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G.F. Unger - Folge 2005

Die Todgeweihten

Ich saß im Pinal Saloon beim Poker und hatte eine Gewinnsträhne, als die Skalpjäger hereinkamen, sich an die Theke stellten und lauthals nach Pumaspucke verlangten.

Sie begannen bald schon zu lärmen, sich großspurig ihrer Erfolge zu rühmen. Gerade hatten sie Prämien für die erbeuteten Skalpe kassiert. Denn die Stadt Tucson zahlte für jeden Kriegerskalp fünfzig Dollar. Für Frauen- oder Kinderskalpe zahlte man weniger.

Die Apachen waren nach dem Krieg zu einer Plage geworden. So sahen es jedenfalls die Weißen. Die Apachen sahen es anders, sehr viel anders.

Ich verachtete die Skalpjäger. Aber ich vermochte die Welt nicht zu ändern. Und so versuchte ich es auch gar nicht erst.

Ich war nur daran interessiert, mit meinem Blatt die Pokerrunde zu gewinnen. Was mir dann auch gelang.

Ich zog das Geld von der Tischmitte mit der Hand zu mir herüber. Zwei meiner Mitspieler erhoben sich. Sie waren Frachtfahrer. Einer sagte: »Es hat keinen Sinn mehr, Mister. Gegen Ihr Glück können wir nichts machen.«

Als sie gingen, wurden zwei Plätze frei. Und da kamen auch schon zwei von den fünf Skalpjägern von der Theke herüber …

Einer sagte: »Wir sind die Ablösung. Das Spiel kann weitergehen.« Mit diesen Worten setzten sie sich auf die frei gewordenen Plätze.

Ich steckte mein Geld ein und erhob mich. Denn mit diesen Burschen wollte ich nicht spielen. Als ich mit meinen Kniekehlen den Stuhl hinter mich stieß, sagte der eine Skalpjäger böse: »Hast du was gegen uns?«

Ich grinste auf ihn nieder, denn er saß ja, ich aber stand.

»Nein, mein Freund«, sprach ich freundlich, »ich habe nichts gegen euch.«

Dann ging ich um den halben Tisch herum und wollte hinaus.

Aber als ich an der Theke vorbei wollte, wo ja noch die drei anderen Kerle standen, sagte einer: »Vielleicht hast du doch etwas gegen unsere Partner. Bist du zu feige, es zu sagen?«

Ich hielt inne und sah ihn an. Sie alle gehörten zur gleichen Sorte. Sie waren Exsoldaten, die während des Krieges das Töten lernten und nichts mehr dabei empfanden. Und weil sie nach dem Krieg als entlassene Soldaten hier im Südwesten keinen Job fanden und nicht als Satteltramps herumziehen wollten, wurden sie Skalpjäger.

Ich sagte: »Ja, ich bin verdammt feige und möchte deshalb keinen Streit. Bist du zufrieden?«

Sie grinsten alle drei. Und einer der beiden Burschen am Pokertisch rief herüber: »Lasst ihn abhauen, die Pfeife. Der sieht nur wie ein harter Bursche aus. Mit dem lohnt es sich nicht. Der ist ein Weichei.«

Ich nickte. »Ja, so ist es wohl. Nicht alle Männer auf dieser Erde sind so hart wie ihr.«

Ich ging hinaus, und sie ließen mich gehen. Ja, sie waren auf Streit aus, und sie fühlten sich stark. Denn sie hatten mit Apachen gekämpft und Skalpe erbeutet.

Ich trat hinaus in die Arizonanacht. Es musste bald Mitternacht sein. Hinter mir kamen die beiden anderen Männer heraus, mit denen ich am Spieltisch gesessen hatte.

Einer sagte: »Die sind so verrückt wie tollwütige Hunde.«

Sie gingen davon. Ich stand noch da, sah zu den Sternen empor und drehte mir eine Zigarette. Dabei dachte ich: Die Narren halten mich tatsächlich für einen Feigling. Oha, was sind die dämlich in ihrer Selbstüberschätzung. Vielleicht werden sie bald den ganzen Saloon auseinandernehmen.

Ich ging weiter.

Die Mitternachtskutsche kam hereingerollt, und obwohl sie im Schritt fuhr, wallte der Staub in den Lichtbarrieren, die von einer Straßenseite zur anderen reichten. In diesen gelben Lichtbarrieren wirkte der Staub wie Goldpuder.

Ich fragte mich, ob die Kutsche ohne Eskorte gefahren war, aber dann sah ich auch schon die Kavalleristen. Sie folgten ihr ein Stück weiter zurück, damit sie nicht so viel Staub schlucken mussten. Und dort, wo eine Gasse zur kleinen Garnison von Tucson führte, bogen sie ein und verließen die Hauptstraße.

Sie waren gewiss völlig erschöpft mitsamt ihren Pferden. Denn die Kutsche hatte alle dreißig Meilen ein frisches Gespann bekommen. Die Soldaten aber saßen jetzt sechzig Meilen in den Sätteln. Sie waren fertig mit ihren Tieren.

Ich ging etwas schneller, denn ich wollte dabei sein, wenn die Kutsche vor der Posthalterei neben dem Tucson Hotel hielt und die Passagiere aus dem Kasten stiegen. Es war eine neunsitzige Abbot-&-Downing-Expresskutsche.

Ich sah dann, dass Lieutenant Arch Bennet aus dem Hotel trat. Er hatte dort gewartet und die Kutsche kommen gehört. Denn das Geräusch war unverkennbar.

Bennet und ich, wir waren nicht nur keine Freunde, nein, wir mochten uns ganz einfach nicht. Und das hatte viele Gründe.

Dennoch respektierte ich ihn als Soldat und Offizier. Er war die totale Verkörperung soldatischer Zuverlässigkeit. Und er sah gut aus, war prächtig gewachsen und proportioniert. Doch er glaubte als Offizier ein Angehöriger einer besonderen Kaste zu sein und hielt sich somit für einen Auserlesenen. Ich sah, wie er einer jungen Frau aus der Kutsche half. Sie fiel ihm um den Hals, und dann küssten sie sich, als wären sie allein.

Ich war dann nahe genug, um sie sagen zu hören: »Oh, Arch, was war das für eine schreckliche Reise. Aber jetzt bin ich endlich wieder daheim bei der Armee. Wie geht es meinem Vater? Nach ihm habe ich mich ebenso gesehnt wie nach dir. Oh, Arch, wann geht es weiter nach Fort Catalina?«

»Nach dem Frühstück«, erwiderte er. »Wir warten hier schon zwei Tage auf dich. Gab es unterwegs Schwierigkeiten? Es war eine lange Reise für dich, Louise.«

»Hitze, Staub und einige Apachen, die wir nur aus der Ferne sahen«, hörte ich sie fast geringschätzig sagen. »Aber du weißt ja, Arch, ich bin ein Soldatenkind.«

Er deutete zum Hoteleingang. »Ich habe ein hübsches Zimmer für dich reservieren lassen. Dein Gepäck wird der Bursche hochbringen. Gehen wir hinein.«

Sie wollten ins Hotel, in dem schon einige der Passagiere verschwunden waren. Andere hatten sich irgendwohin getrollt, steif und müde von der Fahrt.

Ein Soldat war aufgetaucht. Es war der junge Rube, den sich der Lieutenant als Bursche ausgesucht hatte und der ihm in Fort Catalina sogar die Socken stopfen musste.

Aber vielleicht würde das nun die schöne Louise besorgen. Sie wollten also ins Hotel. Doch dann entdeckte er mich und hielt noch einmal inne. Auch Louise, die sich bei ihm eingehakt hatte, verharrte.

Ich hörte Arch Bennet sagen: »Der da, Louise, ist mein Scout. He, Whitehorn, kommen Sie her, damit ich Sie meiner Verlobten vorstellen kann.«

Es war seine Art, barsch mit Zivilisten umzugehen.

Ich trat also näher und griff an meinen Hut, verbeugte mich leicht, so wie wir Texaner es gegenüber Ladys taten.

»Miss, ich bin John Whitehorn«, sagte ich. »Ihr Vater bat mich, die Patrouille zu begleiten, damit Sie auch sicher nach Fort Catalina kommen. Es wird mir eine besondere Ehre sein.«

Ich griff wieder nach dem Hut und wollte dem Paar den Vortritt lassen. Denn auch ich hatte in diesem Hotel ein Zimmer und schlief nicht bei der kleinen Truppe von Tucson in den primitiven Baracken.

Arch Bennet ließ ein kehliges Lachen hören. »Whitehorn ist ein Texaner, Louise«, hörte ich ihn sagen, indes sie vor mir ins Hotel gingen. »Und während des Krieges, den der Süden gegen uns verlor, war er ein verdammter Rebellenoffizier. Dennoch ist er ein guter Scout, den ich allerdings gar nicht benötigt hätte. Es war nur der Wunsch deines Vaters.«

Ich hörte das also noch und dachte: Arch Bennet, für mich bist du ein arrogantes Arschloch.

Aber zugleich gab ich vor mir zu, dass er zwar arrogant, doch gewiss kein Arschloch war, sondern ein harter Bursche wie ich – nur unerfahren, was dieses Land und die Apachen betraf. In dem Punkt war ich ihm über.

Ich ging auf mein Zimmer und legte mich lang.

Vor dem Einschlafen dachte ich nochmals an diese Louise. Sie war mehr als schön, denn Schönheit alleine wäre zu kalt gewesen. Sie war reizvoll. Und selbst nach der langen Reise war sie voller Energie und Tatendrang.

Und als Soldatenkind hatte sie sich bezeichnet.

Verdammt, wie kam dieser Lieutenant Arch Bennet, der während des Krieges Captain auf Kriegszeit gewesen war, zu solch einem Mädchen? Sie war die Tochter des Majors.

Ja, ich hätte vor dem Einschlafen gerne gewusst, wie Arch Bennet zu dieser Verlobten gekommen war.

Es musste irgendwie mit der Armee zusammenhängen, die ja mit ihren Angehörigen – mochten es Söhne oder Töchter sein – so etwas wie Inzucht betrieb, sodass Offizierstöchter zumeist Offiziere heirateten.

Sie waren eine verschworene Kaste.

Ich schlief endlich ein.

Am nächsten Morgen würde ich als Scout für die Sicherheit der Abteilung auf dem Rücktritt nach Fort Catalina verantwortlich sein.

Fort Catalina bildete mit Fort Grant und Fort Apache ein Dreieck in diesem Territorium. Ich kannte als Texaner deshalb dieses Land, weil ich vor dem Krieg zu den Landvermessern und Kartografen gehört hatte.

Ich wusste, dass Lieutenant Arch Bennet mit seinen zwölf Soldaten noch vor Sonnenaufgang aufbrechen würde, um die Morgenkühle auszunutzen.

Als ich hinunter ins Restaurant kam, saßen er und Louise Weaver bereits beim Frühstück, obwohl draußen erst der Morgen graute.

Louise gefiel mir immer noch. Als sie mich eintreten sah, schenkte sie mir ein Lächeln und sagte: »Mister Whitehorn, setzen Sie sich zu uns. Es gibt Kaffee, Eier mit gebratenem Speck, frische Biskuits und Ahornsirup. Oder wollen Sie ein Steak? Alle Texaner wollen stets nur Steaks, habe ich mir sagen lassen. Was macht ein Texaner hier im Arizona-Territorium als Armeescout? Das setzt doch genaue Kenntnisse des Landes und der Apachen voraus – oder?«

»Gewiss«, sagte ich und lächelte zurück. Und als der Chinakoch seinen Kopf aus der Küche steckte und mich fragend ansah, da sagte ich: »Ein Steak, Mister Chang, ein richtiges Texassteak.«

Er grinste und zog sich wieder in die Küche zurück. Ich setzte mich endlich.

Louise Weaver aber wartete immer noch auf eine Antwort.

Und so sagte ich: »Vor dem Krieg gehörte ich drei Jahre zu einer Abteilung von Landvermessern und Kartografen. Wir fertigten für die Regierung neue und genauere Karten an, vermaßen dieses Gebiet bis in die letzten Winkel. Und wir hatten auch mit den Apachen zu tun. Ich wurde in diesen drei Jahren zu einem Kenner des Landes und hatte drei Dutzend Landvermesser und deren Gehilfen zu schützen. Dann brach der Krieg aus …«

Ich brach ab, denn es gab wohl nichts mehr zu sagen. In der Küche aber zischte das Steak in der Pfanne. Der Chinese konnte ein Steak auf den Tisch bringen wie ein Texaner und besaß deshalb meine ganze Anerkennung.

»Und dann wurden Sie ein Offizier der Rebellenarmee«, beendete Louise meinen abgebrochenen Satz.

»Er hat der Unionskavallerie immer wieder Pferde gestohlen«, mischte sich Lieutenant Bennet ein, und in seiner Stimme war ein unüberhörbarer Beiklang von Verachtung. Ich wusste, für ihn war ich ein Pferdedieb gewesen. Und mein Rang in der Konföderiertenarmee bedeutete für ihn nichts.

Ich grinste ihn an. »Ja«, sagte ich und nickte. »Ich habe ganzen Regimentern die Caballos gestohlen und die Blaubäuche so zu Fußgängern gemacht. Das hat mir gefallen.«

Er wurde nun noch wütender. Und bevor er etwas sagen konnte, sprach Louise: »Gentlemen, vertragt euch – bitte. Der Krieg ist vorbei. Und Mister Whitehorn besitzt das Vertrauen meines Vaters. Arch, ich bitte dich, nimm es ihm nicht mehr übel, dass er deiner Meinung nach bei der falschen Armee war.«

Arch Bennet erwiderte nichts. Er starrte mich nur mit der Arroganz eines Absolventen der Militärakademie West Point an. Und er trug auch den Ring dieser Kaste, dessen Erwerb freiwillig ist, der also nicht verliehen wird.

Nun, Lieutenant Bennet drehte also am Tisch diesen Ring an seinem Finger, als gäbe er ihm ein besonderes Gefühl von Stolz und Selbstvertrauen.

Der Chinese brachte mir aus der Küche das Steak mit reichlich Bohnen.

Ich begann zu essen und kümmerte mich nicht mehr um das Paar mir gegenüber am Tisch. Das Steak war mir wichtiger, denn ich ahnte irgendwie, dass ich verdammt lange kein solches Steak mehr bekommen würde.

Der Lieutenant erhob sich plötzlich und sagte barsch: »In einer halben Stunde ist Abmarsch.« Und zu Louise gewandt sprach er weicher: »Dein Wagen steht dann vor dem Hotel. Der Fahrer wird dein Gepäck holen und in den Wagen bringen. Bis gleich, Louise.«

Er ging, denn er musste sich um seine Reiter kümmern und die Meldung seines Sergeants entgegennehmen.

Er ging, und ich war nun mit der schönen Louise Weaver allein am Tisch. Nun vergaß ich sogar das Steak und sah ihr geradewegs in die grünen Augen. Ihr Blick wich meinem nicht aus. Sie senkte ihn nicht.

»Warum mögt ihr euch nicht?«, fragte sie geradezu.

Ich hob die Schultern und ließ sie dann wieder sinken.

»Möglicherweise gehörte er zu jenem Kavallerieregiment, dem ich die Pferde stahl«, sprach ich dann. »Er wurde von der ganzen Unionsarmee ausgelacht und musste zur Strafe einige Monate zu Fuß gehen wie die Infanterie. Der Kommandeur erhielt einen unbedeutenden Posten. Aber Bennet und ich, wir sind darüber hinaus auch noch sehr verschiedene Charaktere. Ich bin Ihrem Vater zuliebe mitgeritten, Miss Weaver. Werden Sie diesen Lieutenant heiraten?«

Als ich die Frage stellte, da erkannte ich, dass sie tief in ihrem Kern erschrak. Sie schloss die Augen und schien tief in sich hineinzulauschen.

Dann sah sie mich wieder an.

»Ja!« Sie lächelte. »Ich will seine Frau werden. Er ist ein …«

Sie verstummte. Aber ich sprach weiter: »… ein glänzender Offizier, der es zumindest bis zum Colonel bringen wird, wenn er das Land hier überlebt. Und sie gehören dazu. Sie hatten und haben gar keine Chance, diesen Corral zu verlassen.«

Sie starrte mich einige Sekunden an und erhob sich dann. »Ich muss meine Siebensachen zusammenpacken«, murmelte sie und ging.

Ich aber verputzte den Rest meines Steaks und machte mich wenig später auf den Weg zum Mietstall, in dem ich mein Pferd untergestellt hatte.

Draußen war noch der graue Morgen, in dem es keine Farben gibt, alles noch grau ist und die ganze Welt mit all ihren Lebewesen den Atem anhält. Ich wählte den Weg durch eine Gasse, die eine Abkürzung war. Und so kam ich an dem noblen Putahaus von Goldie Shayne vorbei. Goldie war eine Dreihundertpfundfrau, die es mit jedem Preiskämpfer aufnehmen konnte.

Als ich an ihrem Etablissement vorbeikam, in dem man alle fleischlichen Sünden kaufen konnte, da hörte ich sie schimpfen.

Und dann taumelten nach und nach fünf Gestalten heraus. Ich erkannte sie sofort wieder, denn es waren jene fünf Skalpjäger, vor denen ich am Tag zuvor gekniffen hatte.

Sie hatten hier offenbar ihre erfolgreiche Skalpjagd gefeiert und mit Goldie Shaynes Mädchen die Prämien der Stadt Tucson verjubelt.

Sie waren noch ziemlich betrunken oder zumindest böse verkatert und mitgenommen von dieser Nacht.

Nun sahen sie mich im Morgengrauen.

Vor Goldie Shayne hatten sie gekniffen und sich rauswerfen lassen. Sie wussten zu gut, dass sie sonst nie wieder bei ihr eingelassen würden. Goldies Mädchen waren die reizvollsten auf dreihundert Meilen in der Runde.

Aber sie waren in denkbar schlechter Laune. Als sie mich sahen, stießen sie richtige Jubelschreie aus. Ich kam ihnen gerade recht in ihrer wütenden Stimmung. Man hatte ihnen das Geld abgenommen und sie rausgeschmissen. Sie fühlten sich ausgenommen. Und so waren sie durstig nach einem Erfolgserlebnis. Mir war sofort klar, dass ich diesmal selbst dann nicht davonkommen würde, wenn ich kniff.

»Da ist er ja wieder«, grollte einer.

Und ein anderer Kerl jubelte: »Ja, da ist er ja, der große Kneifer, für den wir wohl nicht standesgemäß sind! He, Langer, jetzt werden wir dich verprügeln.«

Ja, er jubelte. Sie waren nun mal hirnlose Primitive. Wahrscheinlich hätte ich ihnen mühelos weglaufen können, aber jetzt wollte ich es nicht mehr.

Als der erste Hirnlose auf mich losstürmte, rannte er in meine Gerade. Sie traf ihn genau auf den Gurgelknoten. Und so war er einfach weg. Ich hatte ihn mit einem einzigen Schlag umlegen müssen, denn da waren noch vier andere Hirnlose. Es konnte keine Gnade geben. Sonst schlugen sie mich tot.

Sie brüllten vor Begeisterung und stürmten zu viert gegen mich an.

Ich sprang ihnen entgegen. Mit meinen hundertachtzig Pfund rammte ich zwischen ihnen hindurch wie ein Toro, stieß zwei von ihnen rechts und links zur Seite.

Ihr Geheul wurde nun noch böser und wilder, denn sie wollten nicht trotz ihrer Übermacht verlieren. Und so stürmten sie wieder auf mich los, hielten aber diesmal mehr Abstand zueinander.

Sie wollten mich einkreisen und dann von allen Seiten angreifen. Und sie waren ja keine Weicheier, nein, sie waren Skalpjäger, die mit Apachen gekämpft hatten.

Auf der Veranda tauchte Goldie Shayne wieder auf. Sie war wohl im Haus verschwunden, hatte jedoch das Gebrüll gehört. Sie kam mit einem langen und dicken Knüppel zum Vorschein, den sie wahrscheinlich hinter der Tür für alle Fälle stehen hatte.

Nun warf sie ihn mir zu, und obwohl die Entfernung etwa sechs Yards betrug, fing ich ihn sicher auf.

Jetzt gab ich es ihnen. Vielleicht hätten sie sonst Zeit genug gehabt, ihre Revolver zu ziehen. Gnadenlos machte ich sie binnen weniger Sekunden klein.

Als ich keuchend verharrte, sagte Goldie Shayne von der Veranda her: »Gut gemacht, Texas!«

Ich ging zu ihr hin und überreichte ihr den dicken Knüppel mit einer Verbeugung, nahm dann ihre Hand und küsste ihr den Handrücken.

»Ich bedanke mich, Goldie«, sagte ich, denn wir kannten uns. Ich war kein Heiliger und auch kein Eunuch. Ja, auch ich war schon in ihrem Etablissement gewesen.

Goldie sagte: »Viel Glück, Texas. Ich glaube, du hast sie am Leben gelassen. Vielleicht war das falsch.«

Ich nickte und ging weiter.

Wenig später ritt ich auf meinem grauen, narbigen Wallach aus Tucson und erreichte die kleine Kolonne, die schon einige Zeit unterwegs war.

Lieutenant Arch Bennet ritt neben dem Wagen.

Die Reiter folgten mit dem Sergeant Hannibal Stoker. Alles hatte also jetzt seine Ordnung.

Ich blickte in die Runde. Noch war die Sonne im Osten hinter den Bergen. Doch sie sandte schon die ersten Lichtexplosionen gen Himmel. Bald würde die Hitze über dem Boden flimmern.

Und irgendwo würden die Apachen lauern. Ich wusste es zu gut.

Der Lieutenant machte mir Sorgen.

Verdammt, warum hatte dieser Kerl nur das Glück, eine Frau wie diese Louise Weaver bekommen zu können? Ja, das fragte ich mich neidvoll. Denn – wie schon gesagt – ich war kein Heiliger. Dieses Mädchen hätte ich gerne erobert, ja, erobert. Denn sie war gewiss keine von der Sorte, die sich so schnell mit einem Mann einließ. Mädchen von ihrer Sorte muss man erobern, denn sie besaß Stolz und ein Selbstwertgefühl, das verhinderte, dass sie sich an Unwürdige verschenkte.

Ja, sie würde eine stolze Offiziersfrau werden, ganz und gar der Kaste entsprechend, zu der sie gehörte. Und ihr Feuer würde sie stets unter Kontrolle halten müssen, weil der Kodex der Kaste es so verlangte.

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