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Frauenheld

Inhalt

  1. Über den Autor
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Kapitel 1
  5. Kapitel 2
  6. Kapitel 3
  7. Kapitel 4
  8. Kapitel 5
  9. Kapitel 6
  10. Kapitel 7
  11. Kapitel 8
  12. Danke

Über den Autor

Lutz Schebesta, 1972 in Düsseldorf geboren, arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Reporter, Autor, Werbetexter und -filmer für verschiedene TV-Sender und Unternehmen. 2005 schrieb er sein erstes Drehbuch für den Kinofilm Schiri im Abseits, den er selbst produzierte. Mit Frauenheld erscheint nun sein erster Roman. Lutz Schebesta lebt und arbeitet in Köln.

Kapitel 1

Ich kann nicht mehr mit ihr zusammen sein. Nichts von dem, was ich von einer Beziehung erwarte, erfüllt sie. Gar nichts! Wir haben nur Sex, wenn sie es will. Sie schnarcht. Sie ist egoistisch. Gemeinsamkeiten Fehlanzeige. Wo bleibe ich? Streichelt sie mich vielleicht mal in den Schlaf? Nein. Wieso auch, das wollen Männer ja angeblich nicht. Ich schon! Bin ich deshalb etwa kein Mann? Wer hat denn überhaupt diese Regeln aufgestellt?

Aber egal. Julia war sieben Monate Zeitverschwendung. Sie ist es einfach nicht. Warum begreife ich so etwas immer erst so spät? Warum kann ich nicht wie jeder andere Mann einfach Schluss machen – und es später nicht bereuen? Julia ist bei weitem nicht meine erste Freundin. Aber entweder verliebe ich mich nicht richtig, oder die Frau meiner Wahl stellt plötzlich fest, dass ich doch nicht ihr Typ bin. Basti, lenk nicht ab! Du bist schließlich nicht mehr 18, sondern 32. Du musst es ihr sagen, und zwar gleich. Jeder Tag und jede Nacht mit ihr bringen dich einer Depression näher. Sei ein Mann!

»Bastian … Basti, bringst du mir ’nen Kaffee mit ins Bett?«

Ihre Stimme ist eigentlich echt süß. Aber kann sie mich nicht einmal auf dem Klo in Ruhe lassen? Jeder hat doch ein Recht auf Einsamkeit.

Mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als das doch gar nicht so stille Örtchen zu verlassen und meiner Prinzessin ihren Kaffee zu servieren. Hm, vielleicht kriege ich ja eine Belohnung und wir haben mal wieder Sex? Vorgestern Abend war sie zu müde. Letzte Nacht hat sie sich demonstrativ weggedreht. Aber ich bin auch nur ein Mann. Ab und zu darf man doch wohl einfach geil sein und Lust auf eine simple Befriedigung haben, oder etwa nicht?

»Und nehm die Zigaretten mit«, nörgelt es aus dem Schlafzimmer. Dabei weiß sie doch, wie sehr ich das Qualmen im Schlafzimmer hasse. Ich bin ebenfalls Raucher, aber es muss auch rauchfreie Zonen geben. Sie denkt nur an sich: beim Sex, beim Rauchen, beim Schlafen … Diese Liste könnte man endlos fortsetzen. Basti, trenn dich! Sofort! Aber dann bin ich wieder alleine. Und Weihnachten steht vor der Tür. So schnell findet man ja auch nicht die Nächste, die einen interessiert.

Und wenn ich mit Julia doch zusammenbleibe und gleichzeitig die Augen offen halte? Eigentlich eine gute Idee, aber ich fürchte, ich bin dafür zu bequem. Solange ich nicht Single bin, werde ich keine Neue kennenlernen.

Ab und zu verstehe ich mich ja mit Julia noch ganz gut. Und ab und zu hat auch sie mal Lust auf Sex. Aber ob ihr der mit mir überhaupt gefällt? Sonst würde sie doch sicher öfter wollen … Na, soll sie doch mit mir sprechen, wenn ich irgendetwas falsch mache! Ich hab ihr meine Wünsche doch auch gesagt. Was aber wiederum nicht heißt, dass sie mir die erfüllt. Drei Mal hat sie mir einen geblasen! Drei Mal in sieben Monaten! Hallo? Das ist doch nicht normal. Ich steh einfach drauf, aber sie meint, ich wäre nur auf das Machtgefühl aus. Es ist einfach unglaublich. Dabei ist sie es doch, die in diesem Moment die völlige Macht über mich hat!

»Jule! Heute mit Zucker oder ohne?«, rufe ich lieblos, während der Kaffee durchläuft.

»Kein Zucker, ich bin zu dick«, grummelte es aus dem Schlafzimmer.

Recht hat sie. Aber wehe, man sagt was! Eine Konfektionsgröße 36 sieht wirklich anders aus. Dabei liegt es überhaupt nicht an dem einen Stück Zucker, warum Julia unzufrieden ist. Es sind die Fressattacken zwischendurch. Ihre angebliche Mitgliedschaft im Fitnessstudio allein löst das Problem auf jeden Fall nicht. Ich bin auch nicht gerade perfekt, aber ich jammere wenigstens nicht täglich.

Als ich Julia kennengelernt habe, war sie ein echter Schuss. Mit ihren langen, braunen Haaren und der unverwechselbaren Stubsnase ein richtiger Hingucker. Außerdem weiß Julia, wie man sich anzieht. Nicht prollig und billig. Schöne, aufeinander abgestimmte Kleidung. Eine Frau, auf die ich als Mann stolz sein kann.

Ich bin mit Zeus, meinem Labrador, durch den Park spazieren gegangen, und sie fragte mich nach dem Weg zum Gloria Theater. Dabei lächelte sie mich so süß an, dass ich einfach nicht anders konnte, als ihr den Weg persönlich zu zeigen. Entweder war sie zu spät dran, oder ich hatte nicht die kürzeste Strecke gewählt, aber die Vorstellung lief bereits. Vielleicht deshalb oder als Dankeschön fürs Hinbringen hat sie mich dann zum Kaffee eingeladen. Aus dem Kaffee wurde ein Kölsch, und aus dem Kölsch wunderbare acht Stunden der lockeren und gleichzeitig intimen Konversation. Dass wir uns dann in meinem Bett wiederfanden, wunderte uns zwar beide, aber wir hatten einfach das Gefühl, das Richtige zu tun.

Klar, wir hätten warten können. Aber es gab einen magischen Moment, an dem wir uns einfach nur nah sein wollten. Und wenn man sich erst mal geküsst hat, ist der Weg zum Sex nicht mehr weit. Aber wie dem auch sei, das war vor sieben Monaten.

Sie ist dann relativ schnell bei mir quasi eingezogen. Ihr Zimmer in der WG hat sie zwar noch behalten, aber dort können wir nicht wirklich alleine sein. Ich brauche nicht viel Luxus, aber wenigstens ein Bad, in dem ich nicht die Haare von mindestens drei anderen Menschen vorfinden muss.

Eigentlich klappte das Zusammenleben mit ihr auch ganz gut. Aber als die erste Zeit der Euphorie vorbei war, habe ich gemerkt, dass es nicht richtig klick bei mir gemacht hat. Und dazu kam dann halt noch das Problem mit dem nicht ausreichenden Sex.

***

Während ich den Kaffee einschenke, spreche ich mir weiter Mut zu: Sie ist es nicht, sie ist es einfach nicht. Bring es hinter dich, Basti, trau dich! Mit den Bechern in der Hand gehe ich durch meinen seit Neuestem in einem leichten Apricot-Ton gestrichenen Flur. War nicht meine Wahl, diese Farbe. Julia meinte, Weiß sei langweilig. Aber ist Apricot wirklich spannender? Ein Kribbeln bekomme ich davon auch nicht gerade.

Im Schlafzimmer rutscht mir mein Herz fast in die Hose. Ist Schlussmachen zum Frühstück überhaupt fair? Soll ich ihr nicht lieber eine SMS schicken? Vergiss es, Basti, es gibt nie den richtigen Zeitpunkt.

»Jule, ich habe da ein Problem«, beginne ich vorsichtig, nachdem ich ihr Kaffee und Zigaretten überreicht habe.

»Das da wäre?« Sie zündet sich eine an und pustet mir den Rauch entgegen.

»Du weißt, ich mag dich wirklich. Manchmal bist du echt mein Zuhause. Aber mir fehlt komplett die Leidenschaft zwischen uns.«

»Bitte, was?« Sie nimmt einen Schluck von ihrem Kaffee und verzieht das Gesicht. Liegt es am fehlenden Zucker oder an dem, was ich gesagt habe? Egal.

»Jule, hör mir doch mal zu. Wir leben wie ein altes Ehepaar. Wir gehen arbeiten, sehen uns abends und am Wochenende. Wir essen zusammen, schauen Fernsehen und schlafen dann ein.«

»Was gefällt dir daran denn nicht?«

»Ich erwarte halt mehr von einer Beziehung. Zärtlichkeiten, Küssen, Strei…«

»Na, wenn ich Lust habe, passiert das doch auch!«, unterbricht mich Julia. An ihren Augen kann ich sehen, dass sie gleich explodiert.

»Du hast aber nie Lust!«

»Das liegt dann wohl an dir, dass du mir keine Lust machst.«

»Wenn ich dir nach sieben Monaten keine Lust mehr mache, sind wir auf dem falschen Weg. Jule, nimm es mir nicht übel, aber wir wollten doch beide etwas anderes.«

»Weil ich mich nicht täglich von dir vögeln lasse, bin ich also nicht die Richtige für dich? Du lebst doch in der falschen Zeit, Bastian! Du Möchtegern-Macho!«

Wütend drückt Julia ihre Zigarette aus und springt aus dem Bett. Nackt baut sie sich vor mir auf. Die Vorhänge sind noch zugezogen, aber ich kann das Funkeln in ihren Augen sehen.

»Du bist ein armer Wicht, Basti! Dann such dir doch eine andere. Ich habe es bestimmt nicht nötig, mich von dir so anmachen zu lassen. Du kleiner, böser Scheißkerl.«

Ach, so sieht sie mich! Egal, diese Hasstiraden prallen an mir ab. Böse und Scheißkerl kann ich ja noch verstehen, aber wo bitte bin ich klein?

»Also war’s das zwischen uns?«, frage ich mit neutraler Stimme. Ich muss mich zusammenreißen, um nicht in Jubel auszubrechen.

»Ja, das war’s! Lösch meine Nummer! Ich geh duschen, pack meine Sachen und bin weg!«

So einfach habe ich mir das nicht vorgestellt! Kein langer Streit. Keine Gegenstände, die durch die Wohnung fliegen. Einfach nur tschüss und weg. Hoffentlich bleibt es so!

Während Julia unter der Dusche ist, trinke ich im Stehen meinen Kaffee und werde tatsächlich ein ganz klein wenig wehmütig, weil ich die gewohnten Geräusche aus dem Bad jetzt wohl zum letzten Mal höre. Aber dann steigt doch wieder Freude in mir auf. Basti, du bist wieder frei! Gut gemacht!

Ich setze mich auf meine braune Ledercouch im Wohnzimmer, lege die Füße hoch und schaue an meine schöne Stuckdecke, die Julia noch nicht apricotfarben anstreichen konnte. Meine Einrichtung hat ihr auch nie so richtig gefallen. Ich habe es halt gern männlich-spartanisch. Nur das Wichtigste: Couch, Wohnzimmertisch, DVD-Regal und mein Flat-TV. Eine Pflanze und ein großes IKEA-Bild von New York runden es ab. Ich brauche keinen Schnickschnack, keine Staubfänger.

Und jetzt gehört meine schöne Altbauwohnung wieder mir. Also, nicht wirklich. Sie ist nur gemietet, aber ich teile sie mit keiner Frau mehr – außer mit meiner Putzfrau. Na, wer weiß, wo ich so gut in Fahrt bin, trenne ich mich vielleicht auch noch von ihr.

Esra, eine 40-jährige Türkin, kommt einmal die Woche, und das jetzt schon seit über einem Jahr. Trotzdem versteht sie mich nur, wenn es darum geht, dass sie wieder einmal länger gebraucht hat, weil ich »so viele Hemden zum Bügeln« hatte, und sie mehr Geld haben will. Nicht verstehen will Esra, dass sie nicht jedes Mal den Kühlschrank ausstecken soll, wenn sie bügeln muss. Letzte Woche habe ich ein großes Schild an die Steckdose gemacht: Nicht rausziehen!, mit einem Totenkopf daneben. Doch nicht einmal das hat sie abgeschreckt. Wenn ich nicht will, dass mein Kühlschrank demnächst den Geist aufgibt, weil wöchentliches Abtauen nicht gesund ist, muss ich wohl einen Doppelstecker anschließen. Ist doch eine bessere Lösung, als Esra zu kündigen. Ich gehe ihn gleich morgen besorgen, und dann kaufe ich Farbe und streiche den Flur wieder weiß.

Oder wäre das übertrieben? Ist auch erst mal alles egal. Hauptsache, Julia ist weg. Ich zünde mir genüsslich eine Zigarette an, als die Badezimmertür aufgeht und Julia mich flotten Schrittes aus meiner Besinnlichkeit reißt.

»Bastian, du bist wirklich ein Arschloch. Seit wann hast du ein Problem mit mir? Hast du schon die nächste Schnecke am Start? Du hast mich doch nur ausgenutzt!«

Was ist denn jetzt los, war die Dusche zu heiß? Ausgenutzt? Sie wohnt quasi bei mir, zahlt keine Miete, lässt sich von mir täglich bekochen, und mit Zeus ist sie auch nie richtig warm geworden. Und was das Sexuelle angeht, da hatte ich gar keine Gelegenheit, sie auszunutzen.

»Ich habe keine andere, Jule. Mir ist einfach klar geworden, dass du es nicht bist, dass ich bei dir nicht glücklich bin. Anscheinend habe ich dich ja auch nicht glücklich gemacht. Jetzt lass es gut sein! Wir müssen doch kein Drama draus machen. Es waren sieben Monate und keine sieben Jahre. Ich bitte dich! Wir haben es versucht, und es hat nicht geklappt. Wo ist da das Problem?«

Ich versuche die Situation zu entspannen. Soll sie doch denken, was sie will. Lange Diskussionen bringen eh nichts mehr. Beschwichtigend lächele ich sie an. Das hätte ich besser nicht getan. Julia greift nach dem nächstbesten Gegenstand vom Wohnzimmertisch, der TV-Fernbedienung, und schleudert sie in meine Richtung. Ich versuche, sie aufzufangen. Dummerweise lasse ich dabei meine Zigarette auf die Couch fallen. Brandfleck! So ganz ohne Zerstörungen geht es wohl doch nicht.

»Sag mal, tickst du noch richtig? Weißt du, was diese Couch gekostet hat?«, schreie ich empört und versuche mit der Hand die Asche wegzuwischen. Leider entsteht dadurch nur ein großer, grauer Fleck.

»Geschieht dir ganz recht!«

Julia dreht sich um, schnappt sich ihre Tasche und reißt die Haustür auf. Mit einem lauten Rumms fällt sie hinter ihr ins Schloss. Frauen werden wohl schon im Kindergarten auf einen richtigen Abgang hin trainiert. Blöde Kuh!

Doch bevor ich mich weiter aufregen kann, überkommt mich die Freude: Sie ist weg! Endgültig weg! Freiheit! Ich kann wieder ins Bett gehen, wenn ich Lust dazu habe. Ich habe meine Decke wieder für mich alleine. Über das Fernsehprogramm entscheide ich. Und vor allem kann ich die Lautstärke nach meinen Wünschen wählen. Ich bin nicht schwerhörig, aber ist lautes Fernsehen so unnormal? Genau das ist es, was Julia mir immer gesagt hat: »Basti, du bist nicht normal. Du bist krank!« Ich bin kein 08/15-Typ, ja, aber ich bin doch nicht krank, weil ich lautes Fernsehen mag. Außerdem gehe ich gerne spät ins Bett.

Mein Job fängt nicht morgens um acht an, sondern erst um zehn. Also passt das auch. Ich bin halt ein Kreativer, arbeite in einer Werbeagentur und bin kein stinknormaler Bürohengst. Julia fand es immer fürchterlich, dass ich nicht mit ihr zusammen schlafen gegangen bin. Nach einer Woche Heulgeräusche aus dem Schlafzimmer habe ich mich breitschlagen lassen und bin ebenfalls um 22 Uhr ins Bett. Mit dem Ergebnis, dass ich stundenlang wach neben ihr lag. Für Sex war es ihr zu spät. Fernsehen durfte ich im Bett auch nicht. Nicht mal lautlos. Das Licht war ihr zu hell. Also lag ich wach und konnte über mein Leben nachdenken. Ganz toll! So hatte ich mir das ja immer vorgestellt.

Ich glaube, ich schau heute die ganze Nacht fern. Und das auch noch richtig laut! Es war die richtige Entscheidung! Julia ist nicht meine Traumfrau! Ich hätte das schon viel früher machen sollen. Aber nun gut. Geschafft ist geschafft.

***

Es ist Samstag. Eigentlich wollte ich heute Abend mit Julia mal wieder weggehen, aber das hat sich ja Gott sei Dank erledigt. Ich bleibe einfach zu Hause und schau mal, was es im Fernsehen so gibt. Oder ich rufe Thomas an, meinen Kumpel aus der Uni-Zeit, und sage, dass ich sturmfreie Bude habe. Den habe ich auch schon seit Wochen nicht gesehen. Ich nehme mein Handy und wähle seine Nummer.

»Hey Tommi, was geht?«, sage ich und versuche dabei megacool zu sein.

»Läuft optimal! Und bei dir?«, kommt es euphorisch zurück.

»Habe mich gerade von Jule getrennt.«

»Du Armer! Geht’s dir gut?«

»Eigentlich ja. Sie war’s einfach nicht. Aber wir müssen nicht darüber reden. Lohnt sich nicht wirklich. Du, ich habe heute noch nichts vor, und deshalb wollte ich dich spontan fragen, ob du Lust hast, auf ein Kölsch vorbeizukommen.«

»Eigentlich gerne! Aber ich habe vor zwei Wochen eine super Perle im Chat kennengelernt. Ich sag dir: Hammer, die Kleine! Tolle Figur. Nette Stimme. Einfach sexy. Wir wollten heute essen gehen. Aber …«

»Nein, nein, da will ich natürlich nicht stören.«

»Wir können das sicherlich die Tage mal nachholen«, bietet er mir an.

»Na klar! Meld dich doch einfach, wenn du kannst!«

»Mach ich. Und bleib sauber!«

Mal schauen, wen habe ich denn noch im Telefonbuch? Anna, Bea, Björn, Doro … Mann, warum gibt es eigentlich keine Möglichkeit, seine Kontakte im Handy nach Frauen und Männern zu sortieren? Ich will keine Ex anrufen. Jens. Ja, gute Wahl. Ich wähle seine Nummer.

»Hi, hier ist der automatische Jens Winsen. Ich habe es mir verdient und bin im Urlaub. Also hinterlasst mir eine Nachricht.«

Okay, einen versuche ich noch: Nils, mein Arbeitskollege. Mit ihm macht es Spaß, wegzugehen, denn wenn wir Frauen kennenlernen, habe ich immer freie Auswahl und die besten Chancen. Zum einen finde ich, dass ich besser aussehe als er, und zum anderen trägt er den Ring seines Eheversprechens immer sichtbar. Nicht dass Nils hässlich wäre, aber er ist knapp 1,70 Meter groß, trägt eine Brille und verliert so langsam seine Haare. Also das Gegenteil von mir, und ich glaube, dass ich eher in das Schönheitsideal von Frauen passe. Ich wähle, aber auch diesmal lande ich nur bei einer Computer-Frauenstimme, die mir sagt, dass der Teilnehmer im Moment nicht zu erreichen sei. Blöd, aber nicht hoffnungslos, schließlich habe ich meine Freiheit wieder. Wie es aussieht, bleibe ich wohl an diesem Samstagabend wirklich alleine. Ich merke, wie mir bei diesem Gedanken ganz warm ums Herz wird.

***

Wie lange ist es schon her, dass ich einen ganzen Abend nur für mich hatte? Ich schnappe mir Zeus und jogge eine Runde durch den Park direkt vor meiner Tür. Ein weiterer Vorteil meiner Altbauwohnung ist die Lage: zur einen Seite der schöne Blick auf den Rhein und zur anderen Seite ein verträumter Park. Ich lasse Zeus von der Leine und laufe los. Irgendwie ist es ein völlig neues und schönes Gefühl. Ich kann so lange draußen bleiben, wie ich will, und muss niemandem Rechenschaft ablegen. Auf der anderen Seite wäre ich schon gerne in festen Händen, halt richtig verliebt. Die Welt soll stillstehen, wenn ich mit ihr in einem Restaurant sitze. Die Welt soll nicht mehr existieren, wenn ich in ihre Augen schaue. Sie soll mich einfach ausfüllen. Dann bin ich auch bereit, alles, aber wirklich alles für sie zu tun.

Aber wo werde ich diese Frau nur finden? Hier und jetzt wohl eher nicht.

»Entschuldigung, können Sie nicht lesen?«, reißt mich eine rüstige Rentnerin aus meinen Gedanken.

»Doch, sicherlich … Wie kann ich Ihnen helfen?«, frage ich freundlich nach.

»Hier ist keine Hundefreilauffläche! Nehmen Sie Ihre Töle an die Leine! Sonst rufe ich die Polizei!«, giftet sie quer über die Wiese zurück.

Mein Gott, das ist doch kein Kampfhund!

Ich laufe einfach weiter und rege mich heute nicht mehr auf.

»Sie rücksichtsloser Mensch, Sie!«, höre ich sie noch hinter mir herkeifen. Zeus merkt von der ganzen Sache nichts. Er genießt seine Freiheit in vollen Zügen, genauso wie ich.

Thomas hat seine Neue also aus dem Chat. Internetliebe. Na, ob das was ist? Klingt ja fast nach einem Katalog mit heiratswilligen Frauen aus Osteuropa. Aber vielleicht sollte ich mir das auch mal anschauen? Verlieren kann ich ja nichts, und schließlich ist heute Samstag und ich habe nichts anderes vor.

»FriendScout24.de – Findet Euch!«, steht auf dem Plakat an der Ampel. Komischer Zufall. Eben noch drüber nachgedacht und jetzt diese Werbung. Scheint ja wirklich gerade sehr in zu sein. Nach dem »Aktuellen Sportstudio« schaue ich mal da rein. Wer weiß, wen ich da finde.

Zu Hause dusche ich, schiebe mir eine Pizza in den Ofen und schalte den Fernseher ein – doch nichts passiert. Meine Premium-Digitalbox schreibt in großen Buchstaben auf den Schirm, dass das Signal nicht entschlüsselt werden könne. Warum nicht? Ich kontrolliere die Anschlüsse. Vielleicht hat Jule aus Rache einen Stecker rausgezogen? Zuzutrauen wäre es ihr … Aber nein, alles perfekt verkabelt. Also bleibt mir nur eine Wahl: bei meinem tollen Kabelnetzbetreiber anrufen. Wie ich das hasse. Obwohl »All-In-One Media« in Köln sitzt, also in meiner Stadt, muss ich eine 0180er Nummer wählen. Und vierzehn Cent die Minute bezahlen, als Kunde! Kann mir mal irgendjemand erklären, warum das erlaubt ist? Die bauen Mist und ich darf dafür blechen. Toller Service.

Missmutig wähle ich die Nummer. Die Warteschleife mit immer der gleichen Musik erklingt, und dazu eine monotone männliche Stimme: »Schön, dass Sie uns anrufen. Wir sind gleich für Sie da!« Ich zünde mir eine Zigarette an und warte. Fünf Minuten später ist sie ausgedrückt, doch die Dudelmusik läuft immer noch. Was verstehen die eigentlich unter »gleich«? Weitere sieben Minuten vergehen. Dann erklingt endlich eine menschliche weibliche Stimme:

»Mein Name ist Sabine Weber. Was kann ich für Sie tun?«, säuselt mir die Call-Center-Mitarbeiterin entgegen.

»Bastian Schwenk hier. Muss ich für die Wartezeit eigentlich bezahlen?«, frage ich entnervt.

»Ja, aber nur vierzehn Cent die Minute!«, preist Frau Weber ihre Gebühren an.

»Bei über zwölf Minuten sind das schon fast zwei Euro. Aber egal, ich bin ja so dankbar, dass ich Ihr Kunde sein darf«, antworte ich ironisch.

»Es tut mir leid, Herr Schwenk, dass Sie so lange warten mussten. Was kann ich für Sie tun?« Frau Weber klingt zwar freundlich, aber ich habe das Gefühl, ich hätte da einen etwas bissigen Unterton rausgehört.

»Sie können das für mich tun, dass Sie mir erklären, warum ich kein Fernsehen mehr schauen kann!«

»Haben Sie alle Kabel kontrolliert? Sollen wir das vielleicht mal Schritt für Schritt durchgehen, zur Sicherheit, ja?«

»Frau Weber, ich bin kein Vollidiot. Natürlich sind alle Kabel drin. Es kommt die Fehlermeldung, dass die Programme nicht entschlüsselt werden können.«

Basti, bleib ruhig! Wahrscheinlich rufen wirklich zig Menschen an, die nur ein loses Kabel übersehen haben. Gib Frau Weber eine Chance!

»Aus welchem Bundesland rufen Sie an?«, werde ich als Nächstes gefragt.

»Was tut das denn zu Sache? Darf man heute nicht in ganz Deutschland fernsehen?«

Während ich rede, höre ich, wie sie vor sich hinmurmelt: »Hmmm, ja … Okay …« Die macht mich wahnsinnig! Kann die mir nicht einfach zuhören und dabei still sein?

»Herr Schwenk, ich versuche Ihnen doch nur zu helfen, okay? Haben Sie Ihre Kundenummer für mich, ja?« Sie schafft es, immer noch freundlich zu klingen und dabei immer unfreundlicher zu werden.

»Nein. Suchen Sie mich bitte über den Namen, okay? Können Sie das machen, ja?« Ich weiß nicht, ob sie Ironie versteht. Aber wenn ich noch ein einziges »Okay« von ihr höre, kann ich nicht mehr ruhig bleiben.

»Hmmm, dazu bräuchte ich erst mal Ihr Bundesland.«

Sie macht mich wahnsinnig. Aber was soll ich tun? Ich nenne ihr also alle Infos, die sie braucht.

»Einen kleinen Moment bitte, Herr Schwenk, ja? Ich schau mir mal ihre Daten an. Ich gebe ihnen kurz ein bisschen Musik, okay?«

Noch bevor ich antworten kann, muss ich schon wieder diese Dudelmusik ertragen. Und sie hat tatsächlich wieder ein »Okay« eingebaut. Es ist nichts okay! Also warum sagt sie das immer? Seit wann dürfen Menschen mit einem Sprachfehler in einem Call-Center arbeiten? In was für einer Welt lebe ich eigentlich? Mittlerweile telefoniere ich schon fast zwanzig Minuten mit der Kundenhotline.

Eine gefühlte Endlosigkeit später ist Frau Weber wieder da.

»Herr Schwenk, ich habe hier einen offenen Saldo von 54,23 Euro. Ihre Box ist gesperrt worden, okay? Wir können nur leisten, wenn auch Sie ihren Verpflichtungen nachkommen, ja?«, tönt es schnippisch aus meinem Telefon. So schnell kann sich ihre Art also drehen.

»Das kann überhaupt nicht sein. Ich habe immer alles bezahlt. Da muss Ihre Buchhaltung einen Fehler gemacht haben.«

»Ich sehe, Sie sind Selbstzahler. Hmmm, mit dem Lastschriftverfahren wäre das nicht passiert, ja?«

»Hören Sie mir überhaupt zu? Ich habe alles bezahlt!«

»Das sieht mein Computer anders, okay?«

»Und nun?«

»Zahlen Sie die offene Forderung, ja? Dann können Sie auch wieder einen gemütlichen Abend auf der Couch vor dem Fernseher verbringen.«

»Überprüfen Sie lieber das Konto, dann werden Sie sehen, dass alles bezahlt ist!« Während ich das sage, kommt zeitgleich aus dem Hörer »Hmmm, ja … Okay …!« Die hört mir gar nicht zu.

»Herr Schwenk, das können wir gerne machen, aber erst am Montag, okay? Heute ist keiner mehr in der Buchhaltung. Gerne nehme ich Ihre Reklamation auf, ja?«, betet Frau Weber ihre Standardsätze herunter.

»Sie verstehen mich falsch. Ich will jetzt fernsehen! Jetzt! Bitte!«, rufe ich verzweifelt in den Hörer.

»Dann müssen Sie wohl zu Ihren Nachbarn gehen. Ich kann Ihr Konto nicht entsperren, okay? Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?«

»Ja, hören Sie bitte endlich auf, ständig ›okay‹ zu sagen! Haben Sie eigentlich Spaß daran, mir das Fernsehen vorzuenthalten?«

»Herr Schwenk, das führt doch zu nichts. Ich kenne Sie doch gar nicht persönlich. Ich habe auch nichts gegen Sie. Ich wollte Ihnen nur einen Tipp geben, was Sie mit dem Samstagabend noch anstellen können, ja? Da müssen Sie doch nicht persönlich werden, okay?«, entgegnet mir Frau Weber, immer noch die Freundlichkeit in Person.

»Ich werde nicht persönlich! Ach, ist ja auch egal. Ich will, dass Sie jetzt meine Box entsperren!«

»Das habe ich verstanden, und Sie müssen auch nicht schreien. Ich kann nur leider nichts für Sie tun, okay?«

»Ich schreie doch gar nicht! Und was nun? Ich dachte, Sie wollten mir helfen«, sage ich resignierend.

»So langsam zweifle ich daran, ob man Ihnen überhaupt helfen kann, okay?«, wirft mir Frau Weber an den Kopf.

»Was soll das denn heißen? Was nehmen Sie sich heraus?«

»Ich nehme mir gar nichts heraus. Aber Sie schreien wie ein kleines Kind, wenn das Fläschchen leer ist, und sind total zickig und kontraproduktiv.«

»Soll ich mal schreien, damit Sie wissen, was Schreien ist? Ich will nur meine bezahlte Leistung haben!«

»Sie haben nichts bezahlt, also bekommen Sie auch keine Leistung, ja? Verstehen Sie mich endlich? Ich werde jetzt das Gespräch beenden, okay?«

»Nicht, bevor Sie mir meine Box wieder freigeschaltet haben oder mir wenigstens verraten, wie Ihre Okay-Box abzuschalten ist. Sie machen mich ganz irre!«, sage ich wütend.

»Wetten doch? Arme Wurst!«

Klack. Die Leitung ist stumm. Habe ich was am Ohr, oder hat sie gerade wirklich »arme Wurst« gesagt? Zumindest hat sie das »Okay« vergessen. Fassungslos lege ich auf und drücke sofort die Wahlwiederholung.

»Schön, dass Sie uns anrufen. Leider erreichen Sie uns außerhalb der Service-Zeiten. Diese sind Montag bis Samstag von acht bis zweiundzwanzig Uhr!«

Heute haben mich drei Frauen beleidigt. Liegt es an mir? Oder spinnt die Welt um mich herum? Es ist einfach unglaublich. Am Montag kündige ich mein Kabel-TV und kaufe mir eine Zimmerantenne. Ist doch absolut lächerlich!

Aber was soll’s. Komm runter, Basti! Dann gehe ich eben ins Internet. Den Anschluss können Sie nicht sperren. Der ist nicht bei »All-In-One Media«.

Kapitel 2

MausKöln

Alter: 22

Status: Single

Wohnort: Köln

Sternzeichen: Fische

Motto: Einen Mann zu finden, der die Sinne berauscht, ist nicht schwer … umso mehr einen, der den Geist berauscht

Augenfarbe: blaugrau

Haarfarbe: blond

Größe: 170 cm

Gewicht: 58 kg

Figur: Normal

Beruf: Studentin

Basti32: Wow! Sensationelles Foto. Lust, mich kennenzulernen?

MausKöln: Danke! Du bist aber schon etwas alt.

Basti32: Kommt das nicht immer ganz drauf an? Es gibt solche und solche 32-Jährige. Ich fühl mich noch ganz fit.

MausKöln: Aber bin ich dir nicht zu jung?

Basti32: Die Jüngsten sind oft nicht die Geringsten. :-) Ich wollte dich ja auch erst mal nur kennenlernen … und nicht gleich heiraten.

MausKöln: Seit wann bist du Single?

Basti32: Erst seit Kurzem. Es hat einfach nicht gepasst. Und ich halte nichts davon, eine Beziehung zu führen, nur um eine zu haben. Ich will Leidenschaft, und nicht froh sein, wenn sie endlich aus der Wohnung ist. Und du? Seit wann bist du Single? Hier schon jemand Nettes getroffen?

MausKöln: Das sind ja ’ne Menge Fragen. Langsam …

Basti32: Ich bin halt ein neugieriger Mensch.

Basti32: Schlimm?

MausKöln: Nein, nicht schlimm. ;-) Hast du auch einen Namen?

Basti32: Oh ja, sorry. Ich heiße Bastian. Und du?

MausKöln: Bianca.

Basti32: Schöner Name.

MausKöln: Also, bis gerade eben fand ich dich noch sympathisch. Hör auf zu schleimen! :-(

MausKöln: Woher kommst du, aus Köln? Oder bist du zugezogen?

Basti32: Nein, ich finde Namen wichtig. Also, wenn du jetzt z.B. Magarete heißen würdest, fänd ich das nicht so toll. Kennst du das nicht?

MausKöln: Du meinst, ein Name strahlt auch was aus?

Basti32: Ja, genau. Und ja, ich bin Kölner. Wohne im Kunibertsviertel. Und du?

MausKöln: Zugezogen aus Hannover, wegen Studium. Lindenthal.

Basti32: Okay. Und jetzt zu meinen Fragen. lol

MausKöln: Also, ich bin seit acht Monaten Single. War davor zwei Jahre mit jemandem zusammen. Der ist mir dann aber fremdgegangen.

Basti32: Und da hast du gleich Schluss gemacht?

MausKöln: Sorry, aber fremdgehen geht gar nicht. Bist du schon mal fremdgegangen?

Basti32: Nein. Aber ich muss ehrlich sein, ich bin auch noch nicht in die Situation gekommen. Eigentlich bin ich schon der Überzeugung, dass zu Hause gegessen wird. Wenn du weißt, was ich meine.

MausKöln: Wieso bist du am Samstagabend daheim?

Basti32: Meine Kumpels sind heute irgendwie alle beschäftigt, aber ich muss auch nicht jeden Abend Party machen. Außerdem kann ich so ja dich kennenlernen … :-)

MausKöln: Was machst du beruflich?

Basti32: Ich arbeite in einer Werbeagentur.

Maus Köln: Und was tust du da genau?

Basti32: Ich bin das Bindeglied zwischen der Agentur und den Produktionsfirmen. Also, wenn wir z.B. einen Werbespot drehen, dann machen wir das nicht selber, sondern beauftragen eine externe Filmproduktion. Ich muss dann u.a. für unseren Auftraggeber eine Kalkulation machen und auf der anderen Seite schauen, dass für uns was übrig bleibt. Du verstehst? Was studierst du?

MausKöln: BWL, im dritten Semester. Ich wollte erst Kunst studieren, aber damit lässt sich schwer Geld verdienen.

Basti32: BWL ist sehr trocken, oder?

MausKöln: Nee, mir gefällt es. Dein Foto ist so undeutlich. Beschreib dich mal.

Basti32: Beschreiben? Also die Angaben stimmen. :-) Bin 189 cm, 82 kg, blond und gut in Form, aber ich habe keinen Waschbrettbauch. Ist das dein Typ?

MausKöln: Klingt nicht schlecht. Aber Aussehen ist ja nicht alles.

Basti32: Nee, nicht alles, aber schon eine Menge. Es muss einfach passen. Lust, mit mir zu telefonieren? Ich bin nicht der große Chatter.

MausKöln: Du bist ja echt schnell. Ich geb doch nicht jedem sofort meine Nummer.

Basti32: Ich bin doch nicht jeder. Und ich bin garantiert kein krimineller, perverser Spinner. Ich geb dir meine: 0151/7655XXXX.

MausKöln: Ich bin arme Studentin :-), ich ruf doch nicht auf deinem Handy an. Also, wehe dir, du bist ein Stalker oder so. Meine Nummer ist 0162/4527XXXX. Aber nicht sofort. Erst in zwanzig Minuten.

Basti32: Okay. Ich freu mich, deine Stimme zu hören.

Wow, das geht ja schnell! Nach dem Fiasko mit der »All-In-One«-Hotline war nicht nur meine Pizza fast verbrannt, sondern auch meine Laune im Keller. Meine Wohnung stank nach Rauch und Ärger. Aber um auf andere Gedanken zu kommen, habe ich dann doch meinen Laptop hochgefahren und mich auf die Couch gelümmelt. Ich hatte die Wahl: die Kalkulation für die Firma fertig machen – und die muss dringend fertig werden, sonst rastet mein Chef aus – oder eine Frau kennenlernen. Die Entscheidung war leicht. Immerhin ist Wochenende.

»Friendscout« ist die erste Singlebörse, die ich je besucht habe. Das eigene Profil war schnell erstellt:

Alter: 32

Status: Single

Wohnort: Köln

Sternzeichen: Wassermann

Motto: Wer will denn einen Mann mit einem Motto?

Augenfarbe: grünbraun

Haarfarbe: blond

Größe: 189 cm

Gewicht: 82 kg

Figur: gut in Form

Beruf: Werbung

Das ist alles nicht einmal geschummelt, schließlich will ich nicht nur Spaß haben, sondern wirklich eine nette Frau finden. Wäre zwar super einfach gewesen, aber was hätte es schon gebracht, mich fünf Jahre jünger zu machen? Spätestens beim Date sieht mein Gegenüber, dass ich keine 27 mehr bin. Ob hier alle so ehrlich sind wie ich?

Auf Seite zwei der Anmeldung soll man einen Fragebogen ausfüllen. Was soll das, ich will doch keine Aufsätze schreiben, sondern nur jemanden kennenlernen! Na komm, Basti, sei nicht so schreibfaul. Erzähl der Welt etwas von dir!

Wie stellst du dir deine Traumfrau vor?

Ich hoffe, dass sie kein Traum bleibt, sondern ich sie in der Realität treffen kann. Sie muss nicht 90-60-90 haben, aber auch nicht das Doppelte davon. Bisher hat mich der große, blonde Typ immer mehr angesprochen, aber deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass ich dann doch eine kleine, dicke Schwarzhaarige heirate.

Welches Sternzeichen bist du?

Wassermann, aber ich glaube wirklich überhaupt nicht daran.

Welches ist dein Lieblingsbuch?

Es gibt nicht ein Lieblingsbuch, aber ich habe gerade die Stieg-Larsson-Trilogie gelesen. Echt der Hammer. Ansonsten eher lockerere Bücher als den Faust.

Kannst du kochen?

Muss man das nicht heute als Mann?

Wie sieht dein Traumurlaub aus?

Von allem etwas. Ein wenig Kultur, ein wenig Strand und eine Menge Spaß.

Wie würdest du einem Blinden dein Äußeres beschreiben?

Ich hoffe natürlich, dass mein Herzblatt mich sehen kann. Ich bin groß, schlank und habe eine normale Figur. Kein Waschbrett, aber auch keinen Bierbauch. Ich glaube, ich bin tageslichttauglich.

Was ist für dich wichtig in einer Beziehung?

Verständnis, Fairness, Vertrauen, Geborgenheit, Sex und Treue. Es muss einfach passen. Ich halte nichts davon, eine Beziehung zu haben, nur um eine vorweisen zu können. In der Folge ist man unglücklich und geht fremd. Das ist nicht mein Ding.

Was ist dir peinlich?

Eigentlich nichts, aber hier angemeldet zu sein, macht mich nicht gerade stolz.

Die weiteren knapp zwanzig Fragen über meine Hobbys, meine Religion, meine sexuellen Vorlieben, meinen Lieblingsfilm und so weiter spare ich mir. Ich will doch mit meiner Auserwählten noch was zu besprechen haben.

Wenigstens sind die ersten zwei Wochen kostenfrei.

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Viel Spaß!



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