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Fürsten-Roman - Folge 2432

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Champagner trinkt man nicht allein, Prinzessin!
  4. Vorschau

Champagner trinkt man nicht allein, Prinzessin!

Als die temperamentvolle Schlosserbin Desiree gezähmt wurde

Von Caroline Thanneck

Nach einer sehr schmerzhaften Enttäuschung hat Desiree Prinzessin von Rothmann mit der Liebe erst einmal abgeschlossen – so glaubt sie jedenfalls. Die Arbeit in der Reederei ihrer Eltern füllt sie aus, und sie ist mit ihrem Leben zufrieden. Doch dann muss sie erfahren, dass das Unternehmen ihres Vaters in großen Schwierigkeiten steckt. Nur einer kann helfen, und der wäre unter gewissen Umständen auch dazu bereit. Doch bei dem möglichen Retter in der Not handelt es sich ausgerechnet um Maximilian Fürst von Hassenstein, einstmals Desirees große Liebe und ausgerechnet der Mann, der die Prinzessin vor Jahren so tief verletzt hat.

Und tatsächlich macht Fürst Maximilian es Desiree nicht leicht, denn er stellt eine unglaubliche Bedingung: Er wird der Reederei nur dann unter die Arme greifen, wenn Desiree mit ihm eine Kreuzfahrt auf einem der Schiffe ihres Vaters unternimmt …

»Willst du wirklich für immer alleine bleiben, Desiree?« Gesa von Treuen sah ihre Freundin mit sanftem Tadel an.

Die Angesprochene war eine junge Frau mit lebhaft blitzenden Augen. Sie hob verwundert den Kopf, sodass ihre langen blonden Haare schwungvoll über ihre Schultern nach hinten fielen. Desiree von Rothmann stand auf dem Anhänger des Koffers, der über ihr im Gepäcknetz lag.

»Wie kommst du darauf, dass ich alleine bleiben möchte?«

»Weil du allen Verehrern einen Korb gibst.« Die brünette Grafentochter schloss die Hände um einen Pappbecher mit heißem Tee. »Erst gestern hat mich Philipp angerufen und mir erzählt, dass er bei dir abgeblitzt ist. Er war am Boden zerstört.«

»Oh!«, rutschte es Desiree heraus.

»Genau!« Ihre Freundin sah sie vorwurfsvoll an. »Was stört dich an ihm? Philipp von Straaten wird nicht nur eines Tages Baron sein, sondern auch einem gewaltigen Handelsimperium vorstehen. Außerdem ist er verrückt nach dir. Warum gibst du ihm nicht wenigstens eine Chance?«

Die Fürstentochter antwortete nicht gleich. Gedankenverloren strich sie sich durchs Haar und blickte aus dem Zugfenster. Der Intercity-Express rauschte in Windeseile an einsamen Bauernhöfen, tief verschneiten Feldern und schmalen Waldstrichen vorüber. Der Zug war nur spärlich besetzt, sodass die Freundinnen ein Abteil für sich hatten.

»Philipp ist ein netter Kerl«, gab Desiree schließlich zurück, »aber ich liebe ihn nun mal nicht.«

»Vielleicht kennst du ihn einfach noch nicht gut genug. Verabrede dich doch mal mit ihm, lerne ihn richtig kennen. Dann ergibt sich alles Weitere von selbst!«

»Du bist immer so optimistisch.«

»Und du musst dir endlich mal einen Ruck geben und die alten Geschichten vergessen. Ich glaube wirklich, dass ihr beiden, Philipp und du, gut zusammenpassen würdet.«

»Nein, Gesa«, wehrte Desiree ab. »Manche Menschen sind nicht für Beziehungen geschaffen. Und zu denen gehöre ich.«

»Unsinn! Woher willst du das wissen?«

»Aus Erfahrung. Also hör bitte auf, mich verkuppeln zu wollen!«

»Willst du denn nicht wissen, wie ein Leben voller Liebe aussieht? Du bist einsam, und das solltest du nicht sein. Du bist doch erst vierundzwanzig!«

»Ich werde nie wieder zulassen, dass ein Mann auf meinen Gefühlen herumtrampelt«, erwiderte Desiree leise.

»Eine Garantie auf Glück gibt es leider nicht«, gab ihre Freundin zu. »Was glaubst du, welche Ängste und Zweifel ich anfangs hatte, ob es mit Thomas und mir gut geht. Und nun …«

Sie brach ab und strich sich mit leuchtenden Augen über den gewölbten Leib, der verriet, dass ihr Mann und sie in wenigen Wochen Eltern sein würden.

»Ich freue mich so für dich, dass du den Richtigen gefunden hast«, erwiderte Desiree warm.

»Auf dich wartet ›Mister Right‹ auch irgendwo da draußen!« Gesa deutete vage mit der Hand aus dem Zugfenster. »Deine Eltern sind das beste Beispiel für eine glückliche Beziehung.«

Die Miene der Fürstentochter wurde weich. Es stimmte, ihre Eltern führten seit nahezu fünfundzwanzig Jahren eine harmonische Ehe. Die ausgeglichene Art der Fürstin ergänzte das energische Temperament ihres Mannes perfekt.

»Wann warst du eigentlich das letzte Mal aus, Desiree?«

»Letzte Woche war ich mit einigen Kollegen im Theater.«

»Das zählt doch nicht. Ich meine ein Rendezvous! Wann hattest du das letzte Mal eine Verabredung?«

»Vor einer Weile …«

»Also vor Monaten bestenfalls.« Gesa seufzte tief auf. »Das neue Jahr hat gerade erst angefangen. Versprich mir, dich in Zukunft öfter zu verabreden. Gib der Liebe noch eine Chance!«

»Lieber nicht. Unverbindliche nette Abende – das ja, aber mehr will ich nicht«, wehrte Desiree ab. »Zu mehr fehlt mir auch die Zeit. Meine Arbeit füllt mein Leben völlig aus.«

Sie hatte ihr Studium der Betriebswirtschaft in Rekordzeit abgeschlossen und arbeitete seit einem Jahr in der Reederei ihrer Eltern mit. Sie betreute die Handelskunden, die ihre Waren von einem Teil der Welt in einen anderen verschiffen lassen wollten. Deswegen war sie oft beruflich unterwegs und lernte ständig neue Menschen kennen. Doch sie vermied engere Beziehungen, und das aus gutem Grund …

»Was für ein schöner Zufall, dass wir beide uns am Bahnhof getroffen haben«, riss ihre Freundin sie aus ihren Gedanken. »Wie lange bleibst du bei deinen Eltern?«

»Das weiß ich noch nicht. Ich habe keine Ahnung, warum sie mich so plötzlich nach Hause rufen.«

»Vielleicht haben sie mal wieder einen Heiratskandidaten für dich auserkoren?«

»Hoffentlich nicht!«

»Schau ihn dir wenigstens an.«

»Lieber nicht. Du weißt, dass ich mit Männern einfach kein Glück habe. Denk nur mal an Hannes!«

»Der war wirklich ein Fehlgriff«, gab Gesa zu. »Er hat sich an dich herangemacht, um in Ruhe Wertsachen aus dem Schloss deiner Eltern stehlen zu können. Hatte er nicht die Finger schon in der Schmuckschatulle deiner Mutter, als dein Vater ihn zufällig ertappte?«

»So war es«, bestätigte Desiree seufzend. »Und nach Hannes wurde es sogar noch schlimmer.«

»Du meinst Maximilian, oder?« Mitfühlend sah Gesa sie an.

Desiree nickte, doch ihre fest zusammengepressten Lippen verrieten, dass sie das Thema nicht vertiefen wollte.

Ihre Freundin schien das zu verstehen, denn sie wechselte das Thema.

»Ich hoffe, du bleibst eine Weile daheim, dann können wir uns oft treffen. Mir fehlen unsere Plaudernachmittage von früher sehr! Seit du zum Studium weggegangen bist, sehen wir uns viel zu selten!«

»Du fehlst mir auch«, gestand Desiree.

»Wir müssen uns bald einmal zum Tee treffen. Und dann will ich alles über den rätselhaften Unbekannten wissen, mit dem deine Eltern dich verkuppeln wollen. Ich erfahre solche romantischen Sachen ja nur noch aus zweiter Hand!« Gesa lächelte verschmitzt.

Im nächsten Augenblick wurde im Lautsprecher die Ankunft in Kiel angekündigt. Die beiden Freundinnen machten sich bereit auszusteigen. Sie zogen ihre warmen Jacken über und griffen nach ihrem Gepäck. Gesa von Treuen hatte eine Tasche mit Babysachen bei sich, die ihre Eltern ihr bei ihrem Besuch daheim in Hamburg geschenkt hatten.

Normalerweise hätte sie ebenso wie Desiree die Fahrt mit dem Auto gemacht, aber viele Straßen waren wegen Schneeverwehungen gesperrt. So hatten sie beide die Bahn bevorzugt, die noch am ehesten durchkam.

Der Zug hielt mit quietschenden Bremsen an, und die Freundinnen stiegen aus.

Vor dem Bahnhof wurde Gesa von ihrem Mann abgeholt. Sie umarmte Desiree zum Abschied und wiederholte ihre Einladung zum Tee. Dann fuhr sie mit ihrem Mann davon, während Desiree in die wartende Limousine ihrer Eltern stieg.

Justus, der Chauffeur, steuerte den Wagen. Desiree wusste, dass sie seinen Fahrkünsten bedenkenlos vertrauen konnte, und ließ ihre Gedanken schweifen.

Sie war vor einem Jahr nach Hamburg gezogen, wo sich der Stammsitz der Rothmann-Reederei befand. Sie lebte in einem sonnigen Apartment am Stadtrand und war im Großen und Ganzen mit ihrem Leben zufrieden. Manchmal allerdings sehnte sie sich nach einem Menschen, der abends daheim auf sie wartete. Und nach jemandem, für den sie da sein konnte.

Vielleicht sollte ich mir einen Hund anschaffen, überlegte sie, seufzte dann aber, als sie sich ausmalte, was ihre beste Freundin von dieser Idee halten würde.

Nachdenklich blickte Desiree aus dem Fenster und beobachtete, wie die letzten Häuser von Kiel langsam zurückblieben und sie durch einsame Schneelandschaften und verträumte Dörfer fuhren.

Im Stillen sorgte sie sich um ihre Eltern. Ihr Vater hatte am Telefon nervös geklungen. Gab es daheim vielleicht einen Notfall? Was, wenn es diesmal nicht um einen Heiratskandidaten ging, sondern um etwas Schlimmes?

Ihr Herz klopfte immer heftiger gegen ihre Rippen, je länger die Fahrt dauerte. Als am Horizont die vertrauten roten Backsteinmauern des Fürstenschlosses auftauchten, atmete sie auf. Sie war zu Hause!

Bereits seit dreihundert Jahren trotzte das Schloss den Urgewalten des Meeres. Es bot einen einladenden Anblick, wie es sich mit seinen verschneiten Dächern zum Himmel reckte. In die dunklen Mauern waren hohe Rundbogenfenster eingelassen. Aus den Schornsteinen quoll Rauch.

Der Wagen stoppte im Schlosshof, und Desiree stieg aus. Es hatte wieder zu schneien begonnen.

Lächelnd blickte Desiree zu dem Fahnenmast hinauf, der sich einsam über dem Westturm erhob. Als kleines Mädchen hatte sie dort einmal eine schwarze Piratenflagge gehisst und gehofft, dass ein fremdes Schiff bei ihnen anlegen würde.

Daraufhin hatte sich Gesa mitten in der Nacht als Pirat verkleidet in ihr Zimmer geschlichen und ihr einen Heidenschrecken eingejagt. Sie neckte Desiree noch heute mit ihrem Faible für Seefahrer.

Das Schlossportal wurde geöffnet, und ein silberhaariger Diener in schwarzer Livree eilte heraus.

»Willkommen daheim, Prinzessin«, sagte er würdevoll, während er nach dem Gepäck griff.

»Danke, Quentin.« Desiree lächelte dem alten Mann freundlich zu. »Sind meine Eltern zu Hause?«

»Ja, gnädiges Fräulein. Die Herrschaften halten sich im grünen Salon auf.«

Desiree nickte und betrat das Schloss, das mit seinen zahlreichen Zimmern und Erkern auf fremde Besucher riesig und unübersichtlich wirken mochte. Desiree jedoch kannte und liebte jeden Winkel ihres Zuhauses.

Sie eilte durch die elegante Eingangshalle und betrat den Salon. Ihre Eltern saßen sich mit sorgenvollen Mienen gegenüber und schienen gerade in einen Disput vertieft zu sein. Doch als Desiree eintrat, standen sie auf.

»Mein liebes Kind!« Fürst Richard umarmte Desiree, ehe ihre Mutter lächelnd ihre Rechte einforderte und sie ebenfalls in die Arme schloss.

Zu Desirees Erleichterung schienen sie beide kerngesund zu sein.

»Es ist gut, dass du so schnell gekommen bist«, sagte der Fürst.

»Du hast es ja auch eilig gemacht, Papa. Ist alles in Ordnung bei euch?«

Ihre Eltern tauschten einen langen Blick.

»Gottlob sind wir gesund«, gab der Fürst zurück. »Allerdings ist da etwas, was wir mit dir besprechen müssen.«

»Wenn es wieder ums Heiraten geht …«

»Nein, diesmal nicht.« Der Fürst räusperte sich. »Unser Leben wird sich bald grundlegend ändern, Desiree. Sicherlich hast du bemerkt, dass wir in der Firma nicht mehr so viele Kunden haben wie früher.«

»Ja, natürlich. Hast du mich deshalb herbestellt?«

»Leider ja. Unsere Reederei ist in großen Schwierigkeiten.« Er holte tief Luft. »Desiree, wir sind so gut wie bankrott!«

»Was?« Erschrocken riss sie die Augen auf. Das hatte sie freilich nicht erwartet! »Aber wie ist das möglich?«

»Wir kämpfen schon seit einigen Jahren mit der schlechten Wirtschaftslage. Immer weniger Urlauber buchen eine Kreuzfahrt auf unseren Schiffen. Und die Handelsunternehmen lassen ihre Waren lieber einfliegen, als sie per Schiff zu transportieren. Das geht schneller und ist billiger.«

»Aber wir haben doch Kunden, Papa!«

»Ja, noch. Aber es werden von Jahr zu Jahr weniger. Manchmal glaube ich, unsere Konkurrenten kennen unsere Angebote besser als wir selbst und unterbieten uns deshalb.«

»Du meinst, jemand spioniert uns aus?«

»Ganz ausschließen würde ich es nicht.« Auf einmal wirkte das Gesicht des Fürsten um Jahre gealtert. »Die Reederei und unser Zuhause stehen auf dem Spiel.«

Er bedachte sie mit einem eigenartigen Blick, und auf einmal verspürte Desiree ein mulmiges Gefühl im Magen.

»Kann ich etwas tun, um zu helfen?«, fragte sie leise.

»Das hoffe ich.« Ihr Vater holte tief Luft. »Du bist unsere letzte Hoffnung. Wir brauchen einen Teilhaber. Ich habe jemanden gefunden, aber er besteht darauf, mit dir zu verhandeln – und mit niemandem sonst.«

»Wer ist es denn?«, wollte Desiree wissen.

Als ihr Vater ihr den Namen nannte, erbleichte sie, denn er bat sie darum, einen Schwur zu brechen, den sie in ihrer dunkelsten Stunde vor sich selbst geleistet hatte.

***

»Schach!« Maximilian von Hassenstein schob seinen Turm zwei Felder vor, ehe er sich wieder in seinem Sessel zurücklehnte.

»Verflixt! Wie hast du das so schnell geschafft?« Sein Bruder kratzte sich am Kopf und starrte angestrengt auf das Schachbrett. Sein König war eingekreist von gegnerischen Spielfiguren und wurde nur noch von einem Springer beschützt. »Ich bin so gut wie matt!«

»Du bist aus der Übung«, stellte Maximilian fest und hüllte sich in eine Wolke aus Pfeifenrauch.

»Sieht so aus«, versetzte Daniel düster.

»Aber du weißt ja, was man sagt: Pech im Spiel, Glück in der Liebe!« Die sympathischen Lachfältchen um die Augen des Fürsten vertieften sich.

»Schön wär’s! Aber noch gebe ich mich nicht geschlagen!«

Während Daniel noch über seinen nächsten Zug nachdachte, wurde die Tür geöffnet. Ein Butler betrat die Bibliothek und verbeugte sich vor dem Fürsten.

»Wünschen Sie noch etwas zu trinken, Durchlaucht?«

»Nein, vielen Dank, Jost«, gab Maximilian zurück. »Es ist spät geworden. Du kannst dich zur Ruhe begeben. Wir bedienen uns selbst, wenn wir noch etwas benötigen.«

»Dann wünsche ich Ihnen eine gute Nacht, Durchlaucht.« Der Butler verbeugte sich und verschwand ebenso lautlos, wie er gekommen war.

Stille kehrte in das Bücherzimmer ein, nur unterbrochen vom heimeligen Knistern des Kaminfeuers und dem Sturm, der um die Mauern des Schlosses pfiff.

»Ich bin in zwei Zügen schachmatt«, stellte Daniel niedergeschlagen fest und starrte düster auf das Schachbrett.

Maximilian nickte. »Möchtest du eine Revanche?«

»Heute nicht. Noch eine Niederlage wäre selbst für mich zu viel.« Missmutig schob sein Bruder das Brett von sich. »Wollen wir uns noch zusammen einen Film ansehen?«

»Morgen Abend gern. Heute ist es schon zu spät dafür.«

»Wieso? Es ist doch noch nicht mal Mitternacht!«

»Stimmt, aber ich muss morgen früh um sechs aufstehen.«

»Selbst schuld. Du bist doch der Chef. Warum bestimmst du nicht, dass erst ab Mittag gearbeitet wird?« Daniel winkte ab, als sein Bruder gerade ärgerlich auffahren wollte. »Schon gut, jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden, sage ich immer.«

»Du kannst dir ja noch einen Film anschauen.«

»Klar, vielleicht tue ich das. Kann ich vorher noch etwas mit dir besprechen?«

»Natürlich! Worum geht es denn?«

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