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Fremder an meinem Ufer

Lindsay Gordon (Hg.)

FREMDER AN
MEINEM UFER

und andere
paranormale erotische Stories

Aus dem Englischen von
Marietta Lange

Inhalt

Sonnensucher
Janine Ashbless

Fremder an meinem Ufer
Sophie Mouette

Powerplay
Katie Doyce

Sonnensucher

Janine Ashbless

Er hatte einen ganz wunderbaren Arsch.

Ich hatte an diesem Vormittag schon eine Menge nackter Hintern gesehen, männlich und weiblich, groß und klein, aber ein Blick den Saal entlang, und mir stockte der Atem. Das war … einfach fantastisch. Kein Po; Pos sind weich und rund und ein bisschen albern. Ein Po hat keine Muskeln. Kinder haben Popos. Frauen auch, besonders die Sorte, die sich Gedanken darüber macht, ob ihre Hosen zu eng sind. Sogar Bauarbeiter haben welche. Aber das war ganz entschieden kein Po. Und auch nicht der kaum existente Hintern eines faulen Studenten und kein leicht behaarter, eckiger Männerhintern.

Nein, das hier war ein Arsch. Ein wirklich herrlicher Arsch. Er stand leicht in einer Hüfte gebeugt da, als wolle er gerade einen Schritt nach vorn machen, und hatte die rechte Hinterbacke angespannt. Beide Backen waren unterschiedlich und die Spalte dazwischen tief eingeschnitten. Ich spürte den Drang, in diese stolzen Gesäßmuskeln zu packen und mit der Zunge durch diese Ritze zu lecken. Es hatte etwas mit den Grübchen am oberen Ende des Spalts zu tun, mit der entspannten Linie, die sein Rückgrat bildete und der Art, wie die Falten seines langen Umhangs ihm von einer Schulter hingen, so als hätte er gerade seine Kleider fallen lassen und sich mir ganz beiläufig enthüllt. Ich ging den Saal mit den antiken Skulpturen entlang, meine Flipflops klatschten auf den Bodenplatten, und plötzlich war meine Pussy warm und angeschwollen, und ich errötete.

Es gehörte sich nicht, sich vom Anblick einer Skulptur erregen zu lassen, sagte ich mir. An meinem ersten Urlaubstag hatte ich in Athen das Archäologische Museum erkundet, und in diesem kleinen Museum auf Delos trieb ich mich auch schon fast eine Stunde herum, bewunderte die Marmortorsos von Athleten, Gottheiten und Helden, und keiner hatte bisher eine solche Wirkung auf mich ausgeübt. Natürlich waren sie schön. Aber diese Statue, die weit mehr als lebensgroß war … der Mann war sexy.

Ich trat näher und betrachtete das maschinengeschriebene Schildchen am Sockel. Kouros, 5. Jahrhundert vor Christus, parianischer Marmor. Hier hielt man nichts von langwierigen Erklärungen. Kouros bedeutete einfach »junger Mann«. Wieder schaute ich nach oben. Jetzt konnte ich die Risse sehen, dort, wo man ihn wieder zusammengesetzt hatte. Alles hatten sie nicht gefunden; ihm fehlten immer noch der Großteil der Arme, beide Füße und vor allem der Kopf. Aber sie hatten seine langen Schenkel, die breiten Schultern und schmalen Hüften und diesen fantastischen Arsch ausgegraben, der einfach zum Anbeißen war.

Gott, ich ließ mich wirklich zu leicht beeindrucken. Der kahle Raum mit seinen steinernen Ausstellungsstücken kam mir plötzlich warm und stickig vor. Ich sehnte mich danach, meine Hände an dem uralten Marmor hinaufgleiten zu lassen. Am liebsten hätte ich mich selbst angefasst.

»Gefällt er Ihnen?«, sagte jemand direkt neben mir.

Ich zuckte zusammen und fuhr herum; ich hatte keine Ahnung gehabt, dass sich noch jemand im Raum befand. Alle anderen Touristen waren zuerst zu den Ruinen gegangen, um sich das Museum später anzusehen.

»Wie bitte? Ja.« Wieder lief ich rosig an.

Die Frau war größer als ich und hatte sich die Sonnenbrille auf den Kopf geschoben, wo ihr mahagonibraunes Haar zu einem langen Zopf geflochten war.

»Er ist wunderschön, nicht wahr? Apollo. Mein Lieblingsstück in diesem Museum – ich schaue immer kurz zu ihm herein.«

»Aha. Kommen Sie oft her?« Dann wurde mir klar, was ich gesagt hatte, und ich kicherte verlegen und wedelte entschuldigend mit den Händen. »Ich meine … arbeiten Sie hier?«

Lächelnd zog sie die Augenbrauen hoch. Sie hatte den kompletten Lara-Croft-Look: khakifarbene Shorts über langen Beinen, ein Stoffgürtel und ein enges, ärmelloses Top, das gebräunte, straffe Oberarme freigab. Allerdings nicht die wie aufgepumpt wirkenden Brüste – und natürlich keine Waffen.

»Ich arbeite als eine Art Beraterin«, erklärte sie. »Für die Archäologen.« Ihr Akzent war beinahe nicht wahrnehmbar; sie hätte Griechin oder Französin sein können. Mir fiel wieder ein, dass die meisten Archäologen auf Delos Franzosen waren.

»Wow. Was für ein toller Arbeitsplatz.«

Sie strich eine Haarsträhne, die sich gelöst hatte, hinters Ohr zurück. »Besser als die meisten. Sonne satt. Kein Schlamm. Sind Sie aus England?«

»Das stimmt.«

»Ich habe mal ein paar Jahre in London gelebt. Machen Sie Urlaub auf Mykonos, oder kommen Sie von einem Kreuzfahrtschiff?« Ihr eindringlicher Blick ließ meine Augen nicht los, was ein wenig verwirrend war.

»Mykonos. Ich bin heute Morgen mit der ersten Fähre nach Delos übergesetzt.«

»Allein? Oder mit Ihrer Freundin?«

Junge, Junge, das war ziemlich direkt. Ich blinzelte. Natürlich war es leicht, diesen Fehler zu machen; auf der Party-Insel Mykonos gab es viele schwule Touristen.

»Eigentlich wollte ich mit meinem Freund herkommen«, gestand ich und legte eine leichte Betonung auf das Geschlecht. »Das Problem ist nur, dass wir uns kurz vor dem Urlaub getrennt haben. Besser gesagt, ich habe ihm den Laufpass gegeben.«

»Und dann sind sie allein hergekommen? Gefällt es Ihnen?«

Ich zuckte die Achseln. »Ja, es ist großartig.«

In Wahrheit war ich schockiert darüber, wie sehr mein Selbstvertrauen nach drei Jahren mit Lee von ihm abhängig war. Es hatte ein paar Abende gedauert, bis ich den Mut aufbrachte, in einen Club zu gehen.

»Mögen Sie das Nachtleben?«, fragte sie, als hätte sie meine Gedanken gelesen.

Innerlich zuckte ich zusammen. Jeder andere auf dieser Insel schien mit einer Schar Freunde unterwegs zu sein. In eine Gruppe von Frauen aufgenommen zu werden, war unmöglich; allerdings fiel es leicht, sich mit Typen anzufreunden – in demselben Sinn, wie sich eine Rinderhälfte mit einem Becken voll Piranhas »anfreunden« kann.

»Ich bin kein großer Partygänger«, sagte ich und versuchte, lässig zu klingen.

Mein erstes »zum Teufel mit Lee«-Urlaubsabenteuer war eine große Enttäuschung gewesen. Ich hatte nach Mitternacht einen Engländer mit aufs Zimmer genommen. Der Sex war in Minuten vorbei gewesen, und dann hatte er sich den Rest der Nacht schnarchend über das ganze Bett ausgebreitet. Am nächsten Morgen hatten wir uns nichts zu sagen gehabt. Mein aufregender Fremder vom Abend hatte sich als … nun ja, ganz gewöhnlicher Typ aus Sheffield erwiesen, nicht besonders gut aussehend und ganz bestimmt kein begnadeter Plauderer. »Tschüs dann«, hatte er gesagt und sich verdrückt. Tschüs dann! – ich bitte Sie!

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin nicht auf der Suche nach romantischer Liebe oder so etwas. Aber mir gefiel nicht, dass es so … gewöhnlich war.

»Dann interessieren Sie sich eher für so etwas?« Ihre knappe Handbewegung umfasste das Museum, die Insel Delos und über dreitausend Jahre Geschichte. Sie hatte wunderschöne Hände mit langen Fingern.

»Oh ja.« Warum nicht, dachte ich, und geriet dann in Panik, sie könnte meinen Bluff durchschauen. Eigentlich war ich hier, weil man auf Mykonos allein nicht viel unternehmen kann außer am Strand zu liegen oder die halbstündige Überfahrt nach Delos zu machen. »Ich meine, so viel Ahnung habe ich nicht und so …«

Sie legte den Arm auf meine Schulter und kroch mit den Fingern in mein Nackenhaar. Mein Herz setzte einen Schlag aus, und ich erstarrte.

»Ich könnte Sie auf der Insel herumführen«, erklärte sie. »Hätten Sie Lust dazu?«

»Großartig«, antwortete ich wie betäubt. Ich habe eine ziemlich lange Leitung und reagiere nie schnell auf eine Überraschung. Hey, ich habe zwei Jahre gebraucht, um Lee endlich in die Wüste zu schicken.

Ihre Hand legte sich fest um meinen Nacken. Eigentlich hätte ich ausflippen müssen; aber stattdessen war das Gefühl merkwürdig beruhigend. »Ich bin Phoebe.«

»Ness.«

»Gut.« Sie sah zu der Statue hoch. »Sind Sie hier drinnen fertig?«

Ich nickte. Mein Herz machte unter meinem Brustbein komische Sachen. Phoebe ließ mich los, und ich folgte ihr wie ein Lamm und warf nur einen kurzen Blick zurück zu meinem Kouros. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass es ohnehin eine Enttäuschung geworden wäre, wenn ich herumgegangen und einen Blick auf die Erhebung auf seiner Vorderseite geworfen hätte; griechische Statuen haben immer winzig kleine Schwänze.

Phoebe kannte sich aus. Sie machte mit mir die Runde durch die Ruinen auf der kleinen Insel, beginnend mit einem Aufstieg auf den Mount Kythnos – eigentlich mehr ein Hügel, aber der Anstieg war steil, und vor dem Hintergrund der tiefblauen Ägäis erschien er größer als er wirklich war. Ich war froh, meinen Strohhut dabeizuhaben. Unter uns konnten wir die ausgegrabenen Ruinen sehen, die sich vom Hügel bis zum Hafen erstreckten, wo die Touristenschiffe lagen: das Theater, das Stadion, die Wohnbezirke, die zahlreichen Tempel griechischer und fremder Götter und das Areal des Heiligtums. Es war Apollo und Artemis gewidmet, die auf der Insel geboren waren und versprochen hatten, sie zu beschützen. Tausende von Jahren hatte Delos als Pilgerstätte und Handelsstation floriert.

Dann führte sie mich zurück durch die Ruinen, ein Labyrinth aus meist hüfthohen Mauern. An einigen Stellen waren sie restauriert, sodass die Säulen und Giebel wieder standen. Sie huschte in verschiedene Häuser hinein und zeigte mir Wandmalereien und komplizierte Mosaiken: einen Gott, der auf einem Leoparden ritt, Grimassen schneidende Theatermasken und grinsende, ihr Gebiss zeigende Delfine. Bei unserer Rückkehr ins Hafengebiet kamen wir über eine Terrasse, auf der eine Reihe merkwürdig schlanker Löwenstatuen stand. Ich machte ein Foto von ihr, wie sie sich gegen eine davon lehnte. Hier im Freien hatte sie die Sonnenbrille wieder aufgesetzt, und man konnte in ihrem Gesicht nichts lesen. Trotz meines Huts wurde mir schwindlig von der Sonne. Das Licht strahlte von den Marmorstraßen ebenso heftig wider, wie es vom wolkenlosen Himmel über uns einfiel.

»Lassen Sie uns etwas trinken«, schlug ich vor. »In der Nähe des Museums gibt es ein Café.« Der Rundgang machte mir Spaß, aber all die Namen und Daten sagten mir nicht viel. Ich wusste, dass ich mich in vierundzwanzig Stunden an die meisten nicht mehr erinnern würde.

Wir gingen durch die Ruinen zurück. »Das hier müssen Sie sehen«, sagte Phoebe plötzlich, nahm meinen Ellbogen und zog mich beiseite. »Dies ist das Heiligtum des Dionysos.«

Gehorsam schaute ich es mir an. Der Tempel selbst war nichts Besonderes; ein weiteres, von niedrigen Mauern umschlossenes Areal. Aber an der Vorderseite befanden sich zwei Sockel, und auf denen standen die größten Steinphalli, die ich je gesehen hatte. Leicht geneigt sahen sie aus, als zielten sie in den Himmel. Mir klappte der Mund auf, und ich musste lachen.

»Sie sind toll, nicht wahr?« Phoebe deutete mir der Hand auf den, der mir am nächsten stand. »Geben Sie mir Ihre Kamera, ich mache ein Bild von Ihnen.«

Kurz fragte ich mich, ob sie sich die ganze Mühe nur gemacht hatte, um mit meiner neuen Digitalkamera durchzubrennen, dann beschloss ich, dass es mir egal war. Ich reichte ihr den Apparat, stellte mich neben den Sockel und sah zu dem monströsen Steinphallus über mir auf. Er balancierte auf seinen ovalen, straff hochgezogenen Hoden und war dick und geädert und kurz vor dem Abspritzen. Was für ein Jammer, dass er auf halber Schafthöhe abgebrochen war, dachte ich.

»Lehnen Sie sich an den Sockel«, befahl Phoebe und schob ihre Sonnenbrille wieder die Stirn hinauf. »So ist es richtig. Lächeln.« Wiederholt klickte die Kamera, als sie eine Aufnahme nach der anderen machte. »Zurücklehnen. Jetzt die Hände über den Kopf heben.«

Es war niemand sonst in der Nähe. Ich tat, was sie gesagt hatte, grinste frech und schob die Hüfte vor. Meine Finger strichen über den Marmor. War das nicht genau das, was ich in Griechenland gesucht hatte – Sonne und große Schwänze?

»Sehr schön«,

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