Logo weiterlesen.de
Free my heart

Über die Autorin:

Veronica More ist in München geboren und aufgewachsen. Nach vielen turbulenten Jahren kehrte sie der Großstadt den Rücken und erfüllte sich mit ihrer Familie den Traum vom einsamen Haus am Waldrand. Wenn sie nicht gerade schreibt oder unzählige Bücher verschlingt, powert sie sich am liebsten am Schlagzeug aus oder verbringt ihre Freizeit mit ihrer Familie und den Hunden in der Natur.

Für meinen Mann, der stets
meine Seele berührt und
meinem Herzen Flügel verleiht.

Lexy

Veränderung. Ein kleines Wort, das so viele gegensätzliche Emotionen in mir auslöst. Von Neugier über Vorfreude bis hin zu Angst – all diese Gefühle kämpfen gleichzeitig in meinem Kopf um die Führung. Oma hat immer gesagt:

Das Einzige, das im Leben wirklich sicher ist, ist die Veränderung. Akzeptierst du das, hast du den Schlüssel zum Glück in der Hand.

Leider hat sie vergessen zu erwähnen, dass die Veränderung manchmal schwierig zu akzeptieren ist. Vor allem, wenn sie dein Leben von heute auf morgen völlig auf den Kopf stellt.

»Lass dich nicht so hängen, Lexy. Warte doch erst mal ab. Du wirst sehen, es wird toll werden!«, ruft Mum und reißt mich damit aus den Gedanken. Sie schenkt mir eines ihrer typischen Aufmunterungslächeln und wendet den Kopf wieder nach vorne zu Dad, der ihr zärtlich eine Hand auf den Oberschenkel legt. Trotzig verdrehe ich die Augen und beobachte weiter die vorbeirauschenden Bäume.

Vor über einer halben Stunde haben wir die Autobahn verlassen und fahren seither quer durch die Pampa. Ab und zu führt uns der Weg durch kleine Dörfer mit maximal zehn Häusern. Menschen habe ich bisher kaum gesehen. Ist ja auch klar. Wer will in dieser Einöde schon wohnen?

Ich schließe die Augen und seufze frustriert. Nicht zu fassen, dass meine Eltern diesen Umzug tatsächlich durchziehen.

Als sie mir ihre Umzugspläne mitteilten, hörte sich das Ganze erst mal gar nicht so schlecht an. Unsere Wohnung in München war klein und hatte nicht mal einen Balkon, es hätte durchaus besser werden können – aber der Bayerische Wald? Ich meine, geht’s überhaupt noch weiter weg von der Zivilisation? Verärgert schnaube ich. Mein ganzes Leben haben wir in München gewohnt. Ich liebe die Stadt mit ihrer Altstadt und dem Getümmel, wenn die Touristen beim Glockenspiel vor dem Rathaus stehen.

Meine beste Freundin Kathi war genauso schockiert wie ich. Wir wollten die letzten beiden Schuljahre noch mal ausnutzen und keine Party auslassen. Doch daraus wird jetzt nichts mehr. Bis ich in zwei Jahren mein Abi habe und mir eine eigene Wohnung in München leisten kann, kann ich mir auch jede weitere Diskussion sparen.

Bei dem Gedanken an die Schule zieht sich mein Magen zusammen. Fremde Umgebung, fremde Lehrer und für alle anfangs nur ›die Neue‹ sein.

Musst du dann jeden Tag im Dirndl zur Schule gehen?

Kathis Lachanfall ist mir noch gut im Gedächtnis. Damals habe ich mitgelacht. Aber kaum war ich wieder zu Hause, hing ich schon panisch an meinem Laptop. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass das neue Gymnasium gar nicht so schlecht zu sein scheint. Immerhin bietet die Schule viele Zusatzkurse an, darunter auch Fotografie.

Bei dem Gedanken hole ich mein Handy aus dem Rucksack und setze mir eine Erinnerung im Kalender. Auf keinen Fall darf ich die Anmeldefrist für die Fotografie-AG verpassen. So kann ich die Zeit hier wenigstens mit etwas totschlagen, was ich schon immer gern getan habe.

»Fahren Sie in den Kreisverkehr und nehmen Sie die zweite Ausfahrt.«

Neugierig schiele ich nach vorne auf den Bildschirm des Navis. Noch fünf Kilometer bis zum Zielort.

»Jetzt haben wir es gleich geschafft. Jack ist sicher auch froh, wenn er endlich aus dem Auto darf«, sagt Dad. Um seine Worte zu bestätigen, bellt Jack aufgeregt neben mir aus seiner Transportbox.

Für ihn ist der Umzug wie ein Sechser im Lotto. Ein zweijähriger Jack Russell Terrier hat eben so viel Power in sich, dass er ständig unter Hochspannung steht. Unseren kleinen Flummi nennt ihn Mum oft liebevoll.

An den Tag und das damit verbundene Glücksgefühl, als der Welpe endlich bei uns einzog, erinnere ich mich immer wieder gern. Selbstverständlich musste ich die volle Verantwortung für Jack übernehmen, was ich bis heute nicht bereue. Er begleitet mich fast überall hin und ich liebe es, mit ihm unterwegs zu sein.

Zärtlich streichle ich Jack durch die Gitterbox an der Schnauze und muss unwillkürlich lächeln. Okay, vielleicht freue ich mich doch ein klitzekleines Bisschen auf die gemeinsamen Spaziergänge in der neuen Umgebung.

»Biegen Sie die in hundert Metern links ab.«

Dass das Navi diese schmalen Teerwege überhaupt im System hat, grenzt an ein Wunder.

Nachdem wir über eine weitere Kuppe gefahren sind, ziehe ich vor Erstaunen die Augenbrauen hoch. Vor uns erstreckt sich eine weitläufige Landschaft aus Wiesen und Feldern, so weit das Auge reicht. In der Ferne tauchen direkt am Waldrand ein paar Häuser auf und die Straße führt direkt darauf zu. Das satte Grün des Grases und das kräftige Gold der Getreidefelder ist so intensiv und faszinierend, dass ich den Blick kaum abwenden kann.

Wow! Das würde sicher ein großartiges Foto ergeben. Den Vorsatz, in den nächsten Tagen mit meiner Kamera noch einmal hierherzukommen, speichere ich schnell im Kopf ab.

Wenig später treffen wir auf die ersten Häuser. Der Wald dahinter reicht bis zu einem kleinen, felsigen Gipfel. Ein metallenes Kreuz steht auf der Spitze und strahlt mir so hell entgegen, als hätte jemand einen riesigen Scheinwerfer darauf gerichtet.

Ich runzele die Stirn. »Ist das Gipfelkreuz immer so krass beleuchtet?«

Mum folgt meinem Blick und lacht. »Es reflektiert nur die Sonne. Sieht schön aus, nicht wahr? Das gäbe bestimmt ein tolles Bild für die erste Ausstellung.«

Trotz meiner anfänglichen schlechten Laune muss ich erneut lächeln. Mum und ich sind uns in dieser Hinsicht ähnlich, nur haben wir unterschiedliche Werkzeuge. Ich meine Spiegelreflexkamera und Mum ihre Pinsel. Sie ist mit Leib und Seele eine Künstlerin und sieht überall eine Inspiration für ihr nächstes Kunstwerk. Hier auf dem Land möchte sie eine eigene kleine Galerie eröffnen. Hoffentlich sind die Menschen in diesem Dorf überhaupt offen für Kunst.

Dad wird sicherlich weniger Probleme haben, schnell Ansehen zu erlangen. Ein guter Tierarzt ist häufig Mangelware auf dem Land. Mit der eigenen Praxis zu Hause erfüllt er sich jetzt seinen Lebenstraum als Landtierarzt. Nur meine Träume stehen zurück.

»Da ist es!«, unterbricht Dad meine Gedanken über die Gerechtigkeit des Lebens und hält vor einem großen, gusseisernen Tor. Über Nachbarn braucht man sich hier auf jeden Fall keine Sorgen machen, unser neues Heim steht direkt am Waldrand.

Mein Vater steigt aus und öffnet die beiden schweren Torflügel. Dabei ächzt und quietscht alles, als hätte es seit Jahren niemand mehr geöffnet. Die lange Einfahrt dahinter erinnert mich an ein Märchen. Sie ist auf beiden Seiten mit wild wuchernden Buchsbäumen und unzähligen Rosensträuchern in den verschiedensten Farben bewachsen. Dornröschen – sag ich doch.

»Lexy, schau doch nur, wie schön es hier ist!«, ruft meine Mutter begeistert und klingt dabei wie ein kleines Kind kurz vor dem Auspacken der Weihnachtsgeschenke. Sie hat recht, auch mir verschlägt es glatt die Sprache.

Auf den wenigen Fotos, die ich mir widerwillig angesehen habe, erschien das Haus viel kleiner und heruntergekommen. Aber mit seinen bordeauxroten Außenwänden und der weißen Umrahmung der Fenster wirkt es sofort einladend und warm. Es gleicht einer Villa. Das würde Kathi gefallen, da bin ich mir sicher.

Als ich ausgestiegen bin, hüpft Jack mit den Vorderpfoten in der Luft aufgeregt an meinen Beinen hoch. Seine Rute wedelt so heftig, dass er fast das Gleichgewicht verliert. Auffordernd bellt er mich an.

Lächelnd beuge ich mich zu ihm hinunter und streichle sanft über seinen Rücken. »Ja, Jack, ich kümmere mich gleich um dich. Ich will nur kurz einen Blick ins Haus werfen, okay?«

Verständnisvoll gibt er noch einen Beller von sich und saust dann zum nächsten Buchsbaum, um ihn intensiv zu beschnüffeln, während ich meinen Eltern zum Haus folge. Über eine weiße Holzveranda erreiche ich die Eingangstür und betrete einen langen Flur mit vielen offen stehenden Türen. Die Umzugsfirma hat gute Arbeit geleistet. Außer den unzähligen Kartons, die noch im Weg herumstehen, haben bereits alle Möbel ihren Platz gefunden.

Staunend betrete ich die Küche, die direkt ins große Wohnzimmer übergeht. Eine deckenhohe Fensterfront neben einem offenen Kamin gibt den Blick auf den hinteren Teil des Gartens und den daran an-schließenden Wald frei. Unzählige bunte Schmetterlinge tanzen über die hohe Blumenwiese und der Wind lässt die kleinen Blätter der Birken am Waldrand erzittern.

Der Anblick ist so faszinierend, dass ich gar nicht bemerke, wie sich mein Vater neben mich stellt.

»Der Ausblick ist atemberaubend, nicht wahr? Jetzt sind wir wirklich nicht mehr in der Stadt«, sagt er und ich spüre, dass er mich dabei ansieht und auf eine Antwort wartet. »Du wirst sehen, wir werden uns hier sehr wohlfühlen. Gib dem Ort einfach eine Chance«, fährt er fort und drückt sanft meine Schulter, als ich stumm bleibe. »Zum Grundstück gehört übrigens noch ein großes Stück Wald. Außerdem ich habe gehört, dass Naturfotografie total angesagt ist.« Aufmunternd zwinkert er mir zu und verlässt das Wohnzimmer durch eine weitere Tür in den Flur.

Ich atme tief aus. Dad kennt mich einfach zu gut. Der Gedanke, mir meine Kamera zu schnappen und ein paar Bilder im Wald zu schießen, sitzt hartnäckig in meinem Kopf. Vorher muss ich aber unbedingt noch mein neues Zimmer begutachten.

*

Außer dem Bad und meinem Zimmer befinden sich drei weitere Räume im ersten Stock. Das Schlafzimmer meiner Eltern, eine Abstellkammer und Mums Atelier. Darüber gibt es nur noch den Dachboden, der über eine Luke in der Holzdecke erreichbar ist.

Wie der Wohnraum ist auch mein Zimmer freundlich und hell. Kaum habe ich es betreten, zieht es mich zu den großen Fenstern. Mein Magen hüpft vor Freude, als ich mich auf die weichen Kissen der extra breiten Fensterbank plumpsen lasse. Davon habe ich schon immer geträumt.

Im Garten klettert gerade ein rotes Eichhörnchen an einer alten Fichte empor, huscht weiter auf einen breiten Ast und springt von dort zum nächsten Baum. Fasziniert beobachte ich, wie flink und trittsicher sich das kleine Tierchen über die Äste bewegt. Vielleicht ist es hier ja doch auszuhalten.

Außerdem habe ich seit unserer Ankunft schon so viele Fotomotive entdeckt, dass ich gar nicht mehr weiß, wo ich anfangen soll. Die Fensterbank hat auf jeden Fall das Potenzial, mein neuer Lieblingsplatz zu werden. Von hier aus habe ich den ganzen hinteren Garten und den Wald im Blick. Der perfekte Platz für mein Kamerastativ.

»Lexy! Ich glaube, Jack würde ein kleiner Spaziergang wirklich guttun. Er hat gerade einen großen Glückshaufen vor die Haustür gesetzt!«, ertönt Mums Stimme aus dem Erdgeschoss.

»Alles klar, ich komme gleich!«, antworte ich grinsend und nehme mir vor, sobald ich zurück bin, mein Fotoequipment auszupacken.

Lexy

Ungeduldig springt Jack um mich herum, während ich versuche, das rostige Schloss des hohen Gartentors zu öffnen.

»Ich tu ja, was ich kann, Jack, aber dieses Mistding geht einfach nicht auf.« Wütend schlage ich mit der flachen Hand auf das Schloss. Über den Metallzaun klettern kann Jack auf keinen Fall, er ist viel zu hoch.

Suchend schaue ich mich im Garten um. Neben einem heruntergekommenen Schuppen entdecke ich einen Bretterhaufen. Entschlossen laufe ich durch das hohe Gras, ziehe eines der längeren Holzbretter aus dem Stapel – und schreie laut auf, sodass einige Vögel aufgeschreckt von den Bäumen flattern.

Blitzschnell schlängelt sich eine dunkel gemusterte Schlange seitlich des Bretterhaufens davon und verschwindet im Schatten hinter dem morschen Schuppen. Ich atme tief durch und erinnere mich daran, wie Dad mir im Vorfeld von den Tieren in dieser Gegend erzählt hat. Kreuzottern gehörten ebenfalls dazu. Und die sind auch noch giftig. Außerdem werden in diesem Waldgebiet immer wieder Luchse, Wildschweine und Wölfe beobachtet. Kathi war ganz begeistert von der Aussicht, dass ich hier Fotos von Wölfen schießen könnte.

Ich hab mal recherchiert, hat sie am nächsten Tag in der Schule erzählt. Es gibt tatsächlich Leute, die behaupten, dass in diesem Gebiet sogar Werwölfe ihr Unwesen treiben. Mit verträumten Augen hat sie mich angesehen. Wenn einer so aussieht wie Jacob, musst du mir versprechen, ihn dir zu schnappen. Tu’s für mich.

Ja, sie ist ein Twilight-Fan und hat immer für die Werwölfe geschwärmt. Ich halte wenig davon. Sagen und Legenden gibt es überall und Wildtiere haben grundsätzlich mehr Angst vor den Menschen als umgekehrt. Die Chancen, einem Wolf zu begegnen, stehen also auch hier nicht besser.

Zögernd hebe ich das Brett, das mir vor Schreck ins Gras gefallen ist, mit dem Fuß an. Als außer einer kleinen Spinne nichts Lebendiges mehr zum Vorschein kommt, schleife ich das Brett zum Gartentor und lehne eine Seite an den Zaun.

»Das passt ja wie die Faust aufs Auge.« Mit einem Siegerlächeln wende ich mich zu Jack. »Na, was sagst du? Sollen wir jetzt endlich spazieren gehen?«

Jack hüpft vor Freude einmal im Kreis und hechelt mich aufgeregt an. Ohne Probleme klettere ich über das Tor und signalisiere ihm dann, das schräge Holzbrett nach oben zu laufen. Da haben sich die Agility-Stunden ja mal gelohnt. Wie ein Profi balanciert er hinauf und lässt sich auf Kommando voller Vertrauen in meine Arme fallen.

Vorsichtig stelle ich ihn auf den Boden, wo er abrupt loslaufen will. Mit einem schnellen Griff ins Halsband gelingt es mir gerade noch, ihn daran zu hindern.

»Sorry, Kleiner, aber hier ist Leinenpflicht. Ich find’s auch unfair, aber ich hab’s Mum versprochen.« Entschuldigend streiche ich Jack über den Kopf und befestige den Karabiner der Leine an seinem Halsband. Dann können wir endlich los.

Der Wald hinter unserem Haus besteht hauptsächlich aus Fichten und Kiefern. Ab und zu wandern wir an einzelnen verwachsenen Buchen vorbei, deren sattgrüne Blätter im sanften Sommerwind schaukeln. Außer dem Gezwitscher der Vögel und dem geschäftigen Summen von Insekten ist nur das Knacken kleiner Zweige unter meinen Schuhen zu hören.

Jack ist ganz aufgeregt. Für ihn ist die neue Umgebung extrem spannend. Immer wieder bleibt er stehen und zwingt mich zu warten, bis er den Waldboden, herumliegende Äste oder Blätter ausgiebig beschnüffelt hat.

Während wir durch die Schatten des Waldes laufen, macht sich ein Gefühl von innerer Ruhe in meinem Körper breit, das ich bisher gar nicht kannte. Vielleicht war der Umzug doch keine so schlechte Entscheidung.

Ein schmaler, ansteigender Trampelpfad führt uns immer tiefer in den Wald und wenig später kreuzen wir einen breiten, steinigen Weg, der weiter bergauf führt.

»Puh. Das ist ganz schön steil.« Mit dem Handrücken wische ich mir den Schweiß von der Stirn. Die Luft ist warm und stickig und das T-Shirt klebt mir mittlerweile auf der Haut. Jack scheint die Schwüle nichts auszumachen, er zerrt ungeduldig an der Leine und steuert zielstrebig weiter bergan. Seine Schnauze klebt förmlich auf dem Boden, die Rute trägt er hoch über dem Rücken. Sieht so aus, als hätte er eine Spur entdeckt. Die Ohren nach vorne gerichtet und den ganzen Körper angespannt, zieht er mich immer weiter.

»Jack! Langsam, zieh doch nicht so!« So ein kleiner Hund wie er sollte wirklich nicht so viel Kraft haben! Der Kurs zum Anti-Jagd-Training scheint nicht viel gebracht zu haben. Mittlerweile brauche ich schon beide Hände, um das Gewicht des kleines Jack Russell Terriers zu halten. Verärgert puste ich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und stemme die Füße in den Waldboden.

In dem Moment, in dem ich endlich einen festen Stand erreiche, bleibt Jack so plötzlich stehen, dass ich das Gleichgewicht verliere. Verzweifelt rudere ich mit den Armen in der Luft und keine Sekunde später lande ich unsanft auf dem Po. Autsch!

»Jack! Sag mal, spinnst du?« Wütend wische ich mir die Haare aus dem Gesicht und klopfe den Dreck von meiner Hose. Sein Körper zittert vor Anspannung und ein tiefes Knurren bahnt sich den Weg aus seiner Brust nach oben.

Ich folge seinem Blick und bemerke, dass wir am Rand einer riesigen Lichtung stehen. Uns gegenüber steht ein altes Blockhaus, umgeben von einer großflächigen Wiese. Vielleicht eine Jagdhütte. Die großen Holzfenster werden von dunkelbraunen Fensterläden umrahmt und über dem Eingang hängt ein Hirschgeweih. Ein verrosteter Jeep parkt davor. Auf der anderen Seite steht ein dicker Holzstamm, in dem eine riesige Axt steckt. Die Oberseite des Hackstocks ist verdächtig rot gefleckt.

Ach du Scheiße! Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken hinab. Jäger finde ich unheimlich. Ich verstehe einfach nicht, wie man Tiere so gefühllos abschlachten kann.

»Wir sollten gehen, Jack«, sage ich, wende mich ab und ziehe an der Leine. Sein tiefes Knurren ist mittlerweile in eine Art Winseln übergegangen. Fast schon hypnotisch fixiert er das Haus und macht keine Anstalten, mir zu folgen. Ein ungutes Gefühl breitet sich in meinem Magen aus, fast als würde uns jemand beobachten. Noch einmal schaue ich mich auf der gewaltigen Lichtung um, doch außer uns ist niemand zu sehen. Trotzdem will ich so schnell wie möglich hier weg.

»Wenn du nicht mitkommst, dann machen wir’s eben anders.« Entschlossen nehme ich den zappelnden Terrier auf den Arm, mache auf dem Absatz kehrt und marschiere zügig den Kiesweg zurück. Unser nächster Spaziergang geht auf jeden Fall in eine andere Richtung.

Kai

Ich höre es. Sein unruhiges Winseln. Schon wieder hat der Geruch einen Hund angelockt und ich kann es ihm nicht mal verdenken. Selbst die besten Reinigungsmittel können den intensiven Blutgeruch nicht vollständig beseitigen.

Ein letztes Mal drücke ich den schweren vollgesogenen Schwamm über der Spüle aus und greife nach einem alten Geschirrtuch. Verärgert betrachte ich das langsam ablaufende Wasser, das wieder seine gewohnte Farbe angenommen hat. Wäre ich nicht kurz von der hochstehenden Sonne geblendet worden, hätte ich den Kampf ohne Probleme gewonnen und müsste jetzt nicht die Drecksarbeit machen. Ben und Nick werden mir meine Niederlage noch die ganze Woche unter die Nase reiben. Aber die werden schon sehen. Beim nächsten Mal mach ich sie fertig.

Der metallische Geruch hängt immer noch schwer in der Luft. Ich will gerade das Fenster öffnen, als ich plötzlich im Augenwinkel eine Bewegung am Waldrand wahrnehme.

Misstrauisch verenge ich die Augen zu Schlitzen. Es kommt sehr selten vor, dass sich jemand so tief in den Wald verirrt. Jetzt erkenne ich am Ende der Lichtung einen kleinen, gefleckten Jack Russell Terrier. Es ist der Hund, dessen Winseln ich gerade gehört habe. Er bellt in Richtung unseres Hauses, aber da ist noch etwas.

Direkt hinter dem Hund erscheint ein Mädchen. Als ob es kurz zuvor gestürzt wäre, rappelt es sich auf und streicht sich ein paar lose Strähnen der langen kastanienbraunen Haare aus dem Gesicht. Wie gebannt stehe ich am Fenster und starre nach draußen. Ich kann mich nicht erinnern, sie hier oder in der Schule schon mal gesehen zu haben.

Sie scheint wütend zu sein, denn sie schimpft auf ihren Hund ein, während sie sich den Dreck von den kurzen Jeansshorts klopft. Die langen schlanken Beine glänzen in der Sonne. Trotz ihres hochroten Kopfes sieht sie irgendwie sexy aus.

Mit einer Hand zieht sie an der Leine, während sie mit der anderen wild herumgestikuliert. Unwillkürlich muss ich lächeln und beobachte amüsiert ihre vergeblichen Bemühungen, den kleinen Terrier zum Umkehren zu bewegen. Freiwillig geht hier kein Hund weg.

Soll ich rausgehen und ihr helfen? Nein. Das kann ich nicht, Nick und Ben könnten mich sehen. Wir haben schon genug Probleme mit anderen Menschen gehabt.

Ich hänge das Geschirrtuch wieder an den Haken und will schon die Putzmittel im Unterschrank verstauen, drehe mich dann aber erneut zum Fenster. Irgendetwas fasziniert mich an ihr. Und das liegt nicht nur daran, dass sie das heißeste Mädchen ist, das ich bisher gesehen habe.

Einen Moment zögert sie und schaut sich unsicher um. Doch eine Sekunde später strafft sie die Schultern und hebt den immer noch winselnden Terrier hoch. Wütend schaut sie ihn an und stapft nach einer entschlossenen Drehung mit dem zappelnden Fellknäuel auf dem Arm davon.

Ein Hauch von Enttäuschung keimt in mir auf, als sie zwischen den Bäumen verschwindet. Nur zu gern wüsste ich, wer sie ist.

Vielleicht hat ihre Familie das rote Haus am Waldrand gekauft. Dad hat uns letztens erzählt, dass es einen neuen Interessenten gibt. Er und Mum sind deshalb schon beunruhigt.

»Hey, Loser! Du glaubst doch nicht, dass du fertig bist? Draußen wartet noch der Hackstock auf dich!« Nick betritt die Küche und boxt mich auf den Oberarm.

»Wir würden dir ja gern helfen, aber leider haben wir keine Zeit«, setzt Ben hinzu, der hinter ihm im Türrahmen auftaucht.

Lässig drehe ich mich vom Fenster weg und sehe die beiden angriffslustig an. »Ruht euch lieber nicht auf eurem Erfolg aus. War eh nur ein Glückstreffer. Wir wissen doch alle, dass ich euch ohne Probleme plattmachen kann.«

Manchmal können große Brüder echte Schweine sein, besonders Nick. Er ist der Älteste von uns und meint, damit einen Sonderstatus zu haben. Gut, im Grunde hat er den auch, er ist schließlich der direkte Nachfolger unseres Vaters. Das muss er trotzdem nicht so raushängen lassen.

Meine beiden Brüder schauen sich kurz an und ein teuflisches Grinsen huscht über ihre Gesichter.

»Na, das wollen wir doch mal sehen, Kleiner!«, erwidert Nick provozierend.

Im nächsten Augenblick stürzen sie gleichzeitig nach vorn. Ben erreicht mich als Erster und versucht, mich mit beiden Armen zu packen. Blitzschnell weiche ich seinem Griff aus, schlinge den Arm um seinen Hals und halte ihn im Schwitzkasten. Im nächsten Moment landet seine Faust in meinem Nierenbereich und der Schmerz lässt mich die Luft anhalten. Trotzdem lasse ich meinen Bruder nicht los. Doch diesen kurzen Augenblick der Unaufmerksamkeit nutzt Nick sofort aus und ich spüre, wie er seinen Arm von hinten an meine Kehle drückt. Er verstärkt seinen Griff und versucht mich so in die Knie zu zwingen. Mit Wucht reiße ich den Kopf zurück und höre ein Knacken. Stöhnend lässt Nick von mir ab und hält sich die Nase. Blut tropft von seinen Fingern. Schnell verlagere ich mein Gewicht nach hinten und reiße Ben mit mir nach unten. Mit einer ruckartigen Bewegung ziehe ich Nick ein Bein weg und er landet mit einem dumpfen Aufprall neben uns auf dem Dielenboden.

»Was macht ihr denn schon wieder? Hört sofort auf, Jungs!«

Erschrocken fahren wir auseinander und blicken in Mums verärgertes Gesicht. Ich hatte sie gar nicht kommen hören.

»Euer Vater will mit euch sprechen. Er ist hinterm Haus. Lasst ihn lieber nicht zu lange warten.«

Schuldbewusst schauen wir zu Boden und ich streiche mir die dunklen Haarsträhnen aus dem Gesicht.

»Und Nick«, setzt sie mahnend hinzu. »Kümmere dich um deine Nase.«

Auf dem Weg nach draußen wirft Nick mir einen wütenden Blick zu. Im Vorbeigehen schnappt er sich das Küchentuch von der Theke und hält es sich unter die blutende Nase.

Als wir um die Ecke hinter unser Blockhaus kommen, sitzt Dad bereits auf einem der massiven Holzstühle, die um den schweren Eichentisch stehen. Neben ihm Mum. Die Hände hat sie im Schoß ihres langen, dunkelgrünen Kleides gefaltet und ihr besorgter Gesichtsausdruck macht mich ein wenig nervös.

Dad hebt den Blick und brummt uns zur Begrüßung ein »Ging das nicht schneller?« entgegen. Mit gesenktem Kopf bleiben wir vor ihm stehen. Keiner von uns sagt ein Wort, während wir uns ihnen gegenübersetzen.

»Im roten Haus sind heute die neuen Eigentümer eingezogen«, beginnt Dad. Ich spüre seinen durchdringenden Blick auf mir. »Ein Ehepaar mit einer Tochter. Ein Hund ist auch dabei. Allerdings nur ein kleiner Terrier, also müssen wir uns keine Sorgen machen.« Er lehnt sich zurück und verschränkt die Arme vor der Brust. »Ab heute gelten neue Regeln. Ab sofort verlegen wir unsere Streifzüge wieder weiter nach oben. Niemand …« Er sieht uns eindringlich an. »… bewegt sich im näheren Umfeld des roten Hauses. Sie sind auch so schon nahe genug. Und damit wir uns verstehen: Ihr wisst, was passiert, wenn ihr die Regeln brecht.«

Damit steht er auf und wendet sich ab. Erst als er um die Ecke verschwunden ist, atme ich wieder entspannt. Ich hasse es, wenn Dad so überreagiert.

Schon bei den letzten Eigentümern des roten Hauses haben wir nichts mehr zu lachen gehabt. Ganze zwei Jahre lang mussten wir über einen Umweg zur Schule gehen. Bis endlich die Nachricht kam, dass das Haus verkauft wird. Da es in dieser Gegend aber nur wenige Kaufinteressenten gibt, hatten wir fast ein ganzes Jahr Ruhe hier oben. Alles war in dieser Zeit wesentlich entspannter und jeder von uns war besser gelaunt – selbst Dad.

Das wird sich jetzt wieder ändern.

*

Am Abend sitze ich auf dem Dach des Blockhauses und schaue in den Himmel. Immer, wenn ich meine Gedanken sortieren muss, komme ich hier herauf.

Als kleiner Junge hat Mum mich einmal gesucht. Ganz still bin ich auf dem Dach sitzen geblieben und habe keinen Mucks von mir gegeben. Erst als sie angefangen hat, sich ernsthaft Sorgen zu machen, bin ich heruntergeklettert. Sie war sichtlich erleichtert, was ich von meinem Vater nicht behaupten konnte. An diesem Tag hat er mir zum ersten Mal die Nase gebrochen. Danach habe ich meinen Eltern nie mehr einen Streich gespielt.

Ich atme tief ein und lasse den Blick über den Abendhimmel schweifen. Das Farbenspiel des Himmels und der Wolken reicht von einem zarten Blau über ein helles Violett bis hin zu einem satten Orange. Ich liebe diese friedliche Ruhe am Abend. Einfach mal die Seele baumeln lassen.

Immer wieder geht mir das Mädchen vom Waldrand durch den Kopf. Die schlanken Beine in den kurzen Shorts. Wie sie sich die Haare aus dem verschwitzten Gesicht streicht. Bei dem Gedanken wird mir auf einmal ganz heiß und mein Herz beginnt, schneller zu schlagen. Aber nicht nur ihr Aussehen hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Ihre Entschlossenheit, wie sie ohne zu zögern ihren Hund gepackt hat und davonmarschiert ist, beeindruckt mich irgendwie. Zu gern würde ich herausfinden, ob sie immer so taff ist.

Enttäuscht lasse ich die Schultern hängen. Dafür müsste ich jedoch die Familienregeln brechen. Und das steht nun mal außer Frage.

Bisher habe ich nur einmal die Regeln verletzt, wegen einer kurzen Affäre mit einem Mädchen aus der Schule. Dad hat es natürlich rausbekommen. An die Strafe will ich mich gar nicht mehr erinnern.

»Kai? Bist du da oben?« Die Stimme meiner Mutter holt mich zurück in die Realität.

»Ja«, antworte ich knapp.

»Können wir kurz reden?« Sie klingt schon wieder besorgt. Mum hat es nicht leicht in dieser Familie.Trotzdem gibt sie immer ihr Bestes und lässt sich nicht unterkriegen. Egal, was passiert.

»Warte kurz, ich komm runter.« Ich stelle mich an den Dachrand und springe, sodass ich sanft mit beiden Beinen gleichzeitig neben ihr im Gras lande.

Sie hebt die Hand und streicht mir zärtlich über die Wange. »Wie geht es dir? Machst du dir Gedanken über die Regeln? Du weißt, dass dein Vater nur euer Bestes will, oder?«

»Schon klar.« Ausweichend drehe ich den Kopf zur Seite und schaue in den Wald. Ich habe keine Lust auf dieses Gespräch.

»Kai, sieh mich an.«

Ich seufze und richte den Blick wieder auf meine Mutter.

»Versprich mir, dass du dich daran hältst. Du weißt, was beim letzten Mal passiert ist.«

Auch in der Dämmerung sehe ich, dass ihre Augen glänzen. Schnell senke ich den Blick.

»Ich weiß, Mum.«

Es fällt mir schwer, sie so zu sehen. Zerbrechlich und schwach. Das ist nicht gut. In unserer Familie wird Schwäche nicht geduldet.

Sie nimmt meine Hände und drückt fest zu. »Ich meine es ernst, Kai. Versprich es mir! Ich kann sonst kein Auge mehr zumachen.«

»Ist ja gut. Ich verspreche es. Du musst dir keine Sorgen machen.«

Daraufhin zieht mich meine Mutter in ihre Arme und drückt mir einen Kuss auf die Wange.

»Danke«, flüstert sie erleichtert und verschwindet wieder ins Haus.

Eine ganze Weile stehe ich noch im Gras. In gewisser Weise verstehe ich Mum ja. Die Strafen bei einem Regelbruch sind nicht so leicht zu verkraften und ich verscheuche die Gedanken schnell wieder aus meinem Kopf.

An ihrer Stelle tauchen erneut Bilder von dem fremden Mädchen vor meinem inneren Auge auf. Wie sich ihre Haare wohl anfühlen? Wie es wohl wäre, ihren Atem auf meiner Haut zu spüren?

Nein! Über mich selbst erschrocken, schüttle ich energisch den Kopf. Ich muss sie vergessen!

Doch was ist, wenn ich das nicht kann?

Lexy

»Und du bist dir sicher, dass Jack zu Hause bleiben soll?« Mit verschränkten Armen steht Mum hinter mir und sieht zu, wie ich mein Fotoequipment in den Rucksack packe.

Genervt stöhne ich auf. Diese Frage stellt sie mir jetzt schon zum hundertsten Mal.

»Dann nimm wenigstens das Pfefferspray mit, okay?«, setzt sie besorgt hinzu.

In den letzten Tagen ist Mum irgendwie zur Übermutter mutiert. Die Umstellung vom Trubel der Stadt zur Ruhe und Einsamkeit hier oben macht ihr wohl doch etwas zu schaffen.

»Wenn ich Jack mitnehme, kann ich keine guten Fotos machen. Bei den vielen Spuren im Wald kann ich ihn keine Sekunde aus den Augen lassen. Das weißt du genau.« Ich ziehe gerade den Rucksack zu, da baumelt auf einmal eine kleine Dose Pfefferspray vor meiner Nase. »Ist ja gut, ich nehm das Ding mit.« Missmutig nehme ich Mum das Spray aus der Hand und stopfe es in eine der Seitentaschen. »Zufrieden?«

»Ach Lexy, ich mach mir doch nur Sorgen. Wir sind hier nicht mehr in der Stadt, wo du überall Hilfe holen kannst. Du bist ganz allein unterwegs und was, wenn du überfallen wirst?«

»Von wem denn? Hier ist doch sowieso kein Schwein unterwegs.« Ich stehe auf und schwinge mir den Rucksack über die Schulter.

Puh. Ist ganz schön schwer geworden, aber diesmal liegt mein Ziel weiter oben am Berg. Da brauche ich mehr Proviant. Die letzten Tage habe ich im Garten und im Wald um das Grundstück herum fotografiert, aber jetzt möchte ich den Gipfel erkunden. Ich war zwar nie ein großer Wanderer, aber die Aussicht, die mich dort oben sicher erwartet, lockt mich eben doch. Und wenn ich schon die nächsten zwei Jahre hier festsitze, möchte ich wenigstens meine neue Umgebung kennenlernen.

»Mach dir keine Sorgen. Ich komm schon klar«, sage ich noch einmal, als Mum mich weiter besorgt anschaut. »Und im Notfall hab ich das Handy dabei.«

»Du hast ja recht.« Sie seufzt schwer und zieht mich so schnell in ihre Arme, dass mir kurz die Luft wegbleibt. »Viel Spaß und pass auf dich auf da oben.«

Nur mit Mühe löse ich mich aus ihrer starken Umklammerung.

»Danke, Mum. Jetzt muss ich aber echt los. Bin zum Abendessen wieder da.«

Eilig schaue ich, dass ich wegkomme, bevor ihr noch mehr Gründe einfallen, warum das Wandern so gefährlich ist.

*

*

Die Nachmittagssonne steht bereits tief, als ich die ersten Ausläufer des Felsens erreiche. Zweimal musste ich auf dem Weg eine kleine Pause einlegen. Ich bin doch nicht so sportlich, wie ich dachte. Nur gut, dass ich genügend Proviant eingepackt habe. Schokoriegel helfen in solchen Fällen immer.

Noch immer hat die Sonne viel Kraft und das macht sich bemerkbar. Das Tanktop klebt an mir wie eine zweite Haut und meine Füße scheinen in den klobigen Bergschuhen zu kochen. Rechts von mir entdecke ich einen glatten Felsblock im Schatten und lasse mich kurz darauf nieder. Ich schütte mir ein wenig Wasser über die Hand und lege sie mir auf den Nacken.

Der Stille lauschend, lasse ich meinen Blick umherwandern. So weit das Auge reicht nur Bäume und einzelne Felsblöcke. Hoffentlich finde ich später wieder zurück. Frei nach Schnauze bin ich hinter unserem Haus direkt bergauf gewandert. Wege waren nirgends zu entdecken, also bin ich querfeldein losmarschiert.

Eine knappe Woche ist unser Umzug nun her und in dieser kurzen Zeit hat mich die Natur mit ihren unzähligen Facetten und ihrer Ruhe voll und ganz in ihren Bann gezogen. Noch in München hätte ich mir nicht vorstellen können, die Einsamkeit hier im Wald zu genießen.

Ob es Kathi auch gefallen würde? Wenn es hier heiße Werwölfe gäbe, sicherlich. Ich vermisse meine beste Freundin. Das letzte Mal, dass ich von ihr gehört habe, war am Abend vor dem Beginn der Sommerferien.

Kathis Eltern haben diesmal etwas ganz Besonderes geplant. Ein ›Offline-Hotel‹ in Dublin, das den Gästen jegliche Medien für die Zeit des Aufenthalts abnimmt und im Tausch dafür Landkarten und Stadtpläne herausgibt. Ein Urlaub ohne Medienstress. Kathi war gar nicht begeistert, aber ihre Eltern bestanden auf den Urlaub ohne Handy.

Apropos Handy … Schnell ziehe ich meinen Rucksack weit auf und krame darin. Ohne Erfolg.

Mist! Ich habe das blöde Ding tatsächlich vergessen. Das ist mir noch nie passiert. Gut, dass Mum das nicht weiß, sonst würde sie gleich einen Suchtrupp hinter mir herschicken.

Von dem Fehlen meines Handys lasse ich mich nicht weiter beunruhigen. Ich bin doch hier, um professionelle Fotos zu machen und die Aussicht zu genießen. Und genau das werde ich jetzt tun.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Free my heart" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen