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Sabine Kray

Freiheit von der Pille

Eine Unabhängigkeitserklärung

TEMPO

Als ich jedoch in der Physik gewisse allgemeine Begriffe gewonnen hatte […] so glaubte ich sie nicht zurückhalten zu dürfen, wenn ich nicht gegen das Gesetz verstoßen wollte, welches uns das allgemein Beste zu befördern heißt. Denn mittels ihrer kann man zu Kenntnissen gelangen, die für das Leben höchst nützlich sind […] sodass wir jene […] zu allen passenden Zwecken verwenden und uns so zu Herrn und Meister der Natur machen können. Dies ist nicht bloß für die Erfindung zahlloser Verfahrungsweisen wünschenswerth, die uns die Früchte und Behaglichkeiten der Erde ohne Müh gewähren würden, sondern auch für die Erhaltung der Gesundheit, die das höchste Gut dieses Lebens und die Grundlage für alle anderen ist. Denn selbst die Seele ist so sehr von der Verfassung der Organe ihres Körpers abhängig, dass, wenn man ein Mittel, die Menschen klüger und geschickter als bisher zu machen, finden will, man es in der Medizin zu suchen hat. Allerdings enthält die jetzt geübte wenig, was einen solchen Nutzen gewährte, und ich glaube, ohne sie zu verachten, dass Jedermann, selbst von ihren Jüngern eingestehen wird, wie das, was er von ihr weiß, beinahe Nichts ist, im Vergleich zu dem Übrigen, was er nicht weiß.

 

René Descartes

Abhandlung über die Methode richtig zu denken und die Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen, 1637

Disclaimer!

Was dieses Buch kann, was es weder kann noch will und was es eigentlich möchte

Dieses Buch wird keine Entscheidungshilfe sein – Pille ja oder nein. Es möchte nicht beide Seiten in jedem Detail beleuchten. Dafür gibt es andere Bücher. Eine Liste mit einer Auswahl solcher Bücher und anderer vertrauenswürdiger Informationsquellen wird am Ende dieses Buches zu finden sein. Einige davon sind mir auch beim Schreiben eine große Hilfe gewesen. Es gibt gute Gründe, die Pille zu nehmen und auch weniger sinnvolle. Mit guten Gründen werden wir seit Jahrzehnten von den Medien und der Pharmaindustrie versorgt.

Dieses Buch ist eine persönliche Unabhängigkeitserklärung, die einem breiten Publikum weniger gute Gründe für den kompromisslosen Verzicht, als gute Gründe für das Nachdenken über die Pille liefern möchte. Es ist ein einseitiges Buch, was nicht heißen soll, dass die zitierten medizinischen und historischen Fakten nicht sorgfältig recherchiert und belegt wären.

Und obwohl es in jedem einzelnen Kapitel noch unendlich viel mehr zu erzählen gäbe, wird es nicht in allen Bereichen in die Tiefe gehen können. Es möchte kompakt bleiben, denn hormonelle Verhütung ist eines jener Themen, die oft auf mehreren Ebenen gleichzeitig diskutiert werden. Da gibt es die wissenschaftliche, die emotionale, die persönliche, die praktische, aber auch die ideologische Ebene, die in unseren privaten Gesprächen genauso miteinander verschwimmen wie in der öffentlichen Debatte. Am Ende fühlt man sich leider meistens nicht schlauer als zuvor. Aus diesem Grund versucht jedes Kapitel das jeweils Wesentliche zu erzählen, um der Leserin einen Überblick über diese komplexe Debatte anzubieten und eine produktive Auseinandersetzung zu ermöglichen.

In jedem Fall möchte dieses Buch aufräumen mit dem alten Mythos der Alternativlosigkeit der Pille für sichere Verhütung. Doch mehr noch als medizinische Zusammenhänge zu diskutieren, möchte es Fragen stellen über Selbstbestimmung und Frausein im 21. Jahrhundert. Nicht zuletzt möchte es die Leserin inspirieren, darüber nachzudenken, ja vielleicht auch darüber zu streiten, welchen Platz in dieser Welt wir unseren vielfältigen Identitäten als Frauen einräumen wollen.

Teilweise müssen in der folgenden Auseinandersetzung mit hormoneller Verhütung komplexe biologische Zusammenhänge nachvollziehbar gemacht werden, denn das Wissen um die Wirkungsweise der Pille und die mit ihr verbundenen Nebenwirkungen ebenso wie ein Grundwissen um die Mechanismen des weiblichen Zyklus sind elementar für einen sinnvollen Umgang mit diesem komplexen Thema. Die Darstellung dieser Zusammenhänge basiert auf wissenschaftlichen Studien sowie meinen Gesprächen mit Wissenschaftlern aus den entsprechenden Forschungsfeldern.

Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass es insbesondere in der Endokrinologie, jenem medizinischen Fachbereich, der sich mit den Hormonen im menschlichen Körper befasst, wie in so vielen anderen naturwissenschaftlichen Feldern noch immer eine Reihe blinder Flecken und nicht eindeutig nachvollziehbarer Phänomene gibt. Dies sollte uns auf beiden Seiten der Debatte um hormonelle Kontrazeptiva sehr zu denken geben. Zur Bewertung ihrer Risiken und Mehrwerte bleiben uns vorerst vor allen Dingen die existierenden Beobachtungen und Zahlen, die sich aus entsprechenden Studien ergeben, aber auch die Leerstellen und Unklarheiten, die sich in diesem Zusammenhang auftun. Und ganz sicher auch unser Bauchgefühl. Denn wo es um unser körperliches Wohlbefinden geht, ist es eigentlich niemals fehl am Platz.

Unabhängig vom Bauchgefühl, gebietet jedoch aus meiner Sicht der gesunde Menschenverstand, einer so komplexen Technologie mit der entsprechenden Aufmerksamkeit und Vorsicht zu begegnen. Die bisher bekannten Fakten und Risiken abzuwägen, sich Informationen aus zuverlässigen Quellen zu beschaffen, ist ein erster Schritt für einen produktiven und aufgeklärten Umgang mit einem Arzneimittel, das in Deutschland von Millionen mehrheitlich gesunden Frauen eingenommen wird.

Ja, ja, wird die eine oder andere sagen, natürlich soll man sich informieren und das eigene Bauchgefühl nicht ignorieren. Das klingt so selbstverständlich und auch gar nicht neu. Ist es auch nicht: nicht neu, aber wie ich feststellen musste, eben doch nicht so selbstverständlich.

Unabhängigkeit

Über Entscheidungen und die Freiheit, sie zu treffen

Ich habe siebzehn Jahre lang hormonell verhütet. Bereits mit 15 bekam ich die Pille verschrieben, gegen meine heftigen Menstruationsbeschwerden und weil ich selbst darauf drängte. Auf der Mädchentoilette in der Schule erzählte man sich, die Pille mache schöne Haut, schöne Haare und große Brüste. Sign me up!, dachte ich mir, obwohl es noch drei Jahre dauern sollte, bis ich zum ersten Mal Sex hatte. Mit Kondom im Übrigen, denn über sexuell übertragbare Krankheiten wurden wir in den neunziger Jahren sehr gut aufgeklärt.

Bekam ich schönere Haut, größere Brüste? Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß noch, dass es sich sehr erwachsen und sehr »fraulich« anfühlte, jeden Tag eine Pille aus dem bunten Blister zu drücken. Dazu gab es beim Frauenarzt noch ein Schminktäschchen und einen Erinnerungsaufkleber für den Badezimmerspiegel geschenkt. Die Aufklärung zu den Nebenwirkungen war oberflächlich, unter Eltern galt es als modern, jungen Mädchen die Pille früh verschreiben zu lassen.

 

Erst 17 Jahre später entdeckte ich, was für Auswirkungen die Präparate auf meine Libido, ja auf meine Persönlichkeit gehabt hatten. Dass die hormonelle Medikation mich alles andere als weiblicher, »fraulicher« oder emanzipierter gemacht hatte. Plötzlich, nachdem ich die Hormone abgesetzt hatte, kam es vor, dass ich unvermittelt an Sex denken musste, in der U-Bahn oder beim Einkaufen. Meine Libido meldete sich auf eine ganz neue Art, und irgendwann dachte ich mir: »Verdammt noch mal, ich habe immer geglaubt, das wäre nur bei Männern so …« Hatte die Pille jahrelang mein Sexleben ruiniert? Ich begann im Kreis meiner Freundinnen herumzufragen und stellte fest, dass es nicht nur mir so ergangen war. Einige berichteten auch über mehr Wucht im Alltag, mehr Durchsetzungsstärke.

Dazu sollte ich mal was schreiben, dachte ich mir, erst Monate später schrieb ich es, für 10 nach 8 bei Zeit Online. Was dann passierte, überrascht mich noch immer – innerhalb von weniger als 24 Stunden war der Artikel mit dem Titel Die Antibabypille ist unzumutbar von mehr als einer halben Million Menschen gelesen und tausendfach in sozialen Medien geteilt worden.

In den Wochen darauf sprachen mich fast täglich Frauen darauf an. Weitere Freundinnen, Bekannte, aber auch Fremde. Die meisten waren in meinem Alter und hatten aus dem einen oder anderen Grund aufgehört, die Pille zu nehmen. Die einen hatten sich zu diesem Schritt entschieden, weil sie ein Kind wollten, andere fragten sich, ob ihre schwächelnde Libido mit der Pille zusammenhängen könnte. Wieder andere hatten sich irgendwann beim täglichen Griff zur Tablette einfach nicht mehr wohlgefühlt, irgendetwas hatte sich gesperrt. Pillenmüdigkeit kann man das nennen, oder auch Bauchgefühl. Viele dieser Frauen teilten meine Erfahrungen, hatten aber auch andere Veränderungen am eigenen Körper, der eigenen Selbstwahrnehmung festgestellt, nachdem sie vom Teenageralter an die Pille genommen und schließlich abgesetzt hatten.

Von einem Apotheker erhielt ich eine E-Mail, in der er mich darauf aufmerksam machte, dass er einen Aspekt in meinem Artikel vermisst habe. Die Pille, so beschrieb er es mir, nehme durch die veränderte hormonelle Situation auch Einfluss auf die Partnerwahl. Immer neugieriger geworden, setzte ich meine Recherchen fort und fand heraus, dass auch das zumindest eine valide Vermutung darstellte. Und ich fragte mich: Was weiß man eigentlich darüber, was die jahrelange Einnahme synthetischer Hormone mit dem weiblichen Körper macht? Wie genau funktioniert die Pille und kann man eigentlich auch ohne sie sicher verhüten? Oder geht es vielleicht noch um sehr viel mehr?

Der erste Schritt auf dem Weg zu diesem Buch bestand darin, meine eigene Geschichte genauer zu betrachten. 17 Jahre lang hatte ich also hormonell verhütet. Ich kann nicht sagen, dass ich mir wenig dabei gedacht hätte. Mehrfach habe ich die Präparate gewechselt. Irgendwas war immer. Eine Hormonspirale hatte mich mit 20 fast umgebracht. Eine Eierstockentzündung, zwei verschiedene Antibiotika per Infusion, eine Woche im Krankenhaus. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich davon wieder erholt hatte. Ob es an der Hormonspirale lag, ließ sich nie eindeutig nachvollziehen. Trotzdem hatte ich die Alternativlosigkeit von hormoneller Verhütung nie angezweifelt. Warum? Nun, das habe ich mich auch gefragt, als ich im Februar letzten Jahres aufgehört habe, sie zu verwenden.

Die Entscheidung aufzuhören, kann man gar nicht wirklich als solche bezeichnen. Irgendwie hatte ich keinen Termin beim Frauenarzt bekommen, um mir ein neues Rezept zu holen und dachte spontan: Vielleicht lasse ich es einfach mal sein. Einen Freund hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Monaten nicht, ich verhütete mit Kondom, hätte die hormonelle Verhütung also gar nicht gebraucht, aber über die Jahre war es zu einem solchen Automatismus, ja einem selbstverständlichen Teil meines Lebens geworden, dass erst einmal eine Reihe von Umständen zusammenkommen mussten, um diesen kleinen, unspektakulären Schritt zu gehen.

Nach einigen Wochen realisierte ich, dass sich mein Lebensgefühl veränderte, doch es dauerte ein wenig, bis ich den Zusammenhang herstellte, dass es mit dem Absetzen der Hormone zu tun haben könnte. Als Erstes fiel mir die Veränderung meines sexuellen Begehrens auf. Wo es zuvor immer einen kleinen Schubs, also die Initiative eines Mannes gebraucht hatte, um wach zu werden, war es plötzlich ein eigenständiger Teil von mir, kam unvermittelt und unangekündigt über mich. Ich begann mich selbstbewusster zu fühlen, in jederlei Hinsicht näher an meinen Bedürfnissen, nicht nur was den Sex anging.

Fasziniert beobachtete ich diesen neuen Teil von mir. In meinen Gesprächen mit anderen Frauen meines Alters stellte ich fest, dass viele ähnlich wie ich bereits als Teenager in die hormonelle Verhütung »hineingerutscht« waren. Fast alle von uns waren mit dem festen Vorsatz zum Frauenarzt gegangen, jetzt auch »endlich« die Pille zu bekommen. Keine von uns ging damals ohne Rezept nach Hause. Manche wurden auch von ihren Müttern zum Arzt geschickt, um sie verschrieben zu bekommen. Viele von uns hatten zu diesem Zeitpunkt nicht einmal einen Freund. Für fast alle spielte es eine Rolle, dass die Pille »schöner« machen sollte und dass wir die Menstruation, die die meisten von uns zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht lange hatten, als unangenehm empfanden.

Ein unregelmäßiger Zyklus, Menstruationsbeschwerden – das alles könne der Vergangenheit angehören, erfuhren wir aus Broschüren, von Freundinnen und schließlich vom Arzt. Eine weitere Rolle spielte wohl auch die Tatsache, dass die Pille eine Art Klub war, dem man gern angehören wollte. Eine 21-Jährige erklärte mir kürzlich während eines der Interviews, die ich für dieses Buch mit jüngeren Frauen geführt habe, dass es sich regelrecht »komisch« angefühlt habe, mit 16 eine von denen zu sein, die die Pille nicht einnahmen. Auch sie ließ sie sich verschreiben, obwohl sie noch keinen Freund hatte.

Hormonelle Verhütung ist offenbar eine Art Meilenstein auf dem Weg zum Frausein geworden – damals wie heute –, eine Selbstverständlichkeit, ein Automatismus, nicht nur in meiner persönlichen Geschichte. Mit ihr assoziieren wir Sorglosigkeit genauso wie Verantwortungsbewusstsein. Regelrecht absurd eigentlich, oder nicht? A dream come true, könnte man meinen. Verantwortungsbewusstsein ist in der Regel anstrengend, ganz besonders für Teenager. Welch ein Luxus, wenn es in Tablettenform erhältlich ist und uns quasi als »Nebenwirkung« auch noch die Sorglosigkeit im Bett ermöglicht.

Auch unter Jungs und jungen Männern hat sich diese Wahrnehmung festgesetzt, der Druck, sich die Pille verschreiben zu lassen, wächst nicht selten mit jeder Woche, die eine neue Beziehung währt. Wer sie nicht nimmt, gilt nicht nur als regelrecht verantwortungslos, sondern steht aus der Perspektive vieler junger Männer einem sorglosen, erfüllten Sexleben ohne Grund im Wege. Denn: Die Pille ist doch so praktisch! Und sicher. Und alle anderen nehmen sie doch auch! Dass noch andere Sorgen, etwa die um die Integrität des eigenen Körpers, der eigenen Persönlichkeit eine Rolle spielen könnten, ist für viele nicht nachvollziehbar, und zwar vor allen Dingen, weil die wenigsten Menschen überhaupt um diese Risiken wissen – ganz besonders die Männer, deren Körper und Persönlichkeiten in diesem Zusammenhang unangetastet bleiben.

Geht eine Beziehung in die Brüche, raten Frauenärzte in Deutschland häufig, sie einfach weiter zu nehmen, dann müsse sich der Körper nicht so oft umstellen. Das führt dazu, dass viele Frauen die Pille zehn bis 15 Jahre lang einnehmen, ob sie die empfängnisverhütende Wirkung gerade brauchen oder nicht. Erst wenn sich ein Kinderwunsch einstellt, soll sie abgesetzt werden, so lautet die landläufige Einstellung.

Kann das gut sein? Über die Risiken und Nebenwirkungen der Pille werden die meisten Frauen von ihren Ärzten nur unzureichend informiert, zumindest auf das Risiko von Thrombosen und Embolien wird inzwischen in den meisten Fällen hingewiesen. Auf die möglichen Auswirkungen der Pille auf das Wohlbefinden, auf den gesenkten Testosteronspiegel, der sich bei allen Anwenderinnen einstellt, und ihre potenzielle Wirkung auf die Libido werden junge Frauen meistens nicht aufmerksam gemacht. Geht es einer Frau mit einer Pille nicht gut, bekommt sie ein neues Präparat mit einer anderen Dosierung oder einer anderen Zusammensetzung.

Es stellt sich also die Frage, ob das, was wir in der gegebenen Situation erleben, wirklich als Selbstbestimmung über den eigenen Körper bezeichnet werden kann. Die Entscheidungen, die wir in diesem Zusammenhang treffen, sind so stark von den Einstellungen, Ansprüchen, Sorgen und Ideologien anderer, ja, letztlich auch von einem so eklatanten Mangel an Wissen geprägt, dass ein sinnvoller Entscheidungsprozess und damit auch echte Selbstbestimmung nur selten gegeben sind.

In den letzten Jahren hat die Berichterstattung über die Pille wieder zugenommen. Ganz besonders die neueren Präparate der sogenannten dritten und vierten Pillengeneration haben Schlagzeilen gemacht, nachdem es im Zusammenhang mit den darin enthaltenen Gestagenen immer wieder zu teilweise tödlichen Thrombosen und Embolien, insbesondere auch bei sehr jungen Frauen, kam. Die Klage einer jungen Frau, die das von Bayer vertriebene Präparat Yasminelle einnahm und eine Thrombose nur knapp und mit erheblichen Folgeschäden überlebte, hat die Debatte bereits im Jahr 2015 neu entfacht.

Wie sicher sind die neueren Präparate, die ganz besonders jungen Mädchen als »sanft«, niedrig dosiert und »von weniger Nebenwirkungen begleitet« verschrieben werden, wirklich? Auch die Techniker Krankenkasse zeigte sich alarmiert. In ihrem Pillenreport stellte sie im Jahr 2015 fest, dass die Mehrheit junger, gesunder Mädchen von ihren Frauenärzten ebenjene Pillen verschrieben bekommen, von denen Studien gezeigt haben, dass sie das Thrombose- und Embolierisiko gegenüber älteren Präparaten um das bis zu Dreifache steigern. Wie kommt eine solche Verordnungspraxis zustande? Auch dieser Frage soll in einem der folgenden Kapitel nachgegangen werden.

Die Forschung zu jenen Effekten, die unter Umständen nicht sofort als negativ wahrgenommen werden und dennoch einen entscheidenden Einfluss auf unser Leben haben, findet indes seltener, aber doch immer mal wieder Eingang in die Berichterstattung. Das Phänomen des herabgesetzten Testosteronspiegels begegnet uns dort ebenso wie Libidoverlust und negative Einflüsse hormoneller Verhütung auf die seelische Verfassung der Anwenderin, meistens geben aktuelle wissenschaftliche Studien den Anstoß. Um herauszufinden, was es damit auf sich hat, habe ich in den vergangenen Monaten medizinische Studien und Fachartikel gelesen und mit Wissenschaftlern gesprochen. Einer von ihnen, Prof. Lobmaier, der am Institut für Psychologie der Universität Bern in den Bereichen Kognitive Psychologie und Wahrnehmung forscht, betont in unserem Gespräch, dass es höchste Zeit sei, dass sich Wissenschaft und Patientinnen nicht nur auf die medizinischen Haupt- und Nebenwirkungen der Pille besinnen, sondern auch auf die potenziellen psychologischen Effekte. Dieser Prozess komme langsam in Gang, aber nicht so schnell und gründlich, wie es wünschenswert wäre. So sollten mögliche Effekte auf die Psyche eigentlich auch im Zusammenhang mit der Zulassung eine Rolle spielen. Auch empfindet er es als paradox, dass die Pille seit Jahrzehnten als das Symbol der sexuellen Befreiung der Frau gesehen werde, da man den Zyklus der Frau de facto unterdrücke. Auch aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich dem nur zustimmen, denn mit dieser Unterdrückung des weiblichen Zyklus können auch die Wellen des weiblichen Begehrens flacher werden, die hormonellen Hochs ebenso verschwinden wie die Tiefs. Nach sexueller Selbstbestimmung fühlt sich das nicht an.

Im folgenden Kapitel werde ich zunächst einen genaueren Blick auf die Funktion von Sexualhormonen im menschlichen Körper werfen, den weiblichen Zyklus sowie den Wirkmechanismus der Pille erläutern, bevor ich einige aktuelle Studien diskutiere, die sich mit den negativen Effekten der Pille auf Libido und Wohlbefinden der Anwenderinnen auseinandergesetzt haben. Als uneingeschränkt harmlos – so viel sei vorweggenommen – kann man hormonelle Verhütung jedenfalls nicht bezeichnen.

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