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Frei Reden - Friedvoll Leben

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Hilde Alegría Schillert

Frei Reden - Friedvoll Leben

Ein Weg zu Authentizität, Charisma und Beziehungsfähigkeit

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© 2017 Hilde Alegría Schillert

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:978-3-7345-8937-9
Hardcover:978-3-7345-8938-6
e-Book:978-3-7345-8939-3

Cover und Design Friederike Stegemann

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhalt

Vorwort

Wie das Buch zu gebrauchen ist

Einleitung

1. Der systemische Blick - die Komplexität des Menschen

1.1 Unser Körper

1.2 Unsere Psyche

1.3 Unsere verinnerlichte Sozialisation

1.4 Werte und Grundbedürfnisse - Ihr Zusammenhang

1.5. Bedürfnisse und Werte, die alle Menschen teilen

2. Emotionen und Gefühle

2.1 Grundemotionen und ihre differenzierten Ausdrucksweisen

2.2 Gefühle, Emotionen und Interpretationen

3. Die Weisheit deines Körpers

4. Zugehörigkeit und die Beziehung zu dir selbst

4.1 Die erste Grundlage der Beziehung zu Dir selbst

4.2 Hineingeborene und gewählte Zugehörigkeiten

4.3 Verstrickungen und Blockaden, die Entwicklung hemmen

5. Die Macht unserer Überzeugungen

5.1. Glaubenssätze erkennen

5.2. Das Werte- und Entwicklungsquadrat - ein Weg in die Balance

6. Sich selbst ein guter Freund sein

7. Die innerseelische Konfliktverarbeitung

7.1. Konflikte als Ausdruck unterschiedlicher Interessen

7.2. Das Konzept von Übertragung und Gegenübertragung

7.3. Die innerseelische Konfliktbewältigung als erster Schritt

7.4 Prozess eines Konfliktes:

8. Die Qualität der Beziehung gibt die Erlaubnis zum Handeln

8.1. Die vier Seiten einer verbalen Botschaft

8.2. Das Beziehungsohr

9. Maßvolles Reagieren in einer Konfliktsituation

9.1. Durch Dissoziieren zur Selbstempathie

10. Die Gewaltfreie Kommunikation nach M. Rosenberg

10.1. Wolfsprache und Giraffensprache

10.2. Einfühlsame Kommunikation mit der GFK-Methode:

11. Die vier Aspekte der Balance

12. Die Kraft der Vision

12.1. Eine Meditation:

12.2. Bettina, Fritz und Lydia

12.3. Die Macht der inneren Bilder

12.4. Sinnvolle Beharrlichkeit für deine Vision:

12.5. Die Neurologischen Ebenen

13. Spiritualität - die gelebte Vision

13.1. Dein Wissen in dir

13.2. Zugehörigkeit

14.1. Die Kraft positiver Gedanken

13.3. Der Mensch als Spiegel:

14. Anhang

15. Die Autorin

16. Die Mitentwicklerinnen des FFL-Trainings

16.1. Anke Breitlauch

16.2. Susanne Ehmann,

17. Literaturverzeichnis

18. Tabellenverzeichnis

19. Danksagung

Reflektiere dein Prozess:

Vorwort

Als über Jahrzehnte tätige Journalistin gibt es wenige Bereiche, über die ich noch nie geschrieben habe. Aber ein Vorwort zu einem wichtigen Buch, das war noch nicht dabei. Umso mehr empfinde ich es als eine besondere Wertschätzung, mich zu der Autorin Hilde Alegría Schillert und den Inhalten Ihres Buches äußern zu dürfen.

Hilde Alegría Schillert gehört seit nahezu 20 Jahren zu meinen Wegbegleitern. Mit ihrem umfassenden Wissen, therapeutischen Können und tief greifendem Einfühlungsvermögen hat sie nachhaltige Veränderungsprozesse in mir bewirkt. Und dies aus ihrem tiefen Glauben heraus, dass jeder Mensch einem Berg gleicht voll mit Edelsteinen, die es gilt, ans Licht zu fördern und in Aktion zu bringen: Zur Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls, zur friedvollen Kommunikation mit anderen, als Strategie zur Lösung von Konflikten, als Weg zu Erfolg und Erfüllung und in Folge auch als Beitrag zu einem besseren gesellschaftlichen Miteinander. Begeisterung, einen neuen roten - und vor allem praxisorientierten - Faden zu spinnen – angefangen von den Erkenntnissen, die sie durch das Studium prägender Therapeuten wie Carl Rogers, Alfred Adler und Virginia Satir gewonnen hat. Weitergehend über Kommunikationsmethoden aus dem Neurolinguistischen Programmieren nach John Grinder und Richard Bandler und ihrem weitreichenden Erfahrungen mit systemischen Strukturaufstellungen bis hin zu ihrer Auseinandersetzung mit dem Paar- und Sexualtherapeuten David Schnarch und der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Grundlagen, die auch meinen eigenen Werdegang beschreiben und Motivation waren, das Seminar „Frei reden – friedvoll leben“ gemeinsam mit Hilde Alegría Schillert zu entwickeln.

Maßgeblich gab letztlich der Psychologe Rosenberg die Initialzündung, bekannte therapeutische Wege zu einer neuen Form von Glasperlenspiel zusammenzufügen, bei dem die Bewegung einer einzigen Perle ein ganzes System - das eigene Leben und Erleben - in Schwung zu bringen vermag. Und doch, all dies würde noch nicht den Enthusiasmus erklären, mit dem dieses Buch geschrieben worden ist. Was unbedingt dazukommen musste, war der direkte Bezug zur Praxis. Mithin der Nutzen bei tatsächlichen und alltäglichen Schwierigkeiten und Problemen, mit denen sich Menschen bewusst oder unbewusst plagen. Ihnen zeigt Hilde Alegría Schillert Schritt für Schritt und Beispiel für Beispiel konkret Wege auf, neue Blickwinkel zu wagen, sich liebevoll selbst zu reflektieren und mutig Verhaltensweisen zu modifizieren oder gar resolut zu verändern.

Die Basis dafür liefert Hilde Alegría Schillert mit einer klar strukturierten Methode zum Selbstcoaching. Ein Handwerkzeug für jene Situationen im Leben, in denen eine Herausforderung ansteht und damit die Chance, im persönlichen Wachstumsprozess den nächsten Schritt zu tun. Dies wiederum mit dem Ziel, die in einem schlummernden Qualitäten und Stärken zu wecken, Erfolg zu kreieren, in Balance mit sich zu kommen, gesund zu bleiben, Glück zu erleben und friedvoll mit all jenen zu agieren und zu kommunizieren, denen wir uns zugehörig fühlen.

Hilde Alegría Schillert ist mit "Frei Reden - Friedvoll Leben" (FFL) und dem in diesem Buch beschriebenen Weg ein ermutigender Fortschritt zu mehr Lebensqualität gelungen. Ich sag dies aus eigener Erfahrung.

Anke Breitlauch

 

Wie das Buch zu gebrauchen ist

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Dieses Symbol symbolisiert den im Buch beschriebenen Charakter von "Bettina". Wenn Sie dieses Bild sehen, dann wird Bettina und ihr Prozess im Training beschrieben.

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Dieses Symbol symbolisiert den im Buch beschriebenen Charakter von "Julia". Wenn Sie dieses Bild sehen, dann wird der Prozess von Julia beschrieben

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Dieses Symbol symbolisiert den im Buch beschriebenen Charakter von "Fritz". Wenn Sie dieses Bild sehen, dann wird der Prozess von Fritz beschrieben

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Symbol für Denkaufgabe

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Symbol für Reflexion

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Symbol für Schreibaufgabe

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Symbol für eine Meditation

Einleitung

Bettina, Fritz und Lydia haben sich aufgemacht, am Frei-Reden-Friedvoll-Leben-Training teilzunehmen. Sie stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen und erhoffen sich, durch das Training eine größere Kommunikations- und Beziehungskompetenz zu erlangen.

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Bettinas Herausforderung: Einen konstruktiven Umgang mit Kritik zu finden

Bettina ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat erwachsene Kinder.

Sie ist Business-Coach und Trainerin. Nach längerer Selbständigkeit hat sie eine Stelle in einem Unternehmen angenommen, in dem sie u.a. für die Schulung des Personals, für ihre Betreuung und für externe zertifizierte Weiterbildungsmaßnahmen zuständig ist. Personalführung und Coaching machen ihr sehr viel Spaß. Sie konnte bereits auf einen Zeitraum von drei Jahren zurückblicken, in dem sie das Vertrauen ihrer Vorgesetzten genoss und selbständig die Weiterbildungen konzipieren und ausführen konnte. Nun hat ihre Vorgesetzte sich aus Krankheitsgründen zurückgezogen. Mit dem neuen Chef ist sie noch nicht vertraut, und die ersten Herausforderungen an ihre eigene Kommunikationskompetenz und Lösungsbereitschaft zeigen sich.

Zum Ende der letzten Weiterbildungsmaßnahme mit Zertifizierung in Kommunikation und Verkauf ist ihr neuer Chef anwesend.

Die Mitarbeiter haben sich - gemäß Bettinas Werten - wertschätzend an die Kunden gewandt, sie in ihren Wünschen abgeholt und ihnen die Produkte vorgestellt, die ihren Wünschen entsprechen könnten. Dabei haben sie die Kunden weder bedrängt, noch zu schnell abgefertigt, sondern gaben ihnen den Freiraum, sich den Gewinn bewusst zu machen.

Bettina gratuliert den Teilnehmern und Teilnehmerinnen für die wertschätzende und respektvolle Haltung. Das Feedback des Chefs danach ist jedoch eher kritisch - und wie Bettina empfindet, entmutigend. Die Kunden werden sich gewiss nichts kaufen bei dieser allgemein unverbindlichen Form.

Ein paar Tage nach der Prüfung sendet der Chef Bettina eine E-Mail:

"Im Nachklang zum Prüfungsablauf würde ich gern bei Gelegenheit mit Ihnen sprechen. Der Prüfungscharakter war mir nicht ausgeprägt genug … "

Bettina fühlt sich in dieser Situation angespannt und in ihrer Kompetenz gefordert. Sie spürt gleichzeitig, dass sie die Reaktion des Chefs als Kritik aufnimmt und einen wunden Punkt in ihr trifft. Sie weiß, dass sie das Gespräch mit ihm suchen muss. Doch sie fühlt sich noch nicht vorbereitet und selbstsicher genug. Für die nächsten Monate ist der Chef ausgebucht.

Bettina hofft, diese Zeit im FFL-Training zur inneren Stärkung zu nutzen.

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Fritz Herausforderung "bei sich zu bleiben"

Fritz hat seit einem Jahr eine neue Lebensgefährtin, Melanie. Melanie ist Witwe und hat sich viel Zeit für Trauer und Abschied genommen. Durch Melanie motiviert, ist Fritz dabei, seine bisherigen Beziehungsmuster zu überdenken. Er hat sich vor einigen Jahren scheiden lassen. Seine Tochter aus dieser Ehe ist erwachsen. Sie sehen sich eher selten. Auf dem Weg zu sich selbst hat er das FFL-Training gewählt, außerdem unterstützt er diesen Prozess durch einige therapeutische Gespräche. Seine momentane Herausforderung sind die Reaktionen von Melanies Sohn, Sascha. Sascha, der in der Anliegerwohnung mit Freundin zusammenlebt, verhält sich abweisend. Fritz' Versuche, sich väterlich einzubringen, stoßen bei Sascha auf Granit. Fritz fällt es schwer, die Abweisung und Verletzung richtig wahrzunehmen. Er merkt nur eine tiefe Unruhe, die er gleich mit anderen Aktionen kompensieren will. Er sucht nach Aufgaben, um Melanie glücklich zu machen, nach Witzen, um sie zum Lachen zu bringen. Dabei flattert in ihm ein flaues Gefühl von "ich bin irgendwie nicht richtig", dem er gerne ausweichen möchte. In solchen Situationen fühlt er sich Melanie fremd und wird eifersüchtig auf ihren Exmann und ihre Kinder. Diesem Thema möchte er sich stellen.

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Lydias Herausforderung: Ihr Weg in die eigene Stärkung

Lydia ist seit sieben Jahren verheiratet. Mit ihrem Mann zusammen haben sie eine Tochter, Luna, drei Jahre alt. Lydia ist hin und her gerissen von dem Wunsch, eine gute Mutter zu sein, Zeit für ihren Beruf zu haben und mit ihrem Mann gemeinsame Zeit zu verbringen und eine erfüllte Sexualität zu erleben. In ihrer Überforderung, alle ihre Aufgaben auf die Reihe zu bringen, fällt sie oft weinend in sich zusammen. Sie ist in solchen Momenten wie aufgelöst, und ihr Mann schafft es nicht, sie zu beruhigen. Später versteht sie diese Zusammenbrüche selbst nicht. Nach außen wirkt sie so taff, so stark. Sie managt alles. Ihr Mann kann immer schlechter mit solchen Zusammenbrüchen umgehen und weicht dem aus. Er kommt sehr spät nach Hause, geht oft nachts spazieren, um sich zu klären und zieht sich immer mehr in sich zurück. Die Situation strahlt wieder auf die Tochter, die ebenfalls viel weint und sich nicht von der Mutter trennen will.

Sie entscheiden sich für eine räumliche Trennung, in der beide überlegen wollen, welche Basis sie für ein gemeinsames Leben haben. Gleichzeitig nehmen sie Hilfe von einem Paartherapeuten und nutzen die Trennungszeit zur persönlichen und gemeinsamen Reflexion. Lydia bittet ihre Eltern um mehr Unterstützung und Entlastung und beginnt ihren Weg der Reifung. Nach einem dreiviertel Jahr entschließen sie sich, wieder zusammen zu ziehen. Dieses Mal in die Nähe ihrer Eltern. Paul ist als Monteur viel unterwegs, doch versucht er, seine Zeit zu Hause für die Familie so gut er kann zu nutzen.

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Kennst Du ähnliche Situationen in deinem Leben?

Was ist Deine momentane Herausforderung?

Ob es sich um Konflikte mit dem Partner handelt, mit Freunden, Nachbarn, Kollegen oder Chef: Du bist nur so frei und friedvoll in deiner Kommunikation, wie du frei und friedvoll mit dir selbst kommunizierst.

In diesem Buch vertrete ich die Überzeugungen, dass

dein Körper mit dir kommuniziert.

deine Gefühle und Symptome der Ausdruck von erfüllten oder nicht erfüllten Bedürfnissen sind.

Emotionen, wie Freude, Wut, Trauer, Angst dich ins Handeln bringen.

du dein Handeln mit deinen Erfahrungen und Wissen koppeln kannst, anstatt impulsiv zu reagieren, wenn du die dahinterliegenden Werte und Bedürfnisse verstehst.

deine Urteile über dich und andere dich einschränken können oder dein Potential leben lassen, je nach dem, was du von dir und den anderen hältst.

eine Kritik dich nur trifft, wenn sie deine eigene Kritik an dich wiederspiegelt

ein stabiles Selbst und sinnvolle Beharrlichkeit dann möglich sind, wenn du in deinem Handeln einen Sinn erkennst, den du auch verwirklichen willst.

Dieses Buch soll dich in einem Training begleiten, dass deine Freundschaft und gute Bindung zu dir fördert, die interne Kommunikation intensiviert und dir ermöglicht, frei und friedvoll nach außen zu treten.

Auf geht's!

" Es ist [...] ein Leben lang möglich, sich weiterzuentwickeln, über sich hinauszuwachsen" Gerald Hüther1

"Wenn wir unseren Blick auf die Dinge verändern, dann verändern sich auch die Dinge, auf die wir blicken."2

1. Der systemische Blick - die Komplexität des Menschen

Die oben erwähnten Personen und ihre Situationen sind Beispiele von vielen, die wir alle auf die eine oder andere Weise erleben.

Inmitten eines Konfliktes reagiert unser Körper mit Symptomen und Gefühlen, die wir nicht immer gleich einer Emotion zuordnen können.

Wodurch spürt Bettina, dass die Kritik des Chefs sie tief trifft?

Wenn sie sich an die Prüfungssituation und an die Bemerkungen des Chefs erinnert, fühlt sie ein Unwohlsein im Magen. Beim Gedanken an seine E-Mail kommen noch Herzklopfen und eine unangenehme aufsteigende Hitze hinzu.

Während Bettina in sich hinein spürt, verbindet sie diese Körpersymptome mit "Druck". Sie fühlt sich unter Druck gestellt, und es wird ihr bewusst, wie hoch ihre Ansprüche an ihre Leistungen sind.

Am liebsten will sie allen Anforderungen genügen. Sie hat Angst, zu versagen. Sie fürchtet insgeheim, ausgeschlossen zu werden und sehnt sich nach Anerkennung und Zugehörigkeit.

Ihr wird eine Überzeugung bewusst, die hier gut wirkt: "Wenn ich viel leiste und sehr gut bin, beweise ich, dass ich gleichwertig bin und darf dann dazu gehören.

Sie vermisst beim Feedback des Chefs Empathie, Wertschätzung und Respekt.

Das enttäuscht und verunsichert sie.

Am Beispiel von Bettina können wir nachvollziehen, dass wir mit drei Komponenten in uns reagieren:

unserem Körper

unserer Psyche

unseren Werten und Überzeugungen: verinnerlichte Sozialisation

Diese drei Komponenten bilden gemeinsam das, was wir als Mensch erleben, wie wir uns selbst erleben:

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Die drei Komponenten näher betrachtet:

Für sich genommen, ist jede Komponente eine in sich abgeschlossene Einheit3. Sie bildet, erneuert und hält die Strukturen am Leben, die sie für ihr Fortbestehen braucht. Voraussetzung ist eine Umwelt, die diejenigen Bedingungen liefert, die diese Einheit als "Nahrung" braucht. Diese Aussage will ich im Folgenden näher erläutern:

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1.1 Unser Körper

Unser Körper, der durch sein Knochengerüst und seine Muskulatur aufrecht und in Bewegung gehalten wird, funktioniert durch die Organe, Blutbahnen und Nerven in wundersam fein abgestimmter Weise. Zentralstelle der Koordination und Funktion ist unser Gehirn.

Der Körper gilt als abgeschlossene Einheit4, da er selber die Zellen erneuert und die Funktion aufrechthält, die er zum Leben braucht. Voraussetzung dafür ist eine relevante, also wichtige Umwelt, von der er Nahrung, Wärme und Schutz erhält. Die Qualität der Nahrung bestimmt zu einem gewissen Anteil die Funktionalität und Gesundheit des Körpers. Die Reaktion auf die Nahrung und Umweltbedingung ist jedoch unterschiedlich und nicht immer vorhersagbar.

Auf welche Weise er weiterhin die Blutkörper erneuert, die Herztätigkeit fortsetzt etc., kann die Umwelt nur bedingt bestimmen. Dies bleibt dem Körper, z.B. seiner Konstitution, dem Grad seiner Gesundheit, seiner genetischen Veranlagung überlassen.

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1.2 Unsere Psyche

Mit dem Begriff, Psyche, fassen wir hier alle emotionalen Regungen, die uns zu einer Handlung veranlassen, wie Freude, Ärger, Wut, Trauer, Angst, Ekel, zusammen.

Freude bewirkt, dass wir uns nach außen öffnen, uns auf die anderen Menschen oder auf ein bestimmtes Ziel hin bewegen.

Ärger bewirkt, dass wir uns der Umwelt gegenüber abgrenzen, unseren Unwillen, unsere Verletzung zeigen. Je nach dem Grad wird Ärger zur Wut oder zum Zorn. Ohne Kontrolle über unsere Emotion sind wir sogar fähig anzugreifen.

Angst bewirkt, dass wir uns vor den angsteinflößenden Umständen, bzw. Personen zurückziehen.

Zu viel Angst kann uns Handlungsfreiheit nehmen.5

Trauer ist ein ungemein wichtiger Prozess zur Anpassung an unabänderliche Situationen. Ohne Trauer und ohne Tränen kann das Gehirn keine Lösungen finden, die für den Menschen in der jeweiligen Situation hilfreich wären.6

Wenn wir auf die Psyche alleine schauen, dann haben die Emotionen nichts mit dem Blutkreislauf zu tun, mit der Erneuerung der Zellen, mit der Verdauung der Nahrung. Wir wissen jedoch, dass jede starke Emotion die "biologischen" Funktionen der Organe beeinflusst.

Unsere Psyche reagiert auf äußere Erlebnisse und auf im Gehirn gespeicherte Informationen, die in Form von inneren Bildern, Sätzen, erinnerten Körperwahrnehmungen und Emotionen abrufbar sind.

Wie jedoch jeder einzelne Mensch auf ein äußeres Ereignis reagiert, ob nun ein Satz, eine Handlung eines Gegenübers eine starke Emotion auslöst oder überhaupt nicht, kann dein Gegenüber nur in einem kleinen Maße beeinflussen. Deshalb nennt man in der systemischen Betrachtungsweise die Psyche auch "autopoetisch", also in sich abgeschlossen. Sie hält im Grunde die inneren Bilder, Sätze und Gefühle aufrecht, die dann die Emotion erzeugt und zur Handlung bringt.7

 

1.3 Unsere verinnerlichte Sozialisation

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Im Laufe unserer Erziehung haben wir Überzeugungen über die Welt, die Menschen und über uns selbst gebildet. Unsere Vorbilder waren unsere ersten Erzieher (Eltern, Großeltern, erste Lehrer). Ihre Art, mit uns in Beziehung zu treten, auf unsere Bedürfnisse einzugehen, und ihr Vorbild im Umgang mit den anderen Mitmenschen, haben uns geformt.

Das Land, die Sprache, Kultur und Religion, all diese Faktoren haben unser Denken, unsere Vorstellungswelt, unsere körperliche Ausdrucksweise, unsere Art zu sprechen, unsere Art Emotionen zu zeigen oder nicht zu zeigen, geprägt.

Wie jedoch jeder von uns diese Erfahrungen für sich interpretiert, aus Erinnerungen8 Schlüsse zieht und entsprechend handelt, ist wiederum "autopoetisch". Jeder von uns macht aus dem reichen vorgegebenen Material etwas ganz eigenes.

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Bettina merkt beim Nachdenken über ihre Situation, dass sie die wirklichen Erwartungen ihres neuen Chefs nicht kennt. Sie zermartert sich jetzt schon den Kopf, ohne seine Argumente und Wünsche zu kennen. Eine Erinnerung aus ihrer Schulzeit taucht auf:

Ein Lehrer will die Aufmerksamkeit und Beobachtungsgabe der Kinder schulen und hat ihnen ein Handspiel vorgemacht: Finger zählen an der Hand. Die Kinder sind ganz konzentriert zu beobachten, wie der Lehrer die Finger zählt: Er fängt beim kleinen Finger an und landet beim Daumen. Dabei zählt er auch noch rhythmisch. Bettina zählt an den Fingern, immer und immer wieder. Während die anderen Kindern nacheinander vom Lehrer ein Lob bekommen und sich setzen dürfen, weil sie die Aufgabe geschafft haben, bleibt Bettina entmutigt stehen: Was hat sie übersehen? Der Lehrer macht es ihr nochmals und nochmals vor. Am Schluss faltet er die Hände und legt sie auf seinen Schoß. Bettina zählt wieder, vom kleinen Finger zum Daumen, rhythmisch. Am Schluss faltet auch sie gedankenverloren die Hände. Der Lehrer lacht und zeigt seine Freude. Bettina merkt seine Erleichterung. Sie hat es endlich geschafft: Finger zählen und Hände falten.

Noch im Nachhinein fühlt Bettina die Mühe, den Frust und die Angst, nicht dazu zu gehören, abgelehnt zu werden. Was für eine Erleichterung am Schluss, und was für eine Mühe!

Im Beispiel von Bettina hätte ein Schulkamerad vielleicht das Erlebnis mit dem Zählen ganz anders interpretiert. Vielleicht hätte er den Lehrer lustig und sich selbst schlau gefunden. Vielleicht hätte er oder sie das Ereignis als so unwichtig erlebt, dass er es ganz vergessen hätte.

Wir bilden uns auf Grund von Erziehung und Erfahrung Überzeugungen. Überzeugungen sind Aussagen über die Welt, die uns im Handeln Orientierung geben. Diese Überzeugungen unterstützen, bilden die Grundlage unserer wichtigen Werte. Sie beeinflussen die Art, wie wir mit Menschen in Beziehung treten. Überzeugungen sind kodierte Erfahrungen, die wir als Kind, als Schüler und Jugendlicher gemacht haben und meist in "Erinnerungen" mit uns tragen.

In Bettinas Fall hat sie mit ihrer Erinnerung verinnerlicht: Ich muss mich immer sehr anstrengen, um dazu zu gehören und Erfolg zu haben.

Es gibt auch Überzeugungen, die sich so tief in uns festsetzen, dass wir keine dazugehörende Erinnerung haben. Sie wirken nur in unserem Handeln. Stellen wir unser Handeln in Frage, dann würden Sätze kommen, wie:

"Ich muss immer ordentlich sein", oder "Ich darf keine Fehler machen". Die dazugehörende Grunderfahrung fehlt. Es kann sein, dass solche Grunderfahrungen bereits in einem Alter geschahen, wo das Kind noch keine Sprache hatte. Die Überzeugung kann auch die Summe von vielen Erfahrungen sein, die zur Regel im Leben wurde.

Die Folge solcher festsitzenden Überzeugungen ist, dass man diesem inneren Kommando Folge leistet ohne es in Frage zu stellen.

Bettinas inneren Überzeugungen, die ihren psychischen Zustand aufrechthalten scheinen zu sein: Ich muss perfekt sein, sonst gehöre ich nicht dazu. Das klingt nach Anstrengung und einem kaum zu erreichbarem Ziel.

Obwohl nun, wie dargelegt, jede Komponente: Körper-Psyche und verinnerlichte Sozialisation für sich betrachtet werden kann, so hängen sie völlig voneinander ab, sie reagieren aufeinander und ihr Wirken zielt auf den ganzen Menschen.

In ihrem Erlebnis mit dem Chef, vermischt Bettina innerlich kodierte Bilder von dem Lehrer. Bettina überlappt unbewusst die Bilder von Lehrer und Chef. Auf der Grundlage ihrer Werte, ihrer Überzeugungen, alten Bilder und Gefühle regen sich Emotionen, die sie zunächst als Körpersymptome erfühlt. Ihr Körper reagiert "somatisch".

Die Symptome veranlassen sie, sich mit sich selbst zu beschäftigen und über die Vorfälle nachzudenken. Dabei reflektiert sie als gesamter Mensch innerhalb eines bestimmten Wirkungskreises.

 

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Kennst du Beispiele aus deinem Leben?

Denke

a) an eine Erkrankung, die du gehabt hast;

b) an einen Erfolg, den du erlebt hast.

Wie hat sich die Situation auf deine Psyche ausgewirkt?

Wie hast du die Situation innerlich kommentiert, bewertet?

Wie hat dein Körper reagiert?

Welche Emotion hast du gehabt?

Wie hat sich das Erlebte auf deine Beziehungen ausgewirkt?

 

1.4 Werte und Grundbedürfnisse - Ihr Zusammenhang

Bedürfnisse

Sie beschreiben notwendige physische oder emotionale Wünsche, von deren Erfüllung unser Leben, unser Wohlergehen abhängt. Bedürfnisse sind physisch spürbar. Sie lösen Emotionen aus, wenn wir einen Mangel verspüren oder befürchten, dass sich ein Mangel einstellen könnte.

Die Erfüllung von Bedürfnissen ermöglichen jedem Menschen Leben, Entwicklung, Individualisierung, Entfaltung und lösen Emotionen aus, die alle unter die Kategorie von Freude einzuordnen sind, wie Zufriedenheit, Entspannung, Gelöstheit, Humor etc.. Wenn Bedürfnisse nicht erfüllt werden oder der Mensch bedroht ist, Bedürfnisse wie Schutz, Wärme, Nahrung, Geborgenheit, Zuwendung, Anerkennung zu verlieren, werden Emotionen ausgelöst, die unter die Kategorie von Wut, Angst, Trauer fallen.

Wir neigen auch dazu, manche Wünsche auf vergängliche Güter, wie ein neues Auto, eine neue Einrichtung, Partys, Alkohol, spannende Serien als Bedürfnisse zu bezeichnen. Wir verspüren den Drang, uns diese Güter zu besorgen und erleben, dass sie unser inneres Mangelgefühl nicht befriedigen. Hier handelt es sich um Ersatzbefriedigungen, die einen Mangel verdecken, den es aufzuspüren gilt.

Werte

Werte sind Orientierungsmaßstäbe für menschliches Handeln, sei es als Einzelner, als Teil einer Gruppe, einer Nation, einer Kultur, einer Religionsgemeinschaft.

Werte drücken aus, was für den Einzelnen erstrebenswert und daher wichtig und wertvoll ist, was gegeben sein muss, sollte, um mit sich und seiner Umgebung in Einklang und glücklich zu sein.

Es gibt von allen Menschen geteilte Werte, wie Sicherheit und Geborgenheit und solche, die sich durch Kultur, Weltanschauung und Religionszugehörigkeit unterscheiden. Hier können wir an den Wert der Gleichheit aller Menschen denken, an die Gleichwertigkeit von Mann und Frau, an das Recht an Bildung für alle.

Unterschiedliche Kulturen geben Werten auch unterschiedliche Prioritäten, wie Pünktlichkeit versus Genießen, Zugehörigkeit versus Individualität, Höflichkeit versus Klarheit. 9

Jeder Mensch strebt bewusst und unbewusst danach, die ihm wichtigen Werte zu leben. Sie motivieren zum Handeln.10

Bedürfnisse hingegen werden vom Körper signalisiert, wir erleben einen Mangel, und alles in uns drängt danach, diesen Mangel auszugleichen: "Ich habe das Bedürfnis, dich zu umarmen." „Ich habe das Bedürfnis zu schlafen, zu essen, mich auszuruhen, Sexualität zu haben, mich vor dem Kamin zu entspannen, eine gute Mahlzeit einzunehmen."

Werte bleiben erst einmal abstrakt, wir können immer nach ihnen streben wie Harmonie, Liebe, Selbstverwirklichung, Wertschätzung, Zugehörigkeit. Wie Werte im persönlichen Handeln zum Ausdruck kommen, kann unterschiedlich sein. So kann sich für einen Menschen Harmonie darin verwirklichen, dass man einer Meinung ist und ...

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