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Fürsten-Roman - Folge 2500

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. War alles nur ein schöner Traum?
  4. Kurzgeschichte: Der lange Weg zum großen Glück
  5. Vorschau

Die große Jubiläumsausgabe

War alles nur ein schöner Traum?

Ein gefährliches Geheimnis bedroht Prinzessin Adelinas Liebe

Von Caroline Thanneck

Ein ungewollt mitgehörtes Gespräch, ein brisantes Geheimnis, das vor fünfundzwanzig Jahren seinen Anfang nahm, und eine junge Prinzessin in Lebensgefahr – das sind die aufregenden Zutaten für diesen höchst spannenden Fürsten-Roman. Und es ist nicht irgendein Roman – dank Ihrer Treue, liebe Leserinnen und Leser, können wir mit Ihnen zusammen das Jubiläum von 2500 Bänden voller Romantik, Liebe und dramatischer Ereignisse in Adelskreisen feiern.

Seit über fünf Jahrzehnten öffnet Ihnen der Fürsten-Roman die Pforten der schönsten Schlösser der Welt. Treten Sie auch diesmal wieder ein in ein modernes Märchen, und lassen Sie sich Ihre Mußestunden vergolden!

 

Genießen Sie nun den zu Herzen gehenden Jubiläumsroman sowie die zauberhafte Kurzgeschichte!

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Bastei-Roman-Redaktion

Heftig trommelte der Regen auf das Wellblechdach. Der Lärm reichte aus, um Adelina aus dem Schlaf zu reißen. Müde blinzelte sie in das Halbdunkel.

Vor den Fenstern der Hütte regnete es, was der Himmel nur hergeben mochte. Der Regen in Uganda war nicht mit einem Schauer bei ihr daheim vergleichbar. Hier stürzte das Wasser mit einer Urgewalt vom Himmel, wie die Prinzessin es noch nie erlebt hatte. Es war beeindruckend!

Uganda grenzte im Süden und Osten an den Viktoriasee. Das war einer der Gründe für das regenreiche Klima des ostafrikanischen Staates. Der Regen hatte die Temperaturen über Nacht abgekühlt, trotzdem fror Adelina nicht, denn Thorben hielt sie warm. Sein Arm ruhte auf ihrem Bauch, als wollte er sie selbst im Schlaf festhalten und nicht von seiner Seite lassen. Adelina drehte den Kopf, beobachtete ihren Freund beim Schlafen und spürte, wie ihr Herz vor Liebe beinahe überfloss.

Thorbens markantes Gesicht war entspannt, und seine dunklen Haare waren zerzaust, woran Adelina nicht ganz unschuldig war. In der vergangenen Nacht hatte sie die Hände in seinen Haaren vergraben, als er sie zärtlich geliebt hatte. Sein Kinn war energisch vorgereckt und verriet, dass er ein Mann war, der wusste, was er wollte, und unbeirrt darauf hinarbeitete. Manchmal konnte er stur sein. Wenn er etwas als richtig erkannt hatte, ließ er sich nicht davon abbringen. Er sagte stets, was er dachte. Das war eines der vielen Dinge, die sie ihn an ihm liebte.

Thorben war der Grund, weshalb sie hier in Uganda war. Er hatte vorgeschlagen, dass sie gemeinsam an dem zweimonatigen Hilfsprogramm teilnahmen und als Augenärzte aushalfen. So waren sie nach Kasana gekommen.

Kennengelernt hatten sie sich während ihres Studiums. Über dem nächtelangen gemeinsamen Lernen waren sie sich nähergekommen und hatten zahlreiche Gemeinsamkeiten entdeckt. Sie stammten beide aus Familien von altem Adel und kannten die damit verbundenen Privilegien ebenso wie die Bürden. Sie liebten Pferde, vegetarische Küche und alte Filme. Außerdem hatte es von Anfang zwischen ihnen geknistert. Bei jeder Begegnung waren die Funken hin und her gesprungen.

Sie hatten sich ineinander verliebt und ergänzten sich so perfekt, dass sich Adelina ihr Leben ohne Thorben nicht mehr vorstellen konnte.

Ihre Eltern waren vor vielen Jahren bei einem Lawinenunglück ums Leben gekommen. Adelina war bei ihrem Onkel aufgewachsen, einem warmherzigen Mann, der sie immer unterstützte. Auch bei der Berufswahl.

Thorbens Mutter hätte es dagegen lieber gesehen, er hätte sich irgendwo einen ruhigen Posten in einer Schönheitsklinik gesucht und wäre seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen nachgekommen, anstatt sich ohne Bezahlung auf dem afrikanischen Kontinent abzuplagen. Was hätte sie wohl gesagt, wenn sie ihn am vergangenen Tag gesehen hätte? Als er versucht hatte, im strömenden Regen den Transporter mit Arzneimitteln aus dem Schlamm zu schieben, verdreckt von Kopf bis Fuß, weil er mehrmals ausgerutscht und hingefallen war?

Nun, das war ein guter Grund für unsere gemeinsame Dusche. Ein verträumtes Lächeln huschte über das Gesicht der Prinzessin. Sie schob behutsam Thorbens Arm von ihrem Bauch, beugte sich über ihn und tupfte ihm einen Kuss auf die stoppelige Wange.

Dann schlüpfte sie unter dem Moskitonetz hervor und stand auf. Ihr Morgenmantel hing über einem Korbstuhl. Sie schlüpfte hinein.

Thorben entfachte ein Feuerwerk an Gefühlen in ihr, das ihr manchmal Angst machte, weil es so intensiv war. Sie fühlte sich ihm auf mehr als eine Weise verbunden. Früher hatte sie nicht einmal geahnt, dass es so sein konnte zwischen zwei Menschen.

Was, wenn es nicht hielt?

Thorben würde mir niemals wehtun, schob sie die Befürchtung energisch zur Seite und lenkte ihre Gedanken auf den vor ihr liegenden Arbeitstag. Sie würden wieder wie am Fließband grauen Star operieren. Diese Augenerkrankung kam in Uganda häufig vor. Viele Kinder wurden damit geboren, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft an Röteln erkrankten. Der graue Star war heilbar, aber es fehlte am Nötigsten: am Geld, an Medikamenten und an Ärzten. Auf eine Million Einwohner kam ein Augenarzt. Erkrankte Kinder hatten nur selten eine Zukunft, weil es keine speziellen Schulen für sie gab. Sie wurden ausgegrenzt.

Adelina erlebte jeden Tag Geschichten, die ihr ans Herz gingen. Am vergangenen Morgen hatte ein Großvater seine Enkelin zu ihr gebracht. Die Eltern hatten das Mädchen in ihrer Hütte versteckt, weil sie sich für das halbblinde Kind schämten. Die Operation war buchstäblich in letzter Sekunde erfolgt. Nur noch wenig länger, und ihr Sehnerv wäre verkümmert gewesen. Dann wäre jede Hilfe zu spät gekommen.

Adelina hatte dem Mädchen unter örtlicher Betäubung die trübe Linse entfernt, eine Kunststofflinse eingesetzt und das Auge verbunden. Heute konnte der Verband entfernt werden. Das Auge würde noch empfindlich sein, aber so gut wie neu. Damit hatte die Sechsjährige die Chance auf ein eigenständiges Leben …

Zahlreiche Kinder warteten noch auf Hilfe. So viele Patienten und so wenig Zeit! Adelinas Aufenthalt neigte sich bereits seinem Ende zu. Es war merkwürdig, daran zu denken, dass sie bald wieder daheim sein würde.

Nachdenklich ging sie nach nebenan und bereitete das Frühstück vor. Es gab Toastbrot mit Margarine, Honig und Früchten. Dazu kochte sie Eier und einen Magen-Darm-Tee. Durchfall war nur eines der vielen Dinge, vor denen sie sich hier in Acht nehmen mussten.

Adelinas Blick fiel auf den Poststapel, der auf dem wackligen Küchentisch lag. Am vergangenen Abend hatten Thorben und sie es so eilig gehabt, ins Bett zu kommen, dass sie die Post ganz vergessen hatten. Nun schaute sie sie durch.

Der oberste Brief kam von ihrer Freundin Sophie. Ein Lächeln huschte über Adelinas Gesicht. Sophie und sie waren zusammen aufgewachsen und hatten dasselbe Internat besucht. Durch ihre unterschiedlichen Berufe sahen sie einander manchmal monatelang nicht, aber das tat ihrer Freundschaft keinen Abbruch. Sie telefonierten fast jeden Tag miteinander und tauschten sich aus.

Der zweite Brief kam von Thorbens Mutter, Renate von Bentin. Das goldene Familiensiegel mit dem Bärenkopf war unverkennbar. Adelina wollte ihrem Freund das Schreiben gerade neben den Teller legen, als sie bemerkte, dass es nicht an ihn adressiert war, sondern an sie selbst!

Verwundert drehte die Prinzessin das Kuvert in den Händen, und mit einem Mal breitete sich ein flaues Gefühl in ihr aus. Die Baronin verhielt sich ihr gegenüber reserviert. Es war ein offenes Geheimnis, dass sie zwar Adelinas alten Namen schätzte, es ihr aber noch weitaus lieber gewesen wäre, wenn zu dem Titel auch das entsprechende Vermögen gehört hätte.

Adelina riss das Kuvert auf. Eine einzelne Fotografie flatterte ihr entgegen. Auf die Rückseite waren wenige Worte in einer steilen Frauenhandschrift notiert.

Ich habe lange mit mir gekämpft, ob ich es Dir zeigen soll. Nun finde ich, Du musst es erfahren. R.

Adelinas Herz klopfte voll banger Vorahnung, als sie das Bild umdrehte. Es war in einer Kirche aufgenommen worden. Die Gäste waren festlich gekleidet. In der vordersten Reihe küsste sich selbstvergessen ein Paar. Die Frau hatte hellblonde Haare, die mit Blüten geschmückt waren, und trug ein tief ausgeschnittenes rotes Kleid, das mehr von ihren Vorzügen enthüllte, als es verbarg. Der Mann hatte einen Smoking an und …

Plötzlich ließ Adelina das Foto fallen, als hätte sie sich daran verbrannt. Der Mann war Thorben! Sein Gesicht war halb von dem der Frau verdeckt, aber trotzdem war kein Irrtum möglich. Adelina erkannte auch, wann das Foto aufgenommen worden war: im Mai auf der Hochzeit von Ingrid und Valentin von Heisingen! Adelina hatte das Fest versäumt, weil sie mit einem Magenvirus das Bett hatte hüten müssen. Offenkundig war ihr Freund jedoch nicht lange allein geblieben.

Fassungslos schaute Adelina auf das Bild nieder, und ihre Umgebung rückte plötzlich in den Hintergrund. Das Rauschen des Regens, der raue Küchenboden unter ihren Füßen und die kühle Morgenluft … all das verschwamm in weißem Nebel.

Adelina wankte ein paar Schritte rückwärts, während die Erkenntnis in ihr Bewusstsein sickerte, dass ihr Freund ihr nicht so treu war, wie sie geglaubt hatte.

»Oh, Thorben, nein!«

Jäh zerbrach ihre Welt in tausend Scherben.

***

Acht Monate später

In halsbrecherischem Tempo fuhr Adelina die Auffahrt zum Städtischen Krankenhaus hinauf. Kies spritzte unter den Reifen ihres weißen Cabriolets auf, als sie auf den Parkplatz einbog und die nächstbeste freie Lücke ansteuerte.

Die weißen Mauern des Gebäudes leuchteten in der Sommersonne, sodass die Prinzessin geblendet die Augen zusammenkniff, als sie ausstieg und zum Eingang hinaufeilte. Die moderne Klinik verfügte über einen ausgezeichneten Ruf. Die Ärzte und die medizinische Ausstattung waren beispielhaft. Trotzdem klopfte Adelinas Herz angstvoll gegen ihre Rippen, als sie das Gebäude betrat und sich suchend umsah.

Wo musste sie hin?

Ihre Freundin hatte sie angerufen und tränenerstickt etwas gestammelt, das Adelina nicht genau verstanden hatte. Sie hatte nur herausgehört, dass Sophie sie brauchte, deshalb war sie unverzüglich in ihr Auto gestiegen und losgebraust. Es war ihr freier Tag, deshalb hatte sie gleich aufbrechen können.

Adelina fragte sich zum Zimmer ihrer Freundin durch und erfuhr, dass Sophie in der dritten Etage des Westflügels untergebracht war: auf der Station für innere Erkrankungen. Der Fahrstuhl wollte ewig nicht kommen, so ungeduldig sie auch von einem Fuß auf den anderen trat, deshalb wandte sie sich schließlich der Treppe zu und eilte, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, nach oben. Dabei wehte der Rock ihres weißen Sommerkleides um ihre Beine.

Im Korridor kamen Adelina Patienten in Morgenmänteln entgegen. Eine Frau schob einen Infusionsständer vor sich her. Ein Mann saß auf einem Korbsessel und blätterte in einer Angelzeitschrift. Adelina nickte ihnen freundlich zu, ehe sie nach dem Zimmer ihrer Freundin Ausschau hielt. Der typische Krankenhausgeruch von Desinfektionsmitteln und Medikamenten verursachte ein flaues Gefühl in ihrem Inneren, obwohl sie ihn ja eigentlich von ihrer Arbeit her gewohnt war.

Plötzlich öffnete sich vor ihr eine Tür, und ein grauhaariger Mann trat auf den Flur. Wilhelm von Campen war Sophies Großvater. Er musterte Adelina missbilligend.

»Da bist du ja. Das hat ziemlich gedauert. Bist du über Rom gefahren?«

»Unterwegs war viel Verkehr.« Adelina unterdrückte ein Seufzen.

Wann hätte er sie einmal nicht getadelt? Der Fürst war ein großer, hagerer Mann mit strengen Augen. Man sah ihn nie anders als gut gekleidet. An diesem Nachmittag hatte er ein weißes Hemd zu einem dunklen Anzug an, dessen tadelloser Sitz die Maßarbeit verriet. Man merkte ihm nicht an, dass er ein Rückenleiden hatte, denn er hielt sich stets aufrecht und bewegte sich ruhig und zielstrebig. Seine Haare waren im Lauf der Jahre silbern geworden, ebenso wie der gepflegte Bart, der sein Kinn umgab.

»Sophie wartet schon auf dich.«

»Wie geht es ihr denn?«, fragte Adelina besorgt.

»Nicht gut. Ich hoffe, du kannst sie zur Vernunft bringen.«

»Zur Vernunft? Wie meinen Sie das?«

»Das wirst du schon sehen. Ich muss zurück an die Arbeit.« Er nickte ihr knapp zu, wandte sich ab und ging davon.

Adelina wandte sich dem Krankenzimmer zu und klopfte an. Von drinnen kam ein zaghaftes: »Herein!« Sie drückte die Klinke nieder und trat ein. Sophie saß im Bett und blickte ihr verzweifelt entgegen. Ihr Gesicht war hochrot und von Wassereinlagerungen aufgedunsen. Ihr blonder Zopf war in Auflösung begriffen. Über einen Schlauch wurden ihr Medikamente zugeführt. Sie schien geweint zu haben. Adelinas Herz krampfte sich zusammen.

»Was ist denn passiert?«

»Ich musste in die Klinik. Schon wieder!« Ein heftiger Schluckauf machte ihrer Freundin zu schaffen. »Ich war heute bei meiner Ärztin. Sie hat festgestellt, dass meine Werte wieder schlechter geworden sind, und mich umgehend eingewiesen.«

»Oh, Sophie!« Adelina versuchte, sich ihren Schrecken nicht anmerken zu lassen. Ihre Freundin litt unter einer eingeschränkten Nierenfunktion, die sich hartnäckig allen Medikamenten widersetzte. »Weißt du schon Genaueres?«

»Es ist eine rasch voranschreitende Glomerulonephritis.«

»Eine … was?«

»Eine Entzündung der Nieren. Sie ist besonders aggressiv und kann dazu führen, dass die Nieren ihre Filterfunktion einstellen. Der Chefarzt hat schon von Transplantation gesprochen, aber das will ich nicht. Ich habe Angst, Adelina.«

»Das kann ich mir vorstellen, aber du bist hier in den besten Händen.«

Eine Träne löste sich aus Sophies Augenwinkel. Sie wischte sie hastig fort.

»Ich wollte dich fragen, ob du dich um Sam und Nia kümmern kannst.«

»Natürlich.« Adelina nickte. Sam und Nia waren zwei lebhafte Nymphensittiche, die ihre Freundin aus dem Tierheim gerettet hatte. »Ich kann sie mit zu mir nehmen, bis es dir besser geht.«

»Vielen Dank. Mein Großvater mag sie leider nicht. Er findet, sie sind laut und machen nichts als Dreck.« Sophie schluckte hörbar. »Meine Eltern kommen erst morgen nach Hause. Ich wollte nicht, dass sie ihren Urlaub meinetwegen abbrechen, aber sie sitzen schon im Flieger nach Hause.«

»Sie wollen dich unterstützen, das ist doch klar. Ich werde dich auch besuchen, so oft ich kann.«

»Das ist nicht oft genug.« Sophie lächelte schief.

»Dann komme ich jeden Tag her. Bis du mich satthast.«

»Das ist schon besser.«

»Es wird dir bestimmt bald besser gehen.« Adelina zog sich einen Stuhl heran und nahm die Hand ihrer Freundin. Himmel, wie kalt sie war! »Welche Therapie haben die Ärzte verordnet?«

»Ich bekomme einen Medikamentencocktail, der einen Büffel umwerfen könnte. Außerdem muss ich zur Dialyse. Das ist überhaupt das Schlimmste! Nach der Blutwäsche fühle ich mich immer wie ein ausgewrungener Waschlappen.«

»Vielleicht wäre eine Transplantation gar nicht schlecht. Wenn alles gut geht, musst du danach nie wieder zur Dialyse«, machte Adelina ihrer Freundin Mut. Sie ließ sich nicht anmerken, was für Sorgen sie sich machte. Sophie war nach ihrer Trennung von Thorben für sie da gewesen, als sie vor Kummer nicht mehr aus noch ein gewusst hatte. Es tat weh, nun mit ansehen zu müssen, wie sie immer schwächer wurde.

Konnte man denn gar nichts dagegen tun?

Unvermittelt fiel Adelinas Blick auf eine Einladungskarte, die auf dem Nachttisch lag. Das edle Büttenpapier wurde von getrockneten Blüten und einem Rahmen aus Blattgold verziert. Es war beinahe ein Kunstwerk.

Sophie war ihrem Blick gefolgt und seufzte tief.

»Die Einladung für das Sommerfest auf Schloss Storkow ist heute gekommen. Großvater hat sie mir mitgebracht.«

»Hm«, machte Adelina. Sie hatte auch eine Einladung erhalten, plante jedoch, abzusagen. Dabei war das Fest jedes Jahr ein ziemliches Ereignis und berühmt für seinen Glanz. Baron von Storkow scheute weder Kosten noch Mühen, um seine Gäste zu beeindrucken. Allerdings war seine Tochter Gina die Frau, mit der Thorben … Nein, nicht daran denken, verbot sich Adelina jeden Gedanken daran, aber der vertraute Schmerz loderte bereits in ihrem Herzen auf.

»Ich darf das Fest auf keinen Fall verpassen«, erklärte ihre Freundin energisch. »Notfalls schleiche ich mich aus der Klinik!«

»Das wäre keine gute Idee. Du bist krank, Sophie«, mahnte Adelina.

»Nicht zu krank, um auf das Sommerfest zu gehen.«

»Warum willst du denn unbedingt dorthin?«

»Wegen Hendrik!«

Adelina stutzte. »Das hat dein Großvater vorhin also gemeint, als er mich gebeten hat, dich zur Vernunft zu bringen. Er weiß, was du vorhast, nicht wahr?«

»Ja, es ist mir herausgerutscht. Mein Großvater war von dem Gedanken nicht begeistert. Er glaubt ohnehin, dass Hendrik nur wegen meines Geldes mit mir zusammen ist.«

»So ein Unsinn. Hendrik liebt dich. Außerdem verdient er als Anwalt genug. Er braucht weder dein Geld noch deinen Titel, weil er beides bereits hat. Er will mit dir zusammen sein, weil du viele gute Eigenschaften hast, die er liebt.«

»Manchmal bin ich mir da nicht so sicher. Hendrik hat es nicht immer leicht mit mir. Ich bin ständig krank, und mein Großvater zeigt ihm seine Abneigung offen … Was ist, wenn er sich irgendwann eine Frau sucht, mit der alles einfacher ist?«

»Das wird er bestimmt nicht tun. Er liebt dich nämlich«, war Adelina überzeugt.

»Und wenn das nicht reicht? Ich habe solche Angst, ihn zu verlieren! Ich werde wieder wochenlang im Krankenhaus liegen. Was, wenn er sich in dieser Zeit mit einer anderen Frau trifft?«

»Ausgeschlossen. Hendrik würde dich niemals so verletzen.«

»Das hast du damals auch von Thorben gedacht. Niemand hätte erwartet, dass ihr euch trennen würdet. Ihr wart ein Traumpaar! Und dann? Plötzlich war es aus und vorbei!«

Etwas in Adelina krümmte sich, denn das Argument war nicht von der Hand zu weisen. Was Männer anging, glänzte sie nicht gerade mit Menschenkenntnis.

Ihre Freundin nickte bekümmert.

»In letzter Zeit sehen Hendrik und ich uns kaum noch. Er hat nie Zeit für mich.«

»Weil er sich seine eigene Kanzlei aufbaut. Das kostet Zeit und Kraft. Es wird besser, sobald er sich etabliert hat.«

»Und wenn mehr dahintersteckt? Vielleicht hat er mich längst satt und weiß nur nicht, wie er es mir sagen soll. Das Sommerfest könnte die Wendung bedeuten. Gina hat schon lange ein Auge auf ihn geworfen. Ihre Kleider sind so tief ausgeschnitten, dass man den Nabel sehen kann. Welcher Mann kann ihr schon widerstehen?«

Thorben konnte es jedenfalls nicht, dachte Adelina bekümmert, und wieder krampfte sich alles in ihr zusammen. Dabei sollte sie nach acht Monaten eigentlich über ihn hinweg sein, oder nicht? Weshalb wühlte sie dann jeder Gedanke an ihn auf wie ein stürmischer Wind das Meer?

»Ich möchte Hendrik auf keinen Fall verlieren«, murmelte Sophie. »Wenn ich dem Fest wirklich fernbleiben muss, gehst du dann für mich hin und findest heraus, ob er mir treu ist?«

»Was? Wie soll ich das denn anstellen?«

»Behalte ihn einfach für mich im Auge.«

»Das ist absurd. Er ist dir treu. Außerdem wird er wohl kaum vor meinen Augen etwas mit einer anderen Frau anfangen. Er weiß, dass wir befreundet sind und dass ich ihm die Augen auskratzen würde, sollte er dir jemals wehtun.«

»Dann musst du dich eben verkleiden.« Die Augen der kranken Freundin leuchteten auf. »Genau! Das ist die Idee! Du brauchst eine Verkleidung, in der er dich nicht erkennt.«

»Soll ich mir etwa eine Maske aufsetzen?«

»Nein, das würde auffallen, aber du könntest als Kellnerin hingehen. Niemand achtet auf das Personal.

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