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Fürsten-Roman - Folge 2453

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Prinz Florian, der kleine Liebesbote
  4. Vorschau

Prinz Florian, der kleine Liebesbote

Wie ein einsames Kind zwei Herzen zusammenführte

Von Diana Laurent

Seufzend betrachtet Alexander Fürst von Grünhagen die Stellenanzeige, die er soeben aufgegeben hat. Der junge Witwer ist beruflich viel unterwegs und hat kaum Zeit, sich um seinen fünfjährigen Sohn Florian zu kümmern. Bislang hat seine Schwester Sybille diese Aufgabe übernommen, doch nun heiratet die Prinzessin und verlässt Schloss Grünhagen. Also braucht der Fürst eine Erzieherin für Florian.

Als sich kurz darauf die hübsche Heike Niklas um den Job bewirbt, ist Alexander unendlich erleichtert. Die gelernte Erzieherin hat hervorragende Zeugnisse, und sympathisch ist sie auch. Jetzt glaubt der Fürst den kleinen Prinzen wieder in guten Händen – ein schwerwiegender Irrtum …

Es war ein strahlender Augustmorgen. Die Sonne, die eben erst aufgegangen war, tauchte Schloss Grünhagen nahe Hannover in goldenes Licht. Der wehrhafte Bau war von einer weitläufigen Parklandschaft umgeben, die an diesem schönen Sommermorgen ihren ganz besonderen Reiz zeigte.

Mächtige Eichen und Buchen überspannten gepflegte Rabatten und weite Rasenflächen. Wege aus hellem Kies führten durch den Park. An die unmittelbare Umgebung des Schlosses grenzten saftige Weiden und Koppeln, auf denen edle Pferde grasten.

Die Fürsten Grünhagen waren lange Zeit führend auf dem Sektor der Pferdezucht gewesen, ihre edlen Rennpferde hatten die Rennstrecken der ganzen Welt dominiert. In den vergangenen Jahrzehnten hatte man allerdings das Augenmerk mehr auf Freizeitpferde gerichtet.

Der Vater des jetzigen Fürsten war der letzte Pferdezüchter gewesen. Nach seinem frühen Tod hatte Alexander von Grünhagen Titel und Schloss geerbt. Der junge Fürst war Bankier, ein smarter Geschäftsmann, der – zumindest was den Pferdeverstand betraf – aus der Art zu schlagen schien. Fürst Alexander konnte leidlich reiten, hatte aber sonst keine Beziehung zu den edlen Vierbeinern. Die ausgedehnten Stallungen, die zu Schloss Grünhagen gehörten, wurden nun nur noch für die Freizeitpferde der Fürstenfamilie genutzt.

Prinzessin Sybille, Alexanders Schwester, war hingegen eine passionierte Reiterin. Die elegante Brünette hatte heute bereits ihren morgendlichen Ausritt hinter sich und verließ gerade die Stallungen, um hinüber zum Haus zu gehen, wo sie zusammen mit ihrem Bruder und ihrem kleinen Neffen das Frühstück einnehmen würde.

Sybille war Ende zwanzig, schlank und sehr hübsch. Ihr dunkles, halblanges Haar umrahmte ein ebenmäßiges Gesicht mit wunderschönen tiefblauen Augen. Die Prinzessin war Modedesignerin, hatte sich auf Reit- und Sportbekleidung spezialisiert und arbeitete erfolgreich mit einigen namhaften Herstellern zusammen. In ihrem Atelier in Hannover war sie aber nur selten anzutreffen. Sie liebte das Landleben und hatte ihre besten Einfälle, wenn sie durch die Natur streifte, am liebsten auf einem Pferderücken.

Vor einem halben Jahr hatte sie sich mit Gero von Anselm verlobt, einem jungen Banker, den sie durch ihren Bruder kennengelernt hatte. Gero liebte Sybille abgöttisch, und sie wollten in absehbarer Zeit heiraten.

Sybille betrachtete Gero als den ruhenden Pol in ihrem Leben, als den Gegensatz, der für ein harmonisches Gleichgewicht sorgte. Die Prinzessin hätte also wunschlos glücklich sein können. Doch das war nicht der Fall, denn es gab etwas, was ihr Sorgen bereitete.

Wenn Sybille heiratete, würde sie Schloss Grünhagen verlassen. Sie und Gero hatten sich ein elegantes Stadthaus in der besten Lage Hannovers gekauft. Ihr Bruder Alexander, der seit etwas mehr als einem Jahr verwitwet war, und sein kleiner Sohn Florian blieben dann allein.

Und eben dieser Umstand belastete Sybille. Florian war erst fünf, ein sensibles, anhängliches Kind, dem die Mutter fehlte. Und Alexander war nur selten zu Hause. Er arbeitete viel und war häufig auf Geschäftsreisen im Ausland. Bislang hatte die Prinzessin sich intensiv um den kleinen Jungen gekümmert.

Nach dem Tod seiner Mutter war Prinz Florian lange sehr verschlossen gewesen. Sybille wusste, dass ihre verstorbene Schwägerin keine besonders liebevolle Mutter gewesen war. Dafür hatte sie einfach zu viele andere Interessen gehabt.

In seinen ersten Lebensjahren war Florian wechselnden Kinderfrauen anvertraut worden. Nach Fürstin Andreas Unfalltod hatte Sybille sich dann intensiv um den Jungen gekümmert. Und sie hatte schließlich Erfolg gehabt und Zugang zu der kleinen, einsamen Seele gefunden.

In den vergangenen Monaten war die Prinzessin zu einer Art Ersatzmutter für Prinz Florian geworden. Wenn sie nun fortging, war das Kind wieder sich selbst überlassen. Und das war auf die Dauer einfach kein Zustand, das wusste auch Fürst Alexander.

Sybille hatte ihren Bruder bereits mehrfach auf dieses Thema angesprochen, und er hatte immer versichert, sich darum zu kümmern. Dabei war es dann aber auch geblieben. Bis jetzt hatte Alexander nichts unternommen. Die Prinzessin nahm sich deshalb vor, ihn beim gemeinsamen Frühstück noch einmal darauf anzusprechen.

Zunächst betrat sie aber die Schlosshalle und eilte die Freitreppe hinauf. Ihre Zimmer lagen im Ostflügel, hier hatte sie bereits als Kind gewohnt. Sybille war überzeugt, dass ihr auch die Umgebung fehlen würde, wenn sie Schloss Grünhagen verließ. Immerhin hatte sie ihr ganzes bisheriges Leben hier verbracht.

Nachdem die Prinzessin geduscht und sich umgezogen hatte, ging sie hinüber zu den Räumen, die Prinz Florian bewohnte.

Der Junge war ein ausgesprochener Langschläfer, doch in letzter Zeit war er meist schon vor seiner Tante wach und kam nicht selten in ihr Schlafzimmer, um sich im Bett noch ein wenig an sie zu kuscheln. Sybille hatte nichts dagegen, sie übernahm die Rolle als Ersatzmutter gern. Doch sie spürte auch, wie falsch es im Hinblick auf ihren baldigen Umzug war, das Verhältnis zu ihrem kleinen Neffen zu eng werden zu lassen.

An diesem Morgen lag Prinz Florian noch im Bett, war aber wach. Er blickte Sybille wie stets ernst entgegen, auch wenn er bei der Begrüßung seine Ärmchen um ihren Hals legte und ihr einen herzhaften Kuss gab.

Doch der kleine Prinz war selten wirklich ausgelassen, er hatte von Geburt an ein ernsthaftes Wesen. Aber seit dem Tod seiner Mutter sah man ihn kaum noch fröhlich. Manchmal hatte Sybille sogar den Eindruck, dass Florian selbst dann traurig war, wenn er lachte. Das mochte absurd klingen, doch seine kleine Seele schien stets auf der Suche nach Wärme und Nähe zu sein. Die Einsamkeit beherrschte sein junges Leben.

»Na, du Langschläfer, möchtest du nicht aufstehen?«, fragte die junge Frau ihren Neffen nun betont munter.

»Gleich«, versprach er. »Zuerst musst du mir aber noch erzählen, wie der Ausritt war.«

Prinz Florian lernte gerade reiten. Er liebte Pferde und stellte sich auch sehr geschickt im Umgang mit ihnen an. Nur wenn er im Stall sein durfte, wirkte er entspannt und so munter, wie ein Junge in seinem Alter eigentlich immer sein sollte.

»Es war sehr schön«, schwärmte Sybille. »Ich bin bis zum Flussufer geritten. Dort konnte ich einen ganzen Schwarm Enten beobachten. Leider sind sie vor mir geflüchtet, als Blümchen laut geschnaubt hat.«

Florian lachte, als seine Tante das Geräusch imitierte.

»In der Nähe des Birkenwäldchens habe ich ein paar Kaninchen gesehen«, berichtete sie weiter. »Und die Vögel haben ein Konzert gegeben.«

»Ich würde gern mal mit dir zusammen ausreiten, Tante Sybille. Denkst du, das klappt noch, solange du da bist? Ich bin ja noch nicht gut genug, um einen Geländeritt mitzumachen.«

»Aber du lernst schnell«, hielt sie ihm entgegen. »Ich bin sicher, wir werden bald zusammen ausreiten.«

»Das wäre schön.« Prinz Florians rehbraune Augen begannen zu leuchten. »Ich möchte die Enten auch so gern sehen.«

»Das wirst du. Aber jetzt komm aus den Federn, es gibt bald Frühstück.«

»Kannst du denn nicht hierbleiben? Onkel Gero könnte doch zu uns ziehen. Dann könnten wir weiter zusammen sein.« Er seufzte leise und wurde schon wieder ernst. »Ich will keine Erzieherin. Sie ist bestimmt streng und unternimmt nichts mit mir. Wenn du weg bist, Tante Sybille, dann werde ich wieder ganz allein sein!«

»Nein, wirst du nicht. Dein Vater hat versprochen, sich mehr um dich zu kümmern.« Sie bemerkte die skeptische Miene des Jungen und versicherte: »Außerdem werde ich dafür sorgen, dass deine Erzieherin sehr nett zu dir sein wird. Ich gehe nicht weg von hier, bevor ich sicher sein kann, dass es dir gut geht.«

Prinz Florian schien ihr das nicht so ganz zu glauben. Er hatte schon oft Versprechungen von Erwachsenen gehört, aber nur selten waren diese auch gehalten worden. Innerlich stellte er sich bereits darauf ein, dass es diesmal auch nicht anders werden würde.

Und sein Vater? Der hatte ja doch nie Zeit für ihn. Florian konnte sich nicht vorstellen, dass sich das jemals ändern würde.

***

Alexander Fürst von Grünhagen kam etwas später zu Tisch.

Der junge Bankier hatte bereits einige Telefonate mit ausländischen Geschäftspartnern geführt und war nun noch, als er das von der Morgensonne erfüllte Frühstückszimmer von Schloss Grünhagen betrat, mit den Gedanken woanders.

Nur flüchtig begrüßte er seine Schwester und seinen Sohn und vergrub sich dann gleich hinter der Morgenzeitung.

Prinz Florians resignierte Miene sprach Bände. Und sie passte so gar nicht zu einem Kind von fünf Jahren, fand seine Tante.

»Alex, ich würde gerne etwas mit dir besprechen«, sagte Sybille nach einer Weile in die Stille hinein, die lediglich vom Rascheln der Zeitungsseiten unterbrochen wurde.

Der Fürst ließ die Zeitung sinken und sah seine Schwester fragend an. Er war eine attraktive Erscheinung, hochgewachsen und schlank, mit dichtem, dunklem Haar und tiefgründigen grauen Augen. Ein feiner Schmerzenszug um seine schmalen, sensiblen Lippen machte deutlich, dass er nicht nur die Sonnenseiten des Lebens kannte.

Der Verlust seiner Frau hatte ihn sehr getroffen. Und er war sich durchaus auch bewusst, dass er zu wenig Zeit mit Florian verbrachte. Doch er sah keine Möglichkeit, dies zu ändern, denn es lag nicht nur ausschließlich daran, dass er zu wenig Zeit hatte …

»Ja, meine Liebe? Was hast du auf dem Herzen?«, fragte er.

»Es geht um die Erzieherin. Wir haben schon mehrfach darüber gesprochen und waren uns einig, dass du jemanden einstellen solltest. Wenn ich nicht mehr hier bin, wird Florian sonst zu allein sein. Du arbeitest ja immer so viel. Oder denkst du, es lässt sich einrichten, dass du daran etwas änderst?«

Der Fürst bemerkte das Aufleuchten in den Augen seines kleinen Sohnes, und es tat ihm weh, Florian enttäuschen zu müssen.

»Ich fürchte, nein, jedenfalls nicht in nächster Zeit. Ich bin leider ziemlich eingespannt. Aber ich habe nicht vergessen, mich um diese Sache zu kümmern.«

Prinz Florian sank das Herz. Er war also eine Sache. Ganz klein fühlte er sich, ungeliebt und wie der einsamste Mensch auf der ganzen Welt. Er aß seine Cornflakes und tat so, als ginge ihn das Gespräch der Erwachsenen nichts an. Wenn sein Vater sich schon nicht um ihn kümmern wollte, dann sollte er auch nicht sehen, wie traurig ihn das machte.

»Hast du denn etwas unternommen?«, wollte Sybille nun ziemlich überrascht wissen.

Sie hatte den Eindruck gehabt, dass ihr Bruder ihr gar nicht richtig zugehört hatte.

»Selbstverständlich. Ich habe eine Anzeige schalten lassen. Sobald Bewerbungen eintreffen, kann Frau Berg sie vorsortieren. Sie weiß, was ich erwarte. Wer infrage kommt, wird zum Vorstellungsgespräch geladen. Ich suche die Erzieherin dann aus, wenn du nichts dagegen hast.«

»Bist du sicher, dass deine Sekretärin die Vorauswahl treffen sollte? Sie hat auf diesem Gebiet wenig Erfahrung«, gab die Prinzessin zu bedenken.

»Du meinst, weil sie keine Kinder hat? Das spielt in dem Fall keine Rolle. Es geht hier nur um gute Zeugnisse und einen einwandfreien Leumund. Du weißt, was wir unserer Stellung schuldig sind, Sybille. Wir können nicht jeden einstellen.«

»Aber es kommt hauptsächlich darauf an, dass die Erzieherin ein Herz für Kinder hat, einen echten Zugang, verstehst du?«

Der junge Fürst lächelte vielsagend. »Das ist mir durchaus bewusst. Frau Berg sortiert vor. Die eigentliche Auswahl treffe ich. Und ich weiß genau, was wir brauchen.« Er nickte Florian zu. »Eine nette junge Frau, die sich richtig um dich kümmert, so wie Tante Sybille, nicht wahr?«

»Warum kann sie nicht bleiben? Ich hab sie lieb. Viel lieber als … jede Erzieherin.«

Viel lieber als dich, hatte der kleine Prinz eigentlich sagen wollen, aber dann war ihm das ungehörig erschienen. Und im Grunde genommen stimmte es ja auch nicht, denn er hatte seinen Vater sehr lieb. Aber wenn der ihn immer wieder wegschob und auf Distanz hielt, dann erwachte eben sein Trotz.

»Du weißt, dass das nicht geht«, erwiderte Alexander ruhig. »Deine Tante wird mit ihrem Mann ein eigenes Haus haben. So ist das nun mal. Wenn du eines Tages erwachsen bist, wirst du das selbst erleben.«

»Das will ich aber nicht!«, begehrte Florian auf. »Ich werde die Menschen, die ich lieb habe, nie im Stich lassen. Nie!«

Damit sprang er auf und sauste aus dem Frühstückszimmer. Die Tür fiel mit einem derben Knall hinter ihm ins Schloss.

Fürst Alexander war konsterniert. »Was war denn das?«

»Weißt du das wirklich nicht, Alex? Ich finde deine Bemühungen, eine geeignete Erzieherin zu finden, ja gut. Aber du solltest dich selbst um deinen Sohn kümmern. Er fühlt sich nämlich von allen im Stich gelassen. Deshalb will er mich auch nicht gehen lassen.«

»Das verstehe ich nicht«, behauptete der Fürst distanziert.

»Du verstehst mich sehr gut. Andrea ist tot. Du kümmerst dich kaum um Florian. Und wenn ich weg bin …«

»Ich bitte dich, Sybille, dieses Gespräch hatten wir doch wirklich schon oft genug. Und wir mussten jedes Mal feststellen, dass es zu nichts führt.«

»Weil du stur bist.« Sie sah ihren Bruder eindringlich an. »Aber es geht hier nicht um verletzte Gefühle oder schlechte Erinnerungen, sondern um ein Kind von fünf Jahren, das niemanden mehr hat, zu dem es kommen kann, der es in den Arm nimmt, über seinen Schlaf wacht und ein Pflaster auf seine Wunden klebt. Und damit meine ich nicht nur die Wunden, die entstehen, wenn man hinfällt und sich das Knie aufschlägt.«

Fürst Alexander schwieg hartnäckig. Seine Miene war verschlossen, wie versteinert. Nur in seinen Augen brannte ein Feuer, das von unterdrückten Gefühlen sprach.

Sybille kannte ihren Bruder gut genug, um zu wissen, dass er sich seine wahren Empfindungen nicht eingestehen wollte und konnte. So war es schon immer gewesen. Sie hatte stets versucht, ihm klarzumachen, wie gut es tat, über das zu reden, was man fühlte. Doch es war ihm schwergefallen. Und daran hatte sich bis heute nichts geändert.

»Dir ist doch hoffentlich klar, dass deine Ehe letztendlich auch darunter gelitten hat«, erinnerte sie ihn ernst. »Andrea war ein offener Mensch. Sie konnte es auf Dauer nicht ertragen, dass du sie immer gegen eine Wand hast laufen lassen. Bitte, Alex, mach diesen Fehler jetzt nicht noch einmal.«

»Ich möchte nicht darüber reden«, sagte er vage. »Bitte entschuldige mich, Sybille, ich muss ins Büro.«

»Ja, schon gut.« Sie sah ihm missbilligend hinterher.

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