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Für die Ewigkeit an deiner Seite

Laura Broschat

Für die Ewigkeit an deiner Seite

Clarissa und Darren


Ich widme dieses Buch all den Menschen, die mir bei meinem Hobby zur Seite stehen und mir die benötigte Kraft schenken. Einen besonderen Dank möchte ich meiner Schwester Anika widmen, die mir als persönlicher Lektor zur Seite stand.


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Prolog

Mir war kalt. Eiskalt.

Eine Gänsehaut zog sich über meinen gesamten Körper, während ich stocksteif dastand und mit leerem Blick vor mich hinstarrte. Das Einzige, was sich an mir regte, waren meine langen roten Haare, die durch den starken Wind wild umher wirbelten und mir die Sicht raubten. Doch das störte mich nicht, denn ich wollte das alles gar nicht sehen. Ich wollte nicht hier sein und in diese grausamen schwarzen Augen blicken, die nur Tod und Zerstörung mit sich zogen. Ich wollte das alles nicht … und doch war es alles meine Schuld.

Langsam glitt mein Blick durch die Reihen. Alle Lamias waren angespannt und schienen nicht einmal zu atmen. Jeder hatte in seiner Position innegehalten und starrte das Monster an, welches die Aufmerksamkeit und die Ehrfurcht der Lamias regelrecht zu genießen schien.

Die Sonne war noch immer hinter dem Horizont verschwunden. Sie würde erst in einigen Stunden die Welt wieder in ein warmes Licht tauchen. Doch ich brauchte sie jetzt! Denn mir war kalt, obwohl ich eindeutig in der Hölle gelandet war.  

Ich wollte am liebsten schreien, weinen oder wenigstens weglaufen, um dieser Hölle zu entkommen, doch mein Körper reagierte gar nicht mehr. Meine Kehle war völlig ausgedörrt, meine Augen waren - vom vielen weinen in den letzten Tagen –ausgetrocknet und meine Beine waren zu Stein erstarrt.

Doch meine Bemühungen waren sowieso egal. Wir hatten verloren.

Es war zu spät.

Wie von selbst glitt mein Blick zu dem leblosen Körper, mit den leeren Augen, der vor dem Monster auf dem – vom Morgentau – nassen Gras lag und mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen.

Ich war daran schuld und ich konnte nichts mehr dagegen tun.

Meine Knie gaben unter mir nach und ich sackte kraftlos zusammen. In meinen Ohren hallte die laute Stimme des Monsters, doch ich verstand kein Wort von dem, was es sagte. Ich hörte nur ein lautes Rauschen. Es klang wie das Rauschen von Wellen … und ich hoffte ich würde in ihnen ertrinken …

Erschöpft schloss ich meine Lider und verkrampfte meine Finger um das feuchte Gras, bis es wehtat und mir schwindelig wurde.

Das Letzte, was ich sah, war ein grelles weißes Licht, das in meinen Augen brannte, obwohl ich sie sogar geschlossen hatte.

Dann wurde alles von der Dunkelheit verschluckt.

Teil 1

- Veränderungen -

Das Vorstellungsgespräch

Clarys Sicht:

Heute war mit Abstand der schlimmste Tag der Woche und das lag nicht einmal daran, dass heute Montag war. Oh nein! Heute war der schlimmste Montag von allen.

››Verdammt Clary, du kommst noch viel zu spät. Hör endlich auf so rumzutrödeln.‹‹ Mein leicht genervter Zwillingsbruder klopfte mit der Faust - wahrscheinlich schon zum 100. Mal an diesem Morgen - gegen die Badtür, hinter der ich mich verbarrikadiert hatte. ››Außerdem mache ich mir wegen dir noch in die Hose‹‹, fügte er bissig hinzu.

››Ich beeile mich ja schon. Ich kann nun mal nicht hexen‹‹, schimpfte ich schnippisch vor mich hin und versuchte mir währenddessen einen halbwegs geraden Lidstrich zu ziehen, worin ich allerdings keinerlei Erfahrung hatte, da ich normalerweise nicht sonderlich viel Wert auf schminken legte. Doch heute musste das nun mal sein. Heute war ein wichtiger Tag.

››Natürlich kannst du das. Niemand anders wäre besser geeignet eine Hexe zu sein als du, Schwesterherz.‹‹

››Ich hab dich auch lieb Brüderchen.‹‹

››OCH CLARY! Ich trete gleich die Tür ein, wenn du nicht bald da raus kommst.‹‹ Toby untermalte seine Äußerung, indem er wieder wild auf die unschuldigen Holzbretter einschlug.

››Gib mir noch eine Minute. Wenn du mich nur anschreist und mich ablenkst, dauert es viel länger.‹‹

››Wie konnte ich bloß mit dir zusammen ziehen? Ich muss betrunken gewesen sein, als ich da zugestimmt habe.‹‹

Lachend öffnete ich die Tür und blickte direkt in die überraschten Augen meines Zwillingsbruders. ››Ach, im Grunde liebst du mich doch und kannst gar nicht ohne mich sein Tobylein.‹‹ Augenzwinkernd drückte ich ihm einen kurzen Kuss auf die Wange und sprintete anschließend, ohne ein weiteres Wort, in mein Zimmer, um mich umzuziehen. Weil ich immer noch mein pinkes Hello Kitty Nachthemd trug, das sich hervorragend mit meinen roten Haaren biss.

Gehetzt blickte ich auf meinen kleinen Wecker, der die Form der Katze von Alice im Wunderland hatte und stellte entsetzt fest, dass ich wirklich verdammt spät dran war. In einer halben Stunde fand schon mein absolut wichtiges Vorstellungsgespräch bei der Walden Company statt. Das würde ich doch niemals noch pünktlich schaffen.

In großer Hektik schnappte ich mir meinen schwarzen Blazer, irgendeine weiße Bluse – die hoffentlich nicht dreckig war – und einen schwarzen knielangen Rock und zog mich in rekordverdächtigem Tempo an. Dann fischte ich meine braune Ledertasche unter dem Bett hervor und packte meine benötigten Unterlagen ein.

››Soll ich dich fahren?‹‹ Toby lehnte gelassen, mit der Zahnbürste im Mund, an meinem Türrahmen und musterte mich mit hochgezogenen Augenbrauen. Ich starrte ihn zuerst eine Weile an, bis ich schließlich murrend nachgab. Ich wusste wie mein Bruder Auto fuhr. Es war die reinste Hölle. Viel zu gerne übersah er rote Ampeln oder wichtige Schilder. Und auch von Geschwindigkeitsbegrenzungen hatte er anscheinend noch nie etwas gehört. Ich fragte mich jedes Mal aufs Neue, wie er überhaupt seinen Führerschein bekommen hatte. Meine Theorie war es ja, dass er den Prüfer mit genügend Geld bestochen hatte, doch ich konnte es leider nicht beweisen. Na ja, immerhin war mir heute seine Raserei mal von Nutzen, denn nur mit seiner Hilfe konnte ich es noch rechtzeitig schaffen. Ich brauchte diesen Job … unbedingt!

››Ja, aber bitte versuch mich nicht umzubringen.‹‹

››Ich gebe mein Bestes.‹‹ Als Toby meinen warnenden Blick sah, zuckte er kurz mit den Schultern und grinste verschmitzt. ››Ich schwöre es.‹‹

Eigentlich grenzte es an Wahnsinn meinem Bruder auch nur ein Wort zu glauben, doch immerhin hatte er recht behalten. Ich war noch am Leben… zumindest halbwegs.

Als das Auto meiner besseren Hälfte direkt vor der Eingangstür eines imposanten Gebäudes, das ausschließlich aus Fenstern zu bestehen schien, hielt, sprang ich regelrecht aus dem grauen BMW heraus. Nie wieder würde er mich dazu kriegen bei einem seiner Höllentrips dabei zu sein, denn die grenzten – meiner Meinung nach – an Todessehnsucht.

››Hab ich nicht gesagt, dass ich dich rechtzeitig herbringe.‹‹ Toby lehnte sich mit verschränkten Armen gegen seinen geliebten Sportwagen und amüsierte sich über meinen verzweifelten Fluchtversuch.

››Ja, doch nun bin ich eindeutig nicht mehr im Stande ein vernünftiges Vorstellungsgespräch zu führen. Ich sehe uns immer noch gegen jeden Baum rasen…‹‹

››Ach du bist wirklich so ein Angsthase.‹‹ Wütend streckte ich meinem blöden Bruder die Zunge heraus, woraufhin er nur vor sich hin gluckste. Er wusste sowieso, dass ich ihm niemals böse sein konnte, denn dafür liebte ich ihn viel zu sehr. ››Soll ich auf dich warten und dich wieder mit nach Hause nehmen?‹‹

››Um Gottes Willen! Nein! Ich habe für heute wirklich genug von deinen Fahrkünsten. Ich werde mit der S-Bahn fahren.‹‹

››Von mir aus… bis nachher dann.‹‹ Mein Zwillingsbruder kam auf mich zu und schlang seine braun gebrannten Arme um mich. Grinsend lehnte ich mich gegen seine breite Brust und seufzte leise. ››Du schaffst das schon Clarylein. Dieser Typ wird dich lieben… und wenn nicht, dann kriegt er es mit mir zu tun.‹‹

Lachend löste ich mich aus seiner Umarmung. ››Oh ja, DER Darren Walden wird sich sicher schrecklich vor dir fürchten.‹‹

Mein Bruder war zwar muskulös, aber er war noch lange nichts im Vergleich zu Darren Walden, dessen gesamter Körper nur aus Muskeln zu bestehen schien.

››Du musst mir aber auch immer alles schlecht machen.‹‹

››Entschuldige, natürlich bist du der Stärkere. Wie dumm von mir, dass zu übersehen.‹‹ Grinsend kniff mir Toby in die Seite und wuschelte mir durch die langen Haare. Mit einer flinken Bewegung wich ich ihm allerdings aus und streckte ihm die Zunge heraus. Dabei bekam ich aus den Augenwinkeln mit, wie manche Leute - die alle natürlich teure Anzüge und Kostüme trugen - uns schräg von der Seite anstarrten. ››Ich muss nun aber endlich los, sonst komme ich wirklich noch zu spät und dann kann ich den Job gleich vergessen.‹‹

››Ich drücke dir die Daumen. Du wickelst ihn schon um den Finger.‹‹

››Aber natürlich.‹‹ Nach einem letzten Zwinkern, in Richtung meines Bruders, trat ich durch die große Glastür, wobei es mir mit jedem Schritt, den ich zurücklegte, stetig schlechter ging.

››Mr. Walden erwartet Sie schon. Bitte folgen Sie mir.‹‹ Gehorsam tappte ich hinter der jungen Empfangsdame her, die – meiner Ansicht nach – eindeutig zu offensichtlich mit ihrem Hintern wackelte. Ich hoffte nur, dass diese knappe Uniform, die der Frau gerade mal bis zur Mitte des Oberschenkels reichte, nicht Standard in dieser Firma war, denn so würde ich garantiert nicht herumlaufen.

Die Empfangsdame hielt vor einer großen Holztür, an der ein Schild angebracht war. Darauf stand:

Darren Walden

Immobilienmanager

Vorstand der “Walden Company”

Augenblicklich wurde mir speiübel. Ich hatte schon viele Dinge über den berüchtigten Immobilienhai Darren Walden gehört, der die gesamte Firma seines Vaters geerbt hatte. Er hatte den Ruf einen extremen Frauenverschleiß zu haben, ebenso wie er es auch schaffte sich jedes profitable Geschäft unter die Finger zu reißen und einen Haufen Geld zu erwirtschaften. Außerdem gehörte er noch dazu zu den mächtigsten Lamias von ganz London, was ihn nicht gerade weniger angsteinflößend wirken ließ. Alles in allem war er also eigentlich der absolute Horrorboss … und trotzdem war ich hier, was ich alles nur Stella zu verdanken hatte.

Stella und ich studierten beide BWL, ich hatte allerdings gerade einmal mein erstes Semester hinter mich gebracht und sie war schon beinahe am Ende ihres Studiums angelangt. Durch Zufall waren wir uns auf dem Campus begegnet und hatten uns sofort super verstanden. Stella gehörte seitdem zu meinem engsten Freundeskreis und ich war froh sie als Freundin zu haben, denn nur durch sie hatte ich überhaupt dieses Vorstellungsgespräch bekommen.

Stella arbeitete schon seit einem Jahr in der Firma von Darren Walden und sie hatte mitbekommen, dass seine persönliche Assistentin gefeuert worden war. Daher hatte sie als Ersatz mich vorgeschlagen und der Chef hatte tatsächlich auf sie gehört. Natürlich war ich im ersten Moment geschockt gewesen, als sie mir das erzählt hatte, doch nun war ich froh über diese einmalige Chance und ich wollte es nicht versauen, denn so einen Job würde ich so schnell nicht wieder finden.

Die Empfangsdame klopfte leise an der Tür und ein gedämpftes Brummen antwortete ihr daraufhin. Lächelnd drehte sie sich zu mir um. ››Sie können nun herein.‹‹

Nickend trat ich an ihr vorbei und legte meine zittrige Hand auf den kalten Türgriff. Ich fühlte mich so schrecklich. Warum musste ich auch gerade heute verschlafen? Wenn ich genügend Zeit gehabt hätte, dann hätte ich in Ruhe mit der S-Bahn hier her fahren und mir noch mal alle meine Antworten durch den Kopf gehen lassen können. Aber nein, ich musste mit meinem Bruder in einem Affentempo durch halb London fahren und fast mein Abendessen – Nudeln mit Bolognese – wieder hoch würgen. Wirklich ein klasse Start in den Tag.

Ängstlich fuhr ich mir noch mal durch die langen Haare und versuchte sie zu glätten, was eigentlich sowieso keinen Sinn hatte. Dann öffnete ich endlich langsam die Tür und blickte meinem Unheil entgegen.

Er saß an seinem Schreitisch und musterte mich aus kalten Augen. Sein Anzug spannte ein wenig über seinen definierten Armmuskeln, als er sich erhob und mir die Hand reichte. Alles an ihm wirkte kalt und daher verwunderte mich es ein wenig, als sein fester Händedruck sich doch warm an meiner Haut anfühlte.

Benommen blickte ich dem bekanntesten Immobilienhai von ganz London in die Augen. Sie schimmerten in einem glänzenden braun, so wie es typisch für männliche Lamias war … und doch wirkten sie irgendwie anders. Ich konnte mir jedoch nicht erklären wieso. In seinen Augen erkannte ich sofort, dass er wusste wer ich war. Denn ich war immerhin kein gewöhnlicher Mensch - so wie all seine anderen Mitarbeiter. Ich war eine Gefährtin. Eine Frau, die dazu auserkoren war sich an einen männlichen Lamia für die Ewigkeit zu binden, was in meinen Augen ein schreckliches Schicksal war.

››Guten Morgen, schön Sie kennenzulernen, Mrs. Morrison.‹‹ Der Blick, mit dem Darren Walden mich dabei musterte, sah allerdings nicht gerade sehr erfreut aus. Er schien mich regelrecht zu durchbohren, was mir ziemlich unangenehm war.

››Guten Morgen, es freut mich ebenfalls, Mr. Walden.‹‹

››Setzen Sie sich doch.‹‹ Mit grimmiger Miene wies er auf den schwarzen Drehstuhl vor seinem Schreibtisch. Etwas unsicher ließ ich mich auf diesem nieder und wusste gar nicht so recht wo ich eigentlich nun hinsehen sollte. Dieser Blick in seinen Augen verunsicherte mich völlig. ››Haben Sie gut hergefunden?‹‹ Wieder wirkte der Blick von Darren Walden überhaupt nicht interessiert. Er strahlte regelrechtes Desinteresse aus. Wo war ich hier nur wieder rein geraten?

››Ja, ich habe gut hergefunden.‹‹

››Schön.‹‹ Es herrschte einen unangenehmen Augenblick absolute Stille im Raum und ich rutschte unruhig auf meinem Stuhl umher. ››Nun gut, dann erzählen Sie mir mal etwas über sich.‹‹ Darren Walden kratzte sich kurz über seinen gepflegten Dreitagebart und starrte mich dabei in Grund und Boden, so dass ich es nicht schaffte seinem Blick länger als fünf Sekunden stand zu halten.

Ich räusperte mich leise, da sich meine Stimme völlig verrostet anfühlte. ››Mein Name ist Clarissa Morrison und ich lebe schon seit meiner Kindheit hier in London. Ich bin 19 Jahre alt und studiere BWL. Gerade habe ich Semesterferien und schaue mich nach einem Job um, damit ich mein Studium besser finanzieren kann.‹‹

››Wie weit bist du schon mit deinem Studium?‹‹, unterbrach mich Darren Walden ruppig.

››Ich habe das erste Semester abgeschlossen und in sechs Wochen beginnt mein zweites Semester.‹‹

››Du stehst also noch ganz am Anfang … dann muss man dir ja noch alles beibringen, was nur extra Arbeit kosten würde.‹‹ Verwundert blickte ich den Immobilienmakler an. Hatte er denn nicht meinen Lebenslauf gelesen? Er musste doch eigentlich wissen, dass ich noch wenig Erfahrung hatte. Wenn ihn das also störte, warum hatte er mich dann überhaupt zum Vorstellungsgespräch eingeladen? Stand er darauf andere Leute leiden zu sehen, oder was? ››Also wieso sind gerade Sie die Richtige für diesen Job? Was können Sie mir bieten, wozu andere nicht in der Lage sind?‹‹

››Ich lerne sehr schnell dazu und bin außerdem sehr engagiert.‹‹

››Das sind andere auch‹‹, unterbrach er mich wieder unbarmherzig. Innerlich schluckte ich meinen Frust herunter und versuchte meine Stimme weiterhin ruhig klingen zu lassen.

››Ich hatte schon ein Praktikum, bei dem ich viel gelernt habe und mein damaliger Chef ist sehr zufrieden mit mir gewesen.‹‹

››Andere Leute haben auch Praktika in ihrem Lebenslauf. Was hebt sie von der Masse ab, Mrs. Morrison?‹‹

››Ich bin ein sehr offener und kontaktfreudiger Mensch und ich bin zielorientiert. Ich arbeite gerne und ordentlich, ich …‹‹

››Das ist alles schrecklich langweilig.‹‹

››Wie bitte?‹‹ Entsetzt sah ich den eiskalten Immobilienhai an. Woher er seinen Ruf hatte, war nun eindeutig klar. Dieser Mann war ein absolutes Arschloch. Stella hätte mich wirklich vorwarnen sollen. Das würde sie mir heimzahlen!

››Sie langweilen mich, wie alle anderen zuvor auch.‹‹

››Nun gut, ich langweile Sie also, wenn ich Ihnen erzähle was ich kann. Was wollen Sie denn sonst von mir hören?‹‹ Ich konnte es nicht verhindern, dass meine Stimme leicht schnippisch klang. Dieser Typ reizte mich einfach viel zu sehr, um mich zu beherrschen.

››Beeindrucken Sie mich einfach.‹‹

››Beeindrucken? Soll ich Ihnen etwa ein Kunststück vorführen?‹‹ Wütend krallte ich meine Finger in den Saum meines Rockes.

››Nun, das dürfte auf jeden Fall interessanter sein, als alles was ich bisher von Ihnen gehört habe.‹‹

››OK, es reicht.‹‹ Ruckartig erhob ich mich von meinem Stuhl. ››Wenn Sie mich nur hierher bestellt haben, um sich über mich lustig zu machen, dann muss ich Sie leider enttäuschen, denn bei so einem Schwachsinn mache ich sicher nicht mit. Suchen Sie sich doch eine andere Dumme, die für Sie Männchen macht, wenn Sie es wollen. Sie stehlen mir nur meine Zeit und meine Geduld.‹‹ Wütend schubste ich den Stuhl beiseite, schnappte mir meinen Lebenslauf vom Schreibtisch und marschierte zur Tür. ››Wenigstens weiß ich jetzt, dass die Medien nicht immer lügen. Auf Sie treffen wirklich alle Aussagen zu, die ich bisher über sie gehört habe. Und komischerweise war keine einzige positive dabei. Auf Wiedersehen, Mr. Walden. Ich wünsche noch einen wundervollen Tag, an dem sie jemand anderen die Laune verderben können.‹‹

Als ich die Tür aufriss, hörte ich wie sein Stuhl über den Holzfußboden schabte. ››Na endlich mal jemand, der mich nicht zu Tode langweilt.‹‹ Verwundert hielt ich inne und blickte über meine Schulter. Was hatte er gerade gesagt? ››Meinen Glückwunsch, Sie haben den Job. Seien Sie morgen um sieben hier in meinem Büro und vergessen Sie den Kaffee nicht. Ich mag ihn schwarz und ohne Zucker.‹‹

Verdattert blickte ich in das amüsiere Gesicht von meinem - wie es schien - zukünftigen Chef. ››Ist das Ihr ernst?‹‹

››Sehe ich aus, als ob ich Scherze machen würde?‹‹ Als Antwort schüttelte ich langsam den Kopf, woraufhin Darren Waldens Mundwinkel kurz zuckten, so als müsste er sich ein Lachen verkneifen. Passierte das gerade wirklich, oder träumte ich etwa? ››Also dann bis morgen Mrs. Morrison.‹‹ Zum Abschied reichte mir mein neuer Chef die Hand und wieder war ich überrascht von der Wärme, die diese ausstrahlte.

Kurz schweifte mein Blick über sein Gesicht, das man wirklich nur als attraktiv bezeichnen konnte. Darren Walden war einer der wenigen Männer, denen Dreitagebärte wirklich schmeichelten. Er hatte hohe Wangenknochen und markante Gesichtszüge. Seine Lippen waren schmal und seine braunen Augen hatten dieselbe Farbe wie seine gepflegten Haare. Alles in allem war er der absolute Traum vieler Frauen, was er natürlich genau wusste und auch ausnutzte ...

Erst als sich die Bürotür wieder vor meiner Nase schloss, konnte ich endlich normal aus- und einatmen. Ich konnte es noch immer nicht realisieren, dass ich tatsächlich diesen Job bekommen hatte … und das, obwohl ich ihn beschimpft hatte. Das war doch absolut verrückt.

Doch wenn man es so recht bedachte, war an diesem Tag bisher nichts normal gewesen. In meinem Leben war sowieso nie etwas normal.

 

Die Törtchenvergiftung

Die ganze Zeit, als ich in der S-Bahn saß und raus auf die überfüllten Straßen von London blickte, hatte ich versucht zu realisieren was gerade geschehen war. Doch ich hatte es einfach nicht in meinen Kopf gekriegt.

Ich, Clarissa Morrison, hatte die Stelle als persönliche Assistentin von Darren Walden bekommen und morgen war mein erster Arbeitstag. Es war einfach vollkommen absurd.

Während ich noch immer in meinen Gedanken vertieft war, begann mein Handy in einer enormen Lautstärke Ups I did it again von Britney Spears zu spielen. Sofort lief ich knallrot an und begann innerlich damit Tobys Grab zu schaufeln. Jedes Mal spielte dieser Technik verrückte Spinner an meinem Handy rum und verstellte alles. Peinlich berührt versuchte ich die Blicke der anderen Fahrgäste zu ignorieren und ging schnell ans Telefon.

››Ja?‹‹ Ich konnte nichts dagegen tun, dass meine Stimme leicht genervt klang.

››Oh, dass klingt ja gar nicht gut. Ich dachte echt du hast den Job locker in der Tasche.‹‹ Die besorgte Stimme meiner Freundin sorgte dafür, dass ich mich sofort wieder beruhigte.

››Nein, nein ich war nur angepisst, da mein lieber Bruder mal wieder an meinem Handy rumgespielt hat.‹‹

››Ah und mit welcher Melodie hab ich mich dieses Mal angekündigt?‹‹

››Ups I did it again‹‹ Sofort brach Stella in schallendes Gelächter aus und ich tat es ihr gleich, wenn auch immer noch ein wenig beschämt, während ich mich gerade aus der S-Bahn drängte.

››Dein Bruder wird von Mal zu Mal kreativer. Was war es nochmal beim letzten Mal?‹‹

››Like a virgin‹‹, murrte ich missmutig, woraufhin meine Freundin wieder vor sich hin gackerte. Es war total unfair, dass sich die beste Freundin so mit dem eigenen Bruder verschwor. Eigentlich musste sie doch auf meiner Seite stehen. Die Welt war wirklich ungerecht.

Nachdem sich Stella wieder beruhigt hatte, fragte sie mich gleich wieder über das Vorstellungsgespräch aus, was im Grunde genommen nicht mal eins gewesen war.

››Es war die Hölle. Du hättest mir ruhig verraten können, dass dieser Typ Mr. Oberarschloch höchstpersönlich ist‹‹, klagte ich ihr mein Leid.

››Ich dachte das weißt du schon.‹‹

››Nun ich dachte mir zwar, dass er ein eingebildeter Macho ist, aber ich hätte nie gedacht, dass er SO hochnäsig ist.‹‹

››Mensch du hast es echt drauf einen auf die Folter zu spannen. Hast du nun den Job bei Mr. Oberarsch, oder nicht?‹‹

››Es heißt Mr. Oberarschloch.‹‹

››Clary!‹‹ Nun war ich an der Reihe leise vor mich hin zu gackern und ich hörte meine Freundin entnervt schnauben.

››Ich hab den Job‹‹, erlöste ich sie schließlich von der Folter, woraufhin ich mir mindestens eine Minute lang lautes Gekreische anhören musste. Wahrscheinlich war ich nach diesem Telefonat taub. Stella hatte schon immer ein sehr lautes Organ gehabt und nutzte dieses auch, wenn sie wollte.

››Ich hab es dir doch gleich gesagt! Oh wie geil! Nun sind wir Kollegen! UHHHHH!‹‹

Während des gesamten Weges, von der S-Bahn-Station zu mir nach Hause, quatschte ich ausgelassen mit Stella, wobei wir schon Pläne schmiedeten für unsere zukünftige Zusammenarbeit. Erst als ich direkt vor meiner Wohnungstür stand, legten wir schließlich auf und ich machte mich darauf gefasst die ganze Geschichte noch einmal zu erzählen. Ich brauchte nicht einmal den Schlüssel ins Schloss zu stecken, denn mein Bruder hatte die Tür bereits aufgerissen und schaute mich breit grinsend an.

››Uuund?‹‹

Man heute würde ich sicherlich keine Verschnaufpause mehr bekommen.

››Das ist ja eine tolle Neuigkeit.‹‹ Meine Mutter, die optisch eher aussah wie meine Schwester, zog mich in ihre dünnen Arme und presste mein Gesicht in ihren kurzen roten Haarschopf. Ihre dicken Haare kitzelten auf meiner Haut und ich musste mich ziemlich zusammenreißen sie nicht weg zu pusten.

Hinter mir hörte ich Toby leise lachen. Er versuchte es zwar mit einem Räuspern zu überspielen, doch ich kannte meinen Zwillingsbruder nun mal gut genug, um es besser zu wissen. Nach einer Ewigkeit ließ mich meine überemotionale Mutter endlich los und ich wurde sogleich von den großen Pranken meines Vaters umschlossen. Grinsend lehnte ich meinen Kopf gegen seine Brust und schielte zu ihm hoch. Er war wirklich ein Riese. Zum Glück hatte ich deutlich mehr von meiner Mutter geerbt als von ihm.

Ich hatte die hellblauen Augen und die roten Haare, sowie die Körpergröße von ihr. Doch viele sagten, dass die Form meiner Augen und meine Lippen deutlich die meines Vaters waren. Bei Toby hingegen war es einfach, denn er sah zu 99 Prozent aus wie mein Vater. Die beiden trennten nur wenige Zentimeter und ein bisschen Muskelmasse voneinander. Doch sonst waren sie die perfekten Doppelgänger.

››Ich bin so stolz auf dich Puppe.‹‹

››Paps, ich hab dir doch schon 100 Mal gesagt, dass du mich nicht so nennen sollst.‹‹

››Du bist aber nun mal meine kleine Puppe.‹‹ Seufzend löste ich mich von meinem Vater und ließ mich auf die große bequeme Ledercouch fallen, die fast den gesamten Raum einnahm.

Meine Eltern wohnten zusammen mit Onkel Shane und Tante Rebecca in einem hübschen Reihenhaus am Rande von London. Eigentlich war es ursprünglich das Haus von meinen Großeltern gewesen, doch diese waren nach Irland gezogen und hatten es ihrer Tochter mit Freuden überlassen. Mein Onkel Ryan und seine Frau Andy, mit der er vor drei Jahren einen gesunden Jungen – Brian - bekommen hatte, lebten in Barcelona. Die beiden wohnten dort glücklich in dem kleinen Strandhaus von Andy und leiteten zusammen ein schnuckliges Restaurant, was sehr gut lief. Sie besuchten uns zwar oft und auch wir fuhren im Sommer immer für zwei Wochen zu ihnen, doch trotzdem war es schade, dass sie nicht ebenfalls bei uns in London waren, da ich Onkel Ryan sehr ins Herz geschlossen hatte.

››Wo sind denn Shane und Becky?‹‹ Toby ließ sich neben mir auf die Couch plumpsen und schlang automatisch einen Arm um meine Schultern. Gelassen ließ ich meinen Kopf auf seine Schulter sinken.

Zwischen uns war eine sehr enge Bindung, die sich nicht wirklich in Worte fassen ließ. Toby und ich waren einfach schon von klein auf nicht nur Geschwister, sondern ebenfalls beste Freunde. Ich konnte ihm immer alles erzählen und er war einfach immer für mich da. Es gab wirklich gar nichts, dass wir nicht miteinander teilten.

››Wer weiß … Eigentlich müssten sie bald kommen‹‹, erwiderte mein Vater mit einem breiten Schmunzeln im Gesicht, doch ehe wir weiter reden konnten, wurden wir unterbrochen.

››Zur Feier des Tages, habe ich ein paar Leckereien vorbereitet.‹‹ Meine Mutter kam - mit einer großen Schale und einem breiten Grinsen im Gesicht – auf Toby und mich zu und stellte die Schale auf den kleinen Tisch vor uns. Mit leichtem Entsetzten nahm ich die winzigen, dampfenden Törtchen genau unter die Lupe, denn als ich das letzte Mal einen Bissen von den Backkünsten meiner Mutter genommen hatte, war ich eine halbe Stunde nicht mehr aus dem Bad herausgekommen.

Alarmiert blickten Toby und ich uns an und warfen anschließend unserem Vater vorwurfsvolle Blicke zu. Er wusste genau, dass es seine Aufgabe war sie von der Küche fern zu halten. Zwar hatte Andy über die Jahre viele Versuche gestartet unserer Mutter kochen und backen beizubringen, doch alle waren kläglich gescheitert.

››Du Mum, wir beide haben uns Zuhause schon richtig den Bauch voll geschlagen.‹‹ Sofort trat wieder dieser typische Welpenblick auf das Gesicht meiner Mutter und ich biss mir von innen auf die Lippe. Das durfte doch nicht wahr sein! Ich wollte heute eigentlich nicht wieder den halben Tag mit Magenverstimmung auf der Toilette verbringen, doch ich wollte auch nicht meine Mutter enttäuschen. Sie hatte mir immerhin nur eine Freude machen wollen.

››Na schön, ich koste mal ein Törtchen… dir zu Liebe.‹‹

››Sie werden dir ganz sicher schmecken. Ich hab mich diesmal auch genau ans Rezept gehalten. Ich schwöre es.‹‹ Zweifelnd hob ich eine Augenbraue und griff nach einem der kleinen Törtchen. Stumm musterte ich es eingehend. Es sah aus wie ein Schokotörtchen mit brauner Glasur, auf dem eine kleine Kirsche platziert war. Alles in allem sah es also wirklich appetitlich aus, doch das hieß bei meiner Mutter gar nichts. Mir drehte sich jetzt schon der Magen um. Zum Glück hatte ich heute so gut wie kaum etwas gegessen und einen relativ robusten Magen.

››Sei ja vorsichtig‹‹, murmelte mein Bruder so leise an mein Ohr, dass nur ich ihn verstand. Ich begann leicht zu grinsen. Alle Augen im Raum waren auf mich und das Törtchen gerichtet. Es fühlte sich eher so an, als müsste ich eine tickende Zeitbombe entschärfen und nicht einen kleinen Schokokuchen probieren.

Vorsichtig biss ich in den warmen Teig. Er war weich. Zum Glück, denn einmal hatte mein Vater sich an einem selbstgebackenen Brot meiner Mutter einen Zahn ausgebissen. Dann kaute ich weiter und schluckte anschließend langsam den Bissen herunter. Es herrschte absolute Stille im Raum. Immer noch lagen alle Blicke auf mir.

››Soll ich dir die Badtür schon mal aufhalten?‹‹, begann Toby zu sprechen, doch ich unterbrach ihn verwundert.

››Es schmeckt … gut …‹‹ Toby und meinem Vater fiel synchron die Kinnlade herunter. Sie musterten abwechselnd mich und dann meine, bis über beide Ohren strahlende, Mutter. ››Ja wirklich, erstaunlicherweise schmeckt es gut‹‹, bestätigte ich meine Aussage fröhlich. Daraufhin griffen sich alle ein Törtchen und bissen herzhaft hinein.

Ein tragischer Fehler.

››Du musstest ja auch unbedingt sagen, dass es gut schmeckt!‹‹ Schnaufend lehnte sich mein Bruder neben mir an die kühlen Fließen der Badewanne.

››Ich konnte ja nicht wissen, dass unsere Mutter uns vergiften wollte‹‹, antwortete ich schnippisch und spürte wie die Übelkeit wieder in mir aufstieg.

››Ich schwöre es, ich rühre nie wieder auch nur ein Gericht an, das unsere Mutter zubereitet hat. Jedes Mal endet es in diesem Raum.‹‹

››Das sagen wir beide jedes Mal…‹‹

››… und dann kommt dieser Welpenblick‹‹, setzte Toby meinen Satz fort und begann zu würgen.

››Immerhin wusste sie nicht, dass das die Eier waren die Paps wegschmeißen wollte … und eigentlich haben die Törtchen echt gut geschmeckt.‹‹ Toby bedachte mich mit einem zornigen Blick. ››Komm schon, es hat dich keiner gezwungen gleich drei davon zu essen.‹‹

Wie aufs Kommando lehnte sich mein Bruder wieder über die Kloschüssel und würgte seinen - noch verbliebenen - Mageninhalt hervor. Seufzend lehnte ich meinen glühenden Kopf gegen die kalten Fliesen und hoffte inständig, dass dieses widerliche Gefühl bis morgen verschwunden war, denn ich wollte nicht an meinem ersten Arbeitstag meinem Chef vor die Füße kotzen. Immerhin gab es deutlich bessere Methoden ihm meine Meinung von sich mitzuteilen.

Ein kleines Missgeschick

Nun war es also soweit. Heute war mein erster Arbeitstag als persönliche Assistentin von Darren Walden. Mir war noch immer ein wenig flau im Magen von dem kleinen Schokotörtchen. Ich hatte mich den gesamten gestrigen Abend nicht mehr getraut auch nur einen Bissen Essen zu mir zu nehmen. Nur heute früh hatte ich mich gezwungen eine kleine Schüssel Müsli zu essen, da Toby mich sonst nicht aus dem Haus gelassen hätte.

Und nun … nun stand ich hier, vor dem großen Gebäude der Walden Company. In meiner Hand hielt ich den heißen Kaffee für meinen Chef. Er war - wie er es sich gewünscht hatte - schwarz und ohne Zucker. Also vollkommen widerlich … und wie ich fand ziemlich passend.

Nach einem letzten resignierten Seufzer schritt ich durch die große Tür und marschierte durch die moderne Empfangshalle. Wieder fiel mein Blick auf die Empfangsdame, die erneut einen sehr kurzen Rock trug und gerade dabei war kaugummikauend mit einer Strähne ihres langen blonden Haares zu spielen. Zum Glück musste ich die heute nicht ansprechen. Und ich hoffte inständig, dass ich sonst nichts mit ihr zu tun haben musste.

Zielsicher steuerte ich durch die Gänge und blieb direkt vor der Bürotür von Darren Walden stehen. Schräg neben dieser Tür stand ein breiter Glasschreibtisch, auf dem ein Laptop mit dem Firmenlogo, mehrere Ablagen und schwarze Aktenordner lagen. Außerdem verriet ein kleines Schild, welches direkt an der Vorderseite des Tisches angebracht war, dass dies wohl mein zukünftiger Arbeitsplatz war.

Nach einem letzten abschließenden Seufzer, klopfte ich an die Tür. Ein leises Brummen ertönte und ich öffnete die schwere Tür mit viel Mühe, da ich nebenbei aufpassen musste, dass mir der heiße Kaffee nicht über die Hände lief.

Mein Chef saß, wie schon gestern, hinter seinem großen Schreibtisch und schien gerade in irgendwelche Unterlagen vertieft zu sein. Um seine Augen herum konnte ich leichte Schatten erkennen und fragte mich, ob er die Nacht überhaupt geschlafen hatte.

Mit wackeligen Schritten, da ich heute ziemlich unbequeme Pumps trug, schritt ich auf seinen Schreibtisch zu und stellte den braunen Kaffeebecher vor seiner Nase ab, wobei ich ein leises ››Guten Morgen‹‹ murmelte. Erst jetzt blickte Darren Walden zu mir auf und wieder nahm mich die Kälte seiner Augen gefangen. Einige Sekunden musterte er mich einfach schweigend, dann wanderte sein Blick zu dem Kaffeebecher. Er erwiderte meine Begrüßung nicht. Wie überaus höflich er doch war, dachte ich zynisch, während ich versuchte meine Miene unbewegt erscheinen zu lassen.

››Von wo soll dieser Kaffee sein?‹‹, fragte mich mein Chef mit verächtlicher Stimme.

››Ich habe ihn direkt an dem Kaffeestand vor der Firma gekauft‹‹, erwiderte ich gelassen und versuchte die tiefen Falten auf Darren Waldens Stirn geflissentlich zu ignorieren.

››Wie ekelhaft.‹‹

››Wie bitte?‹‹ Verwirrt starrte ich meinen neuen Chef an.

Woraufhin eben dieser ein genervtes Stöhnen ausstieß und mich zum zweiten Mal an diesem Morgen ansah. Sein Blick war tödlich und ich bekam eine Gänsehaut. ››Ich sagte, dass das ekelhaft ist.‹‹

››Sie haben Ihn doch noch gar nicht probiert‹‹, murmelte ich etwas verunsichert. ››Das brauche ich auch nicht, denn ich werde dieses Gesöff sicherlich nicht trinken.‹‹

››Sie wollten doch aber einen Kaffee von mir‹‹, antwortete ich leicht gereizt und griff mir an die Stirn. Ich musste wirklich versuchen mich mehr zusammenzureißen, denn er konnte mich ohne Probleme wieder rausschmeißen und ich brauchte diesen verdammten Job. Ich wollte diesen Job!

››Richtig, ich wollte einen Kaffee und nicht dieses Gesöff.‹‹ Während er sprach betonte er jedes Wort einzeln, weswegen ich mir ziemlich dumm vorkam, was vermutlich auch sein Ziel war.

››Na schön, von wo möchten Sie denn Ihren Kaffee?‹‹

Mein Chef stieß ein übertriebenes Stöhnen aus. ››Warum sind alle Menschen nur so überaus dämlich?‹‹

››Vielleicht weil Sie ihnen keine genauen Informationen geben und sich selbst überlassen‹‹, sprudelte es unvorsichtig aus mir heraus. Wieder traf mich sein kühler Blick unvorbereitet und ich schluckte benommen. Wie konnten braune Augen nur so kalt sein?

››Sie halten sich wohl für ganz schlau?‹‹ Als ich nicht antwortete, fuhr er entnervt fort. ››Bringen Sie mir einfach einen ordentlichen Kaffee, aber beeilen Sie sich gefälligst.‹‹

Mit Wut im Bauch drehte ich auf dem Absatz herum und verschwand aus dem Büro des Schreckens. Dieser Typ war eindeutig Luzifer höchstpersönlich … und ich war ihm hilflos ausgeliefert.

Wo zur Hölle sollte ich seiner Majestäts Meinung nach nur einen ordentlichen Kaffee herbekommen?

Leicht verzweifelt hetzte ich durch die Gänge und suchte nach irgendeinem Kaffeeautomaten, doch ich fand einfach keinen. Es war zum Mäuse melken! Ich war schon nach den ersten Sekunden mit ihm überfordert. Wie sollte ich das nur auf Dauer aushalten?

››Clary? Was machst du denn hier?‹‹ Überrascht drehte ich mich herum und blickte direkt in die stahlgrauen Augen meiner Freundin. Freudig warf ich mich in ihre Arme. Sie war meine Rettung. Ganz bestimmt! Sie musste einfach meine Rettung sein an diesem grauenvollen Morgen.

››Oh mein Gott Stella, du kommst wie gerufen.‹‹ Meine Freundin musterte mich mit hochgezogener Augenbraue und strich sich eine lange blonde Strähne hinter das Ohr.

Wie so oft fiel mir auf wie hübsch sie doch war. Ihre Haare hatte sie heute zu einer komplizierten Flechtfrisur zusammen gebunden und ihre grauen Augen waren wie üblich mit Eyeliner und Mascara perfekt in Szene gesetzt. Ihr schlanker Körper, mit den richtigen Rundungen - den sie heute in ein schickes graues Kostüm gehüllt hatte - raubte vermutlich vielen Männern den Atem. Schon oft war ich ein wenig neidisch auf sie gewesen, da ich mich ein wenig zu klein und zierlich fand, woran eindeutig meine Mutter und ihre verflixten Gene Schuld waren.

››Wo brennt es denn?‹‹

››Mr. Oberarschloch verlangt von mir einen ordentlichen Kaffee, denn der den ich ihm mitgebracht habe, entspricht nicht seinen Vorstellungen.‹‹

››Von wo hattest du den Kaffee denn?‹‹

››Von dem kleinen Stand vor der Firma.‹‹

Angewidert verzog Stella ihr Gesicht zu einer Grimasse. ››Glaub mir Schätzchen, von diesem Kaffeestand willst du keinen Kaffee. Der schmeckt zum kotzen.‹‹

››Na dann passt der doch wunderbar zu Mr. Hochwohlgeboren.‹‹ Stella begann breit zu grinsen und hakte sich bei mir unter.

››Also meine Süße, Mr. Hochwohlgeboren - alias Mr. Walden - bestellt seinen Kaffee schon seit Jahren immer in ein und demselben Laden.‹‹ Stella führte mich zu einem der vielen großen Fenster des Gebäudes. ››Siehst du das kleine Café dort unten? Es heißt Michelangelo.‹‹ Ich nickte als Antwort kurz und betrachtete das hübsche Bauwerk stumm. Die Fassade war in einem dunklen Olivgrün gestrichen und vor dem Café standen mehrere kleine Holztische, an denen einige Leute in teuren Anzügen saßen. ››Dort ist er Stammgast. Geh einfach hin und sag du holst die Bestellung für Mr. Walden ab. Bezahlt ist schon. Er überweist ihnen das Geld monatlich… und schon zauberst du deinem Chef ein Lächeln ins Gesicht.‹‹

››Das bezweifle ich aber stark. Dieser Mann kann ganz sicher nicht lächeln. Der weiß vermutlich nicht einmal wie man dieses Wort buchstabiert.‹‹

Grinsend zwickte mich meine beste Freundin in die Seite. ››Wir sehen uns zum Mittag in der Cafeteria.‹‹ Dann verschwand sie mit schwungvollen Schritten in die Richtung, aus der sie auch gekommen war.

Nachdem ich den Kaffee und ein Croissant in dem kleinen Café abgeholt hatte, machte ich mich wieder auf den Weg zum Büro meines Chefs, denn zu lange wollte ich diesen Teufel nicht auf seine Droge am Morgen warten lassen. Ich wollte ja nicht, dass er am Ende noch anfing Feuer zu spucken und seine Mitarbeiter und Kunden verschreckte.

Böse vor mich hin grinsend versuchte ich mal wieder die enorm schwere Tür zu seinem Büro mit nur einer freien Hand aufzudrücken, was sich als ziemlich schwierig herausstellte. Stöhnend lehnte ich mich gegen diese und versuchte dabei nicht den Kaffee zu verschütten.

Doch plötzlich wurde eben diese schwere Tür schwungvoll aufgerissen und ich verlor meinen Gleichgewichtssinn und taumelte mit einem leisen Quietschen nach vorne. Nur ein fester Griff um meinen Oberarm hinderte mich daran Bekanntschaft mit dem harten Laminatboden zu machen. Nur leider hatte der Kaffee weniger Glück als ich. Die heiße Flüssigkeit ergoss sich zur Hälfte über meine Hand und ich stieß ein entsetztes Stöhnen aus, da diese sofort wie verrückt brannte.

Heute war wirklich nicht mein Tag.

Der halbvolle Kaffeebecher wurde mir aus der Hand genommen, ebenso wie die Tüte mit dem Croissant. Schnell zog ich meine brennende Hand weg und wedelte sie wie eine Wahnsinnige herum. In meinen Augen standen dicke fette Tränen, die ich jedoch zum Glück daran hindern konnte über mein Gesicht zu laufen und meine Schminke zu verschmieren.

Ohne meinem Chef auch nur einen kurzen Blick zu schenken, murmelte ich leise ››Ich muss mal kurz verschwinden‹‹ und drehte mich anschließend herum und ging mit schnellen Schritten davon. Zum Glück wusste ich wo sich die Damentoilette befand, da ich vorhin an ihr vorbeigelaufen war.

Schon seit geschlagenen fünf Minuten hielt ich meine Hand unter den eiskalten Wasserstrom des Wasserhahns. Meine Hand war nun so kalt und taub, dass ich sie schon gar nicht mehr richtig fühlte. Nur das unangenehme Pochen meines Arms erinnerte mich daran, dass sich eine verletzte Hand an seinem unteren Ende befand.

Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und drehte das Wasser aus. Dabei fiel mein Blick auf mein Gesicht. Ich sah wirklich ziemlich geschafft aus. Über meine eine Wange zog sich eine dünne graue Spur, die verriet das ich doch nicht alle Tränen hatte zurückhalte können. Schnell wischte ich diese weg und versuchte meine Miene unbeeindruckt wirken zu lassen, doch es klappte nicht. Meine Lippen waren vor Schmerzen aufeinander gepresst und meine Augen glänzten übertrieben. Am liebsten wollte ich nur noch heulen und nach Hause zu Toby. Er wusste immer wie er mich aufheitern konnte.

Nach einer Weile, in der ich versuchte das Geschehene zu vergessen und die peinliche Röte von meinem Gesicht verschwinden zu lassen, gab ich es schließlich auf und marschierte mit pochender Hand und zusammengepressten Lippen zurück zu seinem Büro.

Durch das große Fenster neben der Tür konnte ich sehen, dass er wieder an seinem Schreibtisch saß. Doch dieses Mal blickte er nicht auf irgendwelche Akten vor sich. Er sah mich durch die Scheibe mit starrem Blick an. Benommen starrte ich zurück und versuchte nicht zu stolpern, da meine Beine sich vollkommen taub anfühlten.

Bevor ich auch nur Hand an die bescheuerte Tür legen konnte, hatte er sie wieder geöffnet und musterte mich von oben herab mit einer leicht belustigten Miene. Oder bildete ich mir dieses Schmunzeln nur ein?

››Wie geht es der Hand?‹‹

››Es ging ihr noch nie besser‹‹, antwortete ich mit schnippischen Tonfall, worauf ich mich am liebsten wieder selber geschlagen hätte. Warum musste ich in seiner Nähe nur immer so eine Zicke sein?

››Schön zu hören.‹‹

››Ich hoffe der Kaffee war die Mühe wert.‹‹

››Nun er war durchaus ordentlich, nur leider hat ja die Hälfte gefehlt.‹‹

››Soll ich neuen holen?‹‹

››Nein, ich habe schon Daphne damit beauftragt. Ich will ja nicht noch ein kleines Missgeschick heraufbeschwören.‹‹ Missgeschick!?

››Natürlich‹‹, erwiderte ich gespielt höflich, was meinem Chef ganz und gar nicht entging.

››Ich habe Ihnen schon ein paar Akten hingelegt. Sie müssen bis heute Nachmittag bearbeitet werden. Es handelt sich dabei um wichtige Aufträge, also vermasseln Sie es nicht.‹‹ Nach diesen Worten schloss der die Tür wieder direkt vor meinen Augen und ließ mich mit entsetzter Miene zurück.

Langsam drehte ich mich herum und betrachtete den riesigen Aktenberg auf meinem Schreibtisch aus großen Augen.

Dieser Typ war ganz eindeutig der Teufel höchstpersönlich und seine Lebensaufgabe war es mich zu foltern!

Mein Chef alias der "Sklaventreiber McSexy"

Als es endlich 12 Uhr war, sprach ich ein Dankesgebet an den lieben Gott aus, da ich endlich eine Pause einlegen konnte. Seit geschlagenen vier Stunden hatte ich nun schon an diesem riesigen Aktenberg gesessen und war ehrlich gesagt kaum einen Schritt weiter gekommen, da ich nur damit beschäftigt war mir irgendein System auszudenken, wie ich die Akten schnellstmöglich bearbeiten konnte. Ich hatte mir während dieser Zeit schon eingebildet, dass Dampf aus meinen Ohren strömte und mein Kopf bald platzen würde. Es war fast schon unheimlich.

Viele Schreiben sagten mir gar nichts und ich verstand nur Bahnhof, da die ganze Zeit von irgendwelchen Leuten und überteuerten Immobilien die Rede war. Daher hatte ich mich erst mal nur auf die Schreiben konzentriert, die direkt an Mr. Walden andressiert waren. Ich hatte versucht die Termine mit seinen Geschäftspartnern so zu organisieren, dass sich nichts überschnitt, was sich als verdammt verzwickt herausgestellt hatte, da der gute Mr. Walden an sich schon einen völlig überfüllten Terminplan hatte.

Schnaufend warf ich die Hände in die Luft und streckte mich genüsslich, da sich mein Körper vom langen sitzen ziemlich eingerostet anfühlte. Außerdem brannte meine rechte Hand immer noch höllisch, was das Schreiben am Laptop nicht unbedingt erleichtert hatte.

››Hey Schnecke.‹‹ Vor meinem Schreibtisch stand urplötzlich Stella und musterte mich aus funkelnden Augen.

››Hey, was machst du denn hier?‹‹

››Ich dachte mir, ich führe dich mal lieber zur Cafeteria. Denn so wie ich dich kenne, wärst du am Ende durch das gesamte Gebäude geirrt und hättest sie nicht gefunden.‹‹ Lächelnd erhob ich mich von meinem unbequemen Schreibtischstuhl und hakte mich bei meiner Freundin unter. ››Du bist fies. So einen schlechten Orientierungssinn habe ich doch gar nicht.‹‹

››Und ob, denn jedes Mal wenn ich mich auf dich verlassen habe, haben wir beide uns verlaufen.‹‹

››Ja, aber du bist auch nicht besser.‹‹

››Das habe ich ja auch nie behauptet Schnecke. Doch ich bin schon etwas länger hier und kenne alle Wege.‹‹

››Streberin‹‹, murrte ich schlecht gelaunt vor mich hin, was meine Freundin verdutzt innehalten ließ.

››Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?‹‹

››Du solltest wohl eher fragen, welcher Kaffee wurde dir denn über die Hand gekippt.‹‹

››Was?‹‹ Meine Freundin blickte mich vollkommen entgeistert an, woraufhin ich mir ein leises Kichern nicht verkneifen konnte. Es war so einfach Stella aus der Bahn zu werfen. Manchmal war mein Humor einfach zu viel für sie. Eigentlich war der einzige Mensch, der mich wirklich verstand mein Bruder. Denn im Vergleich zu ihm hatte ich noch eine ziemlich normale Art von Humor.

Da meine Freundin mich immer noch verwundert ansah, hob ich als Antwort meine rechte Hand und sie musterte meine gerötete Haut. ››Aua … Und ich dachte du hast nur wieder irgendeine Metapher von dir gegeben, die ich unmöglich verstehen kann.‹‹

››Nein dieses Mal nicht.‹‹

››Und wie ist das passiert?‹‹

››Frag doch unseren Chef.‹‹

Nun fielen Stella wirklich bald die Augen heraus. ››Er hat dich mit Kaffee überschüttet?‹‹ Ich musste einfach lachen. Es ging nicht anders, da es aus Stellas Mund so klang, als hätte Darren Walden mich mit einem Becher Kaffee attackiert und dabei hämisch gelacht … Obwohl ich das diesem Immobilienhai - alias Luzifer - sogar zutrauen würde.

››Na ja so ähnlich. Sagen wir mal ich vermute er hat es nicht wirklich beabsichtigt, obwohl ich das nicht zu 100% bezeugen kann.‹‹

››Ehrlich Clary so etwas schaffst auch nur du am ersten Arbeitstag. Da muss ich mir ja Sorgen um dich machen.‹‹

››Musst du das nicht immer?‹‹

››Stimmt auch wieder.‹‹

Während wir weiter vor uns hinplapperten und Stella mir von ihrem Arbeitstag und irgendwelchen Personen berichtete, erreichten wir endlich die Cafeteria und reihten uns in die lange Schlange an der Essensausgabe ein.

››Hey Stella Schätzchen.‹‹ Neben uns tauchte aus heiterem Himmel ein junger Mann um die 25 auf und drückte meine Freundin fest an seine Brust. Der Mann hatte etwas längeres rabenschwarzes Haar, das er mit Gel sorgfältig zurecht gezupft hatte. Nicht eine einzige Strähne schien am falschen Platz zu sein. Auch seine Kleidung wirkte wohl durchdacht. Er trug eine schicke schwarze Hose und ein hellblaues Hemd, das er lässig in seine Hose gesteckt hatte und dessen oberster Knopf geöffnet war. Sein gesamtes Äußeres wirkte sehr locker und trotzdem irgendwie schick. Und aus irgendeinem Grund konnte ich meinen Blick gar nicht von ihm wenden. Dieser Mann strahlte irgendeine besondere Präsenz aus und er war mir auf Anhieb sympathisch.

Der Mann schob Stella leicht von sich weg und betrachtete sie kritisch von oben bis unten. ››Du siehst heute wieder umwerfend aus Schätzchen.‹‹ Dann glitt sein Blick zu mir herüber und er ließ von Stella ab. Während er mich betrachtete, fielen mir seine stechend grünen Augen auf. Er war wirklich ein extrem attraktiver Mann.

››Und wer ist deine bezaubernde Begleitung Stellalein?‹‹ Ein eindeutig attraktiver schwuler Mann und ich hatte ihn erstaunlicherweise jetzt schon gerne.

Lächelnd reichte ich ihm meine Hand, die er sofort selbstbewusst ergriff. ››Mein Name ist Clarissa Morrison und ich bin die neue persönliche Assistentin des Chefs. Die gute Stella hat mir den Job beschafft.‹‹

››Na ja ich hab dir nur das Vorstellungsgespräch ermöglicht. Der Rest ist dein Verdienst.‹‹

››Seit wann bist du denn so bescheiden?‹‹ Ich merkte immer noch wie der Blick des Mannes, dessen Namen ich noch gar nicht kannte, auf mir lag.

››Ach wie dumm von mir. Also Clary das ist Jared. Und Jared das ist meine Freundin Clary, von der ich dir schon so viel erzählt habe.‹‹

››Du bist also Clary.‹‹ Ein verschwörerisches Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus und ich bekam leicht Angst. Stella war dafür berüchtigt, dass sie eine kleine Tratschtante war und ich wollte lieber gar nicht wissen was sie alles schon von mir erzählt hatte. ››Wie schön das wir uns endlich kennenlernen. Ich habe schon die verrücktesten Dinge über dich gehört und ich denke ich werde dich lieben.‹‹

››Wie fies, denn ich habe über dich noch gar nichts gehört.‹‹

Mit gespielter Empörung wandte sich Jared an Stella. ››Bin ich etwa so langweilig, dass du nichts über mich zu erzählen hattest? Mir hast du bald die Ohren abgekaut über die tolle Clary.‹‹

Lachend musterte ich das Schauspiel zwischen Stella und Jared und merkte wie meine Laune endlich wieder anstieg. Heute würde also doch nicht so ein fürchterlicher Tag werden, wie ich befürchtet hatte.

Nachdem wir drei uns unser Essen geholt hatten und Stella und Jared fertig mit ihrer Auseinandersetzung waren, suchten wir uns einen leeren Tisch, den wir zum Glück auch in der Mitte der übertrieben großen Cafeteria fanden.

››Na dann erzähl mal. Wie lief dein erster Tag bisher als der Sklave von McSexy?‹‹

››McSexy?‹‹ Mir blieb beinahe das Essen im Hals stecken als Jared dieses Wort aussprach. Doch sein Blick blieb ernst und voller Überzeugung. Mit einem leisen Seufzen wandte er sich wieder an Stella, die uns beide nur belustigt musterte. ››Du hättest sie ruhig mal aufklären können.‹‹

››Ach ich finde es lustiger wenn sie es selbst mitbekommt.‹‹

››Hallo ich sitze auch noch an diesem Tisch. Das ist euch schon bewusst, oder?‹‹ Ich schwenkte meine voll beladene Gabel vor Jareds Gesicht umher und er blickte mich aus großen Augen an.

››Stich mir ja kein Auge aus, denn wegen denen kriege ich oft Komplimente.‹‹ Grinsend verdrehte ich daraufhin nur meine Augen. ››Also Mr. Walden ist bei den meisten Angestellten einfach nur McSexy‹‹, wurde ich schließlich höflicherweise von Jared aufgeklärt.

››Und woher kommt dieser Name?‹‹

››Hast du etwa nie Greys Anatomy geschaut Schätzchen?‹‹ Als ich langsam mit dem Kopf schüttelte sah mich Jared mit einem tadelnden Blick an. ››Das müssen wir unbedingt nachholen. Auf jeden Fall heißt dort einer der Ärzte, natürlich der heißeste, McSexy und daher heißt unser heißer Boss auch so.‹‹

››Also ich finde ja McDreamy deutlich hübscher als McSexy‹‹, warf Stella ein. Daraufhin entbrach zwischen Stella und Jared eine lange Diskussion über irgendwelche Ärzte und Krankenschwestern, sodass ich nach einigen Minuten seufzend aufgab und mich meinem Essen widmete.

››Hey ein neues Gesicht.‹‹ Verwundert blickte ich von meinen Nudeln auf, als ich bemerkte das sich jemand neben mich gesetzt hatte. ››Ich bin Will und wer bist du, wenn ich fragen darf?‹‹ Neben mir hatte ein hübscher Mann Platz genommen. Er wirkte etwas jünger als Jared, doch ich konnte das Alter von Menschen sowieso immer schlecht einschätzen. Daher war das nur eine Vermutung. Das breite Lächeln von Will veranlasste mich automatisch dazu ebenfalls bis über beide Ohren zu grinsen. Wills ganze Erscheinung wirkte freundlich und strahlend. Alles an ihm schien zu strahlen. Angefangen von seinen kurzen blonden Haaren bis hin zu seinen hellgrauen Augen. Er hatte ein sehr einprägsames Gesicht, welches durch die vielen weichen Züge sehr interessant wirkte. Er war in meinen Augen ein typischer Surfer- Schrägstrich Sunnyboy, dem die Mädels kichernd hinterher liefen. Und ich bemerkte natürlich sofort, dass sich Stellas Körperhaltung sofort verändert hatte, seit er an unserem Tisch Platz genommen hatte. Sie wickelte sich eine Haarsträhne um den Finger und klimperte mit ihren langen Wimpern. Ich kannte diese Anzeichen bei ihr ganz genau. Doch Will schien ihre Anwesenheit gar nicht wahrzunehmen. Er schien viel mehr daran interessiert zu sein, wer wohl die Neue in der Runde war.

››Hey ich bin Clarissa, aber nenn mich ruhig Clary, denn dass machen eh alle.‹‹

››Na schön Clary. Heute ist dein erster Tag, oder? Denn ich habe dich hier zuvor noch nie gesehen.‹‹

››Stimmt, heute ist mein erster Arbeitstag. Ich bin die neue Assistentin von Mr. Walden.‹‹

››Du bist McSexys neue Sklavin? Ich hab gehört die Alte hat er erfolgreich vergrault. Du hast mein Mitleid.‹‹

››Siehst du, ich hab doch gesagt alle nennen ihn McSexy!‹‹, warf Jared dazwischen und ich schenkte ihm ein kleines Lächeln.

››Na schön ich nenne ihn aber nur so, wenn ihr nie wieder so lange über eine Arztserie redet.‹‹

››Deal.‹‹ Jared und ich gaben uns über den Tisch hinweg die Hand und nickten ernst.

››So und nun will ich ganz genau wissen was mit meiner Vorgängerin geschehen ist.‹‹ Mein Blick glitt durch die Runde und blieb als letztes an Stella hängen, die leicht den Kopf eingezogen hatte.

››Ach, wer weiß das schon. Es war halt ein kleines Modepüppchen, dem der Stress zu viel geworden ist. Man sagt er hatte sie eh nur eingestellt weil sie hübsch war.‹‹

››Heißt das solange man bei McSexy gut aussieht ist man eingestellt?‹‹

››Nun …‹‹ Will räusperte sich leise und versuchte meinem Blick auszuweichen.

››Lasst mich raten: Alle Leute werden denken er hat mich eingestellt, weil ich ihm in den Arsch gekrochen bin.‹‹

››So würde ich es nicht gerade ausdrücken.‹‹

››Wie denn sonst?‹‹ Verwirrt blickte ich Jared an, der als einziger der drei den Mumm hatte mir klare Antworten zu geben.

››Die letzten Assistentinnen von McSexy waren eigentlich nur für seine persönlichen Bedürfnisse da, wenn du verstehst was ich meine … Nun und als er keine Lust mehr auf sie hatte sind sie eben geflogen.‹‹ Vor Entsetzen fiel mir die Kinnlade herunter und ich ließ meine Gabel zurück auf den Teller plumpsen.

››Oh mein Gott! Alle Leute werden denken, dass ich mit ihm schlafe‹‹, entfuhr es mir entgeistert.

››Also zur Beruhigung, von uns denkt das keiner Süße.‹‹

››Daran bist du Schuld Stella‹‹, fuhr ich meine Freundin zornig an, woraufhin sie den Kopf einzog.

››Ich hab es nur gut gemeint. Du sagtest du brauchst einen Job. Und wir beide wissen doch, dass du nicht so eine bist.‹‹

››Ja, aber alle anderen werden das denken!‹‹

››Scheiß doch drauf was andere denken. Zerbrich dir nicht dein hübsches Köpfchen. Ich mache mir darüber schon lange keine Gedanken mehr. Was denkst du denn was in dieser Firma schon über den Schwulen gelästert wurde? Die Lästermäuler können dir doch den Rücken herunter rutschen.‹‹ Benommen musterte ich Jared, der seine Hand auf meine gelegt hatte und mich aus seinen grünen Augen beruhigend ansah. Und es klappte. Meine Verspannung löste sich und ich atmete tief durch.

››Entschuldige, dass ich dich so angefahren habe Stella. Ich war nur so …‹‹

››Ich weiß doch Süße. Ich hätte dich vorwarnen sollen. Tut mir leid.‹‹

Seufzend blickte ich auf meine Armbanduhr. ››Ich muss wieder los. Ein riesiger Aktenberg wartet auf mich, denn McSexy ist ein wahrer Folterknecht, der in seinem früheren Leben eindeutig Luzifer höchstpersönlich war.‹‹

››Hab ich schon erwähnt, dass ich dich jetzt schon mag?‹‹ Jared strahlte mich übertrieben fröhlich an und ich schenkte ihm zwinkernd einen Luftkuss.

Als ich mich umdrehte, hörte ich wie die drei hinter mir zu lachen begannen

Überstunden

  

››Ich hoffe Sie haben die Mittagspause genossen?‹‹ Die dunkle Stimme meines Chefs ließ mich aufhorchen. Nach dem Mittag war ich direkt zu meinem Arbeitsplatz gegangen und hatte mich wieder an die Bearbeitung der Akten gemacht. Doch nun stand Darren Walden vor mir und sah mich aus kühlen Augen an. Wie konnte ein einziger Mann nur so einschüchternd wirken?

››Das habe ich.‹‹

››Schön zu hören.‹‹ McSexys Miene verriet eindeutig, dass er es ganz sicher nicht schön fand. Benommen versuchte ich seinem Blick stand zu halten und nicht meinen Kopf einzuziehen wie ein verschrecktes Reh, obwohl ich mich im Moment genau so fühlte. ››Ich habe hier noch einige Unterlagen, die vorhin hereingekommen sind. Sie müssen sie heute noch bearbeiten, denn sie sind wirklich wichtig. Den Termin mit Mr. Lux muss noch morgen stattfinden, da er ab übermorgen für zwei Wochen unpässlich ist. Verschieben Sie einfach irgendeinen anderen unwichtigen Termin nach hinten.‹‹

››Nun, ich fürchte Sie haben morgen keine unwichtigen Termine auf dem Plan‹‹, antwortete ich unwirsch, während ich panisch durch den Terminkalender blätterte.

››Dann lassen Sie sich etwas einfallen. Setzen Sie Ihren Kopf ein, ich habe Sie immerhin nicht umsonst eingestellt.‹‹ Nachdem mein Chef mir noch einen letzten unterkühlten Blick zugeworfen hatte, drehte er sich ungerührt um und verschwand in seinem Büro. Ich wachte erst wieder aus meiner Schockstarre auf, als die Tür hinter ihm zuschlug.

Das durfte doch alles nicht wahr sein, fuhr es mir durch den Kopf, als ich den Blick über die neuen Akten gleiten ließ. Das würde ich niemals alles heute noch schaffen! Niemals!

Das Vibrieren meines Handys weckte mich aus meinen Gedanken. Schnell zog ich das störende Gerät aus meiner Tasche und betrachtete das Display. Es war Toby. Stöhnend rieb ich mir die schmerzende Stirn und hielt mir das Handy ans Ohr.

››Hey wo bleibst du denn? Es ist schon halb sieben.‹‹ Entsetzt starrte ich auf die Uhr an der gegenüberliegenden Wand und erstarrte für einige Sekunden. Mein Bruder hatte recht. Es war halb sieben und ich hatte eigentlich schon vor zwei Stunden Feierabend gehabt. Vor dem Fenster war es schon stockdunkel. Nur die erleuchteten Fassaden der Häuser Londons schenkten mir Licht. ››Clary bist du noch dran?‹‹ Die Stimme meines Bruders klang ziemlich besorgt, so dass ich mich schnell wieder zusammenriss.

››Ja, mir geht es gut. Ich war nur so in die Arbeit vertieft, dass ich ganz die Zeit vergessen habe. Entschuldigung.‹‹

››Hast du denn am ersten Tag schon so viel zu tun?‹‹

››Wenn du wüsstest.‹‹

››Ach, die restliche Arbeit kann auch bis morgen warten. Komm raus. Ich stehe schon vor der Firma.‹‹

››Was?‹‹ Am anderen Ende der Leitung ertönte ein leises Kichern.

››Ich stehe vor der Firma und ich hole dich raus, wenn du nicht freiwillig kommst. Du weißt doch, dass wir heute ins Kino wollten.‹‹

››Oh verdammt, können wir das nicht verschieben? Ich hab echt noch so viel …‹‹

››Kannst du vergessen. Du sollst dich doch nicht gleich am ersten Arbeitstag zu Tode schuften.‹‹

››Aber …‹‹

››Clary!‹‹ Ich stöhnte leise, da ich diesen Ton meines Bruders genau kannte. Er würde sowieso kein Nein akzeptieren. Außerdem hatte er recht. Es war nicht normal gleich am ersten Arbeitstag solche Überstunden zu machen. Mein Chef konnte mir also nichts vorwerfen.

››Na gut, ich komme raus, aber ich hoffe für dich, dass du nicht mit dem Auto da bist.‹‹

››Ich bin extra mit der S-Bahn gefahren … und jetzt beeil dich, oder wir verpassen noch den Anfang des Films.‹‹ Ohne ein weiteres Wort und mit einem theatralischen Seufzen legte ich auf und erhob mich langsam und mit steifen Gliedern von meinem Bürostuhl. Ich hatte noch nie so lange auf meinem Hinterteil gesessen und das ließ es mich nun gnadenlos spüren. Grummelnd streckte ich mich.

Nachdem ich den Computer ausgeschaltet hatte, klopfte ich an die Bürotür meines Chefs. Wieder ertönte nur ein miesgelauntes Brummen.

››Was gibt es?‹‹ Darren Walden durchlöcherte mich förmlich mit seinem Blick und ich schluckte ängstlich, da ich genau wusste, dass ich nicht alle Akten fertig bearbeitet hatte. Um ein wenig Selbstbewusstsein vorzutäuschen, streckte ich den Rücken durch und begegnete seinem Blick voller Zuversicht.

››Es ist schon spät und ich habe eine Verabredung. Ich werde daher gehen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.‹‹

››Haben Sie alle Aufgaben erledigt?‹‹ Innerlich krampfte sich alles in mir zusammen und ich wollte am liebsten sofort verschwinden und seinen stechenden Augen entkommen.

››Nein.‹‹ Eine seiner Augenbrauen schoss überrascht in die Höhe. ››Ich habe beinahe alle Akten bearbeitet und Ihre Termine für morgen habe ich Ihnen per Mail gesendet. Den Termin mit Mr. Lux habe ich Ihnen zwischen den mit Mr. Kendell und Mr. Nuris geschoben. Es ist alles geklärt. Die wenigen Akten, die mir noch fehlen, sind nur ein paar Besichtigungstermine für nächsten Monat. Ich werde sie morgen fertigstellen. Doch nun möchte ich in den wohlverdienten Feierabend gehen.‹‹ Meine Stimme klang selbstbewusster als ich mich im Moment fühlte und ich war sehr erleichtert darüber. Manchmal war mein Pokerface das einzige, was mich rettete.

Es dauerte eine Weile, bis mein Chef etwas erwiderte. Er sah mich einfach nur mit undefinierbarer Miene an und schien nachzudenken - worüber wusste ich nicht. Ich hoffte nur, dass es dabei nicht um meine Kündigung ging.

››Schön, wenn Sie also gehen wollen, warum sind Sie dann noch hier?‹‹ Im ersten Moment wollte ich ihm etwas entgegnen, doch ich besann mich in letzter Sekunde und drehte mich schließlich schweigend herum und schloss die Bürotür leise hinter mir. Ohne noch einmal zurück zu blicken, lief ich den langen Gang entlang und entspannte mich mit jedem Schritt, der mich von Darren Walden entfernte, immer mehr.

Wie versprochen wartete mein Bruder schon vor dem Eingang auf mich. Als ich ihn erblickte, begann ich bis über beide Ohren zu strahlen und schmiss mich förmlich in seine Arme. Er schien im ersten Moment über meine Reaktion überrascht zu sein, doch dann schlang er seine Arme fest um mich und vergrub sein Gesicht in meinen Haaren. ››Alles ok mit dir Schwesterherz?‹‹

››Mir ging es schon besser, doch jetzt ist wieder alles ok.‹‹ Langsam lösten wir uns voneinander und gingen nebeneinander her. ››War dein erster Tag so beschissen?‹‹

››Du kannst dir nicht vorstellen wie beschissen er war.‹‹

››Dein Chef macht seinem Namen also alle Ehre?‹‹ Ich grinste schwach und schlang einen Arm um seine Taille.

››Auf jeden Fall, aber lass uns nicht darüber reden. Lass uns einfach Spaß haben, denn Stress und schlechte Laune hatte ich heute schon zu Hauf.‹‹

››Wenn dein Job so scheiße ist, dann kündige doch einfach.‹‹

››Du weißt das ich ihn brauche und außerdem macht es sich für spätere Bewerbungen gut, wenn ich schon ein wenig Praxiserfahrung hab.‹‹

››Mein Verdienst reicht dicke für uns beide.‹‹

››Du weißt, dass ich kein Geld von dir oder Mum oder sonst wem will. Ich schaff das schon alleine.‹‹

››Ich hatte wirklich gehofft, dass du irgendwann nicht mehr so stur sein würdest.‹‹

››Du kennst mich doch besser.‹‹

››Ja … ich weiß.‹‹ Seufzend lehnte mein Bruder seinen Kopf gegen meinen und wir gingen stumm den restlichen Weg zum Kino.

Der Abend mit meinem Bruder war ein voller Erfolg. Er schaffte es mal wieder mich abzulenken und all meinen Frust Vergangenheit sein zu lassen. Wir schauten uns zusammen einen Actionfilm an und genossen die gemeinsame Zeit. Toby ertrug mein Gesabber, während die heißen Typen über die Leinwand flimmerten und ich ertrug sein Gesabber, während die Sportwagen ihren Auftritt hatten.

Nach dem Film fuhren wir wieder mit der S-Bahn nach Hause - in der wir uns einen Spaß daraus gemacht hatten fremde Leute zu erschrecken - und vergruben uns zusammen mit einer Tüte Chips auf die Couch zum quatschten, bis wir beide so müde waren, dass uns beinahe die Augen zufielen.

Nach diesem anstrengenden Tag war es daher eine richtige Erlösung endlich in mein kuschliges Bett zu fallen und träumen zu können, auch wenn meine Träume nur von meinem schrecklichen Monsterchef handelten.

Immer diese Heteromänner

 

Seit genau einer Woche arbeitete ich schon für Darren Walden – den tollsten Chef auf Erden.

Jeden Tag hatte er neue Aufgaben für mich gehabt, mit denen er mich quälen konnte. Es schien ihm einen Heidenspaß zu bereiten, obwohl seine versteinerte Miene nie aus seinem Gesicht wich. Auf mich wirkte er wie ein Roboter – völlig gefühlskalt und ferngesteuert. Alles was er den lieben langen Tag tat, war arbeiten … und natürlich mir das Leben zur Hölle zu machen.

Doch bisher schlug ich mich ziemlich gut, wie ich fand. Ich erledigte alle Arbeiten, die er mir auftrug ohne zu Murren und versuchte Alles seinen Wünschen anzupassen. Auch sonst lief es ziemlich gut in der Firma. Jede Mittagspause traf ich mich mit Stella, Jared und Will. Die drei hatten mich herzlich in ihre kleine Gruppe aufgenommen und es kam mir schon so vor, als würde ich die beiden Männer ewig kennen. Besonders Jared hatte ich in mein Herz geschlossen. Wir hatten die gleiche Art von Humor und manchmal erinnerte er mich sogar an Toby. Obwohl ich mir ziemlich sicher war, dass mein Bruder so gar nichts mit Jared anzufangen wüsste. Er sagte immer, dass ihm eine Verrückte reichte, die er tagtäglich um sich hatte. Und diesen Platz hatte nun einmal ich eingenommen.

››Hey Süße, hast du schon mal auf die Uhr gesehen?‹‹ Stella hatte sich unbemerkt an mich herangeschlichen. Sie stand – mit ihrem typischen umwerfenden Lächeln – vor meinem Arbeitsplatz und tippte theatralisch auf ihrer Armbanduhr herum. Immer noch leicht erschrocken, presste ich eine Hand gegen meine wild pochende Brust.

››Bist du verrückt?! Warum musst du mich immer so erschrecken?‹‹ Ich funkelte meine Freundin zornig an, was diese jedoch völlig kalt zu lassen schien. ››Du sollst schließlich nicht wieder Überstunden machen. Du hast die Woche mindestens fünf Stunden zu viel gearbeitet.‹‹

››Du übertreibst.‹‹

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