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Gayles Hamburg 2

Blind Date

 

Ich bin zu schüchtern, um eine Frau anzusprechen. Meine Kollegen organisieren ein Blind Date für mich - allerdings mit einem Mann, obwohl ich hetero bin. Aus dem geplanten Jux wird Ernst...

 

Sascha

 

Nervös warf ich einen Blick auf die Uhr. Noch zehn Minuten, bis mein erstes Blind Date stattfinden würde. Wie immer war ich viel zu früh, eine dumme Angewohnheit von mir. Kurz war ich versucht, auf den Nägeln zu kauen, ließ es dann aber sein. Ein großer, dreißigjähriger Kerl, der so etwas tat, sah einfach Scheiße aus. Außerdem wollte ich nicht schüchtern, sondern weltmännisch wirken, wenn die Dame meines Herzens endlich eintraf.

„Entspann dich“, rief mir vom Nebentisch einer meiner Kollegen zu.

In diesem Moment verfluchte ich mich dafür, mich zu diesem Mist überredet haben zu lassen. Da ich ein chronischer Stubenhocker bin, hatte ich schon seit Jahren keine Frau mehr kennen gelernt. Hinzu kam die extreme Schüchternheit, die mich in Gegenwart des anderen Geschlechts erröten ließ. Meine Arbeitskollegen hatten die glorreiche Idee gehabt, mich zu einem Blind Date zu überreden. Kaum hatte ich halbherzig zugestimmt, hatten sie auch schon alles für mich in die Wege geleitet.

Eigentlich hätte mir das schon zu denken geben sollen, aber ich bin ein gutmütiger Mensch, der in anderen niemals Boshaftigkeit vermutete. Vor mir auf dem Tisch lag eine Ausgabe des aktuellen Mens Health Magazins, das Erkennungszeichen. Wieder guckte ich zu Tür und unterdrückte ein Stöhnen. Wann kam sie endlich? Plötzlich wollte ich das Ganze nur noch hinter mich bringen und war mir sicher, dass ich nach ein paar netten Worten das Café allein verlassen würde.

Am Nebentisch tuschelten die Kollegen, die zu meiner Unterstützung mitgekommen waren. Ralf und Ole gehörten nicht zu meinen engsten Freunden, eher gesagt waren sie gar nicht mit mir befreundet. Dass sie sich trotzdem so um mein Liebesleben sorgten, hatte mich gerührt. Ich blätterte gerade in der Zeitschrift herum, als ich aus dem Augenwinkel wahrnahm, dass sich jemand meinem Tisch näherte. Ich schaute auf und entdeckte einen kleinen Blonden, der freudestrahlend auf mich zusteuerte. In der Hand hielt er das Gegenstück zu dem Magazin, das ich nun überrascht losließ. Plötzliches Begreifen ließ mich vor Scham und Wut starr werden.

Das unterdrückte Kichern, das vom Nebentisch zu mir drang, bestätigte meine Vermutung. Die lieben Kollegen hatten sich einen Spaß auf meine Kosten geleistet. Brennende Verärgerung, wie ich ihn noch nie gespürt hatte, kochte in mir hoch und ließ mich alle Schüchternheit vergessen. Das Blut rauschte in meinen Ohren und ich sah rote Kreise vorn meinen Augen, als der Blonde vor mir stehen blieb und mich anlächelte.

„Hallo, ich bin Jan. Du bist Sascha?“, sagte er leise.

Lautes Gelächter trieb mir den letzten Tropfen Blut in den Kopf und in mir brüllte etwas auf. Denen würde ich es zeigen! Ich sprang auf und riss den Blonden, der erschrocken zusammenzuckte, in meine Arme. Wild entschlossen presste ich den Mund auf seine Lippen, sie fühlten sich warm und fest an. Gleich darauf hob ich den Kopf wieder und grinste verzerrt, während er mich ungläubig anstarrte. Am Nachbartisch war das Lachen verstummt, aber ich guckte nicht hin. Ich war nur noch auf das Gesicht von diesem Jan konzentriert.

„Hallo Jan!“ Meine Stimme klang piepsig und schien mir nicht mehr zu gehören. „Du gefällst mir.“

„Oh, du gehst aber ran!“ Der Blonde errötete leicht, machte aber keinen Versuch, sich aus der Umarmung zu befreien.

„Wollen wir zu dir oder zu mir?“, fragte ich.

„Das geht mir aber dann doch ein bisschen zu schnell!“ Nun löste sich Jan doch aus meinen Armen und schaute zu mir hoch.

Er war ungefähr einen Kopf kleiner als ich und sah wirklich hübsch aus, hatte blaue Augen mit langen Wimpern. Warum fiel mir das auf? Ich schüttelte den Kopf, um meine Gedanken wieder in Reih und Glied zu bringen. Immer noch waberte der rote Wutnebel in meinem Gehirn und erschwerte das Denken.

„Egal, lass uns gehen“, sagte ich und griff nach seinen Arm.

Er ließ sich von mir aus dem Cafe führen. Ich warf keinen Blick zurück.

 

Jan

 

Dieser Sascha hatte es aber eilig! Ich folgte ihm aus dem Café und fragte mich, ob es sein Ernst war mit dem – na ja, was auch immer er vorhatte. Auf der Straße angekommen schlang er einen Arm um meine Schultern und irgendwie schien er wütend zu sein, denn seine Bewegungen wirkten steif und sein Gesicht war gerötet. Schweigend gingen wir ein Stück, bis das Lokal außer Sichtweite war.

„Okay …“ Unvermittelt zog Sascha den Arm weg. „… danke. Wir können jetzt aufhören.“

„Womit aufhören?“, fragte ich erstaunt.

„Mit dem so tun, als wären wir verliebt“, antwortete er.

Ich starrte den Typ an, bei dem offensichtlich eine Schraube locker sein musste. Erst machte er mich scharf, dann ließ er mich fallen und bezeichnete das Ganze als Spiel. Lernte ich denn nur Psychopathen kennen? Allerdings war so ein Blind Date ein Tummelplatz für diese Spezies, hatte ich mal gelesen.

„Was soll das alles?“ Langsam wurde ich wütend. Sascha hatte mir so gut gefallen, wie er schüchtern auf dem Stuhl hockte. Ich hatte eben Pech in der Liebe, sonst hätte ich mich auf so eine Verabredung ja gar nicht eingelassen.

„Es war ein abgekartetes Spiel“, antwortete Sascha und senkte den Blick. „Meine Kollegen saßen am Nebentisch und wollten mich veräppeln.“

„Aha“, murmelte ich.

„Sie wollten mir ein Date mit einer Frau verschaffen, weil ich so...“ Er errötete und begann, an seinem T-Shirt herumzunesteln.

Wie süß! Ich schluckte schwer und verbannte alle Gedanken, die mit süß zu tun hatten, aus meinem Kopf.

„Schüchtern bin?“, beendete ich seinen Satz.

Sascha nickte und lief rot an. Da hatten sich die Kollegen wirklich den Richtigen ausgesucht. Plötzlich tat der riesige Kerl mir leid.

„Du bist also hetero und hast den Typen nur eins auswischen wollen?“, riet ich.

Wieder nickte mein Gegenüber. Ich seufzte. So hatte ich mir den Tag nicht vorgestellt. Eigentlich hatte ich gehofft, einen netten Mann kennen zu lernen und ein bisschen Zeit mit ihm zu verbringen. Gut, Sex wäre auch in Ordnung gewesen, aber nicht zwingend.

„Wollen wir trotzdem einen Kaffee zusammen trinken? Ich hätte Lust“, fragte ich.

Gespannt beobachtete ich Saschas Gesicht, auf dem sich tiefe Unsicherheit spiegelte. Es war Samstagnachmittag, vielleicht hatte er noch etwas anderes vor.

„Ja, das wäre schön.“ Ein zögerliches Lächeln erhellte sein Gesicht.

„Bei dir oder bei mir?“

Schon wieder schoss dem armen Kerl Blut ins Gesicht. Einen so schüchternen Mann hatte ich noch nie getroffen.

„Vergiss es, war nur so ein Spruch“, murmelte ich entschuldigend.

„Okay.“ Sascha entspannte sich. „Wir können zu mir gehen. Ich hab einen schicken Kaffeeautomaten.“

 

Tatsächlich besaß er einen dieser coolen Cappuccinobereiter. Während Sascha in der Küche mit dem Gerät hantierte, schaute ich mich kurz in der Wohnung um. Typische hetero Singlebude, dachte ich, als ich die Ikeamöbel betrachtete. Da stand Regal Bully neben Sofa Kokken vor Tisch Halmsbro. Wie schrecklich, dieses Baukastensystem in der freien Wildbahn zu entdecken. Im Katalog wirkte das Zeug ja noch irgendwie schick, dank der vielen Kissen, Blumen und Bücher, die über den Möbeln verteilt waren. Aber hier, ohne jegliches Zubehör, war es einfach nur...

„Der Kaffee ist fertig!“, rief Sascha aus der Küche und unterbrach meine Betrachtungen.

Wenigstens dort erwartete mich nicht Ikea, sondern Großmutters Nostalgie. Offenbar hatte Sascha ein paar Möbel geerbt, hoffte ich jedenfalls, denn wenn er sie gekauft hatte, war sein Geschmack unglaublich grottig. Doch ich war nicht hier, um seine Einrichtung zu kritisieren. Vorsichtig setzte ich mich auf einen der filigranen Küchenstühle und Sascha ließ sich einfach fallen. Das Gestell ächzte unter seinem Gewicht.

Während ich an dem Kaffee nippte, taxierte ich mein Gegenüber. Ungefähr hundertneunzig Zentimeter groß, vielleicht hundert Kilo reine Muskelmasse. Unwillkürlich wanderte mein Blick über seinen Bauch. Was sich unter dem T-Shirt abzeichnete, ließ einen angedeuteten Sixpack vermuten.

„Du bist schwul?“, fragte Sascha geradeheraus.

Ich nickte, meine Augen richteten sich auf Saschas Gesicht. Auch sehr hübsch, stellte ich fest. Braune Locken und Augen, dichte Wimpern und ein Kussmund, den ich vorhin schon hatte spüren dürfen. Es hatte sich gut angefühlt.

„Und … wie ist das so?“, murmelte Sascha, wobei er in seinen Kaffee schaute.

„Hm?“ Irritiert starrte ich ihn an. Wollte er wissen, wie sich Sex anfühlte? Oder generell?

„Ich meine, wie ist das so, ohne … Frauensachen. Also … Brüste … oder so“, erklärte er verlegen.

„Geil!“ Ich grinste. „Keine vorgetäuschten Kopfschmerzen, kein Gefummel hier, Rumgepresse da. Keine Unsicherheit. Man kommt schnell zur Sache und Mann ist immer willig.“

„Ist das so?“ Röte kroch schon wieder an Saschas Hals hoch.

Vergnügt beobachtete ich den Vorgang und beschloss, diesen zu beschleunigen.

„Ja, es ist einfach nur geil. Ich weiß, was ein Kerl mag und er weiß auch, was er zu tun hat, damit ich abspritze. Zum Beispiel beim Blasen...“, begann ich.

„Äh, lass gut sein“, unterbrach er mich, puterrot im Gesicht.

„Ich wollte doch nur sagen, dass ein Typ einfach weiß, was er mit meinen Eiern...“, setzte ich erneut an.

„JAN!“ Sascha war aufgesprungen, deutlich pochte an seinem Hals eine Ader.

Eigentlich wusste ich, wann ich aufhören sollte. Aber ein kleiner Teufel trieb mich diesmal dazu weiterzumachen. Es war einfach zu schön.

„Weißt du, wenn er dann meine Eier leckt...“, sagte ich.

„VERDAMMTE SCHEISSE!“ Sascha sprang hoch, die Hände zu Fäusten geballt und – seine Hose wies im Schritt eine eindeutige Beule auf!

Ich grinste und lehnte mich vorsichtig zurück. So, so. Er war also erregt von meinen Schilderungen. Wenn ich es da mal nicht mit einem latent schwulen Kerl zu tun hatte. Oder er war einfach notgeil, das gab es ja auch. Anscheinend hatte er schon lange keinen Sex mehr gehabt, wie ich aus seiner Schilderung schließen durfte.

„Komm runter“, sagte ich mehrdeutig. „Ich hör ja auf.“

Langsam beruhigte er sich, die Röte wich aus seinem Gesicht und die Fäuste öffneten sich. Er plumpste zurück auf den Stuhl. Schweigend tranken wir aus den Bechern, während wir in die Gegend schauten. Männer können so etwas, einfach stumm dasitzen. Ich genoss es, mag aber auch die quirlige Art von Frauen, die ständig reden müssen.

„Hast du heute noch etwas vor?“, fragte ich in die Stille.

„Hä?“ Sascha schreckte hoch, als wäre er gerade weit weg gewesen.

„Was wolltest du heute noch tun?“

„Ach so, ja. Weiß nicht. Wohl das Übliche“, nuschelte er.

„Und was ist das?“, erkundigte ich mich.

Er zuckte mit den Schultern. „Büschen Sport machen, dann Fernsehen oder am Computer spielen.“

Mein Gott! Es war Samstag und Sascha wollte solch langweiligen Kram machen? Kein Wunder, dass er keine Frauen traf. Er gab den armen Geschöpfen gar keine Chance, das war der Fehler. Aber wollte ich, dass er eine potentielle Partnerin der Gegenseite traf? Eigentlich nicht, denn er gefiel mir zu sehr und die Erregung, die unser Gespräch bei ihm ausgelöst hatte, machte mir Hoffnung.

„Wollen wir nicht zusammen irgendwohin gehen, wo man tanzen kann?“, schlug ich vor.

Sascha starrte mich an, als wäre ich ein seltenes Tier mit vier Köpfen. „Tanzen?“

„Ja. Das ist diese Sache mit Musik und Hüftschwingen.“

„Oh!“, macht Sascha.

„Kennst du das nicht?“, frage ich ungläubig.

Er schüttelte entschieden den Kopf. „Harte Männer tanzen nicht.“

„Bist du das? Hart?“ Ich fand es toll, dass er schon wieder rot wurde. Das Spiel hätte ich ewig so weiterspielen können.

„Nein.“ Verzagt senkte Sascha den Kopf.

Dem Mann musste geholfen werden1 Obwohl ich nur zu gern Anspruch auf ihn erhoben hätte, entschied ich, dass meine eigenen Bedürfnisse in diesem Fall mal hintenan stehen mussten.

„Lass uns heute Nacht ausgehen, eine Frau für dich suchen.“ Ich hatte es kaum ausgesprochen, da wusste ich, dass ich einen Fehler machte. Aber nun war es zu spät. Also musste ich da durch.

„Das würdest du … für mich tun?“ Mit kreisrunden Augen schaute Sascha mich so treuherzig an, dass ich nur nicken konnte. Ich war der blödeste Idiot auf dem Planeten und viel zu gutmütig. Da hatte ich eine Sahneschnitte vor mir, und dann machte ich so einen Vorschlag!

„Okay. Wo fangen wir an?“, fragte Sascha.

 

Wir würden den Abend auf der Reeperbahn beginnen, wo sonst auch in Hamburg? Nach einem weiteren Kaffee, einer Pizzabestellung und einem Bier, zum Aufwärmen, zogen wir los. Kaum waren wir aus der S-Bahn raus, herrschte schon Gedränge. Ich hatte Mühe, Sascha zwischen all den Nachtschwärmern zu folgen.

„Sascha, warte!“ Ich griff nach seinem Arm.

Er hielt an und schaute auf mich herunter. Die Zeit stand plötzlich still. Ich glotzte in seine Augen. Sie waren braun und sahen mich so vertrauensvoll und fröhlich an, dass mein Herz stolperte. In diesem Moment war es um mich geschehen: Ich verliebte mich in den Heteroriesen, dem ich gerade versprochen hatte, eine Frau zu beschaffen.

„Komm!“ Er schnappte sich meine Hand.

Es war, als hätte er nach meinem Herz gegriffen. Das fühlte sich so gut an, dass ich kurz innehalten musste, um Luft zu holen.

„Alles okay?“, fragte Sascha besorgt.

Ich nickte und lächelte ihm zu. Dann begann unsere Reise durch die Hamburger Nachtszene. Vorbei an einem Schuhladen, der Stiefel anbot, in denen man nur sitzen oder liegen konnte, an der Kondomerie, dann am Schmidts Tivoli. Wir steuerten gerade das Ende der Amüsiermeile an, als Sascha plötzlich anhielt.

„Wo wollen wir hin?“ Saschas Frage riss mich aus meiner Träumerei. Ich schaute mich um.

„Erichstraße“, antwortete ich und wendete.

Uns immer noch an den Händen haltend, passierten wir erneut die Geschäfte. An der Davidswache bogen wir links ab und erreichten nach ein paar Metern das Ziel. Club reihte sich an Club in der schmalen Straße. Laute Musik, die sich in meinem Ohren zu einer Kakophonie schräger Töne mischte, drang aus den Läden. Intensiv spürte ich Saschas Hand in der meinen, als wir langsam die Reihe der Musikclubs abschritten.

„Hier gehen wir rein“, sagte ich und steuerte einen Eingang an.

Die Wahl hatte ich instinktiv getroffen, war ich doch noch nie in diesem Teil von St. Pauli gewesen. Eigentlich trieb ich mich nicht in Heteroläden herum, aber heute Abend würde ich es für Sascha tun. Es interessierte mich tatsächlich, wie es sich in einer normalen Disco zu sein anfühlte.

Stampfende Beats und Schummerlicht umfingen uns, als wir einen Weg zwischen den Gästen hindurch zum Tresen suchten. Neugierig guckte ich mich um, während Sascha stur geradeaus blickte. Meine Hand hatte er leider losgelassen, aber das hätte in dieser Umgebung auch nicht gepasst und irgendwie schwul gewirkt.

„Zwei Bier!“, brüllte ich dem Barkeeper zu.

Kurz darauf lehnten wir am Tresen und tranken aus den Flaschen. Buntes Volk zappelte auf der kleinen Tanzfläche, lehnte an den Wänden und taxierte das Angebot. Mir fiel gleich ein süßer Typ ins Auge, der neben einer Blondine stand. Das hier war jedoch nicht mein Feldzug, heute war Sascha dran.

„Und?“, schrie ich in sein Ohr, wofür ich mich hochrecken musste. „Siehst du etwas Interessantes?“

Ich konnte sein Rasierwasser riechen und den ureigenen Duft, der einem Menschen anhaftete. Sascha roch gut, aber das hatte ich schon im Café festgestellt, als ich in seinen Armen gelegen hatte.

„Nö, und du?“, brüllte Sascha zurück.

Mein Blick wanderte wieder zu dem süßen Kerl, der in diesem Moment zu uns herübersah. Ein freches Grinsen glitt über sein Gesicht. Er legte einen Arm um die Blondine und kam auf uns zu geschlendert, wich dabei geschickt den Tanzenden aus. Ich musterte ihn, während ich einen Schluck aus meiner Flasche trank. Ob er schwul war? Jedenfalls wirkte die Frau neben ihm irgendwie gelangweilt und schien nicht seine Freundin zu sein, so wie sie die anwesenden Männer begutachtete.

„Hallo!“, schrie der Mann, nachdem er uns erreicht hatte.

Sascha erstarrte und ich musste ihn nicht ansehen um festzustellen, dass er schon wieder rot wurde. Ihn zu verkuppeln würde ein hartes Stück Arbeit werden, das ich eigentlich gar nicht erledigen wollte.

„Hallo!“, brüllte ich zurück.

Der Typ musterte erst ausführlich mich, dann Sascha. Er stieß seine Begleiterin an, die daraufhin ihren Blick über uns wandern ließ. Sie nickte leicht.

„Habt ihr Bock auf einen Dreier oder Vierer?“, schrie der Kerl.

Mit einiger Mühe vermied ich, mich an dem Bier zu verschlucken, von dem ich gerade trinken wollte. Gab es denn nur noch Perverse? Ich stieß Sascha mahnend den Ellbogen in die Seite, da er das Pärchen anglotzte, als kämen sie von einem anderen Stern.

„Willst du?“, grölte ich über den Lärm hinweg.

Stumm schüttelte er den Kopf, die Augen entsetzt aufgerissen. Der Typ zuckte mit den Schultern und verschwand mit der Frau in der Menge. Wir sollten den Laden wechseln. Vielleicht hatte ich aus Versehen einen Swingerclub angesteuert.

„Komm!“, brüllte ich Sascha zu, der gehorsam seine Flasche auf den Tresen stellte und mir folgte.

 

Sascha

 

Irgendwie war es rührend, wie Jan, den ich eigentlich gar nicht kannte, sich um mein Liebesleben bemühte. Außerdem war es spannend endlich mal unterwegs zu sein. Allein wäre ich niemals auf die Reeperbahn gegangen und hätte diese Clubs aufgesucht. Mit ihm machte es Spaß und ich fühlte mich sicher.

Nach dem Schock mit dem perversen Pärchen suchten wir den nächsten Laden sorgfältiger aus. Jedenfalls hatte ich den Eindruck, dass Jan sich genauer umschaute, bevor wir uns durch die Menge zur Bar schoben. Die Musik war hier anders, nur elektronisch und nicht so stampfend. Auch die Leute sahen anders aus, irgendwie – bunter.

Und dann entdeckte ich sie: Blond und wunderschön. Noch während mich Jan durch die Menge schob, suchte ich ihren Blick. Das war mir noch nie passiert! Es traf mich bis ins Mark, als die Frau ihre langen Wimpern hob und mich ansah.

„Zwei Bier“, rief Jan dem Barkeeper zu, bevor er sich umdrehte und die Gäste musterte.

„Ich geh mal pissen“, raunte ich in sein Ohr.

Es war zum Glück nicht so laut, dass man brüllen musste um sich zu verständigen. Jan nickte und wandte sich wieder zum Tresen. Ich suchte mir einen Weg durch die Tanzenden und entdeckte schnell das Schild, das auf die WCs hinwies. Mein Herz klopfte schneller, als ich feststellte, dass ich an IHR vorbei musste, um dorthin zu gelangen.

Immer noch guckte sie mich an, die Wimpern aber ein wenig gesenkt, was sehr verführerisch wirkte. Einen Fuß vor den anderen setzend, kämpfte ich mich voran, bis ich den Gang erreicht hatte, der zu den Toiletten führte. Ich lief an ihr vorbei und betrat das Herrenklo, das zum Glück leer war. In Gegenwart anderer Typen war ich zu verkrampft, um Wasser lassen zu können. Meine Blase war echt bis zum Platze voll, daher öffnete ich rasch die Hose und erleichterte mich in das Urinal. Kaum hatte ich den letzten Tropfen abgeschüttelt, klappte hinter mir die Tür. Schnell verstaute ich meinen Schwanz und mühte mich gerade mit dem Reißverschluss, der ständig klemmte, als ein aufdringliches Parfüm in meine Nase drang.

„Hallo Süßer“, säuselte eine tiefe Stimme.

Ich erstarrte in der Bewegung. Beide Hände am Hosenlatz stand ich da und fühlte, wie Arme mich umschlangen und Finger über mein T-Shirt glitten. Nägel kratzten über meine Nippel, die sich augenblicklich aufrichteten. Wer stand da hinter mir? Lippen legten sich auf meinen Hals, ich spürte heißen Atem auf meiner Haut.

„Gefalle ich dir?“, flötete der Angreifer.

„Ich … äh, wer bist du?“

Meine Stimme krächzte und tat weh in dem plötzlich ausgetrockneten Hals. Entsetzt fühlte ich, wie mein Schwanz sich gegen den Reißverschluss drückte. Ich war erregt von den Berührungen einer fremden Person, die ich nicht einmal sehen konnte! Eine Hand langte in meinen Schritt und schob meine untätigen Finger weg.

„Hm, nettes Teil“, murmelte die tiefe Stimme.

Endlich brachte ich es über mich, den Kopf zu drehen und den Besitzer des dunklen Organs anzuschauen. Alles in mir krampfte sich zusammen, als ich die Blondine erkannte. Von Nahem sah ich die dicke Schminke, erkannte, dass es sich um einen Mann handeln musste. Das Beweisstück wurde gleich darauf gegen meinen Hintern gedrückt. Ich versuchte mich aus der Umarmung zu befreien, aber der Typ hielt mich fest an sich gepresst.

„Lass … mich“, keuchte ich.

„Hm, ich glaub nicht. Du gefällst mir, Süßer“, brummte die Transe.

Die Finger hatten sich inzwischen in meinen Hosenschlitz geschmuggelt und berührten meinen Schwanz, der aus irgendeinem Grund immer noch steif war. Es erregte mich sogar, das Gegenstück an meinem Arsch zu fühlen. Was war nur mit mir los? Ich schloss die Augen und gab die Gegenwehr auf. Der Typ war stärker als ich und irgendwie genoss ich es, so geil zu sein. Schon zu lange hatte ich keinen Sex mehr gehabt und dies hier war viel machtvoller, als die üblichen Nummern mit den paar Frauen, die ich im Bett gehabt hatte.

„Sascha?“

Eine Tür knallte gegen die Fliesen und augenblicklich war ich frei, der betäubende Parfümnebel entfernte sich. Ich atmete tief durch und rang um Fassung. Mein Schwanz ragte steil aus der Hose, mein Puls raste. Endlich bewegten sich meine Hände und stopften die Erektion in meine Jeans. In der plötzlichen Stille wirkte das zischende Geräusch der Reißverschlusszähnchen laut und kratzend. Das Blut dröhnte in meinen Ohren, während ich darauf wartete, dass irgendetwas passierte. Mir würde schon reichen, dass meine Erregung endlich nachließ, damit ich mich ohne zu erröten umdrehen könnte.

„Hast du meinen Freund belästigt?“ Jan klang böse und aggressiv.

„Ach? Ist er … dein Freund?“ Die tiefe Stimme der Transe troff vor Spott.

Endlich ließ der Druck in meiner Hose nach und ich wandte mich der Szene zu, die hinter mir stattfand. Jan stand breitbeinig in der Tür und starrte den Typ an, der mich befummelt hatte. Wie hatte ich ihn nur für eine Frau halten können? Im grellen Licht der Neonröhren erkannte ich die kräftige Statur und den künstlichen Busen. Ich musste dringend mal wieder Geschlechtsverkehr haben! So ein Irrtum konnte nur durch akuten Samenstau verursacht worden sein.

„Schon gut, lass mal, Jan“, sagte ich mit rauer Stimme.

Innerlich vibrierte ich noch von den Nachbeben der Lust, die die Berührung dieses Kerls in mir ausgelöst hatte. Was hatte Jan vorhin gesagt? Ein Mann wusste genau, wie er einen anderen Kerl erregen konnte. Nun, den Beweis hatte der Transvestit gerade erbracht.

„Du hörst, was dein … äh, Freund sagt“, flötete die Transe und stolzierte an Jan vorbei.

Der trat stumm beiseite und ließ den Paradiesvogel passieren.

In einem Klo tropfte es beständig, das Licht flackerte. Ich glotzte Jan an und der mich. Der Moment dehnte sich, bis die angespannte Atmosphäre von einem neuen Besucher unterbrochen wurde.

„Tschulligung, muss mal pissen“, nuschelte der Typ und stellte sich neben mich vor ein Pissoir.

Wie im Traum löste ich den Blick von Jan und schaute zu, während der Kerl die Hose öffnete und seinen Schwanz herausholte. Ohne auf mein Gaffen zu achten, erleichterte sich der Mann und schüttelte den letzten Tropfen ab, bevor er sein Ding wieder verstaute.

„Sorry, bin schon wieder weg“, murmelte er, dann klappte die Tür hinter ihm.

Ich stierte auf die Stelle, an der er gestanden hatte. Die ganze Szene war zu unwirklich, als dass sie Zugang zu meinem Verstand finden konnte.

„Sascha? Alles in Ordnung?“ Jan stand plötzlich vor mir und guckte mich besorgt an.

Automatisch nickte ich, obwohl nichts in Ordnung war. Mein ganzes Leben war gerade auf den Kopf gestellt worden.

„Ich brauche jetzt etwas Hartes … zu trinken“, murmelte ich ungewollt doppeldeutig.

„Komm!“ Eine Hand legte sich auf meine Schulter und führte mich weg von diesem Ort der Verwirrung, hinein in den stickigen und lauten Club.

Die Musik dröhnte dumpf in meinen Ohren und ich nahm wahr, dass der Transvestit mich mit Blicken verfolgte, als Jan mich an ihm vorbeizog. Der Kerl ließ die Zunge lasziv über seine feuerroten Lippen gleiten und zwinkerte mir zu. Etwas in meinem Kopf explodierte.

„Ich muss hier raus!“ Ich krallte eine Hand in Jans T-Shirt.

Er warf erst mir einen Blick zu, dann der Transe. Ein verständnisvolles Nicken, dann führte er mich aus dem überfüllten Laden. Die Hamburger Nachtluft wirkte angenehm kühl. Gierig füllte ich die Lungen mit frischem Atem, doch mein Gehirn wurde dadurch nicht wieder funktionsuntüchtig.

Wir mussten auf die anderen Passanten wie zwei Betrunkene wirken, als wir in enger Umarmung die Straße entlang torkelten. Jan hielt mich fest, hatte einen Arm um meine Taille geschlungen. Ich war auf seine Unterstützung angewiesen und ließ mich von ihm führen. Wenn er mich nicht vor der Transe gerettet hätte, dann...

„Ich brauche was Hartes“, wiederholte ich.

An der nächsten Straßenkreuzung bog Jan ab und blieb vor einer simplen Kneipe stehen. Willenlos ließ ich mich von ihm durch die Tür bugsieren und auf einen Stuhl drücken.

 

Jan

 

Ich hatte keine Ahnung, was diese Transe alles mit Sascha angestellt hatte. Er wirkte erschüttert und gleichzeitig abwesend. Ich besorgte zwei doppelte Whisky in der Annahme, dass Sascha das mit dem harten Stoff gemeint hatte. Noch besser wäre sicher irgendein Schnaps gewesen, doch den mochte ich überhaupt nicht. Na ja, manchmal schon. Aber nur dann, wenn ich Liebeskummer hatte.

„Bitteschön!“ Ich stellte ein Glas vor ihm ab.

Sascha nahm es hoch und trank es in einem Zug aus. Ohne zu fragen besorgte ich noch einen Whisky, der genauso schnell in ihm verschwand. Ich setzte mich zu ihm und nippte an meinem Getränk, während sein gieriger Blick an meinem Glas hing. Stumm schüttelte ich den Kopf.

„Was ist los?“, fragte ich leise.

Verständnislos starrte er mich an. Er war eindeutig betrunken.

„Hat der Typ dir was getan?“

Saschas Blick war starr auf mich gerichtet und schaute durch mich hindurch.

„Hey, sag was”, drängte ich.

„Er hat mich … angefasst”, wisperte er.

„Das tut mir leid“, brummelte ich mitfühlend.

„Es war geil“, nuschelte Sascha.

Ich wartete, während ich wieder an dem Whisky nippte. Das Zeug brannte in der Kehle, aber ich brauchte das plötzlich auch. Was war da bloß passiert?

„Es war so geil, dass ich … Mist!

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