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Fürsten-Roman - Folge 2458

Ich warte auf dich in Florenz

Entscheidet sich die hübsche Christina für die Liebe?

Von Nina Gregor

Christina Gräfin von Siedenstein lernt in Florenz auf der Hochzeit ihrer Freundin Elena den attraktiven Italiener Matteo Rosario kennen und fühlt sich sofort zu ihm hingezogen. Auch Matteo hat nur Augen für die blonde Schönheit, und die beiden lassen keinen Tanz aus. Sie kommen sich näher und verbringen traumhafte Tage voller Zärtlichkeit miteinander.

Als Christina eine Woche später wieder nach Deutschland zurückfliegen muss, ist für beide klar: Es ist die große Liebe. Also verspricht die junge Gräfin, so bald wie möglich nach Italien zurückzukehren.

Doch als Christina zu Hause ankommt, erlebt sie eine böse Überraschung …

Unschlüssig ließ Christina von Siedenstein ihre Blicke durch die Ankunftshalle des Flughafens von Florenz schweifen.

Paare umarmten sich voller Wiedersehensfreude, ein kleines Mädchen lief mit wehenden blonden Locken auf eine ältere Frau zu und warf sich ihr mit einem jauchzenden »Nonna!«, in die Arme.

Nur sie, die junge Gräfin von Siedenstein, fühlte sich sonderbar alleingelassen, weil sie von niemandem erwartet wurde. Dabei hätte sie sich doch denken können, dass ihre Freundin Elena so kurz vor ihrer Hochzeit anderes zu tun hatte, als sie vom Flughafen abzuholen. Das konnte Christina ihr nicht verübeln.

Und es war ja auch kein Problem, mit einem Taxi nach Fiesole zur Villa der Familie di Nantare zu fahren, in der an diesem Wochenende die Hochzeit Elenas mit dem jungen Conte Tiziano stattfinden sollte.

»Verzeihung, Signorina«, klang da eine angenehme Männerstimme in Christinas Gedanken. »Contessa von Siedenstein? Christina von Siedenstein?«

Christina fuhr herum – und hielt unwillkürlich den Atem an, als sie im nächsten Moment in strahlend grünen Augen versank.

Der Mann, zu dem sie gehörten, sah umwerfend aus. Er war sehr groß, schlank und hatte schwarzes Haar. Seine langen Beine steckten in verwaschenen Jeans. Dazu trug er eine lässige Lederjacke. Er mochte Anfang bis Mitte dreißig sein.

Der Fremde sprach perfektes Deutsch, und nur ein winziger, charmanter Akzent verriet seine italienische Herkunft.

Unwillkürlich schlug Christinas Herz schneller.

»Ja …« Ihre Stimme klang belegt, sie räusperte sich und betete darum, unter seinem bewundernden Blick nicht wie ein naiver Teenager zu erröten, spürte aber gleichzeitig verräterische Wärme ihren Hals hinauf in ihre Wangen kriechen. Ärgerlich über sich selbst, ergänzte sie unwillig: »Ja, die bin ich. Aber ich wüsste nicht, was Sie das …«

Er hob beschwichtigend die Hände. »Ich bin Matteo Rosario«, erwiderte er unbeeindruckt freundlich, »ein Freund von Elena und Tiziano. Elena hat mich gebeten, Sie abzuholen, da sie selbst unmöglich herkommen konnte.«

»Das … das wäre wirklich nicht nötig gewesen.« Jetzt geriet Christina zu allem Überfluss auch noch ins Stottern!

Himmel, was für einen Eindruck bekam er von ihr?

»Aber natürlich, das ist für mich selbstverständlich«, versicherte Matteo Rosario mit einem hinreißenden Lächeln. »Zumal Elena mir vorgeschwärmt hat, was für eine bezaubernde Schönheit ihre beste Freundin ist. Und ich muss zugeben, sie hat dabei maßlos untertrieben, Contessa.«

Christina gelang ein spöttisches Lächeln. »Und Sie, mein lieber Signor Rosario, übertreiben das Süßholzraspeln maßlos.«

»Matteo«, korrigierte er sanft, und seine Augen funkelten vor Vergnügen. »Sagen Sie einfach nur Matteo. Und ich darf Sie Christina nennen?«

Himmel, nein, was bildet dieser Typ sich nur ein?, dachte Christina. Doch anstatt das auch zu sagen, hauchte sie ein hilfloses: »Ja …«

»Na, dann wollen wir Elena nicht unnötig lange warten lassen. Im Übrigen gibt es einladendere Orte als Ankunftshallen in Flughäfen.«

Ehe Christina protestieren konnte, schnappte er sich den Gepäckwagen und hakte die Gräfin unter. Sie ließ es wortlos geschehen.

***

Die Sonne schien strahlend vom leuchtend blauen Himmel, als die beiden jungen Leute das Gebäude verließen und Matteo Christina zu einem verbeulten Kleinwagen führte, der so gar nicht zu dem attraktiven Mann passen wollte.

»Entschuldigen Sie, das Auto habe ich mir von einem der Leihdiener ausgeborgt«, erklärte Matteo im nächsten Moment lachend, als habe er ihre Gedanken erraten. »Mein eigener Wagen war hoffnungslos zugeparkt, denn rund um die Villa Nantare herrscht Ausnahmezustand, aber das werden Sie gleich selbst sehen.«

Matteo plauderte charmant, während er das uralte Vehikel virtuos durch den Florentiner Verkehr hinaus nach Fiesole lenkte.

Inzwischen hatte Christina ihre übliche Schlagfertigkeit wiedergefunden, und so konterte sie so manche Bemerkung von ihm scharfzüngig, was ihn aber nicht störte, sondern mehr als einmal amüsiert auflachen ließ. Humor hatte der Mann, das musste man ihm lassen.

»Ich hoffe, Sie reservieren mir heute Abend den ein oder anderen Tanz. Schließlich sind wir beide die Trauzeugen.«

Christinas Herz klopfte unwillkürlich schneller, denn das bedeutete, dass sie ihm in den nächsten Tagen nicht wirklich aus dem Weg gehen konnte. Aber hatte sie überhaupt die Absicht, dies zu tun? Immerhin war Matteo ein Prachtexemplar seiner Spezies und sie zurzeit weder verliebt noch sonst irgendwie verbandelt.

Was sprach also gegen einen harmlosen kleinen Flirt? Solange alles im Rahmen blieb und sie sich nicht die Finger verbrannte … Denn keineswegs wollte sie mit einem gebrochenen Herzen zurück nach Deutschland fliegen.

***

Wenig später blieb Florenz hinter ihnen zurück, der klapprige Wagen bog in die schmale Zufahrtsstraße ein, die zum prachtvollen Anwesen der Familie Nantare hinaufführte.

Schnaufend kämpfte sich das Fahrzeug durch die engen Kurven bergan. Und dann sah Christina, was Matteo vorhin mit Ausnahmezustand gemeint hatte. Nicht nur auf der Zypressenallee parkten die Fahrzeuge der Hochzeitsgäste dicht an dicht, sondern auch in sämtlichen Feldwegen und auf jedem anderen freien Fleck.

»Na, habe ich übertrieben?« Matteo grinste belustigt.

»Im Gegenteil.« Christina seufzte auf. »So etwas habe ich hier noch nie erlebt. Normalerweise ist die Villa Nantare ein Ort des Friedens.«

»Immerhin heiratet der älteste Sohn und Erbe in eine bedeutende kalabrische Adelsfamilie ein. Eine Traumhochzeit im wahrsten Sinn des Wortes. Die Medien überschlagen sich seit Monaten vor Begeisterung.«

Tatsächlich entdeckte Christina mehrere Übertragungswagen italienischer Fernsehsender. Pressefotografen stritten um die besten Plätze in den Bäumen rund um das Anwesen.

»Die Sicherheitsleute geben ihr Bestes«, versicherte Matteo. »Aber diesem Ansturm öffentlichen Interesses sind sie schwerlich gewachsen.«

Trotz der Belagerung gelangten Christina und Matteo ungehindert an ihr Ziel. Auf dem Grün des Rasens und über sämtliche Wege, die das Anwesen umgaben, flanierten Menschen in kleinen oder größeren Gruppen. Sie waren in lebhafte Gespräche vertieft, und Christina entdeckte Freunde und Bekannte, denen sie grüßend zuwinkte.

Matteo schnappte sich ihr Gepäck und schüttelte grinsend den Kopf, während sie die Stufen der Freitreppe erklommen.

»Wie lange wollen Sie bleiben?«, erkundigte er sich. »Ein paar Tage oder doch eher Monate?«

Christina stimmte in sein Lachen ein. »Eine Frau muss für alle Eventualitäten gewappnet sein, wussten Sie das nicht?«

Er betrachtete sie eingehend, ehe er erwiderte: »Sie sind von Natur aus schön, Christina, irgendwelchen Tand haben Sie wahrhaftig nicht nötig.«

Dabei klang er so aufrichtig, dass ihr Herz wieder einmal höherschlug.

Oben schwang das Portal auf, und eine zierliche Person, der das Glück geradezu aus den Augen sprang, fiel Christina ungestüm um den Hals. Die Freundinnen begrüßten sich mit herzlichen Wangenküssen und einem amüsanten Kauderwelsch aus Deutsch und Italienisch.

Matteo übergab Christinas Gepäck einem der zahllosen dienstbaren Geister und verabschiedete sich mit der Bemerkung: »Es scheint so, als würde ich nicht mehr gebraucht. Aber nicht vergessen, Christina: Der erste Tanz heute Abend gehört mir!«

»Wir werden sehen …«, erwiderte die Gräfin leichthin, konnte es sich aber nicht verkneifen, ihm kurz hinterherzusehen.

»Ein fesches Mannsbild, das durchaus einen zweiten Blick wert ist, stimmt’s?«, kommentierte Elena mit einem vielsagenden Lächeln. »Du musst nicht rot werden. Matteo ist der Schwarm aller weiblichen Wesen zwischen acht und achtzig, einschließlich mir. Ich habe dir übrigens das Zimmer neben seinem gegeben.«

»Elena!«

Christinas Empörung verpuffte angesichts der belustigt funkelnden Augen ihrer Freundin.

Dann hakte Elena sie unter und zog sie zu der Treppe, die in die oberen Stockwerke führte.

»Also, wie gesagt, Matteo wohnt gleich nebenan«, bekräftigte Elena, als sie am Ende eines schier endlosen Korridors vor einer der Türen stoppte. »Allerdings ist die Verbindungstür zwischen den beiden Zimmern abgeschlossen«, ergänzte sie, als sie den sonnendurchfluteten Raum betraten. »Ich könnte dir aber den Schlüssel besorgen …«

»Hältst du mich wirklich für so eine zügellose Person?«, empörte Christina sich, konnte sich das Lachen aber kaum verkneifen.

»Im Gegenteil, für viel zu tugendhaft«, gab Elena zurück. »Manchmal würde eine gewisse Leichtigkeit dir durchaus zu Gesicht stehen.«

»Ich werde mich bemühen.« Christina trat an das große Fenster und öffnete es weit.

Der Blick über Fiesole bis nach Florenz, das wie ein kostbares Juwel im gleißenden Sonnenschein lag, war einzigartig.

***

Es wurde ein unvergesslicher Abend, an dem Gräfin Christina kaum einen Tanz ausließ. Irgendwie schaffte Matteo es immer wieder, schneller als alle anderen zu sein, die sie ebenfalls gern über das spiegelnde Parkett geführt hätten.

»Sie sehen hinreißend aus, Christina«, schwärmte er mit einem bewundernden Lächeln. Sein Blick schien sich regelrecht an ihrem Gesicht festzusaugen. »Wenn ich bedenke, dass ich die Hochzeit beinahe aus Zeitgründen abgesagt hätte … Welch eine Tragödie!«

»Ja, ich fürchte, Ihre Abwesenheit hätte hier so manches Herz gebrochen.« Christina stimmte in sein ansteckendes Lachen ein und begehrte nicht auf, als er sie noch ein wenig enger an sich zog.

»Mir geht es nur darum, das Herz einer Einzigen zu erobern«, versicherte er mit einem tiefen Blick in ihre Augen.

Christina drohte, in dem leuchtenden Grün zu versinken wie in einem unergründlichen Bergsee. Wie konnte ein Mann nur ungestraft solch faszinierende Augen haben?

Doch irgendwann dachte sie gar nicht mehr nach, sondern gab sich ganz dem Zauber des Abends hin. Sie war gefangen von der Magie des Augenblicks und der Nähe des Mannes, der mit der Stärke eines Orkans in ihr Leben gefegt war.

Sie tanzten, bis ihre Füße schmerzten, und wenn sie sich zwischendurch an der Bar mit Champagner erfrischten, konnte Christina es kaum erwarten, endlich wieder in seinen Armen zu liegen und die Wärme seiner Haut zu spüren.

»Gibt es eigentlich jemanden in deinem Leben?«, fragte er unvermutet in ihre Gedanken hinein.

»Nein«, antwortete sie viel zu schnell, um gleich darauf hinzuzufügen: »Und bei dir?« Wie selbstverständlich waren sie ins vertraute Du verfallen.

Matteo hob ihr Gesicht mit dem Zeigefinger sanft an und zwang sie so, ihn anzusehen. Beinahe atemlos wartete sie auf seine Antwort, mit der er sich viel Zeit ließ, wie es ihr schien. Oder waren es nur Bruchteile von Sekunden?

»Nein«, erwiderte er endlich. »Mir ist nie die Richtige begegnet.«

Dann neigte er sich über sie, und seine Lippen berührten ihre so hauchzart, dass sie beinahe fürchtete, sich den Kuss nur eingebildet zu haben.

Um Mitternacht zog das künftige Ehepaar sich zurück, da es noch einen anstrengenden Tag vor sich hatte: die Zeremonie auf dem Standesamt, die kirchliche Trauung, der anschließende Empfang mit mehrgängigem Menu und der Hochzeitsball am Abend.

Im Hinausgehen sah Elena sich suchend um, und als sie Christina unter den Tanzenden ausmachte, zwinkerte sie ihrer Freundin vielsagend zu. Die spürte zarte Röte in ihre Wangen steigen und betete darum, dass Matteo es nicht bemerkte. Doch der hatte gerade in diesem Moment einen Freund entdeckt, dem er unbekümmert zuwinkte.

Und dann war der verräterische Augenblick auch schon vorüber. Er zog sie erneut eng an sich, und sie schmiegte sich fest an seine Brust. Wie von selbst folgten sie dem Takt der Musik.

So etwas, dachte Christina, hatte sie noch nie erlebt. Nie zuvor hatte sie mit einem Mann derart harmoniert wie mit Matteo. Ob vielleicht mehr daraus werden konnte, als ein harmloser Flirt?

Himmel, wohin verstiegen sich ihre Gedanken? Sie kannten sich gerade ein paar Stunden, wussten nicht mehr voneinander als ihre Namen und woher sie kamen. Da konnte man doch nicht an eine gemeinsame Zukunft denken!

Und doch hatte sie das Gefühl, als hätte sie all die Jahre nur auf diesen Mann gewartet.

Irgendwann zwischen Tag und Traum endete die Musik, und die wenigen Unentwegten zogen sich auf ihre Zimmer zurück.

Beschwingt folgte Christina Matteo die breite Treppe hinauf zu den Gästezimmern. Viel zu schnell fanden sie sich vor ihrer Zimmertür wieder und standen sich für einen Moment unschlüssig gegenüber.

Matteo sah Christina lächelnd in die Augen, dann beugte er sich zu ihr herab und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange.

Gräfin Christina wurde von dem plötzlichen Wunsch überwältigt, sich in seine Arme zu werfen und ihn für immer festzuhalten. Doch noch ehe sie in irgendeiner Form reagieren konnte, war er zu seiner eigenen Tür gegangen, hatte diese aufgeschlossen und war drinnen verschwunden.

Sekundenlang verharrte Christina in der Bewegung, schwankte zwischen Enttäuschung und Erleichterung, dann zog sie ebenfalls ihren Schlüssel hervor und schob ihn ins Schloss. Gerade als sie ins Zimmer gehen wollte, wurde die Tür nebenan erneut geöffnet, und Matteo streckte den Kopf hinaus.

»Gute Nacht«, wünschte er lächelnd.

»Ja, schlaf gut«, erwiderte Christina, doch da war er schon wieder verschwunden.

Für den Rest der Nacht wälzte Gräfin Christina sich unruhig zwischen den Laken. Sie war gleichzeitig todmüde und hellwach.

Die vergangenen Stunden hatten sie völlig durcheinandergebracht, und das Wissen, nur durch eine Tür von Matteo getrennt zu sein, machte es auch nicht besser. Was, wenn die Tür doch nicht abgeschlossen war, wie Elena behauptet hatte?

Sie widerstand der Versuchung, nachzusehen, trat stattdessen auf den Balkon hinaus und atmete tief die klare Nachtluft ein. Unter ihr lag ein glitzerndes Lichtermeer, während über den sanften Hügeln bereits der neue Tag heraufdämmerte, den sie erneut mit Matteo verbringen würde.

***

Der nächste Tag war vor allem Elenas und Tizianos seit Monaten herbeigesehnter großer Tag.

Die standesamtliche Trauung fand auf der schattigen Terrasse statt. Von dort aus hatte man einen traumhaften Blick auf die Stadt am Arno.

Elena und Tiziano hatten nur Augen füreinander, und als der Standesbeamte sie nach dem Ringtausch aufforderte, ...

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