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Gefährliche Liebe

1. KAPITEL

Miriam glaubte, ihren Ohren nicht zu trauen. Hatte sie sich verhört? Oder hatte Robert Saalfeld, der ewig schlecht gelaunte Küchenchef, ihr eben tatsächlich einen Heiratsantrag gemacht?

„Kannst du das noch mal wiederholen?“, bat sie ungläubig.

Robert begann zu stottern. „Ich weiß, ich steh hier vor dir, mit nichts als diesem erbärmlichen Blumenstrauß, ich bin ein Choleriker, ich schraube die Zahnpastatuben nie richtig zu, ich bin furchtbar eitel …“ Er verstummte.

„Robert, von was redest du?“ Sie schmunzelte.

„Ach, keine Ahnung!“, brach es aus ihm heraus. „Ich … Ich hoffe einfach nur, dass du fühlst, dass ich es ehrlich meine, dass ich dich liebe und begehre und brauche …“

„Ja.“

Irritiert sah er sie an. „Ja?“

„Du wolltest doch eine Antwort auf deine Frage hören, oder nicht?“ Miriam strahlte über das ganze Gesicht.

„War das schon die Antwort?“, fragte Robert hoffnungsvoll. „Ja?“

Sie schwieg einen Augenblick, um die Spannung zu steigern. Dann lachte sie. „Ja. Ja! Natürlich ja!“

Überglücklich schloss er sie in die Arme und hob sie aus dem Rollstuhl, um sie ganz nah bei sich zu spüren.

Werner und Charlotte hatten sich zum ersten Mal wieder geküsst, seit sie aus Afrika zurückgekehrt war. Nun sahen die beiden einander bewegt in die Augen.

„Ich habe dir viel zugemutet“, sagte er heiser. „Ich habe nicht gespürt, dass du noch lebst, dass du zurückkommen wirst. Kannst du mir das verzeihen?“

„Du konntest es nicht ahnen“, entgegnete sie sanft.

„Und du bleibst wirklich hier?“

„Wenn du das willst.“

Statt einer Antwort küsste er ihre Hände. Er ahnte nicht, dass Barbara von Heidenberg die Zärtlichkeit zwischen den Eheleute mit hasserfülltem Blick beobachtete.

„Was soll ich machen?“, flüsterte Charlotte. „Du bist die Liebe meines Lebens.“

„Charlotte, ich habe dich so vermisst“, erwiderte er gerührt. „Immer wieder habe ich von dir geträumt.“

„Meinst du, wir können es schaffen?“

Bevor er antworten konnte, klingelte sein Handy. Lars Hoffmann, der neue Geschäftsführer des „Fürstenhofs“, musste dringend etwas mit seinem Chef besprechen.

„Mach nur“, entgegnete Charlotte. „Das ist schließlich wichtig. Ich gehe inzwischen auf die Terrasse und bestelle uns einen Tee.“

„Ich beeile mich!“, versprach ihr Mann. „Lauf mir nicht weg!“

„Ich kann nicht fassen, dass du Ja gesagt hast!“ Robert fühlte sich, als würde er im siebten Himmel schweben.

„Ich hoffe nur, wir müssen nicht so viele Höhen und Tiefen durchleben wie Laura und Alexander“, erwiderte Miriam nachdenklich.

„Hauptsache, unsere Liebe ist genauso groß“, sagte Robert. „Vor Höhen und Tiefen habe ich keine Angst.“

Ergriffen streichelte sie seine Hand. „Ich liebe dich.“

Er gab ihr einen zarten Kuss.

In diesem Augenblick platzte Miriams Stiefmutter ins Zimmer. Barbara erfasste die Situation mit einem Blick.

„Oh! Störe ich?“

„Komm nur rein!“, rief ihre Tochter fröhlich. „Ich hatte recht! Robert hat mir gerade einen Antrag gemacht! Und ich habe Ja gesagt!“

Barbara von Heidenberg bemühte sich um Contenance, während Robert ihr einen herausfordernden Blick zuwarf.

„Sie kommen zu spät, um Ihre Tochter zu retten“, erklärte er.

„Aber früh genug zum Gratulieren“, konterte sie mit einem gequälten Lächeln. Sie küsste Miriam auf die Stirn. „Herzlichen Glückwunsch, Kleines.“

Robert ließ die beiden allein. Frauen hatten in einer solchen Situation schließlich immer eine Menge zu besprechen.

Und er hatte sich nicht geirrt.

„Er war so süß, du hättest ihn hören sollen!“, erzählte Miriam ihrer Stiefmutter aufgeregt. Aber Barbara hörte gar nicht richtig zu. Ihre Tochter stutzte. „Du siehst blass aus“, stellte sie beunruhigt fest.

„Welchen Sinn macht es, immer topfit zu sein?“, entgegnete Barbara sarkastisch.

Miriam schluckte. „Es ist wegen mir und Robert, stimmt’s?“, fragte sie unglücklich. „Du kannst dich nicht freuen. Du denkst, er ist der Falsche, du traust ihm immer noch nicht!“

„Schätzchen, nein“, widersprach ihre Stiefmutter matt. „Wenn er dich glücklich macht, sollst du kein böses Wort von mir über ihn hören. Versprochen.“

„Du bist also einverstanden?“

„Das wird bestimmt ein Riesenevent“, seufzte Barbara und verlor plötzlich und ganz unerwartet die Fassung. Sie war den Tränen nahe. „Verzeih mir, dass ich mich gerade nicht mit dir freuen kann, aber …“

Ihre Tochter verstand sofort. „Es ist wegen Werner?“

Barbara nickte. „Er hat sie geküsst!“, brach es aus ihr heraus.

„Charlotte?“

„Diese abgehalfterte Dschungelkönigin“, stieß Barbara gar nicht damenhaft hervor, riss sich aber sofort wieder zusammen. „Entschuldige! Siehst du, ich werde schon richtig gehässig.“

„Ach, Mama, und ich rede die ganze Zeit nur von mir. Du Arme!“ Miriam war zu ihrer Stiefmutter gerollt und streichelte ihr tröstend über die Schulter.

„Ich hab so um ihn gekämpft.“ Barbara badete geradezu in Selbstmitleid. „Ich kann nicht mehr! Ich dachte, er liebt mich! Was ist, wenn er mich verlässt?“ Sie verbarg ihr Gesicht in einem Taschentuch.

„Mama, nicht weinen.“ Miriam fühlte sich ganz hilflos.

„Jetzt verderbe ich dir die ganze Freude!“, erklärte Barbara und schluchzte theatralisch auf. „Aber ich kann doch auch nicht immer stark sein!“

„Natürlich nicht“, erwiderte ihre Tochter voller Mitgefühl. „Das ist völlig okay. Ich bin ja sogar froh, dass du mir nichts vormachst.“

„Und ich bin glücklich, dich zu haben. Du bist mein ganzer Halt. Ohne dich …“ Schluchzend brach Barbara ab. Miriam schloss sie vollkommen schockiert in die Arme. Die berechnende Miene ihrer Mutter konnte sie nicht sehen.

Nachdem Barbara sich wieder etwas beruhigt hatte, fragte Miriam vorsichtig: „Du meinst, Werner will wieder mit seiner Frau leben?“

„Die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit, dieses Haus, die Kinder … das ist nicht zu unterschätzen“, erklärte Barbara nüchtern. „Und was habe ich zu bieten? Größe sechsunddreißig …“

„Mama, mach dich nicht so runter.“

„Ich bin nur realistisch“, stellte Barbara fest.

Ihre Tochter dachte nach. „Vielleicht ist es besser, du verlässt den ‚Fürstenhof‘?“, schlug sie dann zaghaft vor.

„Ohne dich?“ Barbara tat entsetzt. „Kommt nicht infrage!“

„Aber wenn er sich wirklich für Charlotte entscheidet, das kannst du nicht aushalten!“, wandte Miriam ein.

„Ich lasse dich hier nicht allein!“, beharrte ihre Stiefmutter. „Und außerdem, ich liebe Werner. Ich kann ihn nicht so mir nichts, dir nichts aufgeben.“ Sie machte eine dramatische Pause und sah Miriam verzweifelt an. „Als dein Vater starb“, fuhr sie leise fort, „dachte ich, ich könnte nie wieder lieben. Durch Werner bekam plötzlich alles wieder einen Sinn. Und jetzt?“

Das Unglück ihrer Mutter zerriss Miriam fast das Herz. „Wenn ich dir nur irgendwie helfen könnte!“, erklärte sie und meinte es ehrlich. „Warum können wir denn nicht beide glücklich sein?“

Barbara ergriff ihre Hände. „Ich bin glücklich, über dich“, säuselte sie. „Das mit Werner ist schlimm, aber dass du da bist und zu mir stehst, das bedeutet mir unendlich viel. Wenn ich dich auch noch verliere …“

„Ich werde immer auf deiner Seite stehen, versprochen“, beteuerte ihre Tochter.

Charlotte wartete auf der Terrasse noch immer auf Werner. Als Robert seine Mutter dort sitzen sah, trat er lächelnd an ihren Tisch.

„Ich habe sie gefragt, und sie hat Ja gesagt!“ Er schien vor Glück beinahe zu platzen.

„Heißt das … du hast Miriam einen Antrag gemacht?“, wollte Charlotte wissen.

„Ja. Sie ist …“

„… ein ganz großartiger Mensch mit einer wundervollen Ausstrahlung“, vollendete seine Mutter den Satz. „Ich gratuliere dir, mein Junge.“ Sie stand auf, um ihn zu umarmen.

Als die beiden sich wieder voneinander lösten, musterte Robert sie prüfend. Konnte das sein? Auch seine Mutter strahlte wie ein verliebter Teenager!

„Hör auf, mich so anzusehen“, bat sie verlegen. „Du willst doch deine Mutter nicht in Verlegenheit bringen, oder?“

„Irgendetwas ist passiert“, stellte er fest. „Und ich vermute, es hängt mit meinem Vater zusammen.“

Sie seufzte. „Wer weiß“, sagte sie leise, „vielleicht wird ja alles wieder gut … mit Werner … mit unserer Familie …“

„Wie auch immer ich zu Werner stehe, ich wünsche dir Glück“, entgegnete Robert aus tiefstem Herzen.

Im Gespräch der beiden ging es nun wieder um die bevorstehende Hochzeit.

„Alle werden sich sicher riesig darüber freuen“, sagte Charlotte.

„Mit einer Ausnahme“, bemerkte ihr Sohn sarkastisch.

„Barbara von Heidenberg?“

„Ich bin gespannt, welche Strategie sie fährt, um die Hochzeit platzen zu lassen“, überlegte er.

„Du bist eine erstklassige Partie, und du meinst es ernst“, erwiderte Charlotte. „Oder glaubst du, sie trägt dir das mit der anderen geplatzten Hochzeit nach?“

„Es geht nicht um mich“, erklärte er. „Sie muss überhaupt verhindern, dass Miriam heiratet.“ Auf Charlottes fragenden Blick hin erzählte er ihr von dem Testament, das Miriams Vater hinterlassen hatte: Wenn Miriam vor ihrem fünfundzwanzigsten Geburtstag heiratete, ging ihre Stiefmutter leer aus – wenn nicht, erbte Barbara das gesamte Vermögen. „Einen Kandidaten hat sie schon in die Flucht geschlagen“, fuhr er fort. „Maxim. Und jetzt stehe garantiert ich auf der Abschussliste.“

„Die Frau ist gerissen, aber was soll sie dir schon anhaben?“, wollte seine Mutter ihn beruhigen.

„Mir nichts, aber ihr Einfluss auf Miriam ist enorm.“

„Miriam ist erwachsen und hat sich für dich entschieden“, erwiderte sie.

„Und dabei wird’s auch bleiben, das schwöre ich“, erklärte Robert entschlossen.

Es hatte doch etwas länger gedauert, alle Fragen von Lars Hoffmann zu beantworten. Nun wollte Werner schnell zu seiner Frau. Aber bevor er sein Büro verlassen konnte, kam Barbara herein und hielt ihn auf.

„Ich habe Neuigkeiten“, erklärte sie.

„Die müssen warten“, versuchte er, ihr zu entkommen.

„Unsere Kinder heiraten! Robert hat Miriam einen Antrag gemacht.“

Der Senior hielt abrupt inne und begann zu strahlen. „Das ist ja großartig!“, freute er sich.

Seine Geliebte zuckte nur mit den Schultern.

Er musterte sie scharf. „Ich hoffe, du hast nicht vor, Gift zu spritzen. Er ist mein Sohn.“

Verletzt blickte sie ihn an. „Ich bin es leid, für eine Hexe gehalten zu werden“, sagte sie. „Immer beweisen zu müssen, dass auch ich ein Herz habe.“

Werner fühlte sich unbehaglich. „Entschuldige, können wir später weiterreden? Ich muss los …“

„Natürlich, ich bin ja nicht so wichtig“, versetzte sie gekränkt.

„Bitte …“

Barbara dachte gar nicht daran, ihn gehen zu lassen. „Im Grunde bin ich dir doch egal“, seufzte sie. „Du kennst mich gar nicht, stimmt’s? Wie auch, du hast ja immer nur das gesehen.“ Sie öffnete den Reißverschluss ihres Oberteils und präsentierte ihm ein schwarzes Spitzentop. „Und ich, ich habe mich in dich verliebt, richtig in dich verliebt“, fuhr sie eindringlich fort. „In deine Stimme, in jede einzelne deiner schrecklichen Falten. In die Art, wie du dieses Haus führst, in deine Souveränität, in die Art, wie du mich anfasst, und …“ Auf einmal wirkte sie sehr zerbrechlich. „Und was bin ich für dich? Nichts.“

„Aber nein, Barbara“, widersprach er betroffen. „Das ist doch nicht wahr.“

Tränen rannen ihre Wangen hinunter.

Er schluckte und nahm sie tröstend in die Arme.

„Du denkst bestimmt: Dieser Schuft, wie kann er mich hier so lange warten lassen!“, sagte Werner einige Zeit später zu Charlotte und versuchte, sein schlechtes Gewissen zu verbergen.

„Es gab sicher einen guten Grund“, winkte sie ab. „Aber setz dich doch. Ich muss dir was erzählen.“

Doch Werner hatte bereits von Roberts Heiratsantrag gehört.

„Wer hat es dir erzählt?“, wollte sie verblüfft wissen.

„Barbara.“

Charlotte schluckte.

„Ich habe sie zufällig in der Lobby getroffen“, log Werner.

Seine Frau rang sich ein Lächeln ab und griff nach seiner Hand. „Setz dich endlich. Und lass uns auf die Verlobung anstoßen.“

Werner jedoch behauptete, noch ein paar dringende Dinge erledigen zu müssen, und zog sich zurück.

Enttäuscht sah sie ihm hinterher. Hatte sie sich zu früh Hoffnungen gemacht?

Später saß Charlotte auf einer Bank im Park und versuchte, ihre Gedanken zu ordnen.

Dort fand Elisabeth sie. „Was grübelst du denn hier in der Eiseskälte?“, wollte sie wissen.

Charlotte berichtete von Roberts und Miriams Hochzeitsplänen. Ihre Schwester freute sich sehr über die Neuigkeit, aber Charlotte war noch nicht fertig.

„Und rate mal, mit wem Werner zuerst darüber gesprochen hat“, sagte sie bitter.

Elisabeth ahnte es. „Mit Barbara?“ Sie schnaubte verächtlich. „Na und? Werner liebt dich, es ist nur eine Frage der Zeit, bis er das endgültig kapiert.“

„Heute hat er mich zum ersten Mal wieder geküsst …“, erzählte Charlotte.

„Na, siehst du!“

„Und gleich danach versetzt.“

Ihre Schwester konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. „Im Grunde ist Werner ein viel größerer Bauer als Johann. Egoistisch, unsensibel, ein grober Klotz im feinen Zwirn.“

Gegen ihren Willen musste Charlotte lachen. „Ich fürchte, du hast recht.“

„Also, nimm dir so was nicht zu Herzen“, sagte Elisabeth aufmunternd. „Wer Werner liebt, braucht ein dickes Fell und einen langen Atem.“ Damit verabschiedete sie sich. Sie war an diesem Abend noch mit Johann verabredet.

Johann Gruber passte es gar nicht, dass der ganze „Fürstenhof“ zu wissen schien, dass er und seine Jugendliebe die letzte Nacht miteinander verbracht hatten.

„Und wenn schon“, meinte Elisabeth gleichgültig.

„Ich mag das aber nicht“, beharrte er.

„Warum denn nicht?“, wollte sie wissen. „Willst du vielleicht eine heimliche Affäre?“

„Schmarrn“, knurrte er.

„Ja, was denn dann?“

Es fiel ihm schwer, ihr die Wahrheit zu sagen. Er druckste herum. „Am Ende erfährt es noch der Saalfeld“, brummte er schließlich.

„Werner?“, wunderte sie sich. „Du hast Angst vor Werner Saalfeld?“

„Ich hab keine Angst!“ Johann schnaubte verächtlich.

„Du denkst, er hat was dagegen, weil du ein einfacher Bauer bist?“, überlegte sie.

Verstockt schüttelte er den Kopf.

„Ist es wegen der Anteile, die ich deinetwegen verloren habe?“, fragte sie weiter.

Er schwieg.

„Meinst du, Werner nimmt dir das immer noch übel?“ Sie dachte einen Augenblick lang nach. „Möglich wäre es, aber das ist passiert und nicht zu ändern.“

„Du hast es also auch nicht vergessen“, stellte er bitter fest.

„Ich bin nicht vergesslich“, entgegnete sie besänftigend. „Aber ich habe dir längst verziehen.“ Sie machte einen Schritt auf ihn zu.

„Ich mag nicht darauf angewiesen sein, dass mir jemand was verzeiht“, brummte er missmutig.

„Das ist albern, nichts als dummer Stolz“, wollte sie ihn beruhigen, doch er ließ es nicht zu.

„Elisabeth, mach mir nichts vor.“ Seine Stimme klang hart. „Diese Sache mit den Anteilen … Das wird immer zwischen uns stehen.“

2. KAPITEL

Zur selben Zeit saßen Barbara und Werner beim Abendessen in der Wohnung. Barbara von Heidenberg gab sich sichtlich gut gelaunt und machte Pläne für die bevorstehende Hochzeit.

„Wir sollten abwarten, was die Kinder für Vorstellungen haben“, versuchte der Senior, sie zu bremsen. „Ich werde morgen mit ihnen über alles reden.“

„Wie du willst“, entgegnete sie. „Wir könnten auch …“ Das Wort „gemeinsam“ stand im Raum.

„Es ist wohl besser, ich mache das alleine“, unterbrach er sie betreten.

„Natürlich“, gab sie ergeben zurück. Für eine Weile herrschte ungemütliches Schweigen, dann machte sie Anstalten, sich zu erheben. „Ich habe leider noch zu tun“, erklärte sie charmant. „Du musst mich entschuldigen.“

„Kein Dessert?“

Sie schüttelte den Kopf und betrachtete ihn ernst.

„Werner?“, begann sie sanft. „Heute Nachmittag, in deinem Büro, was ich gesagt habe … Ich will dich nicht unter Druck setzen, es kam einfach so aus mir heraus. Du sollst wissen, dass jedes Wort ehrlich gemeint war.“ Sie hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. „Gute Nacht.“

Der Senior kämpfte sichtlich mit sich selbst. Ihrem verführerischen Auftreten stand er machtlos gegenüber, aber er wollte Charlotte nicht schon wieder belügen müssen. Also wünschte er nur eine gute Nacht und ließ Barbara enttäuscht ziehen.

Auch Miriam und Robert verbrachten den Abend gemeinsam.

„Was hat deine Stiefmutter eigentlich zu meinem Antrag gesagt?“, fragte Robert neugierig. „Oder soll ich raten?“

„Sie hat mir Glück gewünscht“, erklärte Miriam bestimmt. „Und das, obwohl sie selbst gerade unglücklich ist. Wegen Werner.“

„Ist sie das wirklich, oder sagt sie das nur, um dir die Freude auf die Hochzeit kaputt zu machen?“, bemerkte er süffisant.

Zur Strafe kassierte er einen wütenden Blick.

„Sie ist traurig“, stellte Miriam gereizt fest. „Sie liebt deinen Vater. Sie hat sogar geweint.“

Robert nahm sich zusammen. „Entschuldige, vergiss es einfach. Unsere Eltern sollen ihre Beziehungsprobleme gefälligst allein lösen. Ich will mich nur noch freuen. Bist du dabei?“

„Sie ist meine Mutter“, grummelte sie.

„Es geht genauso um meine Mutter!“, hielt er dagegen. „Dass sie beide ausgerechnet meinen Vater lieben, ist das wirklich Verwunderliche an der ganzen Angelegenheit.“ Sein verzweifelt wirkendes Kopfschütteln brachte Miriam zum Lachen. Beide wollten sich nicht schon wieder über die vertrackte Situation streiten.

„Egal, was passiert, wir lassen uns nicht auseinanderbringen, ja?“

Sie besiegelten ihr Versprechen mit einem liebevollen Kuss.

Am nächsten Morgen bat Werner Miriam um ein Gespräch unter vier Augen.

„Hier steht Charlotte, da Barbara“, erklärte er zögerlich. „Die Situation ist nicht einfach für mich.“

„Für meine Mutter auch nicht“, erwiderte Miriam. „Sie war gestern völlig fertig.“

„Ich weiß.“ Der Senior senkte betreten den Blick. „Ich hoffe wirklich, dass dieses Problem deine und Roberts Beziehung nicht zu sehr belastet.“

Sie deutete ein Kopfschütteln an. Ihr lag etwas anderes auf dem Herzen. „Es ist schon lange her, dass meiner Mutter jemand so viel bedeutet hat“, sagte sie leise. „Sie liebt dich!

Aber ich würde gerne wissen – liebst du sie?“

Ihre Worte berührten ihn sehr.

„Es steht mir nicht zu, dich um so etwas zu bitten“, fuhr sie fort. „Aber ich muss es einfach. Lass sie nicht länger in dieser Ungewissheit! Triff eine Entscheidung!“

„Das werde ich“, versprach er.

„Ich denke, das bist du auch deiner Frau schuldig. Ich habe großen Respekt vor ihr.“

Werner nahm ihre Hände. „Ich liebe deine Mutter!“, erklärte er unvermittelt. „Es ist nicht so leicht, aber … Vertrau mir! Ich werde alles irgendwie zu einem guten Ende führen.“

„Danke.“ Sie konnte seine Äußerung nicht anders verstehen, als dass er eine Zukunft mit Barbara anstrebte.

Robert war derweil an der Bar auf Barbara von Heidenberg gestoßen.

„Ich finde, wir sollten das Kriegsbeil langsam begraben und uns wie erwachsene Menschen benehmen“, schlug sie mit einem falschen Lächeln vor.

„Gib dir keine Mühe, die Nummer kaufe ich dir nicht ab“, knurrte Robert.

„Solltest du aber“, versetzte sie süffisant. „Schließlich werde ich nicht nur deine Schwiegermutter, sondern aller Voraussicht nach auch deine Stiefmutter. Witzig, nicht?“

„Ich würde sogar sagen, das ist der größte Witz aller Zeiten“, giftete er.

„Eine Doppelhochzeit“, flötete sie. „Miriam wäre begeistert!“

„Träum weiter!“, höhnte er. „Mein Vater hatte schon viele Freundinnen, aber nur eine Ehefrau.“

„Ich habe immer bekommen, was ich wollte! Und du hältst mich nicht auf.“ Die Drohung, die in ihrer Stimme lag, war nicht zu überhören.

Nach dem Gespräch mit ihrem zukünftigen Schwiegervater Werner war Miriam ins Gewächshaus gegangen. Dort traf sie auf Charlotte Saalfeld.

„Ich freue mich über Ihre Hochzeitspläne“, begrüßte Roberts Mutter sie warmherzig. „Sie tun meinem Sohn sehr gut.“

„Danke“, erwiderte Miriam lächelnd. „Ich habe Glück, dass er sich in mich verliebt hat.“

Charlotte griff nach ihrer Hand. „Darf ich Ihnen etwas sagen?“, fragte sie. „Egal, was zwischen Ihrer Stiefmutter und meinem Mann passiert, egal, ob es Streit gibt – lassen Sie sich davon nicht beeinflussen.“

„Warum sollte es Streit geben?“

„Ihre Stiefmutter ist sehr temperamentvoll“, antwortete Charlotte freundlich. „Ich wollte Sie nur wissen lassen, dass ich Sie mag, und dass es auch so bleiben wird.“

Für Miriam klangen diese Worte so, als wüsste Charlotte, dass sie ihren Mann an Barbara verloren hatte.

„Was werden Sie jetzt tun?“, wollte sie wissen.

„Gar nichts“, erwiderte Charlotte selbstsicher. „Werner ist seit über fünfunddreißig Jahren mein Mann. Er hat immer den Weg zu mir zurückgefunden, und – wie es aussieht – findet er ihn auch dieses Mal.“

„Sie glauben …“ Miriam war nun vollkommen überrascht. „Aber Werner hat sich doch für meine Stiefmutter entschieden!“

„Sagt Ihre Stiefmutter.“

„Sagt Werner. Zu mir. Vorhin.“ Miriam wirkte sichtlich verstört. „Er liebt Barbara. Es tut mir leid.“

Charlotte konnte kaum glauben, was sie da hörte – und die Vorstellung, dass Miriam die Wahrheit sagte, tat unerträglich weh.

„Glaubst du, Miriam würde für ihre Stiefmutter lügen?“

Charlotte hatte sich gleich auf die Suche nach ihrem Jüngsten gemacht und stand nun mit ihm zusammen am Hinterausgang des „Fürstenhofs“.

Robert blickte sie unsicher an. Er wusste nicht so recht, was er mit der Frage seiner Mutter anfangen sollte. „Nein. Ganz sicher nicht. Sie ist der ehrlichste Mensch, den ich kenne“, erklärte er.

„Weißt du, was deinen Vater mit mir verbindet?“, brach es aus Charlotte heraus. „Mitleid! Er traut sich nicht, mich zu verletzen.“

Beruhigend legte Robert ihr eine Hand auf den Arm.

Doch seine Mutter war außer sich. „Wäre ich nur nie zurückgekehrt!“, stieß sie hervor. „Warum hast du mir nicht gleich in Afrika von den beiden erzählt?“

„Weil diese Barbara das Schlimmste ist, was Vater passieren konnte“, versuchte Robert, sich zu rechtfertigen. „Ich wollte unbedingt verhindern, dass …“

Seine Mutter fiel ihm ins Wort. „Er liebt diese Frau, und mich hält er hin! Das ist erniedrigend! Und das mache ich nicht mit.“

Betroffen sah er sie an, und sie nahm sich um seinetwillen zusammen.

„Ich weiß, du meinst es gut“, fuhr sie etwas ruhiger fort, „aber ich kann hier nicht mehr leben, Robert. Hier ist kein Platz mehr für mich …“

Barbara schmiedete unterdessen einen Schlachtplan. Sie musste Miriam und Robert für eine Weile aus dem Weg schaffen, damit sie freie Bahn bei Werner hatte. Da kam es ihr gelegen, dass Miriam sagte, sie brauche etwas Abstand vom „Fürstenhof“.

„Dann kommt meine Idee ja genau richtig“, sagte Barbara mit einem mütterlichen Lächeln. „Ich möchte dir und Robert nämlich eine kleine Kreuzfahrt schenken.“

„Was?“, rief Miriam begeistert.

„Vorgezogene Flitterwochen, sozusagen“, erklärte Barbara von Heidenberg voller geheuchelter Wärme. „Fahrt einfach weg, nur ihr beide, genießt eure Liebe, guckt aufs Wasser, lasst die Seele baumeln …“

„Ach, Mama, was für eine wundervolle Idee!“ Ihre Tochter freute sich ehrlich. „Das ist genau das, was ich brauche.“

Robert, dem Miriam kurz darauf freudestrahlend von der Kreuzfahrt erzählte, war allerdings alles andere als begeistert. Er durchschaute Barbaras Plan sofort.

„Na klar.“ Er schnaubte verächtlich. „Wir sollen verreisen. Vor der Hochzeit. Warum wohl?“

„Sie hat gemerkt, dass ich ein bisschen Ruhe brauche“, verteidigte Miriam ihre Mutter. „Und dass es ganz gut für uns beide ist, wenn wir mal alleine sind.“

„Und weit weg vom ‚Fürstenhof‘“, spottete er.

„Was ist falsch daran?“ Seine Verlobte wirkte verärgert. „Ich habe gestern Ja gesagt, heute bist du dran.“

„Siehst du das denn nicht?“, rief er erregt. „Deine Stiefmutter will uns loswerden, damit sie freie Bahn bei Werner hat.“

„Quatsch!“

Er holte tief Luft. „Liebst du mich?“

„Mehr als alles andere“, versicherte sie.

„Dann heirate mich – so schnell wie möglich.“ Seine Stimme zitterte.

„Gern.“ Sie verstand nicht, worauf er hinauswollte. „Aber warum so schnell?“

Mit einem Mal verlor Robert die Beherrschung. „Ich will, dass Barbara alles verliert“, platzte er heraus. „Ihr verdammtes Geld. Ihre Macht. Dann kann ich sie endlich rausschmeißen!“

Erst als er Miriams vollkommen entsetzte Miene registrierte, wusste er, dass er zu weit gegangen war.

„Du kannst doch nicht einfach meine Mutter rauswerfen“, flüsterte sie geschockt.

„Ich will, dass du die Wahrheit über deine Mutter erkennst …“, begann er.

Doch sie ließ ihn nicht ausreden. „Ich kenne Barbara länger und besser als ihr alle. Ich weiß, dass sie mich mag und alles für mich tut. Ich bin auch sicher, dass sie Werner liebt …“

Robert machte eine abfällige Handbewegung, die Miriam nicht entging.

Sie sah ihn ungläubig an. „Es geht gar nicht um mich oder unsere Hochzeit“, sagte sie bitter. „Es geht dir nur um deine Mutter.“

Robert wand sich. „Ja … auch“, gab er schließlich zu.

„Glaubst du wirklich, wenn du Barbara rausekelst, hat deine Mutter freie Bahn bei Werner und kann hierbleiben?“, wollte sie wissen.

„Wovon redest du?“, brauste er auf. „Der ‚Fürstenhof‘ ist ihre Heimat! Sie ist hier aufgewachsen, sie hat uns hier großgezogen, sie gehört hierher!

„Aber Werner will mit meiner Mutter leben, nicht mit deiner“, bemerkte Miriam kühl.

„Barbara manipuliert ihn, genau wie dich!“ Robert sah sie mit flackerndem Blick an.

Enttäuscht schüttelte sie den Kopf. „Du bist so verbohrt.“

„Miriam, mach endlich die Augen auf!“ Robert riss allmählich der Geduldsfaden. „Diese Schlange denkt nur an sich – und du bist ihr genauso egal wie alle anderen auch.“

Verletzt wandte sie sich ab. „Sie hat sich immer um mich gekümmert.“ Ihre Stimme zitterte, so sehr wühlte diese Auseinandersetzung Miriam auf. „Sie ist der einzige Mensch, der nie ein Problem mit meiner Behinderung hatte. Ist das böse?“

„Natürlich nicht!“, antwortete Robert.

„Warum behauptest du dann, sie würde mich nicht lieben?“

„Sie hat alle Männer vertrieben, die du kennengelernt hast“, erwiderte er.

„Du bist noch da.“

Er machte eine hilflose Geste. „Sie hat oft genug versucht, gegen mich zu intrigieren.“

Miriam schwieg.

Robert war klar, dass es keinen Sinn hatte, seine Verlobte in dieser Weise zu bedrängen. Wenn er so weitermachte, würde er sie noch verlieren. Also änderte er seine Taktik. „Vielleicht hast du recht, und Barbara liebt dich wirklich“, begann er nun. „Und weil sie dein Bestes will, hat sie sicher nichts dagegen, dass wir bald heiraten.“ Herausfordernd sah er sie an.

„Du meinst, vor meinem fünfundzwanzigsten Geburtstag, damit das Vermögen an mich geht, und Barbara leer ausgeht.“

„Was ihr sicher nichts ausmacht, weil sie nur dein Glück im Kopf hat“, entgegnete er so harmlos wie möglich.

Sie rang mit sich, gab sich schließlich aber einen Ruck. „Also gut. Wir heiraten, und Barbara freut sich mit uns, ohne auch nur einen Gedanken an das Geld zu verschwenden.“

„Das glaubst du?“, fragte er und runzelte die Stirn.

„Ganz sicher.“ Als Robert sie skeptisch anblickte, fügte sie hinzu: „Und dann wirst du dich in aller Form für deine bösen Unterstellungen bei mir entschuldigen.“

Ein versöhnliches Grinsen erschien auf seinem Gesicht.

„Auf die Knie fallen werde ich, wenn ich falsch liege“, versprach er und schloss sie liebevoll in seine Arme.

Nach dem, was Miriam von Heidenberg ihr über Werners Liebe zu Barbara gesagt hatte, sah Charlotte für sich nur noch eine Möglichkeit …

„Werner ist zu feige, mir selbst zu sagen, dass er nichts mehr für mich empfindet“, erklärte sie ihrer Schwester.

„Aber du liebst ihn nach wie vor.“

Charlotte nickte. „Und deshalb werde ich ihn freigeben.“

„Tu’s nicht!“, stieß Elisabeth hervor und sah ihre Schwester eindringlich an. „Du darfst ihn nicht dieser Frau überlassen!“

„Du weißt, dass man Liebe nicht erzwingen kann“, stellte Charlotte ruhig fest.

„Aber man darf Menschen, die man liebt, nicht ins Unglück rennen lassen“, hielt Elisabeth dagegen.

„Ich glaube nicht, dass Werner in Barbara von Heidenberg sein Unglück sieht“, erwiderte Charlotte und lächelte bitter.

„Sie ist gefährlich!“, platzte Elisabeth heraus.

„Was meinst du?“ Charlotte betrachtete sie forschend. „Nun sag schon!“

„Es ist nur ein Gerücht …“, begann Elisabeth zögerlich. „Aber angeblich ist Barbara von Heidenberg am Tod ihres ersten Mannes nicht ganz unschuldig.“

Charlotte stockte der Atem. „Von wem hast du das?“

Zunächst wollte Elisabeth nicht mit der Sprache herausrücken, doch schließlich gab sie Charlottes Drängen nach. „Von meinem Sohn.“

3. KAPITEL

Felix Tarrasch hatte die Nachricht, dass Miriam heiraten wollte, tief getroffen. Noch immer war er verliebt in seine Jugendfreundin. Und dass sie sich nun endgültig für Robert Saalfeld entschieden hatte, tat unendlich weh.

In dieser Situation drängte Miriam ihn auch noch, ihr zu sagen, was er in Wahrheit von ihrer Stiefmutter dachte. Sie brauchte ihn jetzt – als Freund.

Felix war hin- und hergerissen. Dabei hatte er sich längst dazu durchgerungen, seiner Freundin niemals von den Gerüchten zu erzählen, die im Dorf kursiert hatten, nachdem Miriams Vater gestorben war. Dass Barbara von Heidenberg ihren Mann umgebracht hatte … Er wollte Miriam auf keinen Fall in Gefahr bringen.

Felix’ ausweichenden Antworten auf ihre Fragen bestärkten Miriam allerdings darin, dass die Konflikte, die sich immer wieder an der Person ihrer Stiefmutter entzündeten, endlich aufhören mussten. Sie würde Roberts blödes Spiel mitspielen und Barbara auf die Probe stellen – wie er es vorgeschlagen hatte. Vielleicht war die Sache dann ein für alle Mal geklärt …

Robert ahnte indes noch nichts von Miriams Entscheidung. Er beklagte sich bei Lars Hoffmann darüber, dass Miriam ihm einfach nicht glauben wollte, wie kalt und berechnend ihre Stiefmutter war.

Der neue Geschäftsführer kannte Barbara von Heidenberg noch aus Marbella, und sie hatte einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen.

„Schalt sofort dein Gehirn ein“, knurrte der Küchenchef, als er Lars’ bewundernde Worte über Barbara hörte. „Die schafft dich.“

„Woher willst du das wissen?“, konterte Lars. Plötzlich verstand er. Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Eigene Erfahrung?“

„Ein One-Night-Stand“, gab Robert peinlich berührt zu. „Ich habe Miriam damals noch nicht gekannt.“

„Mutter und Tochter – das nenne ich Familiensinn“, spottete sein Freund.

„Halt bloß die Klappe“, zischte Robert. „Und wenn du einem Menschen was sagst …“

Barbara von Heidenberg war damit beschäftigt, Angebote für die Kreuzfahrt einzuholen, mit der sie sich Miriam und Robert vom Hals schaffen wollte. Zufällig bekam Werner nun den Schluss des Telefonats mit, das sie mit dem Reisebüro führte.

„Du willst verreisen?“, fragte er erschrocken.

Barbara begriff sofort, dass er das Telefongespräch missverstanden hatte, und genoss die Situation in vollen Zügen. „Würde es dich stören?“, säuselte sie.

Alarmiert machte er einen Schritt auf sie zu. „Ich will nicht, dass du gehst“, erklärte er eindringlich und versuchte, nach ihrer Hand zu greifen.

Doch Barbara entzog sich ihm. „Du willst viel. Mich … Und offenbar auch die Frau, die du gestern geküsst hast.“

„Du hast uns beobachtet?“ Beschämt senkte er den Blick. „Das war doch nur …“

„Ein kleiner Kuss?“, vervollständigte sie seinen Satz. „Und wie geht es weiter nach diesem Kuss?“

Der Senior wusste darauf keine Antwort und schwieg.

„Vielleicht habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt“, fuhr Barbara fort. „Ich liebe dich, Werner, aber ich will dich nicht um jeden Preis.“

Er wusste, dass es an ihm war, sich zu entscheiden. Wenn es ihm nur nicht so unendlich schwerfallen würde.

Wenigstens abreisen würde Barbara doch noch nicht. Die Kreuzfahrt wollte sie für Miriam und Robert buchen, wie sie ihn wissen ließ.

Bedrückt suchte Werner kurz darauf seine Frau in deren Gästezimmer auf.

„Warum sagst du mir nicht, dass du dich für Barbara von Heidenberg entschieden hast?“, fragte Charlotte ihn ohne Umschweife.

„Wer behauptet das?“ Überrascht blickte er sie an.

„Miriam hat es mir gesagt.“

„Wie kommt sie dazu?“ Er wunderte sich. „Sie muss mich missverstanden haben. Sie hat mich nach meinen Gefühlen gefragt, und …“ Er stockte.

„Du konntest nicht abstreiten, dass du Barbara noch liebst“, ergänzte sie leise.

„Dass ich ihre Mutter auch liebe“, korrigierte er unglücklich.

„Kann man zwei Frauen lieben?“, fragte Charlotte und sah ihn an.

„Manche Dinge glaubt man erst, wenn man sie selbst erlebt hat“, flüsterte er.

Nachdem Werner die Wohnung verlassen hatte und zu Charlotte gegangen war, kam Miriam zu ihrer Stiefmutter. Sie hatte sich vorgenommen, Barbara auf die Probe zu stellen – Robert zuliebe.

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