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G.F. Unger - Folge 2004

Red-Valley-Queen

Sie tauchen auch diesmal ganz plötzlich auf. Wie schemenhafte Gespenster aus den Morgennebeln, die im Red Valley fast immer aufsteigen, wenn die Sterne ihren Glanz verlieren und es noch keine Farben gibt.

John Morgan tritt aus seinem Ranchhaus auf die Veranda. Er ist noch nicht angekleidet, trägt nur sein rotes Unterzeug, Stiefel an den nackten Füßen und um die Hüften den Waffengurt mit dem schweren Colt.

Die Apachen halten bei den Corrals, wo sich auch dicht beim Brunnen und der großen Pumpe die Wassertröge befinden.

Carlos aber kommt herübergeritten, und er kommt nicht allein. John Morgan betrachtet staunend die Frau.

Sie wirkt zerzaust. Ihr Kleid ist arg mitgenommen. Da sie in einem Männersattel sitzt, ist ihr das Kleid weit hinaufgerutscht und gibt ihre Beine frei. Ihr rotes Haar ist aufgelöst und fällt ihr über die Schultern.

Doch so zerzaust und mitgenommen sie auch aussieht, sie sitzt stolz im Sattel. Ihr Blick ist gerade und fest. Jetzt liegt dieser Blick prüfend auf John Morgan. Nein, es ist kein Bitten oder gar angstvolles Betteln in diesem Blick. Er ist nur prüfend, so als wollte sie von ihm wissen: Na, was bist du für ein Mann? Taugst du was und traust du dich? Oder lebst du hier in diesem Tal auf deiner Ranch nur von Carlos’ Gnaden?

Ja, er spürt irgendwie instinktiv, dass ihr Blick ihm diese Frage stellt, und gleichzeitig beginnt er zu ahnen, dass es in seinem Leben noch nie etwas gab, was schicksalhafter für ihn war als die Begegnung mit dieser Frau an diesem nebligen Morgen …

Er sieht nun wieder auf Carlos.

Dieser ist das, was man einen gebildeten Apachen nennen kann, denn er ging als Knabe einige Jahre auf die Missionsschule der Padres und ist – was Schulkenntnisse betrifft – sehr viel gebildeter als viele Weiße in diesem Land, von denen nicht wenige nicht einmal lesen und schreiben können.

Carlos nickt John Morgan zu.

»Du hast gespürt, wie nahe ich bei dir bin«, stellt er fest.

John Morgan nickt. Er wirft einen langen Blick auf die Apachen bei den Corrals und den Wassertrögen und erkennt – da der Tag heller wird –, dass einige der Krieger verwundet sind.

Sie kommen also aus einem Kampf und haben Verluste. Und diese Frau ist gewiss die einzige Überlebende bei einem Überfall – vielleicht auf eine Ranch, einen Wagenzug oder Postkutsche.

In Carlos’ Blick ist nun ein Lauern.

»Sie gefällt dir, nicht wahr?« So fragt er. »Du kannst sie haben, John Morgan.«

Carlos spricht die englische Sprache einwandfrei, so wie man sie im Südwesten unter den Menschen angloamerikanischer Abstammung spricht. Die zweite Sprache hier ist ja das Mexiko-Spanisch.

Carlos ist für einen Apachen sehr groß, sehnig und schlank, nicht so gedrungen wie die meisten seiner Krieger. Man könnte ihn fast für einen Comanchen halten, der aus Texas kam und Apache wurde.

»Du kannst sie haben, John Morgan«, wiederholt er. »Ich habe ihr noch kein Kind zu machen versucht – auch keiner meiner Krieger. Du weißt ja, dass wir Apachen möglichst viele Kinder zeugen müssen, wollen wir nicht in wenigen Jahren von dieser Erde verschwunden sein, weil die Weißen uns töten, wo und wie sie nur können. In Tucson wurden die Prämien für unsere Skalpe inzwischen wieder erhöht. Nun bekommen die Skalpjäger schon fünfzig Dollar für einen Kriegerskalp. Willst du sie also haben?«

Nun fragt er es lauernd schon zum dritten Mal.

John Morgans Blick trifft sich mit dem der Frau.

Ja, sie ist schön. Und sie bettelt nicht, obwohl sie ja jedes Wort versteht und längst begriffen hat, dass es um sie geht und dass alles von John Morgan abhängt.

Aber sie bettelt nicht. Sie sieht ihn nur fest an.

Was für eine Frau, denkt er. Sie ist schön und stolz. Oha, wer mag sie sein, und woher mag sie kommen?

Er sieht Carlos wieder an. »Was willst du für sie, Carlos? Oder bekomme ich sie von dir geschenkt?«

Da grinst der hoch gewachsene Apache wie ein Weißer und zeigt zwei blinkende Zahnreihen, die fast wie ein Raubtiergebiss wirken.

»Ich stehe seit damals in deiner Schuld, John Morgan«, spricht er kehlig. »Und weil wir beide besondere Männer sind, Hombres, wie sonst keine unter zehntausend anderen, gehört es zu meiner Ehre und meinem Stolz, diese Schuld niemals zu vergessen. Das wissen wir beide, denn wir sind uns sehr ähnlich. Du kannst sie also haben, wenn ich meine Schuld bei dir damit gelöscht habe. Sie ist wunderschön und wird dir ihr ganzes Leben lang dankbar sein. Willst du sie?«

John Morgan wirft wieder einen Blick auf die grünäugige Frau. Dann sieht er einen Moment zum Bunkhouse hinüber.

Dort kamen seine Männer heraus. Auch sie sind noch im Unterzeug, in dem sie ja schliefen. Manche sind barfuß. Aber alle tragen sie ihre Hüte und sind bewaffnet.

Und sie warten, mag da kommen, was da wolle. Sie warten. John Morgan mag seine Männer. Ja, er respektiert sie, ist stolz auf sie. Und er weiß, nur mit solchen Männern kann er sich hier mitten im Apachenland behaupten.

Abermals tauschen er und der Apache Blicke aus.

Es gibt bezüglich des Angebots nichts mehr zu sagen. Er kann es annehmen oder ablehnen. Es liegt bei ihm.

Doch der Preis für sie ist hoch, verdammt hoch. Carlos steht dann nicht mehr in John Morgans Schuld. Für Carlos gehört er dann zu allen anderen Weißen, die von den Apachen mit aller Gnadenlosigkeit bekämpft werden.

Die Frau sagt immer noch nichts. Aber sie scheint sich im Sattel noch gerader aufzurichten und hebt ihr Kinn. Ihr Blick ist fest auf John Morgan gerichtet.

Und der kann nicht anders. Er nickt Carlos zu und spricht: »Der Handel gilt. Ich nehme sie, und du tilgst damit deine Schuld. Aber ich habe dir niemals gesagt, dass du mir etwas schuldig bist. Ich habe dich das niemals fühlen lassen.«

»Ich weiß«, sagt Carlos und zieht sein Pferd herum. Dabei spricht er über die Schulter zurück: »Jetzt bist du ein Weißer für mich wie alle anderen Weißen. Ist dir das klar?«

»Sonnenklar«, erwidert John Morgan kühl.

Carlos reitet zu seinen Kriegern hinüber. Auch er erfrischt sich an den Wassertrögen und füllt den Wassersack aus Ziegenhaut. Sein scheckiges Pferd stillt bedächtig den Durst, denn es ist ein erfahrenes Pferd aus der Apachenwüste.

Die Sonne steht noch nicht hoch, als die Apachen abziehen. Es sind etwa drei Dutzend.

Die Frau aber sitzt immer noch im Sattel. Sie hat ihr Pferd jedoch mit den Zügeln herumgezogen und sieht wie John Morgan und die Männer vor dem Bunkhouse den Apachen nach.

John Morgan sagt: »Steigen Sie ab, Ma’am. Willkommen auf der Red Valley Ranch.«

Immer noch hockt sie auf dem Pferd. Der Apache schenkte es John Morgan sozusagen als Zugabe zur Ablösung seiner Schuld.

Gewiss ist es eine große Schuld gewesen. Nun ist sie getilgt.

Morgan will von der Veranda, um ihr vom Pferd zu helfen.

Doch da schwingt sie sich aus dem Sattel wie ein Cowgirl und kommt dann auf die Veranda. Es sind ja nur drei Stufen. Als sie vor ihm verhält, da muss sie zu ihm aufsehen. Er ist ein großer, hagerer und indianerhafter Mann, dessen Haare bereits die ersten grauen Strähnen aufweisen. Es ist ein Mann mit grauen Augen und einigen Narben im Gesicht, die davon erzählen, dass er durch einige harte Kämpfe gehen musste.

Sie sieht also zu ihm auf und bekommt vibrierende Nasenflügel, so als würde sie wie eine Katze Witterung nehmen.

Und nun endlich öffnet sie ihren etwas zu breiten Mund und spricht: »Ich bin Kate Meredith, Mister. Der Apache nannte Sie John Morgan. Nun stehe ich wohl an seiner Stelle in Ihrer Schuld, nicht wahr?« Sie fragt es etwas spöttisch.

Aber er geht nicht darauf ein. Er spricht ruhig: »Gehen wir hinein.«

Er folgt ihr durch die offene Tür und schließt diese.

Drinnen wendet sie sich ihm zu und sieht ihn wieder auf ihre feste Art an.

»Ich war unterwegs nach Fort Apache«, spricht sie kehlig. »Die Apachen überfielen die Kutsche und machten die Eskorte nieder. Ich wollte Captain Phil Carrington heiraten. Gewiss wird er bald mit einer Abteilung hier auftauchen, weil die Kutsche überfällig wurde. Er wird kommen. Mister Morgan, wenn Sie glauben, dass Sie sich von diesem Apachen eine Frau eingetauscht haben, dann muss ich Sie enttäuschen.«

Da grinst er blinkend – und plötzlich wirkt sein narbiges und schon etwas verwittertes Gesicht sehr viel jünger. All die dunklen Linien haben sich verwandelt.

»Gehen Sie dort in dieses Zimmer«, spricht er und zeigt von der Wohnhalle aus auf eine Tür. »Da drinnen ist alles für eine Frau eingerichtet. Sie finden auch Kleider und Wäsche im Schrank und in der Kommode. Der Koch wird uns in einer Stunde das Frühstück bringen und hier den Tisch decken. Dann sind meine Reiter schon unterwegs bei der Arbeit. Im kleinen Badezimmer ist eine Pumpe. Dieses Haus steht auf einer Quelle.«

Er wendet sich ab und verschwindet durch eine Tür in einem Schlafzimmer, in dem ein mächtiges Doppelbett steht. Sie kann es noch erkennen, bevor sich hinter ihm die Tür schließt.

Und sie vermag sich keinen Vers darauf zu machen, dass es in diesem Ranchhaus auch ein Zimmer für eine Frau gibt.

Als sie eine Stunde später auf der Veranda beim Frühstück sitzen, da ist sie äußerlich wieder in Ordnung, nämlich gebadet und mit gebändigtem Haar. Es ist kupferrotes Haar. Nun hat es einen prächtigen Glanz. Sie trägt auch ein Kleid, welches sie im Schrank fand. Ein halbes Dutzend Kleider hingen dort zur Auswahl. Nun beißt sie mit Appetit in das frische Biskuit, welches sie in Ahornsirup tauchte, und trinkt den Kaffee.

John Morgan betrachtet sie schweigend – und wieder kommt er zu der Erkenntnis, dass sie eine besondere Frau ist. Was hinter ihr liegt, war schlimm und hätte so manche Frau zerbrochen.

Doch sie hat sich immer noch unter Kontrolle. Ihre Blicke treffen sich wieder. Und plötzlich fragt sie: »Dieses Zimmer – gehörte es Ihrer Schwester oder ist es einfach nur ein Gästezimmer? Bekommen Sie öfter Besuche von Frauen? Eine Ehefrau würde doch wohl bei Ihnen im gleichen Bett liegen – oder?«

»Das müsste sie«, erwidert er, und sein nachsichtiges Lächeln verändert sein hartes Gesicht und ist auch irgendwie in seinem Blick vorhanden. »Ja, das müsste eine Ehefrau wohl. Doch bisher fand sich keine, die bereit gewesen wäre, hier zu leben, keine von der Sorte, die mir recht wäre.«

Nun staunt sie.

Dann aber fragt sie. »Und welche Sorte müsste das sein?«

»Ihre Sorte, Kate Meredith, Ihre Sorte. Aber die ist sehr selten. Ich hatte schon drei dieser Frauen hier auf der Ranch. Zum Kennenlernen. Und für sie habe ich dieses Zimmer eingerichtet. Verstehen Sie, ich will keine Frau allein fürs Bett in den Nächten. Ich will eine Queen, die ich respektieren und ehren kann, eine Lady. Deshalb das Zimmer. Sie sollten sich unbedrängt entscheiden können. Aber keine konnte sich zum Bleiben entschließen.«

Wieder beißt sie in das Biskuit, und ihr Blick ist nachdenklich. Sie trinkt einen Schluck Kaffee und fragt dann: »Und warum blieb keine? Woher kamen sie überhaupt? Um eine besondere Frau zu finden und herbitten zu können, mussten Sie gewiss weite Reisen machen – oder?«

Er schüttelt den Kopf und erwidert dann: »Nein, ich konnte nie hier weg. Ich gab Anzeigen auf. Anzeigen mit der Frage: Welche besondere Frau möchte im Red Valley die Queen werden an der Seite eines Cattle Kings, der sich einen Erben wünscht? Es gab einige Dutzend Zuschriften. Und drei dieser Ladys suchte ich im Verlauf eines Jahres aus. Sie kamen in Abständen. Doch keine blieb länger als sechs Wochen.«

»Und warum nicht?« Kate Meredith fragt es ernst.

Wieder lächelt er nachsichtig.

»Dies ist ein zwar schönes, doch sehr hartes Land«, spricht er dann. »Das Tal hier ist etwas, was man entweder liebt oder irgendwann zu hassen beginnt. Und man muss auch Rinder und Pferde lieben. Wir leben hier einsam, haben keine Nachbarn. Hier hat eine Frau nur ihren Mann und wahrscheinlich bald auch Kinder. Außerdem hat sie noch ein Dutzend Ritter, nämlich meine Reiter. Und einen Koch. Sonst aber …«

Er bricht ab und macht eine resignierende Handbewegung. Dann spricht er ganz ruhig und sachlich: »Wahrscheinlich werde ich mir doch noch eine Frau kaufen müssen für die Zeugung eines Erben – ich meine eine von der Sorte …«

»Ich weiß«, unterbricht sie ihn, »eine Hure, die sich das bezahlen lässt und nach der Geburt wieder verschwindet, um mit dem Geld ein neues Leben zu beginnen. Und dann würde das Kind hier von Männern aufgezogen werden.«

»So ist es«, murmelt er. »Ich brauche einen Erben. Die Jahre vergehen schnell. Ich will meinen Sohn noch aufwachsen sehen. Wenn er zwanzig ist, bin ich fast schon ein Greis. Ich habe keine Zeit mehr. Und Sie sind gewiss auch nicht interessiert, denn wie ich hörte, wollen Sie Hochzeit machen mit einem gewissen Captain Phil Carrington. Ich kenne ihn. Er kommt manchmal mit seinen Soldaten hier vorbei. Auf der Jagd nach Apachen. Irgendwann wird er in eine Falle reiten und tot sein.«

Er endet mit einem harten Klang in der Stimme, der irgendwie verächtlich wirkt.

»Sie mögen ihn nicht?« So fragt Kate Meredith.

»Nein«, erwidert er, »denn er gehört nicht in dieses Land. Er ist einer jener Offiziere, die vor ihrer nächsten Beförderung noch einen letzten Befähigungsnachweis an exponierter Stelle erbringen müssen. Und hier ist Krieg.«

Sie schweigt lange, aber sie isst mit gutem Appetit.

Dann fragt sie spröde: »Dieser Carlos stand in Ihrer Schuld. Aber als Sie mich gegen diese Schuld eintauschten, da hofften Sie doch wohl nicht, dass ich die vierte Frau sein könnte, der Sie die Chance geben würden, die Queen im Red Valley zu werden? Tut mir leid, dass sie vorschnell handelten. Carlos wird Sie nun nicht mehr schonen, sondern bekämpfen wie alle anderen Weißen. Warum stand er in Ihrer Schuld?«

»Er war in die Hände weißer Skalpjäger gefallen«, erwidert er. »Ich musste drei von ihnen erschießen, um ihn befreien zu können. Sie hatten ihm bereits eine Schlinge um den Hals gelegt und wollten das Pferd unter ihm wegtreiben. Nachher hätten sie ihm den Skalp genommen. Auf seinen Kopf ist in Tucson und anderswo eine Belohnung von tausend Dollar ausgesetzt. Vielleicht hätten sie ihm auch den Kopf …«

»Genug«, unterbricht sie ihn.

Er nickt. »Sehen Sie«, murmelt er, »das ist es. Dieses Land ist so hart und gnadenlos, dass hier keine Frau an meiner Seite leben möchte. Und eine, die ich mir kaufe für ein Jahr etwa, die wird eine Menge Geld fordern.«

Abermals schweigt sie lange und beendet dabei ihr Frühstück.

Sie sehen dann beide von der Veranda aus, wie die Reiter ihre Arbeit beginnen.

Mehr als ein halbes Dutzend sattelt die Pferde und reitet hinaus auf die Weide. Andere nehmen bei den Corrals und Weidekoppeln die Arbeit auf, beginnen die Pferde zuzureiten.

Kate Meredith sieht John Morgan wieder an.

»Sie tun mir leid«, murmelt sie. »Was nützt Ihnen dieses wunderschöne Tal mit all den Rindern und Pferden, wenn Sie ein König ohne Erben bleiben? Und bald werden Sie von den Apachen nicht mehr geschont werden mit ihren Reitern. Sie haben einen schlechten Tausch gemacht, Mister John Morgan.«

Er grinst nun blinkend.

»Das ist manchmal so«, spricht er.

Dann deutet er nach Norden. »Hören Sie das?« So fragt er.

Sie lauscht und vernimmt endlich auch dieses seltsame, allmählich lauter werdende Geräusch.

»Was ist das?« So fragt sie.

»Klirrender Trab«, erwidert er. »Da kommt die stolze US-Kavallerie geritten. Die vielen Metallteile der Ausrüstung – Säbelgehänge, Gebissketten, Schnallen und dergleichen – rasseln und klappern, dazu der Hufschlag. Das alles kann man in diesem stillen Land meilenweit hören, wenn der Wind dementsprechend steht. Da kommt wahrscheinlich ihr zukünftiger Gatte, Miss Meredith. Er wird sich gewiss freuen, Sie wohlbehalten hier vorzufinden.«

Nach diesen Worten leert er seine Kaffeetasse und erhebt sich.

»Auch ich muss nun meine Arbeit beginnen«, spricht er. »Viel Glück in Ihrer Ehe mit einem Offizier, der gewiss eine glänzende Laufbahn vor sich hat. Vielleicht wird er sogar mal Militärattaché in Europa. So etwas gibt es. Nur die Apachen dürfen ihn vorher nicht erwischen. Viel Glück. Das Kleid und alles andere möchte ich Ihnen gerne schenken.«

Nach diesen Worten verlässt er die Veranda und geht zu den Corrals und Weidekoppeln hinüber.

Einer der Reiter, den soeben ein schwarzer Hengst abgeworfen hat und der sich unter den Corralstangen hindurch ins Freie rollte, empfängt ihn mit den Worten: »Boss, wenn Sie diesen schwarzen Teufel nicht schaffen, dann hat er die ganze Red-Valley-Mannschaft besiegt.«

»Und dann hätte er verdient, dass wir ihn wieder laufen lassen, nicht wahr, Brazos?«

»Das denken wir auch, Boss.«

Indes wartet Kate Meredith am Frühstückstisch, und sie wirkt sehr beherrscht, ja, sie schenkt sich sogar noch eine Tasse Kaffee ein. Dabei denkt sie darüber nach, wie schnell sich doch manchmal im Leben alle Dinge ändern.

Sie sieht, wie John Morgan bei den Corrals in den Sattel eines Rappen steigt, welcher von zwei Reitern eingekeilt wird. Morgan muss vom Pferd eines der Reiter überwechseln. Und dann beginnt der Kampf mit dem wilden Hengst, der gewiss vor nicht langer Zeit mit seiner Wildpferdherde eingefangen wurde.

Sie sieht interessiert zu und denkt immer wieder: Was für ein Mann, was für ein Mann!

Der Kampf zwischen Mann und Pferd dauert einige Minuten.

Dann gibt der schwarze Hengst auf und verharrt mit gesenktem Kopf.

Kate Meredith verspürt Mitleid mit dem vorhin so stolzen Tier. Und sie denkt: Irgendwann werden wir alle mal zu Verlierern. Und wenn man Glück hat, dann wird man dabei nicht zerbrochen.

Sie hat plötzlich das Bild von Carlos vor Augen, und sie weiß, wenn John Morgan sie nicht freigekauft hätte, dann hätte Carlos sie zerbrochen.

John Morgan kommt aus dem Corral, nachdem er dem Hengst die Brust und den Hals klopfte.

Kate denkt abermals: Was für ein Mann!

Dann wendet sie den Kopf und blickt nach Norden.

Denn dort taucht nun die US-Kavallerie auf, angeführt von Captain Phil Carrington. O ja, er bietet einen prächtigen Anblick. Ganz und gar wie ein Sieger wirkt er, dem nichts widerstehen kann. Groß, blond, geschmeidig führt er seine Reiter an.

Als sie vor das Ranchhaus und auf den weiten Hof geritten kommen, da erkennt er sie auf der Veranda am Frühstückstisch. Er ruft seinem Sergeant einige Befehle zu und kommt herübergeritten.

Bevor er absitzt, verharrt er im Sattel und betrachtet sie prüfend. Dann kommt er auf die Veranda, nachdem er sich geschmeidig aus dem Sattel schwang.

»Was hat er dir angetan, dieser rote Bastard?« So fragt er heiser.

Und sie weiß sofort, was er meint und befürchtet. Seine Befürchtung ist gewiss berechtigt, denn immerhin war sie vom Nachmittag des Vortages bis zum Morgengrauen in den Händen der Apachen.

Und bisher blieb keine weiße Frau in der Gefangenschaft der Apachen so lange ungeschoren. Denn die Apachen geben alles voll zurück, was ihren Frauen und Mädchen von den Weißen angetan wird – mögen es weiße Bürgerwehren, Milizen oder Skalpjäger sein.

Kate Meredith verspürt plötzlich einen wilden Trotz, ja, sogar eine aufsteigende Wut.

Verdammt, denkt sie, warum kommt er nicht zu mir und nimmt mich in die Arme, mag da geschehen sein, was will! Warum will er erst wissen, ob ich noch sauber und unberührt bin!

Und aus diesem zornigen Trotz heraus erwidert sie: »Und was ist, wenn er mir etwas angetan hat?«

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