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Fürsten-Roman 2624 - Adelsroman

Die Braut, der nicht sein Herz gehörte

Dramatischer Roman um eine erzwungene Fürstenhochzeit

Von Svenja Norden

Der Hochzeitsmorgen graut, und Marc Prinz von Kollberg ist der unglücklichste Mann auf Erden. Seine Braut Ariane Baroness von Tauber und er sind übereingekommen, keine große Hochzeit zu feiern. Die standesamtliche Trauung findet nur im kleinen Kreis statt. Marc weiß, dass er mit dieser Heirat einen schweren Fehler begeht, denn sein Herz gehört längst einer anderen. Aber er muss sich für den Erhalt der Kollbergwerke opfern. Er sieht keinen anderen Ausweg, als sich mit der reichen Baroness zu verheiraten, um den Ruin der Familie zu verhindern. Und diese überstürzte und unglückliche Ehe ist der Preis. Marc versucht, sich Mut zuzusprechen, und es gelingt ihm ein müdes Lächeln. Aber seine Augen bleiben traurig.

Ariane von Tauber hingegen könnte nicht glücklicher sein. Ist diese Hochzeit doch der krönende Abschluss ihrer geschickt eingefädelten Intrige. Doch davon ahnt der Bräutigam natürlich nichts ...

»Nun sag doch etwas, Mutter!«

Gero von Kollbergs Stimme klang brüchig. Sein Gesicht war fahl, und seine Hände zitterten. Der Fürst wagte es kaum, seine Mutter anzusehen, die ihm am Frühstückstisch gegenübersaß.

Salina von Kollberg thronte kerzengerade in ihrem Sessel. Der Blick ihrer blauen Augen war kühl auf den Sohn gerichtet.

»Dann hast du es also geschafft«, sagte sie so leise, dass Gero es über die Distanz des Tisches hinweg gerade noch verstehen konnte.

Es schien, als hinge ein schweres Gewitter in der Luft, als schwebe es über den Köpfen der beiden, und jeden Augenblick drohten Blitz und Donner mit gewaltiger Wucht in das Fürstenschloss einzuschlagen.

Gero von Kollberg saß zusammen gesunken da und stützte seinen Kopf auf beide Hände.

»Ich weiß keinen Ausweg, Mutter«, gab er ebenso leise zurück.

»Wenn das dein Vater noch erlebt hätte...!« Scharf durchschnitten die Worte der Fürstin die Luft.

»Ich weiß«, entgegnete Gero matt.

»Hast du es Marc schon gesagt?«, forschte die alte Fürstin weiter und zog ihre rechte Augenbraue in die Höhe. Man merkte ihr an, dass sie sich beherrschen musste, ihren Zorn zu bändigen.

Gero schüttelte den Kopf. Seine Haare schienen in den letzten Tagen noch ein wenig grauer geworden zu sein, und die Falten, die sich seit dem Tod seiner geliebten Frau vor fünf Jahren in seinem Gesicht gebildet hatten, waren sichtbar tiefer geworden.

»Keines der Kinder ahnt etwas«, presste er mühsam hervor.

»Was gedenkst du zu tun?«, erkundigte sich die alte Dame bei ihrem Sohn, den sie nicht eine Sekunde aus den Augen ließ.

»Wir brauchen wenigstens fünfzehn Millionen, um das Werk wieder einigermaßen aufzustellen«, kam es nur zögernd über Geros Lippen.

»Fünfzehn Millionen also?«

Nichts in Salina von Kollbergs Gesicht verriet auch nur annähernd etwas von dem, was sie in diesem Augenblick fühlte. Im Gegenteil ihre Worte klangen fast gleichgültig. Als wäre es der alltäglich, fünfzehn Millionen zu verlieren und damit die Existenz mehrerer Generationen zu gefährden.

Die fast achtzigjährige Fürstin erhob sich nur schwer aus ihrem Sessel. Sie griff nach ihrem Stock, doch bevor sie sich zum Gehen abwandte, traf ihr kühler Blick noch einmal ihren Sohn.

»Du wirst nicht darum herum kommen, Farbe zu bekennen, mein Sohn. Und vor allen Dingen solltest du Marc einweihen. Immerhin ist er dein Partner in der Geschäftsführung. Er hat ein Recht darauf, alles zu erfahren!«

Die Fürstin wandte sich ohne ein weiteres Wort ab und verließ den Raum.

Gero war allein in dem großen Speisezimmer. In seinem Kopf schwirrten die Gedanken durcheinander und sein Schädel brummte. Es gab nur eine einzige Möglichkeit. Nur eine einzige, dachte Gero, um das Unternehmen vor dem Ruin zu retten.

»Du bist schon wach? Guten Morgen, Vater!« Marc von Kollberg betrat das Speisezimmer.

Obwohl es viele Frauen gab, die alles dafür getan hätten, einmal mit Marc auszugehen, hatte dieser umwerfend aussehende junge Prinz noch nicht die Frau fürs Leben gefunden. Sein jüngerer Bruder Nico hatte das zwar ebenso wenig, ging aber anders an die Sache heran. Er war stets ausgelassen und fröhlich und befand sich immer wieder in Begleitung häufig wechselnder, schöner Frauen. Allesamt ignorierten sie sein noch jugendliches Alter geflissentlich, weil sie sich gern mit diesem Sunnyboy in der Öffentlichkeit sehen ließen und Nico zu allem Überfluss auch noch adelig war.

Mirya betrat ebenfalls das Speisezimmer. Mirya war das so genannte »Sandwich-Kind« der Fürstenfamilie, jünger als Marc und älter als Nico. Sie hatte das blendende Aussehen – wie auch Marc – von der Mutter geerbt. Ebenso hatten beide das besonnene Wesen der verstorbenen Roberta Fürstin von Kollberg mitbekommen. Lediglich Nicos Aussehen und Wesen schien eine Generation übersprungen zu haben. Er glich, wie man sagte, eher dem Großvater als den Eltern. Nichts konnte ihn erschüttern. Er war ein Bruder Leichtfuß und ein Wirbelwind. Auf Partys war er nicht nur ein gern gesehener Gast, sondern meistens die Hauptperson, und ein bisschen vom Wirbelwind des Bruders hatte auch Mirya gestreift.

»Oh, schon alle wach?«, wunderte sich Mirya und nahm am Frühstückstisch Platz. »Wo ist denn Großmutter?«

»Sie hat ihr Frühstück bereits beendet«, erklärte Gero von Kollberg knapp.

»Entschuldige, dass ich gefragt habe, Paps«, konterte Mirya ein wenig pikiert.

»Ich bitte dich, Mirya, sei nicht so zickig. Und bitte, nenn mich nicht immer Paps. Wir sollten schon noch die Umgangsformen wahren«, erklärte der Fürst gereizt.

»Ich bitte um Vergebung, Hoheit. Ich konnte ja nicht ahnen, dass Hoheit schlecht geruht haben«, gab Mirya bissig zurück und bestrich sich eine Scheibe Toast mit ein wenig Butter.

»Ich habe andere Sorgen, als mir deine Kindereien anzuhören«, wehrte der Fürst nun ungehalten ab.

»Ich schätze, ich bin hier heute Morgen fehl am Platz. Ich verzieh mich in die Uni. Bin sowieso schon spät dran«, erklärte Mirya, steckte sich die Toastscheibe zwischen die Zähne und stand auf.

»Mirya, Vater hat es sicher nicht so gemeint«, versuchte Marc, seine jüngere Schwester zu beschwichtigen und strich sanft über ihren Arm.

»Schon gut, Marc, ich will die Stimmung nicht weiter in den Burggraben ziehen – entspann dich also. Ich verflüchtige mich aus eurem Dunstkreis. Auf diese Weise könnt ihr eure gegenseitige Gesellschaft besser genießen!«, erklärte Mirya sarkastisch.

Dann machte sie auf dem Absatz kehrt und wirbelte hinaus.

Fürst Gero blickte ihr seufzend nach.

»Warum muss ich Mirya gegenüber immer den falschen Ton treffen?«

»Das tust du ja nicht, Vater. Mirya ist nur sehr sensibel«, versuchte Marc, seinen Vater zu trösten.

Ihm war nicht entgangen, dass irgendetwas mit dem Fürsten nicht stimmte. Er wollte jedoch nicht in ihn dringen. Wenn sein Vater es für richtig befand, würde er schon mit ihm über das sprechen, was ihn bewegte.

»Ich fahre noch bei der Bank vorbei, bevor ich in die Firma komme«, richtete der Fürst jetzt das Wort an seinen ältesten Sohn.

»Gut, dann werde ich mich um die Delegation kümmern«, erklärte sich Marc bereit.

»Damit würdest du mir eine große Last abnehmen, mein Sohn«, gestand der Fürst. Sein noch immer sorgenvoller Gesichtausdruck strafte allerdings seine Worte Lügen.

»Geht es um eine unangenehme Sache?«, erkundigte sich der junge Prinz beiläufig, während er sich Kaffee einschenkte.

»Wie?« Marcs Stimme hatte den Fürsten offensichtlich aus tiefen Gedanken gerissen.

»Geht es dir gut, Vater?« Marc blickte jetzt sorgenvoll in das fahle Gesicht seines Vaters. Dieser schien von einer Minute auf die andere um Jahre gealtert zu sein.

»Mir geht es hervorragend, mein Junge«, versicherte der Fürst und erhob sich. »Ich habe nur ein wenig Kopfschmerzen. Aber die werden sicher bald vergehen.« Fürst Gero klopfte seinem ältesten Sohn freundschaftlich auf die Schulter. »Also dann bis später«, verabschiedete er sich und ließ Marc im allein Speisezimmer zurück.

Augenblicke später erschien Nico. Er gähnte ungeniert und riss Marc damit aus seinen Gedanken.

»Wie schaffst du es nur um diese Zeit schon so frisch zu wirken?«, rief Nico und rieb sich die Augen. Er trug eine Jogginghose und ein ziemlich zerknittertes T-Shirt.

»Ist wohl gestern spät geworden, was?«, erkundigte sich Marc, und der Anflug eines Lächelns zeigte sich auf seinem gut geschnittenen Gesicht mit den stahlblauen Augen, die von langen dunklen Wimpern umrahmt wurden.

»Es war ziemlich heftig, das muss ich gestehen«, erklärte Nico mit süffisantem Lächeln augenzwinkernd.

»Du solltest dich mehr um den Betrieb kümmern als um die Frauen, du Casanova«, bemerkte Marc grinsend.

»Du redest schon wie Vater. Kann man in dieser Familie nicht einmal ein bisschen Vergnügen haben?«

»Ein bisschen schon, mein Lieber. In der letzten Zeit hast du aber nichts anderes mehr im Kopf als das Vergnügen«, wies Marc seinen jüngeren Bruder sanft zurecht.

»Und du kennst nichts anderes als die Arbeit. Und was hast du davon? Sieh dich doch an. Du bist uralt und wahrscheinlich hast du schon ewig nicht mehr ...«

»Dreißig ist ein respektables Alter. Wollen wir hoffen, dass du es mit deinem Lebenswandel noch erreichst!«, konterte Marc.

»Na, was ich sage. Uralt. Dabei könntest du die Frauen reihenweise vernaschen. Aber du merkst ja nicht einmal, wenn eine auf dich steht«, brummte Nico und fuhr sich durch sein verstrubbeltes Haar.

Marc erhob sich.

»Sieh zu, dass du fertig wirst, Nico. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Vater uns braucht. Also bitte, sei so gut und beeil dich«, mahnte der Ältere, und dann verließ er das Speisezimmer.

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Die Bank hatte ihm jeden weiteren Kredit versagt. Es war Gero von Kollberg, als habe man ihm einen Peitschenhieb versetzt. Die Firma, ein alt ehrwürdiges Unternehmen, dass sein Ururgroßvater aufgebaut hatte und das nun schon in der fünften Generation in Familienbesitz war, stand vor dem Ruin. Die Rezession und die allgemeine Weltwirtschaftslage hatten das Unternehmen an den Rand des Abgrunds getrieben, so glaubte er –, und es gab keine Aussicht, den Abrutsch zu stoppen.

Gero von Kollberg konnte sich selbst bei intensivem Nachdenken persönlich keinen Vorwurf machen. Er hatte immer recht umsichtig gewirtschaftet. Und Marc trat in dieser Hinsicht in seine Fußstapfen. Der äußere Druck war einfach zu übermächtig gewesen. Für Stahl war keine Nachfrage, jedenfalls nicht im Augenblick. Aber wie sollte er das seiner Familie beibringen, dass, wenn es nicht in letzter Minute Rettung gab, sie ihren gesamten Besitz verlieren würden?

»Roberta, wenn du doch nur noch bei mir wärst, wäre das alles viel leichter zu ertragen«, flüsterte Gero von Kollberg vor sich hin, als er eine Weile später in seinem Wagen saß.

Blitzartig fuhr ihm ein Gedanke durch den Kopf. Es wäre so einfach, alle seine Sorgen los zu werden. Er brauchte doch nur mit dem Wagen ...

»Nein, daran darf ich nicht einmal denken!«, unterbrach er sich erschrocken. »Nein, niemals. Ein Kollberg stellt sich seinen Problemen und lässt vor allen Dingen seine Familie nicht im Stich. Er würde schon eine Lösung finden, das Unternehmen zu retten! Gero von Kollberg saß an seinem Schreibtisch und hatte den Bürostuhl herumgedreht, so dass er aus dem Fenster sehen konnte.

»Vater, bist du so weit. Ich glaube, die Delegation ist gerade eingetroffen. Ich habe dich kommen sehen und da dachte ich ...«, sprudelte Marc hervor, und als sich der Fürst nach ihm umwandte, erschrak er über die Blässe seines Vaters.

Er schloss die Tür hinter sich und trat auf den Fürsten zu.

»Was ist passiert, Vater?«

»Nicht jetzt, Marc. Ich werde dir alles später erklären. Ich muss noch ein oder zwei Telefonate führen, dann komme ich dazu. Wir treffen uns im Konferenzzimmer.«

Marc nickte, doch seine Miene hatte einen besorgten Ausdruck angenommen.

In Gedanken versunken stieg Marc in den Lift, um damit in die dritte Etage zu fahren, in der sich der Konferenzraum befand. Dort wollte er die Delegation begrüßen. Im letzten Augenblick gesellte sich eine junge Dame zu ihm in den Fahrstuhl.

Marc hatte sie zunächst nicht bemerkt, so tief war er in Gedanken versunken.

»Bitte entschuldigen Sie, ich suche das Konferenzzimmer. Ich irre schon eine ganze Weile hier im Gebäude umher. Jeder, den ich gefragt habe, hat mich in eine andere Richtung geschickt.«

»Mmhh«, antwortete er abwesend.

»Geht es Ihnen nicht gut?« Die Worte der jungen Frau drangen wie durch Watte an Marcs Ohren.

Erst als sie seinen Arm packte, war es Marc, als erwache er aus einem bösen Traum ... Aus einem bösen Traum, der ihn geradewegs in den Himmel geführt hatte, wie es schien.

Marc blickte in ein Gesicht, das einem Engel glich. Es war von langen seidigen blonden Haaren umrahmt und ebenmäßig schön – natürlich und ungeschminkt. Und zwei wundervolle blaue Augen, wie er sie noch nie zuvor gesehen hatte, blickten ihn besorgt an.

»Tut mir leid, was haben Sie gesagt?«, fragte er mit rauer Stimme und schluckte.

Die junge Frau mit den langen blonden Haaren und diesem überirdisch schönen Gesicht war regelrecht eine Erschienung.

Die junge Frau lächelte, und ihre Augen strahlten noch heller als zuvor.

»Dem Himmel sei Dank, Sie sind wieder auf der Erde«, meinte sie erleichtert. »Ich hatte schon geglaubt, Sie wären vollends entrückt und weilten nicht mehr unter den Lebenden!«

»Für einen Augenblick habe ich das auch geglaubt«, antwortete Marc und konnte die Augen nicht von diesem bezaubernden Gesicht abwenden.

Keiner von beiden hatte offensichtlich wahrgenommen, dass der Lift bereits in dem Stockwerk angekommen war, in das sie beide wollten.

»Sie möchten zum Konferenzzimmer?«, fragte er irgendwann noch immer wie verzaubert. »Am besten folgen Sie mir. Ich will nämlich auch dorthin.«

»Das trifft sich gut«, antwortete die junge Frau begeistert. »Dann laufe ich wenigstens keine Gefahr, dass ich mich erneut verirre!«

Marc blickte sie mit schelmischem Lächeln an.

»Wer weiß ...«, erwiderte er, und es schien, als blitzen in seinen braunen Augen tausend Lichter auf.

»Wollen Sie damit andeuten, dass es gefährlich ist, Ihnen zu vertrauen oder zu folgen?«, erkundigte sich die Fremde und lächelte ihn herausfordernd an.

Marc blickte in dieses engelsgleiche Gesicht, und sein Herz begann, wieder heftig zu klopfen.

»Es kommt darauf an, was Sie unter ›gefährlich‹ verstehen«, entgegnete er.

»Ich denke, wir sollten das nicht näher analysieren. Zeigen Sie mir einfach das Konferenzzimmer, und ich lasse Sie in Ruhe«, antwortete die junge Frau in dem entzückenden Kostüm, das ihre schmale Taille ausgesprochen vorteilhaft zur Geltung kommen ließ.

»Vielleicht möchte ich das ja gar nicht«, antwortete Marc leise. Noch immer standen die beiden im Fahrstuhl.

»Sollten wir nicht wenigstens erst einmal aussteigen?«, schlug die schöne Fremde vor. »Ich meine, wenn dies das richtige Stockwerk ist.«

»Goldrichtig«, antwortete Marc, der sich im Blick der blauen Augen verloren hatte, leise.

»Dann sollten wir vielleicht doch das Konferenzzimmer aufsuchen. Ich werde dort dringend erwartet«, verriet die junge Frau lächelnd, und ihre blütenweißen gleichmäßigen Zähne kamen zu Vorschein.

Marcs Knie begannen, weich zu werden. Noch nie zuvor hatte er eine so schöne Frau gesehen.

»Ich werde Sie höchstpersönlich hinführen, damit Sie auch heil ankommen«, erklärte Marc, diesmal mit ernster Miene.

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