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Forbidden Boss

Zu diesem Buch

Ivy Prescot ist heilfroh, dass sie ihren alten Job bei ihrem übergriffigen Boss kündigen kann, als sie die Zusage von Lincoln Devereux bekommt. Sie heuert als Persönliche Assistentin bei dem erfolgreichen CEO an und weiß vom ersten Augenblick, dass sie in Schwierigkeiten steckt. Denn Lincoln ist nicht nur einer der führenden Unternehmer des Landes, er ist auch attraktiv und charmant. Und bei jedem Blick aus seinen dunklen Augen klopft Ivys Herz ein bisschen schneller. Obwohl ihr Chef für sie tabu ist, verliebt sich die toughe und unabhängige Ivy in den Selfmade-Billionaire – ohne zu ahnen, dass sie das Werkzeug für seine Rache ist …

1

Ivy

Es würde ein guter Tag werden. Zumindest, sobald ich zur Tür hinaus war. Ich hatte es im Gefühl – heute war mein Tag.

Definitiv mein Tag. Heute würde ich eine neue Stelle angeboten bekommen und endlich dem Arschloch und Frauenhelden kündigen können, für den ich zurzeit arbeitete. Vielleicht waren die Kirschen in Nachbars Garten nicht süßer, aber ich wollte nicht länger für jemanden tätig sein, der keinerlei Moral besaß. In seiner Nähe war die Atmosphäre vergiftet, und ich war es leid, unerwünschte Annäherungsversuche abzuwehren.

Die Uhr war beinahe hypnotisch, der Sekundenzeiger fesselnd. Ich beobachtete, wie er tickend seine Runden drehte, an Ziffern vorbeistrich und die Minuten bis zum Aufbruch vergehen ließ. Ich war völlig versunken und zuckte zusammen, als das Telefon klingelte. Schlagartig nahm ich alles um mich herum wieder scharf wahr und griff schnell nach dem Hörer.

»Guten Tag! Ivy Prescot, Assistentin von Dante Kilgore.« Uh, ich hasste es, wie ich mich am Telefon melden musste. Eine ellenlange Wortkette, aber so lautete die Anweisung.

»Hallo Ivy. Mike Deacon hier.« Eine vertraute und gern gehörte Stimme.

Ein echtes Lächeln stahl sich in meine Züge. »Mike! Wie geht es Ihnen?«

»Gut, gut. Wie behandelt Dante Sie heute?«

»Genau wie immer.«, sagte ich, während ich begann, die neuen E-Mails durchzugehen.

»Bedauerlich.«

Ich stieß einen zustimmenden Laut aus. »Was kann ich für Sie tun, Mike?«, fragte ich.

Es war ungewöhnlich, dass Mike anrief und nicht seine Assistentin.

»Ich muss unser Mittagessen nächste Woche absagen. Lassen Sie uns einen Termin in ein paar Wochen festlegen.«

Ich zog mir Dantes Kalender heran, blätterte zur nächsten Woche weiter und fand den Termin für Mittwoch. »Es ist wirklich ein Jammer. Warum hat Stephanie mich nicht angerufen?«

»Im Gegensatz zu anderen CEOs bin ich absolut imstande, eine Nummer herauszusuchen. Außerdem hat mich die Aussicht gelockt, Ihre Stimme zu hören.«

»Ach was. Sie wollen sich nur bei mir einschmeicheln, weil Dante gleich ausrasten wird.«

Ein leises Lachen. »Er ist ziemlich impulsiv.«

Irgendetwas an der Absage störte mich, und ich konnte nicht umhin, nachzubohren. »Darf ich fragen, warum? Die Sache ist seit Monaten geplant.«

»Sie sind wirklich ziemlich scharfsichtig. Ehrlich gesagt gefällt es mir nicht, wie er die Dinge handhabt. Wenn Sie nicht wären, wäre ich schon längst aus den Verhandlungen ausgestiegen, aber jetzt habe ich Gerüchte gehört.«

Ich versuchte die Bemerkung über mich zu ignorieren. Sie hatte nichts Romantisches, sondern bezog sich eindeutig auf meine Professionalität, aber ich machte mir trotzdem so meine Gedanken. »Gerüchte? Wirklich?«

Er lachte erneut. »Sie können die Häme in Ihrer Stimme nicht verbergen, junge Dame.«

»Mich junge Dame zu nennen! Sie sind vierzehn Jahre älter als ich, was nicht so irre viel ist, wissen Sie.« Ich schlug mir eine Hand vor den Mund und zweifelte an meinem Verstand. Flirten? Wirklich, Ivy? Es gibt Peter, hast du das etwa schon vergessen?

»Führen Sie mich nicht in Versuchung«, sagte Mike, seine Stimme leiser als zuvor. Sie klang fast doppeldeutig.

Ich brauchte einen Moment, bis ich sagte: »Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, Mike.«

»Danke, gleichfalls.«

Nachdem ich aufgelegt hatte, stieß ich einen Seufzer aus. Mike war ein Gentleman. Mit den silbernen Strähnen im Haar wirkte er geradezu vornehm. Er war attraktiv und höflich, und irgendwie konnte ich es mir nicht verkneifen, mit ihm zu flirten, nur ein ganz klein wenig.

Vielleicht lag es daran, dass er mich als Person sah und nicht als Frischfleisch. Oder vielleicht auch daran, dass mir bei Mike Deacon immer leicht schwindelig wurde. Normalerweise passierte mir das nicht wegen eines Mannes.

»Ivy, wo sind die Geschäftsberichte für das letzte Quartal?«, brüllte Dante aus seinem Büro.

Ich war versucht, ihn zu ignorieren und weiterzuarbeiten, bis er den Aktenordner bemerkte, der vor ihm lag. Andererseits war ich mir ziemlich sicher, dass er von einer Praktikantin abgelenkt gewesen war, die sich unter seinem Schreibtisch versteckt hatte, als ich den Ordner dort hingelegt hatte.

»Ivy!«

Seufzend schnappte ich mir meinen Laptop und ein Notizbuch.

»Haben Sie auf Ihrem Schreibtisch nachgesehen?«, fragte ich, als ich sein Büro betrat.

Seine Augen wurden schmal, dann schaute er auf seinen Tisch und entdeckte den Aktenordner.

Kein Entschuldigung oder Danke schön. Wieso auch. Immer nur Erwartungen.

»Die Zahlen sind nicht toll«, sagte ich und setzte mich auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch.

»Verdammt«, fluchte er leise und schlug den Ordner auf. »Warum bezahle ich ein Marketingteam, wenn es mir keinen Gewinn einbringt?«

Ich hatte große Lust, darauf zu reagieren, aber stattdessen biss ich mir auf die Zunge. Das Marketingteam war nicht das Problem. Die Kollegen akquirierten sehr wohl potenzielle Klienten. Es war Dante, der Deals nicht zum Abschluss bringen konnte.

Dante war eigentlich ein gut aussehender Mann, aber seine Persönlichkeit war abstoßend. Der Inbegriff eines attraktiven Mannes mit dunkelbraunem Haar, leuchtend blauen Augen und einem markanten Kinn. Er wollte gern eine »persönliche Beziehung« zu all seinen Klienten haben. Zumindest war das der Schwachsinn, den er absonderte, wenn er sie mit seinem charmanten Lächeln blendete.

Viele hatte er mit seinem Charme umgarnt. Viele Verträge waren unterschrieben worden.

Unglücklicherweise kam sein Schwanz den Geschäften immer wieder in die Quere und veranlasste ihn, Lunchverabredungen abzusagen, um irgendeine x-beliebige Frau zu vögeln, die nicht bei drei auf dem Baum gewesen war.

All diese abgesagten Termine führten dazu, dass die Leute verärgert waren und keine neuen Verträge unterschrieben. Inzwischen hatte Dantes Ego die Kontrolle übernommen, und er ließ die Kundenbetreuung vollends schleifen. Er war schließlich der Boss und konnte daher tun, was immer er wollte.

Aber die Zahlen waren eben entsprechend, und ich fühlte mich wie eine Ratte, die aus mehr als einem Grund bereit war, das Schiff zu verlassen.

»Zumindest haben wir Chandelier so weit, dass nächste Woche unterschrieben wird«, sagte Dante und schloss den Aktenordner.

»Was das betrifft …« Meine Stimme verlor sich.

Er stöhnte und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. »Was ist denn jetzt schon wieder?«

»Mike Deacon hat gerade angerufen und das Mittagessen nächste Woche abgesagt.«

»Abgesagt? Hat er einen Grund genannt?«

Ich schüttelte den Kopf. »Er bat um einen neuen Termin in den nächsten Wochen.«

»Scheiße. Wir werden diesen Deal niemals abschließen.« Er stieß einen Seufzer aus.

Ich sagte nichts. Es gab keinen Grund, zur Sprache zu bringen, was ich wusste. Stattdessen machte es mir Spaß, ihn in seinem eigenen Saft schmoren zu sehen. Mike hatte Monate damit verschwendet, mit Dante zu reden. Dann hatte er begriffen, dass Dante keineswegs in der Lage sein würde, ihm die Aufmerksamkeit auch für Details zukommen zu lassen, die ein Unternehmen wie Chandelier brauchte.

Ich überflog den Kalender und klopfte mit meinem Stift auf die Armlehne. »Die Leute von Newlyn kommen am Montag.«

Dante richtete sich auf, und sein kantiges Gesicht nahm einen entschlossenen Ausdruck an. »Newlyn. Das ist die Kaufhauskette, stimmt’s?«

Ich nickte. »Sie haben über zweihundert Filialen und expandieren bemerkenswert schnell.«

»Wenn wir die an Land ziehen, könnte das etwas Langfristiges werden.« Er strich einen Moment lang mit den Fingern über die Holzfläche seines Schreibtischs, bevor er mich ansah. »Warum kommen Sie nicht am Wochenende zu mir nach Hause, damit wir an unserer Präsentation arbeiten können?«

Und schon geht’s los. »Daran können wir am Freitag hier im Büro arbeiten.«

Er ging gar nicht darauf ein und versuchte, mir die Idee zu versüßen. »Ich kann etwas von diesem Italiener bestellen, den Sie so lieben.«

»Sie lieben Eduardo’s, nicht ich«, rief ich ihm ins Gedächtnis.

Er wedelte mit der Hand. »Was auch immer. Wir können ein schönes Abendessen bestellen.«

»Abendessen?«, fragte ich und zog eine Braue hoch. Ich würde niemals am Wochenende mit ihm arbeiten, geschweige denn zu ihm nach Hause kommen, daher war es ziemlich unterhaltsam zu beobachten, wie er zappelte in dem Glauben, er hätte es fast geschafft, dass ich auf ihn hereinfiele.

»Oder Mittagessen, dann können wir bis zum Abendessen arbeiten.« Er grinste mich an.

»Das denke ich nicht.«

»Kommen Sie, Ivy«, sagt er, »Sie können mir nicht ewig widerstehen.«

»Ach, denken Sie?« Ich schaute auf die Uhr hinter ihm und fluchte. »Scheiße!«

Er sah hinter sich, dann wandte er sich wieder mir zu. »Stimmt irgendetwas nicht?«

Ich sprang auf und raffte mein Notizbuch, den Laptop und den Aktenordner zusammen. »Ich habe in dreißig Minuten einen Arzttermin«, sagte ich. Obwohl die Sache mit dem Arzt gelogen war, hatte ich tatsächlich einen Termin, den ich nicht versäumen durfte.

Er legte die Stirn in Falten. »Haben Sie mir davon erzählt?«

Ich verdrehte die Augen. Der Mann hörte mir nie zu. Er war der Größte darin, etwas absolut Offensichtliches nicht mitzubekommen. »Letzten Donnerstag, Montag, gestern und heute Morgen. Ich habe es sogar in Ihren Kalender geschrieben.« Er würde ohne mich verloren sein, und nach fünf Jahren, in denen ich diesen Schwachsinn mitgemacht hatte, konnte ich mir ein Lächeln bei dem Gedanken nicht verkneifen.

»Warum können Sie diese Termine nicht nach der Arbeit erledigen?«, fragte er, sichtlich verärgert.

»Weil nur bis fünf Sprechstunde ist.« Ich schnaubte. Manchmal fragte ich mich, wie dieser Mann es fertigbrachte, sich selbst die Schuhe zuzubinden. Andererseits hatte ich seit Jahren alles für ihn getan, und es gab wahrscheinlich andere Frauen, die sich davor um ihn gekümmert hatten.

Dante war im Grunde ein großes Kind mit einer Teenager-Libido und voller Selbstgerechtigkeit.

»Na schön. Wir werden morgen früh über dieses Wochenende reden.«

»Nein, werden wir nicht.«

»Immer so widerborstig.«

»Hören Sie auf, mir nachzustellen.«

»Das weckt in mir den Wunsch, Ihnen noch mehr nachzustellen.«

»Ich werde einfach schneller laufen.« Ich wedelte mit der Hand und ging zur Tür hinaus. »Bis morgen.« In der Sekunde, in der der Stapel, den ich in Händen hielt, auf meinem Schreibtisch landete, schnappte ich mir meine Jacke und meine Handtasche und flitzte aus dem Raum.

Sobald ich im Wagen saß, holte ich mein Telefon hervor und fand eine Textnachricht.

Viel Glück heute. Du schaffst das! Peter

Ich schaute lächelnd auf das Telefon hinab, bevor ich es in die Handtasche zurückgleiten ließ. Ich traf mich erst seit wenigen Wochen mit Peter, aber er war ein netter Kerl, und wir hatten viel Spaß zusammen.

Der Verkehr war wie immer nervig, und ich war einige Minuten zu spät dran, als ich in ein Parkhaus fuhr und dort einen freien Platz fand. Mir blieben nur ein paar Minuten, um über die Straße, in das Gebäude dort und darin in eins der oberen Stockwerke zu kommen. Mein Puls raste bereits, als ich im Laufschritt die Straße überquerte.

Mit Herzklopfen eilte ich auf das gewaltige, sechsundsiebzigstöckige Columbia Center zu. Die Sonne spiegelte sich in dessen Glasfassade und machte mich fast blind.

Fünf Jahre lang hatte ich mich abgemüht und auf eine Beförderung und eine anständige Gehaltserhöhung gewartet, letztlich ohne Erfolg. Und das alles, weil ich nicht mit meinem Boss schlafen wollte. Übergangen, um jene zu belohnen, die sich seinem Schwanz widmeten oder zu den Jungs zählten.

Eine Veränderung war schon lange überfällig gewesen, aber ich hatte mich mit den Umständen arrangiert. Bis eines Abends, als ich noch im Büro saß, ein übergriffiger Kollege dachte, er könne sein Glück bei mir auch mal versuchen, da hatte ich die Nase endgültig voll gehabt. Nach all diesen Jahren war es fast ein Spiel, Dante immer wieder zurückzuweisen, aber nun fühlte ich mich nach Büroschluss dort nicht mehr sicher.

Data Consolidation Services oder DCS war ein Datenverarbeitungs- und Cloud-Service-Unternehmen, das seinen Kunden individuelle Software lieferte, ähnlich wie Kilgore Industries. Bei DCS handelte es sich jedoch um eine seriöse Firma, während Kilgore eher ein Spielplatz für Dante war, das machte den Unterschied.

Der Chef von DCS hieß Lincoln Devereux, ein junger, ehrgeiziger CEO, der den Umsatz der Firma in den sechs Jahren seit seinem Einstieg vervierfacht hatte.

Er galt als überaus intelligent und war äußerst modebewusst. Er verkörperte den sexy Managertyp, mit perfekt gestylten Haaren, ausgeprägten Kieferknochen und durchdringendem Blick. Keine Frage, dass seine maßgeschneiderten Anzüge seine energische Ausstrahlung betonten.

Zugegeben, ich habe mir Fotos von ihm im Internet angesehen, als ich vor meinem ersten Vorstellungsgespräch Nachforschungen über die Firma anstellte. Und vielleicht auch noch ein Weilchen danach. Er hatte keinen Account auf Facebook und keinen auf Instagram, soweit ich das feststellen konnte, aber es gab trotzdem überall Fotos von ihm. Ich fand jede Menge Beiträge über seine Erfolge bei DCS, aber nur wenig über sein Privatleben.

Er war außerdem sehr großzügig mit seinen jährlichen Spenden, das Geld kam nicht nur von der Firma, sondern auch von seinem eigenen Konto. Ich war immer noch sehr beeindruckt über die Tatsache, dass er eine hohe Summe an The London Foundation spendete, eine Wohltätigkeitsorganisation, die Überlebenden von Selbstmordversuchen oder zurückgelassenen Familien von Selbstmördern half. Er sorgte dafür, dass die Studiengebühren von einhundert Studenten der Universität von Washington ein Jahr lang bezahlt wurden.

Ich konnte immer noch nicht glauben, dass die Stelle seines persönlichen Assistenten seit Monaten offen war und dass ich wahrscheinlich aus Hunderten von Bewerbern ausgesiebt worden war und es zu einem Vorstellungsgespräch bei dem Mann höchstselbst gebracht hatte.

Mit verschwitzten Händen und klopfendem Herzen betrat ich die drei Etagen hohe Eingangshalle aus Glas und Marmor. Sie war lichtdurchflutet und erfüllt vom Gewusel eines geschäftigen Nachmittags. Rund um das Atrium ebenso wie im ersten Stockwerk waren Geschäfte.

Ein Tschilpen drang an mein Ohr, und als ich mich umdrehte, sah ich zwei Vögel um die eingetopften Bäume fliegen, die hier wie eine Art Indoor-Wald wuchsen.

Wie gebannt beobachtete ich die Vögel auf meinem Weg zum Aufzug und achtete nicht darauf, wo ich hinlief. Aus den Augenwinkeln nahm ich vage etwas Graues wahr, da stieß ich auch schon gegen einen Arm und eine Brust. Der Zusammenprall raubte mir das Gleichgewicht, und die Schwerkraft übernahm.

Ich sah mich schon der Länge nach auf dem Boden liegen, da wurde ich gepackt und herumgewirbelt. Ich drehte mich und landete nach hinten gebeugt wie eine Tänzerin in zwei Armen. Wobei mir bewusst war, dass ich nicht annähernd so elegant wirken konnte.

Ich blinzelte den Mann an, der mich aufgefangen hatte, während mein Herz hämmerte und Adrenalin durch meine Adern pumpte.

»Hallo, meine Schöne«, sagte er und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

»E-entschuldigen Sie bitte.«

Ich sah genauer in das Gesicht des Mannes auf, der mich festgehalten hatte, und sofort setzte mein Verstand aus.

Ich hatte Lincoln Devereux angerempelt.

Mein Gehirn bekam einen Kurzschluss. Lincoln fucking Devereux hatte die Arme um mich gelegt, und es flogen ordentlich Funken durch die Luft. Fotos wurden ihm nicht gerecht. Der Mann war in persona viel, viel attraktiver.

»Nicht nötig. Alles okay mit Ihnen?«

»Ja, danke.«

Er war wunderschön. Elegant und majestätisch in einem frisch gebügelten anthrazitfarbenen Anzug. Langsam richtete er sich auf und stellte mich wieder auf die Füße. Erst jetzt bemerkte ich die Männer in seiner Gesellschaft, alle in gleichermaßen teuren, frisch gebügelten Anzügen. Ich spürte, wie mir die Hitze ins Gesicht schoss.

»Vielen, vielen Dank. Es tut mir wirklich leid«, entschuldigte ich mich überschwänglich. Warum musste ausgerechnet er es sein? Mein Magen hatte sich derart zusammengekrampft, dass mir übel war.

»Ist schon gut«, entgegnete er und musterte mich von Kopf bis Fuß. »Kein Blut zu sehen.«

»Das ist alles in meinem Gesicht.«

Er lachte leise. »Stimmt.«

Dann angelte er ein Visitenkartenetui aus seiner Tasche. Nachdem er sich einen Stift geborgt hatte, schrieb er etwas auf die Rückseite. »Falls Sie jemanden brauchen, der heute Abend auf Sie aufpasst, um sicherzustellen, dass es Ihnen gut geht, rufen Sie mich an.« Er zwinkerte mir zu. »Es wäre mir eine Freude, dafür zu sorgen, dass das Blut sich wieder verteilt. Ich würde das sehr genau überwachen.« Er hielt mir die Karte hin. »Meine Privatnummer steht auf der Rückseite.«

Ich starrte erschrocken auf die Karte hinab und versuchte zu verdrängen, dass ich bei dem bloßen Gedanken ganz kribbelig wurde.

»Okay. Einen schönen Tag noch.«

Einen schönen Tag noch? Prima, du hörst dich wie eine Vollidiotin an, Ivy.

Er schenkte mir ein Lächeln von dieser blendenden, verführerischen Art, bei der Frauen weiche Knie bekommen, und kehrte zu seinen Begleitern zurück.

Ich schaute ihm nach und versuchte mich zu beruhigen und die Tatsache nicht überzubewerten, dass er mir seine Nummer gegeben hatte. Na schön, es war eine Einladung zum Sex, aber trotzdem war ich hin und weg.

Lincoln Devereux war wirklich ein Gott.

Ich war ein wenig benommen auf dem Weg zum Aufzug und hinauf zu Amy von der Personalabteilung. Wir besprachen einige Dinge, und sie gab mir den einen oder anderen Hinweis, die alle zum einen Ohr hinein- und zum anderen Ohr hinausgingen, weil meine Haut noch immer von seiner Berührung kribbelte.

Erst als sie mich kurze Zeit später in sein Büro führte, drang die Realität wieder zu mir durch. Plötzlich war ich ein Wrack. Es machte sich bereits Panik breit in dem Wissen, dass ich ihn treffen würde. Wie würde er nach der Begegnung in der Eingangshalle darauf reagieren, mich wiederzusehen? Würde ich die idiotische Frau sein, die sich zum Narren gemacht hatte, oder würde er es amüsant finden?

Die junge Frau, die am Schreibtisch vor seinem Büro saß, hatte einen verschüchterten Ausdruck auf dem Gesicht, und ihr Haar war wirr, während sie auf dem Schreibtisch nach ihrem Telefon suchte.

»Mr Devereux, Ihr Vieruhrtermin ist hier«, kiekste sie.

Sie schien ziemlich chaotisch zu sein, und nach dem Zustand ihres Schreibtischs zu urteilen, wurde ich auf dieser Position verzweifelt benötigt.

Die junge Frau öffnete mir die Tür und huschte wie eine erschrockene Maus schnell davon.

Ich atmete tief durch, bevor ich eintrat.

2

Lincoln

Ein sanfter Blumenduft erfüllte meine Nase, bevor ein leichter, singender Akzent an meine Ohren drang.

»Guten Tag, Mr Devereux.«

Etwas an der Art, wie sie meinen Namen sagte, entzückte mich. All das war vertraut – und doch neu. Ich drehte mich zu der Fremden in meinem Büro um und verstand. Die Schönheit, die ich keine zwanzig Minuten zuvor in den Armen gehalten hatte, stand vor mir und sah aus wie die personifizierte Sünde, dargeboten auf einem silbernen Tablett, damit ich sie kostete.

Verdammt. Ein Muskel in meinem Kinn zuckte vor Erregung. Ich hatte mich darauf gefreut, den Abend mit ihr zu verbringen, nicht ihr einen Job anzubieten. Es waren Wochen vergangen, seit ich das letzte Mal Sex gehabt hatte, und sie törnte mich jetzt genauso sehr an wie zuvor in der Eingangshalle.

»Ms Preston, vermute ich?«

»Eigentlich heiße ich Prescot, Sir«, korrigierte sie mich.

Ich lehnte mich hinter meinem Schreibtisch zurück, ohne ihr auch nur die Hand zu geben. Sie hatte die köstlichsten Kurven. Wenn ich sie berührte, würde das zu so viel mehr führen als der einfachen Begrüßung, die hier angebracht war. »Ich muss sagen, dass es eine Überraschung ist, Sie jetzt vor mir zu sehen. Das ist ein himmelweiter Unterschied zu dem, was ich mir vorgestellt habe, als ich Ihnen meine Karte zugesteckt habe.«

Ihre Wangen färbten sich rosig, und sie riss die Augen auf. Da war sie, die Anziehung, die ich gespürt hatte.

»Ich hoffe, der Vorfall in der Eingangshalle wirkt sich nicht negativ auf mein Vorstellungsgespräch aus.«

»Natürlich nicht«, sagte ich und bedeutete ihr, Platz zu nehmen.

Ich hatte keine Ahnung, wer sie war, kannte nur ihren Namen und ihren Lebenslauf, aber nach unserer Begegnung in der Halle war mein Schwanz sehr interessiert daran, sie kennenzulernen.

Ivy Prescot war möglicherweise meine neue Mitarbeiterin und könnte mir vielleicht eine Menge Probleme bereiten.

Ich betrachtete sie, während sie sich hinsetzte. Ihre blauen Augen waren groß und dezent geschminkt. Ihr Gesicht wurde umspielt von seidigen braunen Wellen, die ihr über die Schultern fielen. Es juckte mich, mit den Fingern hindurchzufahren. Die Vorstellung, wie ich von hinten in sie hineinstieß, während ich die Hand in ihr Haar krallte und daran zog, war berauschend.

Fuck – und zwar nicht im sexuellen Sinne.

Es machte mich schon hart zu sehen, wie sie unter meiner Musterung nervös wurde. Die Art, wie sie den Blick von meinen Augen abwandte, ihre Wangen zart gerötet, während sie an ihrer vollen Unterlippe nagte, verriet mir, dass ich eine genauso große Wirkung auf sie hatte.

Ich fragte mich, ob ich ihr sagen konnte, dass sie keine gute Besetzung für diese Stellung sei, ich sie aber in einer anderen unterbringen könne. Würde sie mich ohrfeigen? Würde sie meine zweideutige Bemerkung überhaupt verstehen? Oder würde diese Röte sich vertiefen und ausbreiten? Würden diese wunderschönen blauen Augen sich verdunkeln und mich stumm anflehen?

»Sie haben es ziemlich weit gebracht, nach den Kriterien der Personalabteilung würden Sie engagiert werden. Doch die Stelle war in letzter Zeit die reinste Drehtür, und ich bin es leid zu versuchen, neue Assistenten einzuarbeiten, die mit dem Druck nicht fertig werden und binnen weniger Wochen verschwunden sind.«

»Verständlich. Ein Mann in Ihrer Position trägt eine große Last auf den Schultern. Sie brauchen eine gute Assistentin, die Ihnen hilft, diese Last auszubalancieren.«

Ich hatte gleich zu Beginn des Vorstellungsgesprächs auf den Punkt kommen wollen, aber ihre Antwort auf eine ungestellte Frage war beeindruckend.

»Es ist nicht leicht, für mich zu arbeiten. Meine Ansprüche sind hoch, genau wie meine Erwartungen. Diese Firma ist in den letzten Jahren nicht deshalb so sehr gewachsen, weil ich auf meinem Hintern gesessen habe. Daher brauche ich niemanden, der mir nur Kaffee holt und meine Anrufe entgegennimmt. Ich brauche eine rechte Hand.«

Stille breitete sich aus. Ihr Gesichtsausdruck und die Art, wie sie mich ansah, machten klar, dass sie beinahe platzte, weil sie etwas sagen wollte und das wahrscheinlich nicht zur Sache gehörte. Offensichtlich hatte der Schock sich gelegt.

Ich seufzte und lehnte mich zurück, weil ich, was immer sie beschäftigte, hören wollte, damit wir weitermachen konnten. »Sprechen Sie.«

Sie blinzelte mich an. »Wie bitte?«

»Es ist offensichtlich, dass Sie darauf brennen, etwas zu sagen. Sagen Sie es.«

Sie hob den Kopf. »Mr Devereux, was Sie getan haben mit all diesen Geldspenden – «

Ich hob die Hand und fiel ihr ins Wort. »Vergessen Sie es. Seien Sie still«, fügte ich hinzu, als die Ader an meiner Schläfe zu pochen begann. »Sie brauchen kein Loblied auf das zu singen, was ich getan habe. Ich weiß, was ich getan habe.«

»Ja, Sir, Sie haben absolut recht.«

Ich sah sie mit einer hochgezogenen Braue an. Es war weder die Antwort, die ich erwartet hatte, noch die, an die ich gewöhnt war. »Das hier ist Ihr Lebenslauf?«, fragte ich und wedelte mit dem Blatt vor ihrer Nase.

Sie legte die Stirn in Falten. »J-a?«

»Entweder ist er das oder er ist es nicht«, stieß ich mit zusammengebissenen Zähnen hervor. Ihre Unentschlossenheit konnte ein nerviger Charakterzug sein, genauso wie ihr Sexappeal.

»Da ich nur ein x-beliebiges Blatt Papier sehe, das Sie von Ihrem Schreibtisch genommen haben, kann ich lediglich vermuten, dass es sich dabei um meinen Lebenslauf handelt«, entgegnete sie mit mehr Sarkasmus, als ich erwartet hatte. »Sir.«

»Hmph.« Das hatte mich überrumpelt. Ich hatte vergessen, dass Idiotin Nummer acht ihn auf meinen Schreibtisch gelegt hatte, bevor Ms Prescot eingetroffen war.

Die Wahrheit war, dass ich ihn nicht gelesen hatte, seit ich sie aus dem Stapel von Lebensläufen ausgewählt hatte. Die Personalabteilung regelte alles, einschließlich erster Gespräche und Tests. Ich hatte jahrelang eine großartige Assistentin gehabt, Amanda, aber die hatte ich vor einem Jahr an ein Baby verloren. Seither hatte die Personalabteilung eine Reihe von Idioten geschickt, und ich hatte verlangt, das letzte Wort zu haben.

Ms Prescot faszinierte mich bereits, und dabei ging es mir um mehr als um einen One-Night-Stand.

Ich überflog die Seite, die mit Notizen von der Personalabteilung versehen war, und erinnerte mich daran, warum sie es auf diesen Stuhl vor mir geschafft hatte – Collegeabschluss in Betriebswirtschaft, die höchste Punktzahl bei Eignungstests der Firma, die ich je gesehen hatte, und sie hatte fünf Jahre für Dante Kilgore, diesen Mistkerl, gearbeitet. Er war dafür bekannt, schmierig zu sein und jede Angestellte zu vögeln, die es ihm erlaubte.

Er war außerdem vor langer Zeit mein bester Freund gewesen, bevor wir Rivalen geworden waren. Ich kannte kein Erbarmen, und Freunde, ob ehemalige oder aktuelle, bildeten da keine Ausnahme. Das galt ganz besonders für Dante.

Ich legte das Blatt beiseite und sah Ms Prescot wieder an. »Warum der Wunsch, Kilgore Industries zu verlassen und zu einem seiner Konkurrenten zu wechseln?«

»Ich habe das Gefühl, von Dante alles gelernt zu haben, was ich von ihm lernen kann, und ich will mehr«, antwortete sie, ohne auch nur einen Moment zu zögern.

»Mehr was? Wollen Sie mehr sein als eine Assistentin?«

»Ich will eher eine Adjutantin sein und keine abtippende Kaffeebeschafferin. Ich will mit jemandem arbeiten, der meinen Wert erkennt und meine Kenntnisse respektiert.«

»Das dauert seine Zeit.« Mehr als von irgendetwas sonst war ich von ihrer Wortwahl »Adjutantin« beeindruckt.

»Wenn man nicht in fünf Jahren aufgestiegen ist, wird es nie passieren. Daher muss ich von dort weg. Ich will DCS dabei unterstützen, zum unangefochtenen Branchenführer zu werden.«

»Es wird Zeit kosten. Mindestens sechs Monate, und Sie werden mir Kaffee holen.«

»Ich verstehe. Ich werde von vorn anfangen. Es gibt immer etwas Neues zu lernen, selbst in der gleichen Branche.«

Ich beobachtete ihre Reaktionen auf meine Worte genau. Die Vorstellung, dass sie als Spionin hier sein könnte, ging mir durch den Kopf, aber ich registrierte in vielen ihrer Antworten einen Unterton der Geringschätzung.

»Ich werde nicht um den heißen Brei herumreden – haben Sie jemals mit Dante geschlafen?«

Sie riss die Augen auf, und ihr klappte der Unterkiefer herunter. »Wissen denn alle über ihn Bescheid?«

Es war nicht die Reaktion, auf die ich gehofft hatte, und Ärger stieg in mir auf. Ich wollte jedenfalls nicht Dantes abgelegte Frauen haben. »Beantworten Sie die Frage oder gehen Sie.«

»Nein. Zum Teufel, nein«, behauptete sie vehement und mit fester Stimme.

Erleichterung erfüllte mich, aber meine Fragen waren damit immer noch nicht beantwortet. »Was macht Sie zu dem seltenen Vogel, der seinen Krallen entkommen ist?«

»Ein Rückgrat? Der Wunsch, ohne Krankheiten zu leben?«

»Ist das der Grund, warum Sie von ihm wegwollen?«

»Er ist nicht der einzige unangenehme Typ dort, und ich will nichts mehr mit solchen Leuten zu tun haben. Ich sollte mir das nicht antun. Und darf ich ganz offen sein?«, fragte sie.

Ich nickte, und sie sprach weiter. »Ich habe zu viel Selbstachtung, um mich mit einem Mann abzugeben, der seinen Mitarbeiterinnen nachstellt, ohne sich auch nur einen Gedanken um das Wohlergehen seiner Firma zu machen. Es ist weder für mich noch für meine Talente der richtige Ort.«

Ihre Worte überraschten mich nicht, denn ich kannte Dantes Persönlichkeit. Doch ihre freimütige Bemerkung war beeindruckend.

»Nein, ist es nicht, ganz und gar nicht. Sie brauchen sich hier keine derartigen Sorgen zu machen«, sagte ich, obwohl ich mir nicht sicher war, ob ich dieses Versprechen einhalten konnte. Doch ich war auch nicht wie Dante. Wenn tatsächlich etwas passierte, dann deshalb, weil sie es wollte.

»Und warum? Habe ich das falsche Geschlecht?«

Ich musste lachen und konnte nichts tun gegen das Grinsen, das sich auf meinem Gesicht ausbreitete. »Ich bin definitiv nicht schwul, aber ich bilde mir zumindest ein, dass ich ein wenig mehr Anstand habe als dieser Neandertaler.«

»Eine Ameise hat mehr Anstand als Dante.«

Wieder konnte ich mir ein Glucksen nicht verkneifen. »Sie sind sehr attraktiv, und ich bin kein Heiliger, aber ich habe das Gefühl, dass Sie, sobald Sie erst einmal für mich arbeiten, persönlich nichts mehr mit mir zu tun haben wollen.«

»Sobald, nicht falls?«

Die Worte waren mir über die Lippen gekommen, bevor ich auch nur verarbeiten konnte, was sie bedeuteten. Sie hatte mich überrumpelt. Mir gefielen ihre Bemerkungen, und sie hatte mir gezeigt, dass sie tatsächlich das Rückgrat besaß, von dem sie gesprochen hatte.

»Die Stelle gehört Ihnen.«

»Was? Einfach so?«, fragte sie verwirrt.

Ich schob meinen Stuhl zurück und trat vor sie hin. »Sie bringen mich zum Lachen, und Sie scheinen tüchtig zu sein. Ich suche nicht nach Hilfe im Schlafzimmer; dafür gibt es andere Frauen.« Ich hob die Hand. »Die Probezeit ist ein Monat. Wenn Sie die bestehen, folgt eine Gehaltserhöhung. Nach einem weiteren Monat die nächste. Es ist nicht leicht, für mich zu arbeiten, und viele haben diese zwei Monate nicht durchgehalten. Jene, die es geschafft haben, waren außerordentlich. Wenn Sie mir die Hand geben, nehmen Sie mein Angebot an. Dann lasse ich den Vertrag aufsetzen.«

Sie schaute zu mir auf, dann blickte sie auf meine Hand. »Ich mag Herausforderungen«, sagte sie und schob ihre Hand in meine.

Ich versuchte nicht darüber nachzudenken, wie weich sich ihre Hand anfühlte. Und wie gut sie sich um meinen Schwanz anfühlen würde. Und wie gut sich die ganze Frau unter mir anfühlen würde.

Jeder Gedanke in meinem Kopf wurde überlagert von dem Verlangen, sie zu nehmen.

»Mr Devereux?«, fragte sie, da ich ihre Hand nicht losgelassen hatte.

Ich räusperte mich und zog die Hand zurück. »Sie werden am Montag anfangen.«

Sie erstarrte. »Aber das ist schon in drei Tagen.«

»Brauchen Sie eine Empfehlung von einem Mann, der Sie nur als weibliches Wesen sieht, mit dem er Sex haben kann?«

Sie schwieg einen Moment, bevor sie sprach. »Nein.«

»Gut. Seien Sie am Montag um sieben Uhr dreißig hier.«

»Montag um sieben Uhr dreißig«, wiederholte sie.

»Heute Abend wird sich jemand mit dem Vertrag bei Ihnen melden. Lassen Sie mich wissen, wenn es irgendwelche Probleme gibt. Ich freue mich auf unsere Zusammenarbeit.«

»Vielen Dank, Sir. Ich freue mich darauf, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.« Ihr Lächeln war aufrichtig, und ich versuchte es mir einzuprägen.

Sobald sie für mich arbeitete, würde dieses Lächeln verschwinden.

Kaum dass sie zur Tür hinaus war, ging ich zur Bar und goss mir zwei Fingerbreit Whisky ein. Das Brennen, als er meine Kehle hinunterrann, half nicht im Geringsten, das Feuer in anderen Körperregionen und meinen Gedanken zu löschen.

Ich hatte mich seit Jahren nicht mehr so aufgeputscht gefühlt.

Ms Prescot war genau so, wie meine persönliche Assistentin sein musste, und genau so, wie ich es nicht brauchen konnte.

Ich vermied die Verquickung von Geschäft und Vergnügen, aber ich wusste, dass mir das nicht mehr gelingen würde, wenn sie in der Nähe war.

Vielleicht hätte ich ihr die Position nicht anbieten sollen, aber nach drei Monaten voller Vorstellungsgespräche hatte sie mit ihren Qualifikationen und ihrer Persönlichkeit alle anderen übertroffen. Ich war das Kommen und Gehen leid, temporäre Assistenten, die sich nicht einmal selbst den Hintern abwischen konnten, geschweige denn mir eine anständige Tasse Kaffee bringen.

All das stimmte, und ich wollte außerdem Einblick in Dantes Geschäfte gewinnen. Ich brauchte diesen Einblick.

Ich war bereit, alles und jeden zu zerstören, der mir in die Quere kam.

Das Telefon in der Hand, rief ich meine Kontakte auf und fand den, nach dem ich suchte. Es klingelte zweimal, bevor eine bekannte Stimme sich meldete.

»Hallo?«

»Marcus, ich denke, wir sind drin«, sagte ich.

Es folgte eine kleine Pause, bis er begriff, was ich meinte, und er fragte nicht einmal, warum ich ihn anrief, statt ihm eine E-Mail zu schicken, wie ich es üblicherweise tat. »Wie?«

»Ich habe gerade seine Assistentin als meine eigene eingestellt.«

»Sie unterliegt keiner Vertraulichkeitsklausel?«, fragte er, und ich hörte Geraschel im Hintergrund.

Verdammt, das hatte ich nicht gefragt.

»Das weiß ich nicht so genau, aber Dante ist so von sich selbst überzeugt, dass er bestimmt denkt, keine Frau würde jemals eine Stellung bei jemandem kündigen, der so wunderbar ist wie er, um für einen seiner Konkurrenten zu arbeiten.«

»Stimmt. Was ist, wenn das eine List ist?«

»Obwohl er so etwas nicht als unter seine Würde ansehen würde, glaube ich nicht, dass er die Person hergeben würde, die die Interna wahrscheinlich besser kennt als er selbst, nicht einmal, um sich einen Vorteil zu verschaffen.«

»Nach dem, was ich herausgefunden habe, wäre ihm das durchaus zuzutrauen.«

»Na schön, dann werde ich einen Weg finden, mir Gewissheit zu verschaffen.« Ich goss noch einmal Whisky in mein Glas.

»Du wirst mit ihr schlafen, nicht wahr?«

»Wenn es nötig ist.« Obwohl ich in jedem Fall mit ihr schlafen würde. Ungeachtet jeglicher Kollateralschäden. »Das ist die Person, auf die ich gewartet habe.«

»Seine Assistentin?«

»Was auch immer sie war.« Ich kippte das Glas herunter und ließ die Flüssigkeit meine Kehle hinabrinnen. »Ich werde Dante endlich in die Knie zwingen, verdammt.«

Ich beendete das Telefonat und blätterte wieder in meinen Kontakten, auf der Suche nach einem Date für heute Abend. Irgendjemand musste mir Ablenkung beschaffen, und Hölle, es würde bestimmt nicht meine Hand sein.

3

Ivy

Zwei Wochen später

»Ich brauche den Fehlerbericht des letzten Cloudsystem-Updates zusammen mit den Berichten für den Account von Black Spell«, sagte Mr Devereux, während er eine E-Mail tippte und mich nicht einmal anschaute.

Mr Devereux hatte nicht gescherzt, als er gemeint hatte, er sei ein schwieriger Chef. Der charismatische Mann, der mich in den Armen gehalten und mir eine Nacht mit ihm angeboten hatte, war anders als Mr Devereux, mein Boss.

Vielleicht war die Arbeit für Dante doch nicht so übel gewesen. Andererseits gefiel es mir, dass Mr Devereux mich nicht behandelte wie einen Rock ohne Hirn. Nun, an manchen Tagen behandelte er mich, als hätte ich kein Hirn.

In der ersten Woche nach meinem Weggang wünschte ich mir so sehr, Mäuschen spielen zu können. Für ein letztes Fick dich, Dante hatte ich keine Notizen gemacht, nichts als das, was der Kalender als Tagesplan vorsah. Er sprach mir eine vernichtende Nachricht auf den AB.

»Sie hintergehen mich wegen eines skrupellosen Mannes, der Sie vernichten wird.«

Es war eine seltsame Bemerkung, die vor allem von seiner Rivalität mit Mr Devereux zeugte. In der ganzen Zeit, die ich für ihn gearbeitet hatte, hatte Dante Mr Devereux nie gemocht. Ich glaube, es lag daran, dass er zornig war und sogar verängstigt, wenn Klienten Kilgore verließen und zu DCS wechselten.

Ich griff in den Stapel in meiner Hand und zog eine Mappe heraus. »Hier ist der Bericht für das Cloudsystem. Er ist vor wenigen Minuten gekommen. Und ich werde mich mit einem Kollegen, der Black Spell betreut, in Verbindung setzen.«

Er schaute auf die Mappe hinab, dann wieder auf seine Monitore. »Wenden Sie sich aber nicht an diesen Idioten Davidson. Ich will den letzten Monat und diesen Monat.« Er deutete auf seine Kaffeetasse. »Die hier ist leer.«

»Ich schenke Ihnen gleich nach.« Ich hatte auf die harte Tour gelernt, dass ich um seinen Schreibtisch herumgehen musste, um nach seiner Tasse zu greifen. Was sich mir unvergesslich als der desaströse Kaffeezwischenfall eingeprägt hatte, und zwar aus zwei Gründen.

Der erste Fehler, den ich machte, bestand darin, den Kaffee liefern zu lassen. Nach einer Woche in meinem Job lernte ich immer noch die Grundlagen. Ich hatte kaum die Tasse auf seinen Schreibtisch gestellt, als er daran nippte und sie sofort wieder absetzte.

»Scheiße, was ist das?«, zischte er, die Mundwinkel angewidert heruntergezogen.

»Tut mir leid, ist der Kaffee falsch?«

»Wenn genug Zucker darin ist, um einen Elefanten mit Diabetes zu töten, dann ja. Er ist verdammt falsch.« Er starrte voller Ekel auf die Tasse. »Was haben Sie da reingetan?«

»Ich habe ihn unten bestellt.«

Er hielt inne und kniff die Augen zusammen. »Gut drei Meter von Ihnen entfernt befindet sich eine Kaffeemaschine samt genauer Anweisung, die mit Tesa draufgeklebt ist.«

»Ich weiß nicht, wie man die Maschine bedient.«

»Dann finden Sie es heraus. Schaffen Sie mir diese Plörre aus den Augen, und machen Sie mir einen Kaffee. Sofort.«

»Ja, Sir.« Ich beugte mich über den Schreibtisch und griff nach der Tasse.

Ich weiß bis heute nicht, ob ich sie ungeschickt angefasst hatte oder ob der Deckel abgesprungen war, als Mr Devereux einen Schluck genommen hatte, aber die dunkle Flüssigkeit schwappte über seinen ganzen Schreibtisch und den Ärmel seines Jacketts.

»Scheiße«, fluchte er, sprang auf und riss sich das Jackett herunter.

»Oh mein Gott, das tut mir so leid, Sir.«

»Leidtun ist keine Entschuldigung für Dummheit.«

»Es war ein Missgeschick.«

»Mag sein, aber Sie haben die Papiere auf meinem Schreibtisch ruiniert.« Er warf mir sein Jackett zu, und es gelang mir mit knapper Not, es aufzufangen, ohne noch mehr Kaffee zu verschütten. »Lassen Sie das Ding reinigen, sodass ich es zum Lunch zurückhabe.«

»Aber das ist schon in dreißig Minuten«, protestierte ich.

»Und bevor Sie das tun, beseitigen Sie diese verdammte Schweinerei. Dalli, dalli, Ms Prescot.«

Nach zwei Wochen in meinem Job jonglierte ich hektisch mit all den neuen Aufgaben, organisierte seine Tage und holte die oft undurchsichtigen Informationen ein, die er für Beratungen oder als Hintergrundwissen brauchte. Die Abkürzungen allein hielten mich auf Trab. Es hatte einen Crashkurs gegeben, und eine Liste mit dem Nötigsten war angefertigt worden.

Seine letzte richtige Assistentin hatte einen Ordner hinterlassen. Doch während des vergangenen Jahres, seit ihrem Weggang, hatten all die Aushilfen, Zeitarbeitskräfte und Versager darin rumgestrichen und verbessert und den Ordner in einem beinahe unleserlichen, unzuverlässigen Chaos hinterlassen.

Glücklicherweise hatte ich eine Freundin gefunden. Sie arbeitete einige Stockwerke weiter unten für einen der Chefs auf mittlerer Ebene, und ich war ihr eines Tages während meiner ersten Woche über den Weg gelaufen, als ich mich verirrt hatte. Sie war so freundlich, mir an diesem Tag zu helfen und mich seither anzuleiten.

»Wenn es sich nicht in seinem persönlichen Verzeichnis findet, ist es auf dem öffentlichen Laufwerk«, sagte sie am Telefon.

Ich hatte zwanzig Minuten lang nach den Daten des Black-Spell-Accounts gesucht, nachdem der Administrator mir gesagt hatte, sie seien in der Kontenübersicht, bevor er einfach auflegte. Ich gewann den Eindruck, dass meine vielen Vorgänger in so manchem Mund einen schlechten Geschmack hinterlassen hatten, und die Kollegen nahmen alle an, dass ich verschwinden würde, genau wie die Frauen und Männer vor mir.

»Öffnen Sie die, dann die Kundendatei, dort finden Sie den Namen, und in dem Ordner sollten Sie fast jedes Dokument finden, das er jemals haben wollen wird.«

Ich kritzelte ein paar Notizen hin, während ich mich durch ihre Anweisungen klickte. »Vielen, vielen Dank, Alex.«

»Keine Ursache. Ich will um zwölf zu Mittag essen gehen. Was ist mit Ihnen?«

Ich überflog meinen Kalender. »Wenn Sie ein paar Minuten warten können – ich kann ungefähr Viertel nach von hier verschwinden.«

Sie kicherte durch die Leitung. »Ich kann warten.«

An jenem Tag flogen die Minuten nur so dahin. Es gefiel mir, viel zu tun zu haben, aber in jeder Sekunde, die ich im Büro verbrachte, summte alles in mir. Beinahe als wartete ich auf etwas, aber ich wusste nicht, was das war. Vielleicht offenbarte sich die Angst als eine körperliche Reaktion. Was immer es war, ich hatte nie eine freie Sekunde, um auch nur Luft zu holen. Wenn das Telefon nicht gerade klingelte, kam eine E-Mail herein, oder ich musste meinen Chef zu einem Meeting begleiten, bei dem ich gleichzeitig E-Mails abspeicherte und detaillierte Notizen machte.

Und ich war noch nie so gut ausgerüstet gewesen. Bei Dante war ich an einen Laptop und ein Telefon gewöhnt gewesen. Bei meiner Arbeit für DCS hatte ich ein Tablet, ein Telefon und einen Computer, und alle Geräte waren miteinander verbunden, sodass sich Daten schnell und problemlos übertragen ließen. Es war eine gewisse Lernkurve, aber es machte die Abläufe erheblich einfacher.

Die Bürotür wurde geöffnet, aber ich war zu vertieft in meine E-Mails, um aufzusehen.

»Ähm, Ms Prescot?«, erklang eine kleinlaute Stimme, die meine Aufmerksamkeit erregte.

Als ich aufschaute, stand ein mageres blondes Mädchen vor mir. Ihre großen braunen Augen hinter einer schwarzen Metallbrille sahen mich verschüchtert an.

»Ja?«

»Hi, ich bin Stacey Collins, die Praktikantin …« In ihrer Stimme lag absolut null Selbstbewusstsein, und das Mädchen tat mir sofort leid.

Ich erinnerte mich vage an eine E-Mail über eine neue Praktikantin, aber ich musste mir so viel merken, dass ich diese vollkommen vergessen hatte.

»Hallo. Bitte nennen Sie mich Ivy.« Ich streckte die Hand aus, und sie schob ihre sachte hinein. »Es tut mir so leid, ich habe völlig vergessen, dass Sie kommen würden, daher weiß ich nicht recht, was ich jetzt tun soll.«

»Oh, ich bin nur hergekommen, um mich vorzustellen. Heute findet eine Einführung für Praktikanten statt.«

Ich stieße den Atem aus und lächelte sie an. »Das ist gut. So habe ich etwas Zeit, mich vorzubereiten. Sie werden am Montag hier sein, stimmt’s?«

Sie nickte.

»Ich freue mich darauf«, sagte ich und achtete darauf, ihr mein freundlichstes Lächeln zu schenken.

Sie winkte verhalten, als sie den Raum verließ. Ich sah ihr nach, weil ich Angst hatte, sie könnte ohnmächtig werden, bevor sie zur Tür hinaus war. Wie hatte sie ein Praktikum bei Lincoln Devereux ergattert? Er würde sie bei lebendigem Leib auffressen.

Sofort schrieb ich eine Mail an die Büroorganisation, damit sie einen Schreibtisch bekam, an dem sie arbeiten konnte, und eine weitere an den technischen Support, in der ich um einen Computer und eine Mailadresse für sie bat. Angeblich sollte sich die Praktikantenbetreuung darum kümmern, aber ich wollte es jetzt erledigt haben und nicht irgendwann nächste Woche. Manchmal hatte es seine Vorteile, die Assistentin des CEO zu sein, was sich unter anderem dann zeigte, wenn ich etwas sofort erledigt haben wollte.

»Ich werde rechtzeitig für das Vierzehn-Uhr-Meeting mit den Aktionären zurück sein«, erklärte Mr Devereux, als er vorbeiging, ohne mich auch nur dabei anzusehen.

Die Tür zu seinem Büro stand für gewöhnlich offen, und er schaffte es immer, mich zu erschrecken, wenn er plötzlich vor meinem Schreibtisch auftauchte. Waren die Böden schallgedämmt?

»Ich wünsche Ihnen eine schöne Mittagspause!«, rief ich ihm nach.

Er drehte sich um und grinste. »Oh, die werde ich haben.«

Ich hasste das flaue Gefühl in meinem Magen. Im Kalender stand nur Mittagessen – Yvette, und ich wusste, dass es kein Geschäftsessen war. Nein, die Einträge waren immer länger, wie der für morgen: Mittagessen – Amando’s. Sean Thomas, Intercontinental Express.

Nachdem ich mit meiner E-Mail fertig war, rief ich schnell Alex an und verabredete mich in der Eingangshalle mit ihr. Alex war eine zierliche Frau von Mitte dreißig mit langem hellbraunem Haar, das sie immer in einem losen Pferdeschwanz oder locker geflochten trug. Sie war ein fröhlicher Mensch und der einzige Lichtblick meines Tages.

Wir gingen nicht weit, aber das lag daran, dass es innerhalb von ein, zwei Häuserblocks ein Dutzend toller Lokale gab.

»Wieso haben Sie diese Stelle nicht bekommen?«

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