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Fürsten-Roman - Folge 2457

Intrige auf Schloss Sweekhorst

Als Prinzessin Inga ihr Gedächtnis verlor

Von Klara Rosenthal

Justus Prinz von Sweekhorst und seine Frau Inga sind frisch verheiratet und sehr glücklich miteinander. Was die beiden nicht ahnen: Es gibt eine Neiderin, die ihnen ihr Glück nicht gönnt – Justus’ Cousine Cosima. Fieberhaft überlegt die schöne Gräfin, wie sie Inga aus dem Weg räumen kann, um Justus für sich zu gewinnen …

Eines Tages erhält Justus einen Brief ohne Absender, in dem er Fotos von Inga und einem fremden Mann findet, die beiden umarmen sich. Der junge Fürst kann es kaum glauben: Seine Inga betrügt ihn? Justus will seine Frau um eine Erklärung bitten, doch noch bevor es dazu kommen kann, verunglückt Inga schwer und verliert ihr Gedächtnis. Wird Justus nun jemals eine Erklärung für die belastenden Fotos bekommen?

»Habe ich dir heute eigentlich schon gesagt, wie schön du bist?«

Mit einem strahlenden Lächeln zog Justus Prinz von Sweekhorst die geliebte Frau in seine Arme und hielt sie fest umschlungen. Voller Zärtlichkeit ruhte sein Blick für einen Moment auf dem ebenmäßigen, schmalen Gesicht, bevor sich ihre Lippen zu einem leidenschaftlichen Kuss trafen.

Lange standen sie so eng umschlungen beieinander, küssten sich, schauten sich tief in die Augen und küssten sich wieder. Wie immer in solchen Momenten hatte Justus das Gefühl, sein Herz müsse ihm vor Glück zerspringen.

Seit anderthalb Jahren waren Inga und er jetzt verheiratet, und er war noch genauso verliebt in sie wie am allerersten Tag. Nur dass er sie jetzt auch noch mit jeder Faser seines Herzens liebte und er sich nicht vorstellen konnte, dass das jemals aufhören könnte.

Dabei hatte es am Anfang gar nicht danach ausgesehen, als ob aus ihnen einmal ein Paar werden würde. Er hatte sehr kämpfen müssen – erst um Ingas Liebe, dann darum, sie heiraten zu dürfen. Aber er war sich vom ersten Augenblick an so sicher gewesen, dass Inga die Frau war, mit der er leben und alt werden wollte, dass sie die Mutter seiner Kinder sein sollte – wie hätte er da nicht kämpfen sollen? Und er hatte es bis heute nicht eine einzige Sekunde bereut.

Nie würde er diesen Tag vergessen, an dem sie sich das erste Mal begegnet waren und ihn die Liebe getroffen hatte wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Dieser Moment war so überraschend und überwältigend gewesen, dass er heute noch das Gefühl hatte, jemand zöge ihm den Boden unter den Füßen weg, wenn er sich daran erinnerte.

Manchmal meinte Justus, dass ihn die Erkenntnis auch deshalb so erschüttert hatte, weil er zu jenem Zeitpunkt an alles Mögliche gedacht hatte, nur nicht ans Heiraten – ganz im Gegensatz zu seinen Eltern. Das Fürstenpaar war ganz entschieden der Meinung gewesen, es sei für ihn mit Anfang dreißig nun wirklich an der Zeit, sich ernsthaft zu binden und eine Familie zu gründen.

Im Widerspruch dazu hatte sich sein Vater später, als Justus ihnen Inga als die Frau seines Lebens vorgestellt hatte, tatsächlich zu der Bemerkung hinreißen lassen, er habe doch noch genügend Zeit, sich umzuschauen. Mit einer Heirat könne er sich ruhig Zeit lassen.

Zum ersten Mal waren Inga und er sich auf einer Modenschau im fürstlichen Modehaus begegnet.

Justus hatte das Ereignis von der Planung bis zur Aufführung der Kollektion begleitet, nachdem er ein Jahr zuvor – nach seinem Wirtschaftsstudium und verschiedenen Tätigkeiten in internationalen Konzernen – nach Hause zurückgekehrt war, um sich auf die Übernahme des Traditionshauses derer von Sweekhorst vorzubereiten.

Sein Vater, Karl Friedrich Fürst von Sweekhorst, hatte mit Anfang sechzig einen schweren Herzinfarkt erlitten, von dem er sich nur langsam erholte. Also hatte er beschlossen, sich mit spätestens fünfundsechzig aus dem Geschäftsleben zurückzuziehen.

Als einzigem Sohn und Alleinerben war Justus – der sich nie hatte vorstellen können, mit seinem Vater zusammenzuarbeiten, und deshalb jeden Gedanken daran stets erfolgreich verdrängt hatte – nicht viel anderes übrig geblieben, als dem Ruf der Familie zu folgen. Trotz seines unkonventionellen Lebens während des Studiums war er doch zu sehr Kind seiner konservativen Erziehung, als dass er sich ernsthaft dagegen gesperrt hätte.

Dass er später dennoch beinah gezwungen gewesen wäre, mit seinem Elternhaus zu brechen, hatte Justus Inga nie erzählt. Es hätte sie nur unnötig belastet. Hatte sie es doch ohnehin schon schwer genug gehabt, dem anfänglichen Dünkel seiner Eltern zu begegnen … Sie musste nicht wissen, dass diese ernsthaft daran gedacht hatten, ihn zu enterben.

Er selbst wollte auch gar nicht mehr an die vielen Auseinandersetzungen und Streitereien denken, die er mit seinen Eltern ausgefochten hatte. Vor allem Fürstin Eleonore hatte sich nicht damit abfinden wollen, dass ihr Sohn eine Bürgerliche – noch dazu ein Model! – zur Frau nehmen wollte.

Aber nicht nur seine Eltern hatten sich gegen diese unstandesgemäße Beziehung gewehrt, auch Inga hatte lange nichts davon wissen wollen. Während Justus bei anderen Frauen die Erfahrung gemacht hatte, dass sie sich durchaus geschmeichelt fühlten, von einem Fürstensohn umworben zu werden, hatte Inga seine Annäherungsversuche entschieden abgewehrt.

Erst viel später hatte sie ihm gestanden, dass sie sich ebenfalls sofort in ihn verliebt hatte.

Nichts davon war ihr in der ersten Zeit anzumerken gewesen. Spröde war sie gewesen, abweisend; geradezu auffällig ihr Bemühen, ihm möglichst nicht allein zu begegnen. Ständig hatte sie sich in dem Pulk der anderen jungen Frauen versteckt, die eine Zeit lang in dem Modehaus ein- und ausgegangen waren, um für die große Schau vor internationalem Publikum zu proben.

Als Justus Inga endlich im Arm gehalten und in ihren intensiv grünen Augen die gleiche Liebe gesehen hatte, die er für sie empfand, hatte er gemeint, der glücklichste Mann auf der Welt zu sein. Und daran hatte sich bis heute nichts geändert.

»Wenn wir noch länger hier stehen bleiben, werden wir noch Wurzeln schlagen«, holte ihn Inga in liebevoll-spöttischem Ton in die Wirklichkeit zurück.

Während er sie mit einem Arm immer noch fest an sich gepresst hielt, machte Justus mit dem anderen eine weit ausholende Bewegung und zuckte mit den Schultern.

»Ist doch ein wunderschöner Platz hier, um festzuwachsen«, stellte er schmunzelnd fest. »Solange ich dich dabei im Arm halten darf …«

Es war in der Tat ein idyllischer Ort, an dem sie sich befanden. Die kleine Rasenfläche, in deren Mitte sich eine moosbewachsene, von Wind und Wetter glatt geschliffene steinerne Skulptur erhob, war von uralten Bäumen umgeben, durch deren dichtes Laub vereinzelte Sonnenstrahlen blitzten. Riesige Rhododendronbüsche schützten das Paar vor neugierigen Blicken aus Richtung des Schlosses, das auf einer leichten Anhöhe stand.

Behutsam löste Inga sich aus Justus’ Umarmung, nahm seine Hand und zog ihn hinter sich her.

»Ich weiß nicht, ob ich das auf Dauer gut fände«, meinte sie lachend, »außerdem habe ich Hunger.«

»Den dreien macht es doch auch nichts aus«, sagte Justus und deutete mit dem Kopf in Richtung der Skulptur, an der sie gerade vorbeigingen. Sie stellte ein eng beieinander stehendes Elternpaar dar. Der Mann hatte den Arm um die Schulter der Frau gelegt, beide betrachteten sie das Kind, das – in Tücher gehüllt – in den Armen der Frau lag.

Justus hielt kurz inne, ging aber sofort weiter, als er den leisen Schatten bemerkte, der für Sekundenbruchteile über Ingas Gesicht huschte.

Als Inga nach der Hochzeit auf Schloss Sweekhorst eingezogen war, hatten sie auf ihren Spaziergängen durch den Schlosspark oft bei diesem Paar Halt gemacht und darüber geredet, dass sie auch bald zu dritt sein würden. Doch ihr Herzenswunsch hatte sich bis jetzt noch nicht erfüllt, und Justus wusste, dass Inga darunter litt, wenngleich sie sich den Anschein gab, es wäre nicht so.

Obwohl sie sonst über alles miteinander reden konnten, war dies ein heikles Thema, das sie inzwischen beide zu vermeiden versuchten. In ihrer Vorstellung war es völlig selbstverständlich gewesen, dass ihre Liebe so bald wie möglich von einem Kind gekrönt werden würde. Dass dieses Kind so lange auf sich warten ließ, verwirrte und beunruhigte sie.

»Da fällt mir ein, ich habe ja ganz vergessen, dir eine wichtige Neuigkeit zu erzählen«, sagte Justus betont munter. Er war froh darüber, eine Möglichkeit gefunden zu haben, die drohende Schweigsamkeit zu verdrängen, die sie unweigerlich auf ihrem Rückweg zum Schloss begleitet hätte.

»Ach, und das wäre?«, fragte Inga in dem gleichen Tonfall.

»Wir haben die Stelle des Chefdesigners endlich neu besetzen können!«, entgegnete Justus enthusiastisch und zog Inga dichter zu sich heran.

Lausbübisch grinsend legte er den Arm um ihre Taille und küsste sie auf die Wange.

»Mit anderen Worten: Du wirst mich in Zukunft wieder öfter zu Gesicht kriegen.« Er küsste sie erneut. »Jedenfalls gehen Vater und ich davon aus, dass Cosima mich entsprechend entlasten wird. Sie hat in den besten Häusern gearbeitet, bringt also viel Erfahrung und Kompetenz mit.«

»Ihr habt euch für eine Frau entschieden?«

Justus schaute Inga erstaunt an. »Ist das ein Problem?«

»Nein, natürlich nicht!« Inga schüttelte vehement den Kopf. »Kennst du sie näher?«

»Allerdings! Wobei ich dazu sagen muss, dass wir uns schon einige Jahre nicht mehr gesehen haben. Cosima Erbgräfin von Langenfeld-Auerbeck ist eine Cousine dritten Grades von mir.« Justus lachte. »Ich glaube, meine Eltern haben mal darauf spekuliert, dass wir heiraten, aber das kam weder für Cosima noch für mich infrage. Ehrlich gesagt glaube ich, sie fand mich immer ziemlich blöd, jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, dass sie besonders freundlich zu mir gewesen wäre.«

»Und du?«

»Was, und ich?«

»Wie fandest du sie?«

»Eher zickig, nicht mein Typ.« Justus machte eine abwehrende Geste. »Sie war halt eine von vielen, die man auf den ewigen Familienfesten traf und denen man bei den Séjours oder Bällen auf den Füßen herumtrat. Wie du weißt, bin ich kein besonders guter Tänzer. Kein Wunder also, dass sie nicht viel Sympathie für mich hegte.«

»Und jetzt willst du mit ihr zusammenarbeiten?«

»Ich will doch hoffen, dass sie inzwischen auch erwachsen geworden ist. Bei unseren Telefonaten, die wir in der letzten Zeit geführt haben, konnte ich jedenfalls nichts Negatives feststellen. Und was ihr Können betrifft, wird sie auf jeden Fall ein Gewinn für unser Modehaus sein.«

»Wann fängt sie an?«

»In ungefähr drei Wochen. Sie ist im Moment noch in den Staaten. Mein Vater hat sie übrigens eingeladen, erst einmal auf Schloss Sweekhorst zu wohnen. Er war auch die treibende Kraft hinter Cosimas Anstellung. Ich hoffe, das ist in Ordnung für dich?«

Inga hob die Augenbrauen. »Wieso sollte es das nicht sein? Immerhin gehört sie zur Familie. Außerdem ist das Schloss groß genug, da kann man sich notfalls auch aus dem Weg gehen.«

»Ich hoffe trotzdem, dass das nicht nötig ist. Vielleicht werdet ihr ja sogar Freundinnen, das wäre doch schön, oder?«

***

»Da seid ihr ja endlich!«

Eleonore Fürstin von Sweekhorst kam im selben Moment die Freitreppe herunter, in dem Justus und Inga in die Eingangshalle des Schlosses traten.

»Ich komme gerade aus dem Seitentrakt, weil ich nach euch schauen wollte«, fügte sie in vorwurfsvollem Ton hinzu, obwohl diese Tatsache mehr als offensichtlich war.

Das Fürstenpaar bewohnte den unteren Teil des Schlosses, während sich oben die Räumlichkeiten von Justus und Inga sowie die Gästezimmer befanden.

»Du hättest Georg fragen sollen. Der hätte dir sagen können, dass wir einen Spaziergang im Park machen. Wir haben uns vorhin quasi bei ihm abgemeldet.« Justus verzog sein Gesicht zu einem leichten Grinsen. »Was gibt es denn so Dringendes, dass du uns suchen musst? Hoher Besuch?«

Um Ingas Lippen zuckte ebenfalls ein kleines Lächeln, schnell schaute sie zu Boden. Justus wusste ebenso gut wie sie, dass sich kein Besuch angekündigt hatte, sondern dass die versteckte Rüge ihrer Schwiegermutter einzig und allein ihrem Zuspätkommen galt. Allerdings konnte die Fürstin Justus damit nicht beeindrucken.

So manches Mal wünschte Inga sich, sie könnte mit der Strenge und dem ständigen Tadel der Fürstin ebenso locker umgehen wie ihr Mann, doch davon war sie weit entfernt. Beklommen schaute sie der elegant gekleideten Frau entgegen, die gemessenen Schrittes die Treppe herunterkam und sie beide mit unbewegter Miene musterte.

Inga schien es, als ob der Blick ihrer Schwiegermutter besonders strafend auf ihr ruhte.

»Du weißt, dass dein Vater viel Wert auf pünktliche Mahlzeiten legt«, sagte Fürstin Eleonore streng. Dabei schaute sie Inga missbilligend an, die eine weiße Leinenhose und ein sommerliches Top trug. »Zum Umziehen bleibt keine Zeit mehr. Ich fürchte, du wirst in diesem Aufzug zu Tisch kommen müssen.«

»Ich gehe mich trotzdem schnell frisch machen«, erwiderte Inga hastig und eilte an der Fürstin vorbei die Treppe nach oben. Dabei nahm sie immer zwei Stufen auf einmal, wohl wissend, dass auch das den Unmut der Fürstin hervorrufen würde.

Doch im Grunde war das auch ziemlich egal. Sie konnte machen, was sie wollte, unter den Augen von Fürstin Eleonore fand sie selten Gnade.

Während Inga sich die Hände wusch und ihre naturblonden Haare zusammenband, um sie zu einer halbwegs akzeptablen Frisur hochzustecken, musste sie daran denken, wie viel Mühe sie sich am Anfang gegeben hatte, den hohen Ansprüchen des Fürstenpaares zu genügen. Sie hatte sogar Verständnis für die Enttäuschung gehabt, die Justus’ unstandesgemäße Heirat bei seinen Eltern hervorrief!

Allerdings hatte sie es sich etwas leichter vorgestellt, deren Vorbehalte zu überwinden. Schließlich war sie kein schlechter Mensch …

Inga hatte trotz schwieriger Lebensumstände eine gute Schulbildung genossen und im Studium hervorragende Leistungen gezeigt. Dass sie dann letztendlich als Model und nicht als Modedesignerin gearbeitet hatte, war vielleicht in den Augen des Fürstenpaares verwerflich, aber für Inga war es lebensnotwendig gewesen: Anders hätte sie ihr Studium gar nicht finanzieren können.

Sie hatte zwar nie geplant, als Model Karriere zu machen, aber als es sich dann so ergab, hatte sie die Gelegenheit beim Schopf gepackt. In der Modebranche wurde mit harten Bandagen gekämpft, und es war von vornherein klar gewesen, dass sie das nicht lange machen würde. Dennoch war es eine gute Möglichkeit gewesen, sich ein kleines Polster zu schaffen, um eines Tages ein eigenes kleines Modelabel gründen zu können.

Wann immer sie ...

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