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Frau Maier sieht Gespenster

Jessica Kremser wurde in Traunstein geboren und wuchs am Chiemsee auf. Zum Studium der englischen und italienischen Literatur und der Theaterwissenschaften zog es sie nach München, wo sie heute als Redakteurin für verschiedene Zeitschriften schreibt.

Von Jessica Kremser bereits erschienen:

Frau Maier fischt im Trüben (2012)

Frau Maier hört das Gras wachsen (2013)

Für Vroni

(im Inseljargon: Alter Ego)

und zur Erinnerung an eigentlich sowieso schon unvergessliche Inselzeiten.

Mit besonderem Dank an Mama, Hanne und Herbie, die mir mit Babysitter- und Cateringdiensten das Schreiben dieses Buches ermöglicht haben.

Und mit bestem Dank an die Anwältin, den Kastellan und den Arzt meines Vertrauens für Auskünfte über Scheidungen, Königsmäntel und Gehirnerschütterungen.

Erstes Kapitel
Mittwoch

 

I

Der erste Donnerschlag kam mit solcher Wucht, dass Frau Maier zusammenzuckte, obwohl sie ihn erwartet hatte. Nach so vielen Jahren am großen See kannte sie alle Wetterkapriolen eines heißen Sommers.

Sie blieb stehen und schaute in den Himmel. Die dunklen Wolken zogen wie von Peitschenhieben getrieben im Eiltempo vor die gleißende Sonne, die von einem schwarzen Rand umgeben war. Das Wasser hatte sich in Sekundenschnelle von einem leuchtenden Blau in ein bedrohliches Grau verwandelt, und die ersten Wellen rollten auf das Ufer zu. Ein dicker Regentropfen traf Frau Maier direkt auf die Stirn.

„Na bravo“, brummte sie und ging schnell weiter. Doch auch so war ihr Tempo vergleichsweise gemächlich – eine alte Frau ist schließlich kein D-Zug, dachte sie und schnaubte im gleichen Moment verächtlich. Woher kam eigentlich dieser blöde Spruch? Alte Frau. Alt. „Alt ist ein dehnbarer Begriff “, brummte sie und versuchte, die jetzt dicht herunterprasselnden Regentropfen zu ignorieren.

Der Tag war heiß und schwül gewesen, aber durch das Unwetter hatte sich die Luft abgekühlt.

Frau Maier spürte, wie sich eine Gänsehaut auf ihren Armen ausbreitete. Ein greller Blitz erhellte den dunklen Himmel direkt hinter dem Kauzinger Kirchturm. Der nächste Donner rollte dunkel grollend aus der Ferne heran und entlud sich genau in dem Moment, in dem Frau Maier die schwere Kirchentür erreicht hatte.

II

In der Kirche war es kühl und still. Der Regen prasselte zwar auf das Dach, aber er wurde zu einem gleichmäßigen, gedämpften Rauschen, das die anderen Geräusche der Außenwelt abschirmte, und die Kirche zu einem ruhigen Hafen in stürmischer See machte.

Frau Maier bekreuzigte sich. Nur aus alter Gewohnheit oder aus Überzeugung? Sie wusste es schon seit Jahren nicht mehr genau. Aber das Bedürfnis, in einer Kirche zu sein, war stark gewesen. Langsam ging sie durch den Mittelgang auf den Altar zu. Täuschte sie sich, oder sah die Marienstatue dort vorne heute irgendwie ernster aus als sonst?

„So ein Schmarrn“, flüsterte Frau Maier, kniete sich trotz der Schmerzen in ihrem Bein kurz hin und setzte sich in die vorderste Bank. Sie schloss die Augen und atmete tief durch.

„Alles ist in bester Ordnung“, murmelte sie. „Alles ist in bester Ordnung.“

Sie öffnete die Augen wieder und bildete sich ein, dass sie ruhiger atmete als vorher.

„Es ist ja nur wegen der Katze“, raunte sie der ernsten Madonna zu. In diesem Augenblick zuckte hinter dem Kirchenfenster ein Blitz über den Himmel, gefolgt von einem gewaltigen Donnerschlag.

„Ist ja gut“, seufzte Frau Maier. „Du sollst nicht lügen, ich weiß.“

Und vor allem sollst du keiner Marienstatue direkt ins Gesicht lügen, fügte sie in Gedanken hinzu.

Na gut. Sie musste den Tatsachen also ins Auge sehen. Seit sie das Angebot angenommen hatte, war sie wieder da. Die Unruhe. Die Unruhe, die Frau Maier, die eigentlich die Ruhe in Person war, ganz deutlich zu verstehen gab, dass etwas nicht stimmte.

III

Das Angebot, auf der Insel zu arbeiten, war eigentlich gut. Sehr gut sogar. Jetzt im Hochsommer strömten die Touristen ins große Schloss, und Aushilfen wurden gebraucht, um alles in Schuss zu halten. Eine ehemalige Kollegin aus dem Kurhotel hatte Frau Maier den Job vermittelt.

Natürlich hatte ihre größte Sorge sofort der Katze gegolten. Denn auf der Insel standen für Arbeitskräfte Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung, und es wäre wesentlich einfacher, dort zu schlafen, um den Dienst in aller Frühe antreten zu können. Aber Frau Maier wollte nicht auf der Insel übernachten. Sie wollte die Katze nicht alleine lassen. Elfriede, ihre Bekannte aus der Sparkasse in Kauzing, hatte zwar sofort angeboten, sich zu kümmern, aber Frau Maier war nicht wohl bei dem Gedanken. Die Katze hatte schließlich noch nie ohne sie auskommen müssen. Also hatte sie mit ihrem neuen Arbeitgeber beim Vorstellungsgespräch vereinbart, dass sie mit dem Schiff zwischen Kauzing und der Insel hin- und herfahren würde, und nur in Ausnahmefällen – wenn sie für eine Veranstaltung abends oder für eine Frühschicht gebraucht wurde – auf der Insel übernachten würde. Insofern war alles gut.

Eigentlich.

„Es ist normal, vor dem ersten Arbeitstag nervös zu sein“, beruhigte sich Frau Maier zum vielleicht hundertsten Mal. „Vor allem, wenn man so eine komische, alte Schachtel ist wie ich, die Angst vor Menschen hat“, fügte sie hinzu.

Die Mutter Gottes verzog keine Miene.

„Du hättest jetzt ruhig widersprechen können“, merkte Frau Maier an. Sie starrte auf die flackernden Opferkerzen vor der Madonna. Einatmen, ausatmen.

Doch so sehr sie auch versuchte, sich selbst davon zu überzeugen, dass alles normal war: Sie wusste ganz genau, dass das nicht stimmte. Sie wusste ganz genau, dass die Unruhe eine andere Sprache sprach.

Der Regen prasselte immer noch gleichmäßig auf das Kirchendach. Das Gewitter war vorbeigezogen, der Donner grollte nur noch leise in der Ferne. Allmählich entspannte sich Frau Maier doch ein kleines bisschen. Nur, dass die Madonna immer noch so ernst dreinschaute, irritierte sie ein wenig. Na gut, was soll’s, dachte sie. Sie wird schon wissen, warum.

Doch dann, gerade, als sie sich etwas mühsam aus der Kirchenbank aufgerappelt hatte, hörte sie es.

„Frau Maier!“ Ein Flüstern, hinter ihr. „Frau Maier!“ Eindringlich. Aber auch ein kleines bisschen spöttisch. Ihr Herzschlag beschleunigte sich.

Sie fuhr herum. Niemand war zu sehen. Der Kirchenraum war düster, wegen des schlechten Wetters. Aber einen Menschen hätte sie doch bestimmt auch im Halbdunkel erkannt?

Oder?

Konnte sich oben im Chorraum jemand versteckt haben?

Frau Maier spürte Panik in sich aufsteigen, als sie an den Maskenmann damals im Kilianskircherl dachte. Er hatte sie verfolgt, beobachtet und belauert, weil sie ihm zufällig in die Quere gekommen war, als er eine Leiche verschwinden lassen wollte. Und im kleinen Kircherl, ganz abgelegen und einsam, da hatte er dann schließlich versucht, sie … Zusammenreißen. Sie biss die Zähne zusammen und ging langsam den Mittelgang entlang. Dabei spitzte sie ihre Ohren so sehr sie nur konnte.

Doch da war kein Flüstern mehr. Und als sie den Ausgang erreicht hatte, war sie sicher, dass da auch nie eines gewesen war. Wer bitteschön sollte sich auch in der Kirche verstecken und ihren Namen flüstern? Wer bitteschön hatte überhaupt gewusst, dass sie gerade jetzt in der Kirche war? Und wenn ihr jemand gefolgt wäre, dann hätte sie schließlich das Geräusch der schweren Türen hören müssen. Und, vor allen Dingen: Warum um alles in der Welt sollte jemand in der Kirche ihren Namen flüstern?

IV

Ihr war so, als könne sie das Gewitter, das sich im Abzug befand, noch spüren, und sie ging so schnell sie nur konnte durch das Dorf in Richtung See. Sie fühlte sich gehetzt. Oder verfolgt? War es wirklich nur das Gewitter, das sie in ihrem Rücken spürte? Und in ihrem Nacken, wo sich ein leichtes Kribbeln ausbreitete? Oder war da noch etwas anderes …

Frau Maier drehte sich schnell um. Doch die Straße hinter ihr war leer.

Frau Maier. Dieses Flüstern. Da hatten ihr das Rauschen des Regens und die Geräusche des fernen Unwetters doch tatsächlich einen Streich gespielt.

Solche Vorkommnisse beunruhigten Frau Maier. Denn wenn sie sich auf etwas verlassen musste, dann waren das ihre fünf Sinne und ein klarer Verstand. Sie lebte immerhin alleine in ihrem kleinen Haus am See, und sie war auch völlig alleine für sich verantwortlich. Da konnte sie sich keine Hirngespinste leisten! Und was, wenn es doch eine Alterserscheinung war …

„Nichts da!“, schimpfte sie laut. „Du regst dich jetzt ab und denkst nicht über dein Alter nach!“

Manchmal musste Frau Maier sehr streng mit sich selbst sein. Das half.

Fast immer.

Heute leider nicht. Als Frau Maier am See angekommen war und den Weg am Ufer entlang zu ihrem Haus ging, spürte sie sie immer noch. Die Unruhe.

Der See lag nach dem Gewitter da, als wäre nichts gewesen und auch der Himmel sah aus, als könne er kein Wässerchen trüben. Spiegelglatt und hellblau, alle beide. Sie blieb stehen und schaute lange aufs Wasser hinaus. Sie atmete langsam ein und aus und versuchte, die Ruhe des Sees in sich aufzunehmen. Dann ging sie weiter und zwang sich zu einem gemächlichen Tempo. Doch gerade, als sie den kleinen Wald, in dem ihr Haus stand, erreicht hatte, war es wieder da. In ihrem Kopf.

Frau Maier!

V

Manchmal war es im kleinen Haus am See schon ein bisschen einsam, auch wenn Frau Maier sich das nur ungern eingestand. Vor allem an Tagen wie diesen. An Tagen, an denen die Unruhe zu Besuch kam, und sich als ungebetener Gast in jedem Zimmer breitmachte.

Frau Maier lag auf dem Sofa, neben sich einen Stapel Kochbücher. Nichts konnte sie so gut ablenken wie das Schmökern in einem Kochbuch, wenn sie sich jedes Rezept in Gedanken auf der Zunge zergehen ließ. Doch heute lag Die große Fischküche bereits seit einer Viertelstunde auf ihrem Schoß und sie hatte erst einmal umgeblättert.

Frau Maier seufzte. „So wird das nichts.“ Sie setzte sich langsam auf. Sie würde die Katze noch einmal rufen. Dann hätte sie wenigstens Gesellschaft. Vorhin hatte sie sich nicht blicken lassen. Vermutlich hatte sie das Gewitter an einem trockenen Fleckchen verschlafen und sparte sich ihre Kräfte für eine weitere, spannende Sommernacht auf.

Es klingelte an der Haustür. Frau Maier zuckte zusammen. Immer noch. Obwohl sie sich in letzter Zeit so bemüht hatte, offener zu werden und Freundschaften zu schließen – sie rechnete nie mit Besuch. Offenbar brauchte sie sehr lange, um sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass einfach so mal jemand zu ihr kommen könnte. Auch ohne Einladung.

„Du bist manchmal ganz schön langsam“, bemerkte sie, während sie aufstand und zur Tür ging – und wunderte sich nur ganz kurz darüber, dass sie gerade zu ihrem eigenen Gehirn gesprochen hatte.

„Frau Maier!“ Dr. Frank Schön sah wie immer ein bisschen verlegen aus, aber Frau Maier hatte längst gelernt, sich davon nicht täuschen zu lassen. Frank war schließlich wesentlich weniger harmlos, als er aussah, und auch wesentlich weniger schüchtern. Beides hatte der Psychologe mit den blauen Augen und der vernachlässigten Frisur, seit sie ihn kannte, schon mehrfach unter Beweis gestellt. Damals, als sie die Leiche im See entdeckt hatte, und die Polizei ihr nicht hatte glauben wollen, da war Dr. Frank Schön, der Polizeipsychologe, zu ihr geschickt worden. Er hatte eigentlich feststellen sollen, dass sie nicht mehr ganz richtig im Kopf war. Frau Maier war bis heute überzeugt, dass man sie dann in ein Heim eingewiesen hätte. Aber Frank Schön hatte Mut bewiesen und Frau Maier bescheinigt, dass sie sehr wohl all ihre Sinne beisammen hatte Er hatte ihr geholfen. Damals, und seitdem immer wieder.

„Alles in Ordnung?“, fragte er jetzt, legte den Kopf ein wenig schief und sah Frau Maier aufmerksam an.

„Natürlich, was sollte denn nicht in Ordnung sein?“, erwiderte Frau Maier schnell und bemerkte erst, als es schon zu spät war, wie barsch ihre Antwort klang.

Frank sagte nichts. Er zog nur fast unmerklich seine Augenbrauen etwas höher und – täuschte sie sich, oder umspielte der Hauch eines Lächelns seine Lippen? Der Hauch eines wissenden Lächelns?! Zusammenreißen, dachte Frau Maier, als sie zur Seite trat und Frank ins Haus winkte.

Sie ließ sich nicht gerne durchschauen. Genauer gesagt hasste sie es, sich durchschaut zu fühlen. Die unerschütterliche, gefasste Haltung – wenigstens nach außen hin – hatte sie sich vor vielen, vielen Jahren angeeignet und seitdem lange trainiert und perfektioniert. Eigentlich. Aber Frank hatte die unheimliche Fähigkeit, immer die richtigen Fragen zu stellen. Und immer zur richtigen Zeit aufzutauchen. So wie jetzt, als sie sich einsam und unruhig gefühlt hatte.

„Kaffee?“, fragte sie.

„Immer gerne!“

Als Frau Maiers alte Kaffeemaschine endlich unter viel Geächze und Gegurgel zwei Tassenfüllungen produziert hatte, setzten sich Frank und Frau Maier ins Wohnzimmer.

Frank ließ sich mit einem Seufzer auf das Sofa sinken.

„Anstrengender Tag?“, fragte Frau Maier. „Komplizierte Fälle?“

„Frau Maier“, sagte Frank und das spitzbübische Lächeln, das Frau Maier so liebte, blitzte in seinem ansonsten so harmlosen Gesicht auf. „Wollen Sie mich aushorchen? Das ist doch meine Aufgabe.“ Und noch bevor Frau Maier etwas erwidern konnte, beugte Frank sich vor und sah sie ernst an. „Irgendetwas stimmt doch nicht. Sie sind angespannt.“

Diese Psychologen! Frau Maier wand sich innerlich. „Ich fange morgen eine neue Arbeit an“, antwortete sie lächelnd.

So. Das würde Frank jetzt erst einmal zufriedenstellen. Man musste einem Psychologen immer ein wenig Futter geben, zum Nachdenken und Besprechen, dann konnte man noch unangenehmere Fragen vermeiden. So viel hatte Frau Maier im Umgang mit Dr. Frank Schön bereits gelernt. Vom Flüstern in der Kirche und von der Unruhe würde sie ihm ganz bestimmt nichts erzählen!

Frank musterte sie eindringlich mit seinen blauen Augen. Frau Maier zwang sich, nicht auf dem Sofa hin und her zu rutschen, was ihr sehr schwerfiel. Frank lehnte sich zurück und trank einen Schluck Kaffee.

„Aha“, sagte er dann, und zog seine Augenbrauen noch ein winziges Stück höher nach oben. „Wo denn?“

„Im Schloss, drüben auf der Insel. Da werden jetzt zur Hochsaison zusätzliche Reinigungskräfte gebraucht. Frau Leitner aus dem Kurhotel hat mir die Stelle verschafft.“

Kurze Pause. Frank nickte. Er lächelte. Dann sagte er: „Warum haben Sie eigentlich aufgehört im Kurhotel zu arbeiten?“

Frau Maier zuckte zusammen. So etwas Blödes. Das Flüstern und die Unruhe hatte sie umgehen können, aber jetzt hatte sich Frank zielsicher das nächste unangenehme Thema herausgepickt. Ein sehr unangenehmes Thema. Sie dachte an Hape, den Koch. Sie dachte an einen großen Eisbecher. Mit viel Sahne. Sie dachte an …

„Was hat denn diese leichte Rötung in Ihrem Gesicht zu bedeuten? Heraus mit der Sprache, Frau Maier, was ist da passiert?“

Frank hatte sich jetzt weit vorgelehnt und sah Frau Maier unverwandt und gespannt an. Ein Blick auf ihn genügte, und Frau Maier tat etwas für sie ganz und gar Ungewöhnliches: Sie kapitulierte. Er würde sich von dieser Fährte nicht mehr abbringen lassen, so viel stand fest.

„Da war ein Kollege“, sagte sie leise, ohne Frank anzusehen.

„Da war ein Gehege?“ Franks Stimme klang ein wenig belustigt, aber als Frau Maier schnell aufblickte, war sein Gesicht vollkommen ernst.

„Nein.“ Sie räusperte sich. „Da war ein Kollege. Ein Kollege “, wiederholte sie noch einmal laut und deutlich. Es entstand eine längere Pause. Sie drehte ihre Kaffeetasse in den Händen. Wo war eigentlich die Katze, wenn man sie mal brauchte, um lästige Psychologen aus dem Konzept zu bringen? Die Katze machte Frank immer nervös, er hatte kein Händchen für Katzen.

„Und dieser Kollege war mehr als ein Kollege?“ Franks Stimme war jetzt ganz sanft. So redet er also mit seinen Patienten, dachte Frau Maier, und musste plötzlich lachen. Was soll’s, ich erzähle es jetzt einfach.

„Nein, dieser Kollege wollte gerne, dass wir mehr sind als nur Kollegen. Aber ich wollte das nicht. Und dadurch wurde die gemeinsame Arbeit für mich …“ Sie suchte nach dem passenden Wort. „Anstrengend.“

Frau Maier atmete tief durch. Erstaunlich! Es war gar nicht schwer gewesen, das zu erzählen. Und tatsächlich fühlte es sich sogar gut an, sie war richtig erleichtert. Als Frank nach einer weiteren Tasse Kaffee aufstand, um sich zu verabschieden, da hatte Frau Maier das Gefühl, dass sich auch die Unruhe verabschiedet hatte.

VI

Das Wasser glitzerte verführerisch im goldenen Abendlicht. Obwohl sich die Luft seit dem Gewitter am Nachmittag nicht mehr auf hochsommerliche Temperaturen erwärmt hatte, konnte Frau Maier der Versuchung nicht widerstehen.

Sie drehte sich um. Niemand zu sehen.

Die Böschung hinter ihr war dicht bewachsen, vom Gehweg aus, der durch das Wäldchen führte, konnte sie niemand beobachten. Schnell zog sie sich bis auf die Unterwäsche aus und watete ins Wasser hinein. Die Steine unter ihren Füßen spürte sie kaum. In dieser Hinsicht war sie eine echte Einheimische. Auch, wenn sie nicht hier geboren worden war, sondern erst als kleines Mädchen in das Dorf am großen See gekommen war. Während die Touristen alljährlich seltsame Verrenkungen aufführten, wenn sie ohne Badeschuhe über die großen Kieselsteine ins Wasser gingen, merkte man ihr die lebenslange Übung an.

Mit einem wohligen Seufzer ließ sich Frau Maier in die Fluten gleiten. Das Wasser war frisch und sie hatte das Gefühl, dass seine Kühle und Klarheit in jede Pore ihrer Haut drang. Sie schloss die Augen und merkte, wie ihre Schwimmzüge immer gleichmäßiger wurden, ihr Atem immer ruhiger. Nach einer Weile machte sie die Augen wieder auf und blinzelte ins Abendlicht hinein. Tausend Edelsteine funkelten direkt vor ihr auf der Wasseroberfläche. Sie drehte sich auf den Rücken und schaute in den Himmel hinauf.

Die neue Arbeitsstelle, die Unruhe, das Flüstern – all das war jetzt ganz weit weg. Der See hatte ihre Sorgen weggespült.

Als sie sich wieder umdrehte, sah sie den Abenddampfer aus der Ferne Kurs auf Kauzing nehmen. Morgen früh würde sie das erste Schiff nehmen, um auf die Insel zu fahren. „Alles ist gut“, flüsterte sie.

Für einen kurzen Moment spürte sie ein starkes Verlangen zu tauchen, und unter Wasser zu schwimmen. Ihren ganzen Körper mit Kühle zu umgeben und sich frei und schwerelos zu fühlen. Sie zögerte und schaute auf das dunkle, klare Wasser.

Nein, heute nicht. Langsam schwamm sie zurück. Ob sie sich jemals trauen würde, wieder zu tauchen? Endlich wieder einmal – seit damals?

Zweites Kapitel
Donnerstag

 

I

Der See glänzte in der Morgensonne wie ein glattes, blaues Juwel. Die Luft, die Frau Maier auf dem Oberdeck umspülte, war morgendlich frisch.

Es war erst acht Uhr und der Dampfer dementsprechend menschenleer. Kurz hatte sie am kleinen Kiosk unter Deck gezögert, weil es gar so gut nach Kaffee geduftet hatte, aber beim Blick auf die Preisliste hatte sie sich dieses Vergnügen verkniffen. Touristenpreise. Sie beschloss, ab morgen immer eine Thermoskanne mit frischem Kaffee für den Arbeitsweg einzupacken.

Der Fahrtwind trieb Frau Maier die Tränen in die Augen, aber sie wollte sie auf keinen Fall zumachen. Zu schön war dieser Anblick. Sie wollte keine Sekunde davon verpassen. Die Berge kamen mit jedem Meter, den sich das Schiff durch den See pflügte, näher und der Himmel war wolkenlos.

In diesem Moment fühlte sich Frau Maier stark und zuversichtlich. Die Stelle auf der Insel anzunehmen, das war sicher eine gute Entscheidung gewesen. Und sie würde mit den Kollegen dort schon klar kommen.

Hätte Frau Maier gewusst, was sie auf der Insel erwartete, hätte sie die Dampferfahrt an diesem frühen Sommermorgen vermutlich weitaus weniger genossen.

II

Einundzwanzig, zweiundzwanzig, zweiundzwanzigeinhalb – das Baby in dem Wagen zählte nur halb. Oh mei, oh mei, ging das heute schleppend. Wahrscheinlich, weil es mitten in der Woche war. Oder weil es noch relativ früh am Morgen war. Wie blöd die Frau mit dem bunt gemusterten Regenschirm, der aus ihrer Handtasche ragte, und dem kleinen Mann mit dem Bart hinter ihr fast die Augen ausstach, schaute. Muffig. Gelangweilt. Und das im Urlaub. Oh mei, oh mei. Achtundzwanzig, neunundzwanzig – und immer noch nichts, was eine Notiz auch nur annähernd wert gewesen wäre.

III

Frau Maier holte tief Luft. Durch das Schloss schwebte ein ganz besonderer Geruch. Was war es? Das Holz? Die Stoffe? Der Staub? Oder alles zusammen?

Langsam ging sie durch die prächtigen Räume. Einmal, ein einziges Mal war sie schon hier gewesen. Damals, zu ihrer Erstkommunion. Da hatten ihre Eltern ihr einen Ausflug auf die Insel geschenkt. Sie erinnerte sich noch, wie aufgeregt sie gewesen war. Wie sie gestaunt hatte über die vielen Spiegel und Kerzen. Wie fröhlich ihre Mutter ausgesehen hatte und wie fest ihr Vater ihre Hand gedrückt hatte, als sie sich ehrfürchtig an ihm festgeklammert hatte. Frau Maier spürte, wie ihre Kehle eng wurde und ihre Augen brannten. Sie schluckte. Schnell weitergehen, schnell an etwas anderes denken.

Sie richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Umgebung. Auch heute, so viele Jahre später, versetzte sie das Schloss in Staunen. Und es kam ihr unwirklich vor, dass sie jetzt ganz alleine durch die menschenleeren Zimmer wandeln durfte.

„Schauen Sie sich in Ruhe um“, hatte Herr Schachner lächelnd gesagt. „Schließlich müssen Sie Ihren Arbeitsplatz erst einmal kennen lernen.“

Oliver Schachner war ihr neuer Chef. Er kümmerte sich um den reibungslosen Ablauf im Schloss – und dazu gehörte auch, dass er die Putzhilfen und Schlossführer zum Dienst einteilte. Frau Maier kannte ihn bereits vom Vorstellungsgespräch, und auch heute war er wieder so freundlich und höflich zu ihr gewesen wie damals.

„Mein neuer Arbeitsplatz …“, wiederholte Frau Maier. Das klang wirklich komisch. Ein prunkvoller Arbeitsplatz. Unwirklich.

Geh’ leise, denn Du gehst auf meinen Träumen. So lautete ein berühmtes Zitat des Königs, der das Schloss hatte erbauen lassen. Sie hatte es gerade erst unten im Foyer in einem Prospekt gelesen. Jetzt, als sie über diese Worte nachdachte, lief sie unwillkürlich auf Zehenspitzen weiter.

Im großen Spiegelsaal hielt Frau Maier die Luft an. Viele Dinge, die einem als Kind riesengroß und beeindruckend erschienen, schrumpften im Lauf der Jahre auf ein enttäuschendes Normalmaß zusammen. Dieser Saal nicht. Er war auch heute noch riesengroß. Die Spiegel erstreckten sich an beiden Seiten über die volle Länge, in ihnen schienen tausende von Kerzen zu winken. Das Gold überall leuchtete in der Morgensonne, die sich im Kristall der vielen Lüster brach. Ein Zimmer voller Gold und Juwelen, dachte Frau Maier. Eine riesige Schatzkammer.

Plötzlich glaubte sie, hinter sich eine Bewegung wahrzunehmen. War da jemand im Nebenraum? Eine ihrer neuen Kolleginnen? Das wäre gut, denn allmählich musste sie sich daranmachen, ihre Materialien zum Putzen aus dem Abstellraum zu holen, und sie hätte gerne jemanden dabei, der ihr alles zeigen konnte.

Sie warf einen Blick in den Nebensaal. Niemand zu sehen. Doch plötzlich stutzte sie. Auch die Türen waren komplett verspiegelt, und da sie auf beiden Seiten offen standen, konnte Frau Maier sich von allen Seiten sehen. Wie in einem Spiegelkabinett. Kritisch musterte sie ihre Rückenansicht. So richtig vorteilhaft saß diese Hose nicht. Vielleicht könnte sie sich vom ersten Gehalt einmal eine neue …

Ihr stockte der Atem. In einem der Spiegel hatte sie jetzt ganz deutlich eine Gestalt gesehen. Aber es war keine ihrer Kolleginnen gewesen. Es war ein Mann gewesen. Groß. Dunkelhaarig. Und – Frau Maier zwickte sich kurz – er hatte einen blauen Samtmantel um die Schultern getragen. Mit weißem Pelz gefüttert … „Hermelin“, murmelte sie. Der Königsmantel. Blauer Samt und weißer Hermelin. Sie hatte ihn vor zehn Minuten unten im Museum gesehen.

Sie fuhr herum. Doch wieder war niemand zu sehen und es war ganz still im großen Spiegelsaal. Frau Maier schloss kurz die Augen. War sie übermüdet? Sie hatte vor Aufregung kaum geschlafen und heute Morgen vielleicht eine Tasse Kaffee zu viel getrunken. Oder hatte sie gerade unbewusst an den Mantel gedacht und dann …

„Sie müssen Frau Maier sein, oder?“, sagte da eine freundliche Stimme hinter ihr. Frau Maier zuckte leicht zusammen. Was war nur los in diesem Schloss? Entweder sie sah Menschen, die nicht da waren, oder sie übersah die, die tatsächlich da waren. Zusammenreißen.

„Ja, richtig, ich bin die Neue.“ Frau Maier streckte lächelnd ihre Hand aus, und die junge Frau mit den lustigen Sommersprossen und dem rötlichen Pferdeschwanz ergriff sie und sagte: „Ich bin die Veronika. Veronika Mittermaier. Alle nennen mich Vroni.“

„Mich nennen alle Frau Maier“, sagte Frau Maier.

Falls Vroni sich wunderte, dass Frau Maier ihren Vornamen für sich behielt, ließ sie es sich nicht anmerken. Sie lachte kurz und erwiderte: „Die Frau Maier und die Frau Mittermaier, das passt doch. Soll ich Ihnen zeigen, wo Sie alles finden, was Sie hier zum Putzen brauchen?“

Dankbar nahm Frau Maier das Angebot an. Sie hatte ja sowieso jemanden gesucht, der sie einweisen konnte, aber jetzt war sie doppelt dankbar für die Ablenkung. Sie musste sich schleunigst wieder dem Hier und Jetzt widmen und die Vision im blauen Samtmantel verdrängen. Leider klappte das nicht sehr lange.

Als Frau Maier kurze Zeit später gewissenhaft die vielen Quadratmeter glänzenden Parketts im Spiegelsaal wischte, konnte sie sich nicht richtig auf die Arbeit konzentrieren. Immer wieder hielt sie inne und lauschte. Was war das? Ein leises Klirren von Kristall, verursacht durch einen Lufthauch? Die Fenster waren alle geschlossen.

Ein Säuseln, ein Wispern? Oder eine sanftes Schleifen – zum Beispiel von Samt über Parkett? „Jetzt reiß dich bitte endlich zusammen!“, schimpfte Frau Maier energisch mit sich selbst. Offenbar lauter als beabsichtigt, denn postwendend kam eine Antwort aus der Richtung des Schlafgemachs: „Haben Sie mich gerufen, Frau Maier?“

„Nein, nein, alles in Ordnung, Frau Mitterm… Vroni, meine ich!“

Doch es war nicht in Ordnung. Was hatte sie da vorhin nur gesehen? Sie war doch nicht verrückt! Oder vielleicht doch? Ein kleines bisschen?

Nein, natürlich nicht. Da war jemand gewesen. Und auch jetzt … Sie spürte doch, wenn jemand sie beobachtete. Ihr Mund wurde trocken. Sie spähte erneut in alle Spiegel, aber es war niemand zu sehen. Und die Vroni schien ja auch nichts zu bemerken. Oder?

Frau Maier fasste sich ein Herz. Alles war besser, als für den Rest des Tages oder noch viel länger darüber zu grübeln, ob sie all ihre Sinne beisammen hatte. Rasch ging sie zu ihrer neuen Kollegin und sagte sofort, bevor sie es sich noch einmal anders überlegen konnte: „Da gibt es doch etwas, was ich noch fragen wollte. Vorhin, im Spiegelsaal, da habe ich jemanden gesehen. Also eine Person, die …“ Jetzt zögerte Frau Maier doch kurz. Wie erklärte sie, dass sie jemanden im Samtmantel des Königs gesehen hatte, ohne vollkommen irre zu klingen?

Sie brauchte sich darüber keine weiteren Gedanken zu machen, denn Vroni hakte ein: „Sie haben jemanden gesehen, der so aussah, wie unser König?“ Sie lachte über Frau Maiers verdutztes Gesicht. „Ich hätte Sie gleich warnen sollen, das tut mir leid. Das ist nur der Konny.“

„Der Konny?“, wiederholte Frau Maier lahm.

„Ja, der Freiberger Konrad. Einer der Hilfsgärtner hier auf der Insel. Er ist ein bissl …“

Vroni tippte sich mit bedeutungsvoller Miene ein paar Mal leicht an die Stirn.

Frau Maier nickte verständnisvoll und hoffte, die Vroni würde noch etwas mehr erzählen. Ihre Hoffnung wurde nicht enttäuscht.

„Er hat den König schon immer unheimlich verehrt, wissen Sie. Er weiß auch alles über ihn, hat alle Biografien und so was gelesen. Man kann ihn alles fragen, wirklich alles. Beeindruckend. Na ja, und dann ist das Ganze ein bisschen … aus dem Ruder gelaufen.“

Frau Maier zog fragend die Augenbrauen hoch. Zum Glück schien Vroni sehr gerne zu reden. Eine sympathische junge Frau, fand Frau Maier.

„Der Konny hat eine ganz schwere Zeit gehabt. Trennung von seiner Frau und so. Sie verstehen schon.“

Frau Maier fand, es war der falsche Zeitpunkt, um zu erläutern, wie gut sie das verstand. Sie nickte nur.

„Und da hat er sich dann nur noch in seine Traumwelt vom König geflüchtet. Hat von nichts anderem mehr geredet. Hat sich eigenhändig einen blauen Mantel geschneidert und sich daheim als König verkleidet. Und irgendwann hat er dann angefangen, morgens im Schloss in seiner Verkleidung herumzuschleichen.“ Vroni seufzte mitleidig.

Frau Maier fiel ein riesiger Stein vom Herzen. „Und ich dachte schon, ich sehe Gespenster!“, rief sie und lächelte Vroni an. Dann wurde sie wieder ernst.

„Aber ansonsten kann er alleine leben – und arbeiten?“

„Ja, freilich!“ Vroni nickte eifrig. „Er ist ja nicht verrückt oder so. Er spinnt halt nur bissl. Aber er ist sehr nett.“

Noch einmal fühlte Frau Maier Erleichterung. Es war gut zu wissen, dass der Mensch, der da durchs Schloss schlich, sehr nett war.

„Na dann passt ja alles. Dann wische ich mal weiter“, sagte sie und drehte sich um.

„Ach, Frau Maier“, sagte die Vroni da, und es klang verlegen.

„Ja?“

„Vielleicht erwähnen Sie das Ganze nicht beim Chef, wenn es geht.“

Als sie Frau Maiers fragenden Gesichtsausdruck sah, fügte sie hinzu: „Er hat das mit dem Kostüm nicht so gerne. Einmal ist der Konny einer Gruppe von Touristen begegnet und eine Oma ist furchtbar erschrocken.“

Das war vermutlich so eine Oma wie ich, dachte Frau Maier.

„Na ja, und wir hier im Schloss, also die meisten von uns, haben beschlossen, den Konny nicht zu verpetzen. Er macht ja nichts Schlimmes und er tut uns irgendwie leid.“ Sie zuckte entschuldigend mit den Schultern. „Sie müssen natürlich nicht lügen, wenn er Sie fragt“, fügte sie schnell hinzu. Sie hatte wohl gerade bemerkt, dass sie sich der Neuen ziemlich ausgeliefert hatte, und dass die sie sofort beim Chef anschwärzen konnte, wenn sie wollte. „Aber von sich aus müssen Sie es ja nicht unbedingt erwähnen?“, fügte sie mit etwas unsicherer Stimme hinzu.

„Ich sage nichts“, versprach Frau Maier mit fester Stimme. „Ich finde das sehr nett von Ihnen und den anderen Kollegen.“ Sie nickte und ging zurück in den Spiegelsaal.

Und Veronika Mittermaier wusste in diesem Moment, dass die Neue richtig in Ordnung war. Eine freundliche, rundliche Omi mit grünen Augen und vielen Lachfalten. Sie lächelte, als sie sich wieder an die Arbeit machte.

IV

Die Sommersonne wärmte ihr Gesicht. Frau Maier schloss die Augen und lauschte dem gleichmäßigen, beruhigenden Brummen der Schiffsmotoren. Sie spürte jeden einzelnen Knochen – in so einem Schloss gab es doch eine Menge zu putzen.

Der erste Tag war gut verlaufen und sie war erleichtert. Der Chef war nett und die Vroni auch. Mit den anderen hatte sie noch nicht viel zu tun gehabt. Sie dachte an die Erscheinung in den Spiegeln, an die Figur im Hermelinmantel. Der Freiberger Konny, er ist ein bisschen … Sie sah Vronis mitleidiges Gesicht vor sich und spürte trotz der Wärme eine Gänsehaut auf ihren Armen. Der Konny hat eine schwere Zeit gehabt… Und dann hat er sich in seine Traumwelt geflüchtet.

Wie knapp war sie selbst eigentlich an so einem Leben vorbeigeschlittert?

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