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Fürsten-Roman - Folge 2456

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Über den Wolken fand er sein Glück
  4. Vorschau

Über den Wolken fand er sein Glück

Bezaubernder Roman um eine himmlische Begegnung

Von Juliane Sartena

Als Gideon Prinz von Freyberg nach einem langen Auslandsaufenthalt zurück nach Deutschland reist, lernt er im Flugzeug zufällig die Studentin Anna-Maria Lehmann kennen. Anna-Maria bezaubert ihn mit ihrem natürlichen Wesen derart, dass er sie nach der Landung um ein Treffen am nächsten Tag bittet. Die junge Frau, die ebenfalls Gefallen an ihrem Reisebegleiter gefunden hat, sagt zu. Dann verschwindet sie in der Menge der Reisenden.

Am nächsten Tag schafft es Prinz Gideon jedoch nicht rechtzeitig zu dem Treffen und kann Anna-Maria nicht verständigen, da er nur ihren Vornamen kennt und auch sonst nichts von ihr weiß. Wie, um alles in der Welt, soll er so seine Traumfrau jemals wiederfinden?

Als Anna-Maria Lehmann die Maschine von Sydney nach München bestieg, war ihr bewusst, dass rund dreiundzwanzig Stunden Flugzeit vor ihr lagen – eine Aussicht, die sie nicht gerade erheiterte.

Sie hatte nicht direkt Angst vorm Fliegen. Manchmal liebte sie es sogar, hoch in der Luft zu schweben und auf weiß-goldene Wolkenmeere unter sich zu blicken. Doch ganz wohl war ihr selten dabei. Und Langzeitflüge waren meist strapaziös.

Zudem war sie sich nicht wirklich sicher, ob sie sich darauf freute, nach ein paar Wochen Australienurlaub nach Deutschland zurückzukehren. Dort würden sie wieder ihr Studium und der normale Alltag erwarten. Das war zwar keine schlimme Aussicht, aber das Ganze ließ ihr Herz auch nicht gerade höherschlagen.

Wenigstens hatte sie einen Fensterplatz. Sie blickte auf das graue Rollfeld hinab und schloss dann eine Sekunde lang die Augen.

Ein etwas unsanfter Stoß gegen ihre Schulter veranlasste sie, hochzublicken.

»I beg your pardon«, sagte entschuldigend ein junger Mann mit angenehmer Stimme, der neben ihr Platz nahm und sie versehentlich mit seinem Handgepäck gestreift hatte.

»Nichts passiert«, versicherte sie ihm unwillkürlich auf Deutsch. Als ihr bewusst wurde, dass er sie auf Englisch angesprochen hatte, schob sie rasch noch ein »It doesn’t matter« hinterher.

Er lächelte sie an. »Sie sind auch Deutsche?«

»Ja«, bestätigte Anna-Maria, während sie rasch seine Erscheinung musterte.

Er war groß, schlank, dunkelhaarig und ziemlich attraktiv. Sein Gesicht war gut geschnitten, die Augen verrieten Intelligenz und Humor.

Unwillkürlich richtete Anna-Maria sich etwas auf und strich ihr Haar glatt. Im selben Augenblick ärgerte sie sich über diese Geste. Das sah womöglich danach aus, als ob sie flirten wollte. Das war jedoch keineswegs ihre Absicht.

Ihr neuer Nachbar schien sich um die leicht abweisende Miene, die sie nun aufgesetzt hatte, nicht zu kümmern.

»Dann sind Sie wohl auch auf dem Weg zurück nach München«, stellte er vielmehr fest.

Sie nickte. Es entstand eine kurze Pause, und Anna-Maria holte in einer Art Verlegenheitsgeste ihr Buch hervor. Allerdings konnte sie sich nicht auf den vor ihr liegenden Text konzentrieren. Stattdessen warf sie einen kurzen, heimlichen Seitenblick auf den Mann neben ihr.

Er hatte jetzt sein Jackett ausgezogen, sodass das kurzärmelige Hemd, das er trug, seine muskulösen, braun gebrannten Arme sichtbar werden ließ.

Ganz bestimmt war er länger in Australien als ich, überlegte Anna-Maria unwillkürlich. Um so braun zu werden, musste man sich viel im Freien aufhalten. Dabei wirkte er keinesfalls wie einer der üblichen Touristen.

Die Motoren des Fliegers wurden gestartet, und die Maschine rollte – erst langsam und scheinbar schwerfällig, dann immer schneller werdend – über das Asphaltfeld. Anna-Maria wandte sich nun zur Seite und blickte konzentriert durch das Fenster.

Wie immer, wenn sie in einem startenden Flugzeug saß, überkam sie ein leiser Schauer. Es war eine Mischung aus freudiger Erwartung und ein bisschen Angst.

Das etwas mulmige Gefühl war ihr wohl anzusehen, denn als sie sich wieder umwandte, sah ihr Sitznachbar sie an und nickte ihr aufmunternd zu.

»Geht es Ihnen gut?«

»Keine Sorge, mir ist nicht schlecht«, beruhigte sie ihn. »Es ist nur immer ein wenig eigenartig, wenn man die Schwerkraft überwindet …«

»… und den Boden unter den Füßen verliert«, ergänzte er.

Ihm schien es nicht das Geringste auszumachen, in die Lüfte zu steigen. Fast ein wenig verärgert über diesen Umstand blickte Anna-Maria ihn an.

Er erwiderte den unausgesprochenen Vorwurf in ihrer Miene mit einem Grinsen.

»Ich kenne große Männer, die Angst vorm Fliegen hatten«, versicherte er ihr dabei vergnügt.

»Herzlichen Dank auch«, entgegnete sie trocken. »Ich habe im Übrigen keine Angst.«

»Das zu behaupten lag nie in meiner Absicht«, versicherte er ihr.

Anna-Maria entschloss sich, das Thema zu wechseln. So, wie es aussah, würde sie hier ohnehin nur den Kürzeren ziehen.

»Waren Sie längere Zeit in Australien?«, erkundigte sie sich.

Er nickte. »Ein Jahr.«

»Eine ganz schön lange Zeit«, meinte Anna-Maria. »Ich war leider nur ein paar Wochen dort und habe das Gefühl, noch unendlich viel sehen zu wollen.«

»Mit diesem Kontinent wird man nie ganz fertig«, entgegnete ihr neuer Bekannter.

»Vermutlich. Waren Sie denn beruflich dort?«, wollte Anna-Maria wissen, deren Neugierde nun geweckt war.

»Ja«, bestätigte er. »Eigentlich bin ich Tierarzt. Aber ich hatte Gelegenheit, mich einem kleinen Forschungsteam über das Verhalten von Wildtieren anzuschließen. Eine einmalige Chance.«

»Das klingt sehr spannend«, erklärte Anna-Maria. »Die vielfältige Natur und Tierwelt Australiens ist einfach faszinierend.«

Noch während sie diese Worte aussprach, fand sie, dass sie ziemlich steif klangen, fast als würde sie aus einem Reiseführer vorlesen. Sie ärgerte sich über ihre eigene Unbeholfenheit.

Ihr neuer Bekannter schien keinen Anstoß daran zu nehmen.

»Das ist richtig«, bestätigte er vielmehr schlicht.

»Sie jagen die Tiere also gewissermaßen mit der Kamera?«

Er lachte. »Ja. Mein Onkel hat mich deswegen bereits für verrückt erklärt. Er jagt Wild ausschließlich mit der Flinte, und das am liebsten in seinen heimischen Wäldern. Ich hingegen schleppe nur sehr ungern ein Jagdgewehr mit mir herum. Außerdem finde ich, dass die Tiere, die man bei uns zu Hause jagen kann, viel eher die Bezeichnung ›zahm‹ als ›wild‹ verdienen. Ich meine, was ist an einem Hasen oder Reh schon wild?«

Anna-Maria lachte. »Kängurus sind aber auch nicht direkt wild«, wandte sie dann ein.

»Nein, die nicht. Aber sie sind sehr interessant in ihrem Sozialverhalten. Überhaupt sind viele Tiere uns Menschen sehr viel ähnlicher, als wir wahrhaben wollen.«

Die Flugbegleiterin kam vorbei und bot Tomatensaft an.

Anna-Maria überlegte einen Augenblick lang, ob ihr Magen das bereits verkraftete, und entschied sich dann dafür.

»Komisch. Ich finde immer, dass Tomatensaft im Flugzeug viel besser schmeckt als sonst irgendwo«, bemerkte sie, nachdem sie den ersten Schluck genommen hatte.

»Finde ich auch. Was haben Sie übrigens in Australien gemacht?«

»Ich habe mir das Land ein wenig angeschaut und mir eine kleine Auszeit vom Studium genommen«, erklärte Anna-Maria.

»Stimmt. Es sind ja gerade Semesterferien.«

Er warf ihr einen kurzen, interessierten Seitenblick zu. Er fand sie recht reizvoll. Vielleicht lag das an der leicht nach oben gebogenen Nase, die ihrem sonst eher zarten Profil eine etwas vorwitzige Note verlieh, oder vielleicht auch an den goldenen Lichtpunkten, die er in ihren blaugrünen Augen entdeckt hatte. Komischerweise waren es immer die kleinen Unvollkommenheiten, die ihn an Frauen anzogen.

Eine Sekunde lang schweiften seine Gedanken zu seiner Verlobten, Charlotte von Steinbeck, die zu Hause auf ihn wartete. Sie zählte zweifelsohne zu den auserwählten weiblichen Wesen, die ohne den geringsten Makel waren.

»Mein lieber Gideon«, hörte er innerlich die Stimme seiner Tante, Fürstin Luise. »Charlotte ist die perfekte Partie für dich. Sie ist eine gefeierte Schönheit, dazu liebenswürdig und gebildet und als eine Komtess von Steinbeck von fast ebenbürtigem Adel.«

In schöner Regelmäßigkeit bekam er diese Sätze auf Schloss Freyberg zu hören.

Unwillkürlich schüttelte er ein wenig den Kopf. Die gute Tante Luise. Sie und sein Onkel, Fürst Joachim, hatten ihm nach dem frühen Tod seiner Eltern die Familie ersetzt.

Er war ihnen dankbar dafür und mochte sie von Herzen gern. Doch den für sie selbstverständlichen Adelsstolz hatte er nie zu teilen vermocht. Ob er nun Gideon Freyberg oder Gideon Prinz von Freyberg hieß, war ihm vollkommen egal. Der Mensch blieb doch immer derselbe.

Anna-Maria, die ihn heimlich gemustert hatte, fragte sich, womit er sich wohl gedanklich so intensiv beschäftigte.

Er spürte ihren Blick und wandte sich wieder ihr zu.

»Was studieren Sie denn?«

»Pädagogik auf Lehramt.«

»Sie möchten also Lehrerin werden?«

Anna-Maria nickte. »Ja. Ich mag Kinder. Das liegt vielleicht daran, dass ich selbst noch drei Geschwister habe.«

Er dachte wieder an seinen Onkel und seine Tante. Das Fürstenpaar war kinderlos, und er selbst wurde von ihnen von Kindheit an als Nachfolger des Fürsten betrachtet.

»Es muss schön sein, in einer Familie mit so vielen Geschwistern aufzuwachsen«, bemerkte er aufrichtig.

»Ja«, bestätigte Anna-Maria. »Natürlich fehlt es meistens an Geld«, fügte sie heiter hinzu. »Aber das ist nicht weiter schlimm, wenn alle zusammenhalten.«

Diese Sorgen hatte Prinz Gideon nicht. An finanziellen Mitteln hatte es bei den von Freybergs noch nie gemangelt. Dennoch beneidete er die junge Frau an seiner Seite einen Augenblick lang um ihr unkompliziertes und glückliches Elternhaus.

»Erzählen Sie doch ein wenig mehr über sich«, forderte er sie auf.

»Das wird sie bestimmt langweilen«, wehrte Anna-Maria ab.

»Nein, keinesfalls«, widersprach er energisch.

Da Anna-Maria spürte, dass er es ehrlich meinte, fuhr sie fort: »Viel Interessantes kann ich Ihnen wirklich nicht berichten, nur dass mein Vater ebenfalls Grundschullehrer ist. Und ich muss sagen, ich hatte eine schöne Kindheit. Unser Haus steht direkt neben der kleinen Schule, und mittags sind immer wieder mal Schulkinder zu uns zum Essen gekommen, mit denen wir befreundet waren oder die sich nochmal was erklären lassen wollten.«

»Das klingt nicht gerade nach Großstadt«, bemerkte Gideon.

»Nein, es ist ein Dorfidyll«, bestätigte Anna-Maria rasch. »Hoch oben im Norden von Deutschland, nahe der Ostseeküste.«

»Dennoch fliegen Sie jetzt nach München?«

»Ja. Dort studiere ich. Und wo leben Sie?«

»Nicht allzu weit von München entfernt. Aber auch auf dem Lande«, gab Prinz Gideon Auskunft, während er an Schloss Freyberg dachte.

Eigentlich freute er sich darauf, wieder heimzukommen. Er wusste nur nicht, ob er bereit war, sofort in das Leben einzutreten, das Fürst und Fürstin von Freyberg für ihn vorgesehen hatten. Sie hatten einen klaren Plan, was seine Zukunft betraf: die Übernahme des Gutsbetriebes und eine baldige Heirat mit Komtess Charlotte. Gerade mit Letzterem wollte er sich jedoch gern noch ein wenig Zeit lassen.

»Sehen Sie, wie herrlich die Sonne jetzt über den Wolken leuchtet«, machte Anna-Maria ihn aufmerksam.

Er warf einen Blick nach draußen. Ein goldener Schein traf sie. Unwillkürlich lächelten sie sich an. Beide hatten in diesem Augenblick dasselbe Gefühl: dass das Leben wunderschön sein konnte.

»Ja«, stimmte er ihr zu. »Hier fühlt man sich vollkommen frei.«

»Und glücklich«, fügte Anna-Maria hinzu.

***

Der Flieger landete pünktlich in München.

»So schnell ist mir noch nie im Leben die Zeit vergangen«, stellte Prinz Gideon fest, als sie per Durchsage verabschiedet wurden und gemeinsam zur Gangway schritten.

»Auch ich habe das Gefühl, als seien die ganzen dreiundzwanzig Stunden wie im Flug vergangen«, scherzte Anna-Maria. »Dabei haben wir doch kaum geschlafen.«

»Es hat mehr Spaß gemacht, sich mit Ihnen zu unterhalten als zu schlafen«, bemerkte der Prinz.

Sie hatten die große Ankunftshalle erreicht und standen sich nun zögernd gegenüber. Hier trennten sich ihre Wege wieder.

Anna-Maria zupfte verlegen an ihrem Schal, und Prinz Gideon schulterte seinen Rucksack. Doch keiner von ihnen machte Anstalten, zu gehen. Beide hatten das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben, auch wenn sie objektiv betrachtet nichts weiter verband als ein gemeinsamer Flug.

»Also, dann wünsche ich Ihnen noch viel Glück«, sagte Anna-Maria schließlich und streckte die Hand aus.

Er ergriff sie und spürte im selben Augenblick, wie schwer es ihm fiel, sie wieder loszulassen.

»Bitte«, sagte er rasch. »Wollen wir uns nicht wiedersehen?«

Es war ein unvernünftiger Vorschlag. Das wurde ihm im selben Moment klar, als er ihn aussprach. Auf Schloss Freyberg wartete seine Verlobte Komtess Charlotte auf ihn. Realistisch betrachtet war kein Platz in seinem Leben für eine Frau, die er zufällig im Flugzeug getroffen hatte.

Auch Anna-Maria zögerte. Sie hatte eine fast abergläubische Angst, der Zauber, der sie in der Luft verbunden hatte, könnte hier auf dem harten Boden der Wirklichkeit rasch verfliegen.

Er erkannte ihre Fluchtbewegung. »Seien Sie einfach morgen Nachmittag um vier Uhr am Marienplatz vor dem Rathaus«, bat er sie. Aus Angst, sie könnte Nein sagen, ging er rasch fort, wandte sich dann jedoch noch einmal um und rief ihr zu: »Ich warte auf Sie!«

Anna-Maria blieb stehen und sah ihn in der Menge verschwinden. Dann kümmerte sie sich um ihr Gepäck und verließ die Flughalle.

***

Wie erwartet wurde Prinz Gideon von seinem Onkel und seiner Tante freudig empfangen.

Fürstin Luise war nicht einmal davor zurückgeschreckt, die Dienstboten von Schloss Freyberg zusammenzutrommeln, sodass sie Spalier standen, als Gideon die große Halle des Schlosses betrat.

Natürlich waren längst nicht ...

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