Logo weiterlesen.de
Fürsten-Roman - Folge 2454

Die falsche Braut des Prinzen

Zauberhafter Roman um eine folgenschwere Verwechslung

Von Sandra Heyden

Seufzend steht Viktoria Levelle vor dem Hauptportal von Schloss Friedenau. Hier soll sie arbeiten? Das passt doch überhaupt nicht zu ihr! Doch sie hat keine Wahl. Die Stelle als Hausmädchen auf Friedenau ist die einzige, die man ihr beim Jobcenter angeboten hat. Also atmet sie noch einmal tief durch und läutet.

Als der Butler Viktoria in die Empfangshalle des Schlosses führt, kommt plötzlich der Fürst die Treppe heruntergelaufen und umarmt sie herzlich. »Willkommen mein Kind. Herzlich willkommen auf Schloss Friedenau!«, begrüßt er die junge Frau überschwänglich, und Viktoria ist völlig verwirrt. Was, um alles in der Welt, geht hier vor sich? Doch bevor Viktoria Fragen stellen kann, taucht auch noch der Prinz von Friedenau auf, und damit beginnt das Chaos erst richtig …

Frustriert verließ Viktoria Levelle das Jobcenter. Das trübe Frühjahrswetter passte zu ihrer Stimmung. Es nieselte leicht, und Viktoria zog die Kapuze ihrer dunkelblauen Regenjacke über das kurze, kastanienbraune Haar.

Eine Stelle als Hausmädchen war ihr angeboten worden. Ihr, die sie bis vor einem knappen Jahr noch als Sozialpädagogin im Frankfurter Bahnhofsviertel mit benachteiligten Jugendlichen gearbeitet hatte – bis das Streetworker-Projekt mangels finanzieller Mittel eingestellt worden war.

Seitdem suchte sie bundesweit nach einer neuen Stelle als Sozialpädagogin – leider bisher vergebens. Doch sie musste irgendwie zusehen, dass sie über die Runden kam. Die Miete für ihr kleines Ein-Zimmer-Appartement war schon wieder erhöht worden, und die Energiekosten waren ins Exorbitante gestiegen. Bei all diesen Kosten half es auch nicht, dass sie hin und wieder zur Aushilfe als Kellnerin tätig war.

Aber Hausmädchen? Man hatte beim Jobcenter die Ansicht vertreten, dass ihr Praktikum in einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche, wo sie auch in der Küche hatte helfen müssen, Qualifikation genug für diese Arbeit war. Und außerdem wurde nicht irgendwo ein Hausmädchen gesucht, sondern auf Schloss Friedenau im Odenwald.

Viktoria erinnerte sich schwach an einen Ausflug zu dem weitläufigen Barockschloss, den sie im Kindesalter mit ihren Eltern unternommen hatte. Damals hatte sie das Schloss als einen magischen Ort empfunden, der all ihre Mädchenträume erfüllte. Und damals hatte sie sich auch noch gewünscht, eines Tages Prinzessin zu werden – ein »Job«, der ihr heute keineswegs erstrebenswert erschien.

Sie war mit Leib und Seele Sozialpädagogin, weil es ihr einfach ein inneres Bedürfnis war, Menschen zu helfen. Aber Hausmädchen auf Schloss Friedenau? Sie seufzte, denn sie hatte im Jobcenter versprochen, sich zu bewerben. Und sie brauchte Arbeit. Dringend! Sie hatte gar keine andere Wahl.

Seufzend blieb sie vor einer Litfaßsäule stehen und musste sich den anerkennenden Pfiff eines älteren Herrn, der vorübereilte, gefallen lassen.

Viktoria Levelle war ausgesprochen attraktiv. Sie war achtundzwanzig Jahre alt, nicht sehr groß, aber von schlanker, recht weiblicher Gestalt. Der feine helle Teint ihrer Haut schien von innen heraus zu strahlen. Die grauen Augen unter den perfekt geschwungenen dunklen Augenbrauen glänzten kühl, aber nicht unfreundlich. Und ihr kurzes, fransig geschnittenes, kastanienbraunes Haar ließ Viktoria jugendlicher wirken, als sie war.

Viktorias Blick fiel nun auf ein großes Plakat. Die Hilfsorganisation »Menschen-Leben« bat um Spenden und versprach, sich um Kinder und Jugendliche in der Dritten Welt zu kümmern. Diese Hilfsorganisation gab es noch nicht so lange, wie Viktoria wusste, und sie bewunderte die jungen Leute, die sich für die Ärmsten der Armen dieser Welt einsetzten.

Viktoria seufzte tief. Das war auch immer ihr Traum gewesen. Schon als Jugendliche hatte sie in die Entwicklungshilfe gehen wollen. Aber auch dort waren die Stellen rar gesät, wie sie nach vielen vergeblichen Bewerbungen wusste.

Also musste sie sich um die Stelle als Hausmädchen auf Schloss Friedenau bewerben. Es fragte sich nur, ob man dort auf jemanden wie sie – jemand ohne jegliche Erfahrung in diesem Bereich – gerade gewartet hatte. Viktoria bezweifelte es.

***

Nun hatte der Frühling also doch beschlossen, sich von seiner sonnigen Seite zu zeigen!

Joachim Fürst von Friedenau setzte sich im nicht öffentlichen Teil seines riesigen Schlossparks auf eine Bank, die sein Personal erst vor Kurzem von den Spuren des Winters befreit hatte. Vor ihm, auf einem schlichten hölzernen Gartentisch, lagen unzählige Gazetten und Klatschblätter, in denen er nun grimmig blätterte.

Fast auf jeder zweiten Seite konnte er das Antlitz seines Sohnes und Erben Hans-Joachim entdecken, den alle Welt nur den »flotten Prinz Hajo« nannte. Die Paparazzi hatten Hajo offensichtlich auf jeder Prominentenparty angetroffen. Kein noch so bedeutungsloses Charity-Event hatte er ausgelassen. Sogar auf der Ehrentribüne eines Formel-Eins-Rennens hatte man ihn an der Seite einer üppigen Blondine gesehen.

Im Grunde genommen gönnte Fürst Joachim seinem Sohn das ungebundene, freie Leben ohne wirkliche Verpflichtungen. Auch die üppigen Blondinen störten ihn nicht, denn er wusste nur zu gut, dass es eigentlich die selbstbewussten, intelligenten Frauen waren, die dem Herzen seines Sohnes gefährlich werden konnten. Frauen, die fest im Leben standen, Ziele verfolgten und einen eigenen Stil hatten, der sich nicht dem Diktat irgendwelcher selbsternannter Modezaren beugte.

Zum Leidwesen des Fürsten war aber auch aus solchen Beziehungen seines Sohnes bisher nichts Festes entstanden. Langsam begann Fürst Joachim, sich Sorgen zu machen. Hajo war im letzten Jahr dreißig Jahre alt geworden und flatterte immer noch von einer Blume zur nächsten.

Er war ein gut aussehender junger Mann, wie die vielen Hochglanz-Fotos dem Fürsten bewiesen. Prinz Hajo war groß und schlank. Seine vollen blonden Haare waren etwas länger, als es seinem Vater zusagte, aber seine blauen Augen wirkten klar und ehrlich. Der Prinz hatte jenen weltgewandten Charme und amüsanten Esprit, der ihn zu einem gern gesehenen Gast auf jedem Fest machte.

Fürst Joachim war im Grunde genommen stolz auf seinen Sohn, doch in letzter Zeit wurde seine Sorge immer größer – im selben Maße, in dem sich sein eigener Gesundheitszustand verschlechterte.

Ein Schatten fiel auf den Gartentisch, und der Fürst blickte auf. Heinrich Degenhard, sein Majordomus, stand mit ausdrucksloser Mimik vor ihm – wie immer in dunklem Anzug, mit blütenweißem Hemd und dunkler Krawatte.

»Degenhard, was gibt es denn?«

»Durchlaucht, verzeihen Sie die Störung«, erwiderte der Majordomus mit gemessenem Räuspern und machte den Fürsten auf einige Bewerbungsmappen aufmerksam, die er mit sich führte. »Es geht um die Stelle des dritten Hausmädchens. Das hier sind die Bewerbungen. Vielleicht möchte Seine Durchlaucht sie sich ansehen?«

»Nein, Seine Durchlaucht möchte nicht«, erwiderte der Fürst amüsiert. So unverzichtbar Degenhards Dienste für seinen Haushalt auch waren, die Steifheit und Überkorrektheit des Mannes muteten doch ein wenig anachronistisch an. »Ich bin überzeugt, Degenhard, dass Sie viel besser als ich in der Lage sind, die Eignung der Bewerberinnen zu beurteilen. Ich verlasse mich da ganz auf Sie.«

Degenhard nickte. »Vielen Dank, Durchlaucht. Ich würde es für sinnvoll erachten, einige der Damen zur Probe arbeiten zu lassen.«

»Wenn Sie es für richtig halten, Degenhard … Meinen Segen haben Sie!«

»Sehr wohl, Durchlaucht.« Degenhard, ein kleiner, drahtiger Mann, musterte seinen Dienstherrn besorgt. »Darf ich Ihnen etwas zu trinken bringen lassen, Durchlaucht?«

»Ja, ein Kaffee wäre gut«, gestand der Fürst und lehnte sich zurück, als sein Majordomus sich entfernte.

Er hob den Kopf in die Sonne, die sein inzwischen weißes Haar zum Leuchten brachte. Obgleich er erst Anfang sechzig war, hatten sich bereits tiefe Falten in sein Gesicht gegraben, was hauptsächlich dem frühen Tod seiner geliebten Gattin geschuldet war.

Lange Jahre hatte er ohne sie leben müssen. Doch jetzt war der Zeitpunkt gekommen, an dem er sie vielleicht bald wiedersehen würde. Gestern hatte er die endgültige Diagnose erhalten: Lungenkrebs! Für ihn als Nichtraucher war das eine Ironie des Schicksals.

Sein Arzt hatte ihm eine baldige Operation empfohlen. Ein Teil seiner Lunge sollte entfernt werden, und im Anschluss wollte man mögliche Metastasen mit einer harten Chemotherapie bekämpfen. Allein die Operation war hochriskant, wie der Arzt Fürst Joachim nicht verheimlicht hatte.

Die Krankheit ängstigte den sonst so bodenständigen Fürsten. Auch seine Frau, die Mutter seiner Kinder, war an Krebs gestorben. Elendig zugrunde gegangen, korrigierte er sich in Gedanken bitter.

Fürst Joachim sah sich gezwungen, unter diesen Umständen sein Feld zu bestellen. Hajo, sein Sohn und Erbe, musste mehr Verantwortung für das Familienimperium übernehmen, das nicht nur aus dem Stammschloss derer von Friedenau mit seinem weithin berühmten Schlosspark bestand.

Zum Familienbesitz gehörten weitläufige Ländereien, Immobilien, die sich auf ganz Deutschland verteilten, Firmenbeteiligungen überall in der Welt, Stiftungen und Fonds. All das musste verwaltet werden – eine Aufgabe, die dem Fürsten in den letzten Jahren zunehmend schwerer gefallen war.

Prinz Hajo war durch sein Jurastudium, das er als Jahrgangsbester abgeschlossen hatte, und eine anschließende betriebswirtschaftliche Ausbildung bestens auf die Nachfolge seines Vaters vorbereitet.

Zumindest beruflich, durchfuhr es den Fürsten. Wie schön und beruhigend wäre es, wenn Hajo auch privat seinen Platz finden würde. Seit dem Studium vertrödelte der Prinz sein Leben auf Partys und mit Affären.

Doch so, wie es um den Fürsten stand, musste sich das schleunigst ändern. Hajo musste endlich heiraten, eine Familie gründen, sesshaft werden und seinem Vater die Last der Verantwortung von den Schultern nehmen. Es mussten geordnete Verhältnisse her, beschloss der Fürst.

Wenn er die Operation nicht überleben sollte, würde es für seinen Sohn umso wichtiger sein, dass er die ganze Verantwortung nicht allein tragen musste. Hajo brauchte den Rückhalt einer Ehefrau, einer Familie. Natürlich musste es die richtige Frau sein! Wenn Hajo sich doch nur endlich festlegen würde …

Aber vielleicht konnte man da ein wenig nachhelfen? Vielleicht brauchte es nur einen Anstoß? Vielleicht musste der Prinz nur die richtige Frau kennenlernen, eine Frau, die zu ihm passte – intelligent, schön, warmherzig.

Das Bild seiner eigenen Frau stieg vor dem inneren Auge des Fürsten auf, und er seufzte. Sie war der Mittelpunkt seines Lebens gewesen, der Fels in der Brandung. Eine solche Frau brauchte auch sein Sohn. Und wenn Hajo sie nicht selbst fand, musste man eben nachhelfen.

Mit zitternden Händen nahm Fürst Joachim die Gazetten wieder zur Hand. Diesmal achtete er eher auf die abgebildeten Damen: Schauspielerinnen, Politikergattinnen, Stars und Sternchen. Aber immer wieder fiel sein Blick auch auf die Bilder einer ausgesprochen schönen Frau, die es gekonnt verstand, mit den Fotografen zu spielen: Barbara Prinzessin von Erthen!

Lebenslustig wie sein Sohn, war auch sie im Jet-Set zu Hause und genoss dennoch einen hervorragenden Leumund. Die dunkelhaarige Prinzessin war in der Presse ausgesprochen wohlgelitten. Zudem war sie intelligent und selbstbewusst und hatte einen bezaubernden Charme, der ihre sinnliche Schönheit noch unterstrich.

Barbara von Erthen!

Vielleicht würde es sich lohnen, den Hintergrund dieser Frau überprüfen zu lassen, beschloss der Fürst. Sie wirkte genau wie die Frau, der es gelingen konnte, das Herz seines Sohnes zu erobern.

In diesem Augenblick verdunkelte wieder ein Schatten das Licht der Sonne. Als Fürst Joachim aufblickte, sprang er überrascht auf.

»Annette!«

»Paps!« Wie ein Wirbelwind fiel ihm eine große, schlanke junge Frau um den Hals.

Der Fürst drückte seine blonde Tochter fest an sich, um sie dann berührt und erleichtert zu mustern.

»Gesund und wohlbehalten?«

Prinzessin Annette lachte. »Alles an Ort und Stelle, Paps«, versicherte sie ihm.

»Mein Gott, so viele Monate …« Der Fürst war dankbar, seine Tochter gesund und munter wiederzusehen.

»Na ja, so eine Weltumseglung ist ja auch kein Zuckerschlecken. Und es gab ein großes Trara, als wir vorgestern in Bremerhaven eingetroffen sind. Sonst wäre ich schon früher hier gewesen.«

»Ich wünschte, du würdest nicht so ein unstetes und dazu gefährliches Leben führen«, seufzte der Fürst, doch die Prinzessin lachte nur.

»Ach, Paps. Ich bin dreiundzwanzig. Sesshaft werden kann ich noch früh genug.« Sie warf ihre große Ledertasche auf den Tisch, kramte ein wenig darin herum und zog schließlich eine schlichte Pappschachtel hervor. »Für dich Paps. Ein Smaragd aus Brasilien – für deine Sammlung!«

***

Hajo Erbprinz von Friedenau bewohnte in Frankfurt am Main ein loftartiges Penthouse im schicken Westend.

Gerade schlüpfte er in sein maßgeschneidertes Smoking-Jackett und richtete vor dem Spiegel noch kurz die blutrote Fliege. Alles saß perfekt, und er war bereit für die Charity-Gala einer stadtbekannten Honoratiorengattin.

In diesem Augenblick läutete es an der Tür. Mit einem Blick auf das Video-Display des Türöffners stellte er überrascht fest, dass dort seine Schwester vor der Tür stand.

»Annette, schön, dich zu sehen«, sagte der Prinz erfreut durch die Gegensprechanlage.

»Das dachte ich mir«, gab die Prinzessin munter zurück, und Prinz Hajo drückte auf den Knopf des Türöffners.

Ein leises Summen ertönte, und wenige Minuten später entließ der Fahrstuhl die hübsche Prinzessin direkt in Prinz Hajos Wohnung.

Die Geschwister begrüßten sich mit einer innigen Umarmung und begaben sich in den Wohnbereich des hallenartigen Hauptraumes, in dem sich auch die noble Designerküche im amerikanischen Stil und ein riesiger Esstisch mit entsprechend vielen Stühlen befanden.

Die Einrichtung des Prinzen bestand aus einem gekonnten Mix aus Antiquitäten und modernem, schlichtem Design.

»Tut mir leid, dass ich dich nicht in Bremerhaven begrüßen konnte als ihr eingelaufen seid«, entschuldigte der Prinz sich. »Aber ich habe es in der Presse und im Fernsehen verfolgt.« Prinz Hajo ergriff mit großer Erleichterung die schmale Hand seiner Schwester. »Ich bin so froh, dass alles gut gegangen ist. Wie lief denn eure letzte Etappe?« Trotz aller Sorge konnte er seine Neugier doch nicht verbergen.

»Ach Gott«, gab die sonnengebräunte Fürstentochter zurück. »In den letzten Wochen gab es ein paar Reibereien in der Crew. Irgendwie haben sie angenommen, dass ich nach unserer Heimkehr irgendjemandes Trophäe sein werde«. Sie lachte.

Prinz Hajo hob fragend die Augenbrauen. »Das bist du nicht? Nicht einer von den Jungs hat nach all den einsamen Monaten dein Herz erobert?«

»Nein, wahrlich nicht«, erwiderte sie fröhlich. »Ich mag die Crew – wirklich! Aber mehr läuft da nicht. Wir waren ein prima Team, eine eingeschworene Gemeinschaft. Das setzte ich doch nicht aufs Spiel, indem ich mit einem von ihnen anbändele. So was gibt immer böses Blut.«

»Deine Abenteuerlust in allen Ehren, Annette, aber ich hoffe doch, dass du jetzt erst einmal für eine Weile zu Hause bleibst. Oder steht schon das nächste Abenteuer an? Der brasilianische Dschungel vielleicht?«

Die Prinzessin schüttelte lachend den Kopf. »Du weißt doch, dass ich die Weltumseglung mit der Kamera begleitet habe. Ich werde jetzt erst einmal die Filmaufnahmen auswerten.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Fürsten-Roman - Folge 2454" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen