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Friction – Extrem verführt

 

EMILY SNOW

Friction

Extrem verführt

Ins Deutsche übertragen von
Nina Restemeier und Wiebke Pilz

 

Zu diesem Buch

Lucy Williams hat das mit diesem »Erwachsenwerden« noch nicht so ganz raus: Sie hat eine Scheidung am Hals, muss sich vor Gericht verantworten und zu allem Überfluss wieder bei ihrer Mutter einziehen, weil sie ihre Arbeit verloren hat. Da kommt ihr der neue Marketing-Job bei EXtreme Effects gerade recht. Auch wenn die Dinge, die sie hier anpreisen muss, ein wenig … unorthodox sind, Lucy braucht das Geld. Dringend! Einziger Haken an der Sache: ihr Boss Jace Exley – erfolgreich, gutaussehend und schon damals der heißeste Traum ihrer schlaflosen Highschool-Nächte …

Die FRICTION-Playlist auf Spotify:

https://open.spotify.com/user/1252723171/playlist/4kwNhA0RyJfQtMDX3wBO4s

 

1

Lucinda (Lucy) Williams

»Ich spiele heute Nachmittag mit Cynthia und Dean Bingo. Möchtest du mitkommen? Dann bist du nicht so allein. Mir gefällt der Gedanke nicht, dass du allein bist, Lucy.«

Eine Welle aus Scham überflutet mich, als ich in die Küche stolpere und die Stimme meiner Mutter höre, die Tony Bennets und Lady Gagas Version von The Lady is a Tramp aus dem CD-Player auf der Anrichte übertönt. Frühe Morgenstunden sollten unkompliziert sein: Pipi machen, zwei oder drei Tassen Kaffee trinken, und wieder von vorn. Stattdessen werde ich jetzt schon daran erinnert, dass ich mit siebenundzwanzig a) bei meiner Mutter wohne und b) Single bin.

Ich verschränke die Arme vor der Brust, damit sie sich nicht über meinen fehlenden BH beschwert, und trete ihr entgegen. Sie sitzt kerzengerade an dem Glasküchentisch, den mein Vater unter zahlreichen Flüchen in den Thanksgiving-Ferien meines ersten Semesters am College zusammengebaut hat. Mit der Kaffeetasse in einer Hand blättert sie in der Zeitung. Es wundert mich nicht, dass sie – obwohl es noch nicht einmal hell ist – bereits vollständig angezogen ist, ihren Bob ordentlich frisiert hat und ihr dezentes Make-up makellos ist.

Ich gähne in meine Armbeuge. »Dir auch einen guten Morgen.«

Sie mustert mich von meinen nackten Füßen über das zu große T-Shirt bis zu meinen unordentlichen schwarzen Haaren und kneift die Augen zusammen. Ich gucke böse zurück.

»Also … Bingo?« Als ich den Kopf schüttele, lässt sie die Schultern hängen und seufzt. »Ich will doch nur dein Bestes.«

»Ich weiß, und das ist sehr lieb von dir.« Ich drehe mich um, öffne den Schrank und greife nach dem erstbesten großen Kaffeebecher. Den habe ich gekauft, als wir ihre Familie im Sommer nach dem Tod meines Vaters in Da Nang besucht haben. Ich setze mich auf den Stuhl ihr gegenüber und ziehe die Knie unter dem T-Shirt hoch bis unters Kinn. »Aber mir geht es gut, wirklich. Und falls es nicht danach aussieht, liegt das nur daran, dass du schon morgens Tony und Gaga laufen lässt.«

Während Mom sich darüber auslässt, wie großartig Gaga und Tony sind, tue ich so, als interessierte ich mich für mein Handy, das ich gestern Abend auf dem Küchentisch liegengelassen habe. Aber kaum habe ich einen Blick darauf geworfen, bereue ich es auch schon wieder.

Ich habe drei neue Nachrichten, und alle drei sind von Tom. Mein Blutdruck steigt mit jedem Wort, das ich lese.

23:19: Wenn du mit dem störrischen Theater aufhörst, reiche ich keine Klage ein. Deine Karriere bedeutet dir ALLES, und wir brauchen dich hier.

23:21: Du wohnst wie ein Kind bei deiner Mutter, und ich kenne dich. Das entspricht nicht deiner Vorstellung von Spaß.

23:21: Luce, ich weiß, dass du meine Nachrichten liest.

Oh Mann, dafür, dass er meinen Tag mit so einem Mist beginnen lässt, würde ich ihn am liebsten erwürgen. Es kostet mich übermenschliche Anstrengung, das Handy nicht mit dem Display zuerst auf den Tisch zu knallen. Aber es ist neu, und noch ein Neues kann ich mir gerade nicht leisten. Also lege ich es sanft neben die Kaffeetasse und zwinge mich dazu, meine Mutter anzulächeln.

Sie deutet meine Miene als Zeichen der Ermutigung, lehnt sich zu mir herüber und sagt vorsichtig: »Ausgehen würde dir bestimmt guttun

Ich wüsste tausend Dinge, die mir guttun würden: ein Cocktail mit einem doppelten Schuss Alkohol, vielleicht sogar mit einem dreifachen.

Wenigstens eine Nacht mit vollen acht Stunden Schlaf, weil ich mir da keine Sorgen über die Zukunft mache oder gestresst bin, weil mein ehemaliger Chef ein moralisches Schwein ist, das mich hintergeht.

Sex.

Diese drei Dinge, die Reihenfolge ist egal. Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht mehr wählerisch bin. Ich nehme, was ich ohne große Anstrengung kriegen kann.

»Zufällig habe ich heute Nachmittag schon etwas vor«, sage ich etwas zu fröhlich und gebe mein Bestes, nicht an die Nachrichten zu denken, die ich noch beantworten muss. Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt antworten kann – jedenfalls nicht, ohne Tom zu sagen, dass er sich mal selbst kann. »Ich habe ein Bewerbungsgespräch in Boston bei einem Unternehmen mit dem Namen EXtreme Effects. Ich weiß noch nicht, wann ich wieder hier bin, also warte nicht auf mich.«

Ich habe das magische Wort Bewerbungsgespräch gesagt, und meine Mutter rückt ihren Stuhl näher zu mir heran. Sie stützt die Ellbogen auf den Tisch und legt das Kinn in die Hände. »Hat die Jobvermittlung innerhalb einer Woche ein passendes Angebot für dich gefunden?«

»Nein, das habe ich selbst entdeckt – auf eBay Kleinanzeigen.«

Sofort erstirbt ihr Lächeln, und ich spüre, wie mir die Hitze in die Wangen schießt, als sie sich mit den Fingerspitzen gegen die Schläfen klopft und die Lippen zusammenpresst. »eBay Kleinanzeigen … aha.«

Mit dieser unverhohlenen Ablehnung hatte ich gerechnet, deshalb hatte ich ihr bis jetzt nichts von dem Vorstellungsgespräch erzählt. Außerdem konnte ich nichts, aber auch gar nichts über EXtreme Effects herausfinden, bloß, dass das Unternehmen auf Schweißen und andere Metallarbeiten spezialisiert ist. Und ich habe stundenlang recherchiert. Ich hätte Daisy, der Frau, die mich per E-Mail kontaktiert hat, beinahe abgesagt, weil die fehlenden Informationen Alarmglocken in meinem Kopf schrillen ließen.

Aber nach einem Blick auf meinen Kontostand habe ich das natürlich nicht getan. In der Not frisst der Teufel Fliegen – und weil wir dieses Gespräch überhaupt nur führen, weil meine Mutter mich zum Bingospielen mit ihren Freunden eingeladen hat …

Ich setze mich gerade hin und sehe sie bedeutungsvoll an. »Es geht um einen Job, nicht um irgendein Date mit einem Wildfremden. Abgesehen davon, hast du dieses Ding im Wohnzimmer nicht auch von eBay?« Ich deute in die Richtung, wo das 70-Zoll-Ungetüm an der Wand hängt. Meine Mutter liebt ihre Fernsehshows, hasst es aber, unnötig viel Geld auszugeben, logischerweise hat sie sich auf den gebrauchten Flatscreen gestürzt.

»Das ist etwas völlig anderes«, argumentiert sie. »Es ist ein Fernseher. Was du vorhast, ist gefährlich.«

»Die Unternehmen stehen leider nicht bei mir Schlange, Mom. Das Mindeste, was ich tun kann, ist, zu diesem Vorstellungsgespräch zu gehen; es wird schon nicht wehtun.«

Was wehtut, ist, diese Worte laut auszusprechen.

Trotz allem bin ich selbstbewusst bei meiner Mutter eingezogen, und ich habe daran geglaubt, dass alles gut werden und ich in Rekordzeit einen neuen Job ergattern würde. Stattdessen habe ich bei jedem Treffen immer wieder dasselbe zu hören bekommen:

Überqualifiziert.

Vielleicht bin ich das wirklich, aber ich kenne auch den wahren Grund, warum mich bisher niemand eingestellt hat, und der hat nichts mit zu vielen Referenzen zu tun. Ich habe meinen letzten Arbeitgeber mitten in einem Zwei-Jahres-Vertrag sitzengelassen. Und besagter Arbeitgeber – dessen neuste Nachrichten mich schon vor acht Uhr morgens fertigmachen –, verhindert meine Neuanstellung, wo er nur kann.

Das Kratzen von Moms Stuhlbeinen auf den Fliesen lenkt meine Aufmerksamkeit von Tom zurück zum Tisch. Mom bemüht sich, ihr Stirnrunzeln in ein aufmunterndes Lächeln zu verwandeln, steht auf und nimmt ihren Becher vom Tischset. »Wenn diese Unternehmen nur ein bisschen Verstand haben, werden sie dich anrufen«, sagt sie und geht zur Spülmaschine.

»Heute oder morgen rechne ich jedenfalls nicht damit.«

»Nimm auf jeden Fall das Pfefferspray mit.« Als ich etwas einwenden will, hebt sie mahnend den Finger, was mich an unsere Streitereien in Kindertagen erinnert. Egal worum es geht, Susie Williams hat immer recht. »Du hast die Stellenausschreibung bei eBay Kleinanzeigen gefunden, Lucinda. Also nimmst du auch das Pfefferspray mit.«

Ich seufze tief, verspreche es ihr und stehe vom Tisch auf, um in den Umzugskartons nach meinen nudefarbenen Glückspumps zu suchen. Die Pumps habe ich an dem Tag getragen, als ich zum Senior Marketing Director bei WLC befördert wurde – ein Jahr, bevor Tom mich überredete, für ihn bei Java-Org zu arbeiten. Heute kann ich alles nur erdenkliche Glück gebrauchen, weil der Widerling zumindest in einer Sache recht hat:

Es ist nicht witzig, dass mein Leben so aus den Fugen geraten ist.

Von dem Bungalow in Worcester, in dem ich mit meiner Mutter wohne, bis zu EXtreme Effects in East Boston braucht man eine gute Stunde, also fahre ich zwei Stunden früher los. Ich bin immer noch durcheinander wegen Toms Textnachrichten – und ich werde wahrscheinlich den Rest des Tages nervös sein, weil es mich fertigmacht, von ihm zu hören –, aber ich konzentriere mich auf das, was ich kontrollieren kann. Wie ich Mom gesagt habe, stehen die Unternehmen, bei denen ich mich beworben habe, nicht vor meiner Tür Schlange, und ich wünsche mir, dass dieses Vorstellungsgespräch reibungslos verläuft.

Unbedingt.

Das Navi sagt mir, dass ich mein Ziel erreicht habe. Ich parke den Jeep am Straßenrand und drehe mich in meinem Sitz um, um einen besseren Blick auf das Gebäude zu bekommen, und runzele überrascht die Stirn. Im Vergleich zu dem zehnstöckigen Gebäude der WLC in der Innenstadt von San Francisco oder dem schicken Bürogebäude in South of Market, das Tom und sein Geschäftspartner für Java-Org gemietet haben, sieht das beige Gebäude gegenüber eher wie eine zu groß geratene Garage aus. Bei meinem Glück wird die Person, mit der ich das Vorstellungsgespräch habe, wahrscheinlich Kautabak kauen und den Arbeitsoverall seit über einer Woche nicht mehr gewechselt haben.

Bei diesen Gedanken kribbelt meine Kopfhaut vor Scham. Ich vergrabe das Gesicht in den Händen und seufze tief, bevor ich mir die Haare aus dem erhitzten Gesicht streiche. »Sei nicht so ein elitäres Stück«, weise ich mich barsch zurecht. »Untersteh dich.«

Als ich mich mit meiner Handtasche und dem Lebenslauf in der Hand dem Gebäude nähere, steigen die ersten Wellen der Übelkeit in meinem Magen auf. Ich bin gut in dem, was ich tue. Aber es ist mir schon immer schwergefallen, meine Nervosität in den Griff zu bekommen. Die Zulassungsprüfungen für das College haben mich so sehr gestresst, dass mein gelassener Vater meinen Laptop und mein Exemplar von Erfolgreich im Bewerbungsgespräch für Dummies konfisziert hat, damit ich mich endlich entspanne. Ich erinnere mich noch gut an Dads Ratschlag vor meiner Aufnahmeprüfung an der Brown und an den, den er mir in dem Jahr vor seinem Tod gab, als ich ihn vor meinem Vorstellungsgespräch bei WLC völlig aufgelöst anrief.

Zeig ihnen, wo der Hammer hängt, Lucinda Jane.

Mit dem Pfefferspray fest in einer Hand, trete ich aus der Januarkälte in die warmen Räume des Unternehmens, das ich bei eBay Kleinanzeigen gefunden habe. Über das ich absolut gar nichts weiß, weil sie im Internet nicht aufzufinden sind, und bei dem ich mich nur beworben habe, weil das Jahresgehalt von sechzigtausend Dollar wie Musik in meinen bankrotten Ohren klang.

Der Teil des Gebäudes, den ich gerade betreten habe, ist klein – ein etwa zehn Quadratmeter großer Raum mit Aktenschränken an der einen Wand und ein paar Stühlen an der anderen. Auf dem Stuhl neben der blauen Stahltür am anderen Ende des Raumes sitzt eine langbeinige Brünette, blättert in ihrem Lebenslauf und schaut ab und zu verstohlen auf die detailreich designte Metall-Uhr auf dem Tisch der Rezeptionistin. Selbstsicher gehe ich zu diesem Tisch, und die stark tätowierte Frau dahinter blickt mit überraschend hellgrünen Augen von ihrem Tablet zu mir auf. »Kundin, nehme ich an.« Sie rollt mit ihrem Stuhl ein Stück zurück, und ich versuche, nicht ihr T-Shirt mit dem Aufdruck Fucking Classy anzustarren. Nach ein paar Sekunden öffne ich den Mund, um sie zu korrigieren, aber da schüttelt sie schon den Kopf und sinniert: »Ah, Bewerberin.«

Oh Gott, hoffentlich habe ich ihr Shirt nicht zu sehr angestarrt.

»Ja, ich bin Lucy Williams-Duncan. Daisy hat mich angeschrieben, ich habe um zwei einen Termin wegen der Position im Marketing.«

»Ich bin Daisy.« Ihre Mundwinkel zucken, und sie fährt sich mit einem Stift durch den platinblonden Pixie und mustert mein goldgelbes Schößchenkleid. »Und Sie sind zu früh, Sonnenschein.«

»Eine schlechte Angewohnheit.«

»Eine, die ich mir vielleicht auch aneignen sollte, bevor Mr E mich die Ausschreibung für die Neubesetzung meiner Stelle verschicken lässt.« Sie zeigt auf zwei leere Stühle neben der Brünetten. »Vor Ihnen ist noch jemand um halb zwei dran, es kann also noch eine Weile dauern.«

Bevor ich mich von ihrem Schreibtisch abwende, klopfe ich mit der Fingerspitze gegen das Zifferblatt der Uhr, deren harte, kalte Oberfläche mich frösteln lässt. »Die ist wunderschön.«

Sie strahlt. »Die haben wir hier hergestellt.«

Ein kleines bisschen entspannter lasse ich meinen Schlüssel in die Seitentasche meiner Handtasche gleiten und beuge mich hinunter, um die Uhr genauer zu betrachten. »Ah, Sie stellen also Uhren her?« Ich überlege mir bereits alle nötigen Aspekte, um Uhren wie diese zu verkaufen, und habe schon ein Achtel des detaillierten Marketingplans entworfen, als Daisy sich räuspert. Sie sieht mich an und blinzelt. Mehrfach.

»Ja, genau … Uhren.« Ihre Lippen öffnen sich, aber dann kräuselt sie die schmale Nase und trommelt mit dem Stift auf das tätowierte Zitat an ihrem Hals. »Und andere lustige Dinge. Jetzt setzen Sie sich schon, ich sage Ihnen Bescheid, wenn er bereit ist, mit Ihnen zu sprechen.«

Während ich darauf warte, den geheimnisvollen Mr E kennenzulernen, gehe ich noch einmal meine Unterlagen durch. Ich lese gerade mein Zeugnis über das Praktikum vor meinem Master in Standford, als Daisy mich mit ihrer klaren Altstimme aufruft. Ich blicke von meinem Portfolio auf und sehe ihr einladendes Lächeln.

»Das Bewerbungsgespräch der anderen Tussi wurde frühzeitig beendet, deshalb ist er jetzt bereit, Ihren Tag mit seiner … sonnigen Großartigkeit zu erhellen.«

Ich bin mir nicht sicher, ob sie das ernst meint, deshalb nicke ich nur, presse die Ledermappe an die Brust und streiche mir über mein gelbes Kleid, um die Falten zu glätten. »Danke, sollte ich …«

Sie deutet über die Schulter auf die blaue Tür hinter ihrem Tisch. »Gehen Sie dort hindurch und dann links. Er ist im Büro am Ende des Ganges. Und achten Sie auf Metall auf dem Boden. Dahinten herrscht totale Unordnung!«

Glücklicherweise scheint sich das Metallchaos auf die Werkstatt auf der anderen Seite des Ganges zu beschränken. Dort arbeiten zwei Männer mit Schweißhelmen zum Sound von The Hills von The Weekends, der aus einer Anlage an der Decke dröhnt, während um sie herum die Funken fliegen. Ich erreiche Mr Es Tür, atme zur Beruhigung tief ein und klopfe leise an. Die Tür ist nur angelehnt, aber meine Mutter hat mir als Kind eingebläut, nicht einfach in einen Raum hineinzuplatzen, sodass Anklopfen zu einer Gewohnheit geworden ist.

»Kommen Sie herein, Mrs Duncan.«

Ich bekomme eine Gänsehaut. Diese Stimme mit den langen Vokalen und den abgehackten Konsonanten ist einfach nur atemberaubend. Ich war schon immer ein Fan von Akzenten. Ich bin mit einer vietnamesischen Mutter und einem Vater aus Mississippi aufgewachsen, und die Stimme hinter der Tür befriedigt meine akustische Fixierung. Sie ist deutlich amerikanisiert, hat aber einen britischen Unterton.

Ich frage mich, ob Gesicht und Körper halten, was die Stimme verspricht.

»Mrs Duncan?«, wiederholt er und klingt ein bisschen gereizt. »Sie verschwenden meine und Ihre Zeit, wenn Sie weiter dort draußen herumstehen.«

Ich straffe die Schultern und gehe hinein. Augenblicklich schlägt mir das Herz bis zum Hals. Der Mann hinter dem Metalltisch schaut mit zusammengekniffenen Augen konzentriert auf seinen Laptop. Ich kann nur seinen Oberkörper sehen, aber es gefällt mir überhaupt nicht, wie mein Körper auf das bis zu den Ellbogen hochgeschobene blaue Karohemd, die schokobraunen unordentlichen Haare und den Dreitagebart reagiert.

»Einen Moment noch, ich werde …« Er hebt die blauen Augen vom Bildschirm, und seine dunkle Stimme verstummt. Erstaunt starrt er mich einige peinliche Sekunden lang an. Mit langen Fingern, auf die römische Ziffern tätowiert sind, streicht er sich über das Kinn und legt den Kopf schief. Ich halte die Luft an und bete um ein Wunder, das offensichtlich nicht geschehen wird, denn sein finsterer Blick verwandelt sich in ein Grinsen.

Er hat mich erkannt.

Er erinnert sich an mich, und mir rutscht das Herz in die Hose, als mir klar wird, dass gerade ein weiteres Vorstellungsgespräch den Bach hinuntergegangen ist.

Bei den meisten Strebern, sogar bei denjenigen, die von ihrem hohen Ross heruntergefallen sind, ist es so: In ihrem Leben gibt es diese eine Person. Diese eine Person, die ihre Schulzeit ein bisschen schwieriger gemacht hat. Diese eine Person, die trotz ihres konstant niederträchtigen Verhaltens das Objekt ihrer geheimen Fantasien war. Diese eine Person, die das Gegenteil all dessen war, was sie selbst anstrebten, weil diese Person sich einen Dreck darum scherte.

Ich war zwölf, als ich meiner Person zum ersten Mal begegnete.

Schon traurig, dass ich mich so genau an den Moment erinnere. Aber zu meiner Entschuldigung kann ich sagen, dass er Ende Mai, am Ende des Schuljahrs in unsere Klasse kam, und ich hatte drei Tage vorher gerade meinen Geburtstag gefeiert. Er redete vor der ganzen Klasse mit unserem Sozialkundelehrer Mr Collins, und ich war hingerissen von seinem sanften, abgehackten Akzent und der Art und Weise, wie er sich mit der Hand durch die dunklen Haare fuhr.

Das macht er jetzt auch gerade, allerdings ohne zu sprechen.

Das letzte Mal habe ich den Mann mir gegenüber vor zehn Jahren gesehen. Damals hatte er sich beschwert, dass meine Rede als zweitbeste Absolventin »zu verdammt lang« war und dass er auf Partys gehen müsse, um sich um Pussys zu kümmern. Ich hatte ihm frech geantwortet, dass ich ihn auf der Wiedersehensparty treffen würde – falls er es schaffen sollte, seine Bong wegzustellen und sein aktuelles Betthäschen lange genug alleine zu lassen, um es dorthin zu schaffen.

Und nun stehe ich genau hier vor Jace Exley und bitte ihn um einen Job.

Hitze steigt mir die Wirbelsäule hinauf, als sein stahlblauer Blick meine eins achtundsechzig – mit Absätzen eins fünfundsiebzig – genau mustert. Seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben, bin ich weiblicher geworden. Ich habe jetzt Hüften, Brüste und einen Po, und vor Jahren habe ich den kurzen schwarzen Bob aufgegeben, mit dem ich schon damals älter aussah als meine eigene Mutter.

Trotzdem fühle ich mich für einen Augenblick wieder wie das flachbrüstige Mädchen, das ihn in sein dummes, wildes Gesicht schlagen wollte, wenn er sagte: »Williams, zieh den Stock aus deinem Arsch.«

»Lucy Williams.« Jace legt die Finger an den Mund, lehnt sich zurück und sieht aus wie ein Mann, der es gewohnt ist, zu bekommen, was er will. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich genau so verhält.

»Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns wiedersehen, und ich hätte erst recht nicht damit gerechnet, dass du bei mir vorbeikommst – aber bitte … nimm Platz.«

 

2

Jace Exley

Ich hätte nicht gedacht, dass ich sie jemals wiedersehen würde.

Lucy Williams.

Nein, Lucy Duncan.

Sie hat geheiratet. Das musste ja so kommen. Trotz ihrer großen Klappe und Besserwisserei war sie schon immer der Hammer. Und, verdammt, sie hat sich gemacht. Ich lasse die Augen über ihren Körper wandern, ganz langsam, denn es ist mir völlig egal, ob sie es bemerkt.

Bei ihren Beinen fange ich an.

Immer wenn sie mir auf die Nerven ging – und sie war richtig gut darin, mir auf die Eier zu gehen –, habe ich mir vorgestellt, mir ihre Beine um die Hüften zu schlingen und sie zu vögeln. Die Beine sind länger, als ich sie in Erinnerung hatte. Sie führen hinauf zu runden Hüften, und es juckt mich in den Fingern, sie zu packen, genauso wie ihre schmale Taille. Ihre Brüste sind immer noch keck, perfekt, aber sie versteckt sie nicht mehr unter diesen scheußlichen Schlabberpullis, die sie früher so gern getragen hat. Das gelbe Kleid überlässt nicht viel der Fantasie, der Stoff spannt über ihrem Busen, und darüber fallen ihre seidigen schwarzen Haare.

Ich stehe auf lange Haare – je mehr, desto besser, denn ich habe es gerne, wenn ich zupacken kann. Und außer den Haaren hat Lucy Williams-verdammt-Duncan eine Menge zum Zupacken.

Es ist eine Schande, dass ein anderer Mann seine Finger in ihren Haaren vergräbt, daran zieht, bis sie den Kopf in den Nacken legt und ihre langen Wimpern über ihren großen, braunen Augen flattern. Bis sie die Lippen gerade weit genug öffnet, um ein »Mehr« zu hauchen, bevor er ihren hübschen, pinkfarbenen Lippenstift mit seiner Zunge und seinem Schwanz verwischt.

Ich räuspere mich, nehme die Hand vom Mund und deute auf den leeren Stuhl mir gegenüber. »Setz dich«, fordere ich sie auf, und meine Stimme klingt von den Bildern in meinem Kopf ganz rau.

»Ja … Okay.«

Ihr zittern die Knie, als sie sich ganz vorn auf die Stuhlkante niederlässt. Ich will, dass sie mich ansieht, ich will ihre Haut mit meinen Blicken zum Glühen bringen, aber sie schaut nicht auf. Stattdessen betrachtet sie ihre Initialen – LJD – auf der Ledermappe, als sähe sie sie zum ersten Mal. Mir soll’s recht sein. Früher oder später werde ich sie schon dazu bringen, aufzublicken.

»Lange nicht gesehen.« Sie zieht die geröteten Wangen ein, als sie den Spott in meiner Stimme bemerkt. Ob sie sich daran erinnert, wann wir uns zum letzten Mal gesehen haben? Offensichtlich, denn sie blinzelt und schwankt ein wenig auf ihrem Stuhl. »Du siehst … gut aus.«

Verdammt, sie sieht besser aus als gut. Mit ihren unendlich langen Beinen und den Brüsten, die nur danach verlangen, berührt zu werden, ist sie das Heißeste, was jemals dieses Gebäude betreten hat. Sie zu riechen ist reine Folter, denn sie riecht nach Wärme. Nach Wärme, Vanille und lautem, dreckigem Sex.

Ich wette, sie schmeckt genauso gut wie sie riecht. Mein Schwanz zuckt bei dem Gedanken daran, und ich stöhne innerlich, weil die Anwesenheit dieser Frau eine solche Wirkung auf mein Kleinhirn hat. Es fällt mir nicht schwer, weiche Kurven und einen verführerischen Duft ins Bett zu bekommen – in ihr Bett, wohlgemerkt, denn ich nehme Frauen nicht gern mit zu mir; es suggeriert ihnen Verbundenheit, und das gefällt mir nicht –, aber ich habe meine Regeln. Ich schlafe nicht mit verheirateten Frauen. Das habe ich noch nie getan, und ich habe nicht vor, es zu ändern. Das war eher die Vorgehensweise meines Vaters, und auch wenn ich ihn offiziell nie kennengelernt habe, habe ich schon vor langer Zeit beschlossen, dass sein unbedingter Erfolgswille die einzige Eigenschaft ist, die ich von dem Mistkerl geerbt habe.

Ich blicke Lucy über den Schreibtisch hinweg an und frage mich, wann sie etwas sagen wird. »Ms Williams?«

Überrascht von meiner Stimme, lässt sie ihre Augen hin- und herschnellen. Ich wette, sie sucht nach einer geistreichen Antwort. In der Schule war sie immer so neunmalklug, dass ich fast enttäuscht bin, weil sie so lange dafür braucht. »Danke«, sagt sie vorsichtig. »Es ist schön, dich wiederzusehen, Jace. Entschuldigung, Mr Exley.«

Ach, du liebes bisschen, offensichtlich hat sie ihre ätzende Besserwisserei, die sie leider so liebenswert machte, verloren.

»Das Erste war richtig.« Ich klappe meinen Laptop zu und drehe mich auf meinem Stuhl herum. Als ich leise lache, beugt sie angespannt den Oberkörper vor. »Du brauchst mich nicht Mr Exley zu nennen.«

»Das ist ein Vorstellungsgespräch«, flüstert sie. »Natürlich sieze ich Sie.«

Ich kann nicht verhehlen, dass mir diese Worte eine gewisse Befriedigung verschaffen. Sie ist die Letzte, die ich hier bei einem Bewerbungsgespräch erwartet hätte, und ich wäre ein Idiot, wenn mich das nicht ein wenig freuen würde. Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, hatte sie mich abgeschrieben als Schwängert zwischen zwei Gefängnisaufenthalten vermutlich alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Ich unterdrücke das gehässige Grinsen, das bei dieser Erinnerung in mir aufsteigt, und zucke mit den Schultern. »Jace ist mir lieber. Ich kann nicht so viel älter sein als du. Höchstens ein Jahr.«

»Zwei. Ich habe eine Klasse übersprungen, und du bist einmal sitzengeblieben, bevor du …« Als sie meinem Blick begegnet, unterbricht sie sich und zuckt zusammen, weil das so überheblich geklungen hat. Sie presst die glänzenden Lippen aufeinander und streicht sich nervös eine Haarsträhne hinters Ohr. »Vielleicht irre ich mich auch. Mit dem Alter.«

»Das bezweifle ich.« Ich falte die Hände auf ihrem Lebenslauf, der vor mir auf dem Schreibtisch liegt. Sie bemerkt die Tattoos auf meinen Fingern und saugt die Unterlippe ein.

Das habe ich mir auch manchmal vorgestellt – an ihrer Lippe zu saugen. Ihr Mund hat mich schon immer in den Wahnsinn getrieben, und sie zu küssen schien mir die einzige Möglichkeit, sie zum Schweigen zu bringen.

»Wie ich schon sagte, ich möchte, dass du mich Jace nennst. Wir waren schließlich Schulkameraden, und du bewirbst dich auf eine Stelle in meiner Firma. Ich erwarte das von dir, hast du verstanden?«

Meine Stimme bricht den Bann, den meine Finger auf sie ausüben. Sie richtet ihre braunen Augen auf mich. »Klar … Jace

»Braves Mädchen.« Sie atmet scharf ein. Ich muss meine ganze Selbstbeherrschung aufbringen, um nicht zu grinsen. So hat sie bestimmt noch keiner genannt – braves Mädchen. Ich bin seltsam stolz darauf, der Erste zu sein. »Also, Marketing?«

»Ja, Marketing.«

»Ich hätte dich eher im medizinischen Bereich gesehen.« Sie war immer gut in Naturwissenschaften und Mathe und hat mir immer ihre guten Noten unter die Nase gerieben. Ich hätte lieber meine Nase an ihr gerieben, aber ich habe nie versucht, mich an sie heranzumachen. Sie war zu verkrampft. Zu unberührbar. Zu Lucy, so heiß sie auch war. Ich streiche mir mit Daumen und Zeigefinger übers Kinn, dann lege ich die Hand auf den Tisch. »Du weißt schon, Ärztin, Wissenschaftlerin, Geschäftsführerin irgendeines bösen Pharmakonzerns … so was in der Art.«

Sie legt sich eine Hand auf die Brust und sieht zerknirscht aus. Gut, soll sie doch beleidigt sein. »Marketing passte besser zu mir«, erwidert sie kühl. »Ich kann gut reden und meine Arbeit vermarkten.«

»Du warst schon früher nicht auf den Mund gefallen, Williams.«

Augenblicklich leckt sie sich über die Lippen. Ich kann nicht anders, ich verfolge die Spur ihrer Zunge und möchte mehr sehen. Nur weil sich ihr Nachname irgendwann in den letzten zehn Jahren geändert hat, heißt das nicht, dass ich den Anblick ihres Mundes nicht genießen kann, wenn er sich zu einem überraschten O formt. Wenn sie sich mit der Hand über die Brust reibt, von ihrem Ausschnitt bis zum Schlüsselbein. Wenn sie ausatmet.

»Ich … Nach dem Bachelor in Soziologie habe ich mich für einen Master in Wirtschaft eingeschrieben. Schwerpunkt Marketing.« Ihre Stimme wird immer leiser, doch dann drückt sie den Rücken durch, reckt die Brust raus und fährt fort: »Ich habe festgestellt, dass ich ein Talent für Werbung habe, als ich Promotion für ein Theaterstück an der Uni gemacht habe.«

»Was für ein Theaterstück?«

Sie schluckt schwer. Und tischt mir eine faustdicke Lüge auf: »Hab ich vergessen.«

Ich verwette meine Firma und mein gesamtes Erspartes darauf, dass es Die Vagina-Monologe waren, aber sie ist einfach zu wohlerzogen, um das gefürchtete V-Wort in einem Bewerbungsgespräch auszusprechen.

»Mit Sicherheit nicht.« Mit den Fingerspitzen trommele ich leicht auf meinen Metallschreibtisch, während ich ihren Lebenslauf erneut durchlese. Sie sitzt schweigend da, und jedes Mal, wenn ich zu ihr aufblicke, wirkt sie ein wenig unsicherer. Als sie die Beine, die sie vorher übereinandergeschlagen hatte, wieder nebeneinanderstellt, erhasche ich einen Blick auf die Innenseite ihres cremefarbenen Oberschenkels. Schnell überkreuzt sie die Beine wieder, diesmal an den Knöcheln. Was für eine Verschwendung.

Beine wie ihre – fest und glatt und mit einem betörenden Duft – haben Aufmerksamkeit verdient, und ich hoffe, Duncan widmet ihnen viel davon.

Ich lockere mir den Hemdkragen und zwinge mich, wieder auf ihren Lebenslauf zu schauen. Über ihre zahlreichen Qualifikationen zu sprechen ist die einfachste Möglichkeit, nicht an den Spalt zwischen ihren Beinen zu denken, der mir die Frage aufdrängt, was sich wohl unter diesem gelben Kleid befindet.

»2008 Bachelor auf der Brown University. 2010 MBA in Stanford«, lese ich vor. Ich ziehe die Augenbrauen hoch. Hat sie nach dem Schulabschluss ihr gesamtes Leben auf dem College verbracht? »Was ist das für ein Überflieger-Hexenwerk? Wir sind doch 2006 erst von der Schule abgegangen.«

Sie setzt ein einstudiertes Lächeln auf. »Ich war für ein Frühstudium eingeschrieben. Damit habe ich neben der Highschool auch gleich mein Grundstudium abgeschlossen.«

»Beeindruckend.«

»Danke.« Es klingt eher wie eine Frage als eine Erwiderung. Sie blickt sich wieder im Raum um, und als sie sich vorbeugt, drückt sie ihre Brüste gerade genug zusammen, damit meine Reaktion auf sie wieder angefacht wird.

Fuck.

»Das hier«, sie sieht mich mit dem gleichen überzeugten Blick an wie früher unsere Lehrer, wenn sie sich einschleimen wollte. Ich mache mich auf die Lucy-Williams-Show gefasst. »Deine Firma, das ist beeindruckend.«

Ich genieße ihr Kompliment – denn ich bin ein eitler Kerl und brauche Bestätigung –, lehne mich in meinem Stuhl zurück und verschränke die Hände hinter dem Kopf. Vermutlich interessiert sie sich einen Dreck für meine Geschichte, aber sie sitzt hier in meiner Firma. Also wird sie sich anhören, was ich zu erzählen habe.

»Ich habe in Middlesex Schweißer gelernt. Das ist natürlich nicht so glanzvoll wie das hier …« Ich deute mit dem Kopf auf ihre Unterlagen. »Aber ich war schon immer gut mit den Händen, und ich habe mich gut geschlagen. Alle meine heutigen Angestellten habe ich damals kennengelernt. Eigentlich wollte ich mich bei der Firma für Luftfahrtelektronik bewerben, in der auch mein Onkel arbeitete, aber dann habe ich eine größere Erbschaft gemacht. Ich wollte mein Pulver nicht für irgendein sinnloses Zeug verschießen, also habe ich beschlossen, mich auf … interessantere Ziele zu konzentrieren.«

Während ich spreche, haben ihre Augen zu glänzen angefangen, und ich muss ein wenig grinsen, weil ich den exakten Augenblick bestimmen kann, wann ihre Gedanken eine Etage tiefer gewandert sind – nämlich als ich gesagt habe, dass ich gut mit den Händen bin. Sie stellt sie sich jetzt vor. In ihren Haaren. Wie sie ihr die Kleider vom Leib reißen. Wie sie ihre Brüste kneten, streicheln, necken … Ich stelle es mir auch vor, und das gefällt mir ganz und gar nicht, denn es bedeutet, dass ich Lucy Williams nicht einstellen kann.

Ich schlafe nicht mit verheirateten Frauen, und vor allen Dingen fange ich nichts mit meinen Angestellten an. Die Affäre mit Michaela hat in einer Katastrophe geendet, und ich habe keine Lust auf eine zweite Runde. Auch nicht mit einer so reizenden Frau wie der, die gerade vor mir sitzt.

»Deine Arbeiten sind unglaublich«, platzt sie heraus. Sie löst ihren Blick von meinen Händen, und ein hübsches rosafarbenes Glühen breitet sich auf ihrer zarten Haut aus, als sie mich ansieht.

»Ich habe mir immer gewünscht, künstlerisch begabt zu sein, aber ich kann ja noch nicht mal ein Strichmännchen zeichnen.«

»Du hast meine Arbeiten gesehen?« Und trotzdem ist sie zu dem Vorstellungsgespräch gekommen? Bin ich im falschen Film?

Sie nickt. Schlägt erneut die Beine übereinander. Oh Gott, da ist wieder dieser Oberschenkel. Wenn sie das noch öfter macht, verliere ich meine Selbstbeherrschung.

»Ich habe die Uhr auf Daisys Schreibtisch gesehen. Die ist fantastisch.«

»Ah«, murmele ich und unterdrücke ein Lachen, als ich sie herausfordernd ansehe. Lucy Williams, mit all ihren Recherchen und sorgefältigen Planungen, weiß nicht das Geringste über meine Firma. Ich müsste eigentlich beleidigt sein. Ihr sagen, dass sie verdammt noch mal verschwinden soll. Aber ich bin nicht beleidigt und sage es nicht. »Tja, das hört sich jetzt vielleicht eitel an, aber der Rest ist noch viel, viel besser.«

Sie fährt sich mit der Zunge über die Lippen, und ich zoome wieder auf ihren Mund. Diesmal blicke ich allerdings nicht wieder auf. Es gefällt mir, wie ihre Stimme betreten stockt, als sie sagt: »Wenn man talentiert ist, ist ein bisschen Eitelkeit nicht verkehrt.«

»Was für ein Glück, dass ich eitel und talentiert bin.«

»Ich kann mir nur vorstellen«, beginnt sie ein wenig außer Atem, »ich kann mir nur vorstellen, wie unglaublich der Rest deiner Arbeit sein muss. Wie lange bist du jetzt schon hier?«

»Fast drei Jahre. Ich habe mit fünf Angestellten angefangen, aber Michaela musste ich feuern.« Ich fahre mir mit der Hand über den Mund und straffe die Schultern. »Im letzten Jahr lief es gut für uns – richtig gut, um ehrlich zu sein. Unser Programm hat ganz schön hohe Wellen geschlagen.«

Ihr Blick ist unbeteiligt, aber ich merke, dass sie irgendetwas Schlaues zu sagen hat. Na los, gib alles, Süße. »Es hat Wellen geschlagen, aber du willst mehr.«

»Ist das nicht der amerikanische Traum? Mehr. Besser. Größer

Sie erschauert und wendet für einen Moment den Blick ab, um sich wieder zu sammeln.

»Mehr, besser und größer ist der Traum aller Menschen, Mr Exley.«

»Jace«, korrigiere ich. Ich möchte, dass sie meinen Namen ausspricht. Ich muss es hören.

»Tut mir leid, das ist so eine Angewohnheit.«

»Eine, die du bei mir bald ablegen wirst.«

»Okay«, flüstert sie. Mit einer kurzen, ruckartigen Bewegung schlägt sie ihre Bewerbungsmappe auf, und ich weiß, dass ich sie getroffen habe. Das ist nicht das erste Mal, aber ich habe es noch nie so genossen. Ich wollte noch nie so sehr wissen, wie weit ich gehen kann. Außerdem hat mein Schwanz noch nie so schnell auf sie reagiert. Sie schiebt einen Papierstapel über meinen Schreibtisch und fasst die Blätter an den äußersten Rändern an, damit sie mich nicht berühren muss. Als ich nach ihren Empfehlungsschreiben greife, zieht sie ihre Hand weg, als hätte sie sich verbrannt.

Ich stoße ein schroffes Lachen aus. »Hast du Angst vor Keimen?«, will ich wissen. Ich hatte vor, sie anzufassen. Ich wollte wissen, ob ihre Haut so zart ist, wie sie aussieht. »Dann bist du hier vielleicht nicht richtig, Williams.«

Sie reckt abwehrend das schmale Kinn vor. »Ich kann dir versprechen, dass ich mich eingewöhnen werde. Auch wenn ich noch nie für eine Firma wie deine gearbeitet habe, aber …«

»Wenn du gar nicht weißt, was du verkaufen sollst, warum hast du dich dann überhaupt beworben?« Ihr Körper spiegelt meine harsche Reaktion wider, und sie schnaubt ärgerlich durch die Nase.

»Also, Williams? Oder soll ich dich …« Ich werfe einen Blick auf ihren Lebenslauf. »… Duncan nennen?«

Alle Farbe weicht aus ihrem Gesicht. »Nein … Ich heiße wieder Williams.«

Ich wünschte, ich könnte mich über diese Information freuen – dass sie nicht mehr verheiratet ist –, aber das kann ich nicht. Mir tut wirklich nicht oft etwas leid, aber jetzt fühle ich mich wie ein Riesenarschloch, weil ich sie ärgere, und ihr verletzter Blick stößt mir eine scharfe Klinge direkt in die Brust.

Dass sie mich etwas fühlen lässt, gefällt mir genauso wenig wie die Tatsache, dass ich sie attraktiv finde. »Also gut, Williams«, sage ich nun etwas freundlicher. »Warum hast du dich beworben, wenn du gar nicht weißt, worum es geht?«

»Weil ich weiß, wie man Sachen verkauft, und darauf kommt es an. Bei WLC habe ich alles vermarktet, von Elektronik bis zu Spielzeug.«

Der Anflug eines Lächelns schleicht sich auf meine Lippen. »Spielzeug, hmm?«

»Ja, du weißt schon, diese bunten Sachen zum Spielen, die Eltern für ihre Kinder kaufen.«

Meine Schultern beben vor unterdrücktem Lachen, und sie schaut mich verwirrt an. Wenn sie nur wüsste! Ich fordere sie auf, fortzufahren, und sie holt tief Luft. »Zuletzt war ich für die Markteinführung einer Bio-Kaffeemarke verantwortlich.«

»Java-Org«, lese ich aus ihrem Lebenslauf ab und runzle die Stirn, weil mir der Name bekannt vorkommt. Wenn es die Firma ist, die ich meine, ist es kein Wunder, dass sie gekündigt hat. Der Kaffee ist beschissen. »Daisy hat ein- oder zweimal dort bestellt. Das ist der Kaffee in der grünen Dose, richtig?«

»Ganz genau.« Sie strahlt vor Stolz, also schlucke ich die Beleidigung hinunter, die mir über die Gülle, die Daisy meinen ahnungslosen Mitarbeitern und mir vorgesetzt hat, auf der Zunge lag.

»Die Kampagne war unglaublich erfolgreich. Deswegen habe ich keinen Zweifel daran, dass ich deine Firma noch weiter nach vorn bringen kann, wenn du mich nur lässt. Als Erstes brauchst du eine ansprechende Internetpräsenz. Es schadet deinem Geschäft, dass du keine hast.«

Darüber denke ich einen Augenblick lang nach, tippe mir mit den Fingern ans Kinn, bevor ich frage: »Warum hast du gekündigt? Wenn du wirklich so erfolgreich warst, warum bist du dann gegangen?«

Sie sieht so aus, als hätte ich gerade all ihre Träume und Hoffnungen zerplatzen lassen, und blickt auf ihre im Schoß gefalteten Hände. »Der Geschäftsführer und ich hatten ein Zerwürfnis, und unser Verhältnis ließ sich leider nicht mehr kitten.«

Ich hatte erwartet, dass sie so etwas sagen würde wie ›Ich war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung‹. Oder dass sie ihr eigenes Produkt probiert und beschlossen habe, diesen Mist nicht länger zu vermarkten. Ich hätte nie gedacht, dass sie zugeben würde, dass sie nicht mit ihrem Vorgesetzten klargekommen ist.

Sie überrascht mich wirklich immer wieder.

»Also, falls ich dich einstellen sollte und dir dann auf die Nerven gehe – und ich kann dir jetzt schon sagen, dass ich das werde, denn ich habe mal gehört dass ich ein ziemlicher Wichser sein kann …«

»Ein Wichser?«, unterbricht sie mich.

»Ein Arschloch.« Ich verdrehe die Augen. Sie weiß ganz genau, wovon ich spreche, denn sie war es, die mich so genannt hat, und ich habe mit einem Spruch gekontert, der sie von Kopf bis Fuß erröten ließ. Genau wie jetzt gerade. »Verdammt noch mal, Williams, wie ich schon sagte, wenn die Kacke am Dampfen ist, haust du dann auch wieder einfach ab?«

»Nein.« Ohne zu zögern, fügt sie hinzu: »Das ist eine völlig andere Situation.«

»Und was macht sie so anders?« Mein höhnischer Unterton entgeht ihr nicht, denn sie rutscht bis an die Stuhlkante vor, und ihre Nasenflügel beben, als sie sich mit beiden Händen an die Schreibtischplatte klammert. »Zum Beispiel bist du nicht mein Ehemann.«

Verdammt. Ich sehe sie an, betrachte die harten Linien in ihrem Gesicht und erwarte beinahe, dass sie in Tränen ausbricht. Sie hat mich unzählige Male rasend gemacht, aber ich will nicht, dass sie weint. Meine Mutter hat so oft wegen meines Vaters, diesem Dreckskerl, geweint, dass ich mich beim Anblick einer schluchzenden Frau immer ganz hilflos fühle.

»Außerdem betrügst du mich nicht mit jemandem aus der eigenen Firma. Also, bei allem Respekt kann ich sagen, dass unsere Situation ganz, ganz anders ist.«

Einen Moment lang wirkt sie verblüfft, so als könne sie nicht glauben, dass sie mir gerade so viel anvertraut hat. Dann lässt sie die Schultern sinken und schließt die Augen. »Es tut mir leid«, sagt sie matt. »Das war unprofessionell, und zu viele Informationen sind …«

Sie will noch etwas sagen, aber ich hebe die Hand und unterbreche sie. »Nicht.« Sie soll sich nicht dafür rechtfertigen, dass sie ihren Mann verlassen hat. »Ich meine, du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Mir ist es lieber, wenn du ehrlich bist, als wenn du mir irgendeine fröhliche ›Ich brauchte eine Veränderung‹-Geschichte auftischst. Du hast gekündigt, weil dein Ehemann ein armseliges Würstchen ist. Das kann ich verstehen. Und nur damit du es weißt, so etwas wie ›zu viele Informationen‹ gibt es nicht.«

Sie reißt die braunen Augen auf und holt tief Luft, dann löst sie ihre Hände von meiner Schreibtischplatte und legt sie wieder in den Schoß. »Tom ist wirklich … ein hartes Stück Arbeit.« Ihre Stimme ist leise, fast nur ein Flüstern. »Und du irrst dich. Es gibt definitiv so etwas wie ›zu viele Informationen‹.«

»Nein, hier in diesem Gebäude nicht«, entgegne ich. »Wenn du hier arbeitest, musst du dich daran gewöhnen.«

Sie schiebt die Schneidezähne über ihre Unterlippe. »Soll das heißen, ich habe den Job?«

Jetzt, da sie mir verraten hat, dass Duncan nicht mehr aktuell ist, möchte ich nichts lieber, als sie anzustellen, damit ich sie jeden Tag ohne schlechtes Gewissen zum Erröten und Stottern bringen kann. Und genau deswegen kann ich ihr den Job nicht geben. Ich schlafe nicht mit Angestellten, und Lucy Williams ist es zu zweihundert Prozent wert.

»Nein, hast du nicht. Ich informiere dich nur über die Fakten.«

»Oh, verstehe.«

Ich komme um den Schreibtisch herum, und als ich mich auf die Kante setze, bemerke ich, dass sie den Blick nicht von mir abwenden kann. »Angenommen, ich würde dir die Stelle anbieten.« Ich strecke die Beine vor mir aus, sodass meine Stiefelspitze gegen ihr Stuhlbein stößt. »Wann könntest du anfangen?«

Sie setzt zu einer Antwort an, dann zögert sie und überlegt einen Augenblick. »Ich könnte in einer Woche anfangen. Nächsten Montag.«

Das ist schon wieder eine Lüge, denn ich sehe den wilden Ausdruck in ihren Augen, den, der nur von Verzweiflung herrührt. Sie könnte sofort anfangen, und ich frage mich, was zum Teufel schiefgegangen ist, dass Lucy Williams so in der Klemme steckt.

»Perfekt.« Ich stoße mich vom Tisch ab und sehe auf sie hinunter. Doch als ich ihren Blick bemerke, verziehe ich den Mund. Ich kann sie nicht einstellen. Das wäre schlecht fürs Geschäft, schlecht für meinen Schwanz und schlecht für meinen Geisteszustand – aber, oh Gott, sie sieht so schön aus, wie sie mit großen, hoffnungsvollen Augen zu mir aufblickt. »Danke, dass du gekommen bist, Williams …«

»Lucy.« Sie runzelt die Stirn, und wie gern würde ich ihr dieses Stirnrunzeln aus dem Gesicht küssen, nur um festzustellen, ob sie genauso gut schmeckt, wie sie riecht. »Wenn ich dich Jace nennen soll, kannst du mich auch gern Lucy nennen.«

»Williams ist mir lieber.« Sie nickt gehorsam, und meine Finger verkrampfen sich, weil ich ihr damit so gern durch die schwarzen Haare fahren würde, die ihr auf die Brüste hängen. »Ich habe heute und morgen noch ein paar Bewerber, aber bis Donnerstag entscheide ich mich.«

»Das hört sich gut an. Ich freue mich darauf, von dir zu hören.« Sie ist so zittrig, dass sie beim Aufstehen beinahe gegen mich taumelt. An den Geruch, der von ihrem Körper ausgeht, könnte ich mich gewöhnen. Meine Bettwäsche könnte sich daran gewöhnen. Noch mehr Gründe, warum ich Lucy nicht einstellen kann.

»Vielen Dank für die Chance, Jace.«

Ich strecke die Hand aus. »Ganz meinerseits, Williams.« Sie betrachtet die römischen Ziffern auf meinen Fingern so lange, bis ich genervt aufstöhne und nach ihrer Hand greife. Sie ist weich. Weich und zart. Und als ihr der Atem stockt, löst das etwas Schreckliches, Herrliches bei meinem Schwanz aus.

Wie oft habe ich mir vorgestellt, diese Frau zu berühren?

Wie oft habe ich mich gefragt, wie sich ihre Finger auf meinem Schwanz anfühlen, wenn sie ihn streichelt und drückt, bis es kein Zurück mehr gibt?

Zu oft, und nun, da ich endlich ihre Haut fühle, ist es eine Schande, dass ausgerechnet dies das erste Mal ist, dass ich sie berühre.

»Ich teile dir meine Entscheidung spätestens Donnerstag mit.« Ich ziehe meine Hand weg, balle sie zur Faust und versenke die Hände in den Hosentaschen, damit ich nicht in Versuchung gerate, sie noch einmal anzufassen. Einen Augenblick lang stehen wir schweigend voreinander – Lucy blickt betreten zu Boden, und ich schaue finster drein. Als sie aufsieht, huscht mein Blick zur Tür. Je schneller das hier vorbei ist, umso besser. »Ruf Daisy an, wenn du noch Fragen hast.«

Sie blinzelt, doch dann tritt sie einen Schritt zurück. Sie schwankt ein wenig auf ihren hohen Absätzen. »Das werde ich, danke.« Sie greift nach ihrer Tasche mit der Bewerbungsmappe und geht mit hängenden Schultern zur Tür. »Und wenn du noch irgendetwas von mir brauchst, kannst du jederzeit anrufen oder eine E-Mail schreiben.«

Ich lächle sie gezwungen an. »Das werde ich, Williams.«

Ich sehe ihr nach und kann nicht anders, als ihren Hintern anzustarren. Ich sollte sie nicht einstellen. Sie ist eine Ablenkung. Sie hat keinen Schimmer davon, was wir hier machen, und wenn sie es wüsste, dann wäre sie nicht hier in mein Büro stolziert und hätte irgendetwas von Uhren und solchem Blödsinn gefaselt. Sie ist eine Besserwisserin. Und zwar eine, die mir schneller unter die Haut geht als alle anderen Frauen, die ich jemals kennengelernt habe. Ihr bissiger Kommentar vor zehn Jahren hat mich überhaupt erst dahin gebracht, wo ich jetzt bin, und das habe ich nie vergessen.

Bei diesem Gedanken halte ich inne.

Ich war nie der Beste in unserer Klasse, aber Lucys Kommentar und ihr gehässiges Grinsen bei unserem Abschluss waren der Tritt, den ich brauchte.

Vielleicht sollte ich den Gefallen erwidern.

Zumindest könnte ich mal bei ihren früheren Arbeitgebern anrufen.

Und wenn ich sie einstellen sollte, wird sie es hier keinen Tag lang aushalten, und damit hätte sich mein Problem von selbst gelöst.

 

3

Lucy

Ich wünschte, ich könnte behaupten, ich wäre überrascht, aber während die Woche ihrem Ende entgegenkriecht, sind die einzigen Anrufe, die auch nur ansatzweise etwas mit meinem Beruf zu tun haben, die von Tom, der mich weiter dafür fertigmacht, dass ich San Francisco verlassen habe. Es ärgert mich gewaltig, eine weitere Möglichkeit von meiner Liste streichen zu müssen, aber Jamie sagt immer: Es ist, wie es ist. Ich bin enttäuscht – meine Mutter war so hoffnungsvoll, als ich Montagabend nach Hause kam und ihr erzählte, dass EXtreme Effects nicht irgendeine verrückte Falle von eBay Kleinanzeigen ist und dass ich den Besitzer von der Schule kenne – aber immer wenn sie fragt, ob Jace angerufen hat, täusche ich Gelassenheit vor.

»Heute meldet er sich bestimmt«, versichert sie mir jedes Mal übertrieben optimistisch, wenn ich ihr sage, dass ich noch nichts von ihm gehört habe.

Und jedes Mal lächle ich, ziehe die Schultern hoch und fühle mich ein bisschen mehr wie eine Versagerin. Wieder ein Stück näher daran, eine Bingo spielende Katzendame zu werden. »Vielleicht. Und wenn nicht, ist es vielleicht auch besser so.«

Ich verschweige ihr, dass ich den Einstieg ins Vorstellungsgespräch vermasselt habe, nachdem er mir gesagt hat, dass ich gut aussehe. Im Ernst, was soll man darauf antworten?

In der Schule warst du ein Idiot, aber ich mag deinen Bart, er gefällt mir sogar richtig gut.

Vom Anblick deines Karohemds, den Muskeln und Tattoos kriege ich einen ganz trockenen Mund. Hättest du vielleicht ein Glas Wasser für mich?

Mensch, du hast dich aber gemacht. Unglaublich.

Ich verschweige Mom außerdem, dass ich Dinge von mir preisgegeben habe, die so persönlich und schmerzhaft sind, dass ich sie nicht einmal meinen Freunden erzählen würde, geschweige denn einem Mann, der mich mit einem Job lockt.

Und ich werde bestimmt nicht zugeben, dass ich es ernst meine, wenn ich sage, dass Jaces Schweigen wahrscheinlich besser ist. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich die Hand berühre, die er gehalten hat, und die Spur nachzeichne, die er mit seinen rauen, tätowierten Fingern auf meiner Haut hinterlassen hat, als er seine Hand wegzog. Es ist nicht derselbe Effekt – nicht einmal annähernd –, aber trotzdem bekomme ich davon eine Gänsehaut.

Als ich am Freitagabend mit Jamie in Boston etwas trinken gehe, ärgere ich mich. Nicht über Jace, sondern über mich selbst, weil ich zu oft an ihn denke und alle fünf Minuten auf mein Handy schaue. Weil ich mich in diese bescheuerte Situation gebracht habe.

»Meine Liebe, du nuckelst jetzt seit einer halben Stunde daran herum.« Die melodische Stimme meiner Freundin reißt mich aus meinen Gedanken. Ich schaue von meinem Mojito auf, in dem ich mit dem Strohhalm herumrühre, und checke mein Handy zum trillionstenmal. Jamie schaut mich mit ihren braunen Augen an und runzelt die Stirn. »Alles in Ordnung?«

»Job-Sorgen.«

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