicht wissen.“

„Das war lediglich deine Meinung dazu gewesen.“

Sie sah ihn verblüfft an. War das der gleiche Mann, mit dem sie noch vor wenigen Minuten zusammen gewesen war? „Und deine Meinung?“

„Ich möchte gern, dass wir unsere Freunde – unsere besten Freunde – wissen lassen, dass wir zusammen sind.“

Mallory hätte es fast die Sprache verschlagen. „Dass wir zusammen sind? Jack, wir sind nicht zusammen. Wir haben lediglich … Sex miteinander.“

Hatte sie sich getäuscht, oder war er tatsächlich gerade zusammengezuckt?

Sie unterstrich ihre Aussagen nun mit weit ausholenden Armbewegungen. „Ich meine, wenn wir zusammen wären, müssten wir uns ja erst einmal richtig verabreden. Und das tun wir nicht. Wir haben uns noch nie verabredet. Du hast mich nie angerufen und gesagt: ‚Hallo, hast du vielleicht Lust, mit mir ins Kino zu gehen?‘“

„Ich bringe ab und zu DVDs mit.“

„Und das macht schon eine Beziehung aus? Wir kommen ja nicht einmal dazu, die verdammten Filme anzusehen, weil wir zu sehr damit beschäftigt sind, miteinander ins Bett zu gehen.“

Wieder zuckte er zusammen.

Oh nein! Das passierte doch nicht wirklich!

Mallory versuchte, um ihn herum nach der Türklinke zu greifen. Sie musste sofort aus dieser Kammer herauskommen. Ob es wohl möglich war, dass man in solchen Augenblicken auch spontan klaustrophobisch wurde? „Wir sagen einfach, dass … ich mir Wein oder irgendetwas über die Klamotten geschüttet habe und du mir geholfen hast, etwas zu suchen, womit ich den Fleck herausbringe. Und … dann hat die Tür geklemmt.“

„Und was weiter? Ich habe auf den Fleck geblasen, bis er trocknete und verschwand?“ Jack wich keinen Millimeter zur Seite und ließ Mallory nicht hinaus.

Sie sah in seine Augen. Seine dunklen, wundervollen Augen, aus denen er sie jetzt ansah, als hätte sie gerade ein entsetzliches Verbrechen begangen.

„Was ist denn?“, fragte sie und wurde wegen seines unerklärlichen Benehmens immer frustrierter.

Er zuckte mit den Schultern, die Arme immer noch vor der Brust verschränkt. „Es ist ganz einfach, Mall. Wenn wir Layla und Reilly jetzt nicht alles erzählen, dann ist unsere Affäre – oder wie auch immer du es nennst – con diesem Augenblick an beendet.“

Mallory blieb der Mund offen stehen. „Das kann doch … nicht dein Ernst sein“, brachte sie nur mühsam zu Stande.

Er nickte nachdrücklich. „Oh doch. Es ist mein voller Ernst.“

„Hallo!“ Die Stimme rief jetzt lauter.

Wenn es etwas gab, was Mallory schon immer gehasst hatte, dann war es ein Ultimatum. Sie war damit aufgewachsen, dass ihre Mutter sagte: „Mallory Marie, benimm dich, oder ich schicke dich zu deiner Großmutter nach Portland.“ Und in letzter Zeit schienen plötzlich alle Menschen aus ihrem näheren Umfeld mit einem Ultimatum anzukommen. „Zahlen Sie Ihre Miete, oder ziehen Sie aus“, hatte ihr Vermieter letzte Woche zu ihr gesagt. „Zahl mir das Honorar für den letzten Monat, oder ich gehe“, hatte ihr Kameramann erklärt.

Aber kein anderes Ultimatum hatte bei ihr ein solches Gefühl von Übelkeit ausgelöst. Wenn sie Jack ansah und davon ausgehen musste, dass es sein Ernst war, schmerzte ihr Herz so sehr, dass es ihr Angst machte.

Trotz seiner Worte konnte sie es nicht glauben. Es konnte einfach nicht sein. Mallory hatte doch keine Zeit für eine Beziehung. Sie hatte keine Ahnung, wie es mit ihrer Karriere weiterging.

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