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Gefährlicher Frühling

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo demonstrieren Tausende Ägypter für mehr Demokratie. Unter ihnen der Ingenieursstudent Kalem Ryshad. Doch alle Hoffnungen auf ein besseres Leben und mehr Freiheit werden durch das brutale Vorgehen der Machthaber zunichte gemacht. Das nordafrikanische Land versinkt in einem Blutbad. Kalem Ryshad gerät in die Fänge der staatlich bezahlten Folterknechte, die nur ein Ziel haben: Kalems Willen zu brechen. Sie stellen ihnen vor eine unmenschliche Aufgabe. Erfüllt er sie nicht, bezahlt er diese Verweigerung mit seinem Leben. Wie wird er sich entscheiden?

Zwei Jahre später in Leipzig. Der Arabische Frühling und Ägypten scheinen weit weg zu sein. Kommissarin Charlotte Petzold hat es mit dem Mord an der Chefin eines Ingenieursbüros zu tun. Eigentlich liegen die Fakten klar auf der Hand. Vor ihrem Tod hatte sie einen heftigen Streit mit einem Mitarbeiter. Doch je länger Charlotte Petzold ermittelt, desto verworrener wird der Fall. Sie stößt auf illegale Waffengeschäfte und alle Spuren führen nach Ägypten.

Sophie Sumburane

Gefährlicher
Frühling

PENDRAGON

Auf dem Weg zum Grab seines Vaters fasste Essad Alschad einen Entschluss.

Die Augen zum Himmel gerichtet, umfasste er seine zitternde Mutter ein wenig fester, lauschte auf die Schritte seiner vier Schwestern hinter sich und stimmte sich im Geiste selbst zu. Ja.

Was gab es auch für einen anderen Weg?

Als der Sarg mit seinem Vater in die Erde hinabgelassen wurde, suchte er im Kopf alles zusammen, vergegenwärtigte sich jede Kleinigkeit, dachte an alles, stimmte sich zu.

Immer wieder, als würde er sich kurz darauf selbst widersprechen, leistete er Überzeugungsarbeit an sich selbst.

Auf dem Weg nach Hause ging er gebückt, er spürte eine ungeheuer schwere Last auf den Schultern, war gealtert, schlurfte nur langsam voran, dabei war er gerade dreißig geworden.

Zu Hause brauchte er nicht mehr lange zu überlegen.

Sein Diplom in Geschichtswissenschaften, die Briefe des Vereins arbeitsloser Akademiker mit dem Stempel seiner kleinen Heimatstadt darauf, alles legte er ins Waschbecken.

Nur einen Moment hielt er inne, ein Zögern?

Er entflammte das Streichholz, der Rauch kratzte an der Innenseite seiner Nase. Das kleine Holz landete auf dem Papier, es fing sofort Feuer.

Die Druckerschwärze änderte den Geruch, die Flamme fraß sich durch seine Vergangenheit. Fraß den Text. Fraß das Summa cum laude. Fraß seinen Namen. Alles.

Er spülte die Asche durch den Abfluss, spülte seine Vergangenheit von sich, änderte seine Zukunft und verabschiedete sich von seinem Idealismus.

Es galt, seine zuckerkranke Mutter, seine vier Schwestern und die zwei Brüder zu ernähren. Es galt, zu überleben. Er war jetzt der Älteste. Er drehte das Wasser ab und ging in den Schuppen.

Der Karren seines Vaters war alt, aber noch funktionsfähig. Er zog die Muttern an den Rädern fest und schob ihn in die Sonne.

Seine Familie richtete sich unterdessen ein, in ihrem neuen vaterlosen Leben. Er richtete sich ein, in seinem neuen Leben als Straßenhändler.

Sein erster Weg führte ihn zu Aschna, dem einzigen Händler, der auf Kommission verkaufte. Er hatte keine Wahl, er hatte kein Geld.

Aschna redete ihm ein, sein Vater schulde ihm noch Geld, Essad hatte keine Möglichkeit, das zu widerlegen.

Trotzdem verkaufte er ihm genügend Früchte für seinen Karren.

Er zog durch die Straßen, es war noch zeitig, dennoch schienen alle guten Plätze besetzt. Alle anderen Händler waren nicht am frühen Morgen auf einer Beerdigung gewesen, alle anderen Händler hatten eine Lizenz, einen Stammplatz, Erfahrung.

Wo war der Stammplatz seines Vaters gewesen? Niemand wollte es ihm sagen. Wahrscheinlich hatten sie ihn schon lange unter sich vergeben.

Essad zog seinen Karren, stand an Ampelkreuzungen, und verkaufte einen Teil seiner Früchte. Es kann funktionieren, dachte er, als er zwei Polizisten auf sich zukommen sah.

»Papiere?«, fragte der männliche, dessen Mütze ihm ein gutes Stück zu groß war.

Essad reichte seinen Pass, er verschwand fast in den Händen des Polizisten.

»Warum sitzt du nicht mehr bei deinen Kollegen?«

Er deutete in Richtung des Parlamentsgebäudes.

»Ich habe aufgegeben, man hört uns ja doch nicht an, jetzt verdiene ich meinen Unterhalt als Straßenverkäufer.«

»Warum?«

»Mein Vater ist gestorben. Er war Straßenhändler, ich habe keine Wahl.«

»Und du übernimmst einfach, als wäre nichts passiert?«

»Ist es etwa verboten, ehrlich seinen Lebensunterhalt verdienen zu wollen?«

»Wird auch noch unverschämt.« Er warf seiner Kollegin einen belustigten Blick zu.

»Hast du eigentlich eine Versicherung?«, fragte die jetzt.

»Eine Versicherung für einen Obstkarren? Davon habe ich noch nie gehört.«

»Stell dir mal vor, du überfährst ein Kind. Wer soll dann zahlen? Du etwa? Du gibst hier den Idioten, ich sag das nur zu deinem Besten.«

Der männliche zog jetzt ein Notizheft hervor und schrieb. Dabei sah er Essad aus dem Augenwinkel immer wieder an.

»Denk an die Versicherung!«, sagte er noch. Dann griff er mit beiden Händen in den Obstkarren, biss in einen Apfel und sagte mit vollem Mund: »Los, geh schon weiter.«

Kurze Zeit später, als Essad mit seinem Karren von Platz zu Platz zog, immer wieder vertrieben und beschimpft wurde, suchten Polizisten in Zivil seine Mutter auf.

Sie fragten sie, warum Essad nicht mehr bei der Gruppe der arbeitslosen Akademiker mitmache. Die Mutter antwortete zitternd, stellte es dar, wie es war, sprach von den Ascheresten im Waschbecken und verstummte.

Der Polizist händigte ihr eine Vorladung aus. Noch am gleichen Abend sollte Essad vorstellig werden. Die Mutter brach in Tränen aus. »Mein Sohn macht keine Politik«, schluchzte sie, doch die Polizisten reagierten nicht darauf, ließen sie weinend zurück.

Als Essad schließlich mit leerem Karren am späten Nachmittag nach Hause kam, gab sie ihm den Brief, er las ihn nur kurz und verließ das Haus gleich wieder, ohne ein Wort. Was sollte er auch sagen?

Im Kommissariat saß er auf einer Bank, neben ihm ein armer, sehr elend aussehender Mann, er döste vor sich hin und schwieg. Essad fragte sich, was man einem Mann wohl vorwerfen konnte, der besser im Krankenhaus aufgehoben gewesen wäre. Immer wieder hustete und spuckte der Alte. Essad stand auf, denn er hatte Angst, sich mit Tuberkulose anzustecken. Er ging den Gang auf und ab und versuchte, jemanden aufzutreiben, der ihm sagen konnte, was ihm vorgeworfen wurde, als gegen Mitternacht plötzlich ein Beamter vor ihm auftauchte.

Ausweiskontrolle.

Ein klassisches Verhör.

Man fragte ihn das Gleiche wie schon am Vormittag: Warum traf er sich nicht mehr mit seinen ehemaligen Kampfgenossen? Neu war die Frage, ob die Islamisten ihn abgeworben hätten.

»Nein. Der Tod meines Vaters hat mein Leben aus der Bahn geworfen. Ich muss meine Familie ernähren. Das kann ich nur mit seinem Karren als Obstverkäufer.«

»Und wie läuft es?«

»Ich habe gerade erst angefangen.«

»Junge, du solltest nicht auf ein Wunder warten. Es gibt da draußen sehr viele Händler, die einen schaffen es und verdienen einen Haufen Geld. Die anderen sind naive Versager.

Du musst dich entscheiden, auf welcher Seite du stehen willst.«

Zuerst verstand Essad nicht, was der Polizist von ihm wollte. Vielleicht wollte er es auch nicht verstehen, weigerte sich, doch dann drang es zu ihm durch: Er sollte Polizeispitzel werden. Im Gegenzug bekam er einen rentablen Stellplatz. Wenn er das Angebot ausschlug, könnte er dagegen gleich aufgeben.

»Denk drüber nach.« Ein ekliges Grinsen breitete sich auf dem Gesicht des Beamten aus. »Morgen treffen wir uns am Road Point de l’Indépendance. Geh jetzt nach Hause.«

Essad wusste, würde er dort auftauchen, akzeptierte er automatisch den Handel.

Am frühen Morgen nahm er seinen Verkaufsstand und zog in ein einfaches, belebtes Viertel, weit weg vom Road Point de l’Indépendance.

Die folgenden Tage glichen einer Tortur. Er zog mit seinem Stand umher, verkaufte nur schleppend und musste sich immer wieder Polizisten aussetzen. Sie schikanierten ihn, bedienten sich an seiner Ware, er konnte kaum neue kaufen. Der Weg in die Stadt wurde immer länger, immer früher musste er aufstehen, um einen möglichst guten Platz zu bekommen, von dem er schon ein paar Stunden später vertrieben wurde.

Er kämpfte sich durch, dachte immer wieder an die Diabetes seiner Mutter, seine Geschwister, durchhalten, Essad.

So schlug er sich durch bis zum 17. Dezember 2010.

Es war brutal. Zwei uniformierte Beamte, davon eine Frau, warfen ihn zu Boden, er hatte nicht einmal mehr Zeit, wieder aufzustehen. Sie nahmen seinen Karren. Stießen ihn um, das Obst rollte von ihm weg.

»Beschlagnahmt.«

»Genau, du hast kein Recht, illegal zu verkaufen, du hast keine Erlaubnis, keinen Gewerbeschein, zahlst keine Steuern, bestiehlst den Staat, jetzt ist es aus. Dein Karren ist beschlagnahmt.«

Die Beamtin setzte hinzu: »Und jetzt hau ab! Los, mach die Biege!«

Noch immer lag er am Boden, völlig fassungslos, der Beamte malträtierte ihn mit Fußtritten. Ein paar Schaulustige blieben stehen.

Ein Kleintransporter der Polizei kam an, weitere Beamte stiegen aus und fingen an, die Ware aufzusammeln, einer aß einen Apfel.

Essad musste gehen, aber er wollte nicht. Er setzte zu einem Widerwort an und bekam eine Ohrfeige. Die Beamtin spuckte ihm ins Gesicht, in ihm starb etwas.

Seine Menschlichkeit. Völlig entwürdigt, enteignet, entmenschlicht. So ging er. Er hatte keine Wahl, in ihm brannte ein Feuer. Er konnte an nichts mehr denken.

Zu Hause schob er das Motorrad aus dem Schuppen und setzte sich darauf. Die Straßen zogen an ihm vorbei, völlig konturlos, er nahm nichts mehr wahr. Nichts, nichts, nichts. Ein großes entmenschlichtes Nichts.

An der Tankstelle ließ er sich zwei Plastikflaschen mit Benzin füllen, von dort aus fuhr er weiter zum Rathaus.

Sein Motorrad schloss er an, gestohlen wurde es auch so.

Er sah in den Himmel. Die Sonne brannte auf seiner Haut. Noch immer spürte er die Stelle glühen, an der ihn die Spucke der Beamtin getroffen hatte.

Ein letztes Mal ging er zum Eingang des Rathauses, bat den Pförtner um Einlass, ein Gespräch mit dem Bürgermeister, man müsse ihm doch zuhören. Nein. Beleidigungen. Ablehnungen.

War er so wenig wert? So gar nichts?

Seine Gedanken überschlugen sich, seine Würde spülte er von seiner Kleidung, als er sich mit dem Benzin übergoss. Er sah jetzt ganz klar. Konnte jeden Gedanken ganz deutlich spüren, es schüttelte ihn, er wusste, er hatte keine Wahl, wie sollte er noch leben können? Wie?

Alles, wozu sein Leben noch taugte, war ein Zeichen zu setzen. Ein lautes Zeichen, eines, das bis nach Europa schallen sollte, eines, das eine unglaubliche, unvorhersehbare Revolution auslösen würde.

Er wollte den Anstoß geben, er würde der Funke sein, der das Land und die ganze arabische Welt zum Brennen brachte.

Als er das Streichholz zündete, dachte er an seine Mutter. An seinen Vater. An seine verlorene Menschlichkeit. Er dachte an seine Träume und hielt das Streichholz an sein Hemd. Es fing sofort Feuer. Der Pförtner schrie grell auf, Leute liefen herbei, versuchten, Essad mit Jacken zu löschen.

Einen Moment rannte Essad als lebende Fackel auf dem Platz vor dem Rathaus herum, er schrie nicht, sackte einfach zu Boden.

Er sah nicht mehr aus wie ein Mensch. Ganz schwarz, über und über schwarz. Die Menschen, der Pförtner, weinten.

*

Roman Schelter langweilte sich hinter seinem Telefon, drehte das Kabel, das wie ein Stück Nostalgie am Hörer hing, auf seinen Finger auf und wieder ab und beobachtete seinen Kaffeebecher. Wie doll müsste er wohl kippeln, damit er umfiel? Also der Kaffeebecher, nicht er selbst. Telefondienst war für ihn die unbeliebteste Aufgabe, stundenlanges Starren auf den Computerbildschirm, mittlerweile hatte er das Gefühl, sämtliche Internetseiten auswendig zu kennen. Doch Telefondienst war ihm lieber, als Streife fahren, es gab ihm das Gefühl, zu den Kommissaren zu gehören, sie kannten ihn beim Namen, grüßten und waren ein Stück weit auf ihn angewiesen.

Auf den hinteren Stuhlbeinen wippend, stützte er sich mit seinen Knien an der Tischkante ab, grinste noch ein wenig über den vorherigen Anruf und ließ seinen Kaffee nicht aus den Augen.

Ein Kind hatte angerufen, sechs Jahre alt. Es hatte verkündet, die Mutter sei verschwunden. Roman Schelter war ein wenig panisch geworden, solche Dinge setzten ihm zu, wegen dieser Fälle ging er regelmäßig zur Polizeipsychologin. Es kribbelte in ihm, als er seine Fragen stellte.

Das Kind schüttelte hörbar den Kopf.

Verstecken. Sie spielten Verstecken. Die Mama sei jetzt schon so lange so gut versteckt, nur die Polizei könne sie wiederfinden. Schelter unterdrückte ein Lachen. Im Hintergrund kam die Mutter rufend angelaufen. »Lisa, Lisa, Lisa, nicht doch!«, hörte er die zwischen Ärger und Belustigung schwankende Stimme. Zu ihrer Beruhigung lachte er in den Hörer, die Erleichterung breitete sich in beiden Erwachsenen aus, Lisa freute sich, dass ihre Strategie funktioniert hatte. Unerschütterlicher Glaube an die Arbeit der Polizei, den selbst Roman Schelter nicht mehr in sich trug.

Er legte den Hörer auf, löschte die Aufnahme und wartete auf die nächste Überraschung durchs Telefon.

Als das Klingeln schließlich erneut ertönte, wäre er beinahe umgefallen. Er selbst, nicht der Kaffee.

Die Stimme am anderen Ende zitterte. Roman kontrollierte, ob das Gespräch aufgenommen wurde und fragte, woher sie anrufe.

Querstraße.

Blut. So viel Blut, zitterte die Stimme hervor. Und mittendrin, im Blut, eine Puppe, die mal ihre Chefin war. Genau so sagte es die Stimme. Blut und eine Puppe.

*

Ich hasse diesen Scheiß. Meine Kollegin Claudia Eckart liebt es. Ständig schleppt sie mich hier hin. »Bitte, Charlotte, für einen Restaurantbesuch ist eben keine Zeit«, wackliges Argument, finde ich, aber da wir uns bereits Jahre lang kennen und zusammen arbeiten, weiß ich, Diskussionen über Essen mit Claudia sind undankbar und länger, als ein Restaurantbesuch. Seit dem Tag der Eröffnung waren wir gefühlt jeden Tag hier: Kentucky Fried Chicken.

Essen, das nie lange satt macht. Ein Verkaufsraum im Leipziger Hauptbahnhof, in den auch super eine Buchhandlung gepasst hätte. Ein Fresstempel stattdessen. Na schön. Hier ist es auch voller als drüben bei Ludwig.

Ich sog am Plastik meines Strohhalms, das eisige Wasser füllte meinen Mund vollständig, bevor ich es schluckte. Claudia aß. Ich sog. Als mein Handy klingelte, hatten wir beide den Mund voll.

Ich griff nach dem Smartphone, Roman Schelters Bild leuchtete darauf. Ich antwortete, ohne zu grüßen, seine Stimme nannte eine Adresse, Querstraße und einen Firmennamen, der mich in diesem Zusammenhang irgendwie nicht überraschte. Das tat dagegen das Wort »Mord«, das er zu einem so frühen Zeitpunkt nur in den Mund nahm, wenn der Täter noch beim Herausziehen des Messers gesehen worden war. Oder zumindest fast.

»Claudia, umschalten. Ein Mordfall in einem Ingenieursbüro. Nimm die Esspappe mit, wir müssen los.«

Zur Querstraße hätten wir vom Hauptbahnhof aus laufen können. Das hätten wir vielleicht auch machen sollen, denn bis wir aus der Tiefgarage heraus waren, hätten wir den Weg zu Fuß bereits drei Mal zurückgelegt. Parken war unmöglich, lauter Wunderblumen in Menschengestalt, Einsatzwagen und PKWs, und das in einer einspurigen Nebenstraße. Ich entschied mich also gegen das Parken und für das Halten und schaltete überflüssigerweise die Warnblinkanlage ein. Claudia Eckart und ich standen auf beiden Seiten neben meinem Wagen und sahen uns kurz an, bevor wir auf den Tatort zugingen.

Der Eingang zum Gebäude, in dem das Ingenieursbüro WesTex Büroräume angemietet hatte, hätte futuristischer nicht sein können. Zwei auf Hochglanz polierte Glastüren glitten automatisch zur Seite, auf goldenen Schildern waren die Namen und Etagenangaben gedruckt.

Der gläserne Fahrstuhlschacht vor uns war durch ein rotweißes Absperrband außer Betrieb gesetzt, wir nahmen die Treppen. An den Wänden hingen gerahmte Werbeplakate, das Firmenlogo der WesTex prangte übergroß darauf. Lächelnde Männer und Frauen wechselten sich auf den Plakaten ab, hielten nicht nur ihre strahlenden Zähne, sondern auch ihre erhobenen Daumen in die Kamera. Hier produziert man also lächelnde Menschen.

Im zweiten Stock dagegen, saß eine Frau ohne erhobenen Daumen, ohne Lächeln, neben der Glastür am Boden, hielt sich die Hände vor die Augen und schien zu versuchen, nicht da zu sein. Ihr blondes Haar aber gab ihr ungewolltes Leben, frisch gefärbt wirkte es völlig fehl an diesem farblosen Platz, auf diesem leblosen Kopf, der sich nur unter tiefem Atmen immer mal wieder hob und senkte. Die Beamtin, die bei ihr saß, sah gelangweilt von einem Kollegen zum anderen, als hoffte sie, jemand käme, sie abzulösen. Wir sicher nicht, dachte ich, als könnte sie es hören, und wendete meinen Blick von den beiden Frauen ab.

Hinter der Glastür sah ich Thomas Haffner mit einer Kamera in der Hand. Endlich eine Kamera, hatte er ausgerufen, als ihm nach mehrmaligem Beantragen eine digitale Spiegelreflex gestellt wurde.

»Was willst du mit gestochen scharfen Aufnahmen der Leiche?«, hatte ich ihn gefragt. »Du weißt schon, dass du damit keinen Preis gewinnen kannst?!«

»Ja, ja.«

Er glaubte daran, dass so jedes kleine Detail des Tatorts genauer festgehalten werden konnte, man ließ ihm den Spaß.

An diesem Tatort diskutierte er mit einem seiner Mitarbeiter der Spurensicherung. Der Mann im weißen Overall sah teilnahmslos aus, so weiß wie sein Schutzanzug. Thomas Haffner gestikulierte im Raum herum. Sein wachsender Bauch drückte von innen gegen seinen Anzug. Ohne Ton wirkte die Szene absurd. Verkappte Taucher, die den Weg zum Meer nicht finden, so standen sie da, stritten, wer die Karte vergessen hatte.

Ich zwang meine Gedanken zurück ins Firmengebäude, die gute Laune des Vormittags spielte mir Streiche. Mit den Fingern umfasste ich in meiner Jackentasche meinen Polizeiausweis und sagte mir mein Mantra vor: »Hier bist du Kommissarin. Umschalten.« Ich suchte den Schalter in mir, fand ihn, als Claudia die Glastür aufstieß und der metallische Geruch uns überrollte. Blut. Nur Blut roch so. Blut, das schon mindestens eine Stunde in den Teppich sickert.

Ich sah sie sofort, die Frau, deren Gesicht ich aus diversen Zeitungen kannte. War es nicht auch eines der Gesichter auf den Treppenhausplakaten?

Unter ihrem Haaransatz klaffte jetzt ein Loch, ein Einschussloch. Kein Zweifel, der Täter musste direkt vor ihr gestanden haben. Ihr Kopf war nach vorn gesackt, der restliche Körper saß aufrecht im Bürostuhl. Sie sah aus, als schliefe sie, nur ein kurzes Nickerchen bei der Arbeit, gleich wieder wach, wäre da nicht das Blut.

Das Blut, das von ihrem Gesicht auf den Schreibtisch getropft war, das Blut, das hinter ihr an der Wand klebte, das Blut, das ihr das Gesicht hinab gelaufen war, ihre Haare verklebte.

»Hinrichtung«, zwängte Claudia Eckart aus ihrer Kehle hervor.

Wir standen noch immer im Türrahmen, das Zimmer war voller Menschen in weißen Anzügen. Ich hatte keine Lust, mir einen geben zu lassen und auch noch dazwischenzufunken. Hinter uns kamen zwei schwarz gekleidete Männer die Stufen herauf, sie trugen einen silbernen Kasten, der den Sarg der Gerichtsmedizin darstellte. Ein Zwischensarg, in dem man nicht liegen wollte. Ich grüßte nur mit einer Handbewegung und wies Claudia an, mit mir zu kommen.

»Wir müssen hier wirklich vorsichtig sein, was davon an die Öffentlichkeit kommt. Ich glaube, wir stehen auf einem Eisberg, unter dem ein Vulkan an die Oberfläche drängt.«

»Ein Eisberg, unter dem was? Der Frühling lässt dich lyrisch werden, was?«

»Ich meine das ernst!«

»Ich auch. Jetzt warte doch erst mal ab, wahrscheinlich war es ihr Freund, der eifersüchtig war, weil sie erfolgreicher und so weiter.«

»Du machst es dir ja leicht.«

»Du machst es dir aber kompliziert. Ein Eisberg.« Sie schüttelte den Kopf.

Ich sah meine langjährige Kollegin an. Immer öfter erschien sie mir zynisch, ich schob es auf ihren Hunger. Meinen eigenen spürte ich schon gar nicht mehr.

»Wir sollten zuerst die Sekretärin befragen, die sie gefunden hat, bevor wir den Täter festnehmen.«

Doch Claudia Eckart blieb, wo sie war. Ihr Blick verschleierte ihre Gedanken, ihre Augen wirkten plötzlich völlig leer.

»Claudia? Geht es dir gut?«

»Mir ist schlecht. Ich glaube, ich gehe einen Moment ans Fenster hier.«

Wo war die Farbe aus ihrem Gesicht? Das Make-up hing von ihrer Haut, als gehöre es nicht dazu. Sie ging ans Fenster am Ende des Ganges und versuchte es zu öffnen, doch es hatte ein kleines Schloss am Griff, wie die meisten Fenster in solchen Bürogebäuden. Es ließ sich nicht öffnen. Claudia zerrte weiter daran. Plötzlich schrie sie es an, keuchte und schlug mit der flachen Hand auf die Scheibe. Wieder und wieder. Der dumpfe Knall fuhr durch den Flur. Jeder, selbst die Sekretärin mit ihren geschwollenen Augen, drehte sich zu ihr um.

»Claudia? Was machst du da?« Dumme Frage. Hilflosigkeit?

»Claudia?«, sie drehte sich um.

»Charlotte. Da hänge ich mit drin. Vielleicht ist das sogar meine Schuld.«

*

An meinen Händen klebt ihr Blut. Wirklich und tatsächlich. Blut. Scheiße, warum hat mir keiner gesagt, dass man das so schwer abgewaschen bekommt? Selbst von der Haut, wie lange musste ich schrubben.

Die Kleidung schmiss ich weg, die Schuhe ebenso. Ich hatte extra zu große Schuhe angezogen, so würden meine nicht zu den gefunden Fußspuren passen. Fußspuren. Ich hinterließ sie in ihrem Blut.

Es war so leicht gegangen. Ich sah ihr direkt in die Augen, diese widerlichen Augen, die jeden Tag aufs Neue in den Abgrund blickten und daran auch noch Freude hatten, diese Augen, die nun so taten, als tue es ihnen leid, die mich so oft angesehen hatten, überall. Nun hatte ich in sie gesehen, intensiv und hatte abgedrückt. Einfach so.

Es war so leicht gegangen. Als das Blut aus ihrem Kopf spritzte, die Wand hinter ihr färbte, war ich gelähmt. Geschockt vor Schreck, weil es so einfach war. Weil sie tot war. Sich nicht mehr bewegte. Nie mehr.

*

Claudia und ich saßen zusammen in meinem Opel, die Warnblinkanlage klickte. Claudia sah starr aus dem Fenster, beobachtete die vorbeigehenden Polizisten und Passanten, die wenigen Fotografen und Kameras. Ich hatte meine Frage schon vor fünf Minuten gestellt und wartete geduldig, hielt die Hand, zwischen deren Fingern die Zigarette hing, aus dem offenen Fenster und zog ab und zu am Filter.

»Diese Frau war ein Drachen, Charlotte«, sagte Claudia irgendwann ruhig.

»Aha.« Der Versuch, ihren Blick auf mich zu ziehen.

»Sie hat ihren Freund regelrecht terrorisiert. Benutzt wie einen Hausmann. Sie wollte keinen Freund, sondern einen Hausmann.«

Sie fuhr sich mit der Hand durch die Haare, endlich sah sie mich an.

»Er hat sie verlassen. Deswegen. Aber vor allem: wegen mir.«

»Dir? Du warst mit dem Exfreund von Hanna Stieg zusammen?«

»Na ja, Exfreund nicht. Sie waren ja noch ein Paar. Er wohnte noch bei ihr, sie wickelte ihn immer wieder um den Finger. Gegen ihr Geld und ihre Jugend kam ich nicht an. Sieh mich doch an. Na ja, ich wollte das dann beenden. Gestern. Ich wollte nicht die Nummer zwei sein. Ein Spielzeug oder als was auch immer er mich gesehen hat. Ganz oder gar nicht. Das hab ich ihm gesagt. Seine Antwort war: Nein, ich werde das beenden. Dann ist er gegangen, und nun ist sie tot.«

Endlich liefen die Tränen, endlich bewegte sie sich. Bebte. Nun war ich es, die bewegungslos und stumm dasaß.

»Das sieht gar nicht gut aus, aber wir müssen trotzdem ordentlich unsere Arbeit machen. Vielleicht ist es alles ganz anders«, sagte ich endlich, die Pause viel zu lang, Claudias Antwort die logische Konsequenz: »Hohle Floskeln.«

»Vielleicht solltest du dich aus den Ermittlungen heraushalten, Befangenheit?«

»Vielleicht.«

»Fahr doch am besten nach Hause. Jetzt.« Dieser Blick, ja, ja, drückte er aus. Gemischt mit Angst. Ginge sie jetzt, wäre das wie ein Geständnis. Sie beschuldigt ihn, glaubt daran. Sie stieg aus dem Wagen.

»Ich nehme die Bahn. Fährt ja gleich von hier vorn.« Die Tür schlug zu.

Ich saß plötzlich allein in meinem Opel, zog an der Kippe und versuchte, das Zittern der Finger zu unterdrücken. Gerade steckte ich mir die zweite an, als Mario Lasslo um die Ecke kam und sich neben den Wagen stellte.

Der neue Erler, dachte ich jedes Mal und wusste nicht, wen ich damit mehr beleidigte. Den pensionierten Paul Erler, den ich mit einem Neuling frisch von der Uni gleichsetzte, oder Mario Lasslo, der den Platz eines alternden Beratungsresistenten eingenommen hatte.

»Bekomme ich auch eine?« Diese Schnorrerei, unmöglich. Ich gab ihm eine.

»Du ersetzt jetzt Erler und Claudia«, ich ließ den Stummel aus dem Fenster vor seine Füße fallen. Nach dem Aussteigen trat ich ihn unter der Schuhspitze aus.

»Ich hab ja viel von der desaströsen Personalsituation gehört, aber Neuen gleich zwei Stellen geben? Ist das jetzt auch schon üblich, Chefin?« Grinsen. Sein forsches Auftreten gefiel mir, es lenkte mich ab, weil es so vollkommen fehl am Platz wirkte.

Statt zu antworten ging ich auf das Gebäude zu, der Glasfahrstuhl fuhr wieder, schob zwei schwatzende Beamtinnen in mein Blickfeld. Ich nahm die Treppe. Vor dem Plakat der lächelnden Hanna Stieg blieb ich stehen. So sah sie also aus, ohne Loch im Kopf. Na klar. Immer wieder war sie in der Lokalzeitung erschienen. Sie war das Gesicht der Firma, die blonde Visitenkarte. Konnte ihr Tod wirklich solch einen banalen Grund haben?

In den meisten Fällen hatten Morde solche Gründe, Rache, Eifersucht, Habgier. Doch ich glaubte nicht daran. Musste es aber, zumindest ein Teil von mir, kein Weg durfte ausgeschlossen werden, bevor er gegangen war.

»Ist das die Tote?«

Ich schreckte zusammen, als Lasslo mich aus den Gedanken riss. Er wirkte vollkommen ruhig, zeigte jetzt mit dem Finger auf das Plakat und zog fordernd die Augenbrauen hoch. Seine dunklen Locken hatte er mit zu viel Gel nach hinten gekämmt.

»Ja, Hanna …«

»… Stieg. Die kenne ich aus dem Fernsehen.« Weitergehen.

Die Leiche war inzwischen in den silbernen Sarg gelegt worden. Ich versuchte, die fragenden Blicke zu ignorieren, steckte meinen Kopf durch die Glastür. Die Kollegen von der Spurensicherung waren nur noch vereinzelt zu sehen, hatten sich jetzt nach draußen begeben, um das Umfeld nach Spuren abzusuchen. Thomas Haffner winkte mich zu sich. Lasslo klebte an mir, sah angestrengt von dem offenen Sarg weg. Der metallische Geruch hing noch immer im Raum.

Haffner hatte bereits die Blutspritzer an der Wand ausgemessen, dunkle Linien zogen sich jetzt zwischen ihnen über die Tapete, ein Spinnennetz.

»Der Täter muss direkt vor ihrem Schreibtisch gestanden haben, der Schuss kam schräg von oben. Sie saß, er stand.« Er hatte meinen Blick bemerkt. Setzte hinzu: »Ja, da klebt auch Hirnmasse.« Mario Lasslos Augen schlossen sich.

»Ganz schöne Wucht hatte der Schuss, die Kugel ist hinten ausgetreten. Da musst du dann die Gerichtsmedizin nach dem Durchschusskanal fragen. Wir haben bisher jede Menge Fingerabdrücke gefunden. Wirklich jede Menge. Eigentlich haben wir weniger Stellen ohne Abdrücke als mit gefunden. Da kannst du puzzeln.«

»Kann man die auch auf deiner Spiegelreflex Spurensicherungsmaschine sehen?«

»Sehr witzig, Frau Kollegin.«

»Dann hör doch mal auf, darauf herum zu tippen. Das macht mich wuschig.«

»Du wirst schon sehen, was du davon hast, wenn du gestochen scharfe Tatortfotos bekommst.«

»Sonst noch etwas Auffälliges?« Lasslos Stimme schlich sich zwischen ihre.

»Fußspuren. Und zwar im Blut da.« Er zeigte hinter den Schreibtisch.

»Der Täter, oder die Täterin, scheint nach dem Schuss um den Tisch herumgegangen zu sein. Wahrscheinlich um zu gucken, ob sie wirklich tot ist. Bei dem Loch eigentlich zweifelsfrei.«

»Vielleicht wollte er sie auch einfach wieder hinsetzen.« Lasslo war ebenfalls um den Tisch herumgegangen, den Blick auf den Boden gerichtet.

»Sie wieder hinsetzen?« Haffner steckte seine Kamera in die Tasche am Boden und sah zu Lasslo auf.

»Warum sollte er nachsehen, ob sie tot ist? Sieh dir doch bloß mal die Menge Blut an, der kann doch nicht ernsthaft geglaubt haben, dass sie noch lebt.«

»Aber warum sollte er sie wieder hinsetzen wollen?«

Die Frage blieb im Raum hängen. Einen Moment.

»Wie saß sie denn da? Kann es sein, dass sie nicht mehr bewegt wurde, nach dem Schuss?«

Haffner holte seine Kamera wieder heraus und schaltete sie ein. Als er das Bild fand, auf dem die sitzende Leiche zu sehen war, knieten wir uns neben ihn.

»Das Beste wird sein, wir schauen uns das am PC im Präsidium an. Der Bildschirm ist ein bisschen zu klein.«

»Mhm. Aber wenn, warum hätte er sie wieder hinsetzen sollen?« Ich war wieder aufgestanden, hatte den Körper schließlich selbst gesehen. Jetzt sah ich mir die Blutspuren hinter dem Tisch an.

»Vielleicht, um sie zu fotografieren? Damit das Gesicht auch erkannt werden kann?«, warf Lasslo ein.

»Von wem?«

»Von dem Mörder selbst. Vielleicht will er damit das Hochgefühl aufrechterhalten, das er beim Ermorden hatte.«

Ein aufgeschlagener Notizblock lag jetzt in meiner Hand, ich suchte eine leere Seite.

Auf die oberste Zeile schrieb ich das Datum und Hanna Stieg. Dann Lasslos Vermutungen, die ich nicht unter den Tisch fallen lassen wollte, auch wenn sie mir zu platt, wie aus einem seiner Lehrbücher, vorkamen.

»Wo ist denn eigentlich die Sekretärin?« Fragende Blicke.

Ich zog mein neues Smartphone aus der Tasche und wischte mit dem Finger über das Display. Die schmierige Spur, die mein Schweiß dabei hinterließ, entfernte ich sofort mit einem Taschentuch.

Dann tippte ich Romans Nummer an.

»Weißt du, wohin die Sekretärin gebracht wurde?«, fragte ich, als er sich meldete.

»Du meinst Franka Grundig?«

»Ja, genau.« Bis eben hatte ich den Namen nicht gekannt, ich schrieb ihn an den Rand der Blockseite.

»Sie ist mit einem Schock ins Krankenhaus gebracht worden. Uniklinik.«

»Hm, okay«, sagte ich mehr zu mir selbst und legte auf.

»Lasslo, dann fahren wir doch erst zu Leander Lore.«

»Ich bring euch später die Spuren!«, verabschiedete sich Haffner und zog den Gurt seiner Kameratasche fester.

»Wer ist denn Leander Lore?«

Auf dem Weg zum Auto umriss ich kurz, was ich vor einer Stunde von Claudia erfahren hatte. »Routine«, so würden wir es nennen.

»Wie willst du ihm erklären, dass du schon von ihm weißt?«

»Ich denke, den Zusammenhang bekommt er schon selbst hin. Außerdem wohnt er ja auch bei dem Opfer.«

Verlegen sah der neue Kollege auf seine Hände, schien zu überlegen.

»Das war nicht ihr Freund. So kaltblütig?«

»Du wirst noch sehen, wozu Menschen in der Lage sind.«

Wortlos fuhren wir durch die Stadt den kurzen Weg in die Ferdinand-Lassalle-Straße. Das Auto stellte ich auf die Parkseite unter den Bäumen. Die frische Frühlingsluft, gewaschen vom Nieselregen des Mittags, füllte meine Lungen. Bei dem Gedanken fielen mir plötzlich Claudias Chickenwings wieder ein. Sie lagen noch in ihrer Box auf dem Rücksitz. Sie würden wohl bis zum Abend dort liegen.

Lasslo stand schon an der Wohnungstür.

»Wir kommen, um ihm zu sagen, dass sie tot ist. Erst mal. Verstanden?«

»Verstanden.« Er drückte auf die Klingel.

Leander Lore stand in den Türrahmen gelehnt, mit verschränkten Armen sah er uns beim Treppensteigen zu. Ich hielt ihm meinen Polizeiausweis entgegen. »Guten Tag, mein Name ist Charlotte Petzold, Kripo Leipzig. Das hier ist mein Kollege Mario Lasslo. Ohne die Arme zu lösen, drehte er sich zur Seite und ließ uns wortlos in den Flur. Die weißen Wände waren mit lilafarbenen Tapetenstreifen beklebt, nussbraune Möbel mit goldenen Griffen standen wie in einem Museum. Plastikblumen sollten diesen Eindruck wohl brechen, zeugten aber nur von zu wenig Zeit, selbst zum Blumengießen.

Leander Lore sah uns dabei zu, wie wir die Schuhe auf dem Abtreter abstreiften, schien nicht verwundert, Besuch von der Kriminalpolizei zu bekommen.

Hatte Claudia ihn bereits angerufen? Ich dreh ihr den Hals um, aber erst mal setzte ich mich auf einen Stuhl.

Die weißen Holztüren, die vom Flur abgingen, waren allesamt geschlossen, kurz zählte ich die Zimmer. Für zwei Personen sehr großzügig. Zum Wohnzimmer führte eine Glastür mit goldener Klinke.

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