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Fürsten-Roman - Folge 2430

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Du sollst heiraten, Prinzessin Merle
  4. Vorschau

Du sollst heiraten, Prinzessin Merle

Als Friederike, Sophie und Carl einen Mann für ihre Tante suchten

Von Marion Alexi

Merle von Hohensinner ist in Adelskreisen nicht gern gesehen. Denn die bildhübsche Prinzessin ist ein international gefragtes Topmodel – und so ein Job ist schließlich völlig unpassend für jemanden von ihrem Stand!

Einzig ihre Halbschwester, Baronin Regine, steht fest zu Merle, und auch deren drei Kinder lieben die attraktive Prinzessin über alles. Und weil die drei am liebsten immer mit Merle zusammen sein wollen, sind sie der Meinung, ihre Tante brauche endlich einen Mann. Denn dann würde sie das Herumreisen bestimmt aufgeben. Einen passenden Kandidaten haben die Kinder auch schon gefunden: Bendix Fürst von Zierow. Also setzen die drei Schlingel alles daran, Merle und Bendix zusammenzubringen …

»Für mich ist und bleibt Paris die schönste Stadt der Welt!«, teilte Fürstin Emma von Zierow ihrem Sohn mit, als sie vor der prachtvollen Fassade der Oper Aufstellung nahm – gegen ihre Gewohnheit, denn sie liebte es nicht, sich inmitten einer Menschenmenge aufzuhalten und zu riskieren, womöglich erkannt und begafft zu werden.

An diesem besonderen Tag wich sie jedoch nicht mehr von der Stelle, und sie wirkte wie ein eleganter Fels in der Brandung der Touristen, die zu dieser frühen Stunde schon in der Stadt an der Seine unterwegs waren.

Die silberblonde Fürstin war filigran und bewegte sich rasch und grazil. Ihr Teint, obwohl zerknittert wie feinstes Seidenpapier, schimmerte elfenbeinfarben durch den zarten Puderschleier. An der linken Schulter des maßgeschneiderten Kostüms trug sie eine fein gemalte Miniatur im exquisiten Goldrahmen: ihr vor Jahren schon verstorbener Gatte.

Fürst Oskar war so groß gewesen, dass er zu ihr hinuntersehen musste. So wie Männer von jeher auf Emmas vornehme Zartheit hinuntergeschaut und sich dabei kraftvoller und männlicher gefühlt hatten, als sie in Wirklichkeit gewesen waren.

Trotz ihrer vornehmen Zerbrechlichkeit war indes etwas Entschlossenes um die vollkommene Gestalt der Fürstin. Ein fester Wille war im Blick der Augen zu erkennen, die klar und unbeschwert wie die Augen eines Kindes glänzten, noch unbekannt mit den Komplikationen des Lebens.

»Genau das war der Wunsch Kaiser Napoleons: Paris sollte die schönste Stadt der Welt werden«, bemerkte der Fürst.

Der beiläufige Unterton hätte seiner Mutter zu denken geben sollen. Schließlich war er der liebenswürdigste, aufmerksamste und anteilnehmendste Sohn von allen, wie sie selbst nicht müde wurde zu bekunden.

Insbesondere in Gegenwart anderer Damen, deren Söhne nicht halb so fürsorglich waren und in keinster Weise an den überdies höchst attraktiven Bendix heranreichten.

Emma zog missbilligend die Brauen hoch, denn ihrer Meinung nach war dieser Napoleon I. trotz seines Ruhms unabänderlich ein rücksichts- und gewissenloser Usurpator, der den Bourbonen den angestammten Thron geraubt hatte.

»Als dein herzensguter Vater und ich damals hier waren, haben wir keine Sekunde lang an ihn gedacht, der in fast ununterbrochener Folge von Kriegen das arme Frankreich in große Schwierigkeiten gestürzt hat.« Sie rümpfte die Nase, wie immer, wenn sie mit etwas nicht einverstanden war – eine reizende kleine Eigenart, die einst in männlichen Herzen ganze Wirbelstürme ausgelöst hatte.

»Natürlich war Napoleon kein Thema für euch. Schließlich seid ihr auf eurer Hochzeitsreise gewesen, Papa und du.«

Fürstin Emmas Augen verschleierten sich einen Moment, als blicke sie noch einmal in die selige Vergangenheit.

Der junge Fürst, ein hochgewachsener, schlanker Mann Mitte dreißig, wohlgestaltet, mit einem schmalen Kopf, einem klassischen Profil und Augen voller Intelligenz, hielt den Zeitpunkt für gekommen, seine Mutter an die Zeit zu erinnern.

»Wir haben viel vor, wie du weißt. Ich habe übrigens einen Tisch im Restaurant ›Le Grand Vefour‹ unter den Arkaden des Palais Royal reservieren lassen. Dort wird es dir gefallen.«

Seine Mutter zeigte auf die gegenüberliegende Straßenseite.

»Dort drüben haben wir gestanden. Dein Vater hat mir die Architektur der Oper erklärt. Und dann hat er mir eine sehr charmante Liebeserklärung gemacht.« Ein sehnsuchtsvoller Seufzer folgte. »Nie werde ich diese zauberhaften Momente vergessen, die zu den schönsten Erinnerungen meines Lebens gehören. Wir waren vollkommen glücklich an diesem mythischen Ort.«

»Mythisch?«

»Mythisch, magisch und kosmisch. Damals lag ein unbeschreiblicher Zauber über der ganzen Stadt.« Sie hing schon die ganze Zeit an seinem Arm. Nun drängte sie sich gegen ihn. »Ich möchte dir noch einmal von Herzen danken.«

»Wofür, Mama?«

»Du hast mir einen großen Wunsch erfüllt. Paris ist mir seit damals zu einem Sehnsuchtsbild geworden.«

»Dieses Paris-Wochenende hast du dir zum Geburtstag gewünscht, liebe Mama. Nichts anderes wolltest du haben.«

Sie presste ihre linke Hand diskret auf die Brust.

»Ich bin mit allen irdischen Gütern gottlob reichlich gesegnet. Nichts jedoch konnte mich glücklicher machen, als noch einmal hierher zurückzukehren. Bevor ich mich verabschieden muss, um auf meine letzte große Reise zu gehen.«

Er protestierte umgehend und artig: »Liebe Mama, diesem Geburtstag werden hoffentlich noch viele andere folgen.«

Sie legte ihr noch immer bewundernswert zeitloses, da sehr gepflegtes Gesicht in schmerzliche Falten, wobei sie es gleichzeitig fertigbrachte, tapfer zu lächeln.

»Oh, mein dummes Herz erinnert mich täglich an mein wahres Alter.«

»Frauen, die einmal hinreißend schön waren wie du, Mama, altern nicht. Sie werden immer interessanter.«

Sein Kompliment gefiel ihr – bis auf das Wort interessant. Zu ihrer Zeit hatte man unansehnliche Frauen so genannt.

»Wie soll ich im Jenseits zur Ruhe kommen, wenn ich weiß, dass es niemanden gibt, der sich um dich kümmert?«, fragte sie.

»Sorg dich bitte nicht, ich komme vorzüglich zurecht.«

Seine Mimik ließ trotz aller Bemühungen um Gelassenheit erkennen, dass ihre Fürsorge ja doch an seinen Nerven zerrte. Er unterstützte das zierliche Leichtgewicht, das seine Mutter nun einmal war, am Ellenbogen und wollte es behutsam weiterschieben.

Ihre auffallend kleine, schmale Hand im perlgrauen Rehlederhandschuh wanderte zu ihrem Herzen.

»Du bist ein charaktervoller Mann«, sagte sie. »Du siehst fantastisch aus und hast …«

Auf einmal war sein Mund eingeklammert zwischen scharfen Linien, und seine Augen wirkten verschattet und müde. Augen, wie sie Menschen haben, die zu viel lesen oder zu viel denken.

»Wenn wir heute noch Notre-Dame sehen wollen, Mama …«

»Du willst doch nicht ewig Junggeselle bleiben?«

»Vielleicht sollten wir darüber beim Lunch reden.«

»Was habe ich falsch gemacht, Bendix?«

»Nichts, Mama.« Er war ehrlich verdutzt.

»Papa und ich waren überaus glücklich. Du warst unser ganzes Glück.«

Sie betupfte die Augenwinkel mit dem allzeit bereiten Batisttaschentuch, spitzengesäumt und mit den handgestickten bekrönten Initialen der Fürstin versehen.

Plötzlich erstarrten ihre feinen Züge. Ihr gletschergrüner, nun leider auch so kalter, also sehr schmallippiger Blick war auf eine Gruppe temperamentvoller junger Leute gerichtet, die vor der Opernfassade standen und die Passanten baten, für eine Weile zurückzutreten. Schon wurden Scheinwerfer aufgebaut, und noble Kameras wurden sachte ausgepackt.

Eine sonnenverbrannte, etwas ledern wirkende Maskenbildnerin in zerrissenen Jeans und einem quietschgrünen T-Shirt klappte ihren riesigen Profi-Make-up-Koffer auf.

Der Lärm auf dem Vorplatz stieg in hastigem Crescendo an. Keiner der Touristen dachte daran, sich das Event entgehen zu lassen: Die berühmte Pariser Oper war zu einer Kulisse für ein viel spannenderes Foto-Shooting degradiert worden.

Fürstin Emma war indigniert. Sie fühlte sich gestört. Ihr ausgeprägtes Standesbewusstsein bäumte sich auf.

»Wie frech, sich ausgerechnet hier breitzumachen.«

Bendix plädierte milde für mehr Verständnis: »Mama, dies ist ein öffentlicher Ort. Jedermann kann hier …«

»Großer Gott!«, entfuhr es ihr plötzlich.

Er war sofort besorgt.

»Dein Herz?«

»Sieh nicht hin, Bendix.« Ihre Brauen stiegen in ungeahnte Höhe. Immer ein ungutes Zeichen. »Sie ist es, sie ist es tatsächlich. Ich habe eben noch gehofft, mich getäuscht zu haben, obwohl ich mich selten täusche, du weißt es.«

Bendix’ Blick war ein einziges Fragezeichen.

»Wie unerhört vulgär!« Die Fürstin sog scharf die Luft ein. »Sie verdirbt mir den ganzen Tag!«

»Wer denn, Mama?« Es klang ein wenig ungeduldig.

»Merle von Hohensinner.« Sie sprach den Namen mit Abscheu aus. »So liederlich benimmt sich keine Prinzessin!«

***

Der Himmel leuchtete azurblau wie auf den Hochglanz-Flyern, die Paris in Superlativen anpriesen. Die Wolken hatten sich verzogen, flimmernde Sonnenstrahlen fluteten durch die Straßenschluchten und überglänzten die Stadt wie mit flüssigem Gold. Der Wind war geblieben, er hatte sich mit der Sonne zum Spielen verabredet: Lichtfunken tanzten über die Trottoirs und malten Kringel auf die Fensterscheiben.

»Merle sieht wahnsinnig gut aus, n’est-ce pas

»Es gibt viele Topmodels, aber sie ist etwas absolut Besonderes, mais oui. Wie natürlich sie sich bewegt!«

»Mit wem ist sie eigentlich zusammen?«

»Keine Ahnung. Ihr Privatleben hält sie clever unter Verschluss. Aber sieh mal, wie sie lächelt. Formidable

Neben Fürst Bendix von Zierow standen auf einmal zwei junge Französinnen, die das Geschehen vor der Pariser Oper wortreich kommentierten und ihre zwangsläufig mithörende Umgebung mit überraschenden Detailkenntnissen versorgten.

»Mit André Racine arbeitet Merle oft zusammen. Er soll ihre deutsche Zuverlässigkeit schätzen, stand mal irgendwo.« Die Mademoiselle mit der Mireille-Mathieu-Frisur sagte es respektvoll. »Er fotografiert exklusiv für die Crème de la Crème internationaler Modeschöpfer. Längst hat er sich eine goldene Nase verdient. Sieh dir seine Armbanduhr an.«

»Merles Honorar würde mich mal interessieren«, bemerkte die Freundin mit den Kirschenaugen. »Mit dem, was sie für dieses Shooting kriegt, könnte ich meine Miete bezahlen.«

»Drei Monate im Voraus!«

Der Fürst war besorgt um seine zwischen Passanten eingekeilte Mutter. Sie hasste es bekanntermaßen, wenn man ihr zu nahe kam.

»Lass uns weitergehen, Mama«, schlug er deshalb vor.

Sie aber hielt den Blick starr auf das hochgewachsene, ungewöhnlich schlanke und biegsame Fotomodell gerichtet.

»Ich habe ihre arme Mutter gekannt«, presste Emma von Zierow zwischen den Zähnen hervor. »Eine Beauté mit schönen, dunklen Augen. Dein lieber Vater fand sie ein wenig naiv.«

Doch das war nicht die ganze Wahrheit. Der verstorbene Fürst Oskar hatte von einer charmanten Naivität gesprochen. Tatsächlich war er von der jungen Frau bezaubert gewesen.

Das Gedränge schien Fürstin Emma überhaupt nicht zu beeindrucken.

»Ihr Papa war eine höchst achtbare Persönlichkeit.«

»Du sprichst in der Vergangenheit«, stellte Bendix mit fragendem Unterton fest.

»Sie leben beide nicht mehr.« Seine Mutter nahm den Blick nicht von dem Geschehen in ihrer Nähe. »Erinnerst du dich an jenes Flugzeugunglück in den Schweizer Alpen vor einigen Jahren? Damals waren alle Zeitungen voll davon. Wochenlang. Der Pilot hatte im dichten Nebel die Orientierung verloren, die Maschine prallte gegen eine Felswand. Kein Passagier hat überlebt. Grauenvoll!«

Bendix wurde nach vorn geschoben, gegen seinen Willen, versteht sich. Inzwischen waren so viele Menschen stehen geblieben, dass der Straßenverkehr stockte. Auch die Autofahrer reckten die Hälse, um einen Blick auf das betörende deutsche Model Merle werfen zu können.

Irgendein Journalist hatte mal einen Artikel über das Phänomen Merle geschrieben. Im Text hatte er behauptet, dass Merle von Hohensinner mit Kameras zu flirten pflegte.

»Ich finde es unanständig, wie sie sich aufführt«, tadelte die Fürstin. »Das Kleid ist viel zu kurz.«

»Mama, das hier strengt dich zu sehr an …«

»Ihre Mutter war seine zweite Frau. Aus Conrads erster Ehe stammt übrigens Regine von Munker.«

»Ach ja?« Das hatte er nicht gewusst.

»Regine ist eine prächtige junge Frau. Solide, patent und hilfsbereit. Famos, wie sie auf Mathildenquelle zurechtkommt. Die Feste dort zählen zu den Höhepunkten der Saison.«

Bendix stutzte. Ansonsten fanden die Aktivitäten der Baronin keine Gnade vor den anspruchsvollen Augen seiner Mama. Emma nannte sie mit einem gewissen Unterton rustikal.

»Es kann Regine nicht gefallen, eine solche Schwester zu haben, die dem guten Familiennamen ihres Mannes nichts als Schande zufügt«, sprach die Fürstin weiter.

»Die Baronin hat den Namen ihrer Schwester nie erwähnt«, wunderte sich Bendix. »Zum Glück bin ich ein seltener Gast auf Mathildenquelle. Die Gelegenheit, über Merle zu reden, hat sich nie ergeben.«

»Regine wird ihre Gründe haben, mein lieber Bendix, nicht von ihrer Halbschwester zu sprechen. Und sie ist gut beraten, sich von der skandalösen Merle zu distanzieren.«

»Bist du nicht ein wenig zu streng, Mama?« Er betrachtete die junge Frau, die hinreißend unbefangen vor dem Fotografen posierte. »Sie macht doch lediglich ihren Job.«

Und seiner Meinung nach wirkte sie dabei fabelhaft natürlich und keinesfalls anstößig. Eine ungewöhnlich attraktive junge Frau, zum Verlieben quecksilbrig!

Zum Verlieben? Der junge Fürst horchte reglos in sich hinein. Dann stellte er betroffen fest, dass er sich in letzter Zeit wie lebendig begraben fühlte. Auch hier in Paris, einer rund um die Uhr funkelnden Metropole, von der es hieß, sie sei die Stadt der Liebe.

Und wieso durchströmte ihn Melancholie? Warum meinte er, vom Leben abgeschnitten zu sein, mit Sargdeckeln zugedeckt?

»Merle war schon als Kind unmöglich!«, konterte Emma entrüstet. »Sie soll ihre Kindermädchen zur Verzweiflung gebracht haben. Und aus drei Internaten ist sie geflogen.«

»Sie hat ungewöhnlich viel Charme«, sagte er leise. Instinktiv behielt er für sich, dass er Merle von Hohensinner für die schönste Frau der Welt hielt.

Seine Mutter warf ihm einen scharfen Blick zu.

»Ich muss doch sehr bitten, mein Lieber. Diese Person hat kein Niveau!«

Befürchtete seine Mama, dass die diversen Gerüchte, Merle betreffend, nicht erfunden waren, sondern der Wahrheit gefährlich nahe kamen?

»Ach, Mama, natürlich wird über ein Topmodel viel geredet und noch mehr geschrieben …«

»Du nimmst Merle in Schutz, obwohl ihr das letzte Fünkchen Anstand längst abhandengekommen sein dürfte?«

Der Fürstin verschlug es den Atem, als sie beobachtete, wie die Prinzessin unbekümmert aus den High Heels stieg und barfuß in langen Sätzen über das Pflaster sprang. Das spinnwebfeine Chiffonkleid in Bleu wehte um sie her.

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