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Fürsten-Roman - Folge 2463

Du bist mein Schicksal

Findet Fürst Alexander durch eine alte Legende die große Liebe?

Von Marion Alexi

Die Architektin Celia von Engelbert erhält von Alexander Fürst von Babendiek den Auftrag, sein Schloss zu modernisieren. Als Celia auf Philippsruh eintrifft, findet sie jedoch eine ländliche Idylle vor, in die sich das traumhaft schöne Schloss perfekt einfügt. Warum also modernisieren? Philippsruh würde dadurch seinen Charme verlieren, findet Celia. Fürst Alexanders Verlobte Hélène hingegen will die Modernisierung schnell vorantreiben. Doch ist das auch Alexanders Wunsch? Als Celia den attraktiven Fürsten näher kennenlernt, kommen ihr Zweifel. Ein modernes Schloss passt so gar nicht zu dem sympathischen jungen Mann – genauso wenig wie Hélène. Die beiden haben nichts gemeinsam.

Irgendetwas stimmt hier nicht, da ist sich Celia sicher. Nachts liegt sie wach und grübelt über die Zusammenhänge. Und als ihr die Hausdame dann auch noch von der Legende der Weißen Frau erzählt, die nachts auf Philippsruh spuken soll, ist es endgültig um den Schlaf der jungen Architektin geschehen. Was ist das nur für ein seltsames Schloss?

Ein böiger Wind peitschte Sprühregen und dunkle Wolken über den Horizont. Schutz bot einzig der kleine Tempel mit dem spitzen roten Dach.

Also ließ Celia von Engelbert ihre Reisetasche auf dem Kiesweg stehen und rannte über die Wiese zu dem Tempel. Sein Inneres bot breite Sitzbänke und komfortable Kissen mit rot-grün gestreiften Bezügen, die von dem trüben Grau ablenkten.

Der rot-grüne Stoff war nicht zufällig ausgewählt worden. Dies waren die Farben des fürstlichen Hauses Babendiek. So hieß es in dem über hundertjährigen Kulturführer, den Celia im Internet entdeckt hatte.

Noch schlief der Park, und der Morgennebel hing in den Baumwipfeln. Doch in der Ferne, über der bläulichen Waldsilhouette, zeigte sich ein rötlicher Streifen. Ungeduldig schien die Sonne hinter schiefergrauen Wolken auf ihren Auftritt zu warten, um mit einer Flut hellen Lichts den neuen Tag zu begrüßen.

Ein herrlicher Schlosspark, dachte die schlanke junge Frau anerkennend, während sie sich das regennasse Gesicht mit ihrem Seidenschal trocken tupfte. Aber wo war das Schloss? Und wieso war kein Mensch zu sehen?

Einzig ein großer Vogel zog im azurblauen Morgenhimmel einsam seine Kreise. Einst, als Philippsruh von der fürstlichen Familie noch als Jagdschloss genutzt worden war, hätte dieser majestätische Vogel wohl um sein Leben bangen müssen, mutmaßte Celia.

Unverhofft riss die Wolkendecke auf. Erste Sonnenstrahlen brachen kühn hervor und brachten die Luft zum Flimmern. Für die Vögel im Schlosspark schien dies das Signal zu sein, denn sie starteten ihr vielstimmiges, jubilierendes Morgenkonzert, während die goldenen Sonnenstrahlen für wohlige Wärme sorgten.

Ein sehr poetischer Tagesbeginn. So in etwa musste das Paradies sein. Celia war vollkommen fasziniert von der idyllischen Umgebung.

Ein Geländewagen nahte, und Celia winkte dem Fahrer zu, in der Hoffnung, er möge sie wahrnehmen.

Ihr Wunsch erfüllte sich, denn das Fahrzeug hielt am Rand der Rasenfläche. Ein Mann stieg aus und warf der jungen Frau einen erstaunten Blick zu.

Der Fremde war hochgewachsen und schlank, hatte dunkle Haare und dunkle Augen. Und schon aus der Ferne wirkte er sympathisch, wie Celia feststellte. Er sah vornehm aus, aber keinesfalls blasiert, zugleich lässig und höchst aufmerksam.

Wer mochte er sein? Der Gärtner, der gekommen war, um den weißen Kies sorgfältig zu harken? Der Schlossverwalter? Celia hatte keine Ahnung. Sie wünschte sich einzig, endlich ihr Ziel zu erreichen, nämlich Schloss Philippsruh.

»Guten Morgen«, begrüßte sie den Fremden.

Sein wacher Blick machte ihr bewusst, was der Regen ihr angetan hatte. Ganz zu schweigen von der durchwachten Nacht im Flugzeug mit unzähligen Schnarchern. Aber wer verließ schon seinen Flieger nach einem Nachtflug unzerknittert?

»Guten Morgen, Frau von Engelbert«, bemerkte der junge Mann mit einem unwiderstehlichen Lächeln. »Ich bedaure es sehr, dass niemand am Flughafen war, um Sie abzuholen.«

Er wusste, wer sie war? Celias Herz schlug aus unerklärlichen Gründen schneller. Und weshalb wurden ihr, der erfolgreichen Powerfrau, die Knie weich? Sie schob das Phänomen auf die lästige Verspätung beim Start in New York, die Turbulenzen während des Flugs und das Frühstück Marke »Morgengrauen«.

Ihr Gegenüber deutete eine Verbeugung an.

»Babendiek«, stellte der Mann sich vor.

Vor ihr stand also Alexander Philipp Fürst von Babendiek. Passend – vielmehr standesgemäß – wäre jetzt ein Trommelwirbel gewesen. Oder ein Dutzend Salutschüsse, abgefeuert von der historischen Schlosskanone auf dem Ehrenhof.

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Celia hatte sich ihren Auftraggeber völlig anders vorgestellt, älter vor allem. Und weniger attraktiv. Tatsächlich hatte sie schon ewig keinen derart gut aussehenden Mann mehr kennengelernt. Und für dieses prachtvolle Mannsbild sollte sie in nächster Zeit arbeiten!

Der Kontakt war von ihm ausgegangen. Er hatte sie – die international angesehene Architektin, die als Geheimtipp der Moderne galt – angeschrieben und später nach Philippsruh eingeladen. Sie möge sich bei dem Besuch einen Überblick über das historische Gebäude verschaffen und herausfinden, welche der baulichen Veränderungen, die er vorzunehmen wünschte, zu realisieren waren. In möglichst kurzer Zeit.

In finanzieller Hinsicht, das hatte der Fürst signalisiert, würden ihr keine Daumenschrauben angelegt. Er erwartete einzig von ihr, dass sie die vorhandene Bausubstanz schonte.

Ein frommer Wunsch, hatte Celia in ihrem New Yorker Büro im vierundzwanzigsten Stockwerk eines Wolkenkratzers beim Kontrollieren ihrer E-Mails gedacht und trocken aufgelacht.

»Ich freue mich«, sagte der Fürst und reichte ihr die Hand. »Auf eine gute Zusammenarbeit, Frau von Engelbert.«

Ein fester Händedruck, der zu ihm passte.

Sie versuchte, ihr regenfeuchtes Haar zu vergessen. An ihren schmalen, streng geschnittenen Hosenanzug mochte sie gar nicht erst denken. Leider hatte der Regenschauer ihm nach der nicht enden wollenden Nacht im leidlich komfortablen Flugzeugsessel den Rest gegeben.

Ausgerechnet dem Fürsten hatte sie in dieser ungünstigen Verfassung begegnen müssen. War nicht immer die erste Begegnung von prägender Bedeutung? Celia verwünschte die Fluggesellschaft, die ihren Passagieren so viel Stress zumutete.

Der netten, älteren Frau indes, die sie am Bahnhof aufgelesen hatte, um sie in ihrem vollgepackten Kleinwagen mitzunehmen, war sie immer noch dankbar, auch wenn die Frau keine Zeit gehabt hatte, sie bis zum Schloss zu fahren, sondern stattdessen vor dem beeindruckend großen, schmiedeeisernen Tor am Parkeingang abgesetzt hatte.

»Bitte sehr«, forderte der Fürst Celia auf und öffnete zuvorkommend die Beifahrertür. »Aber wo ist Ihr Gepäck?«

Celia deutete auf die Reisetasche. »Der Rest steht am Bahnhof. Weil es kein Taxi gab, habe ich es dort gelassen.«

»Ich werde veranlassen, dass Ihr Gepäck geholt wird«, versprach Fürst Alexander und startete den Motor, nachdem er Celias Reisetasche auf dem Rücksitz verstaut hatte.

»Ist dies der direkte Weg zum Schloss?«, fragte sie ihn. »Ich hatte irgendwann das Gefühl, mich verirrt zu haben.«

Das war ihr in den dafür berüchtigten New Yorker Häuserschluchten noch nie passiert.

»Es gibt nur einen Weg, auch wenn er sich unbeschwert durchs Gelände schlängelt. Man kann das Schloss nicht verfehlen.« Er drehte den Kopf zur Seite und lächelte ihr zu.

Es war nur ein flüchtiges Lächeln, doch es richtete eine Menge an in Celias Gemüt. Oder lag es am Jetlag, dass sie sich seltsam schwindlig fühlte?

Der weit geschwungene Weg führte nun hangaufwärts. Und durch die Windschutzscheibe eröffnete sich der staunenden Architektin ein großzügiger Blick auf den im Stil einer englischen Landschaft angelegten Park.

Es gab alte Baumgruppen, terrassenförmig angelegte Gärten mit wunderhübschen Blumenbeeten, eine künstliche Turmruine, einen chinesischen Pavillon und ein klassizistisches Gebäude, in dem – wie Celia später erfuhr – ein kleines Privattheater untergebracht war.

»Unter meinen Vorfahren befanden sich etliche ebenso engagierte wie eigenwillige Bauherren und Gartengestalter«, erzählte der Fürst mit einem feinen Schmunzeln. »Ein Spaziergang durch den Park bedeutet also auch, verschiedene Epochen zu durchschreiten. Das Heckenlabyrinth drüben rechts, zum Beispiel, entstand während der Rokokozeit. Damals war es ein beliebter Zeitvertreib, einander zu suchen – und zu finden.«

Alles war idyllisch arrangiert, alles wirkte zufällig, völlig natürlich, obwohl es künstlich angelegt worden war.

»Einer meiner Vorfahren«, erzählte der Fürst, »hat sich von seinen Gästen Samen aus berühmten Gärten und exotisches Grün aus fernen Ländern mitbringen lassen. So ist mit der Zeit eine einzigartige botanische Sammlung entstanden, die man hier zunächst nicht vermuten würde.«

»Philippsruh scheint ein wahres Arkadien zu sein«, sagte Celia mit aufrichtiger Bewunderung.

Sie konnte sich nicht sattsehen an den lebensgroßen Skulpturen, die hier und da vor dem saftigen Sommergrün leuchteten.

»Ruhig ist es hier, oh ja«, bestätigte er. »Das Leben in dieser abgelegenen, touristisch noch nicht erschlossenen Region wirkt nicht nur auf den ersten Blick verschlafen. Hier gehen die Uhren gemächlicher als in New York.«

»Ich mag New York, ich lebe und arbeite gern dort.«

Manchmal, wenn ihre knapp bemessene Zeit es ihr erlaubte, gönnte Celia sich eine kurze Mittagspause im Central Park. Der war zwar, wie es hieß, flächenmäßig größer als Monaco, doch der zu Philippsruh gehörende Park erschien ihr noch ausgedehnter zu sein.

»Hoffentlich geht Ihnen unsere Stille nicht auf die Nerven, Frau von Engelbert. Viel ist bei uns nicht los. Der Kontakt zu den Nachbarn hält sich in Grenzen, und die wenigen Dorfläden sind alles andere als extravagant.«

Wie kommt er darauf, dass ich für Mondänes schwärme?, dachte Celia.

»Ich bin gespannt auf Ihr Schloss, Durchlaucht«, entgegnete sie diplomatisch.

»Sagen Sie doch einfach Alexander.«

Ihr übermüdetes Herz machte einen Satz. Er bot ihr an, ihn mit seinem Vornamen anzusprechen?

Dann erblickte Celia nach der nächsten Wegbiegung das auf der Anhöhe liegende Philippsruh und vergaß mit angehaltenem Atem, was sie ihm antworten wollte. Nach der langen Anfahrt durch den Park war der unverhoffte Anblick des traditionsreichen Schlosses gewissermaßen Belohnung und Krönung zugleich. Alles wirkte wie von der Hand eines Künstlers erschaffen.

Die Sonne ließ die Farben von Park und Schloss aufleuchten. Die blassgelben, repräsentativen Fassaden mit den Bildhauerarbeiten am Balkon und den weißen Stuckierungen im Giebelfeld beeindruckten durch Klarheit und zeitlose Schönheit.

Zusammen mit dem zweigeschossigen Hauptbau bildeten die Nebengebäude, in denen früher das Gefolge, das Personal, die Pferde, Jagdfalken und die Küche untergebracht gewesen waren, eine architektonische Einheit. Alles wirkte unfassbar gut erhalten.

Celia, der studierten Architektin, war sofort klar, dass dieses im Grünen versteckte Philippsruh, eine Perle des Rokoko, ein rares Baujuwel war. Wie hatte es die Zeiten so unbeschädigt, gleichsam eingekapselt, überstehen können? Und was, um Himmels willen, wollte der Fürst ändern?

Das Eingangsportal wurde geöffnet. Eine junge Frau erschien auf der doppelläufigen, von einem kunstvoll geschmiedeten Geländer begrenzten Treppe aus Sandstein. Sie blinzelte in die Sonne, während sie mit einer Hand in ihr Haar griff und es mit einer fesselnden Bewegung nach hinten schleuderte.

Respekt, dachte Celia angesichts dieser verblüffend natürlich wirkenden Präsentation weiblicher Reize.

Diese junge Frau, deren Haar bei entsprechender Beleuchtung an ein Rabengefieder erinnerte, war auffallend dekorativ in ihrem superengen royalblauen Kleid, und sie hatte fraglos das gewisse Etwas.

Celia fühlte sich in ihrem zerknitterten Hosenanzug und dem ramponierten Pagenkopf entsetzlich fehl am Platz. Ihr Selbstbewusstsein, das in New York noch unerschütterlich gewesen war, ähnelte der auf dem Turm im Morgenwind flatternden Fahne.

»Hélène de Luneville«, stellte der Fürst vor.

Es klang wie eine Liebeserklärung. Und war es nicht so, als hielte die Welt kurz den Atem an?

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Die schwarzhaarige Schönheit zündete sich eine Zigarette an und tat den ersten tiefen Zug mit einer Entschlossenheit, als wäre es ihr letzter. Der Fürst war auch diesmal mit seinem Feuerzeug nicht schnell genug gewesen.

Dafür waren seine Bewegungen auffallend ausgewogen. Auf Celia hatte er ja spontan den angenehmen Eindruck eines in sich ruhenden Menschen gemacht.

Er schien Nichtraucher zu sein, jedoch tolerierte er allem Anschein nach, dass in seiner Umgebung geraucht wurde. Das wunderte Celia. War er nicht besorgt um die kostbare Innenausstattung der Räume? Oder bedeutete ihm die junge Frau so viel, dass er sie nicht kritisieren mochte?

Celia glaubte, neue Gesichter recht gut beurteilen und einordnen zu können. Das brachte ihr Job so mit sich, denn sie kam mit vielen Menschen zusammen. Erstaunlicherweise wurde sie jedoch aus der schönen Hélène nicht klug. Lag es daran, dass die Schweizerin trotz ihrer charmanten Ausstrahlung wirkte, als hielte sie sich die Welt auf Abstand?

Nun komm mal wieder runter, ermahnte sich Celia. Was spielt es schon für eine Rolle, wie Hélène gestrickt ist? Der Fürst ist dein Gesprächspartner, mit ihm wirst du dich in der nächsten Zeit auseinandersetzen müssen …

»Ich zeige Ihnen gleich das Haus«, sagte Hélène zu Celia. »Sie müssen doch erfahren, was uns vorschwebt.«

Da hat es aber jemand eilig, dachte Celia erstaunt.

Fürst Alexander lächelte Hélène zu. Bewundernd und sehr verliebt. Kein Zweifel, er fand sie hinreißend, atemberaubend einzigartig, kurz: Er betete sie an.

»Frau von Engelbert hat eine lange Reise hinter sich, Chérie«, erklärte er. »Sie möchte sich vielleicht ausruhen.«

Hélène zog eine Braue hoch und blies den Zigarettenrauch steil in die Luft. Dabei zuckte sie mit den Schultern.

»Chérie, Frau von Engelbert wird dir in Kürze für einen ausführlichen Rundgang zur Verfügung stehen«, versuchte der Fürst, einzulenken. »Nicht wahr, Frau von Engelbert?«

Der Architektin blieb die Antwort erspart, denn unverhofft öffnete sich eine Tür, und eine stattliche Dame Anfang sechzig betrat die Eingangshalle. Dunkle Brauen dominierten deren Gesicht und verliehen ihrem Blick etwas Gewissenhaftes.

Ihr folgte mit asthmatischem Keuchen ein Mops, dessen Speckrollen die Maße eines Sumoringers anzupeilen schienen.

»Frau von Flocke, unsere langjährige Hausdame«, stellte der Fürst respektvoll vor.

»Ich habe ein Frühstück vorbereitet«, bemerkte Frau von Flocke, die man nie anders sah als in streng geschnittenen Kostümen.

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