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Flucht in die Oase der Liebe

1. KAPITEL

Cameron Knight war zweiunddreißig Jahre alt, schlank, muskulös, über einen Meter neunzig groß und hatte grüne Augen. Den beeindruckenden Körperbau verdankte er seinem aus England stammenden Vater, das schwarze Haar und die hohen Wangenknochen seiner Mutter, einem indianischen Halbblut. Schon sehr früh entwickelte er eine Vorliebe für schöne Frauen, schnelle Autos und gefährliche Abenteuer.

Noch immer umgab ihn die Aura des blendend aussehenden, aber gefährlichen Teenagers, nach dem die Mädchen in Dallas, Texas, verrückt gewesen waren.

Die Abenteuerlust hatte Cameron zu seinem Beruf gemacht. Zunächst als Sicherheitspolizist, dann als Agent und jetzt gemeinsam mit seinen Brüdern als Unternehmer.

Mit der Arbeit für Knight, Knight & Knight war er reich geworden. Auf drei Kontinenten riefen die Menschen ihn zu Hilfe, wenn es brenzlig wurde.

Und zu Camerons grenzenloser Überraschung hatte ihn nun auch sein Vater um Hilfe gebeten.

Noch erstaunlicher jedoch war, dass Cameron sie ihm zugesagt hatte.

Deshalb saß er jetzt in einem kleinen Privatjet über dem Atlantik auf dem Weg zu einem winzigen Ort namens Baslaam. Ein kurzer Blick auf die Armbanduhr verriet Cameron, dass sie in einer halben Stunde landen würden. Das gab ihm noch etwas Zeit zur Entspannung. Den überwiegenden Teil des Fluges hatte er in der Akte gelesen, die sein Vater über Baslaam zusammengestellt hatte.

Schließlich musste er auf seiner Reise ins Ungewisse vorbereitet und fit sein. Dabei halfen ihm Atemübungen, die einer seiner Ausbilder beim Geheimdienst immer als Tai-Chi für den Geist bezeichnet hatte.

Cameron stellte die Rückenlehne seines Ledersitzes zurück, schloss die Augen und ließ seinen Gedanken freien Lauf. Vielleicht lag es daran, dass er im Auftrag seines Vaters unterwegs war – jedenfalls dachte er über sein Leben nach und wie nahe er der Vorhersage seines Vaters gekommen war.

„Du bist ein Nichtsnutz“, hatte Avery ihm als Kind oft vorgeworfen. „Aus dir wird nie etwas Gescheites.“

Ehrlicherweise musste er zugeben, dass er alles getan hatte, um seinen Vater in dieser Meinung zu bestätigen: Schulabbruch, Alkohol und dazu noch Marihuana – allerdings nur für kurze Zeit. Denn nach einem Joint fühlte man sich zwar high, verlor aber auch die Selbstkontrolle, was Cameron gar nicht gefiel.

Mit siebzehn geriet er in ernste Schwierigkeiten.

Wütend auf seine Mutter, weil sie gestorben war, und auf seinen Vater, weil er sich mehr für sein Geld als für seine Familie interessierte, glich Cameron einer tickenden Zeitbombe.

Eines Nachts, als er in seinem frisierten Truck mit hundertsechzig Sachen eine kurvenreiche Nebenstrecke entlangfuhr, bemerkte Cameron, dass er gerade an dem unbeleuchteten Haus des Polizisten vorbeikam, der ihm ein Jahr zuvor eine ordentliche Abreibung verpasst hatte.

Das wäre halb so schlimm gewesen, wenn der Beamte nicht im Auftrag von Camerons Vater gehandelt hätte.

„Sein alter Herr hat mich gebeten, dem Jungen einen Denkzettel zu verpassen“, hatte der Polizist seinem Kollegen erklärt.

Das hatte Cameron nie vergessen. Also stellte er den Truck am Straßenrand ab, lief zum Haus, kletterte von einem Baum aus ins Schlafzimmerfenster und betrachtete den schnarchenden Polizisten ein paar Minuten, bevor er auf dem gleichen Weg zum Truck zurückkehrte.

Dieses Erlebnis fand er so aufregend, dass er sich fortan einen Spaß daraus machte, in die Häuser der Männer einzubrechen, die nach der Pfeife seines Vaters tanzten. Er ließ nie etwas mitgehen, sondern freute sich nur diebisch über seinen Erfolg.

Eines Nachts – inzwischen besuchte er das College – wäre er jedoch fast erwischt worden.

Das war ihm eine Lehre, und von da an verzichtete er auf seine gefährlichen Spielchen. Cameron verließ das College und meldete sich freiwillig zum Wehrdienst. Von dort rekrutierte ihn die Sicherheitspolizei. Als der Geheimdienst ihm ein Angebot machte, nahm er es an. Verdeckte Ermittlungen waren genau das Richtige für ihn.

Bis man ihn mit Operationen betraute, die er nicht mit seinem Gewissen vereinbaren konnte.

Seine Brüder schlugen ganz ähnliche Wege ein. Und auch sie liebten schnelle Autos, schöne Frauen und riskante Abenteuer.

Vom Alter her jeweils ein Jahr auseinander, besuchten sie dasselbe College. Alle drei Knights verließen das College nach zwei Jahren, gingen zur Sicherheitspolizei und anschließend zum Geheimdienst.

Nach einiger Zeit kehrten sie jedoch nach Dallas zurück, enttäuscht von den Aufträgen, die man ihnen beim Geheimdienst erteilt hatte. Dort gründeten sie Knight, Knight & Knight, eine Firma für Risikomanagement. Nach Stunden ernster Planung und einigen Drinks hatte Cameron die Firmenbezeichnung vorgeschlagen.

„Und was soll man darunter verstehen?“, hatte Matt gefragt.

„Dass wir uns eine goldene Nase verdienen“, hatte Alex lachend erklärt.

Er sollte recht behalten. Einflussreiche Klienten zahlten Unsummen für Aufträge, vor denen die meisten Menschen schreiend die Flucht ergriffen hätten.

Dabei ging es dann ziemlich oft um Dinge, die am Rande der Legalität lagen.

Nur ihr Vater ignorierte ihren Erfolg – bis er eines Abends auf Camerons Anwesen in Turtle Creek auftauchte.

Avery war sofort zur Sache gekommen und hatte erklärt, sein Angestellter, der mit Vertragsverhandlungen über Ölgeschäfte mit dem Sultan von Baslaam beauftragt war, hätte sich seit fast einer Woche nicht mehr gemeldet und wäre weder über Handy noch über Satellitencomputer erreichbar.

Mit unbewegter Miene hatte Cameron sich das angehört. Als Avery verstummte, sagte sein Sohn noch immer nichts. Allerdings wusste er jetzt, warum sein Vater ausgerechnet zu ihm gekommen war.

„Himmel, Cameron, du weißt, worum ich dich bitte“, sagte sein Vater ungeduldig.

„Tut mir leid, Avery, du musst es mir schon sagen.“

Im ersten Moment dachte er, Avery würde aufstehen und wortlos das Haus verlassen. Doch stattdessen atmete er tief durch.

„Ich will, dass du nach Baslaam fliegst und herausfindest, was, um alles in der Welt, dort vorgeht. Ich zahle dir das doppelte Honorar.“

Cameron schob die Hände in die Hosentaschen und lehnte sich gegen das Geländer der Veranda, von der aus man einen herrlichen Blick auf die Stadt hatte.

„Ich will kein Geld von dir“, meinte er ruhig.

„Was willst du dann?“

Dass du mich auf Knien anflehst, dachte Cameron. Doch das ließ sein Ehrenkodex natürlich nicht zu, schon gar nicht, weil es hier um seinen eigenen Vater ging.

Also hatte er den Auftrag ohne Widerspruch angenommen und landete keine achtzehn Stunden später mit einem harten Aufprall in der Wüste.

Ein kleiner Mann in einem weißen Anzug eilte auf ihn zu.

„Willkommen in Baslaam, Mr. Knight. Ich bin Salah Adair, der Sekretär des Sultans.“

„Es freut mich, Sie kennenzulernen, Mr. Adair.“ Cameron sah sich um. „Begleitet der Vertreter von Knight Industries Sie denn nicht?“

Adair lächelte heiter. „Er ist zu Vermessungsarbeiten jenseits der Blue Mountains aufgebrochen. Hat er Sie davon nicht in Kenntnis gesetzt?“

Unschuldig erwiderte Cameron das heitere Lächeln. Der Unterhändler seines Vaters war Rechtsanwalt und hatte keine Ahnung von Vermessungsarbeiten.

„Vermutlich hat er meinen Vater informiert, und der hat vergessen, es mir zu sagen.“

Adair führte ihn zu einer schwarzen Limousine, die zu einem Konvoi alter Jeeps und neuer Humvees gehörte. Sämtliche Fahrer und Begleiter waren bis an die Zähne bewaffnete Soldaten.

„Der Sultan hat Ihnen zu Ehren eine Eskorte geschickt“, erklärte Adair mit aalglatter Miene.

Nach einer Eskorte sah das nun wirklich nicht aus. Wieso trugen die Männer alle Waffen? Und wo steckten die normalen Bürger von Baslaam? Die asphaltierte Straße, die zur Stadt führte, war menschenleer. Dabei wollte das Sultanat sich doch den Anschein eines modernen Staates geben. Demnach hätte die Straße voller Autos sein müssen.

„Der Sultan gibt ein Fest für Sie“, sagte Adair während der Fahrt. „Sie werden mit vielen Delikatessen verwöhnt werden, Mr. Knight. Und ich meine nicht nur Gaumenfreuden.“

„Wunderbar.“ Innerlich unterdrückte Cameron ein Schaudern. Was in diesem Teil der Welt als Delikatesse galt, verursachte ihm schon beim bloßen Gedanken Übelkeit. Und seine Betthasen suchte er sich auch lieber selbst aus.

Irgendetwas stimmte nicht in Baslaam. Ganz deutlich spürte Cameron Gefahr. Er sollte auf der Hut sein. Unbekannte Speisen, Alkohol und Frauen waren tabu – besonders die Frauen!

Wo versteckten sie nur die anderen Frauen?

Wie lange sie schon in dieser schmutzigen, fast unbelüfteten Zelle eingesperrt war, wusste Leanna nicht. Zwei Tage, vielleicht zweieinhalb, und die ganze Zeit über hatte sie keine einzige Frau zu Gesicht bekommen. Dabei würde eine Frau ihr bestimmt zuhören und ihr bei der Flucht aus dieser Hölle helfen.

Besorgt betrachtete sie den kleinen Wasserrest in dem Eimer, den man ihr am Morgen gegeben hatte. Ob sie mehr Wasser bekäme, wenn sie den Rest austrank? Von der Hitze war ihre Kehle ganz ausgetrocknet. Allerdings hatte es sich etwas abgekühlt, denn die unbarmherzige Sonne verschwand gerade hinter den Bergen. Das konnte Leanna an den länger werdenden Schatten in ihrem verwahrlosten Gefängnis ablesen. Die Armbanduhr hatten ihr die Kidnapper vom Handgelenk gerissen.

Dass es etwas abkühlte, bedeutete zwar eine Erleichterung, doch in der Dunkelheit krochen auch die Spinnen und Tausendfüßler aus ihren Verstecken.

Leanna schloss die Augen, atmete tief durch und ermahnte sich, nicht an das Ungeziefer zu denken. Ihr stand Schlimmeres bevor. Einer der Wärter sprach gebrochen Englisch und hatte ihr mit einem anzüglichen Lachen erzählt, was sie erwartete.

Heute Abend würde sie zu dem Mann gebracht, der sie gekauft hatte. Der König oder Häuptling dieses grässlichen Landes. Gegen die Begegnung mit ihm waren das Ungeziefer, die Hitze und die Verhöhnungen der Wärter vermutlich gar nichts.

„Der große Asaad nimmt dich heute Abend“, hatte der Wärter grinsend gesagt und eine anzügliche Handbewegung gemacht, damit Leanna auch ja wusste, was er meinte.

Sie zitterte und versuchte verzweifelt, es zu unterdrücken, denn ihre Angst zu zeigen, wäre ein großer Fehler. Was für eine komplett absurde Situation! In einem wunderschönen alten Theater in Ankara hatte sie mit der Balletttruppe eine Schwanensee-Aufführung einstudiert. In der Pause, als sie das Gebäude kurz durch eine Seitentür verlassen hatte, um frische Luft zu schöpfen, hatte man sie gepackt und in einen stinkenden Lieferwagen geworfen.

Die Zellentür ging auf. Zwei Riesen mit Händen so groß wie Schinken kamen herein. Einer zeigte mit dem Daumen nach oben, was wohl hieß, dass sie mit ihnen kommen sollte.

Am liebsten hätte sie sich auf den Boden geworfen und geschrien. Stattdessen hielt sie sich sehr aufrecht und funkelte die Männer wütend an. Sie dachte gar nicht daran, sich einschüchtern zu lassen.

„Wohin bringen Sie mich?“

Die Riesen überraschte ihre Haltung genauso wie sie selbst.

„Du kommst mit.“ Das Englisch des Mannes klang kehlig, aber verständlich.

Leanna stützte die Hände auf die Hüften. „Ich denke gar nicht daran!“

Daraufhin packten die zwei sie an den Armen. Verzweifelt versuchte sie, Widerstand zu leisten. Doch sie hoben sie einfach hoch und zogen sie mit sich.

Aber so leicht gab Leanna nicht auf. Durch das jahrelange Balletttraining besaß sie sehr muskulöse Beine, die sie sehr hoch werfen konnte. Damit war sie sogar schon in einer Revue in Las Vegas aufgetreten. Dieses Training kam ihr jetzt zugute.

Der Riese mit den Englischkenntnissen wusste nicht wie ihm geschah, als er plötzlich an seiner empfindlichsten Stelle getroffen wurde und sich vor Schmerzen krümmte.

Sein Kumpan fand das sehr amüsant, doch bevor Leanna auch ihm einen Tritt versetzen konnte, drehte er ihr den Arm um, versetzte ihr einen Kopfstoß und fuhr sie an.

Sie hatte keine Ahnung, wovon er sprach, aber das war auch gar nicht nötig. Der stinkende Atem und die Speicheltropfen, die sie trafen, sprachen für sich.

Außer ihr hatten die vermummten Männer in Ankara noch zwei andere Balletttänzerinnen entführt. Zuerst glaubten die Frauen, die Männer wollten ein Lösegeld für sie fordern, doch dann äußerte eine Kollegin eine ganz andere Befürchtung.

„Das sind Sklavenhändler“, flüsterte sie entsetzt. „Sie werden uns verkaufen.“

Sklavenhändler im einundzwanzigsten Jahrhundert? Leanna fand das lächerlich, doch ihre Kollegin hatte offenbar einen Bericht im Fernsehen über den Sklavenhandel mit Weißen gesehen.

„Aber an wen werden wir verkauft?“, fragte die andere Kollegin.

„An irgendeinen Mistkerl, der sich das leisten kann“, antwortete die andere mit bebender Stimme und gab Details aus dem Bericht wieder.

Doch Leanna war nicht empfindlich. Mochten Ballerinen auch wie Märchenprinzessinnen über die Bühne schweben – der Anblick täuschte gewaltig. Ballett bedeutete harte Arbeit und eine strenge und fordernde Ausbildung, besonders wenn man sie an einer mit öffentlichen Mitteln geförderten Schule genoss.

Während die anderen beiden Mädchen fast verzweifelten, versuchte Leanna, ihre Fesseln zu lösen. Sie hatte es fast geschafft, als die Entführer die Heckklappe aufrissen und den drei Balletttänzerinnen eine Spritze gaben.

Erst in dieser grässlichen Zelle war Leanna wieder zu sich gekommen – mit der untrüglichen Gewissheit, dass man sie verkauft hatte.

Und jetzt führte man sie zu ihrem Eigentümer, durch einen langen stinkenden Flur in einen kleinen Raum mit Betonwänden und einer Abflussrinne in der Mitte des Bodens. Die Männer schlugen die Tür hinter Leanna zu und verriegelten sie. Trotzdem warf sie sich mit aller Kraft dagegen und schlug mit zu Fäusten geballten Händen an das Holz, bis ihre Knöchel schmerzten.

Dann sank sie auf den kalten Boden und betrachtete die fleckigen Wände und den dunklen feuchten Fleck rund um den Abfluss.

Als der Riegel geraume Zeit später zurückgeschoben wurde, begann sie zu zittern.

„Ich darf ihnen meine Angst nicht zeigen“, sagte sie sich leise. Langsam stand sie wieder auf und hob herausfordernd das Kinn.

Eine Frau kam in den Raum. Das erleichterte Leanna. Doch hinter ihr standen zwei Männer, die sie mit kaltem Blick musterten.

„Sprechen Sie Englisch?“, fragte Leanna die Frau, die das Kommando zu führen schien.

Dass sie keine Antwort bekam, musste nichts heißen. So leicht gab sie nicht auf. „Ich hoffe es. Sie müssen wissen, dass dies ein schreckliches Missverständnis …“

„Ausziehen!“

„Also sprechen Sie Englisch. Ich bin ja so …“

„Die Kleider bleiben auf dem Boden.“

„Bitte hören Sie mir zu! Ich bin Tänzerin. Ich weiß nicht, was …“

„Beeilung, oder die Männer werden nachhelfen.“

„Haben Sie mich verstanden? Ich bin Tänzerin. Amerikanerin. Meine Botschaft …“

„In Baslaam gibt es keine Botschaft. Mein Herr erkennt dein Land nicht an.“

„Das sollte er aber. Oder … oder …“

Ohne ein weiteres Wort machte die Frau den Männern ein Zeichen. Als einer wie ein Blitz auf sie zugeschossen kam und an ihrem T-Shirt zog, schrie Leanna erschrocken auf. „Aufhören! Lassen Sie mich sofort los!“

Das T-Shirt zerriss. Als Leanna nach dem Mann ausholte, lachte der nur und hielt ihre Handgelenke mit einer Hand umklammert. Mit der anderen hob er sie hoch, damit sein Kumpan ihr Schuhe und Hose ausziehen konnte.

Als sie nur noch BH und Slip trug, stieß der Mann sie zu Boden. Leanna krabbelte zur Wand und machte die Augen fest zu. Das konnte doch nur ein Albtraum sein!

Ein paar Sekunden später traf sie ein warmer Wasserstrahl, und sie riss die Augen wieder auf. Dienstmädchen umringten sie. Einige hielten Krüge mit dampfendem Wasser, andere Seife und Handtücher. Die Männer schleppten einen riesigen Holzzuber in den Raum.

Einen Zuber?

„Zieh die Wäsche aus“, kommandierte die Frau. „Und wasch dich gründlich! Wenn du nicht sauber bist, wirst du bestraft. Sultan Asaad duldet keinen Schmutz.“

Leanna blinzelte. Offenbar stand sie in einem improvisierten Badezimmer. Deshalb der Abfluss im Boden.

Wegen der Ironie der Situation hätte sie fast gelacht. Der Herrscher über dieses gottverlassene Kaff hatte sie in ein mit Ungeziefer verseuchtes dunkles Loch gesperrt, und nun sollte sie ihm als neues Sexspielzeug dienen.

Aber zuerst musste sie sich hinter den Ohren waschen.

Weil die ganze Situation so unglaublich grotesk war, lachte Leanna hysterisch. Daraufhin kicherte eine der Dienerinnen und hielt sich die Hand vor den Mund. Aber nicht schnell genug. Blitzschnell verpasste ihr die Frau, die das Kommando führte, eine Ohrfeige und brüllte sie an, bevor sie sich wütend an Leanna wandte.

„Vielleicht möchtest du voller blauer Flecken vor meinem Gebieter erscheinen?“

Nun hatte Leanna genug. Sie sah der Frau fest in die Augen und sagte: „Vielleicht möchten Sie vor ihm erscheinen und erklären, warum seine Ware so zugerichtet ist?“

Die Frau erblasste, was Leanna mit einem kühlen Lächeln zur Kenntnis nahm. Dabei klopfte ihr Herz zum Zerspringen vor Angst.

„Sagen Sie diesen Schlägertypen, sie sollen verschwinden. Erst dann steige ich in den Zuber.“

Obwohl sie verblüfft aussah, befahl die Frau den Männern, den Raum zu verlassen.

Leanna zog ihre Dessous aus, stieg in den mit heißem Wasser gefüllten Zuber und entspannte ihre verkrampften Muskeln, während sie fieberhaft über einen Fluchtplan nachdachte.

Leider war ihr noch nichts eingefallen, als die Frau verkündete, sie wäre jetzt sauber genug für den Sultan von Baslaam. Klassisch ausgebildete Balletttänzerinnen hatten wenig Übung im Improvisieren, das gehörte eher zu den Stärken von Schauspielern.

Aber irgendetwas würde ihr schon einfallen. Jedenfalls war sie kein Feigling – was sie, wenn nötig, auch beweisen wollte.

2. KAPITEL

Cameron hatte schon viele von Aufruhr geschüttelte Orte besucht.

Aber in Baslaam herrschte kein Aufruhr. Das Sultanat stand vor dem Zusammenbruch! Auch ohne seine Ausbildung beim Geheimdienst hätte er das sofort erkannt.

Keine Menschen. Keine Fahrzeuge. Grauer rauchgeschwängerter Himmel. Und die Geier fingen bereits an zu kreisen.

Im Sultanat steht es nicht zum Besten, dachte Cameron.

Adair hatte nicht einmal zu einem Erklärungsversuch angesetzt. Und Cameron war klug genug, um keine Erklärungen zu verlangen. Zum Glück hatte er im Aktenkoffer eine Pistole versteckt, die sich sicher noch als nützlich erweisen könnte.

Der Sultan erwartete ihn in einer Marmorhalle, deren Deckenhöhe an die sieben Meter betragen musste. Wie er dort auf seinem goldenen Thron auf einer silbernen Empore saß, hatte er nicht die geringste Ähnlichkeit mit dem Mann, den sein Vater ihm beschrieben hatte.

Avery zufolge war der Sultan nämlich über achtzig Jahre alt, klein, drahtig, entschlossen und unnachgiebig.

Der Mann vor ihm hingegen musste etwa Mitte vierzig sein und war massig, fast fett. Die einzige Ähnlichkeit mit dem Sultan, den Avery beschrieben hatte, bestand in dem unnachgiebigen Blick. Außerdem spiegelte sich Grausamkeit in den Gesichtszügen des obersten Würdenträgers.

Ob es einen Staatsstreich gegeben hatte? Das würde einiges erklären – unter anderem das Verschwinden des Gesandten seines Vaters. Wahrscheinlich gehörte der arme Mann zu den Unglücklichen, auf die es die Aasgeier abgesehen hatten. Erstaunlich eigentlich, dass er selbst noch lebte, dachte Cameron. Offensichtlich wollte der Mann auf dem Thron etwas von ihm. Aber was?

Adair übernahm die Vorstellung. „Das ist Cameron Knight, Exzellenz. Mr. Knight, das ist unser geliebter Sultan Abdul Asaad.“

„Guten Tag, Mr. Knight.“

„Exzellenz.“ Cameron lächelte höflich. „Ich dachte, Sie wären älter.“

„Sie hatten demnach erwartet, meinen Onkel kennenzulernen. Leider ist er in der vergangenen Woche ganz unerwartet von uns gegangen.“

„Mein herzliches Beileid.“

„Danke. Er fehlt uns sehr. Übrigens hatte auch ich gedacht, dass der Eigentümer von Knight Oil sehr viel älter wäre.“

„Das ist mein Vater. Ich bin sein Gesandter.“

„Was Sie nicht sagen! Und was führt Sie in unser bescheidenes Land?“

„Mein Vater meinte, der Sultan – also Sie …“, wieder lächelte Cameron höflich, „würde die letzten Einzelheiten des Vertrags lieber mit mir besprechen als mit seinem üblichen Unterhändler.“

„Warum sollte ich das wollen?“

„Weil ich alle Vollmachten besitze und den Vertrag in seinem Namen abschließen kann – direkt und ohne Mittelsmann, der die Angelegenheit offenbar nur verzögert hat.“

Der Sultan nickte. „Ein ausgezeichneter Vorschlag. Zwischen Ihrem Vorgänger und mir gab es tatsächlich einige Meinungsverschiedenheiten. Er wollte Formulierungen ändern, über die ich mich mit Ihrem Vater bereits geeinigt hatte.“

Unsinn, dachte Cameron, lächelte jedoch weiter. „Dann ist es ja gut, dass ich jetzt hier bin, Exzellenz.“

„Adair hat Ihnen sicher schon berichtet, dass der Angestellte Ihres Vaters die Ebene jenseits der Blue Mountains besucht.“

„Ja, er hat so etwas erwähnt.“

„Es war mein Vorschlag. Es tut ihm sicher gut, aus der Stadt herauszukommen. Zu dieser Jahreszeit ist die Landschaft dort wunderschön.“

Diese Lüge entsprach in keiner Weise dem, was Adair gesagt hatte, und raubte Cameron den letzten Hoffnungsschimmer, dass der Angestellte seines Vaters noch lebte. Am liebsten hätte er den Sultan gepackt und geschüttelt. Doch Cameron riss sich zusammen und rang sich erneut ein höfliches Lächeln ab. „Eine gute Idee. Es wird ihm sicher gefallen.“

„Oh ja, ich verspreche Ihnen, dass er sich dort in Frieden ausruhen kann.“

Dieser Mistkerl grinste verschlagen über seine zweideutige Bemerkung. Wie gern hätte Cameron ihn zur Rechenschaft gezogen, doch da die Palastwachen ihn keine Sekunde aus den Augen ließen, hatte er keine Chance, hier lebend herauszukommen, wenn er den Sultan attackierte.

„Während er ruht, können wir die Angelegenheit zum Abschluss bringen“, schlug Asaad vor und klatschte gebieterisch in die Hände. Daraufhin eilte Adair mit Füllfederhalter und einem Bündel Papiere heran. „Sie müssen nur noch unterschreiben, Mr. Knight. Hier, bitte.“

Deshalb war der Unterhändler also tot und Cameron noch am Leben. Asaad benötigte die Vertragsunterschrift.

„Selbstverständlich. Allerdings würde ich mich vorher gern etwas ausruhen. Es war eine lange Reise.“

„Es ist doch nicht schwierig, ein Dokument zu unterschreiben.“

„Stimmt, und deshalb kann das sicher bis morgen warten.“

Asaad musterte ihn misstrauisch, blieb aber höflich. „Wie Sie wünschen. Dann gestatten Sie mir, für Ihre Entspannung zu sorgen. Ich habe ein kleines Willkommensfest arrangiert.“

„Das ist sehr nett, Exzellenz, aber …“

„Sie werden meine Gastfreundschaft doch nicht ablehnen?“ Der Sultan lächelte kühl.

Vielleicht war das Fest arrangiert worden, um Cameron zur U

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