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Frangipani

Die Autorin Bianka van den Brandt wurde am 28. Juli 1973 in Schwedt an der Oder geboren und wuchs dort als jüngstes von zwei Geschwistern auf. Im Alter von 25 Jahren zog es sie nach Asien und dort lebte sie mehrere Jahre in Indien und Nepal. Die Erfahrungen, die sie dort machte, inspirierten sie zu schreiben.

Dieses Buch widme ich Steffen, Leo und Shelly, die das Beste sind, was mir je passiert ist.

Meinen geliebten Eltern und meiner Schwester, die immer zu mir hielten. Ich liebe euch alle sehr.

Vorwort

Wieso um alles in der Welt, sitze ich jetzt hier und schreibe dieses Buch? Ich habe keine Ahnung vom Schreiben oder vom Layout, aber wieso muss immer alles nach deutscher Gründlichkeit passieren? Warum nicht einfach hinsetzen und schreiben, was meine Finger und mein Kopf so von sich geben?

Lange habe ich es schon in meinen Gedanken, alles aufzuschreiben, was mir wieder und wieder in den Kopf kommt. Dinge, die ich erlebt und erfahren habe und oft noch nicht wirklich verarbeitet habe.

Aber wer wird dieses Buch lesen? Interessiert das überhaupt jemanden? Es wird sich herausstellen.

Ich war schon immer eine Träumerin, aber ich wuchs in einer glücklichen Familie auf, die alles tat, damit meine Schwester und ich glücklich waren. Ich träumte oft in den Tag hinein und schon als kleines Mädchen glaubte ich an die ganz große Liebe, den einen Prinzen, der mein Herz berührte. Ich war harmoniesüchtig, hasste Streitigkeiten und versuchte immer, es allen recht zu machen. Natürlich musste ich irgendwann bitter erfahren, dass dies nun mal nicht funktionierte. So träumte ich oft, liebte schnulzige Geschichten mit Happy End und musste mir oft anhören, dass ich mit meinem Kopf in den Wolken hänge.

Schon damals war ich fasziniert von orientalischen Geschichten, dem Orient und vor allem fand ich Aladin oder andere dunkelhaarige Figuren wahnsinnig spannend. Als Teenager begann das Drama bereits, denn viele Jungen wollten mit mir gehen, aber eben nicht dieser eine Prinz, den ich mir in den Kopf gesetzt hatte. Wieso nur? Wieso war das Leben so schwierig? Die Jungen, die man haben konnte, wollte man nicht, aber dieser eine zeigte eben kein Interesse.

Also fing ich das erste Mal an zu zweifeln, was die Erwachsenen da so faselten von Liebe und Glück. Wieso tat es weh? Er war doch so perfekt für mich. Jeder in unserem Viertel mochte ihn. Er war witzig, hilfsbereit und eben….meine erste große Liebe.

Mit meinen 13 Jahren dachte ich, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, wie jeder andere halbstarke Teenager auch. Eltern wurden uncool und man verstand die Welt nicht mehr. Oder verstand diese Welt mich nicht?

Er schrieb mir zwar Briefe, aber alles rein freundschaftlich und er wusste nicht, dass ich mir wegen ihm meine jugendlichen Augen aus dem Kopf heulte. Ich war beliebt, bei Mädchen und besonders bei der männlichen Jugend, aber wo war denn dieser blöde Amor mit seinem Pfeil, wenn man ihn brauchte? Man war es schwer, erwachsen zu werden, mit all den Hormonen und komischen Gefühlen. Dann dieses seltsame Gefühl im Bauch, wenn mein Prinz mir begegnete…Schmetterlinge, so sagte man mir! Schmetterlinge in meinem Bauch? Es fühlte sich eher an wie ein Düsenjet oder wie eine Eisenbahn, die mich platt walzte, wenn er vor mir stand.

War ich ihm zu jung? Denn immerhin war er schon 16 Jahre alt und er würde bald eine Lehre beginnen. Also entschloss ich mich, Liebe doof zu finden, wenn ich schon nicht diesen einen haben konnte.

Es kam, wie es kommen musste….ohne mein Happy End. Er verließ die Stadt, um seine Lehre anzutreten und ich war am Boden zerstört und schwor mir, wenn Amor mir jemals begegnen würde, schiebe ich ihm seinen Pfeil und Bogen in seinen himmlischen Hintern.

Natürlich überlebte ich diesen Kummer, sonst würde ich ja jetzt hier nicht sitzen und schreiben, aber es prägte mich. Nie vergisst man seinen ersten Liebeskummer. Man glaubt, man müsse daran elende zu Grunde gehen und man will dann auch keine schlauen Ratschläge hören, dass alles gut wird und der Schmerz vergessen ist, wenn man erst verheiratet ist. Die Welt war grau und schlecht und man glaubte mit seinen zarten 13 Jahren, dass das Leben zu Ende wäre.

Aber auch ich verliebte ich mich neu und wurde ein ganz normaler Teenager mit allen Höhen und Tiefen, aber einen vergaß ich nie…meinen Steffen.

Kapitel 1

Mein Traum aus 1001 Nacht

Die Sonne knallte mir auf meine Urlaubshaut und ich genoss den heißen, weißen Sand unter meinen Füßen. Das war das Paradies für mich und es gab für mich nichts schöneres, als diesen Flecken auf der Welt…die Malediven.

Wir hatten März 1998 und ich hatte natürlich meinen ersten Liebeskummer und noch einige Dramen überlebt. Ich war seit zwei Jahren verheiratet und glaubte mit meinen fast 25 Jahren ein perfektes Leben zu führen. Reisen in ferne Länder, eine tolle Arbeit mit Kolleginnen, wo Freundschaft entstanden war, eine tolle Familie und Schwiegereltern, die mich liebten. Machte ich mir etwas vor? War ich tief innen wirklich glücklich? Oder lebte ich dieses Leben, weil andere es so von mir so erwarteten? Da war es wieder, das Gefühl, es allen recht machen zu müssen. Aber wie war es mit mir selbst? Belog ich mich, um nicht hinsehen zu müssen?

Immer wieder kochte es in mir hoch, noch nicht angekommen zu sein, noch mehr vom Leben zu erwarten und im gleichen Moment das schlechte Gewissen meinem Mann und der Familie gegenüber. Wenn dieses Gefühl in mir hoch kam, unterdrückte ich es schnell wieder und nannte mich selbst eine undankbare Kuh. ‘Was willst du denn mehr vom Leben? Du hast alles, was man sich erträumen kann!’ Aber was war es, das mich innerlich immer wieder aufschreien ließ? Hörte mich denn niemand? Nein, wie denn auch? Ich lachte nach außen, wir waren überall das Traumpaar und niemand kannte meine innere Zerrissenheit. Nicht einmal meine beste Freundin. Ich machte alles mit mir selbst aus.

Da lag ich nun in meinem Plastikstuhl im kristallklaren Wasser und erklärte mich selbst für verrückt. Der Mann an meiner Seite war ein toller Mann und alle Frauen drehten sich nach ihm um. Er hatte jedoch nur Augen für mich und das machte es mir umso schwerer und ich wusste, dass ich gefangen war, wie ein Fisch im Fischernetz.

Ich schlenderte den herrlich leeren Strand entlang, bohrte mit meinen Zehen in den warmen Sand und konnte mir meine Gefühle und meine Sehnsucht, die ich in mir trug, nicht erklären. Wonach sehnte ich mich? Ich hatte doch alles.

Vielleicht konnte ich meinen überhitzten Kopf an der Strand-Bar abkühlen, die am äußeren Ende der Insel lag. Eine kleine runde Bar mit Palmenwedeln bedeckt. Der Barkeeper lächelte freundlich, als ich mich auf den runden Baumstamm setzte, der als Barhocker diente. Ach, ich liebte ferne Länder und ihre Leute.

Verträumt nuckelte ich an meinem Strohhalm und blickte aus dem Schatten der Bar auf das herrliche türkisfarbene Wasser. Es traf mich, wie ein Blitz, als ich ihn erblickte. Ich glaube sogar, dass mein Mund offen stehen blieb. Er stieg gerade aus dem Wasser mit seiner braunen Haut, seinen langen schwarzen Haaren und dem schönsten Gesicht, das ich jemals bei einem Mann gesehen hatte. Da war er, der Aladin aus meinem Märchen. Der Prinz aus 1000 und einer Nacht.

Die nassen langen Haare tropften auf seinen sportlichen Körper und die Wassertropfen glitzerten in der Sonne.

Für mich blieb die Welt stehen und nur, wer so einen magischen Augenblick schon einmal erlebt hat, weiß, wovon ich rede. Keine Ahnung, wie lange ich in dieser Schockstarre verweilte, jedenfalls kam er an die Bar und bestellte sich auch etwas zu trinken. Ich bemühte mich, ihn nicht anzustarren, was mir allerdings sehr schwer fiel.

Hey Aladin, lass mich deine Wunderlampe sein. Ich musste hier weg, bevor es peinlich werden würde, denn ich hatte das Gefühl, die Kontrolle über alles in meinem Körper zu verlieren. Ich stand auf, schlich mich vorsichtig an ihm vorbei, doch da hatte er mich schon in seinem Visier und grinste breit. Seine Zähne, die aussahen, wie weiße Perlen blitzten mich fröhlich an.

“How are you?”, sprach er mich auch noch an. Ich brachte nur ein:”Danke gut”, heraus. Dann wollte er noch wissen, wie lange ich auf der Insel bleiben würde und ich habe keine Ahnung, wie oder was ich darauf antwortete. Ich musste hier weg, weg aus seiner Reichweite.

Ich lief am Wasser zurück zu unserem Bungalow, der hinter ein paar Palmen versteckt, direkt am Strand lag. Trotz Hitze prickelte mein ganzer Körper und meine Gedanken sprangen im Dreieck und spielten verrückt. ‘Werde ich ihn wieder sehen? Ist er Gast oder arbeitet er sogar hier?’

Man, war das verrückt, was dieser eine Moment in mir auslöste. Beim Abendessen pochte mein Herz, obwohl ich mich versuchte zusammen zu reißen und es nicht wollte. Oder wollte ich es doch? So etwas Verrücktes war mir noch nie passiert. Ich brachte kaum einen Bissen von dem herrlichen Essen hinunter.

‘Mensch Bianka, reiß dich zusammen’, sagte ich mir immer und immer wieder. Mein Blick schweifte immer wieder Richtung Eingang und auf einmal war er da. Schlagartig krampfte sich meine Magengrube zusammen. Auch angezogen war er einfach eine Augenweide und seine langen Haare hatte er zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden.

Er suchte sich sein Essen am Buffet und ging zu dem Teil im Restaurant, wo auch andere Angestellte ihr Abendbrot einnahmen. Also war er kein Tourist.

Ich versuchte meine Gedanken zu ordnen, aber es war schlichtweg unmöglich. Mein Mann redete mit mir, aber ich bekam davon nichts mehr mit.

Nach dem Abendbrot gingen wir in die offene Bar, wo jeden Abend kleine Unterhaltungen stattfanden und man herrliche Cocktails bestellen konnte. Durch die offene Bauweise kam wundervolle Luft vom Meer hinein und ein Duft von Frangipani-Blüten schmeichelte meiner Nase. Ich liebte deren Duft über alles. Ich hätte mich reinlegen können in ein Meer aus diesem Aroma.

Im Hintergrund lief UB40, das weiß ich noch wie heute, als eine angenehme Stimme, durch ein Mikrofon, den Gästen einen schönen Abend wünschte. Bloß gut, dass ich perfekt Englisch sprach und alles verstehe konnte.

“Mein Name ist Adam und ich werde sie durch den Abend begleiten. Wenn sie einen bestimmten Musikwunsch haben, kommen sie zu mir. Ich bin ihr DJ und wünsche ihnen einen tollen Abend mit viel Tanz und Musik. Eine Liveband wird sie für einige Zeit unterhalten und danach werde ich sie weiter mit Wunschmusik begleiten.” Ich drehte mich um und konnte es kaum glauben. Mein Aladin hieß also Adam und war hier DJ. Wie sehr wünschte ich mir jetzt diese bescheuerte Wunderlampe herbei, um mich darin zu verstecken oder mich unsichtbar zu zaubern.

Verlegen schlürfte ich an meinem Cocktail. An Tanzen war nicht zu denken, denn mein Mann tanzte nicht gern. Mein Aladin nickte mir von seinem DJ-Pult aus zu und wenn ich nicht gesessen hätte, wäre ich mit Sicherheit umgefallen. Wie konnte jemand nur so eine Wirkung auf mich haben? Die Liveband begann zu spielen und sie war eine willkommene Ablenkung. Sie spielte richtig gute Musik und die Leute begannen sogar zu tanzen. ‘Ach wie gerne würde ich jetzt tanzen’, ging es mir durch den Kopf.

War es das, was mir an meinem Mann und dem Leben mit ihm fehlte? Spontanität? Lebensfreude? Tanzen? Plötzlich wurde mir bewusst, dass er zwar ein toller Ehemann und Freund war, aber ich mich mit ihm zu Tode langweilte.

War das fair? Wieso konnte ich nicht diese Leidenschaft bei ihm spüren, die bei meinem Aladin da war? Ich fühlte mich schrecklich. War ich ein schlechter Mensch, weil ich lebensfroh und voller Leidenschaft fürs Leben war? Ich wäre am liebsten davongelaufen vor dieser Situation, denn wieso musste ich erst ans andere Ende der Welt reisen, um diese Erkenntnis zu erlangen?

“Darf ich ihre Frau zum Tanzen bitten?”, riss es mich aus meinen traurigen Gedanken. Da stand er, vorn übergebeugt und fragte tatsächlich meinen Mann, ob er mit mir tanzen durfte! Natürlich gab mein Mann ihm zu verstehen, dass er ruhig mit mir tanzen könne und so reichte mir der Märchenprinz aus 1001 Nacht seine Hand. Gedankenverloren legte ich meine Hand in seine und er führte mich auf die Tanzfläche. Drückte er meine Hand etwas zu fest oder war es Einbildung?

Wie der Zufall es wollte, trug ich ein rotes leichtes Kleid und wir tanzten zu ‘Lady in red’ von Chris de Burgh, welches die Band richtig gut spielte. Er roch so wunderbar nach Kokos und Dschungel. Vielleicht war er ja gar nicht Aladin, sondern Tarzan? Ich sog seinen Duft in mich ein, als er mich sanft zur Musik wiegte. Ich hatte das Gefühl, dass zwei Seelen zu verschmelzen begannen. Er hauchte in mein Ohr: ”Wie heißt du?”. Ich sagte ihm meinen Namen und das ich aus Deutschland komme und er lächelte traurig, schaute mich beim Tanzen mit seinen wunderschönen dunklen Augen an: ”Weißt du, dass du wunderschön bist?”, fragte er mich.

‘Oh Gott Bianka, werd jetzt bloß nicht rot’, und ich war froh, dass es relativ dunkel war. Ich wünschte mir eine Endlosschleife von diesem Moment, aber als der Song zu Ende war, nahm er wieder meine Hand und führte mich zu meinem Platz. Auf dem Weg dorthin sagte er mir, dass er jetzt einen Song singen würde und der wäre nur für mich. Wie ein Gentleman bedankte er sich bei meinem Mann für den Tanz mit mir und lief über die Tanzfläche direkt zur Band.

“I’ve been alone with you inside my mind…”, begann er mit einer Engelsstimme Lionel Richies ‘Hello’ zu singen. Der Text war wie für mich geschrieben und er verpasste mir eine Gänsehaut. Bei dem Textteil: ”And I want to tell you so much…I love you”, sah er mich genau an. Wow, das war zu viel für mich und mir wurde heiß, ich hatte Gänsehaut von seiner tollen Stimme, ich wollte abhauen und bleiben, im Boden versinken.

Wie konnte es sein, dass ich mich so sehr mit ihm verbunden fühlte, nach so einer kurzen Zeit? War es diese Liebe, von der ich schon als kleines Mädchen träumte? Es war schwer vor meinem Mann das Gesicht zu bewahren und ich fühlte mich hundselend, ihn ja eigentlich gefühlsmäßig zu betrügen. Er hatte es nicht verdient, dass ich mich zu verrückten Gefühlen zu einem anderen Mann hinreißen ließ. Aber kann der Verstand lenken, wenn das Herz etwas anderes befielt?

In dieser Nacht lag ich noch lange wach und grübelte. Kurzzeitig schien mein Verstand wieder einzusetzen. ‘Und wenn er allen jungen Frauen schöne Augen machte, die hier ihren Urlaub verbrachten?’ Man hörte ja genug von solchen Dingen, aber der Gedanke gefiel mir ganz und gar nicht. Das konnte nicht sein, das durfte nicht sein. Ich wollte seine Prinzessin sein, seine orientalische Braut, die Frau, die ihn glücklich machte.

Nach vielen Jahren, die ich oft an meine Jugendliebe Steffen dachte, waren die vier Wochen auf meiner Trauminsel, die einzigen, an denen er meine Gedanken nur noch selten aufsuchte. War das ein Zeichen? Gab es so etwas wie Bestimmung? Seelenliebe?

In den Wochen auf der Insel schien ich endlich das gefunden zu haben, wonach ich mich immer gesehnt hatte, wovon ich immer träumte…aufregende Gefühle, einen Mann, der tanzte und für mich sang und der meinem Leben Lebendigkeit schenkte.

Wenn immer mein Mann schnorcheln war, traf ich mich mit Adam am Ende der Insel. Wir saßen im Sand und redeten. Wir erzählten dem Anderen von unserem Leben, unseren Familien und unserer Vergangenheit. Er kam aus Indien und seine Familie lebte dort im südlichsten Teil dieses riesigen Landes.

Ich genoss seine Nähe, seine Schönheit, seine Leichtigkeit. So verging die Zeit wie im Fluge und wir träumten davon, eine gemeinsame Zukunft zu haben, so absurd das auch schien.

Am letzten Tag meines Urlaubs saßen wir wieder im Sand und ich wusste nicht, was ich tun sollte. Er schien genauso traurig zu sein wie ich und nahm plötzlich meine Hand und sah mich an. Dann strich er mir eine Strähne aus meinem Gesicht und küsste mich. Die Welt um uns hörte auf zu existieren, denn genauso sollte sich ein Kuss anfühlen. Seine Lippen waren weich und warm und in diesem Moment glaubte ich, dass es genau das war, wonach ich immer Sehnsucht hatte. Oder bildete ich mir das ein? Unser erster Kuss und ich schien alles um mich herum zu vergessen.

“Ich will dich wiedersehen”, sagte er sanft. Tausend Fragen machten sich breit. ‘Wie soll es weiter gehen? Wie kann ich das meiner Familie antun? Muss ich ihn vergessen?’ Ich war wie benebelt und konnte wirklich nicht erahnen, dass mein Leben bald eine totale Wende nehmen würde.

“Ich fliege in 4 Wochen nach Indien zu meiner Familie und ich werde dort auf dich warten und dich ihnen vorstellen.” Hatte er das gerade wirklich gesagt? Er will mich ernsthaft seiner Familie vorstellen? Mir war es auch ernst, aber ich hatte Angst, mich mit den Konsequenzen auseinander zusetzen und ich spielte mit dem Gedanken, lieber unglücklich zu bleiben, als so vielen Menschen wehtun zu müssen.

Er spürte meine Unsicherheit und fragte mich traurig, ob ich dort sein würde und in meiner tiefsten Zerrissenheit sah ich ihn an und flüsterte: ”Ich werde da sein”.

Am nächsten Morgen startete unser kleines Wasserflugzeug Richtung Male. Noch einmal sah ich herab auf meine kleine Trauminsel, auf der ich am liebsten geblieben wäre und wo ich meinen orientalischen Traum zurücklassen musste.

So schwer fühlte sich mein Herz noch nie zuvor an und warme Tränen rannten über meine Wangen. “Wir können doch im nächsten Jahr wiederkommen”, erwähnte mein Mann und tätschelte meine Hand. Mein schlechtes Gewissen ließ mich nur noch mehr in Tränen versinken. Alles schien wie in einem undurchdringlichen Nebel. Ich war wie im Trance und als wir in Male in den großen Flieger Richtung Deutschland stiegen, fühlte ich mich, als würde ich zum Henker gebracht werden.

Die Strandbar, wo ich Adam zu ersten Mal sah

Kapitel 2

Zurück in Deutschland

Am Flughafen in Berlin warteten mein Schwager und seine Freundin auf uns und ich hatte solche Mühe, mir nichts anmerken zu lassen. Ich schwärmte ihnen vom Urlaub vor und meine Schwägerin in spe plapperte munter die gesamte Autofahrt. Ach, wie sehr ich sie mochte, diese kleine zierliche Person mit ihren langen schwarzen Haaren und ihren braunen Augen.

Meine Gedanken waren die ganze Zeit bei Adam und obwohl wir uns nur einmal geküsst hatten, bedeutete er mir zu diesem Zeitpunkt bereits die ganze Welt. Er war mir so vertraut und ich hatte das Gefühl, ihn schon ewig zu kennen. Aber was um Himmels willen, sollte ich jetzt tun? In ein paar Tagen musste ich wieder arbeiten und ich liebte meine Arbeit in dem schönen Geschäft. Meine Kolleginnen waren Freunde für mich, ja sogar wie eine zweite Familie. Besonders eine Kollegin war mir zur besten Freundin geworden. Sollte ich ihr alles erzählen? Mein Kopf war einfach zu, ich funktionierte nur wie ein Roboter und nahm alle Menschen um mich herum nur im Tunnelblick war.

Es war wie ein Sog, der mich in den Orient zog. Ich spielte mein Leben weiter, ohne auch nur einer einzigen Person von meinem innersten Gefühl zu berichten. Ich konnte einfach nicht. Freunde, Familie…alle liebten mich und glaubten, ich wäre glücklich.

Ich hatte solche Angst, vor sie alle zu treten und zu sagen, dass ich das Land verlassen möchte, dass ich woanders leben möchte…mit einem anderen Mann, den ich nur einmal geküsst hatte.

Wenn ich das jetzt so schreibe, glaube ich wirklich, dass ich damals unzurechnungsfähig gewesen bin, denn mit meiner heutigen Erfahrung, meinem heutigen Wissen, muss ich echt bescheuert gewesen sein. Aber damals fühlte ich nur eins: meine unendliche Sehnsucht nach Indien und nach Adam.

So schmiedete ich heimliche Pläne, schickte meinen Passport zur indischen Botschaft nach Berlin, um ein Visum zu bekommen und als ich meinen Reisepass mit dem Visum wieder in meiner Hand hielt, wurde mir immer noch nicht bewusst, auf welches Abenteuer ich mich da eigentlich einlassen würde.

Heimlich packte ich Sachen in meinen größten Koffer zusammen, tauschte mein ganzes Geld in Dollar, buchte einen Flug nach Trivandrum und wartete wie im Trance auf den Tag, an dem ich einfach weglaufen würde. Ich konnte es niemandem sagen, ich hatte einfach nicht die Kraft, nicht den Mut, die Wahrheit zu sagen, denn tief in mir drin wusste ich, dass niemand mich verstanden hätte. Vorwürfe hätte es gegeben, Anschuldigungen und heute weiß ich, dass es zu recht geschehen wäre, aber blind vor Liebe und Sehnsucht, riskierte alles, nur um bei Adam zu sein.

Gedanken an meine Eltern, meine Schwester, meinen Mann, meine Freunde und Familie und wie sie um mich trauern und weinen würden, ließ ich erst gar nicht zu. Ich wollte weg aus meinem goldenen Käfig, frei sein und ein Leben im fernen Indien führen. Ohne zu kündigen und ohne mich von irgendjemandem zu verabschieden würde ich gehen, einfach so.

Der Tag rückte näher und ich war wie ein Tiger im Käfig. Augenkontakt zu Familie und Freunden mied ich gekonnt, denn ich wusste, dass ich schwach geworden wäre, wenn auch nur einer meinen Plan durchschaut hätte.

An dem besagten Morgen verabschiedete sich mein Mann mit den Worten: ”Ich liebe dich”, und verließ unsere Wohnung, die sich im oberen Stock meines Elternhauses befand. Als die Tür ins Schloss fiel, wurde mir bewusst, dass ich ihn wahrscheinlich nie wieder sehen würde. Schnell schüttelte ich mein schlechtes Gewissen ab, um ja nicht weich zu werden. Ich hatte diesen inneren Druck, es zog mich wie ein unsichtbares Band weg von hier. Weg nach Indien, weg zu meinem Prinzen aus 1000 und einer Nacht.

Kapitel 3

Das Abenteuer beginnt

Ich schreckte hoch und im ersten Moment wusste ich gar nicht, wo ich war. ‘Ich habe es wirklich getan. Ich habe alles hinter mir gelassen.’ Zusammen gekauert lag ich über mehrere Flugzeugsitze in dem extrem leeren Flugzeug. Es war Nacht und die Bordbeleuchtung auf ein Minimum gedrosselt. Ein Blick auf den Monitor zeigte mir, dass ich noch 4 Stunden Flug vor mir hatte.

Erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich all meine Lieben in Deutschland vielleicht nie wieder sehen würde. Erst jetzt ließ ich das erste Mal Tränen darüber zu. Erst jetzt weinte ich um meine Familie, meine Freunde und den Gedanken daran, wie sehr ich sie verletzt hatte und wie groß ihre Sorgen um mich wären. Vorher hatte ich es nicht zugelassen, aus Angst, wieder einen Rückzieher zu machen, aber jetzt traf mich die Trauer umso heftiger und in einer Wucht, die mich schütteln ließ.

Keiner sah mich, denn es waren nur wenige Leute in dem Flugzeug, also ließ ich meinen Tränen freien Lauf. Ich flüsterte immer wieder unter Tränen: ”Lieber Gott, bitte kümmere dich um sie und gib ihnen die Kraft, das alles eines Tages zu verstehen und mir vielleicht eines Tages zu verzeihen.”

Mein Herz klopfte bis zum Hals, als ich an der Gepäckausgabe stand und auf meinen Koffer wartete. Es roch nach Räucherstäbchen und fremden Menschen. Alles roch einzigartig exotisch und das obwohl ich nur in der Gepäckausgabehalle stand. Ich war furchtbar aufgeregt, Adam endlich in die Arme schließen zu dürfen, ihn zu berühren, bei ihm zu sein und endlich neben ihm aufzuwachen, ohne nur davon träumen zu müssen.

Raus aus dem Gebäude und die feuchte Hitze traf mich wie ein Schlag, aber ich liebte heißes Wetter und so atmete ich den Duft Indiens tief in mich ein. Mein Blick suchte nach meinem Prinzen und zwischen all den wartenden Menschen, hupenden Taxis und chaotischen Getümmel, strahlte er mich an. All meine Tränen, meine Schmerzen waren verflogen und als ich auf ihn zuflog, wusste ich, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

“Willkommen im Dschungel”, hauchte er mir zu, als er mich in seine Arme zog. Aber als ich ihn küssen wollte, drückte er mir nur flüchtig einen Kuss auf die Wange. “Nicht hier, die Leute schauen schon”. Und wirklich, alle Leute um uns herum starrten uns an, als wären wir gerade aus einem UFO gestiegen. Ich war sowieso eine Exotin mit meinen langen blonden Haaren und dann wagten wir auch noch, in der Öffentlichkeit zärtlich zu sein. Pfui Teufel.

Ich hätte mich wohl doch vorher etwas mit der Kultur befassen sollen, bevor ich in sämtliche Fettnäpfchen treten würde, aber meine Enttäuschung über seine Zurückweisung wich schnell, als wir im Taxi saßen und er mich innig in seine Arme zog und küsste.

“Ich möchte dich erst einmal ganz für mich allein, darum bleiben wir erst einmal ein paar Tage in einem kleinen Hotel am Strand, bevor wir ins Haus meiner Eltern ziehen”, erwähnte er zwischen zwei leidenschaftlichen Küssen. Er roch so wundervoll nach Sonne, Meer und Orangen und mir war es egal, wo wir hinfuhren, so lange er nur bei mir war. Hätte er gesagt, wir ziehen in eine Höhle am Strand, auch das wäre mir in meinem Glückstaumel egal gewesen.

Ich wusste ja von seinen Erzählungen auf den Malediven, dass sein Vater einige Jahre in Deutschland gelebt hatte und seine Familie deshalb als sehr modern galt. In anderen Familien wäre es absolut unmöglich gewesen, unverheiratet ins Haus der Eltern mit einzuziehen.

Ich öffnete das Fenster von unserem kleinen gemütlichen Hotelzimmer und da war er…d

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