Logo weiterlesen.de
Freut euch auf... Das Fest der Liebe: Drei Erzählungen

Karl Plepelits

Freut euch auf... Das Fest der Liebe: Drei Erzählungen





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

DAS FEST DER LIEBE

Drei Erzählungen von Karl Plepelits

© der Digitalausgabe 2014 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Ein EDITION BÄRENKLAU eBook, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

© 2014 der Storysammlung „Das Fest der Liebe“ by Karl Plepelits

© Cover 2013 by Astrid Amadori

Karl Plepelits, Autor von „Geliebte Myriam, geliebte Lydia“ und seinem episch breit angelegten Werk „Helenos Helena“ präsentiert zur Winterzeit drei Erzählungen, mal heiter und mal düster. Mit dabei auch eine besinnliche Weihnachtsgeschichte und mit „Großes hat an mir getan der Mächtige“ eine etwas andere „Weihnachtliche Erzählung“, getarnt als fiktives Interview mit dem Heiligen Joseph in Nazareth zum Thema: Wer ist der Vater Ihrer Verlobten?

INHALT

Das Fest der Liebe

Homerisches Gelächter

Großes hat an mir getan der Mächtige

Das Fest der Liebe

Wer bringt eigentlich den Kindern die Weihnachtsgeschenke, das Christkind oder der Weihnachtsmann? Und wie verhalten sich der Weihnachtsmann und Sankt Nikolaus zueinander? Sie sehen sich doch zum Verwechseln ähnlich. Und noch etwas: Warum nennt man Weihnachten das Fest der Liebe? Etwa, weil die Menschen Geschenke austauschen, um irgendeiner vage gefühlten Pflicht zu genügen? Oder weil die Liebe innerhalb der Familien am Heiligen Abend aufblüht wie ein Büschel Barbarazweige? (Dass vielfach das Gegenteil zutrifft, ist ja kein Geheimnis.) Ist das mit dem „Fest der Liebe“ also bloße Heuchelei, oder hat es damit vielleicht doch eine tiefere Bewandtnis?

Alle diese Fragen gingen mir schon durch den Kopf, als ich noch ein holder Knabe im lockigen Haar war. Damals vergnügte ich mich am Nikolausabend damit, als heiliger Nikolaus mit Bischofsmütze, Bischofsstab und einem Sack voller Früchte und Süßigkeiten durch unsere Stadt zu ziehen, bekannte Familien mit kleinen Kindern aufzusuchen und diese zu beschenken; und mehrere Krampusse begleiteten mich, schwangen die Rute und stießen gefährliche Laute aus, um den Kleinen den nötigen Respekt einzuflößen. Warum immer ich der Nikolaus war, wüsste ich heute gar nicht mehr; vielleicht, weil ich selber Nikolaus heiße.

Unter den von uns heimgesuchten Familien befand sich stets die eines seit langem von mir verehrten Mädchens. Es hieß Christl, war über alle Maßen schön und ging in eine Parallelklasse meiner Schule. Leider war es mir noch nie gelungen, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Kein Wunder; ich war ja viel zu hässlich (so sagte es mir zumindest der Spiegel, und keiner meiner Mitmenschen widersprach), zudem alles andere als ein Draufgänger, zumindest Mädchen gegenüber. Als Heiliger mit langem, weißem Bart hingegen, so sagte ich mir, könnte ich auf Christl vielleicht doch einigen Eindruck machen. Gebracht hatte es zwar nichts, abgesehen davon, dass sie mich nach jedem meiner Auftritte lachend angesprochen hatte mit den Worten: „Du warst doch der schöne Nikolaus, nicht?“ oder: „Gut gemacht, Klausi! Wenn du so weitermachst, wirst du noch selbst ein Heiliger.“ Das war zwar nicht genau die Reaktion, die ich mir erträumt hatte. Aber Christl sprach mich an, und das war immerhin etwas; denn danach fühlte ich mich jedesmal wie ein Märchenprinz.

Inzwischen war ich fünfzehn Jahre alt geworden, und wieder besuchte ich als Nikolaus mit meinen wilden Gesellen Christls Familie, beglückte ihr Brüderchen mit Geschenken und salbungsvollen Worten und bemühte mich, auf sie selbst Eindruck zu machen. Doch kaum waren wir wieder aus dem Haus getreten, da trafen wir auf Konkurrenz. Eine ganze Horde wilder Teufel trieb auf der Straße ihr Unwesen, und soweit ich erkennen konnte, hatten sie nicht einmal einen heiligen Nikolaus bei sich. Sie begannen uns sofort zu belästigen und, als wir rasch das Feld zu räumen versuchten, zu verfolgen; meine eigenen Teufelchen erwiesen sich leider als große Feiglinge. In unserer Not retteten wir uns in den nahen Stadtpark. Hatten wir jedoch gehofft, unsere Verfolger würden sich vor dessen Dunkelheit grauen, so erwies sich das als Irrtum. Gerade die Dunkelheit des einsamen und tief verschneiten Parks schien ihre Angriffslust ins Unermessliche zu steigern. Es dauerte nicht lang, da hatten sie uns umzingelt und griffen auch schon an, und es entbrannte eine heiße Schlacht zwischen den beiden höllischen Heerscharen, während ich nur erschüttert zuschauen konnte, wie sie mit ihren Ruten aufeinander losgingen.

Plötzlich fiel mir ein, dass ich ja in meinen Händen, zumindest im Vergleich zu den Ruten, eine regelrechte Wunderwaffe hielt. Also stürzte ich mich, meinen Bischofsstab schwingend, mitten ins Getümmel, ohne noch länger auf ein Vorweihnachtswunder zu warten; und sogleich ging einer der feindlichen Teufel unter jammervollem Stöhnen zu Boden. Daraufhin stürzten sich die übrigen Feinde mit barbarischem Geschrei auf mich und hatten mir im Nu meine Wunderwaffe entrissen. Und nun begannen sie, genauer, begann einer von ihnen mit ihr auf uns einzudreschen. Meine eigenen Teufel konnte er auf diese Weise zwar nicht zur Strecke bringen, denn die nahmen wie die bösen Dämonen bei einer Geisterbeschwörung augenblicklich Reißaus. Mich aber brachte er mit meinem eigenen Bischofsstab zur Strecke. Ich spürte einen dumpfen Schlag am Hinterkopf und sah die lieben Sternlein, und hierauf lösten sich mir, wie Homer sagen würde, auf der Stelle die Knie und das liebe Herz, und mir schwanden die Sinne.

Als ich wieder zu mir kam, dachte ich, mir zerspringt der Schädel; so heftig schmerzte mich der Kopf. Und ich stöhnte, glaube ich, ziemlich jammervoll. Da hörte ich über mir eine tiefe, wohltönende, mir völlig unbekannte Stimme. Und sie sagte: „Du Armer! Tut's so weh?“

Ich versuchte die Augen aufzuschlagen und schloss sie geblendet sofort wieder; denn zu meiner Verblüffung schien auf einmal die Sonne hell und unerwartet warm. Ganz offensichtlich lag ich auch nicht mehr im Schnee, sondern in weichem Gras, und intensiver Blütenduft wie im Frühling schmeichelte meiner Nase, ein angenehmes Lüftchen schmeichelte der Haut. Ich versuchte abermals die Augen aufzuschlagen und erblickte über mir den Urheber der wohltönenden Stimme: einen zweiten Nikolaus mit weißem Bart und Bischofsmütze, aber wesentlich älter, als ich damals war. Er lächelte mich an und wiederholte: „Tut's denn so weh? Gottlob bist du nun wenigstens aus deiner Ohnmacht aufgewacht.“

Angenehm berührt von einer solchen Freundlichkeit, nickte ich und murmelte, verlegen grinsend: „Hallo, Kollege.“

„Hallo, Kollege“, sagte er und brach in Lachen aus, als amüsiere er sich köstlich über meine Begrüßung. „Es ist der Kopf, der so weh tut, nicht wahr?“

Ich nickte, und er beugte sich über mich und legte mir seine Hand auf den Kopf, und ich konnte es anfangs gar nicht ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Freut euch auf... Das Fest der Liebe: Drei Erzählungen" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen