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Fürsten-Roman - Folge 2461

Dein Platz ist an meiner Seite

Als Prinzessin Constanzia dem Mann ihrer Träume begegnete

Von Juliane Sartena

Unerwartet erbt Constanzia Prinzessin von Beiersreuth den idyllischen Gutshof ihrer Großtante – und sie ist zutiefst gerührt. Mit seinem roten Biberschwanzdach und den dunkelgrünen Fensterläden ist das Anwesen die ideale Kulisse für ihre Hochzeit. Hier, inmitten von Wiesen und Feldern, will sie ihrem Verlobten Victor von Drewitz das Jawort geben.

Voller Tatendrang fährt die Prinzessin zu dem malerischen Fleckchen Erde, um alle Einzelheiten für ihre Hochzeit zu planen. Alles soll perfekt sein am schönsten Tag ihres Lebens! Zur Seite steht ihr der attraktive Gutsverwalter Holger Steinhoff. Doch je öfter Constanzia mit Holger zusammen ist, desto seltener denkt sie an ihren Verlobten. Und schließlich trifft sie eine folgenschwere Entscheidung …

Constanzia Prinzessin von Beiersreuth hatte schon lange nicht mehr an den alten Gutshof ihrer Großtante Henriette gedacht. Auch mit ihrer Großtante hatte sie schon längere Zeit nicht mehr gesprochen. Nun war Henriette von Beiersreuth im Alter von immerhin achtundachtzig Jahren verstorben. Und Constanzia quälte das schlechte Gewissen, weil sie nicht öfter von München auf das Gut rausgefahren war, denn sie hatte ihre Großtante gern gehabt.

»Das machen nur diese blöden Hochzeitsvorbereitungen«, sagte sie zu sich selbst. »Sie lassen einem zu nichts mehr Zeit.«

»Wie bitte?«, fragte Constanzias Mutter, Fürstin Sophia, zu deren Ohren nur ein undeutliches Murmeln gedrungen war.

»Ach nichts.« Constanzia winkte ab. »Ich habe mir nur eben Gedanken darüber gemacht, dass ich Tante Henriette öfter hätte besuchen sollen.«

»Zu solchen Gedanken besteht keinerlei Anlass. Deine Großtante war bis zu ihrem Ende eine überaus beschäftigte Person, die nicht auf Besucher angewiesen war. Du weißt doch, dass sie für ihr Gut mit dem ganzen Viehzeug gelebt hat. Bis zum letzten Atemzug hatte sie irgendwelche Pläne mit ihrer Landwirtschaft, statt den ganzen Krempel einfach zu verkaufen.«

Fürstin Sophias Tonfall verriet deutlich, dass ihr Verhältnis zu Henriette von Beiersreuth nie ganz ungetrübt gewesen war. Das rührte daher, dass Henriette von Beiersreuth und Fürstin Sophia vollkommen verschiedene Auffassungen vom Leben hatten.

Während Constanzias Großtante nicht viel auf ihren Adelstitel gegeben hatte und nie einer Arbeit aus dem Weg gegangen war, liebte Fürstin Sophia alles, was exklusiv war, beziehungsweise was sie dafür hielt. Das lag vermutlich daran, dass sie selbst aus bürgerlichen Verhältnissen stammte. Ein Umstand, den Tante Henriette ihr immer dann unter die Nase gerieben hatte, wenn Fürstin Sophia diese besonders hoch gehalten hatte. Das wiederum war etwas, was Sophia ihr schwer nachtrug.

Außerdem hatte sie wirklich nie verstehen können, wie man freiwillig mit Pferden, Schweinen, Kühen und Hühnern auf einem bescheidenen Gutshof leben konnte.

Prinzessin Constanzia hingegen hatte es immer geliebt, ihre Schulferien auf dem Gutshof ihrer Großtante zu verbringen. Nun war sie Erbin dieses Landsitzes geworden. Doch was sollte sie damit anfangen?

»Natürlich werden wir das alte Gehöft abreißen müssen«, bemerkte Fürstin Sophia, deren Gedanken in eine ähnliche Richtung gingen.

»Das kommt nicht infrage!«, widersprach Constanzia spontan.

»Ich bitte dich. Deine Großtante hat seit Jahrzehnten nichts erneuern lassen. Es ist schon fast ein Wunder, dass elektrischer Strom und fließend Wasser im Gutshaus vorhanden sind. Und die sanitären Anlagen stammen vermutlich noch aus dem Mittelalter!«

»So schlimm sind sie nicht«, gab Constanzia zu verstehen.

Die Fürstin, für die Marmorfliesen und ein Whirlpool zur Grundausstattung eines Badezimmers gehörten, runzelte die Stirn.

»Die alte Burg ist auf alle Fälle renovierungsbedürftig. Zumindest, wenn man gewisse Standards erwartet …«

»Du kannst nicht immer deine Standards als Messlatte nehmen«, widersprach Prinzessin Constanzia. »Mir reicht ein einfaches Bad. Außerdem stammen die Grundmauern des Gutshauses noch aus dem siebzehnten Jahrhundert. Wenn du hier grundlegende Veränderungen vornehmen willst, hat der Denkmalschutz auch noch ein Wörtchen mitzureden.«

Die Fürstin machte eine kleine, abfällige Geste.

»Ach Gott, der Denkmalschutz. Man hat schließlich Beziehungen. Und wozu hast du einen Verlobten, der als Stararchitekt gilt? Victor hat bestimmt gute Ideen, wie man aus dem alten Gutshaus etwas Ansprechendes und Modernes machen kann.«

Daran zweifelte Constanzia keine Sekunde. Victor von Drewitz verwandelte so ziemlich jedes alte Gebäude, für das er einen Auftrag erhielt, in einen gläsernen Kubus. Eigentlich gefiel Constanzia die Architektur ihres Verlobten nicht besonders. Sie hütete sich jedoch, das laut werden zu lassen.

»Wer sagt, dass ich etwas Modernes aus Tante Henriettes altem Gutshaus machen will?«, meinte sie stattdessen. »Mir gefällt das Alte vielleicht besser.«

»Nun ja. Mag sein, dass das Gemäuer einen gewissen romantischen Reiz als Kulisse hat«, gab Constanzias Mutter nach kurzem Nachdenken zu. »Jedoch kann man dort nicht ernsthaft wohnen. Aber wenn wir schon davon sprechen … Die Idee ist gar nicht so schlecht …«

Die Fürstin machte eine kurze Pause.

»Du und Victor könntet eure Hochzeit auf dem alten Gutshof feiern. Rustikales altes Gemäuer ist zurzeit gerade en vogue. Und immerhin war der Gutshof über Jahrhunderte hinweg ein Adelssitz, wenngleich natürlich nur für den Landadel. Man müsste selbstverständlich einen hervorragenden Partyservice beauftragen, um alles entsprechend herzurichten und die Räume in Szene zu setzen. Aber mit etwas Geschick müsste das eigentlich zu machen sein. Ich meine, die schweren, alten Möbel von Henriette stehen ja noch draußen und machen sich vermutlich ganz gut als Hintergrund.«

An ihrer Stimme war zu hören, dass sie zunehmend Gefallen an dieser Vorstellung fand.

»Was sagst du dazu?«, wandte sie sich an ihre Tochter.

»Ich weiß nicht«, erwiderte Constanzia ein wenig zögernd.

»Was heißt hier: Ich weiß nicht? Es handelt sich immerhin um deine Hochzeit, nicht um meine. Du solltest dir also auch deine Gedanken dazu machen!«, wies ihre Mutter sie zurecht.

»Na ja, ich kann ja mal Paps fragen, was er davon hält«, erklärte die Prinzessin.

Es ist typisch für sie, dass sie ihren Vater um Rat fragt, überlegte Fürstin Sophia mit einem Anflug von Eifersucht.

Constanzia war immer schon ein »Papakind« gewesen. Aber dagegen war nun mal nichts zu machen. Es war auch nicht weiter schlimm, denn Fürst Clemens würde sich mit Sicherheit nicht gegen ihre Pläne stellen.

»Du solltest nicht nur deinen Vater fragen, sondern vor allem Victor. Schließlich ist er dein Verlobter«, gab Fürstin Sophia zu bedenken.

»Schon gut. Ich nehme an, Victor wird das egal sein.«

»Das glaube ich nicht. Victor organisiert gerne.«

Die Prinzessin lachte. »Nicht so gerne wie du.«

»Möglich. Aber mit ihm kann man über solche Dinge reden …«  … im Gegensatz zu dir, schwang unausgesprochen mit.

Ihre kleine Auseinandersetzung wurde unterbrochen, als in genau diesem Augenblick Victor von Drewitz den Salon der herrschaftlichen Stadtvilla betrat.

Fürstin Sophia blickte ihm voller Wohlgefallen entgegen. Er war ein Schwiegersohn ganz nach ihrem Geschmack. Groß, schlank, gut aussehend und dabei immer auf der Höhe der Zeit. Es gab ihres Wissens keinen anderen Architekten, der – vor allem in der gehobenen Schicht – derart viele Erfolge feierte wie er.

Eigentlich komisch, überlegte Prinzessin Constanzia, während sie beobachtete, wie ihr Verlobter die Fürstin mit einem galanten Handkuss begrüßte. All die modernen Häuser, die Victor baut, sind voller Ecken und Kanten, doch er selbst hat überhaupt keine Ecken und Kanten.

Sie schämte sich ein wenig für die Kritik, die in dieser Überlegung mitschwang. Deshalb schenkte sie Victor ein besonders liebevolles Lächeln, als er auf sie zutrat.

»Wie hübsch du heute wieder aussiehst«, begrüßte er sie.

»Ganz wie es sich für eine junge Braut gehört«, bestätigte Fürstin Sophia sofort, um auf ihr Lieblingsthema zurückzukommen.

»Mama plant, unsere Hochzeit in Tante Henriettes altem Gutshaus zu veranstalten«, informierte Prinzessin Constanzia ihn.

Victors glatte Stirn legte sich kurz in Denkfalten.

»Gar keine schlechte Idee«, stellte er dann zustimmend fest.

»Nicht wahr?« Fürstin Sophia strahlte. »Ich habe schon tausend Ideen dazu. Aber am besten besprecht ihr beide das erst einmal alleine«, fügte sie dann hinzu. »Ich muss ein wenig nach dem Gärtner schauen. Er hat einfach kein Gespür für Rosen.«

Mit einem verständnisvollen Lächeln verließ sie den Raum.

Constanzia kam sich vor, als wären sie und Victor zwei Verlobte aus dem vorigen Jahrhundert, die jetzt dankbar die Gelegenheit ergreifen sollten, ihre Zweisamkeit zu genießen.

Victor lachte und schenkte sich etwas zu trinken ein.

»Deine Mutter ist köstlich, findest du nicht auch?«

Constanzia wusste nicht so recht, ob sie ihm darin zustimmen sollte. Deshalb kam sie rasch auf das Gutshaus zu sprechen, das sie gedanklich sehr beschäftigte. Allerdings nicht nur wegen der Hochzeit, sondern auch aus anderen Gründen.

»Du kennst das alte Gut doch, oder?«, fragte sie deshalb.

»Natürlich. Wir waren zusammen ein- oder zweimal bei deiner Großtante zum Tee eingeladen. Weißt du das nicht mehr?«

»Doch ja, ich erinnere mich. Tante Henriette war wirklich eine Persönlichkeit, findest du nicht auch?«

»Ich habe sie in erster Linie als sehr energische alte Dame in Erinnerung«, gab Victor zu verstehen.

»Oh ja, das kann man sagen«, stimmte Constanzia ihm lachend zu.

»Und wie findest du die Idee deiner Mutter, auf dem alten Gutshof unsere Hochzeit zu feiern?«, erkundigte sich Victor.

»Ich weiß nicht.« Constanzias Miene nahm einen verträumten Ausdruck an. »Als Kind war ich schrecklich gern dort draußen. Alles wirkt sehr altmodisch und ein wenig aus der Zeit herausgefallen. Tante Henriette war nie für Neuerungen.«

»Das könnte natürlich ein Problem sein«, hakte Victor sofort ein. »Man sollte das Haus vielleicht erst renovieren, bevor man dort irgendwelche Festivitäten plant. Ich könnte einen Entwurf dazu machen …«

»Nein, auf keinen Fall!«, widersprach die Prinzessin direkt. »Ich möchte nichts verändern. Zumindest nicht gleich.«

»Ganz wie du meinst«, erklärte Victor von Drewitz ein wenig gekränkt.

»Du musst verstehen, es war mein Kindheitsparadies«, versuchte Constanzia ihn zu trösten, da sie seine leichte Verstimmung spürte.

»Schon gut.«

»Am besten, ich fahre erst mal raus und schaue mir alles noch einmal an. Ich war seit Tante Henriettes Tod nicht mehr auf dem Gut«, meinte Constanzia nach kurzem Nachdenken.

»Na gut«, stimmte Victor ihr zu. »Wenn du meinst, dann fahr hinaus in dein altes Kindheitsparadies. Vermutlich wirst du enttäuscht sein. Soll ich dich begleiten?«

Sie schenkte ihm ein Lächeln.

»Nein danke, das ist lieb von dir. Aber das kann ich auch allein machen. Du hast heute ja sicherlich noch etwas vor. Ich nehme dafür Senna mit.«

Senna war Constanzias reichlich verzogene Mischlingshündin. Obwohl Senna immer wieder mal ausbüxte, durfte die Hündin ihre Herrin fast überallhin begleiten.

»Wir sehen uns dann morgen«, sagte Constanzia, ehe sie sich mit einem höflichen Kuss von Victor verabschiedete.

***

Prinzessin Constanzia kam nachmittags auf dem Gutshof an.

Der blaue Sommerhimmel, der bereits am Morgen versprochen hatte, dass es heiß werden würde, wölbte sich über die malerische Vorgebirgslandschaft. Inmitten grüner Wiesen, Felder und Waldstücke lag das alte Gutshaus.

Obwohl Tante Henriette ständig in Geldnöten gewesen war, hatte sie sich ein Leben lang geweigert, auch nur einen Zentimeter Land ihres Besitzes zu verkaufen. Das hatte die erfreuliche Folge, dass keinerlei Zersiedlung stattgefunden hatte. Glücklicherweise hatte sie sich auch stets der Flurbereinigung verweigert.

Während Prinzessin Constanzia ihren Blick über den herrlichen alten Baumbestand und die großzügigen Hecken schweifen ließ, dankte sie ihrer Großtante vielmals dafür.

Als Senna bellte, öffnete Constanzia ihre Autotür, um sie herauszulassen.

»So, da wären wir«, sagte sie dabei zu ihrer Hündin, die erwartungsvoll hechelte. »Was sagst du dazu? Ein wunderschöner Platz, nicht wahr? Und weil du so brav warst, machen wir als Erstes einen kleinen Spaziergang über die Felder.«

Während sie ihren Rundgang machten, stellte Constanzia fest, dass ein Teil des Getreides bereits abgeerntet war. Der andere Teil stand noch aus.

Senna genoss ihren Auslauf nach der Autofahrt. Immer wieder zuckten ihre Ohren, und sie nahm mit ihrer Schnauze Witterung auf. Hier gab es herrlich viele Gerüche und Fährten!

Constanzia wählte eine große Runde. Sie erinnerte sich daran, wie sie gemeinsam mit ein paar Kindern aus dem Dorf in einem Maisfeld Verstecken gespielt hatte. Anschließend hatten sie ihre Füße in einen kleinen Bach hängen lassen und Eis am Stiel geschleckt.

Constanzia lächelte. Sie kam zu dem Schluss, dass dieses Stück Land nicht nur ein Kindheitsparadies von ihr war. Auch ganz objektiv betrachtet, war es ein paradiesisches Stück Erde.

Was für einen Frieden hier alles ausstrahlte!

Dieser Friede wurde jedoch im selben Augenblick unterbrochen. Senna hatte ein Reh gesichtet und stürmte wild bellend darauflos.

Man soll sich eben nie zu früh freuen, dachte Constanzia seufzend, während sie durch Rufen und Pfeifen versuchte, Senna zurückzuholen. Doch die Hündin war in gehobener Jagdstimmung und dachte – wie meistens – gar nicht daran, auf ihre Herrin zu hören.

Es war mehr als unwahrscheinlich, dass die gut genährte, kurzbeinige Hündin das flüchtende Reh jemals würde einholen können. Dennoch war Constanzia verärgert über Sennas Ungehorsam.

»Können Sie Ihren Hund denn nicht besser erziehen?«, ließ sich eine ungehaltene, männliche Stimme hinter ihr vernehmen. »Er scheucht mir hier noch das ganze Wild auf!«

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