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Fürsten-Roman - Folge 2431

Verliebt in den Chauffeur?

Annalena ahnt nicht, dass Johann ein Prinz ist

Von Juliane Sartena

Johann Prinz von Heistercamp, Chef eines angesehenen Familienunternehmens, hat die Nase voll vom Luxusleben – und von den zahlreichen jungen Frauen, die sich nur für ihn interessieren, weil er adelig und reich ist. Also beschließt er, für einige Zeit aus seinem Leben als Prinz auszusteigen und nur mit dem Nötigsten bepackt zu verreisen. Er will etwas Neues kennenlernen und endlich einmal erleben, dass man den Menschen in ihm sieht, nicht den Prinzen und Millionenerben.

Auf einem Campingplatz in der Toskana lernt er die Werbetexterin Annalena kennen und verliebt sich auf den ersten Blick in die hübsche junge Frau, die nichts von seiner wahren Identität ahnt. Als sie ihm anvertraut, dass sie gerade auf der Suche nach einem Job ist, kommt Johann eine Idee. Er erzählt Annalena, dass in den fürstlichen Heistercamp-Werken gerade eine Werbetexterin gesucht wird, und behauptet, selbst als Chauffeur in der Firma zu arbeiten …

Johann Prinz von Heistercamp blickte um sich und seufzte. Alles, was ihn umgab, kündete von kultiviertem Reichtum und Luxus: der mächtige Schreibtisch, die Teppiche in seinem großzügigen Arbeitszimmer, die Bilder an den Wänden, die kleine Tänzerin aus Porzellan, die auf dem schimmernden Holztisch stand … Doch es war eben diese gediegene Pracht, die ihn verstimmte.

Sein Blick blieb an einer goldgerahmten Fotografie hängen, die seinen Schreibtisch zierte. Die Komtess von Holtenstein war wunderschön und stammte aus einer der ältesten Adelsfamilien Norddeutschlands.

Auch sie war das reinste Luxusgeschöpf. Leider hatte sie dort, wo andere Menschen ein Herz zu haben pflegten, nur einen Geldbeutel. Zu dieser Erkenntnis zumindest war Prinz Johann bezüglich des Charakters seiner Ex-Verlobten gekommen.

Mit einer entschiedenen Geste klappte er den Rahmen des Fotos zusammen und legte das Bild der schönen Komtess mit der Fläche nach unten. Er hatte keine Lust, sie länger zu betrachten.

Plötzlich schlug er mit der Faust auf den Tisch und erhob sich, um ans Fenster zu treten.

Unter ihm erstreckte sich der gepflegte Park von Schloss Heistercamp. Er konnte seine Mutter hören, wie sie sich mit dem Gärtner über die Rosen unterhielt. Offensichtlich stand zur Diskussion, ob man die Rosen zuschneiden sollte.

Prinz Johann entschloss sich, nach unten zu gehen, um mit seiner Mutter zu reden – nicht über die Dornen der Rosen, sondern über einen anderen Stachel, der ihm im Herzen saß.

Auf der Treppe begegnete ihm eines der Dienstmädchen, das einen Knicks andeutete.

»Warum knicksen Sie vor mir?«, fuhr er sie gereizt an.

Sie blickte ihn mit erschrockenen runden Augen an.

»Ich wollte Eure Durchlaucht nur begrüßen.«

»Ich bin nicht ›Eure Durchlaucht‹», schimpfte er. »Ich heiße Johann von Heisterkamp, und einen Knicks will ich auch keinen. Ich wünsche, wie ein normaler Mensch behandelt zu werden. Wir leben schließlich nicht mehr im neunzehnten Jahrhundert, und Sie sind hier für den Haushalt angestellt und spielen in keiner Operette mit!«

»Aber Ihre Frau Mutter hat angeordnet …«

Sicher. Das arme Ding hatte recht. Seine Mutter legte Wert darauf, dass die Angestellten sich respektvoll verhielten, wie sie das nannte.

»Ist schon gut.« Er winkte ab. »Würden Sie meiner Mutter bei dieser Gelegenheit vielleicht gleich ausrichten, dass ich Sie gern sprechen möchte?«

»Selbstverständlich.« Das Mädchen unterdrückte gerade noch rechtzeitig den Impuls zu einem weiteren Knicks und eilte stattdessen rasch nach unten.

Es dauerte nicht lange, und Marietta Fürstin von Heisterkamp kam nach oben. Obwohl sie bereits ihr fünfzigstes Lebensjahr überschritten hatte, war sie immer noch eine sehr gut aussehende Frau. Bis auf ihr grau gewordenes Haar, das sie in leichten Wellen trug, wirkte sie jugendlich und schlank.

»Du wolltest mich sprechen?«, erkundigte sie sich.

»Ja. Es wäre schön, wenn du ein paar Minuten für mich erübrigen könntest.«

»Selbstverständlich. Lass uns doch in den Salon gehen.«

Fürstin Marietta nahm auf einem der mit geblümtem Chintz überzogenen Chippendale Sessel Platz und blickte ihren Sohn erwartungsvoll an. Dabei versuchte sie, sich die Anwandlung von Stolz, die sie bei seinem Anblick empfand, nicht ansehen zu lassen.

Prinz Johann war ihr einziges Kind, und er war ihr nach dem frühen Tod ihres Mannes ganz besonders ans Herz gewachsen. Sie wollte, wie alle Mütter, das Beste für ihren Sohn und legte großen Wert darauf, dass man ihn als den Erben der Heistercamp-Werke anerkannte und er seiner Rolle als »Kronprinz« gerecht wurde.

Nun stand er vor ihr, groß, schlank und ernst, ja fast ein wenig düster dreinschauend – ein sicheres Zeichen dafür, dass ihm etwas nicht passte.

»Nun, um was geht es?«, erkundigte sie sich.

Prinz Johann trat an den in der Ecke stehenden Getränkewagen, um für sich und seine Mutter ein Sodawasser einzuschenken.

»Danke«, sagte Fürstin Marietta, während sie das ihr gereichte Glas entgegennahm.

»Bitte.«

Sie schwiegen einen Augenblick lang.

»Nun sag schon, was los ist«, forderte die Fürstin ihren Sohn dann auf.

Er ging in langen Schritten auf und ab, bis er schließlich vor dem Platz seiner Mutter stehen blieb.

»Ich habe es satt«, erklärte er.

Sie zog die Augenbrauen nach oben.

»Was, bitte schön, hast du satt?«, wollte sie wissen.

»Mein ganzes prinzliches Dasein«, entgegnete er nicht ohne Heftigkeit. »Ich will nicht länger Millionär sein, ich will nicht länger Juniorchef der Sport- und Golfartikelfirma Heistercamp sein, und ich will nicht länger Prinz sein!«

»Du lieber Himmel!«, rief die Fürstin, indigniert über diese Anwandlungen ihres Sohnes, aus. »Was willst du denn dann sein?«

»Ich will einfach nur Mensch sein. Ein ganz normaler Mensch, ohne Titel und ohne Millionen.«

Fürstin Heistercamp schüttelte sichtlich irritiert den Kopf.

»Das sind doch sehr bescheidene Wünsche …«, meinte Prinz Johann zu seiner Verteidigung.

»Das schon, aber sie sind doch auch reichlich unrealistisch«, gab seine Mutter zu bedenken. »Du bist nun mal als Prinz von Heistercamp auf diese Welt gekommen, du hast nun mal Millionen geerbt, und ich besitze nun mal einen Sportartikelkonzern, dessen Juniorchef du bist. Diese Dinge lassen sich nicht ändern, und weiß Gott, ich kann dir versichern, viele Menschen wären froh und glücklich, in deiner Lage zu sein!«

»Natürlich, da hast du recht«, stimmte er ihr zu. »Aber dieser luxuriöse Hintergrund lässt mir keine Gelegenheit, mich selbst zu beweisen – wenn du verstehst, was ich meine.«

Der Blick der Fürstin blieb kritisch.

»Lass mich dir ein Beispiel sagen«, versuchte er ihr zu erklären. »Wenn mich die Dienstboten mit einem Knicks begrüßen, dann tun sie das nicht, weil ich so ein großartiger Mensch bin, sondern nur, weil wir immens viel Geld haben und ich ein Prinz bin.«

»Na und?« Die Fürstin winkelte elegant ihre Beine an. »Was ist dagegen einzuwenden?«

»Vermutlich nichts. Aber ich möchte um meiner selbst willen geachtet werden. Ich möchte, dass man den Menschen in mir sieht, nicht den Adligen und Firmenchef.«

»Aber das sind doch Kindereien!«

»Das sind keine Kindereien.«

»Jedenfalls bildest du dir etwas ein. Denk doch nur an die vielen Frauen, die für dich schwärmen«, führte die Fürstin als Argument ins Feld.

»Eben«, unterbrach er sie trocken.

»Was heißt hier ›eben‹? Du bist ein sehr gut aussehender junger Mann. Die sind bestimmt nicht wegen des Geldes hinter dir her.«

Er stellte sein Glas auf den Tisch.

»Ich fürchte doch, liebe Maman«, widersprach er.

»Lächerlich! Natürlich gibt es Frauen, die versuchen, sich einen Prinzen zu angeln. Aber viele haben das nicht nötig. Komtess Holtenstein beispielsweise kommt selbst aus einer angesehenen Familie …«

»… die leider über keinen Cent mehr verfügt«, ergänzte Prinz Johann. »Ich weiß, dass die Komtess ihre Verlobung mit Baron Stelzer gelöst hat, kaum dass sie die entfernte Chance gewittert hat, eine Prinzessin von Heistercamp zu werden. Und warum? Weil sie mich so geliebt hätte, etwa?« Seine Stimme klang bitter, als er fortfuhr: »Weit gefehlt! Weil mein Bankkonto das des Barons weit übersteigt – darum!«

»Dafür gibt es keine Beweise.«

»Doch. Sie hat nämlich weiterhin eine Affäre mit dem guten Stelzer – die sie meinetwegen auch haben kann. Mein Herz wird daran nicht zerbrechen«, fügte er rasch hinzu. »Aber ärgerlich ist die Vorstellung eben doch, dass man nur auf meinen Titel und mein Erbe abzielt.«

Um seiner Erregung Herr zu werden, fing er wieder damit an, auf und ab zu gehen.

»Mag ja sein, dass die Komtess eine Enttäuschung für dich war«, musste seine Mutter notgedrungen zugeben. »Aber es gibt schließlich noch viele andere Frauen.«

»Viele andere Frauen, die sich ebenfalls von meinen Millionen angezogen fühlen«, bemerkte Prinz Johann sarkastisch.

»Du hast dich da in eine Vorstellung verrannt, die nur wenig mit der Wirklichkeit zu tun hat«, versuchte die Fürstin ihn zu beruhigen.

»Nein, das habe ich nicht. Vielmehr bin ich auf der Suche nach dem wirklichen Leben. Deshalb habe ich mich entschlossen, auszusteigen«, verkündete Johann von Heistercamp.

»Was, bitte schön, soll das heißen?«, rief Fürstin Marietta alarmiert aus.

»Nichts weiter, als dass ich vorhabe, meinen Geldsack und Prinzentitel für eine Weile hinter mir zu lassen und als normaler Mensch in die Welt hinauszuziehen. Ohne den Ballast von etlichen Millionen und einer mehrzackigen Krone.«

»Du kannst doch die Firma nicht einfach allein lassen!« Die Fürstin war entsetzt.

»Warum nicht?«, entgegnete Prinz Johann. »Wir haben tüchtige Manager, die ein gutes Gehalt für ihre Arbeit beziehen. Und du selbst bist schließlich auch noch hier. Keine Sorge, das Heistercamp-Imperium wird schon nicht gleich zusammenbrechen, nur weil ich für einige Zeit Ferien mache – Ferien vom Prinzen- und Millionärsdasein.«

»Was für eine verrückte Idee!«, rief die Fürstin aus, machte aber keine weiteren Anstalten mehr, ihn davon abzuhalten, da sie erkannte, dass es sinnlos gewesen wäre.

Er lachte. »Genau das will ich die nächste Zeit sein: frei, und meinetwegen auch ein wenig verrückt!«, bemerkte er, bevor er den Raum verließ.

***

Annalena Naumann war früh wach geworden. Das lag weniger an dem harten Zeltboden, der unter ihrem Schlafsack zu spüren war, als an einem Gefühl von Urlaubslaune und Freiheit, das sie überkam.

Um ihre Freundin Laura, die noch schlief, nicht zu wecken, öffnete sie vorsichtig den Reißverschluss des Zeltes. Es war zu sehen, dass es wieder ein schöner, heißer Tag werden würde.

Annalena sog den leicht salzigen Geruch ein, der die Nähe des Meeres spüren ließ, und kroch nach draußen, um sich der Sonne entgegenzustrecken.

Lediglich ein kleines Pinienwäldchen trennte sie vom Meeresstrand. Man konnte das gleichmäßige Rauschen der Wellen bereits hören.

Leichten Schrittes joggte sie die paar Meter zum Strand, der zu dieser frühen Stunde noch ganz leer war.

Da sie keinen Bikini dabei hatte, entledigte sie sich rasch ihres T-Shirts und der Sporthose, die ihr als Schlafanzug gedient hatten, und stürzte sich nackt in die Fluten.

Sie genoss die prickelnde Kühle des Wassers auf ihrer Haut und tat ein paar kräftige Schwimmzüge.

Danach raffte sie schnell ihre Kleidung zusammen, zog sich wieder an und lief zurück zum Zeltplatz, der zum Glück kaum belegt war.

Mittlerweile war auch ihre Freundin Laura wach geworden und begrüßte sie mit frisch gekochtem Kaffee.

»Na, hast du bereits dein Morgenbad genommen?«

Annalena schüttelte lachend ihr langes blondes Haar aus und band es zu einem Pferdeschwanz hoch.

»Ja. Es ist herrlich, so früh am Morgen.«

»Da hast du sicher recht«, stimmte ihre Freundin ihr zu. »Obwohl ich persönlich erst ein ordentliches Frühstück brauche, bevor ich in irgendeiner Form aktiv werden kann. Leider sind unsere Vorräte ziemlich aufgebraucht. Ich werde später gleich in den Ort fahren, um etwas einzukaufen.«

»Willst du nicht vorher noch mal schwimmen gehen?«, schlug Annalena vor.

»Nein. Das mache ich lieber später.«

»Mit diesem Zeltplatz hier haben wir richtig Glück gehabt, findest du nicht auch?«, bemerkte Annalena, während sie ihre Beine ausstreckte. »Er liegt so nah am Meer, ist gar nicht überlaufen, und gleichzeitig sind alle notwendigen sanitären Anlagen vorhanden. Außerdem ist die toskanische Riviera wunderschön.«

»Ja, hier lässt es sich aushalten«, stimmte Laura ihr zu. »Verdammt schade, dass ich nur noch eine Woche Zeit habe, bis die Schule wieder anfängt – obwohl ich mich schon auf mein Referendariat freue.«

»Das kann ich mir vorstellen, Frau Lehrerin«, scherzte Annalena. »Dann kannst du den ganzen Tag deine Schüler herumkommandieren, was dir bestimmt Spaß machen wird.«

Laura lachte. »Ich möchte bezweifeln, dass das so ohne Weiteres möglich sein wird. Schule ist heutzutage eine echte Herausforderung.«

»Damit hat du ganz bestimmt recht. Aber es ist eine Herausforderung, die bestimmt Freude macht. Und sei froh, dass du wenigstens eine Stellung hast«, gab Annalena zu bedenken. »Ich hingegen stehe da mit meiner Ausbildung zur Werbetexterin und muss sehen, ob sich irgendeine Zeitung oder Werbeagentur meiner erbarmt und mir wenigstens ein Praktikum anbietet.«

»Es wird sich schon was finden«, ermunterte Laura sie. »‚Mit vierundzwanzig steht einem die ganze Welt offen’, pflegt meine Mutter immer zu sagen.«

»Na, wollen wir es hoffen. Aber ich will mir jetzt nicht länger den Kopf über die Zukunft zerbrechen, sondern lieber den Augenblick genießen.«

»Recht hast du.« Laura lachte. »An einem so herrlichen Ferientag wie heute soll man sich nicht mit zu vielen Gedanken belasten.«

***

Der Prinz von Heistercamp machte sich ohne viel Gepäck auf den Weg.

Er hatte sich von einem Bekannten einen etwas ältlichen, bescheidenen Kleinwagen ausgeliehen, auf dessen Rücksitz ein Zelt, Kochgeschirr und eine Isomatte untergebracht waren. Mehr, so fand er, brauchte er nicht. Je weniger er mitnahm, desto besser.

Seine Reise begann er ohne ein konkretes Ziel im Kopf, aber sein Weg führte ihn automatisch in den Süden. Seine Fahrt verlief gemächlich. Am ersten Tag überquerte er die Alpen, am zweiten Tag machte er in Mailand Station, am dritten Tag erreichte er die Toskana. Hier beabsichtigte er ein paar Tage zu bleiben.

Hotels, malerische Weinberge und exklusive Ferienhäuser ließ er links liegen. Das war nicht das, was er anstrebte, denn er suchte das »e

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