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Gefährliches Spiel der Versuchung

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. 1. Kapitel
  6. 2. Kapitel
  7. 3. Kapitel
  8. 4. Kapitel
  9. 5. Kapitel
  10. 6. Kapitel
  11. 7. Kapitel
  12. 8. Kapitel
  13. 9. Kapitel
  14. 10. Kapitel
  15. 11. Kapitel
  16. 12. Kapitel
  17. 13. Kapitel
  18. 14. Kapitel
  19. 15. Kapitel
  20. 16. Kapitel
  21. 17. Kapitel
  22. 18. Kapitel
  23. 19. Kapitel
  24. 20. Kapitel
  25. 21. Kapitel
  26. 22. Kapitel
  27. 23. Kapitel
  28. 24. Kapitel

Über die Autorin

Andrea Pickens lebt in New York und arbeitet als Creative Director für ein Lifestyle- und Sportmagazin. Sie besuchte die Yale University und besitzt einen Abschluss in Grafik-Design. Seit sie Stolz und Vorurteil von Jane Austen las, ist sie fasziniert von der Regency-Zeit und nutzt jede Chance, nach London zu reisen, wo sie am liebsten auf den Trödelmärkten und in Secondhandbuchläden stöbert.

Andrea Pickens

GEFÄHRLICHES
SPIEL DER
VERSUCHUNG

Roman

Aus dem amerikanischen Englisch von
Jutta Nickel

1. Kapitel

Der Wind peitschte über ihre Wangen. Die beißende Kälte drang ihr bis ins Mark, doch Shannon schenkte dem Schmerz keine Beachtung. Sie duckte sich tief in den Sattel, gab dem schweißbedeckten Hengst die Sporen und trieb ihn auf die hohe Mauer zu.

»Flieg, Ajax, flieg!«, flüsterte sie. Ihre Muskeln spannten sich an, als sie die steinerne Silhouette durch die dahinjagenden Nebelschwaden erblickte. »JETZT!«

Das mächtige Tier sprang hoch in die Luft. Einen Herzschlag lang schwebte es über dem schroffen Gestein, bevor es donnernd auf dem regennassen Boden landete. Shannon straffte die Zügel und lenkte den Hengst auf den schmalen Pfad, der durch den Eichenhain führte.

Schneller. Schneller! Der Bruchteil einer Sekunde konnte zwischen Leben und Tod entscheiden.

Trotz der Kälte war ihr Gesicht schweißüberströmt. Die Pistole. Bestimmt lauerte die Gefahr nicht weit voraus, dort wo das Gehölz sich zu einer kleinen Lichtung weitete. Da fiel ihr Blick auf ein verräterisches Schimmern unter dem herabgefallenen Laub.

Shannon beugte sich vor. Mit einer Hand griff sie nach dem ledernen Sattelknauf, befreite einen Fuß aus dem Steigbügel und schwang den Oberkörper tief nach unten. Dornen zerkratzten ihre Hände, aber es gelang ihr, nach der Waffe zu greifen. Nach einer harten Hüftdrehung saß sie wieder aufrecht im Sattel.

Ruhig Blut! Keine Fehler. Nicht jetzt. Nicht bei allem, was auf dem Spiel stand. Ihr Puls raste beinahe so schnell wie der Hengst galoppierte. Ihr Herz pochte feurig gegen ihre Rippen, wie ein Echo der stampfenden Hufe und peitschenden Zweige. Shannon atmete tief durch und zwang sich, nur auf das anzüglich grinsende Gesicht zu achten, das vor ihr auftauchte: auf die kohlenschwarzen Augen, das bedrohliche Zähnefletschen, die breiten, massigen Schultern, ganz in Schwarz gekleidet …

Shannon zielte. Ohne zu zögern feuerte sie einen Schuss ab.

Ein heiserer Schrei fuhr auf, als die Kugel explodierte und der Gestalt ein klaffendes Loch in die Brust riss. Sie zügelte das Pferd in den Trab, wendete und ritt zurück. Der beißende Pulverdampf hing noch immer schwer in der Luft. Aus den Augenwinkeln erhaschte sie eine leichte Bewegung in den Bäumen. Ein junger Mann trat aus dem schützenden Geäst hervor.

»Ist er tot?«, wollte Shannon wissen, als der Mann sich über die zerfetzte Kleidung beugte.

»Mausetot!« Grinsend stach Giovanni Marco Musto – seine Freunde nannten ihn Marco – in das versengte Stroh. Der große muskulöse Mailänder stand dem Reit- und Fechtlehrer an Mrs. Merlins Academy for Select Young Ladies bei. »Bravissimo! Sie haben ihn direkt in die Brust getroffen.«

»Der Schaden hält sich in Grenzen.« Sie unterdrückte das Zucken ihrer Lippen. »Schon in der Frühe wird Jem ihm ein neues Gesicht gemacht haben.«

»Sí. Aber der Himmel möge dem Feind aus Fleisch und Blut beistehen, der Ihnen in die Quere kommt.« Marcos perlenweiße Zähne blitzten noch mehr auf, als er einen Blick auf seine Taschenuhr warf. »Die Zeit ist magnifico, Signorina Shannon.« Er salutierte übermütig, während er den goldenen Deckel der Uhr wieder zuschnappen ließ. »Sie haben den Rekord der Academy um eine Sekunde unterboten. Keine andere Schülerin kann sich mit Ihren Fähigkeiten im Sattel messen.« Er wandte ihr sein Profil zu. Sein dunkles Haar schmiegte sich in weichen Wellen um den offenen Kragen und wirkte im Kontrast zu den wohlgeformten Muskeln seiner breiten Schultern so weich wie Seide … Er war ein Bild von einem Mann.

Und er weiß es nur zu gut, dachte Shannon trocken. Die Academy – eine kleine Schule, die versteckt in einer ländlichen Gegend außerhalb von London lag – verlangte sowohl von ihren Lehrern als auch von ihren Schülerinnen einzigartige Fähigkeiten. Marco war nicht nur wegen seiner ausgeprägten Talente mit Schwert und Sporen ausgewählt worden, sondern ebenfalls wegen seines perfekten Körpers. Der junge Italiener wurde oft in die fortgeschrittenen Klassen gerufen, um beim Zeichnen als Modell zur Verfügung zu stehen. Eine Aufgabe, die er mit schamloser Angeberei erledigte.

Marco verharrte noch ein paar Sekunden in seiner Pose, bevor er sich mit einem anzüglichen Hüftschwung umdrehte. »Nun, wenn Sie in der Kunst des Schwertkampfes unterrichtet werden möchten, kommen Sie nach dem Abendessen in mein Quartier. Ich stehe Ihnen für private Unterweisungen zur Verfügung.«

»Dann machen Sie sich auf eine Enttäuschung gefasst. Wenn wir die Klingen kreuzen, werden Sie am Ende niemals obenauf sein.«

»Umso besser, bella.«

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie in der derselben Tonlage wie ein castrato singen möchten.«

Marco nahm seine Niederlage im Wortgefecht mit gut gelauntem Gelächter hin. »Ich kann nichts dagegen tun, cara. Uns Italienern liegt nun mal ein lebhafter Sinn für Schönheit im Blut.«

»Dann sollten Sie diesen lebhaften Sinn besser zugeknöpft in Ihren Reithosen verbergen. Mr. Gravely wäre überhaupt nicht begeistert, wenn ihm zu Ohren käme, dass Sie versuchen, seine Studentinnen der Reihe nach …«

Der schelmische Ausdruck in seiner Miene verflüchtigte sich ein wenig. »Porca miseria! Sie werden doch nicht … Sie werden doch nicht …?«

Shannon verbiss sich das Lachen. »Nein, Marco, ich werde Sie nicht verpetzen. Niemals würde ich einen Freund im Stich lassen. Selbst wenn diesem Freund die Schlafzimmerprahlereien manchmal aus der Hand zu gleiten drohen.«

»Sí. Wir alle wissen Ihre unerschütterliche Loyalität zu schätzen.« Plötzlich hatte er eine ernste Miene aufgesetzt und kickte mit dem Fuß gegen das Strohbündel. »Es ist ein Jammer, dass Signorina Siena sich aus unseren Kreisen verabschiedet hat.«

Shannon schluckte schwer. Sie versuchte, nicht daran zu denken, dass ihr eigener Abschied von der Academy ebenfalls kurz bevorstehen mochte. Nur dass ihre Freundin und frühere Zimmergenossin Siena inzwischen eine ganz andere Stellung bekleidete. Sie hingegen …

Angestrengt richtete sie den Blick auf die Schatten. Niemand sollte den Schmerz in ihren Augen bemerken. Immerhin gehörte sie zu den wenigen Auserwählten, die es geschafft hatten, die Meisterklasse zu absolvieren. Das Abzeichen – ein Falke mit schwarzen Flügeln, der ihr genau über der linken Brust eintätowiert worden war – gab sie als unerbittliche Kriegerin zu erkennen, als ausgebildeten Killer.

In diesem Arsenal an Fähigkeiten gab es keinen Platz für zartere Gefühle.

»Ich vermisse sie«, gestand Marco.

»Genau wie ich.«

Er warf ihr einen forschenden Blick zu. »Ich brauche ein wenig mehr Zeit, um hier aufzuräumen. Warten Sie, damit wir zusammen zurückreiten können.«

»Wenn es Ihnen nichts ausmacht, möchte ich mich lieber allein auf den Weg machen.«

Bevor er widersprechen konnte, schnalzte Shannon mit den Zügeln und trieb den Hengst in Richtung der Stallungen. Ihr Körper entspannte sich, passte sich dem leichten Galopp unwillkürlich an. Wenn ich meinen Geist doch auch nur so einfach bezwingen könnte, dachte sie. Waghalsige Akrobatik fiel ihr leicht; der stählerne Griff einer Pistole oder ein Schwert schmiegten sich ihr in die Hand wie eine zweite Haut. Aber wenn es darauf ankam, ihre Zunge oder das überschäumende Temperament zu zügeln, wirkte sie unsicher und unbeholfen. Diese verfluchten Dämonen in ihrem Innern schienen mit eigenem Willen begabt zu sein.

»Verdammt noch mal!« Der Fluch glitt ihr über die Lippen, als die gekalkten Mauern und spitzen Schieferdächer der Ställe aus dem Nebel auftauchten. Ihre Furcht war förmlich mit Händen zu greifen, so wie die Wetterfahne auf dem mittleren Kuppeldach. Sie krallte sich in ihre Seele wie die Fänge des verwitterten kupfernen Falken und ließ sie nicht mehr los.

Würde Lord Lynsley sie aus der Schule abberufen? Denn mit ihrer Einmischung in eine andere Mission der Merlins hatte sie gegen beängstigend viele Vorschriften verstoßen. Bis zur Stunde hatte der Marquis sich allerdings in geheimnisvolles Schweigen gehüllt, was ihre Zukunft betraf.

Shannon blickte sich um und spürte, wie das Bedauern und die Selbstvorwürfe in ihr noch drängender wurden. Der Schießstand, der Fechtboden, die kargen Klassenzimmer und Schlafräume, all das war ihr längst auf schmerzliche Weise vertraut. Es war schwer, sich ein Leben außerhalb der efeubedeckten Mauern vorzustellen. Schließlich war es ihr Zuhause, seit … seit einer Zeit, an die sie sich nicht zu erinnern wünschte.

Nicht an die Angst, den Dreck und die Gewalt, die sie mit den Armenvierteln von London hinter sich gelassen hatte. Selbst ihr wahrer Name, falls sie jemals einen besessen hatte, lag in den Schatten der Vergangenheit begraben. Wie alle neuen Schülerinnen war sie in das Büro der Leiterin gedrängt worden, ein dürres, eingeschüchtertes Mädchen, das nicht wusste, womit es zu rechnen hatte. Es hatte zu Mrs. Merlins – deren Name tiefgründigerweise »Falke« bedeutete – ersten Handlungen gehört, ihr den verzierten Globus zu zeigen. Und als das runde Ding sich nach einem Schubs um die eigene Achse drehte, war Shannon befohlen worden, sich einen Namen aus den tausenden Städten auszusuchen, die die runde Oberfläche sprenkelten.

Einen neuen Namen für die neue Welt, in die einzutreten sie im Begriff war …

Aus der Ferne betrachtet unterschied sich Mrs. Merlins Academy for Select Young Ladies nicht von anderen Internaten: Sie hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die hochwohlgeborenen Töchter der englischen Aristokratie zu jenen Diamanten zu schleifen, die anschließend in den Salons glitzerten. Auch hier in der ländlichen Gegend, in den ordentlichen Backsteingebäuden, die geschützt hinter hohen efeubedeckten Mauern lagen, fand solcher Unterricht statt. Der äußere Anschein jedoch war trügerisch. Tatsächlich bestand zwischen der Academy und anderen Einrichtungen ein Unterschied … wie Tag und Nacht.

Shannon schloss die Hände fester um die Zügel. Denn die Schülerinnen waren keine verwöhnten jungen Damen, die auf Empfehlung ihrer Ahnentafel und auf Rechnung der Geldbörse ihrer Familien im Hause lebten; sie waren verwaiste Straßenkinder aus den Gassen um Southwark und St. Giles, handverlesen vom Marquis of Lynsley.

Verwundert hatte Shannon sich gefragt, was er wohl in ihr gesehen haben mochte. Eine verbissene Zähigkeit, die sich weigerte, vor den grimmigen Tatsachen des Lebens im Armenviertel in die Knie zu gehen? Schon als kleines Kind war sie im Umgang mit der Klinge ungeheuer geschickt gewesen.

Mit geballten Fäusten und einer ungeheuren Wut im Bauch hatte sie sich ihren Weg an die Spitze der Klasse erkämpft. Anders als in den üblichen Mädchenpensionaten bestand der Lehrplan der Academy nicht darin, seine Schülerinnen in rosarotes Licht zu tauchen, sondern vielmehr darin, sie in das Herz der Dunkelheit zu stoßen. Selbstredend gab es auch Lehrkräfte für Tanz, Etikette und all die anderen gesellschaftlichen Umgangsformen. Aber während andere Mädchen sich in die Kunst der Tuschemalerei vertieften, studierten die Zöglinge der Academy die Kunst des Krieges. Denn sie waren nichts anderes als Englands ultimative Geheimwaffe, entsandt von Lord Lynsley, um die schwierigsten und gefährlichsten Aufgaben zu erledigen. In den Meisterklassen unterlagen sie strengem Unterricht in den klassischen Kriegskünsten Fechten, Schießen und Reiten, zusammen mit den eher exotischen östlichen Disziplinen wie Selbstverteidigung und Yoga.

Wenn ich den Lektionen in Selbstbeherrschung doch nur ein wenig mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte … Es war so viel einfacher, sich Hals über Kopf in den Trubel zu stürzen, als ein paar Sekunden innezuhalten.

Shannon blinzelte sich die feuchten Tröpfchen von den Wimpern und zwang das Kinn nach oben. Nein, auf keinen Fall wollte sie sich dem Selbstmitleid ergeben. Disziplin, Pflicht und eine leidenschaftslose Distanz zu Gefühlsausbrüchen – das waren die Gesetze, auf die Merlins Zöglinge einen Schwur abgelegt hatten. Falls es dazu kam, dass ihre Vorgesetzten sie des Namens für unwürdig hielten, würde sie das Haus hoch erhobenen Hauptes verlassen.

Die Missachtung von Befehlen zählte zu den ernsten Verstößen. Dabei verstand es sich, dass ein Merlin auf sich selbst gestellt war, wenn er auf eine Mission geschickt wurde. Aber als Shannon erfahren hatte, dass ein mörderischer Verräter ihre Zimmergenossin in die Falle gelockt hatte und dass sie in höchster Gefahr schwebte, war sie bei Nacht und Nebel aus der Academy geflüchtet, um ihre Freundin zu retten.

Sie hatte den Geist, wenn nicht sogar den Buchstaben des Gesetzes verletzt. Und doch konnte sie nicht ernsthaft behaupten, dass sie es bedauerte. In ihrem Beruf gab es keine Gesetze. Also hatte sie ihrem Herzen gehorcht – mehr als dem Handbuch, das jede Schülerin auswendig zu lernen hatte.

Richtig und falsch. Disziplin und Pflicht. Dass ihr Eingreifen geholfen hatte, den gefährlichen Verräter zur Strecke zu bringen, trug nach Auffassung der Direktorin nichts dazu bei, die Schwere des Verstoßes zu lindern.

Allerdings stellte auch niemand ihren Mut infrage, geschweige denn ihren Charakter.

»Soll ich den Hengst für Sie abreiben, Shannon?«

Abrupt aus den Grübeleien gerissen schüttelte sie den Kopf. »Nein, vielen Dank, Jem. Ich werde mich darum kümmern, dass Ajax seinen Hafer bekommt, bevor ich mich selbst zum Abendbrot an den Tisch setze.« Sie tätschelte den schlanken Hals des Tieres, während sie aus dem Sattel glitt. Ihre Beine fühlten sich ein wenig wacklig an, als sie mit den Sohlen ihrer Stiefel den Boden berührte. Den ganzen Nachmittag über hatte sie sich zu anstrengenden Tätigkeiten gezwungen – Fechten, Karate und anschließend in den Schießstand auf dem Gelände. Als ob der Schmerz irgendetwas wiedergutmachen würde. Aber immerhin hielten Schmerz und Erschöpfung sie davon ab, sich ständig über ihre Zukunft den Kopf zu zerbrechen.

Ihre Finger waren steif vor Kälte, als sie die Schnallen des Zaumzeugs öffnete. »Die Gerste wird dir viel besser schmecken als Hafer«, murmelte sie und strich über die samtigen Nüstern, die sie sachte anstupsten. Ajax wieherte leise. Weiße Wölkchen stiegen in die dämmrig kalte Luft auf, während Shannon die lockeren Strähnen ihres Haarknotens wieder feststeckte.

Anschließend striegelte sie dem Hengst das kastanienbraune Fell, bis es glänzte, schob ein paar Forken Heu in die Box und verriegelte die Tür. Damit war die Pflicht erledigt; jetzt sprach nichts mehr dagegen, sich zu ihren Kameradinnen im Esszimmer zu gesellen. Dennoch war Shannon unschlüssig. Sie verspürte nicht das Bedürfnis, Mitgefühl in den Augen der anderen zu sehen. Das würde ihren Stolz nur noch mehr verletzen.

Shannon tauchte die Hände in die steinerne Zisterne und platschte sich das kalte Wasser ins Gesicht, fest entschlossen, die weinerliche Stimmung abzuwaschen, zusammen mit dem grauen Schießpulver, das ihr immer noch auf den Wangen klebte.

»Brauchst du Hilfe?«

Sie beobachtete, wie ihre Zimmergenossin sich aus dem Schatten löste. Sofia bewegte sich mit einer natürlichen Würde, die wunderbar in die Ballsäle in Mayfair gepasst hätte. Sie wirkte immer so selbstsicher, so elegant – abgesehen von dem Florett und dem Säbel, die sie sich unter den Arm geklemmt hatte.

»Sieht so aus, als hättest du einen rauen Nachmittag gehabt«, fügte Sofia hinzu.

»Nicht schlecht geraten.«

»Mach dich nicht selbst fertig. Du hast genau die Entscheidung getroffen, die du für richtig gehalten hast. Und die du jederzeit wieder genauso treffen würdest.«

»Danke, dass du nicht gesagt hast, ich wäre doch selbst schuld an allem.« Shannon lächelte bemüht.

Sofia stieß einen wenig damenhaften Fluch aus. »Ich bin keine Schönwetter-Freundin.« Sie verzog die Lippen zu einem trockenen Lächeln. »Übrigens bin ich nicht ganz unschuldig an deinem Fehltritt. Marco hat mir immer noch nicht verziehen, dass ich deinen Hengst aus dem Stall geholt habe.«

»Fifi, du bist meine beste Freundin! Und du hast dir mehr auf die Schultern geladen als nur deinen Teil an der Schuld. Es tut mir sehr leid, dass man dir so viele Strafen aufgebrummt hat.«

Shannons Freundin fuhr mit einer übermütigen Handbewegung durch die Luft. »Ich habe unendlich viel über die Feinheiten der Waffenkunde gelernt. Schließlich bin ich verurteilt worden, den gesamten verdammten Waffenschrank zu reinigen.«

Sie zuckte zusammen. »Da Rimini ist ein Dreckskerl …«

»SHANNON!«

Sie nahm Haltung an, als sie den schallenden Ruf des Stallmeisters hörte. Hopkins sprach nur selten lauter als mit Gebrumm. »Hier, Sir!«, antwortete sie.

Konnte es sein, dass Mrs. Merlin zu einer Audienz rief? Ihr Herz überschlug sich beinahe, Hoffnung mischte sich in Beklemmung.

»SOFORT!«

Dreckige Stiefel und verklebte Hirschlederhosen verhalfen ihr nicht zu stärkerem Selbstvertrauen. Shannon hätte es vorgezogen, gepflegt und vorbereitet zu erscheinen – nicht schmutzig wie eine Kanalratte.

»Viel Glück«, murmelte Sofia, »und gute Reise! Du hast den Befehl gehört. Marsch, auf den Weg!«

Zackig machte Shannon kehrt, behielt ihren militärischen Schritt bei, bis sie das Scheunentor hinter sich gelassen hatte, und rannte dann los, was das Zeug hielt.

»Za Zdorovie.«

Alexandr Orlov hob das Glas. »Prost«, murmelte er und stürzte den hochprozentigen Wodka in einem Zug hinunter.

Prinz Yuri Feodor Yussapov, der Kopf des Geheimdienstes im Kaiserlich-Russischen Kriegsministerium, lachte, als er zu einer Flasche mit rubinrotem Portwein wechselte und ihnen noch eine Runde einschenkte. »Ich darf annehmen, dass du deinen Aufenthalt in England genossen hast?«

»Er hatte durchaus seine Höhepunkte, Yuri.«

Und auch seine Tiefpunkte. Orlov schürzte die Lippen. Trotz des lieblichen Weins hatte er einen bitteren Geschmack im Mund. Die verdeckte Mission war nicht ganz nach Plan verlaufen. Um die Wahrheit zu sagen: Er hatte sie irgendwie als persönliches Versagen eingestuft, obwohl seine Vorgesetzten sich mit dem Ergebnis zufrieden gezeigt hatten.

Er war nach London entsandt worden, um ein gestohlenes Dokument wiederzubeschaffen. Die zerbrechliche Allianz zwischen Russland und England hing davon ab, das Dokument nicht in französische Hände gelangen zu lassen. Und der Zar hatte nicht darauf vertraut, dass Whitehalls Agenten sich um die Angelegenheit kümmerten.

Vielleicht deshalb, weil sich niemand im russischen Geheimdienst selbst in seinen wildesten Träumen auch nur annähernd vorstellen konnte, welche Züge der englische Gegenangriff annehmen würde.

Grüblerisch starrte Orlov auf den Port in seiner Hand. In der Tat, das Papier war gefunden worden – nur nicht von ihm. Gerechterweise musste er zugeben, dass er zum Erfolg des Unternehmens einen gewissen Beitrag geleistet hatte. Die beiden Verräter würden keinerlei Staatsgeheimnisse mehr über den Ärmelkanal senden. Aber trotzdem nagte der Gedanke in seinem Innern, dass er durch eine rivalisierende Operation aus dem Rennen geworfen worden war.

Orlov fluchte unhörbar und leerte das Glas in einem Zug.

Yussapov hatte sich selbst noch nie Zurückhaltung auferlegt. »Schau nicht so grimmig drein, dass du von einem Weib ausgebremst worden bist, tvaritsch«, bemerkte er. »Man sagt, Lord Lynsleys geflügelte Ladys seien Vögel von einzigartigem Gefieder.«

»Das sind sie.« Sowohl er als auch der Prinz hatten erstaunt festgestellt, dass es sich bei Whitehalls vertrauenswürdigsten Agenten um eine Geheimwaffe handelte, die aus bestens ausgebildeten Kriegerinnen bestand.

Und sie waren gut. Verdammt gut.

Genau wie er. Trotzdem hatte er nur mit knapper Not die Peinlichkeit verhindern können, selbst in Gefangenschaft zu geraten. Jetzt, wo er hier saß, in der Botschaft in Stockholm, war es leicht, Witze zu machen; aber zu jenem Zeitpunkt war ihm nicht nach Scherzen zumute gewesen.

Orlov griff nach dem Kosakendolch des Prinzen und bohrte die Spitze in die lederne Schreibtischunterlage. »Wie auch immer: Es wäre nur recht und billig gewesen, wenn du mir und Lord Lynsley eine Warnung hättest zukommen lassen, dass es sich um eine gemeinschaftliche Unternehmung handelt. Denn es hätte nicht viel gefehlt, dass man dem falschen Mann die Kehle durchgeschnitten hätte.«

»Pah!« Yussapov wischte den Einwand mit einer hochmütigen Handbewegung fort. »Ende gut, alles gut. So heißt es doch bei den berühmten Dichtern, oder?«

»Als halber Russe bin ich geneigt, die Dinge aus einem eher melancholischen Blickwinkel zu betrachten«, erwiderte Orlov trocken. »Das Gelächter geht einem leicht über die Lippen, wenn man mit einem Pelz im Armsessel sitzt. Aber die Angelegenheit gerät gefährlich nahe an eine Katastrophe, wenn niemand weiß, wer Freund und wer Feind ist. Wenn wir mit den Briten verbündet sind, sollten wir dann nicht versuchen, ein wenig enger zusammenzuarbeiten?«

»Wir fühlen uns in dem Bündnis recht unbehaglich, Alexandr. Der Zar ist sich nicht ganz sicher, dass er dem verrückten König und seinen Ministern trauen kann.«

»Trotzdem ist es unsinnig, nicht mit dem Geheimdienst von Whitehall zusammenzuarbeiten.« Das Licht blitzte auf dem geschliffenen Stahl. »Während wir mit gezücktem Dolch umeinanderschleichen, nutzen Napoleons Agenten die Gelegenheit zu ihrem Vorteil.«

»Da hast du recht.« Der Prinz strich sich über den Bart. »Ich sollte die Angelegenheit vor Seiner Kaiserlichen Hoheit ansprechen.«

Orlov fühlte sich ein wenig besser, nachdem er seine Auffassung vorgebracht hatte. Dennoch blieb er überraschend missgelaunt, bedachte man die Qualität des alten Portweins und der türkischen Zigarren. Er lehnte sich zurück, stemmte den gestiefelten Fuß auf den Tisch, stieß eine Rauchwolke aus und hoffte, damit auch zugleich seinen schwarzen Humor loszuwerden. Der Rauch hing einen Moment lang in der Luft, ein perfektes Oval vollkommener Harmonie, bevor die sanft wirbelnden Wellen sich in geisterhaften Schwaden auflösten.

Asche zu Asche … Welch eigentümliche Grübeleien kamen da nur über ihn? Seine slawische Neigung zur Melancholie hielt gewöhnlich die Balance mit dem eher übermütigen Wesen seines englischen Erbteils. Seine Mutter, eine lebhafte Schönheit aus Yorkshire, hatte sich als perfekter Gegensatz zum Hang seines Vaters erwiesen, sich mürrisch auf sich selbst zurückzuziehen.

Wieder sog Orlov den beißend scharfen Tabaksqualm in den Mund. Ihm war bewusst, dass viele behaupteten, er habe die schlechtesten Eigenschaften beider Eltern auf sich vereint. Durch seinen zynischen Blick auf das Leben und den ätzenden Witz fühlten viele Menschen sich angegriffen. Er war der Erste, der bereitwillig eingestand, dass er nichts anderes war als ein prinzipienloser Erzschurke, ein raubeiniger Schuft. Aber ein Mann mit feinem Ehrgefühl geriete in Schwierigkeiten, müsste er die Dinge tun, für die man ihn in Anspruch nahm: lügen, stehlen, verführen – und, ja, auch morden. Sein Gewissen, falls er je eins besessen hatte, war schon lange taub für Vorwürfe und Bedauern.

»Noch ein Drink?« Yussapov musterte ihn seltsam unter den struppigen silberfarbenen Brauen. »Du scheinst mir … wie sagt man auf Englisch? … heute Abend irgendwie voller Wehmut zu stecken.«

»Was der Nüchterne im Kopf hat, trägt der Betrunkene auf der Zunge, Yuri.« Orlov zwang sich zu einem sarkastischen Lächeln und hob das Glas. »Sprich Russisch, wenn du eine Prise Sarkasmus einstreuen willst. Sie geht sonst in der Übersetzung verloren.«

»Moi? Ich und Sarkasmus?« Der Prinz gab die gekränkte Unschuld und spielte an der Kette seiner Taschenuhr herum. »Ich mache mir nur Sorgen um dich, tvaritsch. Als dein Freund bin ich der Meinung, dass wir dir in letzter Zeit zu viel abverlangt haben.«

Orlov verschluckte sich beinahe an seinem Gelächter. »Ich bin zutiefst gerührt von deinen zärtlichen Gefühlen!«, erwiderte er nach einem Schluck Port. »Nicht, dass ich mich in die Irre führen lasse … Ich nehme an, dass es einen Auftrag für mich gibt?«

Kurzes Zögern, und Orlov durchzuckte ein warmes Gefühl. Er schob es rasch auf das flackernde Kerzenlicht, tat es als Erfindung seiner eigenen überhitzten Einbildung ab. Denn als Yussapov das Wort ergriff, sprach er wieder mit der üblichen unbarmherzigen Offenheit. »Um die Wahrheit zu sagen: Ja. Der neue Auftrag verlangt allerdings nicht nach deinem berühmten Charme im Umgang mit Frauen.«

»Du bewegst dich auf dünnem Eis, Yuri!«, brummte Orlov. »Der Witz ist reichlich strapaziert.«

»In der Tat, du bist in merkwürdiger Stimmung.« Der Prinz faltete die Hände auf dem Tisch. »Aber ich sollte die Warnung ernst nehmen und das Thema fallen lassen …«

Orlov stellte das Glas dumpf neben den abgelegten Dolch.

»Du liebe Güte, heute Abend ist deine Haut wirklich dünn, tvaritsch! Aber gut, ich werde mir weiteren Unsinn verkneifen.« Seine Miene wurde nüchtern. »Denn schließlich ist der nächste Auftrag alles andere als amüsant.«

»Was soll das heißen?«

»Letzte Woche ist der Kopf unseres Geheimdienstes in Brüssel ermordet worden. Wir haben guten Grund anzunehmen, dass D’Etienne dahintersteckt, derselbe Kerl, der den preußischen Gesandten nach Warschau geschickt hat.«

»Ich habe von ihm gehört«, murmelte Orlov, »man behauptet, er sei der gefährlichste Agent in französischen Diensten. Und sehr gut in dem, was er tut.« Er verzog die Lippen zu einem trockenen Lächeln. »Offenbar sind die Gerüchte nicht einmal besonders übertrieben.«

»Gut, ja, das ist er.« Yussapov wirbelte den rubinroten Port in seinem Glas herum. »Aber nicht so gut wie du, wie ich annehmen darf.«

Angespannt richtete er sich im Stuhl auf. »Was soll ich tun?«

»Ihn umbringen. Was sonst?«

»Was sonst«, wiederholte Orlov sanft.

»Wie du weißt, haben wir mit England wieder Verhandlungen darüber aufgenommen, ein Bündnis zwischen uns und unseren westlichen Landsleuten zu schließen. Mit dem Mord und anderen Störmanövern hoffen die Franzosen, die Verständigung zwischen unseren Ländern zu verhindern.«

»Wo hält D’Etienne sich zurzeit auf?«

»In Irland. Für ein paar Wochen, um dort Ärger unter den irischen Nationalisten zu schüren. Wir glauben, dass er von dort aus für die Reise nach Britannien vorgesehen ist, mit dem Auftrag, Angus McAllister zu töten.«

»Den schottischen Ballistik-Experten?« Orlov zog die Stirn kraus. »Das wäre in der Tat ein schwerer Schlag gegen die britischen Anstrengungen, ihre Artillerie zu verbessern.«

»Dann steht dir der Ernst der Lage also klar vor Augen.«

Er starrte auf die blutroten Widerspiegelungen des Lichts im Kristallglas. »Du musst dir nicht die Mühe machen, mir den Auftrag moralisch zu erläutern. Ich bin noch lange kein Hasenfuß.«

»Du bist ein Mensch, Alexandr. Genau wie ich. Ich verlange nicht, dass du das Leben auf die leichte Schulter nimmst«, bemerkte Yussapov bedächtig. »So widerwärtig der Auftrag auch sein mag, das Ergebnis könnte vielen guten Männern eine große Hilfe sein.«

Orlov zuckte nur die Schultern.

»Du siehst müde aus, tvaritsch.«

»Ich werde schließlich nicht jünger«, schnappte Orlov.

Das Gold blitzte im Kerzenlicht auf, als Yussapov mit dem Siegelring an seinem Finger spielte. »Vielleicht ist die Zeit gekommen, darüber nachzudenken, sich irgendwo niederzulassen. Sich eine Frau zu suchen.«

»Gott bewahre!« Orlov verzog das Gesicht. »Kannst du dir wirklich vorstellen, dass ich mich an eine dralle Schönheit aus London oder an eine kleine Miss aus Moskau ketten ließe?«

Der Prinz überlegte sekundenlang, bevor er in schallendes Gelächter ausbrach. »Nein, in der Tat, ich kann mir nicht vorstellen, dass du ein solch gewöhnliches Leben führst.«

»Die Arbeit mag eine harte Gebieterin sein. Aber immer noch weit wünschenswerter als die Langweile des Ehestandes.« In seinen Mundwinkeln hing ein sarkastisches Lächeln. »Ich nehme an, dass du die Vorkehrungen für den Auftrag schon getroffen hast.«

»Es steht ein Schoner bereit, der mit der nächsten Flut lossegeln kann.«

»Ah, und ich dachte, dass sich mir die Gelegenheit bieten würde, hier in Stockholm die Wonnen des Nordens zu genießen. Es ist ein Jammer! Eine blonde Walküre wäre genau das Richtige für meinen Geschmack.« Er stand auf. »Vielleicht das nächste Mal.«

Der Prinz schob einen Stapel Papiere über den Tisch. »Hier findest du sämtliche Einzelheiten, den Hintergrund betreffend, eine Liste mit Kontakten und auch Landkarten.«

Orlov ließ die Papiere in seine Manteltasche gleiten. »Wann kehrst du nach Sankt Petersburg zurück?«

»Ich habe noch eine Verabredung mit dem Kriegsminister und dessen Abgesandten. Wegen der polnischen Frage. Anschließend …« Er zuckte die Schultern. »Der Himmel allein weiß, wohin ich dann gehen werde. Mir geht es wie dir: Ich werde dorthin geschickt, wo es nötig ist, Feuer mit Feuer zu bekämpfen.«

»Pass auf, dass du dir nicht die Finger verbrennst, Yuri.«

»Du auch, Alexandr. Es ist anders, als du glaubst … Ich bin nämlich tatsächlich ein sentimentaler alter Dummkopf. Ich wäre zutiefst erschüttert, wenn man mir von deinem Tod berichtete. Du solltest also versuchen, mit heiler Haut zurückzukehren, anstatt in der Flamme des Ruhmes zu verglühen.«

2. Kapitel

Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich tun soll, Charlotte.« Der Marquis of Lynsley setzte sich auf das Sofa. Sein kohlrabenschwarzer Mantel wirkte auf dem pastellfarben geblümten Chintz besonders düster. »Es entsprach noch nie meinen Gewohnheiten, meine eigenen Entscheidungen zu hinterfragen. Aber in diesem Fall …«

»… ein überaus bedrückender, wie mir bewusst ist, Thomas. Aber genau aus diesem Grund existiert unsere Academy. Weil es keine einfachen oder schönen Antworten auf die Bedrohungen gibt, denen unser Land in Zeiten des Krieges ins Auge blicken muss.« Mrs. Merlin – eine zerbrechlich wirkende, federleichte Witwe mit taubengrauen Locken, die ihr schmales Gesicht wie eine Haube umrahmten – stand der Schule seit der Gründung vor. Mit dem Alter waren ihre Züge weicher geworden, aber hinter ihrem Lorgnon glitzerten die silbrigen Augen immer noch mit falkenartiger Aufmerksamkeit. »Das verstehen die Mädchen.«

»Ich weiß.« Lynsley kniff sich in die Nasenwurzel. »Doch das lässt mich nachts auch nicht ruhiger schlafen.«

»Das dürfen Sie aber«, riet Mrs. Merlin, »es lohnt den Kampf, England vor Feinden zu schützen, die nichts unversucht lassen, die Souveränität des Landes und seine Freiheit zu zerstören. Ohne Opfer gibt es keinen Sieg.«

»Vielen Dank, dass Sie neben dem vorzüglichen Oolong-Tee und den Erdbeertörtchen auch eine großzügige Portion Mitgefühl servieren.« Er zog sich aus dem Lichtkreis zurück und nippte an dem duftenden Getränk.

Trotz seines Reichtums und des gesellschaftlichen Ranges zog der Marquis es vor, sich eher im Hintergrund zu halten. Und er sah auch nicht so aus, als würde er in der Menge auffallen. Mit den Jahren hatte er sich eine Reihe untergründiger Eigenheiten angewöhnt, die ihn unscheinbarer wirken ließen, als er wirklich war. Seine Gesichtszüge waren aristokratisch, aber durch sein selbstironisches Lächeln wirkte er gleichsam weniger autoritär. Das Haar war weder kurz noch lang; seine mausbraune, an den Schläfen ergraute Farbe wiederholte sich in seiner düsteren Kleidung. Viele Menschen hielten ihn für einen faden, ziemlich langweiligen Bürokraten. Was ihm ungemein entgegenkam.

Sein offizieller Titel – Sekretär des Außen- und Kriegsministers – war absichtlich diffus gehalten, um über seine wahre Verantwortlichkeit hinwegzutäuschen. Er war mit Spionage und Verschwörungen betraut, beschäftigte sich mit den gefährlichsten und teuflischsten Bedrohungen der englischen Souveränität. Die Academy gehörte zu seinen ungewöhnlichsten Einfällen; der Premierminister hatte ihn anfangs für verrückt gehalten. Aber Lynsley hatte die Regierung davon überzeugt, ihm das alte Anwesen zur Verfügung zu stellen, das einst als Weideland für die Kavallerie genutzt worden war. Die Kosten für den Unterhalt zahlte er aus eigener Tasche, und Mrs. Merlin hatte ein wachsames Auge auf den Alltag.

»Mir ist bewusst, dass Sie diese Entscheidungen sehr persönlich nehmen, Thomas. Schließlich sind Sie es gewesen, der unsere Schülerinnen aus den verwaisten Rumtreibern der Londoner Armenviertel ausgesucht hat.«

Lynsley sog die Luft tief in die Lungen. »Bedauerlicherweise gibt es viel zu viele, aus denen ich auswählen muss.« Jedes Jahr wurden nur einige wenige in die Reihen der Schule aufgenommen. Lynsley achtete bei den Mädchen darauf, ob sie sich mutig und klug zeigten. Und auf ihr Aussehen. Schönheit war an sich selbst eine Waffe.

»Das Leben kann sehr ungerecht sein, wie wir beide wissen«, erwiderte die Direktorin. »Wie auch immer, die Mädchen sind stolz darauf, dass sie als Waffe dienen dürfen, die im Kampf für ein höheres Gut eingesetzt wird.«

»Nun … Würde es Ihnen etwas ausmachen, mir einen letzten Rat zu meiner Entscheidung zu geben?«, fragte er.

»Um offen zu sprechen: Ich glaube nicht, dass Sie überhaupt eine Wahl haben.« Mrs. Merlin linste über den Rand ihres Lorgnons. Bedächtig rückte sie den Stapel Papiere auf dem Tisch zum Quadrat. »Die letzten Beurteilungen der Lehrkräfte bestätigen nur meine eigenen Beobachtungen: An den Waffen zeigt sich niemand auch nur annähernd so fähig wie Shannon.«

»Ich zweifle nicht an ihrer körperlichen Schlagkraft«, entgegnete Lynsley sanft. »Es ist ihr geistiger Zustand, über den ich mir Gedanken mache. Wenn je ein Auftrag nach einem kühlen Kopf und eisernen Nerven verlangt hat, dann dieser hier. Ein unbesonnener Schachzug, ein unnötiges Risiko, und sie wird sterben – wie auch andere, als Ergebnis ihres Scheiterns.« Der Marquis starrte in seine Tasse, als wollte er aus den Teeblättern lesen. In den ersten Monaten des Jahres 1812 hatte Napoleon auf dem Kontinent einen militärischen Triumph nach dem anderen gefeiert. England sehnte sich verzweifelt nach einem Sieg – sei es auch nur nach einem kleinen – um zu zeigen, dass der Kaiser nicht allmächtig war. »Ich habe die Berichte über Disziplin und Betragen ganz oben auf Ihrem Stapel gelesen. Ich frage mich, ob es moralisch gerechtfertigt ist, über eine Schwäche hinwegzusehen, die schon im Vorhinein bekannt ist.«

»Manchmal kann eine Schwäche auch ein Vorteil sein. Es ist alles eine Frage der Zeit und des Maßes«, gab Mrs. Merlin zurück. »Mit Entschlossenheit, sogar mit Waghalsigkeit, kann man den Klauen der Niederlage doch noch den Sieg entreißen.«

Lynsley lächelte trocken. »Ihre Worte sind sehr überzeugend.«

»Es liegt daran, dass Sie mich für den Unterricht in Rhetorik und logischem Denken so ausgezeichnet bezahlen.« Hinter dem Lorgnon blitzte ein Zwinkern auf. »Ich nehme an, dass Sie sich noch nicht endgültig entschieden haben?«

»Nein.«

»Dann sollten wir sie hereinrufen. Falls Sie im letzten Moment beschließen, die Strategie zu wechseln, dann werden wir uns neu ordnen und mit einem anderen Angriffsplan aufwarten.«

Als Lynsley nickte, stand die Direktorin auf und eilte zur Tür.

Shannon wischte sich die Hände an der Rückseite ihrer Reithose ab und versuchte, auf diese Weise das Schwarzpulver und die Gewehrschmiere loszuwerden. Der Blick in die Fensterscheibe zeigte ein verschwitztes Gesicht mit Schlammspritzern, das von den unbändigen Locken umrahmt wurde. Eher ein Bild der Sorglosigkeit als eines der Selbstbeherrschung.

Sie atmete tief durch, versuchte, ihre Gefühle zu zügeln. Falls Mrs. Merlin und Lynsley einen Schliff wie auf dem Exerzierfeld erwarteten, würden sie eine Enttäuschung erleben. Und das nicht zum ersten Mal.

Shannon straffte die Schultern und schüttelte die trüben Gedanken ab. Falls die Niederlage unausweichlich war, würde sie sich würdevoll zeigen und schneidig und …

Verdammt noch mal, sie würde kämpfen wie der Teufel persönlich, um die Direktorin und ihren Besuch umzustimmen!

»Ah, wie ich sehe, hat Hopkins die Nachricht weitergeleitet«, bemerkte Mrs. Merlin.

»Ja, Ma’am. Ich bin so schnell wie möglich hergekommen.«

Die Direktorin beäugte die Matschspur und das Stroh, das jetzt den Teppich im Flur beschmutzte. »Das sehe ich.«

»Bitte verzeihen Sie, ich hätte …«

»Kommen Sie nur herein! Kommen Sie!« Die Direktorin winkte entschuldigend. »Lord Lynsley ist hier, und wir haben verschiedene Dinge, die wir gern mit Ihnen besprechen möchten, meine Liebe.«

Wer durch das Schwert lebt, soll sich nicht scheuen, durch das Schwert umzukommen.

»Sir, dürfte ich ein paar Worte zu meiner Verteidigung äußern, bevor Sie beginnen?«

»Wir sind nicht das Kriegsgericht, Shannon«, erwiderte der Marquis sanft. Er lächelte; die Lachfältchen vermochten seine Anspannung allerdings nicht ganz zu verbergen.

»Es wäre das, was ich verdient habe, Sir«, gestand Shannon ein, »und doch …« Lynsley war stets freundlich. Wie der Vater, den sie niemals kennengelernt hatte. Als sie dem Blick des Mannes begegnete, fragte sie sich, wie alt er wohl sein mochte. Es war schwer zu sagen. Trotz der silbrigen Strähnen war sein Haar immer noch dicht, sein Körper sah unter der elegant geschneiderten Kleidung immer noch schlank aus und stark. Ihr waren Gerüchte über seine jugendlichen Heldentaten für Whitehall zu Ohren gekommen, Geschichten, die den feinen Gesichtszügen und höflichen Manieren zu widersprechen schienen …

Er zog kaum merklich die Brauen hoch. »Und doch?«

Shannon war aus ihrer momentanen Betrachtung gerissen und beendete rasch ihren Satz. »Und doch würde ich mich gern erklären … das, was ich getan habe.«

»Möchten Sie vielleicht zuerst einen Tee trinken?«, fragte Mrs. Merlin.

Shannon schüttelte den Kopf, befürchtete, dass das klappernde Porzellan den wahren Zustand ihrer Nerven offenbaren könnte.

Lynsley stellte seine Tasse ab und faltete die gepflegten Hände. »Fahren Sie bitte fort.«

»Laut Sun Tzu, dem großen chinesischen Militärstrategen, sind Yin und Yang – heiß und kalt – die wichtigsten Elemente in der Kunst des Krieges. Selbstverständlich müssen sie ins Gleichgewicht gebracht werden.« Shannon schluckte schwer. Wagte sie es wirklich, fortzufahren? Wollte sie wirklich das Risiko eingehen, ungehorsam zu klingen? Es war immer noch Zeit, sich zurückzuziehen und in den Gepflogenheiten der Academy Schutz zu suchen. Die Sahne auf den Erdbeertörtchen sah zu verlockend aus. »Was bedeutet, Sir, dass der Sieg nicht allein nur aus Klugheit, Organisation und Disziplin kommen kann. Solche herausragenden Tugenden müssen durch Flexibilität, Einbildungskraft und überraschende Schachzüge ergänzt werden.«

»Mit anderen Worten«, meinte Lynsley bedächtig, »auf dem Schlachtfeld muss ein General dem Chi vertrauen können, dem Geist seiner Offiziere?«

Shannon wünschte sich, an den Augen seine Reaktion ablesen zu können. Doch weder der Tonfall noch seine Miene gaben irgendetwas zu erkennen; der Marquis war immer vollkommen Herr über seine Gefühle. Sie warf Mrs. Merlin einen Blick zu. Die aber war damit beschäftigt, ein paar Zeilen in ihr Notizbuch zu kritzeln.

»Ja, Sir.«

»Eine sehr pointierte und kluge Zusammenfassung des legendären Handbuchs über den Krieg. Wie würden Sie auf solcher Grundlage Ihren jüngsten eigenen Auftritt beurteilen?«

Was habe ich schon zu verlieren?

»Rückblickend, Sir, würde ich mich nicht anders entscheiden.« Sie zwang sich zu Schatten eines Lächelns. »Außer vielleicht diesem lumpigen Russen die Kehle aufzuschlitzen, als ich die Gelegenheit dazu hatte.«

Lag es nur am flackernden Kerzenlicht oder hatten Lynsleys Lippen tatsächlich gezuckt? Aber zu ihrer Entschuldigung konnte sie vorbringen, dass der mysteriöse Mr. Orlov sich als ebenso schlüpfrig erwiesen hatte, als es galt, den angestrengten Versuchen des Marquis’ zu seiner Festnahme zu entkommen. Trotz einer engen Überwachung sämtlicher Häfen am Kanal hatte der Mann sich anscheinend in nichts aufgelöst.

Aber nicht Orlovs Schicksal stand hier zur Debatte, sondern ihr eigenes.

»Bitte gestatten Sie, dass ich mich näher erkläre«, fuhr sie rasch fort, »als Sie mich nach Sienas Loyalität und ihrer Hingabe an die Academy gefragt hatten, war ich überzeugt, dass ihre Mission von äußerster Wichtigkeit sein musste.« Shannon zwang sich zu einer Ruhe, die das brennende Gefühl in ihrem Innern Lügen strafte, und hielt kurz inne. »Aus zwei Gründen war ich außerdem überzeugt, dass die Mission zu scheitern drohte: Entweder war Siena eine Verräterin – oder aber sie schwebte in ernster Gefahr. Wie auch immer es sich verhalten mochte, ich war überzeugt, dass ich den Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern ausmachen könnte.«

Mrs. Merlin schaute von ihren Notizen auf, ihr Blick eindringlich und ungerührt wie der eines Falken. »Und was, wenn Siena die Grundsätze der Academy verraten hätte?«

»Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es tatsächlich dazu gekommen war. Aber wenn es doch so gewesen wäre, hätte ich darauf vertraut, die Stärke zu besitzen, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen.«

Die Kohlen knackten im Kamin, die Papiere raschelten. Shannon beobachtete, wie der Dampf aus der Teekanne aufstieg, fragte sich, ob ihre Hoffnung, in der Academy bleiben zu dürfen, wohl genauso schnell verdunsten würde.

»Setzen Sie sich, Shannon, und gönnen Sie sich eine Stärkung.«

Mrs. Merlin drängte sie sanft, klang aber auch einen Hauch gebieterisch, sodass Shannon sich auf die Kante des nächststehenden Stuhls zwängte und einen Teller mit Butterkeksen nahm.

»Nun, Thomas?«, murmelte die Direktorin, nachdem sie seine Tasse wieder gefüllt hatte. »Zufrieden?«

Shannon wusste genau, dass Mrs. Merlins Worte sich nicht auf Essen oder Trinken bezog.

Lynsley fuhr sich mit der Hand an die Schläfe.

Das Schweigen sprach Bände, was das Missbehagen des Marquis’ betraf. »Sir, bevor Sie antworten, hätte ich noch eine letzte Anmerkung hinzuzufügen«, sagte Shannon, »wenn Sie gestatten.«

Er nickte.

»Warum stellen Sie mich nicht einfach auf die Probe, bevor Sie eine endgültige Entscheidung treffen? Geben Sie mir eine Gelegenheit, mich durch einen eigenen Auftrag zu beweisen.«

Lynsley zog die Brauen kraus. »Sozusagen eine Feuerprobe?« Er dachte eine Weile über den Vorschlag nach. »Der Gedanke kommt mir irgendwie grausam vor. Falls ich Sie darum bitten soll, Ihr Leben zu riskieren, sollte es …«

»Betrachten Sie es nicht als Lehre, sondern als etwas, was darüber hinausgeht«, unterbrach sie ihn. »Um offen zu sprechen, kann ich nicht erwarten, mich in den Rang eines vollwertigen Falken zu erheben, wenn man bedenkt, dass mein erster Flug unberechenbar war. Aber wäre es nicht eine Schande, all die Jahre der Ausbildung zu verschwenden, ohne mir eine weitere Gelegenheit zu bieten, meine Fähigkeiten zu beweisen?«

Seine ernste Miene täuschte über die aufkeimende Belustigung hinweg. »Ein geschickter Schachzug!«

Irgendwann hatte Mrs. Merlin Shannon erzählt, wie der Marquis auf die Idee gekommen war, die Academy zu gründen: Er hatte das Buch von Hasan-I-Sabah gelesen, einem muslimischen Kalifen, der in einer Zitadelle in den Bergen geheime Kriegstruppen ausgebildet hatte. Seine Männer waren für ihre tödliche Kampfkunst ebenso bekannt wie für ihre glühende Treue. Der Legende nach versagten sie bei keinem einzigen Auftrag. Ihren Namen Hashishim auszusprechen reichte aus, um die Feinde ihres Herrn in Angst und Schrecken zu versetzen.

Genau wie diese Männer würde Shannon alles tun, um ihre unfehlbare Treue zu Lord Lynsley und dessen Idealen zu beweisen.

»Obwohl es anders scheinen mag, Sir, bin ich der Auffassung, dass man den Sieg nicht immer durch das Schwert erlangt«, ergänzte Shannon. »Ein guter General weiß, dass auch der Mittelweg eine mächtige Waffe sein kann.« Sie wagte kaum zu atmen. »Was meinen Sie?«

Anstatt zu antworten, zog der Marquis ein in Ölzeug gewickeltes Paket aus der Tasche und legte es bedächtig auf den Tisch.

Shannons Kehle fühlte sich plötzlich kalt an. Kein Zweifel, ein Marschbefehl. Aber wohin?

»Ich gestehe, dass meine Auffassung über Sie geteilt war, Shannon. Auf der einen Seite bewundere ich Ihren Mut, Ihre Überzeugung. Auf der anderen Seite hege ich die Befürchtung, dass Ihre Waghalsigkeit gefährlich werden könnte. Nicht nur für Sie, sondern auch für alle anderen, die von Ihnen abhängig sind, um den Auftrag zu erledigen.«

Sie nickte.

»Aber Mrs. Merlin ist der Meinung, dass Sie eine zweite Chance bekommen sollten.«

In ihrer Brust keimte Hoffnung auf. »Ich verspreche, dass ich Sie nicht enttäuschen werde, Sir.«

Er presste die Lippen zusammen. »Bedanken Sie sich nur nicht zu früh, Shannon. Der Auftrag ist überaus gefährlich. Wenn ich eine Wahl hätte, würde ich Sie nicht so überstürzt auf die Reise schicken.« Er trommelte mit den Fingern auf das Paket. »Wie auch immer … Mrs. Merlin findet nicht, dass ich etwas überstürze. Der Auftrag fordert das gesamte Arsenal der tödlichen Künste heraus. Und Sie sind fraglos die beste Waffe, die wir aufzubieten haben.«

»Danke, Sir!« Sie schenkte seiner Warnung keinerlei Beachtung und lächelte über das ganze Gesicht. Aber sosehr es sie auch in den Fingern juckte, den Befehl an sich zu reißen, hielt sie sich doch zurück.

»Wie gesagt, sobald Sie mehr über die Einzelheiten erfahren haben, werden Sie mich zur Hölle wünschen, anstatt mich in den Himmel zu loben«, erwiderte er trocken. »In Ihren Befehlen sind die Details genau erläutert. Ich hoffe, dass Sie nicht zur Seekrankheit neigen.«

Eine Reise über das Meer? Eine Welle der Aufregung durchflutete sie. »Nein, Sir. Mein Magen steuert immer gleichmäßig auf Kurs.« Sie schwieg kurz, bevor sie hinzufügte: »Wie auch meine Entschlossenheit. Ich werde nicht vorschnell die Waffen strecken.«

»Ich zähle darauf. Denn der Mann, mit dem Sie sich messen sollen, ist durch und durch ein Fachmann. Der kleinste Fehltritt Ihrerseits könnte tödlich enden.« Er schaute auf die Uhr. »Uns bleibt nur noch Zeit für einen kurzen Überblick, bevor Sie sich auf den Weg machen müssen. Draußen wartet eine Kutsche, die Sie zur Küste bringen wird.«

»Ich verspreche, dass ich auf jeden Schritt genau achten werde, Sir.« Shannon gelang es, ihre Stimme ruhig und gleichmäßig klingen zu lassen. »Was wünschen Sie, das ich unternehme, sobald ich Verbindung zu ihm aufnehme?«

»Töten Sie ihn, bevor er noch mehr unserer wichtigsten Verbündeten ums Leben bringt.« Lynsley erhob sich und wärmte sich die Hände am Feuer. Kein Funken, keine Flamme erhellte sein Gesicht. In den Schatten gehüllt wirkten seine Augen so grau wie Gussstahl, und die Verantwortung lastete so schwer auf ihm, als hingen Kanonenkugeln an seinen Schultern. Sie beneidete ihn nicht um seine Aufgabe.

»Sagen Sie mir, wann und wo.« Wurde sie nach Frankreich geschickt? Nach Belgien, den Niederlanden oder Luxemburg? Nach …

»Irland«, stieß er hervor. »Uns ist zu Ohren gekommen, dass der Mann die nächsten zwei Wochen in einem verborgenen Schloss des O’Malley-Clans in der Nähe von Killarney verbringen wird. Die Franzosen haben ihn dorthin geschickt, um einige Clanmitglieder in seine Berufsgeheimnisse einzuweihen. Danach soll er für seinen nächsten Angriff nach Schottland weiterreisen.«

»Sicher ein abgelegener Ort, eine Festung, die vor waffenstarrenden Wachtposten nur so strotzt«, überlegte Shannon. »Lassen Sie uns hoffen, dass er eine Schwäche für Frauen besitzt.«

»D’Etienne ist Franzose«, erwiderte Lynsley trocken, »und man sagt ihm einen unstillbaren Hunger nach weiblichem Fleisch nach. Was ein weiterer Grund ist, weshalb wir Sie den anderen Agenten vorgezogen haben.«

»Ihm wird der Appetit nach einer Femme fatale noch vergehen.« Einen Moment lang schwieg sie nachdenklich. »Geben Sie irgendeiner Methode den Vorzug?«

»Die Wahl der Waffen überlasse ich Ihrer verschwiegenen Handhabung, Shannon.«

»Gibt es außer D’Etienne noch weitere Ziele, Sir? Ich habe gehört, dass O’Malley und seine Leute eine ziemlich brutale Truppe sein sollen.«

Lynsley schien seine Worte sorgfältig abzuwägen. »D’Etienne gilt unsere größte Sorge. Setzen Sie die Mission nicht aufs Spiel, indem Sie den anderen nachjagen. Zurzeit würde eine Rebellion in Irland unsere Regierung in ernste Gefahr bringen. Falls es weitere Unfälle gibt …« Er musste den Gedanken nicht zu Ende führen.

»Ich sollte besser meine Waffen zusammenpacken.« Shannon erhob sich.

»Sofia lädt sie bereits in die Kutsche.« Mrs. Merlin warf einen Blick auf die kleine goldene Uhr, die an ihrem Mieder befestigt war. »Ihnen bleibt eine Viertelstunde, die Kleidung zu wechseln und den Rest Ihrer Ausrüstung einzupacken.«

Der Marquis drückte ihr das Paket mit den Unterlagen in die Hand. »Ich möchte nicht, dass Sie glauben, dies sei eine Strafe oder eine Buße«, erklärte er sanft. »Stemmen Sie sich nicht gegen unüberwindliche Hindernisse! Mir ist es lieber, dass Sie zurückkehren, als auf dem Schlachtfeld den Heldentod zu sterben.«

»Verstehe, Sir. Vorsicht ist besser als Nachsicht.« Shannon lächelte wehmütig. »Anders als einige meiner Klassenkameradinnen glauben, höre ich im Unterricht durchaus zu.«

»Das habe ich bereits begriffen.« Die düstere Vorahnung, die sich in seiner Miene spiegelte, hellte ein wenig auf. »Ich habe meine Kutsche bereits vorausgeschickt und werde die erste Strecke mit Ihnen reiten, um Unterkunft und Versorgung während der Mission zu besprechen. Manche Einzelheiten darf ich nicht zu Papier bringen. Über den Rest können Sie sich ungestört informieren, sobald Sie auf See sind.«

»Gute Reise, Shannon. Machen Sie sich jetzt auf den Weg!« Mrs. Merlin wedelte mit den Händen.

Sie grüßte schneidig und eilte rasch durch den gewölbten Flur. Es gehörte zu den ungeschriebenen Gesetzen der Academy, dass Gefühle beim Abschied keinerlei Rolle zu spielen hatten. Als sie den Hof durchquerte, spürte sie dennoch einen dicken Kloß im Hals. Ein Schritt ins Erwachsenenleben. Heraus aus der vertrauten Umgebung – mit dem zerfurchten Wasserspeier, dem rissigen Glockenturm, dem lockeren Riegel am Gatter – und hinein in eine unbekannte. Zum ersten Mal war sie nicht mehr Schülerin, sondern eine vollwertige Agentin.

Eine von Merlins Zöglingen.

Jetzt musste sie sich ihrer Flügel als würdig erweisen.

Shannon nahm zwei Stufen auf einmal, als sie die Treppe zu ihrem Zimmer hinaufeilte. Nicht dass es sie viel Zeit kosten würde, ihre Sachen zu packen. Eine anständige Lady würde einen ganzen Haufen Koffer benötigen, um ihre Garderobe zu transportieren; aber ihr würde ein einziger Seesack reichen. Mit einem Regenmantel, einem Wurfmesser, einem Bündel Dietrichen aus …

»Vergiss das hier nicht.« Sofia warf das schmale, in Leder gebundene Buch zwischen die Stahlklingen. »Mag sein, dass du ein paar Momente Ruhe hast, in denen du zum Lesen kommst.«

»Aber du hast es noch nicht zu Ende gelesen!« Shannon schaute nicht auf, während sie ihre Reithandschuhe zu einer straffen Kugel zusammendrehte.

»Weshalb ich erwarte, dass du es mir heil und ganz zurückbringst. Es hat mich an den Rand des Ruins gebracht.«

»Danke, Fifi. Ich werde mein Bestes geben, es unversehrt zurückzubringen.«

»Streng dich an!« Sofia stützte sich mit der Hüfte auf den Tisch. »Sonst werde ich dir den Hintern versohlen.«

»Kannst es ja mal versuchen.« Shannon prüfte die Biegsamkeit eines geflochtenen Seils und stopfte es in den Seesack. »Es könnte sein, dass du zwei Wochen lang viel zu wund bist, um auch nur sitzen zu können.«

Lächelnd tat Sofia so, als würde sie durch den Ballsaal wirbeln. »Nicht, wenn ich außer Reichweite tanze.«

Beide wussten um die Gefühle, die unter ihren spöttischen Bemerkungen glommen. Als magere kleine Waisenkinder aus den dreckigen Armenvierteln in London aufgelesen und zusammengeworfen waren an der Academy enge Freundinnen aus ihnen geworden. Sie waren füreinander die einzige Familie, die sie je gekannt hatten.

»Deine Tapferkeit auf dem Parkett überschreitet meine bei Weitem«, gestand Shannon ein. »Von uns dreien bist du immer die größte Lady gewesen.« Als sie bemerkte, dass ihre Freundin das Gesicht verzog, fügte sie hastig hinzu: »Nicht dass ich deine kämpferischen Fähigkeiten gering schätzen würde. Es ist nur so, dass Anmut und Würde zu deinen schlagkräftigsten Waffen gehören, während ich mich auf mein stählernes Handgelenk und ein zielsicheres Auge verlassen muss, um den Feind aus dem Weg zu räumen.«

Ihre Freundin warf einen langen Blick in ihre Richtung, bevor sie antwortete: »Du solltest deine Stärken nicht unterschätzen, Nonnie.«

Shannon erhaschte einen Blick auf ihr Spiegelbild, als sie sich das Hemd überstreifte. Obwohl sie so schlank war wie ein Florett, konnte man sie kaum als zerbrechlich beschreiben. Nicht bei ihrer Größe und dem Hauch geschmeidiger Muskeln, der ihre weiblicheren Rundungen betonte. Marco hatte sie einst mit einer Löwin verglichen, hatte auf ihre blonde Mähne und auf ihre unbändige Kraft und Beweglichkeit verwiesen. Außerdem hatte er sich zu ihrem Blick geäußert, hatte ihn bohrend genannt, räuberisch. Die Augen eines Jägers.

Einen Moment lang starrte Shannon auf das glitzernde Grün, drehte sich dann weg. Wie seltsam. Dort, wo andere Entschlossenheit sahen, hatte sie Zweifel entdeckt. Und was ihr Gesicht betraf … Während andere ihre Züge als eindrucksvoll beschrieben, bezeichnete sie sich selbst als recht gewöhnlich.

Sie strich die saubere Wäsche glatt und zog frische Hosen an.

»Kenne dich selbst so gut wie deinen Feind«, zitierte sie sanft ein weiteres Gebot aus Sun Tzus klassischer Abhandlung über die Kunst des Krieges. »Ich sollte größte Sorgfalt darauf verwenden, jeglichen Fehlern in meinen Urteilen aus dem Weg zu gehen.«

»Du weißt, dass du nichts beweisen musst.« Sofia fingerte an der filigranen Kette herum, die ihr um den Hals hing. »Weder dir noch anderen.«

Shannon traute ihrer Stimme nicht, stopfte den letzten Rest Kleidung in ihren Seesack und zurrte die Schnüre fest.

»Noch ein Letztes …« Sofia öffnete den Haken, griff nach der Silberkette und dem Anhänger in Form eines Falken und drückte Shannon beides in die Hand.

»D … das ist doch dein Glücksbringer!«

»Ich zähle darauf, dass du ihn mir zurückbringst, zusammen mit dem Buch. Damit ich mich auf seine Kräfte verlassen kann, wenn es an mir ist, die Flügel zu spreizen und zu fliegen.«

Mit dem zarten Talisman in der Faust schloss Shannon ihre Freundin fest in die Arme. »Höchste Zeit zum Aufbruch.«

Nebel. Regen. Kalte Feuchtigkeit drang in jeden verfluchten Winkel des knarrenden Gebälks. Orlov zog sich den Umhang ein wenig fester um die Schultern. Noch nicht einmal mit einem dicken Zobelpelz konnte man sich die Kälte vom Leib halten. Grimmig blickte er auf die grauen Wellen und drehte noch eine Runde über das schmale Deck.

»Vermutlich fühlen Sie sich an Bord eines Schiffes nicht zu Hause?« Der niederländische Kapitän hielt neben ihm Schritt.

»Ich ziehe ein Fleckchen vor, an dem ich meine Beine ausstrecken kann.« Der Schoner legte sich beachtlich auf die Seite. »Mit einer terra firma unter den Sohlen.«

»Bei diesem Wind sollten wir unser Ziel schon bald erreicht haben.«

»Es kann gar nicht schnell genug gehen.« Orlov fügte einen markigen Fluch hinzu.

Sofort pochte der Kapitän mit den Knöcheln der Hand auf die hölzerne Reling. »Wir Seefahrer sind ein abergläubisches Völkchen. Es bringt Unglück, die Meeresgötter zu beleidigen.«

»Dann ist es nur ein Glück, dass ich nicht die Absicht habe, eine nautische Laufbahn einzuschlagen. Außer meiner eigenen Haut ist mir nämlich nichts heilig.« Orlov strich sich die Tropfen von der Stirn. »Welche sich vielleicht schon bald in Schuppen verwandeln wird. Wie bei einem Fisch.«

»Es ist nur ein kleines Nieseln, das bald vorüber ist.«

Ein schwacher Trost, in der Tat. »Ich denke, ich sollte mich unter Deck begeben«, meinte Orlov, obwohl seine unangenehm feuchte Kajüte für jemanden gebaut worden war, der kaum größer war als eine lausige Schiffsratte.

Nachdem er seine hochgewachsene Gestalt hineingequetscht hatte – ein Kunststück, das ihn zwang, die Knie fast bis ans Kinn zu ziehen – entzündete Orlov die Lampe und blätterte durch den Stapel Dokumente. Natürlich hatte er sie schon längst gelesen.

Ad nauseam, fügte er stumm hinzu, als sein Magen sich unangenehm verkrampfte, bis zum Erbrechen. Eine leichte Seekrankheit, verstärkt durch das schlechte Wetter, trug nicht gerade dazu bei, seine Laune zu heben. Bei den Gebeinen des heiligen Sergius, wie war es ihm doch verhasst, mit dem Schiff zu reisen!

Orlov richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Papiere. Yussapovs Agenten hatten gründlich gearbeitet. D’Etiennes Hintergrund und seine Leistungen wurden in jeder grausigen Einzelheit geschildert. Alles in allem handelte es sich bei dem Mann um einen ruchlosen Dreckskerl, auf dessen Opferliste sich mehrere Frauen und sogar ein kleines Kind befanden.

Seine Miene verdüsterte sich. Er gestand freimütig ein, dass er die Moral nicht für sich gepachtet hatte; aber sein Krieg richtete sich nicht gegen die Familien seiner Feinde. Es war ein schmutziges Geschäft, mit dem er zu tun hatte, und manchmal war es ebenso notwendig wie widerwärtig, einen anderen Menschen zu töten. Aber in diesem besonderen Fall würde er nicht mit der Wimper zucken.

Die Landkarten schienen ebenfalls sehr gut zu sein. Die Straßen waren eingezeichnet, die Marksteine beschrieben, und entlang des Weges gab es mehrere Schlupflöcher. Er verbrachte ein wenig Zeit damit, die Informationen in seinem Gedächtnis zu speichern, bevor die Übelkeit und ein stechender Kopfschmerz ihn zwangen, die Flamme zu löschen. Gleichwohl waren ihm die Wellen, die auf die Planken schlugen, immer noch fremd. Es fiel ihm schwer, sich an den Rhythmus des Meeres zu gewöhnen.

Konnte es sein, dass die Meeresgötter sich für seinen verbalen Ausrutscher rächen wollten? Oder war es ein eher irdischer Dämon, der ihm gerade einen imaginären Dreizack in den Schädel rammte?

Orlov wurde einfach das Gefühl nicht los, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Dennoch konnte er nicht den Finger darauflegen. Das Gefühl war so unbestimmt wie die Gegenströmungen des Nebels, der aus der See aufstieg. Unmöglich zu greifen; aber beim Anblick des Wirbels jagte ihm ein Schauder in den Nacken. Es mochte sein, dass es sich lediglich um die Folgen der Seekrankheit handelte.

Aber nein, das glaubte er nicht.

Der Instinkt, sein untrüglicher sechster Sinn für das Überleben, hatte ihn in der Vergangenheit immer vor drohenden Gefahren gewarnt. Er hatte gelernt, diesen seltsamen Schaudern zu vertrauen – ein großer Sprung für jemanden, der mit boshaftem Blick auf die Welt blickte. In seinem Beruf zählte Vertrauen nicht unbedingt zu den nützlichen Eigenschaften. Die Lüge war ihm zur zweiten Natur geworden …

In der Absicht, solch beunruhigende Grübeleien auf Distanz zu halten, presste Orlov die Fingerspitzen an die pochenden Schläfen. Es geschah nur selten, dass er die Moral seiner Taten infrage stellte. Richtig oder falsch? Gut oder böse? Ein echter Gentleman würde vielleicht daran glauben, dass es nur das eine oder andere geben könne. Aber ihm schien es, als bestünde die Welt nicht aus Schwarz oder Weiß, sondern eher aus unendlich abgestuftem Grau.

Trotz allem besaß auch Orlov eiserne Grundsätze. Obwohl er sich hüten würde, es laut auszusprechen, gab es Dinge, die ihm wichtig waren – zum Beispiel achtete er darauf, dass seine Taten halfen, die Ausbreitung der Tyrannei und Ungerechtigkeit zu verhindern. Denn so würde seine gottverlassene Seele vielleicht nicht in ewiger Verdammnis schmoren müssen.

Er schnitt eine Grimasse. Der Allmächtige mochte ihm vielleicht Vergebung gewähren. Aber es gab da eine junge Lady, die sich nach nichts mehr sehnte als danach, seine Seele – oder wahrscheinlich eher seine Leber – über dem heißesten Rost in der Hölle schmoren zu sehen. Nicht dass er ihr Vorwürfe machen konnte. Während seines letzten Auftrags hatte er mehrere ungewöhnliche Fehler gemacht; eine Tatsache, die unter Umständen auch zu seiner gegenwärtigen Unpässlichkeit beitrug.

Ließ seine Anziehungskraft etwa nach?

Verdammter Yussapov! Und verdammt waren die plötzlichen Aufwallungen seines englischen Ehrgefühls! Die unruhige See hatte die seltsamste Mischung von Gefühlen in ihm ausgelöst. Vor seinem geistigen Auge erschien plötzlich das bärtige Gesicht des Prinzen, das sich in die Vision einer blonden Kriegerin verflüchtigte, aus der dann ein aufsteigender Falke wurde. Hoch aus dem Himmel drang ein Schrei zu ihm, verfluchte ihn für all seine Untaten.

Dass es wie ein Echo auf manche seiner jüngsten Grübeleien wirkte, verstärkte nur die Anschuldigungen. Aber der russische Teil seiner Seele wusste, wie man solch melancholische Stimmungen ertränken konnte.

Brummend stieß Orlov einen Fluch aus und griff nach der Flasche mit dem hochprozentigen Inhalt.

3. Kapitel

Diese gottverlassene Gegend Irlands ist nichts für schwache Nerven.

Shannon ließ den Blick über die bedrohlichen Steine schweifen. Lynsley hatte nicht übertrieben, was die Isolation der McGuillicuddy Reeks betraf. Die Trostlosigkeit, korrigierte sie sich. Die Hungersnot hatte die bitterarmen Sumpfgebiete wüst und leer zurückgelassen. Obwohl eine düstere Schönheit über der Landschaft lag, war ihr klar, dass die karge, feindselige Umgebung es den Menschen nahezu unmöglich machte, sich hier durchzuschlagen.

Shannon richtete die Aufmerksamkeit wieder auf die wettergegerbten Mauern des Bollwerks der O’Malleys, lenkte das Fernrohr auf einen der äußeren Türme. Zwischen dem Fuß des Turmes und einem kleinen Eichenhain war ein schlichter Garten angelegt. Das Geäst würde ihre Annäherung verdecken, während das turmartige Dach einen ausgezeichneten Anker für ihr Kletterseil bot. Lynsleys Spion hatte ihr berichtet, dass die Bibliothek im ersten Stock nur selten genutzt wurde. Dort würde sie dann einen kleinen Korridor finden und eine Verbindungstreppe zu den Kammern, in denen der französische Attentäter untergebracht war.

Ihre eigene Beobachtung hatte bestätigt, dass die Bibliothek in der Nacht verlassen dalag. Nur zu gern hätte sie jede Einzelheit der Skizze überprüft, die ihr Informant über die Architektur des Schlosses angefertigt hatte. Sie hatte jedoch genügend Einblicke in die gegenwärtige Einrichtung gewonnen, um den Grundlagen vertrauen zu können.

Sie veränderte ihre Stellung hinter dem Felsvorsprung und dem Stechginster. Lynsley hatte mit seiner Vermutung recht behalten, dass ein weibliches Wesen einen deutlichen Vorteil genoss, diesen Auftrag erfolgreich zu Ende zu bringen. In dieser Gegend hätte ein männlicher Fremder Verdacht erregt. Aber wenn es sich nur um eine Frau handelte …

Shannon hatte sich in Lumpen gekleidet, mit Theaterschminke beschmiert und sich dem Schloss zu Fuß genähert, hatte schüchtern angefragt, ob man ihr wohl als Küchenmädchen Einlass gewähren würde. Die bewaffneten Wachen hatten ein ausgezehrtes Weib nicht als Bedrohung empfunden.

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