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Für dich einstehen steht dir gut!

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WIDMUNG

Für dich, du wundervolle Frau! Hab Mitgefühl für die Frau, die du bist, und gib dir Raum für dein inneres Leuchten und die Liebe in dir. Es ist unsere Aufgabe, uns selbst so zu begegnen, wie wir es uns von anderen Menschen so sehr wünschen. Wenn wir diese Fähigkeit entwickeln, kommen wir zur Erkenntnis, dass wir den anderen nicht brauchen, um glücklich zu sein – sondern dass wir ihn auswählen, ein Stück des Weges an unserer Seite zu sein. Denn alles ist bereits in uns.

Für dich einstehen steht dir gut!

Einleitung

Wie sehr wünschte ich mir, dass dies ein fremdes Buch sei, in dem ich lese, statt es selbst zu schreiben. Ein Buch, das mir die Möglichkeit gibt, in die Geschichte eines anderen Menschen, eines anderen Lebens einzudringen, wohl wissend, dass es nicht meine Geschichte ist, in die ich eindringe. Oder überhaupt irgendjemand eindringen kann. Ich wollte mich schützen, mich klein machen. Besser noch – unsichtbar. Ja, genau das war es, was ich sein wollte: unsichtbar. Ich wollte nicht, dass mich jemand sieht, und ich wollte mich auch selbst nicht sehen müssen. Lieber wieder das gute alte Spiel spielen: Ich sehe was, das du nicht siehst. Oder war es vielleicht doch eher: Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Niemand. Und wenn er kommt? Dann laufen wir! Ich lief. Ich bin weggelaufen. Niemand sollte mich fangen können, niemand mich erreichen. Ich am allerwenigsten.

Doch egal, wie schnell ich vor mir selbst weggelaufen bin, wie sehr ich mich auch in Abenteuer geworfen habe oder mit welch einfachen Ablenkungsspielchen ich versucht habe, nicht in den Spiegel zu blicken, nicht in mein Herz zu schauen, es hat mich immer eingeholt. Und ich habe es nicht verstanden. Wenn ich zurückblicke auf all diese Jahre, all mein stilles Leiden, die Suche nach dem Glück, nach Verständnis, Anerkennung, Lob, Ganzheit, Vollständigkeit und Liebe, dann empfinde ich heute große Demut und Dankbarkeit. Denn hier bin ich nun: Michaela, 52 Jahre, Mutter zweier wundervoller Kinder und angekommen bei mir, mit mir und in mir.

Dieses Buch widme ich dir und mit dir allen Frauen jeden Alters, die auf der Suche sind. Auf der Suche nach sich selbst. Den Grundstein meiner heutigen Arbeit und für dieses Buch habe ich 2015 mit der Gründung meines Blogs kindofbeauty.de gelegt. Seitdem treffe ich viele Frauen und egal, in welchem Alter sie sind, es sind immer wieder die gleichen Schwierigkeiten, mit denen sie kämpfen. Am meisten jedoch kämpfen sie mit sich selbst. Auch ich habe gekämpft: für all die Menschen, die ich liebe, und lange gegen mich selbst, ohne es wirklich zu wissen. Die heutige Welt, wie sie sich uns darbietet, mit allen wundervollen technischen Möglichkeiten, die für viele der reinste Horror sind. Sie öffnen nicht nur Wissen für uns, sondern vor allem abertausende neue Wege, sich zu vergleichen, sich abzulenken und klein zu machen. Abhängigkeiten gibt es heute noch genauso wie damals, vielleicht auf einem anderen Level, aber abhängig ist abhängig. Heute heißt es: Selbst ist die Frau. Das ist gut und dramatisch zugleich. Auf der Strecke geblieben scheint mir die Frage nach der Weiblichkeit. Frausein wird uns heute so verkauft, als müssten wir es uns hart erarbeiten, als könnten wir es auf eine besondere Art und Weise erwerben. Festgemacht an seltsamen, äußeren Attributen. Aufgeschminkt und angezogen. Angepasst und antrainiert. Viel zu oft glauben wir den wahnwitzigen Vorstellungen unseres sozialen Umfelds und folgen den Massenmedien. Von dort erhalten wir regelmäßige Einträge in unsere Benimmbibel und wir füttern die Ich-bin-nicht-gut-genug-Frau in uns. In den letzten dreißig Jahren waren wir überwiegend damit beschäftigt, uns neben der Verantwortung für Partnerschaft und Familie unsere Stellung im beruflichen und politischen Leben zu erarbeiten. Dabei blieben und bleiben weibliche Qualitäten wie Empathie, Weichheit (oh Gott, wer will heute schon weich sein), Intuition und der innige Kontakt zu uns selbst auf der Strecke. Viele Frauen fühlen sich heutzutage ausgebrannt und überfordert. Wollen wir das wirklich unseren Töchtern und Enkeltöchtern hinterlassen?

Mit diesem Buch erzähle ich dir einen Teil meiner Geschichte und nehme dich auf eine kleine Reise mit. Sie soll dir helfen, deinen eigenen Weg zu erkennen und deine eigene innere Stimme wiederzuentdecken und diese zu erheben. Für dich! Es ist an der Zeit, dass wir aufhören, uns herumschubsen zu lassen, zu verbiegen, immer weiter anzupassen, bis wir in das Leben von anderen Menschen passen. Es ist an der Zeit, dass wir die Superwoman wieder in uns entdecken und uns erlauben zu sein, wie wir sind. Nicht alles muss immer einen bestimmten Grund haben, manchmal sind die Dinge einfach, wie sie sind.

Lass uns gemeinsam den Weg zur Selbstliebe gehen, in eine erfüllende Beziehung mit dir und allen anderen. Sich selbst fühlen und mit dem Blick der Liebe zu betrachten, macht uns zu bewussten Wesen. Es eröffnet uns völlig neue Sichtweisen und führt uns auf eine Ebene, auf der alles möglich ist. Sich selbst zu lieben führt uns in eine harmonische Beziehung mit uns selbst, und diese ist die Grundvoraussetzung für jede andere Beziehung. Weichheit, Weisheit, Empathie, emotionale Stärke, eine besondere Aufnahmefähigkeit und Empfänglichkeit für Sinneseindrücke, Nähren, Gebären, Fürsorglichkeit, Intuition, Warmherzigkeit, Hingabe, Kommunikation, Geduld, Spiritualität und die Fähigkeit, uns ganz zu fühlen: Das alles sind große Geschenke, die wir nutzen sollten, anstatt sie abzulehnen.

image Weichheit ist keine Schwäche.

image Hingabe ist keine Abhängigkeit.

image Die besondere Fähigkeit der Kommunikation ist kein Getratsche.

image Spiritualität ist keine Spinnerei.

image Die Fähigkeit, uns ganz zu fühlen, ist weder Launenhaftigkeit noch Sentimentalität.

Wir müssen uns nicht messen oder in einen Wettstreit treten, nicht mit Männern und auch nicht mit anderen Frauen.

Steh für dich ein und gestehe das auch all den anderen Frauen zu. Hör gut zu, wenn du ihre Geschichten hörst. Lasst uns ehrlich miteinander sein. Wir müssen unsere Geschichten nicht verstecken, sie auch nicht schöner reden, als sie sind. Wir haben alle etwas zu sagen. Lasst uns unsere Stimmen nutzen. Für uns und füreinander. Lasst uns unsere Herzen weit werden lassen, einander erkennen und vergeben.

Wir dürfen erkennen, wer wir sind. Du darfst dich erkennen. Dich annehmen. Dich lieben. Such dich nicht in jemand anderem, denn dort wirst du dich nicht finden. Du bist einzigartig und wundervoll!

Meine Empfehlung für dich:

Nimm dir Zeit, die nachfolgenden Kapitel auf dich wirken zu lassen. Galoppiere nicht durch meine Zeilen, sondern fühle sie. Mach Pausen. Wiederhole die Passagen, die etwas in dir bewegen, und spüre, wie sie sich beim zweiten Lesen anfühlen. In Kapitel 11 findest du eine heilende Meditation. Diese habe ich als Audiodatei für dich eingesprochen und du findest sie als kostenlosen Download auf meiner Webseite:

https://kindofbeauty.de/buch-meditation

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Ganz viel Liebe für dich und viel Freude beim Meditieren.

Kapitel
1

Superwoman und der Feind in meinem Kopf

Verflixt, wann habe ich es nur vergessen? Wann habe ich aufgehört, an meine Superkräfte zu glauben? Daran, dass ich alles kann, was ich will. Dass ich alles erreichen kann, wann ich es will und wie ich es will. Dass ich gut bin so, wie ich bin. Wann habe ich ihn verloren, den Glauben an mich selbst, die Liebe zu mir, und bin in den Dialog mit meinem Verstand getreten? Mit diesem Teil in mir, der irgendwann begonnen hat, mir ständig fremde Spiegel vorzuhalten. Wann habe ich begonnen, anderen mehr zu glauben als mir selbst?

Als ich meine wundervolle Weichheit in Härte gegen mich selbst getauscht habe. Meine Hingabe in Verbissenheit verwandelt habe, um großen Zielen hinterherzulaufen. Ziele, von denen ich heute sagen kann, dass es nicht immer wirklich meine eigenen waren, sondern dass die angepasst waren an die Erwartungshaltungen anderer. Meine Intuition hinter der Logik meines Verstandes versteckt habe. Als das große Wenn-Dann-Spiel begann, mich immer wieder in Vergleiche gezwungen oder mir eigene Bedingungen auferlegt hat, die ich allesamt erst einmal glaubte erfüllen zu müssen, um gut zu sein, und als ich, blauäugig und ahnungslos, in dieses Spiel eingestiegen bin. Als das Spiegelkabinett, das wir alle von der Kirmes kennen, zu meiner Wirklichkeit und ich immer kleiner wurde. Diese vielen verschiedenen Spiegel, die das Bild von mir gekonnt verzerrt haben und das nicht nur körperlich, sie haben etwas mit meinem Herzen gemacht. Still und leise und unaufhaltsam. Immer mal wieder einen Stich ins Herz, und mit jedem Stich wurde Superwoman kleiner und zog sich immer mehr zurück. Gemütlich hat sie es sich hinter den Mauern gemacht, die sie bravourös und mit einer unglaublichen Geschicklichkeit um sich herum errichtet hatte. Einen exakten Zeitpunkt für diese Verwandlung von Superwoman in eine Ich-bin-nicht-gut-genug-Frau kann ich gar nicht wirklich benennen. Es war wohl eher ein schleichender Prozess und zwar so schleichend, hin und wieder schmeichelnd (damit ich nicht vollends den Mut verliere), dass er mich mit Leichtigkeit überrumpeln konnte.

Lass mich eins schon einmal vorwegnehmen: Jede Frau hat ihre Herausforderungen im Leben. Und jede geht unterschiedlich damit um. Es gibt kein Besser oder Schlechter. Du wirst als liebevoller, liebenswerter und wertvoller Mensch geboren. Das ist die Wahrheit über dich und daran hat sich seit deiner Geburt nichts geändert. Du musst keine Höchstleistungen vollbringen, nicht hart an dir arbeiten, dich nicht verbessern, um ein besserer und wertvollerer Mensch zu werden. Selbstwertgefühl kannst du nicht an der Ladentheke kaufen. Du kannst es nicht mit übermäßig viel Arbeit kompensieren. Du bekommst es auch nicht, wenn du dich als "Everybody’s Darling" anbietest. Dich selbst wertvoll zu fühlen beginnt immer damit, dich so anzunehmen, wie du bist. Das ist dann auch schon der schwerste Teil, aber kein Grund dafür, nicht schon heute damit zu beginnen. Lass uns mal wieder an uns selbst glauben.

Als junge Frau glaubte ich, ich wäre ein "Big City Girl". Die Welt sollte mir gehören, ich wollte sie erobern, riechen, fühlen, schmecken und frei leben. Ich wollte es besser machen und zwar in jeder Hinsicht. Auf gar keinen Fall wollte ich als Frau so leben wie meine Mutter, die, geprägt von der Zeit, in der Frauen am besten nicht selbstständig denken, nicht arbeiten gehen, sondern zu Hause Heim und Herd beleben sollten, ihre Rolle eingenommen hat. Und das tat sie großartig, mit Hingabe und bedingungsloser Liebe für die Familie. Unglücklicherweise nicht für sich selbst und ich habe sie lange Jahre nicht verstehen können. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann habe ich sie die meisten Jahre gar nicht richtig sehen können. Ich habe sie auf die Rolle der Mutter und dienenden Ehefrau reduziert. Auf eine Rolle, mit der ich mich weder in meiner Teenagerzeit noch später, als ich selbst schon Mutter und Ehefrau war, identifizieren konnte und wollte. Und nur mal so am Rande, wirklich besser gemacht habe ich es nicht. Ich habe in vielerlei Hinsicht das gleiche Leben gelebt. Vielleicht auf einer anderen Ebene. Ich war sicher „lauter“, rebellischer, und ich glaubte auch, ich sei viel stärker als meine Mutter. Auf jeden Fall nach außen. In mir sah es, ehrlich und nüchtern betrachtet, anders aus. Denn den Kampf gegen mich selbst, gegen die, die ich in meinem Herzen war und bin, dieser Kampf, der so kräfteraubend und selbstverzehrend ist, den habe ich auch gekämpft. Und nicht selten habe ich mich kleinmachen lassen. Wie heißt es so schön: Hunde, die bellen, beißen nicht. Ich habe viel und laut gebellt. So ist das im Leben, wir müssen Erfahrungen machen und zwar eigene, damit wir lernen. Und dann können wir es besser machen. Was nicht bedeutet, dass wir es vorher schlecht gemacht haben. Wir wussten es nur nicht besser. Vielleicht haben wir es auch nur nicht sehen können oder wollen. Mir jedenfalls ging es so. Das, was ich dann irgendwann wahrgenommen habe, war das leise Gefühl, dass es sich nicht richtig anfühlt. Ich fühlte mich nicht richtig.

Einer der schwersten Kämpfe ist zwischen dem, was du fühlst, und dem, was du zu wissen glaubst.

Gelernt habe ich als Mädchen erst einmal, dass Frauen offensichtlich nicht so viel wert sind, denn sie verdienen ja kein Geld und tragen nichts zum Erhalt des Familienlebens bei. Dafür schmeißen sie aber den ganzen hart verdienten Schotter des Mannes mit beiden Händen zum Fenster raus. Das hat die Abhängigkeit von Frauen extrem erhöht und die Angst vor einem sozialen Abstieg bei einer eventuellen Trennung war gigantisch und ist es bis heute noch in vielen Frauenköpfen. Spätestens, wenn der erste Nachwuchs da ist, geht sie auch heute noch in vielen jungen Familien los: die Diskussion um das liebe Geld. Und wenn du nicht vorher schon gerne nach Rechtfertigungen gesucht hast, warum du dir dieses oder jenes gönnst, dann passiert es oft ab genau diesem Moment. Es ist ja jetzt nicht mehr „dein Geld“. Das fördert nicht nur die Angst vor dem Verlust des sozialen Status im Falle einer Trennung, sondern vor allem die Angst davor, finanzielle Not zu leiden. Das schürt den Wunsch nach einem Versorger. Und ich glaube, verändert hat sich seit der Zeit meiner Mutter nicht wirklich viel. Auch wenn wir es gerne so sehen und glauben wollen. Denn obwohl wir Frauen heute alle im Beruf sind, scheinen wir nicht gleich viel wert zu sein. Der Unterschied in der Bezahlung, bei gleicher Qualifikation und Leistung, ist noch immer gigantisch, und der Druck – selbst gemacht oder nicht – für junge Mütter, möglichst schnell wieder in den Beruf einzusteigen, ist enorm.

Die Gründe hierfür mögen vielfältig sein. Manche Berufe sind sicher unterbewertet, es mag eine rollenstereotype Auswahl des Berufs geben, Teilzeit, Vereinbarkeit mit Familie und vieles mehr. All das wird ständig neu diskutiert und neu erhoben. Dennoch sage ich, dass es auf jeden Fall gutes Futter für die Ich-bin-nicht-gut-genug-Frau ist. Also nicht so direkt ins Gesicht, nein, es füttert sie eher ganz subtil. Schließlich identifizieren wir uns doch alle ganz wunderbar mit unserem Job und wenn der weg ist oder pausiert, ja, wer bin ich denn dann? Geld und Status scheinen wichtig zu sein – hast du viel, bist du viel. Dieser Glaubenssatz hält sich bis heute hartnäckig und sorgt für viel Mangel und Leid bei Frauen und Männern gleichermaßen.

Eines war somit für mich damals schon recht früh klar: Ich wollte es anders machen und zur Not bräuchte ich auch keinen Mann, auf jeden Fall keinen Versorger. Selbst ist die Frau und ich sowieso. So waren Unabhängigkeit und Selbstständigkeit für mich wichtig, denn so sind sie, die Superwomen. Und so wollte ich sein: unabhängig, selbstständig, stark, erfolgreich und glücklich. Bis ich die ersten Besuche im Spiegelkabinett machte. Auf der einen Seite diese große bunte Welt, in der es immer mehr ab und ich immer mehr haben wollte, damit ich jemand war, und auf der anderen Seite die große Benimmbibel.

 

Das Spiegelkabinett

Oder soll ich es den "Markt der Eitelkeiten" nennen? Die Eitelkeiten ändern sich, aber der Markt bleibt derselbe. Der Eintritt in die Welt des ewigen Vergleichs. Unser Bildungssystem bastelt fleißig an der Ausbildung des Einheitsschülers, Arbeitgeber haben lieber Arbeitnehmer, die sich mit der Kopfform eines Zäpfchens brav in den Hintern des Vorgesetzten quetschen, und es scheint hilfreich, wenn wir mit unseren Mänteln an der Garderobe auch gleich unser Hirn abgeben. Wir sind die Firma und das bedeutet natürlich auch, dass wir 24/7 erreichbar sind. Feierabend wird überbewertet, denn die paar E-Mails können wir auch am Abend zu Hause noch beantworten. Selbstverständlich sind die Arbeitszeiten gesetzlich geregelt (§3 Arbeitszeitgesetz), aber die Praxis geht auch heute noch vielfach andere Wege. Zur Not hilft hier nicht nur die gewünschte Identifizierung mit dem Unternehmen, sondern der direkte Vergleich mit Kollegen und die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes.

Die Werbeindustrie setzt noch einen oben drauf und formt Prototypen für männliche und weibliche Idealwesen. Die Modeketten tun das Ihrige, um mit möglichst günstig hergestellten Klamotten ein einheitliches Bild zu schaffen. Alles geht, solange es immer wieder neu ist UND ins Bild passt. Es scheint einfacher zu sein, eine Masse Menschen zu führen, wenn sie alle gleich sind. Denn so hat der Einzelne viel mehr Angst davor, aus der Rolle zu fallen. Wir wissen doch, niemand ist unersetzlich. Die Social-Media-Welt gaukelt auf allen Kanälen vor, es lebe der Filter, die Maske und ein Hoch auf den Mainstream. Wie zum Henker sollen wir da bei uns bleiben?

Wir lernen früh, dass es besser ist, in der Masse nicht aufzufallen. Wenn wir Pech haben, dann lernen wir das bereits in unserem Elternhaus. Die meisten haben Pech. Denn auch unsere Eltern leben, was sie gelernt haben. Sie wollen uns schützen und nur das Beste für uns. Wenn sie es besser wüssten oder könnten, dann würden sie es besser machen. Ich will hier also nicht meinen Zeigefinger erheben und urteilen. Vielmehr bitte ich dich, genau hinzuschauen. Frag dich hin und wieder: Ist das wirklich so? Je mehr wir uns vergleichen, umso mehr leben wir diesen Vergleich und wir beginnen, ihm zu glauben. Wenn wir uns ständig mit Menschen umgeben, die uns erzählen, was alles nicht klug von uns ist, wie wir uns verhalten sollten und wie wir aussehen sollten, dann beginnen wir das zu glauben. Und wir machen fleißig mit! Vielleicht fühlst du sogar einen inneren Widerstand. Irgendwie scheint sich das nicht gut anzufühlen. Die Welt erscheint falsch, sie entspricht so gar nicht dem, was unser wahres Wesen ist, aber wir machen fleißig weiter mit und füttern unseren Minderwert. Wir können gar nicht gut genug sein, weil es immer noch besser geht. Willkommen zur Geburtsstunde der Ich-bin-nicht-gut-genug-Frau.

Wir hören nicht nur immer die gleiche Leier und glauben ihr, sondern wir beginnen selbst damit, Beweise für diese Worte heranzuziehen. So zum Beispiel, indem wir uns in den unterschiedlichsten Situationen unbewusst beweisen, dass wir nicht klug, schön und gut genug sind. Glauben wir fest genug daran – und auch das meistens sehr unbewusst –, dass wir nicht gut genug sind, dann trauen wir uns irgendwann gar nicht mehr, uns so zu zeigen, wie wir wirklich sind. Wir finden mit Sicherheit auch immer wieder Menschen oder scheißschlaue Ratgeber, die uns gerne bestätigen, dass wir noch hart an uns arbeiten müssen, um gut zu sein. So verlieren wir langsam, aber sicher das Gefühl für uns selbst. Das Spiegelkabinett scheint endlos zu sein, denn sobald wir glauben, wir hätten die eine Krise vorm Spiegel beendet, zeigt sich auch schon der nächste Spiegel in neuem Licht und die nächste Krise grinst uns frech entgegen. Diese falsche Wahrnehmung schafft eine sehr instabile Basis und beruht ausnahmslos darauf, dass es uns wichtig ist, was ein anderer von uns denkt.

Aber ist das wirklich wichtig? Wie wäre es, wenn wir gemeinsam die Superwoman in uns zu neuem Leben erwecken und beginnen, für uns einzustehen? Weg mit den ewigen Vergleichen, ob eine andere schönere Haare, weißere Zähne, den knackigeren Hintern, die längeren Beine, den schöneren Busen, die „besseren“ Kinder, den cooleren Typen, den erfolgreicheren Job hat. Weg mit der selbst erstellten Mängelliste, als wären wir ein klappriges, altes Auto bei der Vorstellung zum TÜV. Eine Mängelliste, mit der wir nur einen füttern, nämlich unseren Minderwert und somit die Ich-bin-nicht-gut-genug-Frau in uns.

Es macht so müde, immer zu lächeln und sich selbst zu verleugnen. Es macht so müde, nicht für sich einzustehen! Lasst uns versuchen, die Perspektive zu wechseln, einen Schritt zurückzutreten, eine Pause zu machen, zu atmen und zu erkennen, dass das nicht wir sind, sondern nur ein vorgefertigtes Bild von jemandem, der wir glauben zu sein oder sein zu müssen. Menschen neigen dazu, ihre Augen auf scheinbare Mängel zu richten und dabei verlieren sie den Blick für die Liebe in ihren Herzen. Schau mal rein in dein Herzchen. Und nimm dich liebevoll in den Arm. Beginne, freundlich mit dir zu sein, entlasse den abwertenden Blick, mit dem du dich betrachtest, und schenke dir Liebe. Es heißt nicht ohne Grund „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wie sollen wir unseren Nächsten bedingungslose Liebe schenken, wenn wir es so sehr gewohnt sind, an uns selbst nur rumzumäkeln. Wenn ich mir selbst nicht gut genug bin, wie sollte es dann jemals ein anderer sein?

Angefeuert wird dieses Verhalten von einem gefährlichen Spiel, dem "Wenn-Dann-Spiel". Es ist ein beliebtes Spiel, welches sich durch alle Beziehungen zieht. Und wir sind mit allem in Beziehung. Mit unseren Eltern, Kindern, Lehrern, Freunden, Vorgesetzten, Kollegen, der flüchtigen Begegnung im Supermarkt oder an der Tankstelle … und mit uns selbst. Das "Wenn-Dann-Spiel" gibt es in unendlichen Varianten und wird gerne eingesetzt, um zu manipulieren, ganz besonders gerne auch uns selbst. Wenn du das tust, dann … Ich bin sehr sicher, dass dir dieses Spiel bekannt vorkommt. Weil es so effektiv ist, übernehmen wir es auch gleich, richten es gegen andere. Fast wie durch Zauberhand hören wir uns selbst sagen, was wir doch so sehr hassen: Wenn du das für mich tust, dann … Wenn du mir nicht hilfst, dann bin ich ganz traurig. Die Werbeindustrie liebt dieses Spiel ebenso, kann sie uns doch damit glauben machen, dass wir unbedingt noch dies oder jenes brauchen, damit wir erfolgreich, schön, sexy sind. Eine wirklich heftige Waffe, vor allem im Einsatz bei Kindern. Und weil wir im Laufe unseres Erwachsenwerdens so unglaublich gut darauf gedrillt wurden, wirkt sie auch. Sie wird auch nicht minder heftig, wenn wir sie gegen uns selbst richten: Wenn ich fünf Kilo abnehme, dann bin ich attraktiv. Wenn ich viele Überstunden mache, dann werde ich gelobt und befördert. Wenn ich für meinen Partner dies oder jenes mache, dann liebt er mich. Damit erstellen wir ein großes Arsenal an Bedingungen, welche wir glauben, erst erfüllen zu müssen, um irgendwann gut zu sein. Unglücklicherweise machen wir so auch die Liebe zu einer Bedingung und knüpfen sie an solche. Ein echtes Spieleparadies für den Feind in meinem Kopf, den Antreiber, den ewig Unzufriedenen und immer alles besser Wissenden, den Folterknecht für die Ich-bin-nicht-gut-genug-Frau. Ich glaube, er ist es auch, der die Einträge in meine ganz persönliche Benimmbibel schreibt. Damit meine ich nicht nur das Meer von Erwartungen anderer an mich, sondern den Ozean der Erwartungen an mich selbst. Der Feind in meinem Kopf ist toll, er vergisst nie und ist immer bereit, mir die nächste Steilvorlage für ein anständiges Ich-bin-nicht-gut-genug-Gefühl zu liefern. Überdies liebt er es, mich abzulenken. Er feiert es, wenn ich mal wieder stundenlang den Instagram-Feed oder andere Vergleichsportale rauf- und runterscrolle, Fernsehen bis zur Besinnungslosigkeit konsumiere, Serien nonstop schaue, bis ich nach der fünften Folge nicht mehr weiß, was in der zweiten passiert ist. Denn er weiß, was ich erst spät begriffen habe: Jede Ablenkung und jeder Vergleich, jedes Bemühen, sich selbst zu optimieren, bringt dich weiter von dir weg. Nix mit Selbstliebe und so. Wer liebt sich schon selbst, wenn sie weiß oder irgendwo in sich fühlt, dass sie nicht gut genug ist?

Kapitel
2

In einem Land, in dem mich keiner kennt – ich mich auch nicht

Gut konditioniert, wie kleine dressierte Eichhörnchen, huschen wir durch das, was wir Leben nennen. Nett getarnt, möglichst unauffällig und leise machen wir uns auf die Suche nach den feinen Nüsschen, den kleinen und großen Erfolgen, von denen wir uns erhoffen, dass sie uns nähren. Erfolg im Job, in der Liebe, in der Beziehung. Denn so haben wir es gelernt. Mit dem Erfolgreichsein geht einher, dass wir so sind, wie man es von uns erwartet. Stolz sollen sie auf uns sein. Darauf wurden wir vorbereitet. So sah dann auch dieser Vorbereitungskurs vor, dass man uns von klein auf sehr deutlich zu verstehen gab, wie wir nicht sein sollen und was man im Umkehrschluss von uns erwartete. Ein perfektes Korsett aus Anpassungsforderungen soll uns Halt geben und uns vielleicht den gesellschaftlichen Sinn des Lebens erschließen. Damit wir das gut verinnerlichen, begleiteten uns Sätze wie diese: „Sei nicht so vorlaut, du darfst reden, wenn du dran bist. Hör auf rumzuzappeln, sitz still. Gib keine Widerworte, sei brav.“ Wenn wir zu laut lachten und albern waren, dann ermahnte man uns, ruhig zu sein und nicht so kindisch. Wenn wir vor Wut die Fäuste ballten, weinend und schreiend das Zimmer verließen, dann hielt man uns an, uns zu entschuldigen und niemals wieder gegenüber Erwachsenen die Stimme zu erheben. Gegessen wurde, was auf den Tisch kam, und der Teller musste leer gegessen werden, wegen des Wetters und so. In der Schule wurden und werden wir immer früher darauf vorbereitet, dass wir hart arbeiten müssen, damit aus uns etwas wird. Ergo sind wir noch nichts und machen uns weiter auf die Suche. Auf jeden Fall geht es immer noch besser.

Das zieht sich wie ein roter Faden durch alle Gesellschaftsschichten, durch das ganze Leben, und macht natürlich auch keinen Halt vor dem, was wir konsumieren. Wer will schon einen Apfel mit einer kleinen Delle? Eine Banane, die nicht die Europäische Durchführungsverordnung1 erfüllt, schafft es erst gar nicht zu uns. Und die, die es in unsere Supermärkte schaffen, die sind noch einmal in Klassen unterteilt. Extraklasse, Klasse 1, Klasse 2. Fällt dir was auf?

Naja, wenn es die Banane schon nicht schafft, wenn sie nicht den Mindeststandard erfüllt, wie bitte sollen dann wir jemals dem gerecht werden, was von uns erwartet wird?

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